Komödie

Café Society (2016)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: Café Society
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie
IMDB-Link: Café Society


Ein Filmjahr ohne dem jährlichen Woody Allen-Film? Unvorstellbar. Der kontinuierliche Output des Altmeisters führt allerdings dazu, dass die Qualität der Filme höchst unterschiedlich ist. Das ist verständlich – ein Meisterwerk wie zB „Match Point“ bringt man eben nicht jedes Jahr zustande. „Café Society“ ist ein kleiner, entspannter Film, der nicht viel sein will – und es auch nicht ist. Jesse Eisenberg und Kristen Stewart spielen an der Seite von Steve Carrell zwei junge Menschen, die sich finden, dann aber doch nicht halten können, und das Ganze findet vor dem Hintergrund der Golden Era des Hollywood der 30er Jahre statt. Höchst amüsant ist der Nebenstrang, der sich mit dem Aufstieg des Bruders des Hauptprotagonisten zu einem der einflussreichsten Nachtclubbesitzer auseinandersetzt – was dieser Bruder mit relativ rigorosen Methoden erreicht. Die Betonmischmaschine wird mehr als einmal angeworfen. So erbaulich das Ganze allerdings zeitweise anzusehen ist, fehlen mir jedoch zwei wesentliche Ingredienzien: Chemie (zwischen Eisenberg und Stewart, die beide für sich sehr gut spielen, aber ein Funkenregen sieht anders aus) und Relevanz. Wenn man nach 1,5 Stunden den Kinosaal verlässt, wurde man zwar ganz nett unterhalten, aber im Grunde war’s wurscht, ob man den Abend auf diese Weise oder mit einem Spaziergang durch die nachtbeleuchtete Stadt verbracht hat. Letzteres ist nämlich auch wie der Film: Sehr schön und was fürs Auge, aber nichts, woran man sich noch lange erinnert.


5,0
von 10 Kürbissen

Paterson (2016)

Regie: Jim Jarmusch
Original-Titel: Paterson
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: Paterson


Der von mir so geschätzte Ray Bradbury hat einst einen Schreibratgeber mit dem wundervollen Namen „Zen in the Art of Writing“ geschrieben. Ich weiß nicht, ob Jim Jarmusch einen Filmkurs abhält, aber falls doch, wäre es wohl angemessen und richtig, diesen „Zen in the Art of Film-Making“ zu nennen. In Jim Jarmusch-Filmen passiert erstaunlich wenig für die Fülle der Zeit, die sie in Anspruch nehmen. Noch erstaunlicher: Sie sind in den seltensten Fällen langweilig. Die Geschichte von „Paterson“ ist rasch erzählt: Der stoische Busfahrer Paterson lebt in einer harmonischen Liebesbeziehung mit der rastlosen Laura und ihrer Bulldogge Marvin und schreibt nebenbei Gedichte. Inspiration holt er sich aus dem Alltag, aus den Gesprächen der Fahrgäste beispielsweise. Sein Leben findet aber in geordneten, fast schon pedantischen Routinehandlungen statt. Was für ein gewaltiges Talent er tatsächlich ist, kann man bestenfalls erahnen. „Paterson“ ist eine Hymne für Unsong Heroes. Es ist gleichzeitig eine Hymne an die Liebe und das Miteinander und an den Alltag. Phasenweise hat der Film durch sein Stilmittel der Repetition durchaus seine (kleineren) Längen. Und ich hätte mir gewünscht, dass Paterson, der stille Held, am Ende einen kleinen Triumpf erfährt oder eine Wandlung, aber all das wäre wohl nicht konsequent zu Ende gedacht gewesen. Jim Jarmusch hingegen ist konsequent. Ein schöner, in sich ruhender Film. Nicht der beste Jarmusch (das wird für mich wohl immer „Only Lovers Left Alive“ bleiben), bei weitem auch nicht der zwingendste und sicherlich nicht der massentauglichste, aber einer von den vielen guten.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Frank (2014)

Regie: Lenny Abrahamson
Original-Titel: Frank
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Komödie, Musikfilm
IMDB-Link: Frank


„Frank“ ist ein erstaunlicher Film. Er ist skurril, ohne seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. Er ist witzig, ohne die tragischen Seiten des Lebens zu verleugnen. Dessen Hauptdarsteller läuft die ganze Zeit über in einem Pappmaché-Kopf herum und ist ohne Mimik ausdrucksstärker als viele andere Darsteller. Und Träume sind manchmal zu groß, aber kein Grund, ihnen deshalb nicht nachzujagen.

