Autor: Filmkürbis

Titanic (1997)

Regie: James Cameron
Original-Titel: Titanic
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Drama, Historienfilm, Liebesfilm
IMDB-Link: Titanic


Ehre, wem Ehre gebührt. James Cameron hat 1997 mit Titanic einen monumentalen Zwitter aus Katastrophenfilm und Liebesfilm vorgelegt, der seine jeweiligen Genres definiert bzw. auf ein komplett neues Level gehoben hat. Vergesst Romeo und Julia – hier sind Jack und Rose! Gibt es irgendwen, der den Film nicht kennt? „Titanic“ war ein Ereignis – selbst meine Großeltern, die wirklich nie ins Kino gegangen sind, haben sich aufgerafft und die drei Stunden im Kinosessel durchgedrückt. „So schee!“, das einhellige Urteil damals. Doch auch jetzt, fast ein Vierteljahrhundert später, kann man nur den Hut ziehen vor diesem ambitionierten Mammutprojekt, das neue Maßstäbe gesetzt hat. Seien es die eindrucksvollen Aufnahmen des Riesenschiffs, wenn die Kamera über die Decks gleitet, seien es die Ausstattung und Kostüme, die diese historische Epoche kurz nach der Jahrhundertwende wieder zum Leben erwecken oder die grandiosen und bahnbrechenden Spezialeffekte, wenn das Schiff den schicksalshaften Eisberg gerammt hat und langsam zu sinken beginnt. Was aber fast am meisten Eindruck auf mich macht, sind die ungeschönten Darstellungen von Chaos und Panik, als auch die letzten begreifen, dass es kein Entrinnen gibt und sie wohl sterben werden. Ständig fallen Menschen von der Reling ins eiskalte Wasser, zerkleschen an den gewaltigen Antriebsrädern oder ertrinken qualvoll in ihren Kajüten. James Cameron gelingt es tatsächlich, die Schauwerte hochzuhalten und gleichzeitig Entsetzen und Mitgefühl beim Zuseher auszulösen. Da braucht es nicht einmal die tragische Liebesgeschichte der reichen, unglücklichen Aristokratentochter mit dem bettelarmen Zeichner – die emotionale Wucht, die der Film vor allem in der zweiten Hälfte entfaltet, sucht heute noch ihresgleichen. Dabei ist die erste Hälfte, die sich auf die Anbahnung der Beziehung von Jack und Rose konzentriert, ebenfalls auf herausragendem Niveau. Vielleicht ein bisschen schnulzig, das kann man dem Film vorwerfen, aber eine solche Liebesgeschichte muss nun mal episch inszeniert werden. Das wusste schon Shakespeare, und wer wagt es, sich mit dem Meister anzulegen? Geschmäcker sind subjektiv, keine Frage, aber ganz nüchtern betrachtet handelt es sich bei „Titanic“ um einen der besten Filme aller Zeiten.


9,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1997 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Das unmögliche Ausziehen (1900)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Les déshabillage impossible
Erscheinungsjahr: 1900
Genre: Kurzfilm, Komödie
IMDB-Link: Les déshabillage impossible


„Das unmögliche Ausziehen“ aus dem Jahr 1900 ist ein zweiminütiger Sketch, der bereits Georges Méliès‘ Meisterschaft in der Beherrschung früher Spezialeffekte zeigt. Ein Mann kommt nach Hause und zieht sich aus, um sich ins Bett zu legen. Doch kaum hat er ein Kleidungsstück abgelegt, erscheint auf wundersame Weise schon wieder ein neues an seinem Körper. Er wird immer genervter und furioser, schmeißt die Kleidungsstücke wütend auf den Boden, doch ihm gelingt es nicht, sich auszuziehen. Ja, der Inhalt ist nicht besonders ergiebig, aber die absurde, körperliche Komik macht das Stück auch heute noch wahnsinnig unterhaltsam. Ich habe herzlich gelacht bei dem Bemühen des armen Kerls, sich seiner Kleider zu entledigen. Die eigentliche Magie des Kurzfilms liegt aber in der virtuosen Schnitttechnik. Es ist erstaunlich, wie präzise die Schnitte auf die Bewegungen des Mannes beziehungsweise vice versa abgestimmt sind, um so die Illusion der ständig aus dem Nichts auftauchenden Kleidungsstücke zu erzeugen – und das im Zuge der wildesten Verrenkungen des Mannes. Der Film zeigt eindrücklich, welch ein Meister seines Fachs Georges Méliès war, der Filmkunst und Zauberkunst auf unnachahmliche Weise miteinander verbunden hat.


