Autor: Filmkürbis

10 Dinge, die ich an dir hasse (1999)

Regie: Gil Junger
Original-Titel: 10 Things I Hate About You
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Komödie, Rom-Com, Liebesfilm
IMDB-Link: 10 Things I Hate About You


Es gibt Stoffe, die sind für die Ewigkeit gemacht. Der gute, alte William Shakepeare hat gleich eine ganze Reihe davon für die Nachwelt abgeliefert. Alle Verfilmungen von Shakespeare-Stoffen zu sehen, wäre eine Lebensaufgabe. Wie zeitlos die Geschichten sind, zeigt sich auch daran, dass die meisten Stoffe ohne Probleme in die heutige Zeit übertragen werden können und dort auch noch wunderbar funktionieren. Wie am Beispiel des Stücks „Der Widerspenstigen Zähmung“, das mit Julia Stiles und Heath Ledger in den Hauptrollen als „10 Dinge, die ich an dir hasse“ schlicht an eine amerikanische High School transferiert wurde. Wer aber fürchtet, dass hier nun Teenager altbackene Verse deklamieren (obwohl auch das funktionieren kann, wie beispielsweise Baz Luhrmanns „Romeo und Julia“ beweist), kann beruhigt sein – lediglich der Handlungsrahmen ist Shakespeare, der ganze Rest vom Typus „freche Teenie-Komödie der 90er“. Temporeich und mit viel Gespür für Witz und Timing inszeniert Gil Junger das zunächst monetär indizierte Werben des Slackers Patrick Verona um die feministische, auf Krawall gebürstete Anwaltstochter Kat, die wiederum Druck von ihrer jüngeren Schwester bekommt, denn die darf nicht zum Abschlussball, wenn die an amourösen Verwicklungen so gut wie gar nicht interessierte Kat nicht ebenfalls ein Date aufweisen kann. Natürlich rückt der geschäftliche Aspekt des Buhlens bald in den Hintergrund, schwebt aber wie ein Damoklesschwert über allen Beteiligten. „10 Dinge, die ich an dir hasse“ ist ein gutes Beispiel, wie man Figuren witzig und mit Marotten zeichnen kann, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Man merkt den Respekt vor der Vorlage und vor den Protagonisten. Gleichzeitig schafft der Film es aber, etwas komplett Eigenständiges zu sein. Dazu haben Ledger und Stiles eine wirklich gute Chemie miteinander. Ein Film, der auch fast ein Vierteljahrhundert nach seinem Erscheinen nichts von seinem Unterhaltungswert eingebüßt hat.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1999 – Touchstone Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse (2022)

Regie: David Yates
Original-Titel: Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore


Albus Dumbledore: Das ist jener großer Zauberer, der in den 1930er-Jahren fesche dreiteilige Anzüge trug und sich einen adretten, gepflegten Bart stehen ließ, ehe er irgendwann beschloss, dass das äußere Erscheinungsbild nachrangig ist – gemütliche Pyjamas, ein verfilzter Hut und ein Bart, der selbst dann noch alles verdeckt, wenn er nackig herumläuft, tun es auch. Im dritten Teil der auf fünf Filme angelegten Fantastic Beasts-Reihe legt er aber noch Wert auf einen schicken Auftritt – immerhin steckt Jude Law in der Rolle, und der würde es wohl im Leben nie zulassen, verlottert herumzulaufen. Aber eigentlich ist Jude Law, auch wenn seine Figur des Albus Dumbledore gleich reißerisch im Titel auftaucht, gar nicht der Star dieses dritten Films. Diese Ehre gebührt Mads Mikkelsen als Gegenspieler Gellert Grindelwald. Nicht, weil er massiv viel mehr Screentime bekommt als Jude Law oder Eddie Redmayne als Newt Scamander, um den die Filmreihe eigentlich aufgebaut ist, sondern weil er die Rolle als Grindelwald dermaßen rockt, dass wohl jeder scharf nachdenken muss, wenn die Frage gestellt wird, wer im zweiten Teil die Rolle des Bösewichts übernommen hat. Ach ja, der Depp war’s. Aber während Depps Grindelwald eher eine milde Karikatur war, bekommt die Rolle unter Mikkelsen deutlich mehr Tiefe. Das hilft dem Film weiter, und das allmählich absackende Interesse nach dem zweiten Film wird wieder neu geweckt und macht Lust auf den vierten Teil der Reihe. Auch positiv ist, dass man sich wieder mehr an die Welt von Harry Potter erinnert fühlt – auch Hogwarts bekommt hier wieder seinen Auftritt. Oft ist es ja langweilig, ausgetretenen Pfaden zu folgen. In diesem Fall sorgt dieser Kniff aber dafür, sich wieder heimeliger zu fühlen, wenn man als Harry Potter-Fan mit dem zweiten Film ein wenig gefremdelt hat. Auch der dritte Teil der Reihe bleibt deutlich hinter dem grandiosen und charmanten Auftakt zurück, ist aber insgesamt ein Schritt in die richtige Richtung.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Uncharted (2022)

