Autor: Filmkürbis

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Regie: David Dobkin
Original-Titel: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie, Musikfilm, Satire, Rom-Com
IMDB-Link: Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga


Will Ferrell kann ganz schön anstrengend sein. Die stoischen Kindsköpfe, die er stets zu spielen pflegt, haben sich halt mittlerweile abgenutzt, und man könnte meinen, dass er ein One-Trick-Pony ist. Für das wunderbare „Stranger Than Fiction“ war er perfekt, aber der Film liegt halt auch schon wieder 14 Jahre zurück. Und nun spielt er in „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ einen isländischen Popmusiker, der mit seiner Partnerin Sigrid (Rachel McAdams) beim Eurovision Song Contest groß rauskommen möchte. Sein einziger Lebenstraum: Dort zu triumphieren. Was nach einem sicheren Weg ins filmische Desaster klingt, nämlich die Parodie auf eine Parodieveranstaltung mit dem stoischen Kindskopf Will Ferrell in der Hauptrolle, entpuppt sich überraschend als recht charmante Hommage an einen Wettbewerb, den keiner ernst nehmen kann und der gerade deshalb so großartig und wichtig ist. Die musikalischen Beiträge und deren Interpreten sind auf dem Punkt. Jeder einzelne von ihnen könnte im echten Eurovision Song Contest auftreten. Und so lächerlich die Veranstaltung per se auch ist, sie wird von David Dobkins Film nicht lächerlich gemacht. Da merkt man, dass die Macher mit sehr viel Liebe ans Werk gegangen sind. Und plötzlich ist auch Will Ferrell wieder erträglich, und die Musik plötzlich bei aller Absurdität gar nicht so schlecht und das Leben irgendwie schön und bunt. Soll nichts Schlimmeres passieren als der neue Will Ferrell-Film.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by John Wilson/NETFLIX/John Wilson/NETFLIX – © 2020 Netflix, Inc., Quelle imdb.com)

Daylight (1996)

Regie: Rob Cohen
Original-Titel: Daylight
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: Daylight


Hach, die 90er. Die coolen Kids trugen Flanellhemden, Gitarren waren als solche erkennbar, und am Actionolymp prügelten sich Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone um die Vorherrschaft. „Daylight“ von 1996 war so eine Gnackwatschn, mit der Sly unsere steirischen Eiche mal wieder zurechtstutzen wollte. Das Perfide an Stallones Plan: Ausnahmsweise waren es keine stereotypischen Russen, die den Helden ins Schwitzen bringen, sondern schlicht und ergreifend Physik und Statik. Gegen solche mächtigen Feinde zu bestehen ist dann noch mal eine Nummer größer als die ewiggleichen Watschengesichter zurück nach Moskau zu schießen. Was ist passiert? Ein paar depperte Punks (merke: Punks waren in den Hollywood-Produktionen der 80er und 90er immer deppert) verursachen einen Unfall mit einem Chemietransporter im Tunnel zwischen New York und New Jersey. Dieser bricht daraufhin ein, und die paar Überlebenden, die nicht von der Feuerwalze geröstet wurden, können nicht mehr raus. Was natürlich suboptimal ist, denn über ihnen bahnt sich der Hudson River allmählich seinen Weg in den Tunnel. Auftritt Sylvester Stallone, der als Taxifahrer Kit Latura und ehemaliger Tunnelbauexperte zufälligerweise gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Der dringt in einer waghalsigen Aktion zu den Überlebenden vor und versucht, mit ihnen einen Weg nach draußen zu finden. Natürlich ist das alles inszeniert mit dem typischen Action-Bombast der 90er – viel Kitsch, Dramatik, Explosionen, brennende Müllfässer & Co. –  und die Effekte reißen heute niemanden mehr vom Hocker, aber insgesamt funktioniert der Film auch heute noch überraschend gut. Kann man sich nach wie vor ansehen, wenn man einen spannenden No-Brainer sucht und Stallone mal wieder schwitzen und fluchen sehen möchte. 


