Komödie

The Man Who Killed Don Quixote (2018)

Regie: Terry Gilliam
Original-Titel: The Man Who Killed Don Quixote
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Komödie, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Man Who Killed Don Quixote


„After 25 years in the making … and non making“, so heißt es selbstironisch zu Beginn, bevor der Titel des Films, auf den Gilliam-Fans ein Vierteljahrhundert lang warten mussten, eingeblendet wird. Aber gut, wenn es die Guns’n’Roses tatsächlich geschafft haben, „Chinese Democracy“ auf den Markt zu bringen, dann schafft Gilliam das auch mit seinem fast schon Lebensprojekt. Und ähnlich wie bei „Chinese Democracy“ waren die ersten Reaktionen nach Erscheinen eher verhalten. Dabei hat „The Man Who Killed Don Quixote“ alle Ingredienzen für ein großartiges Werk: Einen sensationell aufspielenden Jonathan Pryce als Ritter der traurigen Gestalt, einen Adam Driver mit sichtlich Lust an seiner Rolle als zynischer Werbefilmer, der mit den Konsequenzen seiner vergangenen Taten konfrontiert wird, die bezaubernde Portugiesin Joana Ribeiro, die sich wohl für die Hauptrolle empfiehlt, falls jemals das Leben von Penelope Cruz verfilmt werden sollte, eine ironische, zeitgemäße Adaption des Don Quixote-Stoffes mit postmodern anmutenden Einfällen zwischendurch, und den üblichen Gilliam-Wahnsinn des lustvollen Fantasierens auf den Ebenen zwischen Realität und Traum. Im Grunde ist „The Man Who Killed Don Quixote“ die Summe aller Gilliam-Filme, denn wie in kaum einer anderen Geschichte geht es hierbei um die Macht der Fantasie. Warum der Film dennoch von der Kritik mit Skepsis aufgenommen wurde, liegt zum einen an der überhöhten Erwartungshaltung, die man bei diesem Film hatte. Immerhin liegen 25 Jahre Produktionsgeschichte zwischen der ersten Idee und der finalen Realisierung. Zum anderen ist die Geschichte, das muss man ganz offen zugeben, konfus erzählt. Allerdings (und das ist wohl ein Punkt, den manch ein Kritiker übersieht): Hier reflektiert Gilliam die literarische Vorlage, die ebenfalls ein wenig konfus in Episoden erzählt ist und den einen großen Spannungsbogen vermissen lässt. Insofern ist Gilliam nur konsequent. Sein Meisterwerk ist der Film dennoch nicht – da stehen Werke wie „12 Monkeys“, „Brazil“ oder „König der Fischer“ drüber. Dennoch bietet „The Man Who Killed Don Quixote“ über zwei Stunden lang sehr gute Unterhaltung, die zwischen Drama und Komödie angesiedelt ist, mit einem fantastisch-konsequenten Ende, das noch länger nachhallt.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Have a Nice Day (2017)

Regie: Liu Jan
Original-Titel: Hao Ji Le
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Animation, Thriller, Komödie
IMDB-Link: Hao Ji Le


Man kennt das: Es ist spätabends, man ist schon müde (in diesem Fall von drei Filmen davor), aber da man schon beim Kino ist und das Ticket hat, setzt man sich halt doch noch in die 23-Uhr-Spätvorstellung, um das /slash-Festival zu einem würdigen Abschluss zu bringen. „Have a Nice Day“ heißt das Werk des chinesischen Animationsfilmers Liu Jian, und beginnt wie ein Coen Brothers-Plot: Indem der arme Bauarbeiter Xiao Zhang seinen Onkel um eine Tasche voller Geld erleichtert, was weder dem Onkel noch dem, für den das Geld bestimmt war, sonderlich schmeckt. Und da die Gestalten im Hintergrund kein einwandfreies Leumundszeugnis vorlegen können, beginnt die Jagd auf Zhang, der mit dem Geld seiner Freundin eine Schönheits-Operation bezahlen möchte. Das alles hätte sehr erbaulich und unterhaltsam werden können. Leider bleibt dieser Satz allerdings im Konjunktiv. Denn „Have a Nice Day“ ist zwar ambitioniert gemacht (so zeichnete Liu Jian im Alleingang drei Jahre lang an seinem Film), dem Resultat sieht man diese Ambition aber nicht mehr an. Der Film ist statisch, langsam, träge und eindimensional, was die Ausgestaltung der Figuren betrifft. Die Machart selbst, in der die Bewegungen von Figuren und Kulisse nur auf das Minimum beschränken (und ja, ich weiß, das wird in Animes generell gerne so gehandhabt), trägt dazu bei, dass sich keine Spannung aufbauen möchte. Auch der humoristische Aspekt des Films ist … nun ja, sehr subtil. Oder ist einfach meilenweit an meiner Art von Humor vorbeigeschossen. So tröpfelt der Film belanglos vor sich hin, und am Ende wundert man sich, wie lang sich 77 Minuten anfühlen können. Die internationale Filmkritik mochte den Film. Der österreichische Filmkürbis nicht.


