2020

The Human Voice (2020)

Regie: Pedro Almodóvar
Original-Titel: The Human Voice
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Kurzfilm
IMDB-Link: The Human Voice


Pedro Almodóvar und Tilda Swinton – was soll da schon schiefgehen? Man setze Tilda Swinton einfach nur in ein Filmset, das klar als solches zu erkennen ist, und lasse sie mit dem Ex telefonieren, der gerade Schluss gemacht hat, und das Ding läuft. Oder etwa doch nicht? Der Kurzfilm „The Human Voice“, Almodóvars erste englischsprachige Arbeit, ist ein eigenartiger, unentschlossener Film. Das Filmset verweist darauf, dass bestimmte zwischenmenschliche Situationen, wie etwa das Schlussmachen, auch Konventionen und Regeln folgen und von den Interagierenden in gewisser Weise durchgespielt werden. Man möchte den Konventionen entsprechen, man versucht, zivilisiert miteinander umzugehen, auch wenn das eben nur Schauspiel ist und man eigentlich aus der Tiefe des Herzens heraus denjenigen, der einem gerade das Herz gebrochen hat, mit einer Axt zerhacken möchte. Insofern ist es eine schöne Idee, das Filmset als Kulisse sichtbar zu machen. Und Tilda Swinton ist eben Tilda Swinton – die Frau kann einfach nicht schlecht spielen. Dennoch scheitert Almodóvar in meinen Augen mit seiner Fingerübung. Zu formelhaft wirkt das Ganze auf mich, als dass ich mit der Situation mitleben könnte. Zu beliebig und belanglos sind die Dialogzeilen, die – darüber kann man natürlich diskutieren – auf diese Weise die Formelhaftigkeit des Schlussmachens, auf die Almodóvar abzielt, noch einmal unterstreichen, aber gleichzeitig eben auch Distanz zum Zuseher schaffen und unterm Strich einfach langweilen. „The Human Voice“ ist kein Film, der mir im Gedächtnis bleiben wird. Aber gut, auch ein Meister kann man danebenhauen.


3,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Falling (2020)

Regie: Viggo Mortensen
Original-Titel: Falling
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Falling


Wer oder was ist ein Tausendsassa? Viggo Mortensen ist ein Tausendsassa! Er spricht drölfzig verschiedene Sprachen fließend, war mehrfach Oscar-nominiert, ist Westernreiter, Verleger für Kunstschriften, Dichter, Fotograf, Musiker, Träger des Dannebrogordens in Dänemark und somit ein echter Ritter, hat Mittelerde gerettet und nun auch sein Regie-Debüt vorgelegt. Viel Schlaf scheint Viggo nicht zu brauchen. (Vermutlich ist er insgeheim auch noch Briefmarkensammler, Tierbändiger und der wahre Banksy.) Jedenfalls hat der mit seinen üblichen Freizeitaktivitäten unausgelastete Herr Mortensen mit „Falling“ nun einen sehr persönlich wirkenden Film vorgelegt über eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung, die durch die Demenz des Vaters noch zusätzliche Schärfe erhält. Viggo Mortensen spielt den liberalen und aufopferungsvollen John, dessen Lebensentwurf im krassen Gegensatz zum konservativen Vater Willis (Lance Henriksen) steht. Der driftet immer mehr in die Demenz ab. Die Erinnerungen an früher, die er sich behält, sind durchaus gemischt. Er war kein guter Vater, nicht einmal ein sonderlich bemühter, aber es gab auch Momente, die aufzeigen, was mit ein bisschen mehr Bemühen möglich gewesen wäre. Kleine Momente der Liebe und Zuneigung, die aber sofort wieder abgelöst werden von einer Härte gegen sich selbst und andere, die eine emotionale Bindung erschwert. Lance Henriksen spielt den alten Willis als dauerfluchenden und -schimpfenden Griesgram, der sich vor allem an der Homosexualität seines Sohnes abarbeitet. Das alles wirkt in der Konzentrierung auf möglichst kreative Beleidigungen aber zuweilen aufgesetzt und übertrieben. Viggo Mortensen versucht, dem eine sanfte Ruhe gegenüberzustellen, die man durchaus nachvollziehen kann. Ein bisschen mehr Subtilität hätte dem Film aber insgesamt nicht geschadet. Gerade der alte Willis wirkt eindimensional und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit. So ist der Film in Ansätzen gut gelungen, es gelingt ihm allerdings nicht, die scharfen Kanten zu einem runden Ganzen abzupolieren.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen Filmverleih)

