Fantasy

Colossal (2016)

Regie: Nacho Vigalondo
Original-Titel: Colossal
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Colossal


Meine Kinokomplizin, die den Film vorgeschlagen hat, hat mir im Vorfeld eingeschärft: „Versuch, nichts über den Film zu lesen, keine Kritiken, schau keinen Trailer dazu an.“ (Jo, was haben wir hier unten? Genau – einen Trailer. Allerdings möchte ich niemanden bevormunden – die Willensstarken unter euch werden es schaffen, das Youtube-Video nicht anzuklicken, und für das schwache Gewürm unter euch, har har, – oder einfach jene, denen Spoiler egal sind – möchte ich nicht auf den gewohnten Service verzichten.) Jedenfalls wertet es „Colossal“ auf, wenn man nicht genau weiß, worum es geht. So viel sei vorab verraten: Die arbeitslose Alkoholikerin Gloria (eine wie immer entzückende Anne Hathaway) fliegt aus der Wohnung ihres Verlobten und stattet daraufhin ihrem Heimatdorf einen Besuch ab. Währenddessen legt ein Monster Seoul, die Hauptstadt Südkoreas, in Schutt und Asche. Was eine Mischung aus Selbstfindung und Godzilla-Variation beginnt, formt sich allmählich zu einem Kampf gegen die inneren Dämonen.  Jede weitere Information zur Handlung des Films wäre schon eine Information zu viel. Jetzt kommt mein „Aber“: Aber leider ist die Umsetzung dieser an sich interessanten Grundidee bestenfalls mittelprächtig. Der Regisseur, Nacho Vigalondo, ist bei mir bereits einmal durchgefallen mit einer ähnlichen Ausgangsbasis: Gute Idee, schlecht umgesetzt. „Open Windows“ hieß das Werkl, das ich nicht unbedingt hymnisch besprochen habe. „Colossal“ ist jedenfalls ein Schritt nach vorne. Denn unterhaltsam ist der Film und durch die Fokussierung auf das Kleinstadt-Setting und deren Bewohner auch prinzipiell interessant. Allerdings geht „Colossal“ einigen sehr spannenden moralischen und ethischen Fragen aus dem Weg (wie auch „Open Windows“) und konzentriert sich stattdessen lieber auf den Thriller-Aspekt und auf Schauwerte (die allerdings nicht immer befriedigend ausfallen – da ist man heutzutage einfach an Besseres in Sachen CGI gewöhnt). In Summe ist es leider nur ein besseres B-Movie, das von einer tollen Anne Hathaway und einer interessanten Ausgangsbasis lebt, aber dann auf dem Weg viel Potential liegen lässt.


5,5
von 10 Kürbissen

A Ghost Story (2017)

Regie: David Lowery
Original-Titel: A Ghost Story
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Fantasy
IMDB-Link: A Ghost Story