Regie: Ruben Fleischer
Original-Titel: Uncharted
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Uncharted


Zugegeben, ich habe die Spiele zu „Uncharted“ nie gespielt. Ob Ruben Fleischers Verfilmung der Vorlage gerecht wird, kann ich somit nicht beurteilen. Worüber ich mir aber meine Meinung bilden kann, ist die Frage, ob das actionreiche Abenteuer mit Tom Holland, Mark Wahlberg, Antonio Banderas, Sophia Ali und Tati Gabrielle in den Hauptrollen als Film mitreißt. Die Voraussetzungen wären ja nicht so schlecht – mit Tom Holland ein hochmotivierter Jungspund in der Hauptrolle, der sich anschickt, mit verpeiltem Charme das Erbe von Harrison Ford anzutreten. Dazu kommt, dass ich generell gerne Leuten zusehe, wie sie vergrabene Schätze ausbuddeln und dabei tödlichen Fallen ausweichen müssen. Und Sophia Alis Lächeln ist ein Hingucker. So weit, so gut. Doch leider zündet „Uncharted“ bei mir überhaupt nicht. Entweder die Szenen sind dermaßen absurd und over the top, dass man sich – bei aller Liebe zu fantastischen Settings und kindlichen Abenteuereien – nur noch an den Schädel greifen kann. Oder man hat das Gefühl, alles schon einmal woanders und vor allem besser gesehen zu haben, nämlich vor allen Dingen in der Indiana Jones-Reihe und in den James Bond-Filmen. Selbst Mark Wahlberg hat schon einmal inspirierter gespielt, was echt etwas heißt! Und Antonio Banderas als Schurke? Sagen wir so: Er war halt gerade verfügbar und hat die Kohle gerne mitgenommen. Einzig Tom Holland stemmt sich mit seinem spitzbübischen Charme gegen die Katastrophe, doch die lässt sich nicht abwenden. Unaufhaltsam läuft der Film seinem Schicksal, dem baldigen Vergessenwerden, entgegen. So etwas kommt halt raus, wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man lieber einen James Bond-Film oder einen Indiana Jones-Film drehen möchte und dann einfach das Schlechteste von beidem miteinander vermengt, während man die guten Aspekte der jeweiligen Filmreihen gekonnt umschifft.


4,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Clay Enos – © 2020 CTMG, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

The Cabbage Fairy (1896)

Regie: Alice Guy
Original-Titel: La fée aux choux
Erscheinungsjahr: 1896
Genre: Fantasy, Kurzfilm
IMDB-Link: La fée aux choux


Die Brüder Lumière, D. W. Griffith, Ferdinand Zecca, Edwin S. Porter, der von mir so hochgeschätzte Georges Méliès – man möchte meinen, die Anfänge des Films wären eine reine Herrendomäne gewesen. Dabei kommt der vielleicht weltweit erste Fantasy-Film von einer Frau, nämlich der Filmpionierin Alice Guy (später Alice Guy-Blaché). Und auch viele Kolleginnen schufen frühe Meisterwerke des Kinos, die in Sachen Kreativität, Witz und teils auch handwerklichem Geschick jenen ihrer männlichen Kollegen um nichts nachstanden, sie sogar übertrumpften. Es ist halt leider immer noch unfairer Bestandteil unserer Rezeption, dass die talentierten Damen gerne vergessen werden, während die Werke der Herren im Gedächtnis bleiben. „The Cabbage Fairy“, jener frühe Fantasy-Film von Alice Guy, mag vielleicht auf den ersten Blick nicht sonderlich erinnerungswürdig wirken, aber wenn wir auf das Jahr der Entstehung schauen, nämlich 1896, als die Technik des Films gerade einmal ein gutes Jahr alt war, ist das schon ein erstaunlicher Wurf. In diesem kurzen, einminütigen Film tanzt eine gutgelaunte Fee adrett durch ein Gemüsefeld und erntet dort unerwartete Früchte. Viel mehr passiert zwar nicht, aber es ist fast unmöglich, sich der Faszination dieses frühen Films zu entziehen, wenn man sich bewusst vor Augen hält, mit wie viel spielerischer Leichtigkeit und Witz das Thema schon in diesem frühen Anfangsstadium des Mediums umgesetzt wurde. Dafür gibt’s meine Bewunderung, die sich diesmal nicht in Kürbissen widerspiegelt, aber man muss natürlich festhalten, dass das Werk heute nur noch im Kontext seiner historischen Einordnung funktioniert und nicht mehr gut allein für sich stehen kann.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr (2021)