Die eigentliche Hauptfigur ist Jon (Domhnall Gleeson, und ja, ich musste googeln, wie man seinen Namen schreibt), ein junger Musiker oder vielmehr: Möchtegern-Musiker, den es durch Zufall als Keyboarder in die Band von Frank (herausragend: Michael Fassbender) spült. Frank hat besagten Pappmaché-Kopf auf, und nicht einmal seine langjährigen Bandkollegen wissen, wie er darunter aussieht. Die Bandkollegen: Eine furchteinflößende Maggie Gyllenhaal (Reminder an die Academy: die Dame wäre auch längst mal fällig für den Goldmann), ein nicht wiederzuerkennender Scoot McNairy und zwei tatsächliche Musiker, die dem ganzen Toben auf der Bühne mit ihrer Präsenz zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen. In dieser bunten Truppe ist Jon, der Musik-Nerd, der normalste und in Folge konsequenterweise auch jener, der den Laden zusammenhängt. Frank nämlich ist ein exzentrischer Freigeist, er lebt in und für die Musik, aber die Erfordernisse der realen Welt prallen an ihm ab. Der Plan, in einer Blockhütte im Wald ein Album aufzunehmen und danach auf Tour zu gehen, wird daher auch immer wieder vor neue Probleme gestellt. Dieser sind manchmal lustiger Art, manchmal abgrundtief traurig, meistens aber beides zugleich.

„Frank“ ist ein wunderbar zarter Film über Freundschaft, Träume und die Widrigkeiten des Schicksals. Der Film erzählt die Geschichte von Menschen, die aus ihrer Bahn geworfen werden und in andere Umlaufbahnen fallen, wo sie mehr oder weniger verzweifelt versuchen, zu sich und/oder zu ihrem Glück zu finden. Es ist eine Geschichte von Außenseitern, mit viel Liebe und großartiger Musik erzählt.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

The Apple of My Eye (2016)

Regie: Axelle Ropert
Original-Titel: La Prunelle de Mes Yeux
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: La Prunelle de Mes Yeux


Wenn man eine 1,5stündige Komödie ansieht und kein einziges Mal schmunzelt, ist das eher kein ermutigendes Zeichen. „La Prunelle de Mes Yeux“ aus Frankreich ist ein völlig verunglücktes Rom-Com-Vehikel, das so wirklich jede Figur, die darin vorkommt, dumm aussehen lässt. Erzählt wird die Geschichte, wie sich die blinde Elise und der erfolglose und talentbefreite Musiker Théo im Aufzug kennenlernen, wie sie sich fürchterlich unsympathisch finden und gegenseitig auf die Nerven gehen und sich Théo schließlich, ein schlechter Scherz, ebenfalls als blind ausgibt, wodurch sie dann doch zueinander finden. Darüber hinaus gibt es eine kokainsüchtige Schwester der blinden Elise, eine Ärztin, die wie eine High-Society-Schnepfe aussieht, die sich in den falschen Film verirrt hat, einen Beamten, der so schlecht gespielt ist, dass man Mitleid mit dem armen Menschen hat, der ihn darstellt, denn ein professioneller Schauspieler kann das nicht sein, einen Label-Boss, der zu oft „Der Pate“ geschaut hat, und den Bruder von Théo, der lauter Blödsinn redet, aber irgendwie noch der sympathischste der ganzen Nebenfigurenriege ist. Die wahren Probleme werden einfach bagatellisiert. So ist die Drogensucht der Schwester eine nie bestätigte Behauptung, die als billiger Running Gag herhalten muss, und die Sicht des Films auf blinde Menschen und ihren Umgang mit dem Alltag ist mehr als fragwürdig. Die Synopsis des Films: Schöne Menschen fahren im Aufzug und reden Mist. Ärgerlich.