7,5 Kürbisse

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere (2014)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: The Hobbit: The Battle of the Five Armies
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: The Hobbit: The Battle of the Five Armies


Da ist es wieder: das epische Schlachten-Gekloppe, das schon in der Herr der Ringe-Trilogie so eindrucksvoll und bis zum Gehtnichtmehr inszeniert wurde. Was kann man da im großen Finale der Hobbit-Trilogie noch draufsetzen? Man kann gleich fünf Heere in die Schlacht schicken. Wird sie dadurch besser, epischer, eindrücklicher? Leider nein. Und das ist im Kern ein bisschen das Problem des letzten Teils der Hobbit-Trilogie. Peter Jackson möchte sich unbedingt noch mal übertrumpfen, aber er scheitert daran, dass der Hobbit eigentlich eine kleine, süße Geschichte ist. Ein Bilbo Beutlin wirkt im Schlachtengetümmel verloren. Und Smaug, der furchterregende Drache, der zum Ende des zweiten Teils noch mit einem Gänsehaut erzeugenden „I am fire! I am death“ in Richtung Seestadt abgerauscht ist? Der arme Kerl wird gleich zu Beginn eiskalt abserviert. Das ist eben das Problem, wenn man ein Buch in drei Filme zerlegt. Plötzlich hast du gleich zu Anfang eines Films einen Höhepunkt, nach dem die Spannung nur deutlich abfallen kann. So schleppt sich der Film in weiterer Folge eher mühsam zu seinem Ende. Interessant ist immerhin die Wandlung von Thorin, der von der Drachenkrankheit befallen wird und sich zunehmend von seinen Gefolgsleuten und vor allem von Bilbo entfremdet. Richard Armitage spielt diese Besessenheit vielleicht etwas zu melodramatisch, bringt aber spannende Facetten der Figur zum Vorschein. Generell kann man dem Film wieder eine Poetik in den Bildern bescheinigen, die sich durch das gesamte Herr der Ringe-Universum zieht und diese Filme so einzigartig macht. Handwerklich ist das alles auf höchstem Niveau. Dramaturgisch fällt der letzte Teil der Hobbit-Trilogie allerdings doch hinter den anderen Filmen ab. Dass der Film dennoch 6,5 Kürbisse bei mir einfährt, zeigt, wie hoch das Niveau der beiden großen Fantasy-Filmtrilogien unserer Zeit generell ist.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Courtesy of Warner Bros. Enterta – © 2014 Warner Bros. Entertainment Inc. and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Der Hobbit: Smaugs Einöde (2013)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: The Hobbit: The Desolation of Smaug
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: The Hobbit: The Desolation of Smaug