3,0
von 10 Kürbissen

(Foto: /slash Filmfestival)

Inuyashiki (2018)

Regie: Shinsuke Sato
Original-Titel: Inuyashiki
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Action, Komödie, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Inuyashiki


Herr Inuyashiki ist schon etwas in die Jahre gekommen. Für seine Firma verkauft er recht erfolglos mit Mineralen angereichertes Sportwasser, seine Kinder verachten ihn, ihm läuft ein Hund zu, den seine Frau nicht im Haus haben will, und dann bekommt er noch die Diagnose: Krebs. Drei Monate zu leben. Da kann man es schon nachvollziehen, wenn der gute Mann zum nächtlichen Sinnieren in den Park geht. Dort ist er aber nicht allein. Er bekommt Gesellschaft durch einen High School Schüler – und seltsame Entitäten, die ihn ausknocken. Als Inuyashiki wieder zu sich kommt, ist fortan alles ein bisschen anders. Denn das nächtliche Rendezvous mit den Gästen From Outer Space hat ihm ein paar lässige Zusatz-Features eingebracht. Einen Düsenantrieb zum Beispiel, oder einen Waffe im Arm, und nicht zuletzt die Fähigkeit zu heilen. Damit kann man schon ein paar nette Dinge anstellen. Nur blöd, dass sich an seiner Rolle als gering geschätzter Familienvater erst einmal nichts geändert hat. Und noch blöder, dass der Junge, der in jener Nacht ebenfalls im Park war, die gleichen Special Effects mitbekommen hat, diese schneller zu beherrschen versteht und mit einer Mordswut im Bauch gleich mal ganz Japan den Krieg erklärt. So muss der betagte Bürohengst seine Düsen in die Hand nehmen und hinausziehen ins Gefecht. Die japanische Live-Action-Verfilmung des Animes „Last Hero Inuyashiki“ ist ein durchaus spaßiges und actionreiches Vergnügen mit soliden visuellen Effekten und einem sympathischen Anti-Helden als Hauptfigur. Wenn der völlig überforderte Inuyashiki zum ersten Mal mit seinen neuen Modifikationen konfrontiert wird, sind seine Reaktionen darauf brüllend komisch anzusehen. Was dem Film aber eindeutig fehlt, ist eine nachvollziehbare Handlung. Zwar wird versucht, dem Bösewicht auch eine Geschichte zu geben, aber es bleibt dennoch völlig unschlüssig, warum er dermaßen austickt. Und das ist schade, denn dadurch wird der Film auf ein spaßiges Action-Abenteuer reduziert, das die wirklich tolle Grundprämisse, nämlich den alltägliche Büroangestellten zum Superhelden zu machen, nicht wirklich ausspielen kann. Dennoch hatte ich im Kino meinen Spaß mit dem Film, auch wenn er kaum im Gedächtnis hängenbleiben wird.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 64 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: /slash Filmfestival)

Brothers‘ Nest (2018)

Regie: Clayton Jacobson
Original-Titel: Brothers‘ Nest
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Komödie, Thriller
IMDB-Link: Brothers‘ Nest