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Archive Photos/Getty Images – © 2012 Getty Images, Quelle imdb.com)

Vergiftete Wahrheit (2019)

Regie: Todd Haynes
Original-Titel: Dark Waters
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Politfilm, Biopic
IMDB-Link: Dark Waters


Einsamer Anwalt kämpft für das Gute gegen böse, gesichtslose Multikonzerne, die alles tun, um eine unbequeme Wahrheit zu verschleiern. Man kann nicht sagen, dass Todd Haynes‘ Justizfilm neue Pfade betritt oder das Genre gar neu erfindet. Aber wozu auch? Der Inhalt ist brisant genug und basiert noch dazu auf wahren Ereignissen. Ein einzelner Anwalt, der vormals für die größten Chemiekonzerne arbeitete, bekämpft nach Bekanntwerden eines massiven Umwelt- und Gesundheitsskandals zwei Jahrzehnte lang den Chemieriesen DuPont und zwingt durch Beharrlichkeit und leidenschaftlicher Arbeit diesen schließlich in die Knie. Diesen Robert Bilott, von Mark Ruffalo ausgezeichnet gespielt, gibt es wirklich, und ihm ist es zu verdanken, dass zigtausende Geschädigte mittlerweile eine Gesamtentschädigung in Höhe von über 600 Millionen US-Dollar von DuPont ausbezahlt bekommen haben. Ausgangspunkt ist ein Farmer in West Virginia, der vermutet, dass die Erkrankung seiner Kühe etwas mit der Abfallentsorgung der Chemiefabrik in der Nachbarschaft zu tun haben könnte. Todd Haynes zeichnet den langen Weg bis zu den ersten Erfolgen im Kampf gegen das Unrecht sehr unaufgeregt und präzise nach. Er kann sich dabei auf einen großartigen Cast verlassen, der von Mark Ruffalo angeführt wird, aber nicht bei diesem endet. Vor allem Tim Robbins als Chef der Anwaltskanzlei von Robert Bilott zeigt eine seiner besten Leistungen überhaupt. Und auch der Rest der Besetzung kann glänzen, wenngleich diese insgesamt etwas zu kurz kommt – vor allem Anne Hathaway als Bilotts Ehefrau, die dafür sorgen muss, dass der Haushalt funktioniert, wenn sich ihr Mann wieder zu sehr in den Fall verbeißt. Unterm Strich ist „Dark Waters“ ein gerader, ehrlicher Film ohne Schnörkel, der eine komplizierte Geschichte einfach verständlich erzählt, ohne Effekthascherei zu betreiben. Und gerade dadurch bekommt das Thema des Films die Dringlichkeit, die es braucht.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

On the Rocks (2020)

Regie: Sofia Coppola
Original-Titel: On the Rocks
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Komödie
IMDB-Link: On the Rocks


Was macht man, wenn man einen Bill Murray im Cast hat? Ganz einfach: Man lässt ihn Bill Murray sein – und das Ding läuft. Sofia Coppola hat darauf schon in ihrem grandiosen „Lost in Translation“ vertraut, und auch wenn Bill Murray mittlerweile ein paar Falten mehr hat und die Haare ergraut sind, so funktioniert das Grundrezept noch immer. Weil Bill Murray halt Bill Murray ist – und was soll man an einer solchen Perfektion noch verbessern wollen? Dass Coppolas neuester Film „On the Rocks“ aber nicht zu einer Bill Murray-Soloshow wird, der den dandyhaften Lebemann mit zu viel Geld und ganz schlechten Ratschlägen wunderbar mimt, liegt an einer gut aufgelegten und grundsympathischen Rashida Jones, die sich als gestresste Mutter und möglicherweise gehörnte Ehegattin mit einer Leichtigkeit ins Herz des Films und jenes der Zuseher spielt. Ihre Laura ist eine Frau mit echten Problemen, die man nur zu gut nachvollziehen kann. Und man wünscht ihr ja nur das Allerbeste – allein, dass der Göttergatte plötzlich so viel arbeitet und stets mit der hübschen Kollegin verreist, lässt Böses erahnen. Und wenn man dann einen Vater wie Felix, eben Bill Murray, hat, der sein Geld und seine Beziehungen spielen lässt, um dem Ehemann nachzuspionieren, kommt man vom Regen in die Traufe. Das alles ist dank Coppolas ruhiger, fokussierter Inszenierung amüsant anzusehen, ohne aufgesetzt zu wirken. Kern des Films ist die Beziehung zwischen Laura und Felix, eine ohnehin nicht ganz friktionsfreie Tochter-Vater-Beziehung, die durch die gemeinsamen Abenteuer auf eine weitere Probe gestellt wird. Hätte jemand Anderer die Regie übernommen oder auch jemand Anderer als Bill Murray den Vater gespielt, hätte der Film leicht überspannt werden können, aber so sitzt alles am richtigen Fleck. Wenn man schon Meisterwerke wie das besagte „Lost in Translation“ abgeliefert hat, muss man sich fast zwangsweise daran messen lassen, und dagegen ist „On the Rocks“ dann doch eher ein Leichtgewicht, aber für einen unterhaltsamen und friktionsfreien Kinoabend ist der Film perfekt.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