2,5
von 10 Kürbissen

Trennung mit Hindernissen (2006)

Regie: Peyton Reed
Original-Titel: The Break-Up
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Komödie, Drama, Rom-Com
IMDB-Link: The Break-Up


Ich gebe zu: Diese Review schreibe ich, damit mal eine Benchmark für richtigen Müll auf dieser Seite definiert ist. „The Break-Up“ von Peyton Reed mit Vince Vaughn und Jennifer Aniston ist völlig verunglückt. Die beiden Hollywood-Stars (jeden für sich mag ich eigentlich ganz gerne, aber in diesem Film sind sie zusammen wie eine Gabel und ein Topf – ihr kennt das grausliche Geräusch, das die über den Topfboden gezogene Gabel erzeugt) spielen ein ungleiches Paar, sie die kunstsinnige Dame (man kann auch „Zicke“ dazu sagen), er der sportbegeisterte coole Typ (man kann auch „Arschloch“ dazu sagen). Zu Beginn haben Zicke und Arschloch ja noch Herzchen in den Augen und freuen sich, wie sehr The Significant Other doch das Leben bereichert. Doch irgendwann stellt Zicke fest, dass Arschloch nur ein riesengroßer Prolet ist, und Arschloch verhält sich daraufhin noch arschlochmäßiger, was Zicke gar nicht schmeckt, und so macht sie konsequenterweise Schluss (die einzige logische Handlung, die während der über 100 Minuten gesetzt wird). Leider haben die beiden gemeinsam eine Wohnung gekauft, und keiner denkt daran, auszuziehen. So zicken und arschen sie sich weiterhin an, Arschloch leidet ein bisschen, erkennt aber nicht, worin sein Fehler besteht, Zicke wird noch zickiger, und die Nebenfiguren sind einfach dämlich – durch die Bank und ohne Ausnahme. „The Break-Up“ ist für eine Komödie definitiv zu unlustig und für ein Drama um Welten zu blöd. Immerhin läuft mal Jennifer Aniston halbnackt durchs Bild und das Ende ist wohltuend unspektakulär nach dem ganzen Mist davor, daher konnte der Film noch drei magere Pünktchen über die Ziellinie retten.


3,0
von 10 Kürbissen

Baden Baden (2016)

Regie: Rachel Lang
Original-Titel: Baden Baden
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Baden Baden


Die Geschichte einer Badezimmerrenovierung. Oder aber auch die Geschichte einer jungen verpeilten Französin, die ihren Job verschusselt und daher erst einmal im von ihrer Firma gemieteten Sportwagen nach Hause zur Großmutter düst (wenn man schon mal so ausgerüstet ist, gibt man diesen Komfort auch ungern wieder auf – und das Auto wird eh niemand vermissen, oder?). Die betagte Dame, mit der sie eine enge Beziehung verbindet (anders als zu ihren Eltern) ist nicht mehr so gut zu Fuß, dann kommt sie auch noch ins Krankenhaus, was die junge Ana einerseits ein wenig aus dem Gleichgewicht wirft und sie andererseits (und als Folge von Ersterem) voller Tatendrang mit dem Hammer auf die Badezimmerfliesen losgehen lässt – das Badezimmer gehört seniorenfreundlich renoviert. Dabei hilft ihr ein schüchterner Baumarktverkäufer und eher nicht ihr Bruder, ihr Ex-Lover I, ihr Ex-Lover II und der Typ, den sie auf einer Baustelle aufgabelt. Das alles ist recht sympathisch und französisch und gut gespielt, aber leider bleibt der Film belanglos und weiß auch nicht so recht, was er nun eigentlich erzählen möchte – jedenfalls habe ich diesen Eindruck gewonnen. Ein tieferer Sinn hat sich mir nicht erschlossen. Eine junge Frau auf der Suche nach … na ja … was eigentlich? Wohlwollend kann man den Film als Kommentar auf die heutige ziel- und wurzellose Generation der jungen Erwachsenen sehen, aber dafür war’s mir auch nicht stringent genug. Ein Film, der niemandem weh tut, aber wohl auch nicht länger im Gedächtnis bleiben wird. Daher sei mir am Ende ein schlechtes Wortspiel (in Kleinbuchstaben) erlaubt: leider geht baden baden baden.