Mein erster Besuch des /slash-Festivals führte mich in ein entlegenes Haus in Victoria, Australien. Zwei etwas festere bärtige Herren im schicken Müllmann-Outfit haben offensichtlich sinistere Pläne, als sie in das Haus einsteigen, um auf den dort lebenden älteren Roger zu warten. Man erfährt, dass die beiden Zottelbären Brüder sind, dass ihre alte Mutter an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird und Roger der neue Lebensgefährte der Mutter ist, der laut Testament das alte Familienhaus erben soll. Und das geht den beiden Brüdern gegen den Strich. „Brothers‘ Nest“ beginnt als sehr schwarze Komödie, die ihre Komik aus den beiden charakterlich sehr ungleichen und schrägen Brüdern zieht. Terry ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, und er ist es auch, der Bedenken äußert, dem Stiefvater eben alle Kerzen auszublasen. Jeff ist der Mann mit dem Plan. Und wenn man sich in schwarzen Komödien auf etwas verlassen kann: Dass eher selten alles nach Plan funktioniert. Auch Pinky und der Brain mussten das ein ums andere Mal feststellen – warum also soll es diesem australischen Brüderpaar anders gehen? Als dann tatsächlich Roger auftaucht und die Wartezeit, die man sich mit Putzen, Saugen und Wortgefechten vertrieben hat, endlich ein Ende findet, wird es turbulent. Am Ende blickt man als Zuseher fassungslos auf das Geschehen, die Gefühlslage ist irgendwo zwischen hysterischer Freude angesichts des Adrenalins, das noch einmal eingefahren ist, und blankem Entsetzen in Anbetracht der Wendungen, die die Handlung genommen hat. Und in der hintersten Reihe hört man die Coen-Brüder kichern, die ihr filmisches Vermächtnis in guten Händen wissen. Clayton Jacobson hat mit „Brothers‘ Nest“ einen sehr einfachen, aber wirkungsvollen Film gedreht, der von der ersten bis zur letzten Minute an diebisch Freude macht. Ein großartiger erster /slash-Film!


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: /slash Filmfestival)

Sirenengesang (2015)

Regie: Agnieszka Smoczyńska
Original-Titel: Córki dancingu
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Musical, Komödie, Horror, Fantasy
IMDB-Link: Córki dancingu


Um den ersten polnischen Musical-Film der Geschichte, „Sirenengesang“, beschreiben zu können, muss man erst einmal tief durchatmen und dann ein paar Schluck Hochprozentiges zu sich nehmen (oder besser ein paar Gläser). So wird das was. Man liegt auf einer Wellenlänge mit dem Film. Und die Wellenlänge bietet auch gleich eine schöne Überleitung zum Inhalt dieses 80er Jahre-Horror-Komödien-Musicals: denn es geht um die zwei blutjungen Meerjungfrauen Silver und Golden, die, wenn sie nicht gerade Menschen die Kehle aufbeißen, ihr Herz herausreißen und aufessen, als Sängerinnen/Stripperinnen in einem Nachtclub engagiert werden, wo sie zur Sensation avancieren. Blöd nur, dass sich eine der beiden, die blonde Silver, in den Bassisten verknallt. Denn Liebe ist für Meerjungfrauen nicht nur ein seltsames, sondern auch ein gefährliches Spiel: Wenn der Auserkorene nämlich dann doch eine Andere ehelichen sollte, löst sich die verschmähte Meerjungfrau in Schaum auf. Das weiß natürlich Golden, die dunkelhaarige Schwester, die Silver davon abhalten möchte, dieses Risiko einzugehen. Überhaupt ist Golden durchaus pragmatischer veranlagt als ihre Schwester, und wenn sie Hunger hat, verspeist sie auch schon mal einen ostdeutschen Trabifahrer am See. Und doch geht die Liebe ihrer Schwester nicht ganz spurlos an ihr vorbei, und sie lernt ein Gefühl kennen, das sie bisher nicht kannte: Einsamkeit. „Sirenengesang“ ist schrill und absurd. Die Story ist sprunghaft, die Nebenfiguren bleiben eindimensional im Hintergrund (und haben nicht einmal Namen), die Musik klingt so, als hätte sich Stephen King an Europop versucht, und die Hälfte der Zeit rennen die beiden (durchaus ansehnlichen) Hauptdarstellerinnen barbusig durch die Gegend. Das sind aber überraschenderweise keine Schwächen des Films, sondern der Wahnsinn hat hier Methode. Konventionen des Filmschaffens und Genregrenzen werden hier mit Leichtigkeit hinweggefegt. Das Ergebnis mag durchaus anstrengend sein für viele Zuseher, die sich eben lieber an Altbewährtem orientieren möchten, aber ist durchaus erfrischend für jene, die es gerne bunter, schriller und trashiger haben.