The Devil All the Time (2020)

Regie: António Campos
Original-Titel: The Devil All the Time
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: The Devil All the Time


Grimmig geht’s in Donald Ray Pollocks Roman „Das Handwerk des Teufels“ zu. Menschen fügen sich gegenseitig Leid zu, religiöser Fanatismus trifft auf arme Seelen, die sich nur mit Gewalt zu helfen wissen – das alles ist im Buch eindrücklich geschildert. Glaube ich. Gelesen habe ich es, nur erinnern konnte ich mich nicht mehr daran. Meine Amnesie in litteris, wie Patrick Süskind diesen Zustand beschrieben hat, geht so weit, dass ich nicht mal mehr wusste, ob ich das Buch gelesen habe oder nicht, bis ich es im Regal der gelesenen und nicht in jenem der ungelesenen Bücher entdeckt habe. In gewisser Weise ging also frisch an den Film. Der protzt gleich mal mit einer saustarken Besetzung (Tom Holland, der Rolle des nerdigen Teenagers entwachsen, Jason Clarke, Mia Wasikowska, Bill Skarsgard, Robert Pattinson, Riley Keough uvm.) und authentischen Kleinstadt-Kulissen der 50er-Jahre, vor denen sich das Ingrimm seinen Weg bahnt. Der Teufel schläft nicht, er ist hellwach und treibt seine Sünder vor sich her. Wenn ein Film den Satz homo homini lupus est („Der Mensch ist des Menschen Wolf“) je konsequent dargestellt hat, dann „The Devil All the Time“. Es ist eine finstere Reise, auf die sich der Zuseher begibt. António Campos, der mit der Netflix-Serie „The Sinner“ große Erfolge feierte, nimmt sich Zeit für die episodenhaft ineinander greifenden Geschichten. Das Schlimme daran ist: Man begreift recht früh, dass es keine Erlösung geben kann, aber anders als bei einem Pflaster, das man schnell herunterreißen kann, wird hier der Weg in den Abgrund zelebriert. „The Devil All the Time“ ist kein angenehmer Film, aber er ist auf seine Weise gründlich und konsequent. Und vielleicht sollte ich das Buch doch noch einmal lesen. Es scheint gut gewesen zu sein.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

The Old Man Movie (2019)

Regie: Oskar Lehemaa und Mikk Mägi
Original-Titel: Vanamehe film
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Vanamehe film


Aino, Mart und Priidik sind alles andere als begeistert: Die verwöhnten Großstadtkinder werden über den Sommer zum Opa aufs Land abgeschoben. Der ist im Dorf ein Star, denn er versorgt die süchtigen Dorfbewohner mit Milch, die er frisch von seiner Kuh zapft. Aino, Mart und Priidik haben rasch Mitleid mit dem armen Tier, das in einem winzigen Stall gehalten wird und sich Tag um Tag abschuftet, ohne dafür Dank zu ernten. Doch das Tier freizulassen ist auch keine gute Ideen, wie sich zeigt. Denn einer Kuh, die 24 Stunden lang nicht gemolken wird, schwellen die Euter an, bis sie explodieren – und es zur Laktokalypse kommt. Um das zu verhindern, schwärmen Opa und die Kinder auf ihrem Traktor aus auf der Suche nach der Kuh. Ihnen auf den Fersen: Der alte Melker, der nach einer solchen Laktokalypse-Explosion vor vielen Jahren entstellt wurde. Der hat verständlicherweise einen ziemlichen Groll auf das Fleckvieh im Generellen und sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe dreier arbeitsloser Sägewerksangestellter Opas Kuh zu enthaupten. „The Old Man Movie“ ist ein völlig abgedrehtes Stop-Motion-Abenteuer, das nicht mit Fäkalhumor spart, dabei aber eine wunderbare kindliche Naivität an den Tag legt, dass man jede Szene feiern möchte. Eine schräge Situation folgt auf die nächste, und wenn man denkt, dass der Gipfel der Absurdität erreicht wurde, kommt die nächste Szene, die dann doch noch mal eins draufsetzt. Ein herrlicher Spaß: derb, eigenwillig, überdreht, schwarzhumorig und garantiert nicht laktosefrei. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Film nicht jedermanns bzw. jederfraus Sache ist, aber wer offen ist für Filme, die sich selbst nicht ernst nehmen und einfach nur derb-charmant und auf möglichst originelle Weise unterhalten möchten, wird mit „The Old Man Movie“ von Oskar Lehemaa und Mikk Jägi, beides übrigens sehr lockere und witzige Typen, voll auf seine Kosten kommen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © BOP Animation, Quelle imdb.com)