Niemals Selten Manchmal Immer (2020)

Regie: Eliza Hittman
Original-Titel: Never Rarely Sometimes Always
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Never Rarely Sometimes Always


Eliza Hittman ist mir schon mit Beach Rats sehr positiv aufgefallen. In „Never Rarely Sometimes Always“ richtet sie ihren Blick einmal mehr auf die Verwirrungen und Unwägbarkeiten der Adoleszenz. Diese fragile Kippe zwischen Jugend und dem Ernst des Erwachsenenlebens wird traditionell gern beleuchtet, und es gab dazu schon unzählige Filme – gute wie schlechte. Was Eliza Hittman allerdings herausstechen lässt, ist ihre neutrale Sicht. Die urteilt nicht, sie kommentiert nicht, sie lässt die Figuren für sich selbst sprechen und handeln, und gerade dadurch werden sie und ihre Probleme so greifbar und real. Hittman erzählt von der 17jährigen Autumn (Sidney Flanigan mit einer Leistung, die ihren Namen mit Sicherheit in die Notizbücher der großen Casting Agents bringt). Ihr familiäres Umfeld ist schwierig, ohne aber dramatisch zu sein. Jedenfalls ist es nicht das geeignete Umfeld, um eine ungewollte Teenager-Schwangerschaft aufs Parkett zu bringen. Anvertrauen kann sie sich eigentlich nur ihrer Cousine Skylar (Talia Ryder). Die begleitet sie auf einem schwierigen Weg, denn für Autumn ist klar: Sie möchte das Kind nicht haben. Und auch klar ist: In Pennsylvania, ihrem Heimatstaat, ist eine Abtreibung bei einer Minderjährigen nur mit Zustimmung der Eltern möglich. Und so befinden sich die beiden Mädchen schon bald auf einer Odyssee, die sie direkt ins Erwachsensein segeln lässt. „Never Rarely Sometimes Always“ ist ein in allen belangen konsequenter und wahrhaftiger Film. Eine einfühlsame Regiearbeit mit dem Blick für das Wesentliche und Reduzierte, das gerade durch diese klare Fokussierung emotionale Kraft entfaltet. Bei der titelgebenden Sequenz musste nicht nur ich schlucken – und das nicht, weil Hittman hier emotionale Knöpfchen drückt und manipulativ triggert. Im Gegenteil. Die Szene ist einfach so ehrlich und konzentriert, dass sie unter die Haut geht und dort bleibt. Mit ihrem Film wirft Eliza Hittman Fragen auf, die man nicht einfach beantworten kann und die sie selbst auch nicht beantworten möchte. Aber diese Fragen werden sensibel und vorurteilsfrei gestellt und ermöglichen einen Diskurs. Ein großartiger Film! Und ich bin hiermit offiziell Eliza Hittman-Fan!


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Davos (2020)

Regie: Daniel Hoesl und Julia Niemann
Original-Titel: Davos
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Davos


Gleich zu Beginn der Dokumentation „Davos“ ist man bei einer Totgeburt einer Kuh dabei. Wenn es sich hierbei um eine Andeutung handelt, dass die heilige Milchkuh des Kapitalismus, die nur wenige Kilometer weiter in einem feinen Kongresshotel unter den Mitgliedern des alljährlich stattfindenden World Economic Forum verhandelt wird, ebenfalls zu nichts Vitalem mehr fähig ist, dann Hut ab vor Daniel Hoesl und Julia Niemann für dieses zwar nicht besonders subtile, aber doch auch raffinierte Bild. Es ist halt alles recht kompliziert. Die Reichen und Mächtigen teilen sich den Kuchen untereinander auf, wirken aber ehrlich erschüttert, wenn sie mal im Rahmen einer Performance das Leid, das Flüchtlinge durchlaufen, am eigenen Leib erfahren (dürfen), daneben kämpfen die Bäuerinnen und Bauern um ihr Überleben und das Bestehen ihres Hofes, wobei der Jammer ein wenig aufgesetzt wirkt, wenn man das Leben dieser Menschen mit jenem von weniger Privilegierten aus den armen Regionen der Welt vergleicht. Selbst die afghanischen Flüchtlingskinder und portugiesischen Migranten, die man in der Stadt vor mächtiger Gebirgskulisse ebenfalls zu Wort kommen lässt, haben zwar ein vergleichsweises hartes Los, sind aber immerhin in Sicherheit und einem der reichsten Länder der Welt. Natürlich, die Gefahr der Abschiebung lauert hinter jedem Kalenderblatt, da gibt es nichts zu beschönigen. Dennoch steckt eine gewisse Ambivalenz in den Bildern, und ich wiederhole mich: Es ist alles recht kompliziert. Daniel Hoesl und Julia Niemann bleiben den Prinzipien des Dokumentarfilms treu: sie zeigen, ohne zu kommentieren. Und gerade dadurch bleibt der Film auch in der Schwebe. Es wäre einfach gewesen, mit dem Finger auf die bösen Kapitalisten im teuren Kongresshotel zu zeigen, es wäre noch einfacher gewesen, sich einfach den Demonstranten gegen das WEF anzuschließen und mit ihnen mitzulaufen, aber Hoesl und Niemann vermeiden diesen Fehler geschickt. So ist am Ende aber die Stärke des Films auch seine größte Schwäche: Er bleibt beliebig und findet damit zu keiner Aussage, die man im Anschluss noch länger diskutieren könnte.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Imperial Irrigation (2020)

