Fantasy

Abraham Lincoln Vampirjäger (2012)

Regie: Timur Bekmambetow
Original-Titel: Abraham Lincoln: Vampire Hunter
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Action, Abenteuerfilm, Fantasy, Horror, Thriller
IMDB-Link: Abraham Lincoln: Vampire Hunter


In Timur Bekmambetows Historien-Drama wird das Leben und Wirken des wohl legendärsten US-amerikanischen Präsidenten nachgezeichnet. In weichen Sepia-Tönen erzählt der Film die bislang in den Geschichtsbüchern aus unerfindlichen Gründen verschwiegene Jugendzeit Abraham Lincolns, der, bevor er die Nation den Klauen eines fürchterlichen Bürgerkrieges zu entreißen und die Sklaven zu befreien versuchte, selbst tatkräftig anpackte, um das Land vor dem Bösen zu bewahren. Es ist eine Schande, dass der Geschichtsunterricht diese Episode aus dem Leben des Präsidenten übergeht, denn ich bin davon überzeugt, dass die Jagd auf Untote den Charakter Lincolns nachhaltig geprägt hat und ihn zu dem großen Staatsmann, der er später wurde, reifen ließ. Auch dass Lincoln in seinen Jugendjahren äußerst sportlich war und eine erstaunliche Begabung für den Umgang mit der Axt bewies, habe ich bis dato noch in keinem Geschichtsbuch gelesen. Ich bin Bekmambetow daher sehr dankbar, dass er diesen wunderbaren Historienfilm gedreht hat und mein Bild von Lincoln vielleicht nicht unbedingt geradegerückt, aber doch zumindest entscheidend ergänzt hat. Ich persönlich bin der Meinung, dass Daniel Day-Lewis für seine Verkörperung von Lincoln in diesem Film noch wichtige Anregungen erhalten hat. Der Oscar für Day-Lewis‘ Darstellerleistung gehört damit zumindest auch ein bisschen Bekmambetow und den Machern von „Abraham Lincoln Vampirjäger“. Nun bin ich gespannt auf die Verfilmung der wahren Geschichte von John F. Kennedy, der, wie ich gehört habe, die 87. Reinkarnation Buddhas gewesen sein soll. (Die 88. ist angeblich Donald Trump, aber so einen Blödsinn muss man wirklich nicht glauben.)


3,0
von 10 Kürbissen

Rogue One: A Star Wars Story (2016)

Regie: Gareth Edwards
Original-Titel: Rogue One: A Star Wars Story
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Science Fiction, Kriegsfilm, Abenteuerfilm, Action, Fantasy
IMDB-Link: Rogue One: A Star Wars Story


Als ich hörte, dass Gareth Edwards einen Star Wars-Film mit Felicity Jones dreht, bekam ich Schnappatmung. Gareth Edwards ist für mich einer der interessantesten Regisseure derzeit („Monsters“ halte ich für einen der intelligentesten Science Fiction-Streifen der letzten Jahre, und er hat nach dem Emmerich-Desaster auch Godzilla wieder ein würdevolles zweites Leben eingehaucht), und in Felicity Jones bin ich seit „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ ein bisserl verliebt. Dazu kommen solche Kapazunder wie der stets überragende Mads Mikkelsen oder Oscar-Preisträger Forest Whitaker (kleiner Vorgriff: da ist er mal wieder verschenkt – by the way, ich kenne kaum einen zweiten Schauspieler, der so sehr zwischen „grandiose Performance“ und „völliger Griff ins Klo“ schwankt wie Whitaker), der sympathische Diego Luna und das eine oder andere Wiedersehen mit alten Bekannten. Herzliche Grüße an die CGI-Abteilung an dieser Stelle – Jungs, I’ve noticed! Dazu soll „Rogue One“ düsterer sein als es die bisherigen Star Wars-Filme waren. Alles war also angerichtet für den Film des Jahres. Aber ist er das auch?