Schlaf (2020)

Regie: Michael Venus
Original-Titel: Schlaf
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Thriller, Horror
IMDB-Link: Schlaf


Ein gesunder Schlaf ist so wichtig! Es gibt doch nichts Schöneres, als morgens rundum erfrischt in seinem Bett aufzuwachen und den Tag voller Energie zu beginnen. Blöd also, wenn das mit dem Schlaf nicht so klappt wie gewünscht. Sandra Hüller kann ein Lied davon singen. Ihre überspannte Marlene, Mutter einer etwa sechzehnjährigen Tochter, schläft nämlich schon seit einiger Zeit nicht mehr so toll. Dementsprechend tief sind die Augenringe. Doch seltsamerweise ist das Hotel mit den drei toten Männern, von denen sie regelmäßig träumt, höchst real. Und dass es keine besonders gute Idee ist, an den Ort seiner Träume zu reisen, wissen wir erfahrenen Kinohasen aus hundert Jahren Horrorfilmgeschichte. Um die ganze Chose abzukürzen: Die Tochter (Gro Swantje Kohlhof mit einer souveränen Darstellung) muss in die Bresche springen und einem alten Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Michael Venus‘ Filmdebüt „Schlaf“ mag nicht unbedingt Preise für die originellste Story einheimsen, verpackt aber die ländliche Kleinstadtidylle in ein finsteres Horrorsujet, das dank famoser Darstellerleistungen und einer schwarzhumorigen Erzählung nicht fad wird. Und manchmal haben die Geister der Vergangenheit durchaus ihre guten Gründe, uns Lebenden auf den Nerv zu gehen. Auch der zweite Film, den ich im Rahmen des diesjährigen Slash-Festivals zusammen mit einem halben Kinosaal voller Papp-Skelette, die penibel auf den Sicherheitsabstand achten, gesehen habe, ist durchaus sehenswert. So läuft das Festival dieses Jahr zwar etwas schaumgebremst, aber in unvermindert guter Qualität.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Pelikanblut (2019)

Regie: Katrin Gebbe
Original-Titel: Pelikanblut
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Thriller, Horror
IMDB-Link: Pelikanblut


Kinder als Satansbraten haben eine lange Tradition in der Filmgeschichte. Die kleine Raya (Katerina Lipovska mit einer beängstigend authentischen Darstellung) passt gut in diesen Kreis. Sie wurde von Reitstallbesitzerin und Pferdeflüsterin Wiebke (Nina Hoss) adaptiert. Die hat schon eine Adoptivtochter, warum also nicht zwei? Aber bald muss Wiebke feststellen, dass sie sich mit Raya eine Menge Probleme ins Haus geholt hat. So eine traumatisierte Fünfjährige ist eben nicht ständig auf Kuschelkurs. Und allmählich wächst in Wiebke der Verdacht, dass die Wutausbrüche von Raya sich auch einmal gegen sie selbst richten könnten. „Pelikanblut“ von Katrin Gebbe ist handwerklich ausgezeichnet gemachtes Erzählkino mit dem gewissen Unwohlsein-Faktor. Ohne dass Gebbe die Daumenschrauben ständig nachdrehen muss, entwickelt der Zuseher eine tief liegende Grundskepsis gegenüber allem und jedem – die Basis für subtilen Horror. Das ist verflucht gut gemacht, vor allem, wenn diese Geschichte von interessanten, ambivalenten Figuren getragen wird, die von Profis wie Nina Hoss exzellent gespielt werden. Ähnliches hat man zuletzt gesehen in Nora Fingscheidts Systemsprenger, der insgesamt auch noch leicht die Nase vorne behält. Denn gelegentlich weist „Pelikanblut“ Längen auf, die nach einem geduldigen Zuseher verlangen. Die Laufzeit ist mit knapp über zwei Stunden für die Story dann auch recht üppig geraten. Andererseits tragen auch die kleinen, nicht sonderlich relevant wirkenden Szenen zur Entwicklung der Charaktere bei, haben also ihre Berechtigung. Das Ende lädt dann zum gemeinsamen Diskutieren ein. Schön, dass man nicht alles am Silbertablett serviert bekommt, sondern den Film weiterdenken kann. „Pelikanblut“ ist eine Mischung Thriller und Horrordrama, das den Zuseher ernst nimmt, und damit trotz kleinerer Schwächen eine runde, lohnenswerte Sache.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Miramar Film, Quelle imdb.com)