Fangen wir mal mit den gelungenen Elementen des zweiten Teils der Hobbit-Trilogie an: Die Animationen sind wieder sehr hübsch, vor allem der Drache Smaug ist eindrucksvoll (dazu kommt im Original noch die unverwechselbare Stimme von Benedict Cumberbatch, die den Drachen so richtig furchteinflößend macht), der Film bietet in etwas mehr als zweieinhalb Stunden kurzweilige Unterhaltung, sodass sich trotz der langen Spieldauer keine Langeweile einstellt, und die Schauspieler machen ihre Sache wieder durchwegs gut. Apropos Schauspieler: Da ist es durchaus angebracht, die männliche Form zu verwenden, denn Schauspielerinnen spielen im Hobbit-Universum nur eine geringe Rolle. Auch wohl deshalb entschied sich Peter Jackson, mit der Figur der Elfe Tauriel, gespielt von Evangeline Lilly, eine zusätzliche starke Frauenfigur in den Film zu schreiben und der auch gleich eine Liebesgeschichte mit einem Zwerg anzudichten. Tolkien hätte da wohl die Stirn gerunzelt, und viele Fans weltweit tun das ebenfalls. Hätte es das gebraucht? Wohl eher nicht, auch wenn Lilly ihre Sache gut macht und ihr Charakter Feuer unterm Hintern hat. Aber da sind wir dann auch schon bei den negativen Aspekten des Films: Die Werkstreue wird gnadenlos über Bord geworfen. An sich ist das nicht unbedingt per se etwas Schlechtes – es kann ja auch zum Vorteil des Films gereichen, wenn man sich nicht allzu starr an die Vorlage hält, um das Medium Film besser zu nutzen (siehe beispielsweise Der Name der Rose). In diesem Fall führen allerdings viele der Abweichungen zu eher kitschigem oder dramaturgisch aufgeblasenem Ballast. Klar, irgendwie muss man die insgesamt ca. 8 Stunden der Trilogie füllen, aber etwas weniger wäre hier wohl mehr gewesen. Nichtsdestotrotz bietet auch der zweite Teil der Hobbit-Trilogie handwerklich sehr gut gemachte, kurzweilige Unterhaltung.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc. and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (2012)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: The Hobbit: An Unexpected Journey
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: The Hobbit: An Unexpected Journey


Ich weiß, die Fans der Hobbit-Trilogie halten sich im Gegensatz zu jenen der Herr der Ringe-Trilogie in Grenzen. Und natürlich war es ein problematisches Unterfangen, das im Umfang doch recht überschaubare Kinder- bzw. Jugendbuch von J.R.R. Tolkien auf die gleiche epische Filmlänge aufzublasen wie den Herrn der Ringe. Keine Frage, während die Ursprungstrilogie wie aus einem Guss wirkte, ist die auf drei Filme aufgeblasene Vorgeschichte doch deutlich inhomogener. Der erste Teil hingegen reicht fast an die Qualität der Herr der Ringe-Filme heran. Das liegt vor allem daran, dass sich Peter Jackson erneut genug Zeit nimmt, um die Charaktere einzuführen. Martin Freeman als Bilbo Beutlin ist eine geniale Casting-Entscheidung. Nicht nur, dass er Ian Holm, der erneut den alten Bilbo verkörpert, sehr ähnlich sieht, er bringt eine wunderbar verpeilte Hobbit-Schrulligkeit mit, die ihn sofort zum Sympathieträger macht. Ganz ehrlich, das ist eine der am besten gecasteten Rollen der letzten zehn Jahre. Auch Ian McKellen ist erneut als Gandalf mit dabei, dazu kommen die von Richard Armitage als Thorin angeführten Zwerge, die sich gemeinsam mit dem Hobbit ins Abenteuer stürzen, ihr einst von einem Drachen eingenommenes Heimatland wieder in Besitz zu nehmen. Dabei werden immer wieder Hinweise auf die späteren Ereignisse der Herr der Ringe-Trilogie eingestreut, wodurch der Hobbit nicht nur als eigenständige Geschichte funktioniert, sondern auf das große Ganze verweist und somit – wie auch von Tolkien beabsichtigt, den Prolog zum Herrn der Ringe darstellt. Höhepunkt ist der Teil, in dem Bilbo den Ring findet, der später für so viel Leid sorgen soll – der Rätselkampf zwischen ihm und Gollum ist ein Höhepunkt des gesamten Herr der Ringe-Universums. Allerdings finden sich auch (einige wenige) Leerläufe in diesem fast dreistündigen ersten Teil der Hobbit-Trilogie, sodass meine Bewertung nicht ganz an jene der Herr der Ringe-Filme heranreicht. Dennoch ein sehr gelungener Auftakt der Hobbit-Trilogie, dessen Niveau von den beiden folgenden Filmen leider nicht ganz gehalten werden kann.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by James Fisher – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc. and Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Drachenzähmen leicht gemacht (2010)

Regie: Dean DeBlois und Chris Sanders
Original-Titel: How to Train Your Dragon
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Animation
IMDB-Link: How to Train Your Dragon