Regie: Gillies MacKinnon
Original-Titel: The Last Bus
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Roadmovie
IMDB-Link: The Last Bus


Hach, ich hab’s hier ja schon öfter geschrieben, aber diese deutschen Titel … Was im englischen Original kurz und knackig „The Last Bus“ heißt, wird bei uns als „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ vermarktet. Demnächst im Kino zu sehen: „Die Polynesierin, die beim Krabbenessen die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest fand, nach New York zog, wo sie eine bedeutende Wissenschaftlerin wurde, ehe sie in ihr Heimatdorf zurückkehrte und dort den Stammesvorsitz übernahm“ oder auch „Der Mistelbacher, der den Zug nahm, um in die große Stadt zu seiner Arbeitsstätte zu fahren, wo er den Tag bis zum Abend verbrachte und wieder nach Hause fuhr“. Diese Titel blähen einen Text einfach unnötig auf. Ihr merkt es selbst – so viele Zeilen und noch kein einziges Wort zu Gillies MacKinnons Roadmovie der entschleunigten Art. Darin macht sich ein über 90jähriger Rentner auf den Weg vom äußersten Zipfel Schottlands zum äußersten Zipfels Südengland, und das mit dem Bus. Man möchte meinen, Zeit hat der alte Knabe ja genug, aber genau die wird ihm knapp, was natürlich für Stress sorgt, wenn die Dinge nicht nach Fahrplan laufen. Aber immerhin gibt es dadurch ausreichend Möglichkeiten für zwischenmenschliche Begegnungen. Genau die entpuppen sich aber als größter Schwachpunkt des gutgemeinten, aber mäßig ausgeführten Rührstücks. Denn diese Begegnungen wirken beliebig, klischeeüberladen und tragen zur Entwicklung der Figur von Tom, dem reisenden Rentner, nichts bei. Er ist am Ende der Reise der gleiche wie zu Beginn. Immerhin erlauben es diese Szenen Timothy Spall, sein ganzes Können zu zeigen. Der Mitte 60jährige spielt den über 90 Jahre alten, gebrechlichen Tom mit Leib und Seele. In keinem Moment zweifelt man an, dass in der Rolle ein knapp 30 Jahre jüngerer Schauspieler steckt. Wobei, so eine große Kunst ist das vielleicht auch nicht. Nach einer Stunde Badminton nach längerer Pause schaue ich 40jähriger auch aus wie Mitte 70. Vielleicht war das Spalls Geheimnis, um in diese Rolle zu schlüpfen. Jedenfalls macht er seine Sache gut, und seine Darstellung hätte ein ebenbürtiges Drehbuch verdient gehabt.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Scott Garfield – © 2022 CTMG, Quelle http://www.imdb.com)

Matilda (1996)

Regie: Danny DeVito
Original-Titel: Matilda
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Komödie, Fantasy
IMDB-Link: Matilda


