Autor: Filmkürbis

Wenn Schweigen eine Antwort ist

Nichts ist komplett unpolitisch. Weitestgehend frei von Ideologie vielleicht, aber niemals zur Gänze unpolitisch. Auch ein Filmblog nicht. Wie wohl fast alle Menschen in Europa bin auch ich erschüttert von dem Leid, das seit gestern über die Bevölkerung der Ukraine und auch jener von Russland gebracht wird. Menschen sterben, Familien werden zerrissen, Existenzen vernichtet, und selbst nachfolgende Generationen werden noch die Wunden spüren, die sich durch ihre Familien ziehen. Ja, Film und Fernsehen bieten Ablenkung, und wir Menschen brauchen solche Ablenkungen von Sorgen und Nöten. Man kann auch in diesen Zeiten nicht alles stehenlassen und in Lethargie verfallen. So zynisch es auch klingen mag, aber das Leben geht weiter, für uns, selbst für die betroffene Bevölkerung in der Ukraine. Dennoch möchte ich ein kleines Zeichen setzen. Einmal kurz innehalten und still sein. Nicht so tun, als wäre nichts gewesen, sondern die Wunden sichtbar machen, indem ich mich selbst für einen Moment unsichtbar mache. In diesem Sinne werde ich zwei Wochen lang nichts auf dem Blog posten. Möge diese kleine Lücke, die dadurch entsteht, als Mahnmal gegen den Krieg und das Leid, das dieser über die Menschen bringt, verstanden werden.

Die Teufelin (1989)

Regie: Susan Seidelman
Original-Titel: She-Devil
Erscheinungsjahr: 1989
Genre: Komödie
IMDB-Link: She-Devil


Bittersüße Rachegeschichten verzücken uns oft sehr. Was das über Moral und Anstand und die innere Wertehaltung aussagt, sei dahingestellt, aber wer hat nicht lauthals gejubelt, als zum Beispiel Bill in „Kill Bill“ sein gerechtes Ende gefunden hat? Wer hat nicht dem Gladiator Maximus seine Rache am bösen Imperator Commodus vergönnt? Und dass John Wick auszuckt, weil jemand seinen Hund ermordet, ist absolut nachvollziehbar. Es gibt also etwas in uns, das eine tiefe Befriedigung empfindet, wenn moralische Menschen amoralische Dinge tun, um erfahrenes Leid kosmisch auszugleichen. Ruth Patchett (Roseanne Barr) ist so eine moralische Frau. Mutter zweier Kinder, aufopfernde Ehefrau, von Selbstzweifeln geplagt – und dann bandelt der Göttergatte einfach mit einer Rosemunde Pilcher-Romane schreibende Bestsellerautorin (Meryl Streep in ihrer ersten komödiantischen Rolle) an und verlässt Ruth und die Kinder, um fortan in der Luxusvilla der Affäre die Annehmlichkeiten des Whirlpools zu genießen. Klar kann man da schon mal auszucken. Und Ruth schmiedet einen perfiden Plan, um dem ehemaligen Traummann seinen absoluten Albtraum zu bescheren. Leider ist „Die Teufelin“ für eine Komödie recht unlustig. Die Gags beruhen auf dramatisierenden Übertreibungen und Overacting, es fehlt das Gefühl für Timing, und unterm Strich ließ mich das Schicksal aller Figuren, da jede auf ihre Weise nervig war, ziemlich kalt. Für mich funktioniert der Film leider nicht, auch wenn ich ihn gerne gemocht hätte.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc, Quelle http://www.imdb.com)

Der Mann mit der Narbe (1948)

Regie: Steve Sekely
Original-Titel: Hollow Triumph
Erscheinungsjahr: 1948
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: Hollow Triumph