7,0
von 10 Kürbissen

Bad Spies (2018)

Regie: Susanna Fogel
Original-Titel: The Spy Who Dumped Me
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Komödie, Action
IMDB-Link: The Spy Who Dumped Me


Filme sind Eskapismus. Wenn man ins Kino geht und sich zwei Stunden lang in einen dunklen Saal setzt, dann oft deshalb, um die Welt da draußen auf der Straße zu vergessen und einfach unterhalten zu werden. Genau das versucht „Bad Spies“ von Susanna Fogel mit Mila Kunis und Kate McKinnon in den Hauptrollen. Die Story dieser Agenten-Action-Komödie kann man getrost in der Pfeife rauchen. Zwei überforderte Mädels werden zufällig in einen Agenten-Hetzjagd quer durch Europa hineingezogen (proudly sponsored by Tripadvisor und Lonely Planet), weil der Ex von einer der beiden blöderweise ein CIA-Agent war. Als McGuffin dient ein USB-Stick mit geheimen Geheiminformationen, die so geheim sind, dass nicht mal der Zuseher erfährt, worum es tatsächlich geht. Hauptsache, die Wörter „Mafia“, „Geheimorganisation“ und „viele Tote“ können untergebracht werden. Man sieht förmlich die Häkchen auf der Checkliste zum Drehbuch. Warum „Bad Spies“ (im Original: „The Spy Who Dumped Me“ als Referenz an den James Bond-Film mit dem ähnlich lautenden Titel) dennoch recht unterhaltsam ist, liegt an einigen wirklich guten Gags und der Action, die solide inszeniert ist und auch vor blutigen Details nicht zurückschreckt. Ein Familienfilm ist „Bad Spies“ nicht. Was die Darstellerinnen betrifft, mit denen das Konzept des Films steht und fällt: Die beiden haben eine gute Chemie, und auch wenn Kate McKinnon insgesamt ein bisschen zu überdreht ist, als hätte ihre Figur ein bisschen zu viel Marschierpulver erwischt (die eine Szene, in der die böse Turnerin sie k.o. schlägt: I feel you, sis‘, I feel you …), und Mila Kunis dagegen überraschend unscheinbar und fad – wenn man die beiden aufaddiert, geht die Rechnung dann doch einigermaßen auf. Über Charakterentwicklungen und nachvollziehbare Handlungen der Charaktere breiten wir wohlwollend den Mantel des Schweigens, aber unterm Strich unterhält der Film über die ganze Laufzeit doch ganz gut, auch wenn er kein großer Wurf ist. Immerhin besser als erwartet.


5,5
von 10 Kürbissen

Gemma Bovery – Ein Sommer mit Flaubert (2014)

Regie: Anne Fontaine
Original-Titel: Gemma Bovery
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Gemma Bovery


In einer kleinen Stadt in der Normadie lebt der Bäcker Martin (Fabrice Luchini) mit seiner Familie. Eines Tages ziehen neue Nachbarn in das halb verfallene Haus nebenan – die Engländer Charlie (Jason Flemyng) und Gemma Bovery (Gemma Arterton). Angesichts der jungen Frau regen sich bei Martin lange verschollen geglaubte Gefühle, doch er ist damit nicht allein. Und angesichts seiner jungen Nebenbuhler gibt er schon bald das Feld auf, um sich stattdessen als ironisch distanzierter Kommentator des Geschehens mal mehr, mal weniger einzubringen. Dabei fällt ihm auf, dass sich die Geschichte der jungen Gemma immer mehr jener ihrer Namensvetterin Emma Bovary aus Flauberts berühmtestem Roman angleicht. Und wie der belesene Bäcker so weiß: Mit der hat es kein gutes Ende genommen. Also schreitet er ein. „Gemma Bovery“ hat zwei sehr überzeugende Argumente, warum der Film wirklich sehenswert ist. Das eine heißt: Gemma. Das andere: Arterton. Immer, wenn Gemma Arterton auf dem Bildschirm zu sehen ist und versonnen lächelt, wird alles ein bisschen leichter, die eigenen Probleme rücken in den Hintergrund, das Leben wird um eine Nuance lebenswerter. Die Frau ist einfach wahnsinnig schön und hat dabei (vor allem in diesem Film) eine geheimnisvolle, romantisch-sinnliche Ausstrahlung. Der Moment, wenn der arme Martin, der gar nicht so recht weiß, wie ihm geschieht, der hysterischen Gemma einen Bienenstich am Rücken aussaugen soll, ist auf der einen Seite komisch und überdreht, aber allein die Tatsache, dass es sich um Gemma Arterton handelt, deren Kleid am Rücken aufgeknöpft wird, verleiht dieser Szene plötzlich eine unfassbar erotische Komponente. „Gemma Bovery“ ist luftiges, heiteres Sommerkino mit viel Sinnlichkeit und literarischen Referenzen. Vielleicht kein Meisterwerk für die Ewigkeit, dazu ist der Film insgesamt zu leichtgewichtig, aber allemal sehenswert. Und für Gemma Arterton gibt es den Bonuspunkt obendrauf.