Vorhang auf für einen meiner liebsten Animationsfilme. Zugegeben, der Titel ist etwas dämlich, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist ein wirklich entzückender Film über Toleranz, Verständnis füreinander und ungewöhnliche Freundschaften. In dieser Dreamworks-Produktion unter der Regie von Dean DeBlois und Chris Sanders hat ein Wikingerdorf Probleme mit Drachen, die regelmäßig ihr Vieh stehlen. Das Töten von Drachen gehört demnach zum Selbstverständnis eines jeden Wikingers. Auch der Sohn des Häuptlings, Hicks (im Original: Hiccup) wäre gerne einer dieser Drachentöter, doch er ist klein und schmächtig und eher tollpatschig – sehr zum Missfallen seines stattlichen Vaters. Als er eines Nachts eher durch Zufall den sagenumwobenen Nachtschatten, den noch nie jemand gesehen hat, mit seiner Schleuder trifft und verletzt, entsteht daraus eine sehr ungewöhnliche Beziehung – denn Hicks bringt es nicht übers Herz, den Drachen zu töten. Stattdessen päppelt er ihn wieder auf und baut sogar eine Prothese für den verletzten Flügel des Drachen. Und er lernt so einiges über die Drachen, was er im Training zuhause anwenden kann. Sein Bild der Drachen wandelt sich völlig – doch gelingt es ihm, auch das Dorf von der Harmlosigkeit der Drachen zu überzeugen? „Drachenzähmen leicht gemacht“ hat einfach alles, was ein guter Animationsfilm braucht: das Herz am rechten Fleck, entzückende Animationen (so haben sich die Macher bei der Gestaltung des Nachtschattens Ohnezahn durch das Verhalten ihrer Katzen inspirieren lassen) und einen wunderschönen Soundtrack, zu dem auch Sigur Rós beigetragen haben. Auch weicht der Film vom üblichen Happy End-Muster ab und zeigt, dass auch Verletzungen zum Leben gehören, man sich dadurch aber nicht unterkriegen lassen darf. Wie gesagt, ein rundum schöner Film, der einen festen Platz in meinem Herzen hat.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

tick, tick … BOOM! (2021)

Regie: Lin-Manuel Miranda
Original-Titel: tick, tick … BOOM!
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Musical, Drama, Biopic
IMDB-Link: tick, tick … BOOM!


Dass ich kein großer Fan von Musicals und Musicalfilmen bin, ist, glaube ich, kein großes Geheimnis. Was für eine große Sache „Rent“ war, habe ich tatsächlich erst der im November auf Netflix angelaufenen Musical-Biografie „tick, tick … BOOM!“ von Lin-Manuel Miranda entnommen. Diese zeichnet den steinigen Weg eines jungen, talentierten Künstlers in New York nach. Denn nur selten fällt der Erfolg vom Himmel. Meistens liegen viele Jahre der Frustration und der Niederlagen vor dem Durchbruch. Im Fall von Jonathan Larson, der später mit „Rent“ Broadway-Geschichte schreiben soll, sind es über acht Jahre, die er sich mit seinem ersten Musical abquält. Andrew Garfield wirft sich mit einer couragierten und auch gesanglich überzeugenden Darstellung mitten hinein in die Award Season und hat gute Chancen, auch den einen oder anderen Preis mitzunehmen. Er spielt den begabten Pleitegeier, der sich nur so halb mit einem Kellnerjob über Wasser hält, während er nachts an seinen Songs tüftelt, mit Leib und Seele. Generell hat der Film unglaublich viel Energie und kann dadurch selbst Musical-Muffel wie mich mit etlichen seiner Up-Tempo-Songs mitreißen. Die Balladen hingegen … darf ich was Ketzerisches sagen? Musical-Balladen klingen alle gleich. Und anstatt sich auf den Song zu konzentrieren, grübele ich dabei immer ständig darüber nach, wo ich den Song schon mal gehört habe. Aber egal, die Balladen dominieren in „tick, tick … BOOM!“ ohnehin nicht. Vielmehr ist der Film ein Plädoyer dafür, an seine Träume zu glauben und nicht aufzugeben, auch wenn’s schwierig erscheint. Und dieses Plädoyer wird mit viel Schwung und Enthusiasmus vorgetragen. Dabei ist der Film beileibe kein simpel gestricktes Feelgood-Movie – auch ernste Themen wie Aids, das Anfang der 90er wie eine Seuche unter den jungen Menschen wütete, oder auch die Schwierigkeit, sich der Beziehung mit der gleichen Hingabe wie der Kunst zuzuwenden, werden thematisiert. „tick, tick … BOOM!“ ist ein Musical, das auch dem breiten Publikum genug bietet, um zwei Stunden lang interessant zu sein. Den einen oder anderen Leerlauf oder Song, mit dem man gar nichts anfangen kann, nimmt man dafür dann auch gerne in Kauf.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by MACALL POLAY/NETFLIX © 2021/MACALL POLAY/NETFLIX © 2021 – © 2021 Netflix, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Spider-Man: No Way Home (2021)