Paul Henreid, in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen durch seine Rolle als Victor László in Casablanca, hatte dem Vernehmen nach genug davon, immer die braven Burschen spielen zu dürfen. In „Der Mann mit der Narbe“ durfte er mal eine andere Facette seines Könnens zeigen: als Verbrecher John Muller, dessen Coup, zusammen mit seiner Gang ein Casino auszurauben, fürchterlich schief geht, worauf er untertauchen muss. Zufälligerweise stößt er dabei auf den Psychoanalytiker Dr. Bartok, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Allein eine Narbe auf der Wange unterscheidet die beiden. Doch so eine Narbe ist rasch ins Gesicht geschnitten, und schon bald ist Muller bereit, Dr. Bartoks Platz einzunehmen. Der muss dafür natürlich erst einmal von der Bildfläche verschwinden. Doch der Teufel steckt im Detail. Man könnte sagen: „Alles verlief nach Plan, nur der Plan war scheiße“. Schafft es Muller, trotz der Fehler, die ihm unterlaufen, davonzukommen, oder siegt die Gerechtigkeit, und der Schurke muss für seine Taten büßen? Das Mitfiebern mit Anti-Helden ist ja durchaus spannend – man wird als Zuseher in einem moralischen Zwiespalt gezogen und überträgt diesen inneren Konflikt auf den Spannungsbogen des Films. Leider funktioniert das im Fall von „Der Mann mit der Narbe“ nur bedingt, denn Paul Henreid ist reichlich uncharismatisch als Bösewicht. Zudem wird die Geschichte etwas zu umständlich erzählt. Das Tempo fehlt. So bleibt dieser düstere Film Noir, der in der Story gute Ansätze hätte, leider nur Durchschnittskost.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Toy Story (1995)

Regie: John Lasseter
Original-Titel: Toy Story
Erscheinungsjahr: 1995
Genre: Animation
IMDB-Link: Toy Story


To infinity and beyond! Keine Frage, was Pixar im Auftrag von Disney 1995 mit „Toy Story“ gezeigt hat, ging in die Filmgeschichte ein und veränderte den animierten Film für immer. „Toy Story“ war der erste vollständig computeranimierte Film der Geschichte. Und Steven Spielberg war daran nicht ganz unbeteiligt. Denn erst die bahnbrechenden Animationen für sein Jurassic Park ermöglichten es künftigen Filmemachern, ganz neue Welten auf dem Computer zu erschaffen. Was heute filmischer Standard ist, nicht nur im Bereich des animierten Films, sondern ganz generell für Filmschaffende, nahm damals seinen Anfang. Der Film war so visionär, dass die Academy 1996 dafür einen eigenen Sonder-Oscar vergab. Natürlich: Mit heutigen Augen betrachtet sieht man dem Film sein Alter durchaus an, gerade bei den animierten Kindern, die noch mit vergleichsweise wenigen Gesichtsausdrücken durchkommen müssen. Aber ja, der Film war damals eine Sensation und hat euch heute noch eine treue Fangemeinde. Wäre er nicht der erste jemals komplett computeranimierte Film der Geschichte gewesen, sondern der zweite oder dritte, so könnte ich mir vorstellen, dass der Hype wohl etwas verhaltener ausgefallen wäre. Die Story ist spannend, aber recht einfach gestrickt – „Toy Story“ ist ein klassisches Buddie-Movie, bei dem sich zwei gegensätzliche Charaktere durch ein gemeinsames Abenteuer zusammenraufen müssen. Das alles ist charmant und temporeich erzählt, auch die Actionszenen sind gut gemacht, aber es fehlt noch (größtenteils) die inhaltliche Tiefe, die spätere Pixar-Filme ausgezeichnet haben, auch wenn die ersten Ansätze dafür schon vorhanden sind und der Film nicht nur auf die Jüngsten im Publikum ausgerichtet ist. Dieser erste Gehversuch der computeranimierten Welt ist auch heute noch aller Ehren wert, doch – wie es so oft ist bei Pionieren – er wurde von seinen Nachfolgern deutlich überflügelt.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1995 – Walt Disney Studios, Quelle http://www.imdb.com)

Interstellar (2014)

Regie: Christopher Nolan
Original-Titel: Interstellar
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Science Fiction, Drama
IMDB-Link: Interstellar