7,0
von 10 Kürbissen

BlacKkKlansman (2018)

Regie: Spike Lee
Original-Titel: BlacKkKlansman
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Komödie, Krimi
IMDB-Link: BlacKkKlansman


Die Geschichte klingt wirklich irre, aber wie Spike Lee im Vorspann versichert: Dieser Shit ist wirklich passiert. Anfang der 70er greift der Undercover-Polizist Ron Stallworth (Denzels Washingtons Filius John David Washington), der erste schwarze Cop in Colorado Springs, zum Telefonhörer, um auf eine Anzeige des Ku-Klux-Klans zu antworten, der nach neuen Mitgliedern sucht. Die Szene, in der Ron im Großraumbüro seinem Gegenüber am Telefon versichert, wie sehr er Schwarze hasst und sich die Kollegenschaft verwundert zu ihm umdreht, ist brillante Situationskomik. Das Problem bei der ganzen Sache liegt recht bald am Tisch: Ron Stallworth wird sich schwer tun, die KKK-Veranstaltungen zu besuchen, zu denen er eingeladen ist. Also nimmt übernimmt Rons jüdischer Kollege Flip (Adam Driver) diese Rolle, und gemeinsam werden sie zu Ron Stallworth, der Stimme am Telefon und dem Klan-Mitglied bei den Zusammenkünften. Ein gefährliches Spiel, denn wie sich schon bald zeigt, sind die Klan-Mitglieder zwar rassistische Arschlöcher, aber nicht blöd (zumindest nicht alle). Dass Ron nebenbei um die politische Aktivistin Patrice (die entzückende Laura Harrier) buhlt, macht die Sache auch nicht einfacher. „BlacKkKlansman“ ist richtig böses (gutes) Kino. Das Lachen bleibt dem Zuseher oft genug im Hals stecken, wenn die Klan-Mitglieder ihre rassistischen Parolen rausschmettern oder Redneck-Polizisten übergriffig werden. Zudem sind alle Rollen sehr gut besetzt und ausgezeichnet gespielt. Auch setzt der Film das Thema recht down to earth um. Obwohl natürlich im Vergleich zur realen Geschichte dramaturgische Eingriffe vorgenommen wurden, ist die Action nicht überspitzt und das Drama nicht allzu breit getreten. Eine gewisse Lässigkeit liegt über dem Ganzen. Damit bekommt der Film allerdings im Mittelteil dann auch teilweise Timing-Probleme, da sich der Spannungsbogen nicht so recht aufbauen möchte. Die vielen guten Momente, die der Film hat, machen dies aber dann doch wieder wett. Am Ende wird die Brücke zur (erschreckenden) Gegenwart geschlagen, und der lockere 70er-Vibe-Film bekommt ein ernsthaftes (und das kann man kritisieren) plakatives Statement aufgedrückt zur Lage der Nation und dem immer noch allgegenwärtigen Rassismus, der seit diesem Jahr von oberster Stelle vorexerziert wird. In Cannes gab es dafür den Großen Preis der Jury. Und vom Filmkürbis immerhin solide 7 Kürbisse.


7,0
von 10 Kürbissen

Das Mörderspiel (1982)

Regie: Sidney Lumet
Original-Titel: Deathtrap
Erscheinungsjahr: 1982
Genre: Krimi, Thriller, Komödie
IMDB-Link: Deathtrap


