Die Schöne und das Biest (2017)

Regie: Bill Condon
Original-Titel: Beauty and the Beast
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Fantasy, Liebesfilm, Musikfilm / Musical
IMDB-Link: Beauty and the Beast


Ladies Night im Artis Cinema. „Die Schöne und das Biest“. Und ich, männlich, den Altersschnitt deutlich anhebend, mitten drin. Weil: Kindheitserinnerungen. Und: Emma Watson. Plus ein Cast, der sich bis in den kleinsten Nebenrollen gewaschen hat: Ewan McGregor. Ian McKellen. Emma Thompson. Kevin Kline (den ich bis zum Schluss nicht erkannt habe). Stanley Tucci. Luke Evans (ein stimmlich und schauspielerisch herausragender Fiesling Gaston). Doch wie ist „Die Schöne und das Biest“ nun? Kommt die Realverfilmung von Bill Condon an den Trickfilmklassiker der 90er Jahre heran? Eines gleich mal vorweg: Wer den Zeichentrickfilm liebt, muss sich vor der Realverfilmung keineswegs fürchten. Im Gegenteil: Alle Zeichentrickfans, die mit mir im Kino waren, waren begeistert von diesem prunkvoll inszenierten Spektakel. „Die Schöne und das Biest“ ist kein Film der leisen Töne – hier wird so richtig protzig aufgetragen, man singt sich die Seele aus dem Leib. Dass diese dennoch nicht in der Luft verschwindet, sondern an einem Faden festgehalten wird, ist eben dem gewaltigen Cast zu verdanken, der (in den meisten Fällen ausschließlich als Sprechrollen und mit Gesang) jeder Figur Leben einhaucht und für den einen oder anderen lockeren Moment sorgt. Das Herzstück des Films ist aber Emma Watson als Belle. Ich muss gestehen, dass ich die erste Gesangsnummer gebraucht habe, bis ich mich an sie an Belle gewöhnt hatte, denn Emma Watson spielt sie nicht als unschuldiges, naives Liebchen, sondern verleiht der Figur eine Stärke und Unabhängigkeit, die ich erst mit den Erinnerungen an die Figur aus dem Zeichentrickfilm zusammenbringen musste, aber dann durchwegs genießen konnte. Belle ist durch Watsons Darstellung eine emanzipierte und moderne Frau geworden. Der neue Anstrich steht dem Disney-Klassiker sehr gut. Natürlich ist der Film nicht frei von Schwächen. Die CGI sieht manchmal ein bisschen daneben aus. Die Wölfe zum Beispiel. (Offenbar gehören Wölfe generell zu den größten Herausforderungen der Visual Effects Departments, an denen man regelmäßig scheitert.) Und oft wurde mir persönlich bei den Gesangs- und Tanznummern ein bisschen zu dick aufgetragen. Dass ich da nicht immer 100%ig mitgehen konnte, liegt aber auch daran, dass ich nicht unbedingt die passgenaue Zielgruppe für diesen Film bin. Dennoch habe ich mich gerne mitreißen lassen von dieser bunten, melodramatischen Fantasy-Welt. Und bin wieder ein bisschen Kind geworden.


6,5
von 10 Kürbissen

Disaster Movie (2008)

Regie: Jason Friedberg und Aaron Seltzer
Original-Titel: Disaster Movie
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: „Komödie“, „Satire“
IMDB-Link: Disaster Movie


Ich darf an dieser Stelle auf meine Bewertungsskala verweisen. 0,5 Punkte vergebe ich für den „beschissensten, sexistischsten, rassistischsten, dümmsten Film, der jemals gedreht wurde. Jeder Einzelne, der daran beteiligt ist, sollte dafür lebenslanges Berufsverbot bekommen.“ Herzlichen Glückwunsch, Mr. Friedberg, Mr. Seltzer, Sie haben mit „Disaster Movie“ die  Benchmark gelegt. Kurz war ich in Versuchung, diesem Film sogar glatte 0 Punkte zu geben und damit gegen meine Bewertungsprinzipien zu verstoßen, aber ich konnte es mir gerade noch so verkneifen. An sich finde ich ja durchaus einen Zugang zu Filmparodien. Filme wie „Hot Shots“, „Hot Shots – der zweite Versuch“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, die diverse Genres und Filmklassiker aufs Korn nehmen, haben mich als Kind schon extrem amüsiert und tun es heute auch noch. Umso schlimmer ist für mich das „Disaster Movie“ (welch passender Name übrigens). Wenn man wirklich jede Szene aus derben Zoten, sexuellen Anspielungen auf vorpubertärem Teenager-Niveau und Fäkalien aufbaut und das Ganze auch noch dermaßen stupide wiederholt, bis selbst der letzte Anflug eines Gags totgetreten ist, hat das für mich nichts mehr mit einer Parodie zu tun. Wie kann es sein, dass das gesamte Team, das an diesem Film beteiligt war, nicht nur dermaßen humorbefreit ist, sondern über so viel geballten schlechten und den IQ und die Empathie einer Stubenfliege beleidigenden Geschmack verfügt, dass niemand am zweiten, spätestens dritten Drehtag dazwischengegangen ist und die Leute nach Hause geschickt hat? Und was zum Geier hatten die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Aaron Seltzer und Jason Friedberg gegen den ganzen Cast in der Hand?