Christopher Nolan macht es seinem Publikum in der Regel nicht leicht. Da muss man schon konzentriert bei der Sache bleiben und mitdenken, und selbst dann erschließen sich viele Filme erst bei der zweiten oder dritten Sichtung – oder überhaupt nie. „Interstellar“ mit Matthew McConaughey und Anne Hathaway in den Hauptrollen (und prominent besetzt in den Nebenrollen mit Jessica Chastain, Michael Caine, Matt Damon, Ellen Burstyn und Casey Affleck) ist so ein Fall, bei dem man bei der ersten Sichtung wohl hauptsächlich die eindrucksvollen Bilder auf sich wirken lässt, aber im Grunde keinen Plan hat und am Ende mit vielen Fragezeichen im Kinosaal oder vor dem Fernseher sitzt. Bei mir war es jedenfalls so, damals, beim ersten Kinobesuch. Ja, das war alles grandios, was da über die Leinwand flimmerte, der Film war interessant und trotz seiner langen Laufzeit kurzweilig und spannend, die Bilder – ob im Weltall, auf einer von Sandstürmen geplagten Erde oder auf den fremden Planeten – unfassbar schön anzusehen mit hohem Erinnerungswert, aber: WHAT? THE? ACTUAL? FUCK??? Jahre später dann die zweite Sichtung, und zu den schönen Bildern gesellte sich dann endlich eine komplexe, aber verständliche Handlung. Über die physikalischen Grundprinzipien, auf die der Film beruhen soll, kann und will ich nicht eingehen, dafür ist mein Kürbis viel zu hohl, aber in sich klingt die Geschichte stimmig – und das ist in der fiktiven Welt des Films das Wichtigste. Und weil der Inhalt so vielschichtig und kompliziert ist, will ich gar nicht erst darüber schreiben, sondern einfach nur auf den Weg geben: Wenn euch der Film bei der ersten Sichtung einen Knoten in die Hirnlappen gemacht hat, gebt ihm zumindest noch eine Chance. Es hat schon einen Grund, warum Christopher Nolan als neuer Säulenheiliger des Blockbusterkinos gefeiert wird.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2014 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Chaos im Netz (2018)

Regie: Phil Johnston und Rich Moore
Original-Titel: Ralph Breaks the Internet
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Animation
IMDB-Link: Ralph Breaks the Internet


Ralph aus Ralph reichts ist mit seinem Leben sehr zufrieden. Er hat sich mit seiner Arbeit, die darin besteht, ein Gebäude zu zerstören, das sein Kumpel Fix-It Felix wieder aufbauen muss, abgefunden, und mit Vanellope hat er eine richtig gute Freundin an seiner Seite. Seit sechs Jahren läuft alles super. Doch Vanellope langweilt sich. In ihrem Spiel Sugar Rush ist sie unangefochtene Nummer Eins und gewinnt die Rennen spielend. Eine Challenge wäre fein. Und Ralph, ganz der gute Freund, der er immer schon sein wollte, besorgt ihr diese – nicht ahnend, damit eine Kette von Ereignissen loszutreten, die nicht nur sein Leben, sondern das aller Menschen verändern wird. Denn Vanellope und Ralph landen im Internet, wo sie versehentlich Chaos verursachen. Die Grundidee von „Ralph reichts“ war dermaßen originell, dass es eine Fortsetzung erst einmal schwer hat. Und es braucht auch eine Weile, bis „Chaos im Netz“ in die Gänge kommt. Dann aber macht der Film zunächst verlorenes Terrain locker wieder wett durch eine herrliche Scheiß-mir-nix-Attitüde und ungeahnte Selbstironie beim großen Mäusekonzern. Die zweite Hälfte des Films ist frech, turbulent und saukomisch. Die Story selbst bleibt zwar recht konventionell, die Jagd nach einem MacGuffin gehört nun wirklich nicht zu den modernsten Erfindungen des Kinos, aber dank des zügellosen Witzes funktioniert „Chaos im Netz“ sowohl als Fortsetzung als auch als eigenständiger Film. Und wartet auf die Abspannszene – da pfeifen die Produzenten noch mal so richtig auf Political Correctness und Disneys Wertekatalog und beenden den Film wortwörtlich mit einem Knall.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Charlotte Rampling – The Look (2011)

Regie: Angelina Maccarone
Original-Titel: The Look
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: The Look