Ein junges Paar (Rooney Mara und Casey Affleck) im Glück. Er stirbt bei einem Unfall, kehrt zurück als Geist und sieht der trauernden Frau dabei zu, wie sie versucht, ihr Leben weiterzuleben. Was zunächst wie eine Arthouse-Version von „Ghost – Nachricht von Sam“ klingt, entpuppt sich als interessante und ungewöhnliche Abhandlung über die Vergänglichkeit. Schon allein die Idee, den Toten als klassisches Kinder-Gespenst in einem Laken spuken zu lassen, ist großartig, denn dadurch bekommt der Geist etwas Naives, Unschuldiges – und dabei gleichzeitig auch etwas Erhabenes und Unpersönliches, wenn er langsam durch die Zimmer schreitet oder einfach nur in einer Ecke steht und aus den tiefen, schwarzen Höhlen seiner ausgeschnittenen Augen dem Alltag zusieht. Diese Entkörperung ist ein zentrales Element des Films, denn losgelöst von Casey Afflecks Figur sehen wir den Geist, wie er nach und nach sich selbst und sein Verständnis von Zeit verliert. Er hat keine Aufgabe mehr, er ist einfach nur da und beobachtet teilnahmslos, während die Zeit vergeht. Und so stellt der Film nach und nach eine zweite Frage neben der, wie wir mit Verlust und Trauer umgehen, nämlich: Was bedeutet es, vergessen zu werden? „A Ghost Story“ dreht nämlich die Frage im Grunde um und nähert sich so einer Antwort, indem die Figur von Casey Affleck im Geist aufgeht, dieser aber selbst beginnt, alles zu vergessen und einfach nur noch zu sein – ohne Bedeutung, ohne Ziel. Eine Existenz in Bedeutungslosigkeit ist eine Nicht-Existenz – womit der Bogen gespannt wäre zum kollektiven Vergessen nach dem Ableben. Toll in diesem Zusammenhang die Szene, als der Geist selbst eine Geistererscheinung hat, im Nebenhaus nämlich ebenfalls ein Lakengespenst sieht, das ihm erklärt, es warte auf jemanden, aber es habe vergessen, auf wen. Dass „A Ghost Story“ dennoch nicht in allen Belangen als Film gut funktioniert, liegt an dem sehr langsamen Erzähltempo und einer vielleicht etwas unnötig komplexen Struktur, die im letzten Drittel einen Dreh hinlegt, der ein bisschen nach gewolltem Mindfuck aussieht. Ich hatte das Gefühl, dass der Film in dem Moment mehr sein möchte als er ist. Dennoch eine lohnenswerte Erfahrung, und selten wurde Trauer so adäquat und herzzerreißend dargestellt wie durch Rooney Mara, die einfach nur einen Kuchen isst.


6,5
von 10 Kürbissen

Richtung Zukunft durch die Nacht (2002)

Regie: Jörg Kalt
Original-Titel: Richtung Zukunft durch die Nacht
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Drama, Liebesfilm, Fantasy
IMDB-Link: Richtung Zukunft durch die Nacht


„People assume that time is a strict progression of cause to effect, but actually from a non-linear, non-subjective viewpoint – it’s more like a big ball of wibbly wobbly … time-y wimey … stuff.“ Soweit Doctor Who zu diesem Thema. Der 2007 viel zu früh verstorbene Filmemacher Jörg Kalt hatte dazu eine ähnliche Meinung. In „Richtung Zukunft durch die Nacht“ (mit einer österreichischen Best-Of-Besetzung: Simon Schwarz und Kathrin Resetarits in den Hauptrollen, dazu Georg Friedrich und Nicholas Ofczarek in kleinen Rollen) erzählt Kalt die recht simple Geschichte eines Kennenlernens in einer Bar und einer Reise durch die Nacht. Der arbeitslose Vorspeisenkoch Nick (Schwarz) trifft auf die asynchrone Filmstudentin Anna (Resetarits). Asynchron, weil manchmal ihre Worte erst zu hören sind, nachdem sie diese gesprochen hat. Nick kocht für sie, sie erleben absurde Abenteuer, sie verlieben sich ineinander. Doch dann, eine Beziehung ist aus dieser Nacht entstanden, wacht Nick eines Tages auf und während seine Zeit normal vorwärts läuft, läuft sie für alle anderen Menschen in seiner Umgebung rückwärts, auch für Anna. Die Beziehung, schon überschattet von Missverständnissen, entwickelt sich also zurück zu ihrem Ursprung. „Wibbly wobbly time-y wimey stuff“ eben. Und eine sehr erfrischende Idee, denn was sind Beziehungen denn tatsächlich? Wiederholungen bekannter Muster, an deren Anfang und an deren Ende die Einsamkeit, das Alleinsein steht. Das erzählt Jörg Kalt sehr unaufgeregt und in nur etwa einer Stunde Laufzeit. Warum mich „Richtung Zukunft durch die Nacht“ dennoch nicht wirklich mitreißen konnte, liegt neben der manchmal arg verkopften Herangehensweise auch an der sehr reduzierten, amateurhaft wirkenden Ausarbeitung in Bild und Ton. Auch das Schauspiel kommt meiner Meinung nach in seiner Vereinfachung und Reduzierung etwas zu kurz. Man kann es mit der Lakonie auch übertreiben. So ist „Richtung Zukunft durch die Nacht“ ein durchaus interessanter Werkbeitrag zum österreichischen Film mit einer spannenden Idee, aber leider einer schwachen Umsetzung, die dafür sorgt, dass ich hier einen Film der verpassten Möglichkeiten sehe – als wäre der Film eine reine Fingerübung eines Filmstudenten. Aber gut, vielleicht war er ja auch genau das.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

Der Dunkle Turm (2017)

Regie: Nikolaj Arcel
Original-Titel: The Dark Tower
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Fantasy
IMDB-Link: The Dark Tower


Nein! Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein! Aber sowas von Nein!