Platz 5 der 100 schlechtesten Filme auf IMDB ist so etwas von verdient! Ich kann nur eindringlich warnen vor diesem Film – er tötet gnadenlos Gehirnzellen und man gibt beim Ansehen ein bisschen was von seiner Menschenwürde ab, als würde man seine Seele an den Satan des Kinos verkaufen.

Und damit steht die Benchmark. Wer dieses Niveau noch unterbieten kann, gehört an die Wand gestellt.


0,5
von 10 Kürbissen

Moonlight (2016)

Regie: Barry Jenkings
Original-Titel: Moonlight
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: Moonlight


„Moonlight“ – Oscar für den besten Film. Was sagen die Leute in der Viktoria-Kantine dazu? Gut? Schlecht? (Kleiner Insider für Aficionados des österreichischen Fußballs.) Dass „Moonlight“ in einem dramatischen Finish nach einem noch nie dagewesenen Oscar-Fauxpas dem großen Favoriten „La La Land“ noch den Preis für den besten Film des Jahres buchstäblich vor der Nase weggeschnappt hat, war die wohl größte Überraschung einer ansonsten überraschungsfreien Oscarnacht. Und ich muss sagen – auch wenn „La La Land“ insgesamt noch mehr mein Film war – unverdient war das nicht. Denn Barry Jenkins erzählt eine ganz eigene, wichtige, kaum erzählte Geschichte von einer Welt, die mir zwar fremd ist, aber die existiert, und die durch diesen Film eine Stimme bekommt. Es geht um das Aufwachsen eines afroamerikanischen Jungen aus prekären Verhältnissen in Miami (die Mutter, grandios gespielt von Naomie Harris, ist cracksüchtig und arm), und als wäre das Leben damit nicht schon schwierig genug für ihn aufgrund der Umstände, die ihn umgeben, kommt als zusätzlicher Stein im Rucksack seine Homosexualität dazu, die in einer Welt, in der die Schwächsten gnadenlos gefressen werden, verborgen bleiben muss und später durch den jungen Erwachsenen durch zur Schau gestellte Härte überdeckt wird. Der Film erzählt von der Suche nach Liebe und Zuneigung in einem Umfeld, in dem genau das als Schwäche gilt. Ausgerechnet durch den Drogenhändler Juan (verdienter Oscar für Mahershala Ali) erfährt der Junge so etwas wie das Gefühl von Familie, von Zugehörigkeit, sodass sein weiterer Weg kein trostloser ist, zwar begleitet von Niederlagen, aber es ist ein Leben, das dabei herauskommt, mit Höhen und Tiefen, aber ein Leben.

„Moonlight“ ist vielschichtig, sensibel erzählt, herausragend gespielt und handwerklich toll gemacht (vom Schnitt über die Musik bis zur Kameraarbeit von James Laxton, der seinem Protagonisten immer folgt, immer nah dran ist, und ihm so eine sehr körperliche Präsenz verleiht) – und damit ein würdiger Gewinner in meinen Augen. Dass er für mich persönlich dennoch ein klein bisschen hinter anderen Filmen zurückblieb, die für den besten Film in Frage kamen (wie eben „La La Land“, „Arrival“ oder auch „Manchester by the Sea“), liegt daran, dass er mich emotional nicht so stark erreichte wie eben manch anderer Film. Ja, das Drama ist wuchtig und ungemein interessant, da man eben die Geschichte, die darin erzählt wird, noch nicht wirklich kennt, und so nimmt einen der Film über die ganze Laufzeit hinweg gefangen, aber der ist eben auch ein Stück weit weg von meiner eigenen Lebensrealität.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Thimfilm)

Logan – The Wolverine (2017)

Regie: James Mangold
Original-Titel: Logan
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Logan


Mittwochabend. 20:15 Uhr. Es ist angerichtet, die Sitze sind bezogen, das Popcorn ist bereit. Jetzt noch eine halbe Stunde Werbung, dann geht es los. Man ist durchaus skeptisch angesichts der Berichte aus den Vorwochen. Noch nie hat eine Mannschaft ein 0:4 in der Champions League-K.O.-Phase umgedreht.