Regie: Lukas Marxt
Original-Titel: Imperial Irrigation
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Dokumentation, Experimentalfilm
IMDB-Link: –


Der Salton Sink ist ein künstlich entstandener See in Kalifornien. Im experimentellen Kurzfilm „Imperial Irrigation“, der als Vorfilm zu FREM gelaufen ist, lässt Lukas Marxt die Kamera über die Wüstenlandstriche der Ufer schweifen und eine Frau per Voice Over von der Geschichte des Sees erzählen, von Atombombentests, die hier durchgeführt wurden, vom Giftstaub, der sich über die Jahrzehnte angesammelt hat. Das alles klingt interessanter, informativer und unterhaltsamer, als es sich dann darstellt. Die Bilder sind verzerrt und verfremdet, eine Art Organismus scheint sich immer wieder durchs Bild zu ziehen, teilweise sind die Bilder an den Rändern mit schwarzen Kacheln abgeschnitten. Auch die Geräuschkulisse wirkt dissonant und verfremdet. Die mit monotoner Stimme vorgetragenen Schnipsel aus der Geschichte des Sees bzw. die Kommentare dazu (denn die Stimme bezieht auf ihre Weise Position) passen mal zu den Bildern, mal eher nicht, und schaffen es nicht, in ihrer Beliebigkeit ein Narrativ zu formen. So können auch zwanzig Minuten auf einmal sehr lang werden. Ein ganz klarer Fall von verkopfter Kunst. Für diese Art von Filmen bin ich aber einfach zu blöd.


1,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Die Zahlen (2020)

Regie: Oleg Sentsov
Original-Titel: Nomery
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Satire
IMDB-Link: Nomery


Die Ukrainer sind derzeit arg gebeutelt, keine Frage. Und wie so oft in Ländern, die unter Repressalien leiden, ist die Kunst ein wichtiger Katalysator, um Dinge anzusprechen, über die sonst geschwiegen wird bzw. werden muss. So hat Oleg Sentsov mit „Die Zahlen“ ein Theaterstück geschrieben, das vorrangig als Parodie auf religiösen Fanatismus oder auch Religionen per se gesehen werden kann, indirekt aber auch mit der Obrigkeitshörigkeit und dem Streben nach Macht abrechnet. Wer da nicht an Putins Russland denkt (oder andere autoritäre Systeme), hat die vergangenen Jahrzehnte wohl verschlafen. Die Verfilmung des Theaterstücks ist nun … ein Theaterstück. Die Kulissen und das Schauspiel scheinen direkt von der Bühne in die Kamera gestopft zu sein, mit all ihren Reduktionen und Verfremdungen. Das ist zu Beginn recht gewöhnungsbedürftig, aber wenn man mal reingekommen ist, wird die Sache sehr schnell recht vergnüglich. Live-Applaus ist halt im Kinosaal unangemessen, aber ansonsten trennt nicht viel die Performance der Theaterbühne vom Zelluloid. Im Zentrum stehen die Nummern 1 bis 10, wobei Männer die ungeraden Zahlen und Frauen die geraden. Unter Regie und Aufsicht der großen 0, die über der Bühne hängt und die Fäden zieht, müssen die Zahlen gemäß Regelbuch absurde tägliche Rituale durchführen. Und was zu erwarten ist: Irgendwann regt sich Widerstand. Die Nummern 7 und 9 beginnen, die Regeln und Rituale in Frage zu stellen und streben nach einer neuen Ordnung und nach Selbstbestimmung. Besonders subtil ist „Die Zahlen“ nicht, aber wirkungsvoll und unterhaltsam. Und mal was Anderes: Ein Theaterbesuch im Rahmen der Viennale.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