Es ist an der Zeit, meine Charlotte Rampling-Geschichte von der Berlinale vor einigen Jahren aufzuwärmen. Der Filmkürbis eures Vertrauens zog nichtsahnend mit flottem Schritt über den roten Teppich, um rechtzeitig zur Vorstellung von Der Nachtportier zu kommen, drückte sich dabei versehentlich und unwissentlich an der deutschen Kulturministerin vorbei, um etwas versetzt eine Reihe hinter Charlotte Rampling selbst zu sitzen zu kommen. Für eine Dauer von etwa zwei Stunden habe ich ihren Hinterkopf gesehen. Wer kann das sonst von sich behaupten? Nun, ich war nicht erst seit dieser Beinahe-Begegnung ein Charlotte Rampling-Fan. Diese Grand Dame des europäischen Kinos besitzt eine außergewöhnliche Präsenz sowie ein vielseitiges schauspielerisches Talent, mit dem sie jeden Film adelt. In „The Look“ taucht man nun tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt ein, wenn sie sich in kurzen Begegnungen und Episoden mit früheren Weggefährt:innen über diverse Themen austauscht, die sie und ihr Dasein als Schauspielerin beschäftigen. Da geht es um Tabus, um die Liebe, um den Tod, um Leidenschaft und das Gefühl des Ausgesetztsein. Man erfährt dabei einiges über ihren Zugang zur Schauspielerei, aber auch private Details, ohne dass diese Gespräche zur Bauchnabelschau geraten. So ist „The Look“ eine interessante Collage über eine interessante Frau und Schauspielerin. Allerdings nutzt sich das Konzept mit der Zeit ab, mit manchen Gesprächspartner:innen läuft der Dialog auch schleppend, und gelegentlich hat man das Gefühl, dass Rampling dennoch einen Schutzmantel umgelegt hat und nur das zeigt, was sie wirklich zeigen will. Das ist selbstverständlich zu respektieren, und dennoch gibt es da so manche Distanz zum Zuseher. Man hätte die Dokumentation durchaus straffen können, ohne allzu viel Inhalt zu verlieren. Dennoch gibt „The Look“ nicht nur Charlotte Rampling-Fans einen aufschlussreichen Einblick in die Welt der Schauspielerei.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2011 Les Films d’Ici, Quelle http://www.imdb.com)

Seegefecht in Griechenland (1897)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Combat naval en Grèce
Erscheinungsjahr: 1897
Genre: Kurzfilm, Kriegsfilm
IMDB-Link: Combat naval en Grèce


Meine Damen und Herren, Mesdames et Messieurs, ich präsentiere euch hiermit den ersten Kriegsfilm der Filmgeschichte. Und wer könnte für diese historische Pionierarbeit verantwortlich sein? Natürlich Georges Méliès, der regelmäßigen Lesern dieses Blogs mittlerweile ein Begriff sein dürfte. In diesem etwa einminütigem Film stellt Méliès mit einfachsten Mitteln ein Seegefecht dar. Man sieht das Kriegsschiff, auf ihr einige Besatzungsmitglieder sowie den Kommandanten (gespielt von Méliès persönlich), die eine Kanone laden und abfeuern, doch dann getroffen werden, woraufhin ein Matrose zusammenbricht und verwundet liegenbleibt. Interessant an diesem Film ist vor allem die bewegliche Bühne, auf der das Schiff schwankt, als herrsche reger Seegang. Dieses kleine Detail, das man fast übersehen könnte, beweist einmal mehr den Erfindungsreichtum von Méliès und sein Verständnis für das Medium Film. Denn erst das Schwanken des Schiffs macht diesen Film glaubwürdig und lässt die Bedrohung spürbar werden. Aus heutiger Sicht mag dieser kleine Spezialeffekt unscheinbar wirken, doch unter dem Publikum der damaligen Zeit muss das ein Raunen und Staunen hervorgebracht haben.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf griechisch (2002)

Regie: Joel Zwick
Original-Titel: My Big Fat Greek Wedding
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: My Big Fat Greek Wedding