Und los. Keine drei Minuten sind durch, schon liegen die ersten zerfetzten Leichen rund um den Luxus-Schlitten, mit dem sich Logan, ehemals Wolverine, seine Brötchen als Chauffeur verdient. Luis Suarez trifft zum 1:0 für Barcelona gegen eine indisponierte Pariser Abwehr. Nach diesem Auftakt ist alles angerichtet, die Geschichte entwickelt sich, Barcelona drückt an, Logan auch. Düstere Zeiten drohen: Barcelona vernebelt eine Chance nach der anderen, Professor Xavier ist ein uralter, seniler, tablettensüchtiger Mann, die Mutanten wie ausgelöscht von der Erde. Kurz vor Halbzeit: Dramatisches geschieht. Ein Eigentor zum 2:0. Logan und Xavier treffen auf ein junges Mädchen, das interessante Fähigkeiten besitzt. Ein schönes Gemetzel vor der Pause. Zur Halbzeit wissen wir: Hier wird mehr geboten als erwartet.

Kurz nach der Pause: Elfmeter. Messi verwandelt sicher zum 3:0. Hoffnung kommt auf, dass das Superhelden-Genre mit „Logan“ einen unerwarteten und erfrischenden Beitrag erhält. Dann aber der Schock: Im zweiten Drittel des Films wird es richtig düster und emotional heftig. Cavani schießt das 1:3. Barcelona müsste jetzt schon 6:1 gewinnen. Aber gehen die Lichter tatsächlich aus? Nein! Logan und Barcelona halten dagegen und in einem dramatischen, herzerweichenden Finish scoren zweimal Neymar und einmal Sergi Roberto zum unmöglich gehaltenen 6:1 und Logan macht das für unmöglich Gehaltene war: Die X-Men werden erwachsen und erhalten ein brutales, blutiges und unfassbar trauriges Requiem. Am Ende feiert Barcelona das Wunder, die Spieler fallen sich in die Arme, während auf einem anderen Schauplatz ein hölzernes Kreuz in der Erde steckt und man weiß, dass man Zeuge eines historischen Ereignisses wurde. Nein, nicht vom Aufstieg Barcelonas, sondern vom Abgesang der Superhelden-Filme. Ganz groß. Ich war froh, im Kino gewesen zu sein und nicht vor dem Fernseher.


8,0
von 10 Kürbissen

Operation Avalanche (2016)

Regie: Matt Johnson
Original-Titel: Operation Avalanche
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Satire, Thriller
IMDB-Link: Operation Avalanche


War Neil Armstrong 1969 der erste Mensch auf dem Mond, oder war er es nicht? Um diese Frage wird ja seit Jahrzehnten gestritten. Aluhüte werden befragt, im Chemtrail-Satz gelesen, es ist alles nicht so einfach, denn niemand von uns war ja dabei. Alles, was wir als Beweis haben, sind ein paar grobkörnige Schwarzweißaufnahmen und das Ehrenwort von Uncle Sam. Matt Johnson, ein kanadischer Filmemacher, dachte sich Folgendes: ‚Nehmen wir an, das Ganze wäre tatsächlich eine große Verschwörung gewesen – irgendwer musste ja dann die Bilder der Mondlandung faken. Und das wäre doch eine verdammt gute Geschichte, jene über die Filmemacher, die diese Mondlandung nachstellen.‘ Und so passierte nun Folgendes: Matt Johnson drehte einen Film mit Matt Johnson in der Hauptrolle, der als Matt Johnson vorgibt, einen Dokumentarfilm über die 60er Jahre der NASA zu drehen, um in den Räumlichkeiten der NASA einen Film zu drehen über ein Filmteam, das in den 60er Jahren bei der NASA angeblich einen Dokumentarfilm dreht, aber in Wahrheit die Mondlandung nachstellt. All das im besten Mockumentary-Style als abendfüllender Spielfilm. Die NASA hatte keinen Plan, stellte aber brav für fünf Drehtage die Räumlichkeiten zur Verfügung und ist jetzt leicht angepisst, nachdem der Film nun fertig und alles Andere als eine Doku über die NASA der 60er Jahre ist. Allein schon für diese Chuzpe gibt’s mal einen halben Bewertungspunkt extra. Der Film an sich ist, sofern man sich auf diesen Stil einlassen kann, phasenweise recht witzig (allerdings auf eine subtile, hintergründige Weise) und bekommt dann auch noch Thriller-Elemente, die allerdings ein bisschen fehlplatziert wirken angesichts der Komik der ersten Hälfte. Auch hat „Operation Avalanche“ unübersehbare Längen. So bleibt das Ganze ein wenig unter den Möglichkeiten zurück, bietet aber dennoch gute Unterhaltung.