The World to Come (2020)

Regie: Mona Fastvold
Original-Titel: The World to Come
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Liebesfilm, Historienfilm
IMDB-Link: The World to Come


Vereinfacht zusammengefasst ist „The World to Come“ eine Neuauflage von „Brokeback Mountain“, nur im Amerika der 1850er Jahre und unter Frauen. Damit würde man Mona Fastvolds Film aber nicht ganz gerecht werden, auch wenn er die Brillanz von Ang Lees Meisterwerk nicht ganz erreicht. Denn die zarte, sehr indirekt erzählte Liebesgeschichte zwischen Abigail (Katherine Waterston, die einmal mehr eine großartige Leistung bietet) und ihrer etwas weiter entfernt wohnenden Nachbarin Tallie (Vanessa Kirby) berichtet gleichermaßen wie von einer gesellschaftlich unmöglichen Liebe vom langen Weg, den die Emanzipation zu diesem Zeitpunkt noch vor sich hatte, und der auch heute bei weitem nicht abgeschlossen ist. Dabei ist „The World to Come“ kein emanzipatorischer Film, kein Plädoyer, keine flammende Anklage. Es ist ein ruhiger Film, bei dem die Gefühle – ob nun zwischen den Frauen oder auch jenen zwischen ihnen und ihren Männern (Casey Affleck und Christopher Abbott) – unter der Oberfläche gesellschaftlicher Konventionen abgeschirmt sind. Wahrhaftig wird man nur im Privaten, doch da ist der Karren meist schon verfahren. Casey Affleck als Abigails Ehemann zeigt dieses Dilemma sehr deutlich auf. Er möchte ein guter Ehemann sein und er ist auch bereit, sich selbst zurückzunehmen, aber dass er offen über sich, seine Gefühle, seine Beziehung reden kann, dazu ist auch er nicht in der Lage als Kind seiner Zeit. Und so steuert der Film schließlich auf sein konsequentes Ende hin. Positiv hervorzuheben sind neben dem durch die Bank guten Schauspiel auch die hervorragende Ausstattung, die diese bittere, harte Zeit mit all ihren Widrigkeiten zum Leben erweckt, ohne dabei zu dick aufzutragen, sowie die sensible, aber einprägsame Musik von Daniel Blumberg. Ein sehr schöner und erinnerungswürdiger Festival-Beitrag.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Aufzeichnungen aus der Unterwelt (2020)

Regie: Tizza Covi und Rainer Frimmel
Original-Titel: Aufzeichnungen aus der Unterwelt
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Aufzeichnungen aus der Unterwelt


Oft braucht es nicht viel für einen bemerkenswerten Film. Interessante Gesprächspartner, die etwas zu erzählen haben. Einen sensiblen Fragesteller. Und eine Kamera, die die zerfurchten Gesichter der Interviewpartner in Schwarz-Weiß festhält und so die Brücke in die Vergangenheit schlägt, über die berichtet wird. Tizza Covi und Rainer Frimmel ist mit „Aufzeichnungen aus der Unterwelt“ ein spannendes Porträt einer Episode gelungen, die wohl nur wenigen Wienern selbst bekannt ist. In den 60er und 70er Jahren hat es sich abgespielt in der Stadt. Illegale Glücksspiele. Messerstechereien. Prügeleien. Und eine Schießerei am Neujahrsabend, die zu einem Todesopfer und mehreren Verletzten geführt hat. Mittendrin der Schmutzer Lois und sein mittlerweile verstorbener Bruder. Und der erzählt von seiner Vergangenheit in Meidling, als er verbotene Kartenspiele veranstaltet und Leute, die ihm blöd gekommen ist, zusammengeschlagen hat. Stark wie ein Bär ist er gewesen, wie Freund und Zeitzeuge Kurtl berichtet. Um diese beiden betagten Herren dreht sich der Film. Die Geschichten von Lois und Kurtl. Windige Gestalten waren sie, der eine ein Schläger, der andere ein Heurigensänger, der halt auch immer irgendwie dabei war. Und so unterschiedlich sie auch waren, der feine Herr Kurt und der brachiale Lois, das Schicksal hat sie zusammengeschweißt. Und man merkt auch: What goes around, comes around. Manchmal ist das Schicksal auch eine schlecht gelaunte Diva, die zugefügte Ungerechtigkeiten durch andere Ungerechtigkeiten ausgleicht. Was bleibt ist eine Mischung aus Bitterkeit, später Einsicht und der Akzeptanz, dass das Leben die Karten ungleich verteilt. „So ist das eben“, lautet ein Satz, den man von allen Beteiligten öfter hört. Und man kann nicht umhin, ein wenig Bewunderung für den Lois und den Kurtl zu empfinden, die stoisch akzeptieren, was ihnen das Leben gebracht hat, im Guten wie im Schlechten. Ein frühes Highlight dieser Viennale.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