Regie: Jon Watts
Original-Titel: Spider-Man: No Way Home
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Spider-Man: No Way Home


Kaum ein Film wurde in diesem Jahr gespannter erwartet als der dritte, finale Teil der Spider-Man Homecoming-Trilogie. Zum dritten Mal schlüpft in einem Solo-Film Tom Holland in die Rolle der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft – und die hat gleich zu Beginn ein gewaltiges Problem: Am Ende des zweiten Films wurde die Identität von Spider-Man preisgegeben, und noch dazu glaubt die halbe Welt, dass er ein Oberschurke ist, der den Superhelden Mysterio auf dem Gewissen hat. Schlechte Voraussetzungen also für ein chilliges Leben im Big Apple. Auch mit der College-Bewerbung Peter Parkers und seiner Freunde scheint es schwierig zu werden. Also wendet er sich an den einen Menschen, der ihm dank magischer Kräfte vielleicht noch helfen könnte: Doctor Strange (Benedict Cumberbatch). Und der hat tatsächlich eine Idee, nur geht die Ausführung derselben leider fürchterlich schief, weshalb die Probleme, die Peter Parker zuvor noch hatte, plötzlich wie eine Kinderjause aussehen gegen das, was sich nun am Horizont zusammenbraut. „Spider-Man: Far From Home“ erfüllt durchaus die hohen Erwartungen, die an ihn gestellt werden. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, diesen Film als die Erlösung zu bezeichnen für alle Marvel-Fans, die der Meinung sind, dass sich das Marvel Cinematic Universe festgetreten hätte, aber der Film greift die erfrischende Leichtigkeit der ersten beiden Spider-Man-Filme auf, schlägt aber parallel dazu deutlich dunklere Töne an und wird gegen Ende hin sogar richtig emotional. Der Spider-Man am Ende hat mit dem Spider-Man am Anfang der Trilogie nicht mehr allzu viel gemeinsam. Die Figur hat sich weiterentwickelt, hat Niederlagen einstecken und im Verlauf vieler Abenteuer schmerzhafte Verluste erfahren müssen. So etwas formt natürlich den Charakter. Und die Trilogie macht alles richtig, indem sie sich auf diese Charakterentwicklung konzentriert. „Spider-Man: Far From Home“ ist ein konsequenter Abschluss dieser Entwicklung, doch auch für sich betrachtet der beste Film der Trilogie. Fans haben ihre helle Freude damit, wie der spontane Szenenapplaus während meines Kinobesuchs bewiesen hat. Aber man muss kein Marvel-Nerd sein, um dieses gut geschriebene und spannend inszenierte Stück Abenteuerkino schätzen zu können.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Courtesy of Sony Pictures – © 2021 CTMG. All Rights Reserved, Quelle http://www.imdb.com)

O Palmenbaum (2000)

Regie: Xaver Schwarzenberger
Original-Titel: O Palmenbaum
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Weihnachtsfilm, Komödie
IMDB-Link: O Palmenbaum