Kinderfilme, die man als Kind nie gesehen hat, später zum ersten Mal als Erwachsener zu sichten, kann zuweilen eine etwas schwierige Angelegenheit sein. Das liegt vorrangig daran, dass das Kind über andere Dinge lacht als der zynische bis misanthropische Erwachsene, dem es peinlich ist, wenn mal bei einem infantilen Witz der Mundwinkel leicht nach oben zuckt. Darauf gleich einen kräftigen Schluck Chateau Haut-Brion 1988 und eine sarkastische Bemerkung in der Hoffnung, niemand hätte diesen kurzfristigen Verlust der Impulskontrolle mitbekommen. Aber irgendwie sträubt sich das innere Kind dann doch recht vehement gegen die zur Schau gestellte, fadisierende Noblesse, und plötzlich bricht man in ein Kichern aus, wenn die misshandelte Schülerin, die von der bösartigen Direktorin Knüppelkuh per Hammerwurftechnik aus dem Fenster geschleudert wird, von Matildas Zauberkräften gerettet wird und eine astreine Landung im Blumenfeld hinlegt. „Matilda“ nach einem Kinderbuch des in diesem Genres omnipräsenten Roald Dahl unter der Regie von Danny DeVito (der sich nicht das Vergnügen nehmen ließ, selbst in die Rolle des ungustiösen Vaters mit dem Hang zur Kleinkriminalität zu schlüpfen) mag sich vielleicht an ein sehr junges Publikum wenden, ist aber mit genug Charme, Fantasie und Esprit umgesetzt, um auch ältere Semester zu unterhalten. Die Geschichte um ein junges, von den Eltern vernachlässigtes Mädchen, das eines Tages magische Kräfte an sich entdeckt, bietet genügend Gelegenheiten für absurd-komische Momente, die DeVito auch genüsslich zelebriert. Mara Wilson in der Hauptrolle der jungen Matilda macht ihre Sache sehr sympathisch, und es ist schade, dass ihre Karriere nie über den Status des Kinderstars hinauskam. Danny DeVito und seine Frau (auch im echten Leben) Rhea Perlman haben sichtlich Spaß an ihren Rollen, Embeth Davitz fällt der etwas undankbare Part zu, einfach nur entzückend zu sein, ohne allzu viel Tiefgang aufbauen zu können, und Pam Ferris in der Rolle der sadistischen Schuldirektorin hat körperlich einiges zu leisten. Meine Frau hat schon angekündigt: Wenn wir mal Kinder haben, wird „Matilda“ fest ins Filmprogramm aufgenommen. Ganz ehrlich: Ich habe nichts dagegen.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Columbia TriStar – © 1996 TriStar Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (2008)

Regie: Eric Brevig
Original-Titel: Journey to the Center of the Earth
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction
IMDB-Link: Journey to the Center of the Earth


Ich musste 40 Jahre alt werden, um zu checken, dass Brandon Fraser trotz seiner kanadischen Staatsbürgerschaft nie in der 90er-Serie „Ein Mountie in Chicago“ mitspielte, obwohl ich sowohl Brandon Fraser als Darsteller sehr mag und viele seiner Filme kenne als auch die Serie damals mit Genuss sah. Dieser peinliche Fauxpas beruht darauf, dass die Hauptfigur in der Fernsehserie Benton Fraser hieß, aber eben nicht von Brandon Fraser, sondern von Paul Gross gespielt wurde. Nach diesem peinlichen Bekenntnis werfen wir nun aber einen Blick auf „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ – sehr frei interpretiert nach dem berühmten Roman von Jules Verne. Brandon Fraser war Ende der 90er und in den 00er-Jahren the shit. Mit lausbübischem Charme ausgestattet warf er sich altägyptischen Mumien entgegen, überlebte in „Eve und der letzte Gentleman“ eine vermeintliche Apokalypse, legte sich mit dem Teufel persönlich an und drang in Eric Brevigs Film von 2008 bis ins Erdinnere vor – in Begleitung seines Neffen (Josh Hutcherson, der später in der Tribute von Panem-Reihe als Peeta bekannt werden sollte) und einer scharfen Bergführerin (Anita Briem, die nie so richtig bekannt werden sollte). Es gibt da diesen wunderbaren Fernsehsender mit dem Namen Syfy, der neben einigen modernen Klassikern der Science Fiction-Fernsehgeschichte auch billige Katastrophenfilme mit hundsmiserablen Special Effects und noch schlechteren Darsteller:innen im Programm hat, die Trash-Aficionados bestens bedienen. Dieser Film bekäme dort seinen verdienten Platz im Sonntagnachmittagsprogramm. Ja, Brandon Frasers Charme funktioniert auch hier, und für die fantasievolle, aber völlig unlogische Welt im Erdinneren kann der Film nichts, da muss man sich schon an Jules Verne halten, aber der Film ist einfach in vielerlei Hinsicht dumm und uninspiriert und wirkt, wie von der Stange gedreht. Die Spezialeffekte sehen für einen Film, für den ein Special Effects-Künstler verantwortlich zeichnet, erstaunlich schwach aus. Vor allem der überdimensionierte Tyrannosaurus Rex im großen Finale ist dermaßen lächerlich CGI-animiert, dass man sich fragen kann, wie eine solche Evolutionsvolte rückwärts von Jurassic Park ausgehend überhaupt möglich sein kann. Als Trash-Fest ist „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ eine Perle, und wenn man mit dieser Erwartungshaltung an die Sichtung begibt, hat man auch viel Spaß. Qualitativ gut ist aber etwas anderes.