6,5
von 10 Kürbissen

Silence (2016)

Regie: Martin Scorsese
Original-Titel: Silence
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Historienfilm
IMDB-Link: Silence


Die Anzahl an Meisterwerken, die Martin Scorsese im Laufe seiner langen und erfolgreichen Karriere geschaffen hat, ist eindrucksvoll. So wurde auch sein neuester Streich, „Silence“, mit großer Spannung erwartet. Bei den Oscarnominierungen dann die große Überraschung: Lediglich Kameramann Rodrigo Prieto wurde nominiert (und musste sich dann Linus Sandgren für „La La Land“ geschlagen geben). Nun nach dem Sichten des Films muss ich sagen: Mir leuchtet nun ein, warum es so still war rund um „Silence“. Denn Scorseses Film über die Christenverfolgung im Japan des 17. Jahrhunderts und die Geschichte rund um zwei Jesuiten-Priester (Andrew Garfield und Adam Driver), die ihren alten Mentor (Liam Neeson) suchen, der sich angeblich vom Glauben abgewandt hat, ist ein sperriges und mühsames, sich über mehr als 2,5 Stunden entfaltendes Epos, für das man viel Sitzfleisch braucht. Die Geschichte wird langsam und höhepunktarm erzählt. An sich ist das ja nichts Schlechtes – ich mag Filme, die ihrer Geschichte Zeit lassen, sich zu entfalten. Aber die einzelnen Schritte hin zum Ende sind einfach unglaublich zäh und spannungsfrei erzählt. Die Wandlung von Padre Rodriguez (sehr gut gespielt von Andrew Garfield – dafür hätte er eine Oscar-Nominierung verdient und nicht für „Hacksaw Ridge“), der innere Konflikt, in den er gerät angesichts des Leids, das er durch seinen Glauben über die verfolgten Christen bringt, ist schon interessant anzusehen und auch glaubwürdig, aber man hätte das durchaus straffen können. Szenen wiederholen sich, Konflikte werden immer wieder auf ähnliche Weise dargestellt, alles tröpfelt so ein bisschen vor sich her. So bleibt „Silence“ ein merkwürdig unentschlossener Film mit dokumentarischer Anmutung. Über 2,5 Stunden fordert das halt auch Opfer. Die drei Jungs, die nach ca. 1,5 Stunden den Kinosaal verlassen habe, konnte ich zum Teil wirklich verstehen.


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin)

Oscars 2017 – Was die Kristallkugel sagt

In der Nacht von Sonntag auf Montag ist es wieder soweit, und die begehrtesten Filmpreise der Welt werden verliehen. Schon jetzt zeichnen sich einige sehr klare Favoriten ab. Aber wer sind sie – und wem würde ich gerne einen Oscar geben? Hier ein Überblick über alle Kategorien.

Bester Film (Best Picture)
Nominiert: Arrival / Fences / Hacksaw Ridge / Hell or High Water / Hidden Figures / La La Land / Lion / Manchester by the Sea / Moonlight
Hier wird wohl „La La Land“ das Rennen machen. „Moonlight“ scheint der einzige verbliebene Herausforderer zu sein und wäre die politische Botschaft, aber alle Zeichen stehen auf Damien Chazelles Neubelebung des Musicals. „Moonlight“ habe ich selbst als einzigen der nominierten Filme noch nicht gesehen (wird mein Vor-Oscar-Film), also kann ich dazu nicht viel sagen, aber von den 8 Filmen, die ich kenne, wäre für mich auch „La La Land“ knapp vorne, gefolgt von „Manchester by the Sea“, „Lion“ und „Arrival“.

Beste Regie (Best Director)
Nominiert: Damien Chazelle (La La Land) / Mel Gibson (Hacksaw Ridge) / Barry Jenkins (Moonlight) / Kenneth Lonergan (Manchester by the Sea) / Denis Villeneuve (Arrival)
Eine klare Angelegenheit für Damien Chazelle. Alles Andere wäre schon eine faustdicke Überraschung, wenngleich man natürlich Barry Jenkins nicht gleich komplett abschreiben sollte. Aber ich glaube schon an den Durchmarsch von „La La Land“. Und auch hier schließe ich mich bis dato (ohne „Moonlight“ gesehen zu haben) den Buchmachern an. Beste Regie an Damien Chazelle – das passt.

Beste Hauptdarstellerin (Best Actress)
Nominiert: Isabelle Huppert (Elle) / Ruth Negga (Loving) / Natalie Portman (Jackie) / Emma Stone (La La Land) / Meryl Streep (Florence Foster Jenkins)
Hier fehlt mir „Loving“, alle anderen Filme habe ich gesehen. Und auch hier wäre ich mit einem Emma Stone-Oscar, der ja schon recht fix scheint, mehr als einverstanden. Auch Natalie Portman und Isabelle Huppert, die vielleicht noch Außenseiterchancen haben, waren toll, aber Emma Stone zeigt in „La La Land“ auf so vielen Ebenen großes Talent und eine meisterhafte Leistung, dass der Oscar absolut verdient wäre.

Bester Hauptdarsteller (Best Actor)
Nominiert: Casey Affleck (Manchester by the Sea) / Andrew Garfield (Hacksaw Ridge) / Ryan Gosling (La La Land) / Viggo Mortensen (Captain Fantastic) / Denzel Washington (Fences)
Bis vor kurzem hat es geheißen: Casey Affleck, sonst nix. Allerdings zeichnet sich nun doch ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Affleck und Denzel Washington ab, v.a. da in den letzten Wochen Missbrauchsvorwürfe gegen Affleck durch die Medien gingen. Einer der beiden wird morgen wohl den Goldmann in seinen Händen halten, der Rest ist chancenlos. Ich persönlich würde nach wie vor Casey Affleck bevorzugen, der hat für mich darstellerisch einfach die beste Leistung von allen gezeigt.