Ich weißt nicht, was ich da gesehen habe, irgendeinen kruden, leicht dämlichen Fantasy-Action-Film mit wenig Fantasy und wenig Action, aber „Der Dunkle Turm“ war es nicht. Und das, obwohl ich mich im Vorfeld schon von der Erwartungshaltung, dass der Film der epischen Roman-Reihe von Stephen King bzw. zumindest deren Auftakt gerecht werden könnte, verabschiedet habe. Kings dunkler Turm ist für mich nicht weniger als das größte Fantasy-Epos unserer Zeit (sorry, George R. R. Martin, du bist auch ein Wunderwuzzi, keine Frage, aber das Universum von King mit seinen Querverweisen in zwanzig, dreißig weiteren Romanen neben den sieben Hauptromanen steht da noch ein kleines Stück drüber). Aber selbst wenn man akzeptiert, dass „Der Dunkle Turm“ des dänischen Regisseurs Nikolaj Arcel nicht das Geringste mit Kings Geschichte zu tun hat außer ein paar Figuren und dem titelgebendem Turm, so funktioniert er auch als eigenständiger Film nicht. Die Story ist arg verdünnt und bleibt trotzdem konfus (die Motivation der Guten wie der Bösen wird kaum beleuchtet), die Action ist mau und unbefriedigend (vor allem der Showdown ist einfach irgendwas), es entwickelt sich kaum Dynamik zwischen den Figuren, da diese auch kaum Zeit für Entwicklungen haben, da die Story sie recht beliebig durch die Landschaft hetzt. So gut wie nichts wird erklärt, man hat einfach zu akzeptieren, dass es halt da den Turm gibt und dass die Bösen versuchen, ihn einzureißen, um das Universum zu zerstören, und der Gute, na ja, der will eigentlich nur den Bösen killen, weil der seinen Vater gemeuchelt hat, aber das ist es dann auch schon. Dabei hätten die Figuren so viel Potential, wenn man die Vorlage nur ein bisschen genauer gelesen hätte – die dort verankerte Besessenheit von Roland für den Dunklen Turm, die ihn über Leichen gehen lässt (und er macht da keinen Unterschied zwischen Freund oder Feind), die eigentliche Motivation von Jake Chambers, in Rolands Welt zu flüchten, die Figur des Walter O’Dim als treuer Diener des Scharlachroten Königs – was hätte man da noch rausholen können! Geht halt nicht, wenn man die Geschichte als beliebiges Durchschnittsactionhollywooddings konzipiert. Einzig erfreulich waren die Besetzungen von Idris Elba als Roland (ja, der hätte das Zeug zu gehabt, die komplexe Psychologie Rolands darzustellen) und von Matthew McConaughey als Walter, der zwar auch schon bessere Leistungen abgeliefert hat, aber zumindest eine recht unheimliche Präsenz mit sich bringt, die gut zur Figur passt. Der Rest ist Schweigen.

„All things serve the beam.“ Dieser Film leider nicht.


 

3,5
von 10 Kürbissen

Spider-Man: Homecoming (2017)

Regie: Jon Watts
Original-Titel: Spider-Man: Homecoming
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Fantasy, Komödie, Science Fiction
IMDB-Link: Spider-Man: Homecoming