3,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Jurassic World: Ein neues Zeitalter (2022)

Regie: Colin Trevorrow
Original-Titel: Jurassic World Dominion
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Action, Horror, Thriller
IMDB-Link: Jurassic World Dominion


Das Problem der Jurassic World-Trilogie wurde bereits im großen Finale des ersten Films der neuen Trilogie unverhohlen angesprochen: „We need more teeth!“ Mehr Zähne also. Mehr Furcht einflößende Saurier, die größer, fieser, intelligenter, tödlicher und hungriger sind. Darauf baut die ganze Jurassic World-Trilogie auf. Was man gerne vergisst: Im ikonischen ersten Jurassic Park-Film waren die Dinosaurier insgesamt nur 14 Minuten lang zu sehen, und sie waren keine Killerbestien, sondern einfach große Viecher, die nach ihren Instinkten gehandelt haben (mit Ausnahme der Raptoren, die waren von Anfang an als Intelligenzbestien angelegt). Die Spannung baut sich vielmehr auf dem auf, was man nicht sieht, als auf dem, was man sieht. Diese Tugend wurde im Verlauf der weiteren Filme über Board geworfen, und die Story wurde immer mehr aufgeblasen, immer epischer, und damit immer konfuser. Waren die ersten beiden Filme der neuen Trilogie schon storytechnisch ein Griff in einen großen Haufen Dino-Dung, fährt der dritte Teil den Karren nun endgültig an die Wand. Die Ausgangsbasis wäre großartig gewesen. Umso ärgerlicher ist es, dass Colin Trevorrow dermaßen wenig daraus gemacht hat. Wir erinnern uns: Am Ende von Jurassic World: Das gefallene Königreich geht eine Auktion fürchterlich schief, und die Dinos marschieren los, um es sich neben den Menschen gemütlich zu machen. Vier Jahre später sind Dinosaurier in der freien Wildbahn zuhause und Teil unseres Planeten. Aus dieser Idee hätte man so viel rausholen können! Es hätte gereicht, die reaktivierte alte Garde rund um Sam Neill, Laura Dern und Jeff Goldblum dabei zuzusehen, wie sie versuchen, Dinos einzufangen, sodass diese in einem geschützten Habitat ausgesetzt werden können (und nein, damit meine ich nicht die Tropen in den Dolomiten). Die nicht unspannende Nebengeschichte rund um einen Agrarkonzern, der den Hals nicht vollbekommt und damit die ganze Nahrungskette auf Erden gefährdet (Monsanto, schaut ihr eh gut hin?), hätte man da gut reinmischen können. Stattdessen gibt es aber eben „more teeth“ und den Verdacht, dass Colin Trevorrow heimlich ein Mash-Up aus einem James Bond-Film und dem neuesten Indiana Jones-Film drehen wollte, nur eben mit Dinosauriern. Dieses verhunzte Irgendwas ist im besten Fall dümmlich, im schlimmsten Fall ärgerlich, v.a. wenn man an das vergebene Story-Potential denkt. So bleibt unterm Strich das Fazit: Trotz hoher Erwartungen und offenem Fan-Pleasing durch den Einbau des ursprünglichen Jurassic Park-Casts in tragenden Hauptrollen ist der dritte Teil der neuen Trilogie der schlechteste Film der ganzen Reihe. Einen halben Kürbis extra gibt es immerhin noch für Jeff Goldblum being Jeff Goldblum. Klappe zu. Saurier tot.


4,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Universal Pictures and Amblin En – © 2021 Universal Studios and Storyteller Distribution LCC., Quelle http://www.imdb.com)

Dreizehn Leben (2022)

Regie: Ron Howard
Original-Titel: Thirteen Lives
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Drama
IMDB-Link: Thirteen Lives