Beste Nebendarstellerin (Best Supporting Actress)
Nominiert: Viola Davis (Fences) / Naomie Harris (Moonlight) / Nicole Kidman (Lion) / Octavia Spencer (Hidden Figures) / Michelle Williams (Manchester by the Sea)
Es wird Viola Davis und das hochverdient. Kategorie abgeschlossen. Mehr gibt es hier nicht zu sagen.

Bester Nebendarsteller (Best Supporting Actor)
Nominiert: Mahershala Ali (Moonlight) / Jeff Bridges (Hell or High Water) / Lucas Hedges (Manchester by the Sea) / Dev Patel (Lion) / Michael Shannon (Nocturnal Animals)
Hier gibt es mit Mahershala Ali einen klaren Favoriten, den ich noch nicht beurteilen kann. Alles deutet darauf hin, dass er gewinnen wird. Eventuell kann Dev Patel noch ein Wörtchen mitreden. Ich selbst (ohne Ali gesehen zu haben) würde wohl Michael Shannon auszeichnen. Der Mann ist überfällig für einen Oscar, und seine Leistung in „Nocturnal Animals“ war wieder einmal grandios. Mit einem Augenblinzeln kann er mehr ausdrücken als andere Schauspieler mit ihrem ganzen Körper. Dev Patel wäre auch verdient, aber der fällt für mich eigentlich in die Hauptrollen-Kategorie.

Bestes adaptiertes Drehbuch (Best Adapted Screenplay)
Nominiert: Lion / Arrival / Moonlight / Hidden Figures / Fences
Alles deutet auf „Moonlight“ hin – quasi ein Kompensations-Oscar für die fehlende Auszeichnung als bester Film und für die beste Regie. Ich denke, das wird schon so in Ordnung gehen. Von den bis dato gesehenen vier Filmen hätte ich in einer knappen Kategorie wohl „Arrival“ ausgezeichnet.

Bestes Originaldrehbuch (Best Original Screenplay)
Nominiert: La La Land / The Lobster / Manchester by the Sea / 20th Century Women / Hell or High Water
Was für „Moonlight“ in der Kategorie für das beste adaptierte Drehbuch gilt, gilt für „Manchester by the Sea“ beim Originaldrehbuch. Das gibt wohl den Kompensations-Oscar. Ausgerechnet „La La Land“ selbst ist aber der schärfste Konkurrent. Eines der beiden Drehbücher wird ausgezeichnet werden. Was ein bisschen schade ist: Dass mit „The Lobster“ von Giorgios Lanthimos ausgerechnet das beste Drehbuch völlig chancenlos ist. Das wäre mein Oscar – gefolgt von „Manchester by the Sea“.

Beste Kamera (Best Cinematography)
Nominiert: Lion / Moonlight / Silence / La La Land / Arrival
Das wird der nächste Oscar für „La La Land“. Und ja, wäre aus meiner Sicht auch verdient, wenngleich die Kameraarbeit von Greig Fraser für „Lion“ jener von Linus Sandgren für „La La Land“ um nichts nachsteht.

Bestes Szenenbild (Best Production Design)
Nominiert: Arrival / Hail, Caesar! / La La Land / Passengers / Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
Auch diese Kategorie ist eine sichere Bank für „La La Land“. Ich persönlich hätte „Fantastische Tierwesen“ bevorzugt, aber Geld würde darauf nicht wetten bei den Quoten für „La La Land“.

Bestes Kostümdesign (Best Costume Design)
Nominiert: Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind / Florence Foster Jenkins / Jackie / Allied / La La Land
Das könnte den nächsten Oscar für „La La Land“ geben, der auch in dieser Kategorie bei den Bookies die Nase vorne hat. Hier geht es aber knapper zu als in anderen Kategorien. „Jackie“ mischt ordentlich mit. Und wäre für mich auch der verdiente Sieger. Das blutbespritzte Kostüm der First Lady ist tatsächlich ikonisch für den Film und die Geschichte – und großartig gemacht. Die Kostüme in „La La Land“ hingegen fand ich zwar nett, weil bunt, aber sonst recht unspektakulär.

Beste Filmmusik (Best Original Score)
Nominiert: Moonlight / La La Land / Jackie / Passengers / Lion
Justin Hurwitz wird den Oscar für „La La Land“ bekommen. Alles Andere wäre ohnehin absurd – auch wenn ich die Musik aus „Jackie“ sehr mag, da sie sehr eigenständig und individuell und auch verstörend ist und das Thema gut begleitet.