*trommelwirbel*

Nein. Denn obwohl der Film verdammt viel richtig macht, vor allem in der zweiten Hälfte, hat er auch seine Schwächen, die dazu führen, dass ich zwar einen wirklich guten Film gesehen habe, einen düsteren (ohmeingottmeingottdasende!), einen dem Star Wars-Universum auf jeden Fall gerecht werdenden und es bereichernden, aber, ganz ehrlich, von Perfektion sind wir noch ein gutes Stückerl entfernt. Für einen perfekten Film hätte „Rogue One“ am Anfang weniger zwischen Schauplätzen und Figuren herumhüpfen dürfen (man könnte die erste halbe Stunde auch wunderbar als „Star Wars-Reiseführer“ verkaufen – jeder Ort kompakt in fünf Minuten beschrieben, und auf zur nächsten Sehenswürdigkeit), für einen perfekten Film hätten die Figuren, die an sich toll und vielfältig zusammengestellt wurden, mehr Tiefe gebraucht, aber was „Rogue One“ dafür am Ende richtig gut macht: Es wird konsequent aufgeräumt. Aktionen haben Folgen. So ist es nun mal im Leben – und wenn auch viel zu selten im Film, so diesmal in Star Wars. Macht euch gefasst auf eine letzte halbe Stunde, die euch in den Sessel kleben wird, auch weit nach dem Abspann hinaus. Dafür applaudiere ich Gareth Edwards und den Leuten, die am Drehbuch mitgewirkt haben. So bleibt als Fazit: Man hätte zwar einiges besser machen können und ein 100%ig runder Film wollte das Ding einfach nicht werden, aber ein Kinobesuch lohnt sich allemal.


8,0
von 10 Kürbissen

Lions (2012)

Regie: Jazmín López
Original-Titel: Leones
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Fantasy
IMDB-Link: Leones


Sobald man begriffen hat, worum es geht, ist „Leones“, das Langfilm-Debüt der jungen argentinischen Regisseurin Jazmín López, tatsächlich gar nicht mal so übel. Das Problem ist, dass man erst nach dem Abspann, wenn man Tante Google bemüht hat, begreift, worum es geht. Bis dahin, also die 80 Minuten lang, die der Film dauert, sieht man fünf jungen Erwachsenen (zwei unglaublich gut aussehenden Mädels, drei etwas nerdigen Jungs) dabei zu, wie sie durch den Wald laufen. Die Kamera hängt quasi über ihrer Schulter und ist der sechste Ausflügler, hastet immer hinterher. Kann man ja mal machen, schöne Rücken können auch entzücken. Aber dann sollte der Pfadfinderausflug in den Wald halt generell Interessanteres zu bieten haben als eine Pistole, die in einem verlassenen Traktor gefunden wird, und die aber in weiterer Folge (trotz des Tschechow’schen Gesetzes) keine wesentliche Rolle mehr spielt. Zwischenzeitlich summt jemand „Do You Believe in Rapture“ von Sonic Youth, der dann auch im Abspann wiederkommt und damit dem Film noch einen nicht mehr erwarteten Energieschub verleiht, und man läuft halt durchs Gemüse. Wie gesagt, nachdem ich gegooglet habe, was der Film eigentlich erzählen möchte, fand ich die ganze Chose dann tatsächlich so halbwegs interessant. Aber wenn ein Film Google benötigt, damit man begreift, wo die fantastischen Aspekte, die er ankündigt, aufzufinden sind, und der sonst nur eine ermüdende, repetitive Wanderung zeigt, die schmerzhaft an unfreiwillige Sonntagsausflüge in der Kindheit erinnert, dann hat er definitiv etwas falsch gemacht.


3,0
von 10 Kürbissen

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

Regie: David Yates
Original-Titel: Fantastic Beasts and Where to Find Them
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Fantastic Beasts and Where to Find Them


Gleich vorweg: Ich bin kein ausgewiesener Harry Potter-Kenner und -Fan. Ich gehöre zu den wenigen Menschen meiner Generation, die nicht mit den Büchern aufgewachsen sind und habe sie bislang auch noch nicht gelesen, und auch die Filme habe ich erst vor zwei oder drei Jahren zum ersten Mal gesehen. Ich mag die Filmreihe sehr, finde die Geschichte toll erzählt und kann absolut nachvollziehen, warum Harry Potter zu einem solchen weltweiten Phänomen wurde. Und ich habe natürlich auf Anregung meiner Freunde das berühmte Sorting durchgeführt. (Lange Zeit war ich ein Ravenclaw, bis ein weiterer, genauerer Test ergeben hat, dass ich eigentlich zu Hufflepuff gehöre, bin daher also ein Ravenpuff, was ziemlich schmutzig klingt.) Aber ich kann eben nicht behaupten, dass bei mir Harry Potter über alles geht. Dies gesagt, kann ich mich nun hinstellen und das sagen, was ich zu sagen habe: „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ ist vielleicht der beste Fantasy-Film, den ich je gesehen habe.