2018 wurden 12 Jugendliche im Alter von 11 bis 16 und ihr Fußballtrainer in einer Höhle in Thailand vom eintretenden Monsun überrascht und vom Wasser eingeschlossen. Die Rettungsaktion zog sich über zwei Wochen unter der gespannten Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Am Ende musste ein aberwitziger Plan herhalten, um die Jungs und ihren Trainer aus der überfluteten Höhle zu bergen. Der umtriebige Ron Howard, der sich in nahezu allen Genres wohlfühlt und 1995 schon Erfahrung mit Katastrophenfilmen gemacht hat – in Apollo 13 musste er Tom Hanks & Co. aus dem Weltall zurück nach Hause bringen – überrascht in „Dreizehn Leben“ mit einem sehr unprätentiösen und stellenweise fast dokumentarisch wirkenden Ansatz. Er vertraut zurecht darauf, dass die Geschichte selbst ausreichend Spannung in sich trägt, um die Zuseher trotz einer Laufzeit von fast 2,5 Stunden am Sessel kleben zu lassen. Der nüchterne Ansatz, den der Film verfolgt, schlägt sich auch nieder in den Leistungen der Darsteller. Viggo Mortensen, Colin Farrell, Joel Edgerton und Tom Bateman als Höhlentaucher stellen ihren Hollywood-Glamour gekonnt zurück und stellen sich ganz in den Dienst der Geschichte. Dazu kommt, dass trotz Fokus auf das internationale Expertenteam, das eine entscheidende Rolle bei der Bergung der Eingeschlossenen gespielt hat, der Film auch den lokalen Helfern und Helden genug Raum gibt und deutlich macht, dass die Rettung nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller möglich war. „Dreizehn Leben“ verzichtet komplett auf Pathos und bemüht sich um eine möglichst realistische Darstellung der Geschehnisse, wie auch von den tatsächlich Beteiligten bestätigt wird. Auch wenn sie festhalten, dass es in Wirklichkeit noch viel schlimmer und viel verrückter war, da das Wasser in der Höhle so schlammig war, dass man quasi nichts sehen konnte. So gesehen ist „Dreizehn Leben“ ein seltener Fall eines Hollywood-Films, der die wahren Ereignisse sogar noch ein wenig herunterspielt anstatt sie zu überhöhen. Dennoch ist der aktuell auf Amazon Prime verfügbare Film ein absoluter Nägelbeißer. Allein das zeigt schon, wie aberwitzig die ganze Geschichte ist.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Scott Garfield – © 2022 CTMG, Quelle http://www.imdb.com)

Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (1997)

Regie: Barry Levinson
Original-Titel: Wag the Dog
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Satire, Politfilm
IMDB-Link: Wag the Dog


Der Anlass für diesen Re-Watch ist ein trauriger, denn vor wenigen Tagen schied die talentierte Schauspielerin Anne Heche nach einem von ihr verursachten Unfall aus dem Leben. „Wag the Dog“ von Barry Levinson ist in meinen Augen der beste Film, in dem sie je mitgewirkt hat. Und auch unabhängig von ihrem tragischen Tod sollte man dieser Tage mal wieder einen genaueren Blick auf diesen machen. Was Barry Levinson und die Autoren Mitte der 90er-Jahre vorweggenommen haben, ist nicht weniger als die politische Realität unserer Zeit, in der bei Bekanntwerden schlechter Nachrichten prominente Kettenhunde der Parteien ausziehen, um möglichst effektive Nebelgranate zu zünden, die von dem eigentlichen Problem ablenken. Das ist gelebte Praxis, und wir in Österreich sitzen diesbezüglich leider erste Reihe fußfrei, um diesen ganzen Scheiß mitanzusehen. Diese Praxis noch gewürzt mit Fake News, und wir haben die politische Unkultur unserer Zeit auf den Punkt gebracht. „Wag the Dog“ war bei seinem Erscheinen vor 25 Jahren noch eine bitterböse Satire. Heute könnte der Film fast schon als Lehrstück über die politische Realität durchgehen. Der Inhalt: Da der Präsident der Vereinigten Staaten nicht einmal zwei Wochen vor der möglichen Wiederwahl über ein Schulmädchen stolpert, muss besagte Nebelgranate her. Auftritt Conny Brean (Robert De Niro), der als Troubleshooter für Ablenkung sorgen soll. Zusammen mit der Beraterin des Präsidenten, Winifred Ames (Anne Heche), und dem preisgekrönten Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman) inszeniert er nicht weniger als einen fiktiven Krieg gegen Albanien. Der Zynismus trieft hier aus allen Poren. Jedes Mittel ist recht in der Politik und in Hollywood, um ans Ziel zu gelangen. Ob das Ziel erstrebenswert oder zumindest moralisch in Ordnung ist, fragt hier niemand. Bezeichnend, dass Motss gegen Abschluss der Fake News-Kampagne von der besten Arbeit seines Lebens spricht. Damals, als ich den Film zum ersten Mal vor etwa zwanzig Jahren sah, fand ich ihn grandios. Heute halte ich ihn – mit Schaudern – für prophetisch.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1997 New Line Cinema, Quelle http://www.imdb.com)