Michael Caine spielt in Sidney Lumets Verfilmung von Ira Levins Broadway-Hit „Deathtrap“ den ehemals sehr erfolgreichen Dramatiker Sidney Bruhl, dessen letztes Stück allerdings von der Kritik völlig zerfetzt wurde. Zu seinem Unglück kommt hinzu, dass das Stück eines ehemaligen Schülers von ihm, Clifford Anderson (Christopher Reeve), das ihm dieser mit der Bitte um ein professionelles Urteil zugeschickt hat, wohl besser ist als alles, was Bruhl noch schreiben wird. Zum Entsetzen seiner hysterischen Ehefrau Myra (Dyan Cannon) schmiedet der geschmähte Autor einen sinisteren Plan, das junge Genie zu sich ins abgelegene Landhaus einzuladen und dort zu meucheln, um sich das Manuskript unter den Nagel zu reißen. Das ist der Auftakt zu einem wahnwitzigen Spiel mit doppelten, dreifachen und vierfachen Böden. „Die Schwierigkeit beim Katz-und-Maus-Spiel ist zu wissen, wer die Katze ist“. Ein wundervolles Zitat aus „Jagd aus Roter Oktober“, das perfekt auf „Deathtrap“ passt. Die Verwicklungen, die auch recht schnell eine metaphysische Ebene erreichen, machen viel Spaß und sorgen für eine spannende Dramaturgie. Um den Knoten, den mal zuweilen ins Gehirn gedreht bekommt, mal zu verdeutlichen: Sidney Bruhl ist im Film der Autor des erfolgreichsten Broadway-Stücks der Geschichte, und „Deathtrap“ ist wiederum die Verfilmung des damals tatsächlich erfolgreichsten Broadway-Stücks von Ira Levin, und das Stück, das im Film neu geschrieben wird mit dem Titel „Deathtrap“ handelt von einem Dramatiker, der gerade eine Megapleite hingelegt hat, das Manuskript eines jüngeren Schülers in die Hände bekommt und ihn in sein Landhaus einlädt, um ihn dort zu meucheln etc. Großartig, dieses Spiel mit den Ebenen, das sowohl das Stück als auch den Film als Vertreter der Postmoderne ausweist. Auch das Schauspiel weiß zu überzeugen. Über Michael Caine muss man ohnehin nicht viel sagen, der Mann weiß immer, was er tut. Aber auch Christopher Reeve ist erfreulich weit weg von seiner Superman-Rolle und gibt einen interessanten, undurchschaubaren Widerpart ab. Lediglich gegen Ende hin übertreibt es der Film ein wenig mit seinen Absurditäten und mit dem Katz-und-Maus-Spiel, da wird dann teilweise doch etwas zu dick aufgetragen – zumal man als Zuseher aus der vorangegangenen Stunde schon etwas gelernt hat und den Braten riecht. Insgesamt aber eine sehr erfreuliche Sichtung.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 62 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,0
von 10 Kürbissen

Eins, Zwei, Drei (1961)

Regie: Billy Wilder
Original-Titel: One, Two, Three
Erscheinungsjahr: 1961
Genre: Komödie, Satire
IMDB-Link: One, Two, Three


Was für ein Rundumschlag! In „One, Two, Three“ aus dem Jahr 1961 zog Billy Wilder so ziemlich alles durch den Kakao, was ihm zur Nachkriegszeit eingefallen ist. Vordergründig geht es in dieser Screwball-Komödie um den Geschäftsführer eines Coca Cola-Werks in West-Berlin, der die umtriebige Tochter des ganz hohen Bosses aufgehalst bekommt, die sich prompt in den Osten schleicht und dort einen glühenden Kommunisten heiratet. Als der Chef der Chefs sein Kommen ankündigt, herrscht natürlich erst einmal Panik – die Anlass gibt für rasend komische Verwicklungen und dramaturgische Pirouetten. Was den Film aber so besonders macht, ist eben, dass Billy Wilder in alle Richtungen austeilt. Kapitalisten, Kommunisten, ehemalige Faschisten, die das Hacken zusammenschlagen und blinden Gehorsam noch verdammt drauf haben und nun gewinnbringend einsetzen können, opportunistische Überläufer, eine sarkastische Ehefrau, die ihren untreuen Ehemann mit „mein Führer“ anspricht – nichts ist hier heilig. Keine einzige Figur scheint in diesem Treiben moralisch integer zu sein. Vorgetragen wird das alles in einem rasanten Tempo, das keine leisen Töne erlaubt. Hier wird geschrien und gefuchtelt und gegrölt. So etwas kann natürlich auch fürchterlich nerven, aber weil Billy Wilder alles unter Kontrolle hat und hinter jeder Ecke ein weiterer subversiver Witz lauert (bei den besten bleibt einem das Lachen im Hals stecken), hat man einfach einen Riesenspaß. Ein Film mit dem Energielevel eines hyperaktiven Kaninchens auf Ecstasy, das versehentlich zehn Liter Coca Cola getrunken hat.


8,5
von 10 Kürbissen