Tobey Maguire war Spider-Man. Andrew Garfield war Spider-Man (und diese Filme habe ich schon gar nicht mehr gesehen, weil mich dieser Aufguss – ob berechtigter- oder unberechtigerweise – nicht interessiert hat. Und nun ist Tom Holland Spider-Man. Schon in „The First Avenger: Civil War“ wurde diese Figur wieder neu ins aktuelle Marvel Cinematic Universe eingeführt, und da dachte ich mir schon: Jep, das könnte tatsächlich funktionieren. Und so gab ich auch dem neuen, neuen Spider-Man eine Chance und wurde nicht enttäuscht. Denn eigentlich ist „Spider-Man: Homecoming“ gar kein Action-Kracher. Vielmehr ist es eine wirklich witzige und von Tom Holland sehr gut getragene Teenager-Komödie, die ihren Schwerpunkt auf das Biotop „High School“ legt. Peter Parker muss sich zunächst einmal den üblichen Kämpfen eines Teenagers stellen. Er ist ein bisschen ein Außenseiter in der Schule, nicht unbeliebt, aber von Manchen doch gemobbt, er hat sich in das hübscheste Mädchen der Schule verknallt und hadert nun mit dem Zwiespalt, ihr imponieren zu wollen und sich gleichzeitig nicht trauen, sie anzusprechen, er hat schulische Verpflichtungen, die ein bisschen gegen seinen eigenen Zeitplan gehen (denn hey, er ist ja Spider-Man und als freundliche Spinne aus der Nachbarschaft wird er eben auch dort gebraucht), und er will endlich etwas bewegen, ernst genommen werden, erwachsen werden. Er will nicht mehr als Kind behandelt werden. Gerade dieser Wunsch bringt ihn auf Konfrontationskurs mit dem Schurken Vulture (Michael Keaton in einer selbstironischen Adaption seiner selbstironischen Rolle in „Birdman“). Was schön ist an dem Film: Bei aller Situationskomik nimmt er seine Figuren ernst. Die Probleme eines Teenagers werden greifbar dargestellt, und der Schurke ist nicht einfach ein Oberbösewicht mit einer oberschurkischen Agenda, sondern einfach ein Mann, der seine Familie ernähren will und dafür recht unkonventionelle Wege findet und natürlich angepisst ist, wenn ihm so eine kleine, rotzfreche Spinne in die Suppe spucken möchte. (Ganz groß ist hierbei die erste End-Credit-Szene – hier sieht man noch einmal sehr deutlich, dass sich die Autoren und Macher sehr wohl intensiv Gedanken über ihre Figuren gemacht haben.) Im Grunde geht es aber nicht um den Kampf Gut gegen Böse, den man so oft schon gesehen hat, sondern eben um die Frage: Wer bin ich, wer kann ich sein, wer will ich sein, und wie erreiche ich, dass mich meine Umwelt auch so wahrnimmt, auch wenn ich das, was ich sein will, aktuell noch nicht nach außen darstellen kann? Dabei werden keine dramatischen Verrenkungen der Figuren in Kauf genommen, es gibt keine Epiphanie, keine große Erleuchtung – alles wirkt sehr organisch und aus den Figuren selbst herauskommend. Hier macht „Spider-Man: Homecoming“ fast alles richtig, ist jedenfalls besser und glaubwürdiger als der erste Spider-Man-Film mit Tobey Maguire. Ein bisschen Probleme hat der Film vielleicht mit der Story selbst, die zuweilen etwas gar beiläufig erzählt wird. Aber das ist okay – der Fokus lag bei diesem Spider-Man eben woanders. Und so sehe ich den Film auch als Coming-of-Age-Komödie, bei dem der Held halt zufälligerweise auch Superkräfte besitzt. Seine Probleme kann er damit aber auch nicht lösen, was „Spider-Man: Homecoming“ sehr sympathisch macht.


7,5
von 10 Kürbissen

Wonder Woman (2017)

Regie: Patty Jenkins
Original-Titel: Wonder Woman
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Abenteuerfilm, Action, Fantasy, Kriegsfilm
IMDB-Link: Wonder Woman