5,0
von 10 Kürbissen

Swiss Army Man (2016)

Regie: Dan Kwan und Daniel Scheinert
Original-Titel: Swiss Army Man
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Komödie, Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Swiss Army Man


Ein junger Mann (Paul Dano), schiffbrüchig und gestrandet auf einer winzigen Insel, halb wahnsinnig vor Einsamkeit, will seinen Qualen ein Ende setzen und sich erhängen. Davon abgehalten wird er von einer Leiche (Daniel Radcliffe), die just in diesem Moment an den Strand gespült wird. Und diese Leiche erweist sich recht rasch als äußerst nützlich (so erzeugen beispielsweise die durch die Verwesung entstehenden Flatulenzen einen ziemlichen Antrieb, durch den die Leiche mal schnell zum Jet Ski umfunktioniert werden kann, wodurch der Gestrandete nun doch von seiner Insel entkommen kann) und mit der Zeit auch gesprächig. Gemeinsam schlägt sich das seltsame Paar nun durch einen Wald auf der Suche nach dem Heimweg und durch die Vergangenheit des Verschiedenen, der auch sonst noch allerhand Überraschungen bereithält. Was nach dem schrägsten Film des Jahres klingt … ist der schrägste Film des Jahres. Allerdings sind diese herrlichen Absurditäten kein Selbstzweck. Vielmehr entfaltet sich allmählich eine wunderbar zarte, poetische Geschichte über Einsamkeit, über Begehren, über Ängste, Schüchternheit und verpasste Gelegenheit. Das Ende ist konsequent, logisch und gleichermaßen zum Heulen schön. Vielleicht hätte man ein paar Fürze und die eine oder andere Derbheit auf dem Weg zu diesem wundervollen Ende auslassen können, aber sei’s drum – „Swiss Army Man“ ist mutiges, gefühlvolles und gehaltvolles Kino.


8,5
von 10 Kürbissen

Nebraska (2013)

Regie: Alexander Payne
Original-Titel: Nebraska
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Drama, Roadmovie, Komödie
IMDB-Link: Nebraska


Wenn sich der starrköpfige und wohl schon zu Demenz neigende Vater in den Kopf gesetzt hat, dass er einen Lottogewinn gemacht hat, den er in seiner alten Heimat in Nebraska persönlich abholen muss, dann muss der erfolglose und mit vielerlei privaten Problemen geplagte Sohn halt ins Auto steigen und den alten Herrn dorthin kutschieren. Da nützen auch die schärfsten Proteste der pragmatischen Angetrauten des Millionärs in spe nichts, die, wie alle weiteren Protagonisten, nicht an den großen Gewinn glauben will. Was sich daraufhin entspinnt, ist eine wunderbar tragikomische, von allen Beteiligten herausragend gespielte Reise in die stille Weite Nebraskas und die traurigen Erinnerungen an die längst verflogene Jugend. Bruce Dern ist fantastisch als alter Starrkopf, der mal gerne das eine oder andere Bierchen über den Durst trinkt. Will Forte brilliert als sein stoischer Widerpart und überforderter Sohn, und immer, wenn June Squibb als Ehefrau und Mutter im Bild ist, stiehlt sie allen die Show (zurecht nominiert für den Oscar als beste Nebendarstellerin). Wie fast alle Filme von Alexander Payne weist auch „Nebraska“ den für ihn typischen lakonischen Humor auf, der die Abgründe und den Schmerz der Seele gekonnt bedeckt. Gefilmt in wunderschönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen ist „Nebraska“ wohl sein ruhigster, vielleicht aber auch sein eindrücklichster Film.


8,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)