Bester Filmsong (Best Original Song)
Nominiert: Audition Song (La La Land) / Can’t Stop the Feeling (La La Land) / City of Stars (La La Land) / The Empty Chair (Jim: The James Foley Story) / How Far I’ll Go (Vaiana)
Es wird „City of Stars“ aus „La La Land“. Ganz klar. Ich selbst hätte den „Audition Song“ bevorzugt, aber ich kann mit „City of Stars“, den ich noch sehr gut im Ohr habe, gut leben.

Bestes Make-Up und beste Frisuren (Best Makeup and Hairstyling)
Nominiert: Ein Mann namens Ove / Star Trek Beyond / Suicide Squad
Hoppla! Mal kein „La La Land“ nominiert. Die Quoten deuten auf „Star Trek Beyond“. „Suicide Squad“ könnte vielleicht noch in die Suppe spucken (aber dazu ist der Film wohl generell zu schlecht aufgenommen worden), und warum „Ein Mann namens Ove“ nominiert ist, versteht keiner so recht. In einer Kategorie, die mir relativ wurscht ist, hätte ich wohl „Suicide Squad“ genommen, weil ich Margot Robbies Haare cool finde.

Bester Schnitt (Best Film Editing)
Nominiert: La La Land / Hacksaw Ridge / Hell or High Water / Moonlight / Arrival
And the Oscar goes to … „La La Land“! „Hacksaw Ridge“ hat bestenfalls winzige Außenseiterchancen, der Rest ist chancenlos. Und ja, kann man so vertreten. Ich hätte wohl auch „La La Land“ in dieser Kategorie ausgezeichnet.

Bester Ton (Best Sound Mixing)
Nominiert: La La Land / Hacksaw Ridge / Rogue One / 13 Hours / Arrival
Auch hier führt der Sieg nur über „La La Land“. Was die Geschichte trotz ganz klarer Quoten für „La La Land“ aber interessant macht: Mit Kevin O’Connell ist „the biggest loser“ nach 10 Jahren mal wieder nominiert. Es ist seine 21. Nominierung. Gewonnen hat er noch nie. Vielleicht hat die Academy diesmal ein Mitleid mit ihm, auch wenn die Quoten nicht unbedingt dafür sprechen. Ich selbst habe zu dieser Kategorie keine Meinung, da fehlt mir einfach das Fachwissen.

Bester Tonschnitt (Best Sound Editing)
Nominiert: Arrival / La La Land / Hacksaw Ridge / Sully / Deepwater Horizon
Ausnahmsweise ist „La La Land“ mal in einer Kategorie kein Favorit, denn die Nase vorne bei den Buchmachern hat hier „Hacksaw Ridge“, und auch „Arrival“ ist nicht chancenlos. Die drei werden es sich untereinander ausmachen. Und ich muss sagen, auch wenn ich den Film sonst nicht mochte, aber der Oscar für „Hacksaw Ridge“ wäre schon in Ordnung, denn angehört hat sich der Film tatsächlich sehr eindrucksvoll.

Beste visuelle Effekte (Best Visual Effects)
Nominiert: Deepwater Horizon / Doctor Strange / The Jungle Book / Kubo – Der tapfere Samurai / Rogue One
Favorit ist „The Jungle Book“. „Rogue One“ und „Doctor Strange“ haben Außenseiterchancen. Diese Kategorie finde ich persönlich dieses Jahr eher schwach besetzt, denn „The Jungle Book“ war zwar visuell ganz nett anzusehen, aber zu künstlich, zu offensichtliches CGI. Ähnliches gilt auch für die anderen Filme. Ich hätte persönlich wohl „Rogue One“ vorne, aber einfach nur, damit dieser an sich sehr gute Film auch mal ausgezeichnet wird.

Bester Animationsfilm (Best Animated Feature)
Nominiert: Kubo – Der tapfere Samurai / Mein Leben als Zucchini / Die rote Schildkröte / Vaiana / Zoomania
Diesen Oscar kann nur „Zoomania“ verlieren – wird das aber wohl nicht. „Kubo“ habe ich leider noch nicht gesehen – ich habe nur Gutes von dem Film gehört. Ohne „Kubo“ wäre mein Favorit kann klar „Mein Leben als Zucchini“ – der voraussichtliche Gewinner „Zoomania“ ist von den vier gesehenen Animationsfilmen für mich der schwächste gewesen.

Bester animierter Kurzfilm (Best Animated Short Film)
Nominiert: Blind Vaysha / Borrowed Time / Pear Cider and Cigarettes / Pearl / Piper
Auch in dieser Kategorie gibt es einen ganz klaren Favoriten mit „Piper“, aber bei den besten animierten Kurzfilmen kam es in den vergangenen Jahren schon öfter zu faustdicken Überraschungen – Pixar sollte sich also nicht zu sicher fühlen. Neben „Piper“ habe ich auch noch „Borrowed Time“ gesehen – beides sehr gute Filme, wobei ich persönlich auch „Piper“ etwas weiter vorne hätte, da er einfach animationstechnisch neue Maßstäbe setzt, während „Borrowed Time“, vielleicht der bessere Film insgesamt, unterm Strich dann doch einfach nur eine gut erzählte Geschichte bietet.