Nach der Dark Knight-Trilogie von Christopher Nolan ging es qualitativ mit den DC-Comic-Verfilmungen eher bergab. Doch nun sorgt „Wonder Woman“ für Furore. Der erfolgreichste Film einer Regisseurin ever tritt den Cape-bewehrten Macho-Muskelprotzen, die sonst die Leinwand bevölkern, kräftig in den Hintern. Gefeiert wird der Film als feministisches Action-Kino. Das ist schon mal gut – ein breiter Diskurs in dieser Sache ist wichtig. Aber funktioniert der Film auch als solcher, wenn man sich nicht allein auf die Tatsache stützt, dass er eine sehr starke, Ärsche tretende weibliche Hauptfigur hat? Funktioniert er als Sommer-Blockbuster-Action-Kracher? Da fällt mein Urteil ein bisschen differenzierter aus. Zwar unterhält der Film über seine Spielzeit sehr gut und bietet wirklich gute Unterhaltung mit soliden Action-Szenen, aber die Neu-Erfindung der Comic-Verfilmung, als die ihn manche Kritiker gerne sehen würden, ist „Wonder Woman“ nicht. Die Story ist dann doch recht vorhersehbar, die CGI hat auch schon mal besser ausgesehen und Nebenfiguren wie Schurken sind im Grunde recht eindimensional. Was das betrifft, so bleibt die Dark Knight-Trilogie weiterhin der Maßstab für die Branche. Aber geschenkt. „Wonder Woman“ ist gutes Action-Kino mit einer wichtigen Botschaft – nämlich, dass es heutzutage wirklich wurscht sein soll, ob die Welt von einem Mann oder einer Frau gerettet wird, denn Letztere kann das mindestens genauso gut.


7,0
von 10 Kürbissen

Dead Flowers (1992)

Regie: Peter Ily Huemer
Original-Titel: Dead Flowers
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Drama, Fantasy, Krimi, Liebesfilm, Thriller
IMDB-Link: Dead Flowers


Der große Hype des österreichischen Kinos begann Ende der 90er. „Nordrand“ von Barbara Albert wird hierbei immer wieder als Initialzündung genannt. Seitdem erhält der österreichische Film auch international viel Beachtung, und Filmschaffende wie Michael Haneke, Ulrich Seidl, Götz Spielmann, Jessica Hausner, die schon genannte Barbara Albert oder der kürzlich verstorbene Michael Glawogger heimsen wichtige Preise ein bis hin zu den Oscars. „Dead Flowers“ von Peter Ily Huemer kam da vielleicht ein paar Jahre zu früh. Denn an sich hätte der Film alles gehabt, um in dieser Runde reüssieren zu können. Alex, die Hauptfigur, hätte durchaus einem Jim Jarmusch-Film entsprungen sein. Der stoische Kammerjäger lebt friedlich vor sich hin, bis er eines Tages die mysteriöse Alice am Straßenrand aufgabelt. Die ist verdreckt, ein bisschen verwirrt und offenbar auf der Flucht. Aber vor wem? Auch seine resolute Großmutter kann ihm da nicht weiterhelfen. Aber eigentlich will er ja nur seine Ruhe haben. Und Alice. Aber erstaunlich, wie viel Elan dieser Dandy der Raststättencafés entwickeln kann, wenn ihm mal die Liebe in die Knochen einschießt und ihm die Begehrte entrissen wird. Dann steigt er wie Orpheus in die Unterwelt, um seine geliebte Alice wieder zurückzuholen. Und diese Unterwelt sieht aus wie ein Industrieviertel in Wien. Fad. Ein bisschen versifft. Man schweigt sich vielsagend beim Bier an. Aber damit kennt sich Alex ja aus.

„Dead Flowers“ ist ein interessantes, in Vergessenheit geratenes Kapitel in der österreichischen Kinogeschichte. Laut Peter Ily Huemer hatte der Film, der auch auf der Berlinale lief und dort gut aufgenommen wurde, das Problem, dass zu jener Zeit der Erfolg oder Misserfolg von den zwei wesentlichsten österreichischen Kinokritikern bestimmt wurde. Einer der beiden mochte den Film. Der Andere nicht. Und damit waren die Blumen tot, ehe sie eine echte Chance hatten, auf ihr Publikum einwirken zu können. Vielleicht ist dieser Erklärungsansatz etwas zu kurz gegriffen, denn frei von Schwächen ist der Film definitiv nicht. Er sitzt zwischen den Stühlen mehrerer Genres, er ist sehr simpel und einfach gehalten, verzichtet weitgehend trotz des fantastischen Themas darauf, den Zuseher staunen zu lassen, und manche Handlungsstränge oder Gefühle entwickeln sich etwas zu schnell, als dass sie von jedem im Publikum nachvollzogen werden könnten. Dennoch ist „Dead Flowers“ auch heute noch gut anzusehen und zeigt auf, dass der österreichische Film schon länger diese Qualität aufweist, für die er seit zwei Jahrzehnten bekannt ist, und nicht erst seit Barbara Albert & Co.