The Intruder (2020)

Regie: Natalia Meta
Original-Titel: El prófugo
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama, Thriller, Horror
IMDB-Link: El prófugo


Argentinier machen schon interessante Filme, wie ich auf diversen Festivals mittlerweile feststellen durfte. Filme, die sich einer klaren Genre-Definition entziehen und gerne schwarzen Humor mit Psychothriller- oder Horror-Sujets vereinen. „El prófugo“ von Natalia Meta reiht sich hier wunderbar ein. Die Synchronsprecherin und Chorsängerin Inés (Érica Rivas) macht eine dramatische Erfahrung und scheint in sich seltsame Geräusche zu tragen, die sich recht störend auswirken auf ihre Arbeit. Die überspannte Mutter, die kurzerhand bei ihr in der Wohnung einzieht, trägt nicht wirklich viel Positives zur Situation bei. Einzig ihre neue Bekanntschaft Alberto, der die Orgel im Konzertsaal stimmt, scheint ihr etwas Halt zu geben. Doch schon bald verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Und was ist die wahre Bedrohung für Inés? Natalia Meta vermeidet es fast schon zwanghaft, Antworten zu geben oder zumindest anzudeuten. Bis zur letzten Einstellung bleibt die Haupthandlung im Unklaren. Das reduziert aber nicht das Vergnügen der Sichtung. Geschickt hält die Regisseurin in ihrem zweiten Langfilm die Zuseher bei Laune, indem sie humorvolle Einlagen mit Momenten diffuser Bedrohung abwechselt. Am Ende ist man vielleicht keinen Deut schlauer, aber wurde zumindest eineinhalb Stunden lang gut unterhalten. Und das ist doch schon mal was. Ein durchaus sehenswerter erster Viennale-Film, der noch Luft nach oben lässt, mich aber schon mal gut in Festival-Stimmung gebracht hat. So kann’s weitergehen.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) Viennale)

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Regie: David Dobkin
Original-Titel: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie, Musikfilm, Satire, Rom-Com
IMDB-Link: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga


Will Ferrell kann ganz schön anstrengend sein. Die stoischen Kindsköpfe, die er stets zu spielen pflegt, haben sich halt mittlerweile abgenutzt, und man könnte meinen, dass er ein One-Trick-Pony ist. Für das wunderbare „Stranger Than Fiction“ war er perfekt, aber der Film liegt halt auch schon wieder 14 Jahre zurück. Und nun spielt er in „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ einen isländischen Popmusiker, der mit seiner Partnerin Sigrid (Rachel McAdams) beim Eurovision Song Contest groß rauskommen möchte. Sein einziger Lebenstraum: Dort zu triumphieren. Was nach einem sicheren Weg ins filmische Desaster klingt, nämlich die Parodie auf eine Parodieveranstaltung mit dem stoischen Kindskopf Will Ferrell in der Hauptrolle, entpuppt sich überraschend als recht charmante Hommage an einen Wettbewerb, den keiner ernst nehmen kann und der gerade deshalb so großartig und wichtig ist. Die musikalischen Beiträge und deren Interpreten sind auf dem Punkt. Jeder einzelne von ihnen könnte im echten Eurovision Song Contest auftreten. Und so lächerlich die Veranstaltung per se auch ist, sie wird von David Dobkins Film nicht lächerlich gemacht. Da merkt man, dass die Macher mit sehr viel Liebe ans Werk gegangen sind. Und plötzlich ist auch Will Ferrell wieder erträglich, und die Musik plötzlich bei aller Absurdität gar nicht so schlecht und das Leben irgendwie schön und bunt. Soll nichts Schlimmeres passieren als der neue Will Ferrell-Film.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by John Wilson/NETFLIX/John Wilson/NETFLIX – © 2020 Netflix, Inc., Quelle imdb.com)