Klischee olé! Doch wenn man Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Nia Vardalos Glauben schenken kann, dann ist diese Geschichte einer verliebten griechischen jungen Frau aus stockkonservativem Haus und ihrem künftigen Ehemann, der so ungriechisch ist, wie sich das der Papa in seinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen konnte, (so ähnlich) tatsächlich passiert. Die Produktionsgeschichte zu „My Big Fat Greek Wedding“ ist Stoff für Hollywood für sich: Nia Vardalos brachte ihre Liebesgeschichte als Ein-Personen-Stück ins Theater, wo es rasch zu einem Erfolg wurde und unter anderem von Rita Wilson gesehen wurde. Die zerrte ihren Gemahlen, der auf den Namen Tom Hanks hört, ins Theater, und beide waren so begeistert, dass sie daraus einen Kinofilm machten. Und da niemand besser für die Hauptrolle geeignet war als diejenige, der diese Geschichte widerfahren ist, verpflichteten sie Vardalos gleich auch für die Darstellung der aufgeweckten, leicht schusseligen Toula, die mehr mit ihrer eigenen Familie zu kämpfen hat als damit, das Herz ihres Auserwählten zu erobern. Das Ergebnis all dieser Bemühungen ist eine warmherzige und stellenweise sehr lustigen Komödie über interkulturelle Missverständnisse und das Aufeinanderprallen von Werten und Lebensarten, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen wollen. Natürlich ist das alles ein bisschen überspitzt dargestellt, und Bonuspunkte für die Vermeidung allzu offensichtlicher Klischeefallen gibt es definitiv keine, aber das ist fast egal, wenn die Gags richtig zünden und man mit der grundsympathischen Toula mitfiebert, ob es ihr doch noch gelingt, ihrer verbohrten Familie den ungewünschten Schwiegersohn schmackhaft zu machen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Ballade von der weißen Kuh (2020)

Regie: Behtash Sanaeeha und Maryam Moghadam
Original-Titel: Ghasideyeh gave sefid
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Ghasideyeh gave sefid


Es ist ein harter Kampf an der Spitze. Noch hat Österreich (vor allem dank der unermüdlichen Beiträge von Michael Haneke) die Nase vorn im Rennen um die Feel-Bad-Film-Nation der Welt, aber der Iran lässt sich nicht lumpen und zückt mit der „Ballade von der weißen Kuh“ ein Ass. Der Film beginnt gleich mal mit einem Besuch in einem äußerst trostlosen Gefängnis, in dem Mina (Maryam Moghadam, die auch gleich am Drehbuch und der Regie mitgewirkt hat) ihren Ehemann zum letzten Mal sieht. Kurze Zeit später ist derselbige tot, und Mina muss sich mit ihrer gehörlosen Tochter allein abkämpfen. Die Wohnung ist winzig, das Geld ist alle, und als Witwe eines verurteilten und hingerichteten Mörders hat man nicht unbedingt ein erfülltes Sozialleben. Und weil alles eh schon so scheiße ist, kommt plötzlich auch noch die Nachricht, dass die Verurteilung und Exekution des Gatten auch noch ein Justizirrtum war. Auftritt Reza (Alireza Sanifar), ein traurig blickender Mann, dessen Sohn sich gerade zum Militärdienst verabschiedet hat, und der dem Verstorbenen noch was schuldete. Zwischen den beiden einsamen Seelen entwickelt sich eine freundschaftliche Zuneigung – vielleicht das bisschen Licht in dieser dunklen Welt, das es in diesem Moment braucht. Aber: Das iranische Regieduo macht seine Sache gründlich, und was ein Haneke kann, können die beiden auch. Also geht mal lieber nicht davon aus, dass am Ende alle happypeppy sind, der verstorbene Ehemann als fröhlicher Geist Stepptänze aufführt und die ganze Familie glücklich ins Disneyland fährt. Wäre natürlich auch eine Variante gewesen, den Film ausklingen zu lassen, aber das Ende passt schon so, wie es ist. Die Welt ist eben mancherorts und manchmal so deprimierend. Und damit ist die „Ballade von der weißen Kuh“ ein konsequenter Film, über den man noch lange diskutieren kann. Eine Empfehlung von mir. Und der Haneke zuckt wohl auch schon ganz nervös im Kinosessel.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Amin Jafari, Quelle http://www.imdb.com)