6,0
von 10 Kürbissen

Kong: Skull Island (2017)

Regie: Jordan Vogt-Roberts
Original-Titel: Kong: Skull Island
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Abenteuerfilm, Action, Fantasy
IMDB-Link: Kong: Skull Island


Da ist er wieder, der große, grimmige Affe. Und während sich der Originalfilm aus den 30ern sowie Peter Jacksons Neuverfilmung Zeit nehmen, ehe sie den haarigen Burschen in all seiner Pracht enthüllen, geht Jordan Vogt-Roberts in „Kong: Skull Island“ von Anfang an drauf. Schon in der Eingangssequenz wird klar: Hier kommt Großes auf uns zu! Und so dauert es auch nicht lang, und schon sind wir mitten im schönsten Gemetzel Mensch gegen Affe, wobei die Soldaten, die gerade aus dem verlorenen Vietnam-Krieg in die Heimat aufbrechen wollten und noch eine letzte Mission zu erfüllen haben, weil irgendein verrückter Wissenschaftler partout auf einer bislang unerforschten Insel herumspazieren möchte, bald feststellen, dass ihr eigentlicher Krieg gerade erst begonnen hat – und diesmal ist sogar der Kampf ums nackte Überleben fast aussichtslos. Allerdings vollzieht der Film ab etwa der Hälfte und mit dem Auftauchen eines gut gelaunten John C. Reilly eine interessante Wendung. „Kong: Skull Island“ fügt der Geschichte von King Kong ein nicht unwesentliches Kapitel hinzu, das von ökologischer Verantwortung und der Bestie Mensch berichtet. Nicht unbedingt etwas bahnbrechend Neues, aber im Zusammenhang mit King Kong, dem König der Insel, durchaus interessant. Natürlich bleibt „Kong: Skull Island“ in erster Linie ein Actionfeuerwerk – und als solches funktioniert der Film herausragend gut. Die CGI lässt den Zuseher staunen – hier wird wirklich alles rausgeholt, was die heutigen Rechner hergeben. Die Kameraarbeit ist exzellent und fängt die wilde Schönheit der Insel genauso wie die dynamischen Actionszenen ästhetisch ein. Die (kleineren) Probleme von „Kong: Skull Island“ liegen woanders. So wartet der Film zwar mit einem tollen Cast auf (allen voran Tom Hiddleston, Brie Larsen, John Goodman und der für einen solchen Film unausweichliche Samuel L. Jackson), aber der Fokus liegt eindeutig nicht auf den Charakteren. Deren Motivationen sind oftmals sehr simpel gehalten, sie sind Stereotype, die für gewisse Ausprägungen der Menschheitsgeschichte stehen. Das ist schon okay in diesem Zusammenhang, aber glänzen können die ansonsten großartigen Schauspieler auf diese Weise halt nicht. Wie schon so oft bei King Kong gesehen: Die interessanteste Persönlichkeit hat der Affe. Unterm Strich ist „Kong: Skull Island“ keine Neuerfindung des Kinos, aber ein schön anzusehender Action-Kracher, der Spaß macht, und dem Publikum noch eine Botschaft mitgibt. Passt.


7,0
von 10 Kürbissen

Die Schöne und das Biest (2017)

Regie: Bill Condon
Original-Titel: Beauty and the Beast
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Fantasy, Liebesfilm, Musikfilm / Musical
IMDB-Link: Beauty and the Beast