Bester Kurzfilm (Best Live Action Short Film)
Nominiert: Ennemis Interieurs / La Femme et le TGV / Silent Nights / Sing / Timecode
Bei den Wettbüros haben „Ennemis Interieurs“, „Sing“ und „Timecode“ die besten Quoten mit „Ennemis Interieurs“ als Favoriten. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

Bester Dokumentarfilm (Best Documentary Feature)
Nominiert: 13th / I Am Not Your Negro / Life, Animated / O.J. – Made in America / Seefeuer
Ich muss gestehen – ich habe keinen einzigen davon gesehen, muss mich hier also an die Buchmacher und die Meinungen anderer Filmexperten halten. Und die sagen, dass der Oscar für „O.J. – Made in America“ schon fix scheint. Einzig Ava DuVerney, die 2015 mit „Selma“ übergangen wurde, könnte da mit „13th“ noch mitmischen, aber die Quoten sind recht eindeutig.

Bester Dokumentar-Kurzfilm (Best Documentary Short)
Nominiert: 4.1 / Extremis / Joe’s Violin / Watani: My Homeland / The White Helmets
Dieses Jahr die wohl spannendste Kategorie, wenn man den Buchmachern Glauben schenkt. Denn die Quoten stehen ziemlich gleich für „The White Helmets“ und „Extremis“ mit „Joe’s Violin“ knapp dahinter. Aber ich frage mich dann doch immer wieder, wie viele stimmberechtigte Mitglieder der Academy tatsächlich diese Filme alle ansehen – und ob sie manchmal den Oscargewinner nicht einfach auswürfeln.

Bester fremdsprachiger Film (Best Foreign Language Film)
Nominiert: Ein Mann namens Ove (Schweden) / The Salesman (Iran) / Tanna (Australien) / Toni Erdmann (Deutschland) / Unter dem Sand (Dänemark)
Damit sind wir (endlich) am Ende. Respekt, wer bis dahin durchgehalten hat. Aber eine spannende Kategorie gibt es noch zu besprechen. Denn der sicher geglaubte Sieg von „Toni Erdmann“ ist nach einer Golden Globes-Niederlage gegen „Elle“ (das bei den Oscars nicht einmal nominiert ist) und den jüngsten Kontroversen rund um die von Trump verhängten Einreiseverbote ganz gewaltig ins Wanken geraten, und so haben sich die Quoten in Richtung „The Salesman“ verschoben. Die beiden Filme werden sich jedenfalls das Rennen untereinander ausmachen. Ich für meinen Teil bin schon gespannt auf „The Salesman“ (den ich am Sonntag noch sehen werde) und fände einen Oscar für „Toni Erdmann“ etwas befremdlich, da ich den Film für überschätzt halte. Die besten fremdsprachigen Filme wie eben „Elle“ oder „Neruda“ sind gar nicht nominiert, aber auch „Unter dem Sand“ fand ich besser als „Toni Erdmann“. Ich hoffe, „The Salesman“ überzeugt mich dann noch einmal – ansonsten wäre es dieses Jahr eine (in meinen Augen jedenfalls) sehr dürftige Besetzung.

Mal schauen, wie weit ich daneben lag – in etwa 30 Stunden werden wir es wissen.

La La Land (2016)

Regie: Damien Chazelle
Original-Titel: La La Land
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Musikfilm / Musical
IMDB-Link: La La Land


Diese Rezension wurde verfasst im Rahmen der Viennale 2016.

Das Beste kommt zum Schluss. Ein sehr guter Viennale-Jahrgang wird beendet mit einer quietschvergnügten und knallbunten Explosion. „La La Land“ von Damien Chazelle, der mich schon mit seinem Erstling „Whiplash“ begeistert hat, ist so ganz anders als das sinistere Psychospiel, weist aber die gleichen Tugenden auf (das hohe Tempo, die großartigen Bilder, das gewitzte Spiel mit Licht und Schatten) und macht so ziemlich alles richtig. Ryan Gosling macht eine wunderbare Wandlung vom bemitleidenswerten Fiesling zum absoluten Sympathieträger durch, und Emma Stone ist überragend. Smells like Oscars, jedenfalls für Emma Stone. Die Story ist zwar recht konventionell und weitestgehend überraschungsfrei (mein einziger größerer Kritikpunkt), aber das bunte und laute Abenteuer macht einfach Spaß. Nach den vielen stillen und subtilen Filmen der letzten Tage kam dieser Knall zum Abschluss gerade recht. „La La Land“ ist ganz klar kein Film, der sich an seine Zuseher heranschleicht, sondern er kommt mit Pauken und Trompeten, nein, einer ganzen Blasmusikkapelle. Kitsch? Ja, klar – und wie! Mich hat es mitgerissen, ich bin hingerissen.