Long time no see

Aktuell ist eigentlich Kürbis-Zeit. Umso tragischer ist es, dass ausgerechnet der Filmkürbis über Wochen hinweg in kontemplatives Schweigen versunken ist. Die Liste der Filme, über die ich noch schreiben möchte, wird länger und länger, auch wenn Corona-bedingt keine aktuellen Kino-Blockbuster darunter zu finden sind. Irgendwie ist die ganze Freizeitgestaltung ja immer noch on hold. Wein trinken geht. Und auf Netflix versumpern. Aber es ist Besserung in Sicht: Ab heute besuche ich insgesamt drei Filme des Slash-Festivals des fantastischen Films (natürlich unter strengster Einhaltung der geltenden Corona-Vorschriften): „Pelikanblut“ von Katrin Gebbe, „Schlaf“ von Michael Venus und „The Old Man Movie“ von Oskar Lehemaa und Mikk Mägi. Darüber werde ich dann berichten. Der Kürbis ist zurück nach seiner ungeplanten Sommerpause.

Tenet (2020)

Regie: Christopher Nolan
Original-Titel: Tenet
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Thriller, Action, Science Fiction
IMDB-Link: Tenet


Das Kino ist zurück, und welcher Film eignet sich besser für dieses Comeback als Christopher Nolans heiß ersehntes neues Werk? „Tenet“ reiht sich nahtlos ein in die Reihe komplexer, aber unterhaltsamer Mindfuck-Blockbuster, für die sich der Perfektionist mit Hang zum Gigantismus mittlerweile einen Namen gemacht hat. Wieder einmal spielt Nolan mit unserer Wahrnehmung von Zeit, und diesmal geht er in die Vollen. Sein namenloser, von John David Washington äußerst souverän gespielter Protagonist hat dabei so wenig den Durchblick wie die Zuseher selbst. Dieser Protagonist arbeitet als Geheimagent für eine noch geheimere Organisation, die nicht weniger versucht, als den dritten Weltkrieg zu verhindern – der von einer böswilligen Zukunft initiiert werden könnte. Trockene Martinis schlürfen geht sich dabei nicht mehr aus, auch wenn alles angerichtet wäre für einen Bond-Film – inklusive russischem Oberschurken (Kenneth Branagh mit viel Freude daran, mal den Bösewicht geben zu dürfen), dessen hübscher und durchaus rachsüchtiger Frau (Elizabeth Debicki) und geheimnisvollem Agentenkollegen (Robert Pattinson, einmal mehr mit einer sehr erwachsenen Leistung). Aber Nolan wäre nicht Nolan, wenn er einfach nur einen kompliziert gestrickten Agententhriller gedreht hätte. „Tenet“ ist viel mehr. „Tenet“ ist nichts weniger als der Versuch, Zeit komplett neu zu denken und filmisch zu zeigen. Und das führt zu einigen der denkwürdigsten Bilder, die jemals über eine Kinoleinwand gelaufen sind. Erinnerungen an die zusammengefaltete Stadt in „Inception“ werden wach. Oder die fremdartigen Planetenoberflächen in „Interstellar“. Das sind Bilder, wie sie nur Christopher Nolan erschaffen kann. Sobald man aber anfängt, diese Bilder verstehen und analysieren zu wollen, dreht die Kurbel im Oberstübchen durch, und es raucht bei den Ohren raus. Aber vielleicht ist es auch genau das, was Nolan mit seinen Filmen beabsichtigt: Den Zusehern das Staunen zurückzubringen in einer Ära des Kinos, in der man bereits alles gesehen hat. Also: Vorhang auf für die Lichtspieltheater unseres Landes. Das Kino ist wieder da – und wie!


8,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)