Ladies Night im Artis Cinema. „Die Schöne und das Biest“. Und ich, männlich, den Altersschnitt deutlich anhebend, mitten drin. Weil: Kindheitserinnerungen. Und: Emma Watson. Plus ein Cast, der sich bis in den kleinsten Nebenrollen gewaschen hat: Ewan McGregor. Ian McKellen. Emma Thompson. Kevin Kline (den ich bis zum Schluss nicht erkannt habe). Stanley Tucci. Luke Evans (ein stimmlich und schauspielerisch herausragender Fiesling Gaston). Doch wie ist „Die Schöne und das Biest“ nun? Kommt die Realverfilmung von Bill Condon an den Trickfilmklassiker der 90er Jahre heran? Eines gleich mal vorweg: Wer den Zeichentrickfilm liebt, muss sich vor der Realverfilmung keineswegs fürchten. Im Gegenteil: Alle Zeichentrickfans, die mit mir im Kino waren, waren begeistert von diesem prunkvoll inszenierten Spektakel. „Die Schöne und das Biest“ ist kein Film der leisen Töne – hier wird so richtig protzig aufgetragen, man singt sich die Seele aus dem Leib. Dass diese dennoch nicht in der Luft verschwindet, sondern an einem Faden festgehalten wird, ist eben dem gewaltigen Cast zu verdanken, der (in den meisten Fällen ausschließlich als Sprechrollen und mit Gesang) jeder Figur Leben einhaucht und für den einen oder anderen lockeren Moment sorgt. Das Herzstück des Films ist aber Emma Watson als Belle. Ich muss gestehen, dass ich die erste Gesangsnummer gebraucht habe, bis ich mich an sie an Belle gewöhnt hatte, denn Emma Watson spielt sie nicht als unschuldiges, naives Liebchen, sondern verleiht der Figur eine Stärke und Unabhängigkeit, die ich erst mit den Erinnerungen an die Figur aus dem Zeichentrickfilm zusammenbringen musste, aber dann durchwegs genießen konnte. Belle ist durch Watsons Darstellung eine emanzipierte und moderne Frau geworden. Der neue Anstrich steht dem Disney-Klassiker sehr gut. Natürlich ist der Film nicht frei von Schwächen. Die CGI sieht manchmal ein bisschen daneben aus. Die Wölfe zum Beispiel. (Offenbar gehören Wölfe generell zu den größten Herausforderungen der Visual Effects Departments, an denen man regelmäßig scheitert.) Und oft wurde mir persönlich bei den Gesangs- und Tanznummern ein bisschen zu dick aufgetragen. Dass ich da nicht immer 100%ig mitgehen konnte, liegt aber auch daran, dass ich nicht unbedingt die passgenaue Zielgruppe für diesen Film bin. Dennoch habe ich mich gerne mitreißen lassen von dieser bunten, melodramatischen Fantasy-Welt. Und bin wieder ein bisschen Kind geworden.


6,5
von 10 Kürbissen

Snow White and the Huntsman (2012)

Regie: Rupert Sanders
Original-Titel: Snow White and the Huntsman
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Abenteuerfilm, Action, Fantasy
IMDB-Link: Snow White and the Huntsman


„Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist die beste Schneewittchen-Verfilmung im Land?“. Leider nicht „Snow White and the Huntsman“, das eine alternative Version der Schneewittchen-Geschichte erzählt, obwohl es durchaus interessante Ansätze aufweist. Hier ist Schneewittchen keine singende und mit den Vögeln zwitschernde Märchenprinzessin, sondern ein toughes Mädel, das sich zur Not selbst auch in den Harnisch schmeißt. Die Zwerge haben keine putzigen großen Nasen, sondern sind zynische Ganoven, die auch in der Schlacht um Helms Klamm in „Der Herr der Ringe“ eine gute Figur abgegeben hätten. Und der Jäger bekommt seine eigene, tragische Geschichte und weicht dem wehrhaften Schneewittchen nicht mehr von der Seite. Zwar ist der Versuch, dem angestaubten Märchenstoff ein bisschen Feuer unterm Hintern zu machen, durchaus als ehrenwert zu bezeichnen, und die Schauwerte des Films fallen nicht zuletzt durch die geballte Starpower von Kristen Stewart, Charlize Theron und Chris Hemsworth ganz ordentlich aus, aber das Werk zündet dennoch nicht. Zu bierernst wird das ganze Spektakel abgespult. Ein bisschen mehr Selbstironie hätte dem Film gut getan. Aber so bleibt er halt Hollywood-Blockbuster-Dutzendware. Viel Äktschn. Wenig Hirn. Kann man sich an einem faden Sonntagabend ansehen (so wie ich gestern). Muss man aber nicht.


4,5
von 10 Kürbissen