Haben sich die Pläne eines Weihnachtsfests unter Palmen in Teil 1, „Single Bells“, noch zerschlagen, machen Kati und Jonas (Martina Gedeck und Gregor Bloéb) nun ernst. Über Weihnachten auf Mauritius, und geheiratet wird auch noch. Aber nur zu zweit, still und heimlich, die nervige Familie soll davon bloß nichts erfahren. Es kommt natürlich so, wie es kommen muss: Ein falsches Wort, und schon steht der ganze Clan am Flughafen. Und der Traumurlaub nimmt seine katastrophalen Wendungen. Wie auch in „Single Bells“ wird der Humor nicht mit dem Holzhammer aufs Publikum eingeprügelt, sondern speist sich aus lebensnahen und nachvollziehbaren Situationen. Auch ist der Film insgesamt etwas fröhlicher und optimistischer, was zum Einen am exotischen Setting liegt, zum Anderen an der Figur der Omama (wie immer großartig: Inge Konradi), die das Nörgeln aus „Single Bells“ weitestgehend ablegt und sich stattdessen an dem Paradies erfreut, in das sie unverhofft gelangt ist. Es ist rührend, anzusehen, wie viel Spaß sie an diesem Urlaub hat – und Erinnerungen an eigene Urlaube mit der Oma werden wach. Die hat sich auch nie die Freude nehmen lassen. Wären mal alle so entspannt wie die Omama, aber dann würde in dem Film auch nichts passieren. Wobei – allzu viel passiert wirklich nicht. Vielmehr plätschert „O Palmenbaum“ ruhig (man könnte sagen: frei jeglicher Spannung) vor sich her. Das Drehbuch ist nicht unbedingt der Knüller. Handwerklich gibt’s auch ein paar Unstimmigkeiten, wenn zum Beispiel Fotos von weißen Stränden eingespielt werden anstatt diese in Bewegtbildern zu zeigen. Insgesamt bleibt die Fortsetzung doch recht deutlich hinter dem ersten Film zurück, und dass es nicht zu einem dritten Film gereicht hat, ist schon in Ordnung.


5,0 Kürbisse

Single Bells (1997)

Regie: Xaver Schwarzenberger
Original-Titel: Single Bells
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Weihnachtsfilm, Komödie
IMDB-Link: Single Bells


Weil die überspannte Karriere-Tussi ausgerechnet vor Weihnachten ihren überspannten Tusserich vor die Tür setzt, nachdem sie ihm nach achtjähriger Beziehung das Ultimatum gestellt hat: „Heiraten und Kinder kriegen, sonst ist’s aus!“ (als ob man nach so vielen Jahren der Gemeinsamkeit nicht wissen würde, was der Partner davon hält und darauf reagieren wird), schneit sie unverhofft bei der Familie ihrer Schwester am Land ein. Dort sorgt schon die ständig meckernde, sich überall einmischende Mutter des verwöhnen Göttergatten für vorweihnachtliche Unruhe, und als dann auch noch die komplett überdrehte Gucci-Mutter der beiden Schwestern überraschend vor der Tür steht, ist das Chaos komplett. Mehr braucht es nicht, um allen so richtig das Weihnachtsfest zu verhageln. „Single Bells“ ist zwar satirisch überspitzt, aber wenn man sich den Stress, den sich viele Familien zum Weihnachtsfest machen, vor Augen hält, dann wirkt das alles plötzlich gar nicht mehr so überzeichnet. Und das ist auch die besondere Stärke des Films: Die Katastrophen sind lustig, und es geht alles schief, was schiefgehen kann, und doch wird der Bogen nicht so überspannt, dass man nicht mehr mitgehen kann. Ich denke, in jeder Familie gab es die eine oder andere Situation aus dem Film schon 1:1 im realen Leben – in „Single Bells“ werden diese Missgeschicke halt nur geballt serviert. Die Besetzung kann zwar vielleicht nicht immer mit dem höchsten internationalen Standard mithalten, doch vor allem die großartige Inge Konradi als Omama, Mona Seefried als überforderte Hausfrau und der ewige Erwin Steinhauer spielen so authentisch und lebensnah, dass sie die ganze restliche Besetzung (die durchaus mit Kapazundern des deutschsprachigen Fernsehens gefüllt sind) mitreißen. Kein Wunder, dass der Film mittlerweile zu den ganz großen Weihnachtsklassikern in Österreich zählt. Und insgeheim hofft wohl jeder beim Ansehen, dass man selbst dieses Jahr verschont bleibt von den Reibereien, die hier so wunderbar dargeboten werden.


7,0 Kürbisse