Nachtrag:

„La La Land“ hat auch beim zweiten Ansehen großartig funktioniert – jedenfalls für mich. Ich verstehe, warum dieser Film polarisiert, warum ihn viele als belanglos halten. Er behandelt kein wichtiges politisches oder soziales Thema, sondern ist einfach nur eine Liebesgeschichte mit Musik und Tanz. Aber hey – sind es nicht die banalen Dinge wie Musik und Tanz und ist es nicht das große, allumfassende Gefühl der Liebe, was uns Menschen schließlich ausmacht? „La La Land“ wird bei den Oscars durchmarschieren, und das passt schon so.


8,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin)

Ein Mann namens Ove (2015)

Regie: Hannes Holm
Original-Titel: En man som heter Ove
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama
IMDB-Link: En man som heter Ove


Das für den besten fremdsprachigen Film nominierte Drama „Ein Mann namens Ove“ aus Schweden hat so seine Probleme. Es geht um den 59jährigen Ove, einen Pedanten allererster Güte, der in seiner Reihenhaussiedlung für Ordnung sorgt. Seine geliebte Frau Sonja ist bereits verstorben, und als er auch noch gekündigt wird, beschließt er, dass es an der Zeit ist, ihr nachzufolgen. Allerdings klappt das mit dem Abnippeln nicht so ganz nach Wunsch – immer kommt etwas dazwischen, wie zB die neue Nachbarsfamilie, bestehend aus einem leicht trotteligen schwedischen Vater, einer sehr freundlichen Mutter mit Migrationshintergrund und zwei entzückend unkomplizierten Töchtern. Und natürlich stellen die Neuankömmlinge Oves Leben bzw. dessen Rest davon erst einmal ordentlich auf den Kopf. Das alles ist sehr nett und kurzweilig anzusehen, auch wenn der Film seine Längen hat. Aber leider ist das, was rund um Ove und mit Ove geschieht, auch relativ vorhersehbar. „Ein Mann namens Ove“ ist daher ein Film, den man gerne mal an einem Sonntagabend mitnehmen kann, aber ob er lange im Gedächtnis bleiben wird, bezweifle ich stark. Ein wenig verwunderlich ist es schon, dass dieser zwar sympathische, aber eben nicht wirklich nachhallende Film eine Oscarnominierung einheimsen konnte, während zB „Neruda“ oder „Elle“, die wesentlich eigenständiger waren, leer ausgingen. Gut, die Academy mag offenbar Schweden. Ist ja auch ein schönes Land.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit (2015)

Regie: Martin Zandvliet
Original-Titel: Under Sandet
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Anti-Kriegsfilm
IMDB-Link: Under Sandet


„Unter dem Sand“ von Martin Zandvliet ist Dänemarks diesjähriger Oscar-Beitrag und wurde tatsächlich auch nominiert. Der Film handelt von einer Geschichte, die heutzutage kaum jemand auf dem Schirm hat: Nach Kriegsende und dem Abzug der deutschen Wehrmacht aus dem besetzten Dänemark blieben an der Küste Dänemarks fast zwei Millionen Landminen zurück. Zum Aufspüren und Entschärfen wurden deutsche Kriegsgefangene herangezogen. Die meisten davon stammten aus Hitlers allerletztem Aufgebot und waren daher Jugendliche, fast noch Kinder. Diese mussten nun die Strandabschnitte nach den tödlichen Sprengfallen absuchen. Nur etwa die Hälfte der dabei eingesetzten Gefangenen überlebten diese Arbeit bis zum Ende. „Unter dem Sand“ zeigt die Soldaten der deutschen Wehrmacht als Opfer. Verschreckte Jungen, die eigentlich nur nach Hause zu ihren Eltern möchten und davon träumen, zum ersten Mal mit einem Mädchen zusammen zu sein, müssen nach Kriegsende immer noch ihr Leben aufs Spiel setzen für eine Sache, an der die allermeisten von ihnen gar nicht beteiligt waren. Durch die Perspektive, die der Film einnimmt, gibt er ein sehr starkes Plädoyer gegen die Sinnlosigkeit des Krieges ab – mehr als es zB Mel Gibsons in meinen Augen völlig überschätzte „Hacksaw Ridge“ mit seiner Brutalität und seinen drastischen Bildern tut. Stark ist auch die Wandlung des dänischen Feldmarschalls, dem eine Gruppe von Kriegsgefangenen zugeteilt ist, und der allmählich lernt, seinen Hass abzulegen und die Menschen, die er vor sich hat, als solche wahrzunehmen. Allerdings ist „Unter dem Sand“ kein Film, den man mehr als einmal sehen möchte. Er geht unter die Haut und ist zum Teil nervenzerfetzend, wenn die Jungs, die sich vor Angst ankotzen, im Sand nach Minen stochern. Auch ist manches dramaturgisch nicht ganz schlüssig (warum zB die Kriegsgefangenen laut Befehl des Kommandos keine Nahrung bekommen sollen). Trotzdem ist „Unter dem Sand“ aber ein guter und vor allem wichtiger Film.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Koch Media)