Warum ist das so? Ich könnte nun auf den grandiosen Cast verweisen, angeführt von einem wie immer großartigen Eddie Redmayne, einer wunderbar fragilen und zugeknöpften Katherine Waterston (unglaublich, wenn man sich an ihre laszive Verführerin in „Inherent Vice“ erinnert), einer herzerwärmend charmanten Alison Sudol und dem heimlichen Star des Films (neben den liebevoll animierten Fabelwesen), Dan Fogler, der seinen Muggle Jacob, der unversehens in die magische Welt hineingezogen wird und mit staunenden Augen von einer ihn überfordernden Situation in die nächste stolpert, sich aber mit großem Herz und einer Portion Tapferkeit allem stellt, zum Niederknien spielt. Daneben trumpfen Colin Farrell als aalglatter und undurchsichtiger Gegenspieler sowie Ezra Miller und die junge Faith Wood-Blagrove als unheimliches Geschwisterpaar auf. Ich könnte auch die herausragenden Animationen als Grund für meine Begeisterung nennen. Vor allem die schon erwähnten Tierwesen sind extrem gut animiert. Oder die Atmosphäre des Films, die dunkel, aber nicht bedrohlich ein New York der 20er-Jahre zeigt, das sich fremd und vertraut gleichermaßen anfühlt. Ich könnte natürlich auch auf die Story hinweisen, das gut geschriebene Drehbuch, das fast immer die richtige Balance aus Action und Ruhe findet und die Geschichte gut vorantreibt und kaum einmal langatmig werden lässt (trotz einer Laufzeit von deutlich mehr als zwei Stunden). Was aber die eigentliche große Stärke des Films ist: Obwohl „Fantastic Beasts“ einer der größten Blockbuster des Jahres ist, merkt man in jeder Einstellung, jeder Szene und jedem Blick der Darsteller, wie viel Liebe, Hingabe, Herzblut und überbordende Fantasie darin steckt.


9,0
von 10 Kürbissen

Swiss Army Man (2016)

Regie: Dan Kwan und Daniel Scheinert
Original-Titel: Swiss Army Man
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Komödie, Fantasy, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Swiss Army Man


Ein junger Mann (Paul Dano), schiffbrüchig und gestrandet auf einer winzigen Insel, halb wahnsinnig vor Einsamkeit, will seinen Qualen ein Ende setzen und sich erhängen. Davon abgehalten wird er von einer Leiche (Daniel Radcliffe), die just in diesem Moment an den Strand gespült wird. Und diese Leiche erweist sich recht rasch als äußerst nützlich (so erzeugen beispielsweise die durch die Verwesung entstehenden Flatulenzen einen ziemlichen Antrieb, durch den die Leiche mal schnell zum Jet Ski umfunktioniert werden kann, wodurch der Gestrandete nun doch von seiner Insel entkommen kann) und mit der Zeit auch gesprächig. Gemeinsam schlägt sich das seltsame Paar nun durch einen Wald auf der Suche nach dem Heimweg und durch die Vergangenheit des Verschiedenen, der auch sonst noch allerhand Überraschungen bereithält. Was nach dem schrägsten Film des Jahres klingt … ist der schrägste Film des Jahres. Allerdings sind diese herrlichen Absurditäten kein Selbstzweck. Vielmehr entfaltet sich allmählich eine wunderbar zarte, poetische Geschichte über Einsamkeit, über Begehren, über Ängste, Schüchternheit und verpasste Gelegenheit. Das Ende ist konsequent, logisch und gleichermaßen zum Heulen schön. Vielleicht hätte man ein paar Fürze und die eine oder andere Derbheit auf dem Weg zu diesem wundervollen Ende auslassen können, aber sei’s drum – „Swiss Army Man“ ist mutiges, gefühlvolles und gehaltvolles Kino.


8,5
von 10 Kürbissen