Liebesfilm

Der göttliche Mr. Faber (2009)

Regie: John Hindman
Original-Titel: The Answer Man
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Komödie, Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: The Answer Man


2009 drehte John Hindman seinen ersten Langfilm. 2009 drehte John Hindman bislang seinen letzten Langfilm. „The Answer Man“ (Alternativtitel: „Arlen Faber“, der deutsche Verleihtitel: „Der göttliche Mr. Faber“ – der so unglaublich dämlich ist, dass die DVD dann wieder unter dem Originaltitel „The Answer Man“ vertrieben wurde) ist der Versuch, einen gelangweilten Jeff Daniels in einer Art Rolle „Melvin Udall (aus „Besser geht’s nicht“) für Arme“ auf die charmante Lauren Graham loszulassen. Arlen Faber (Jeff Daniels) hat vor 20 Jahren den großen spirituellen Bestseller schlechthin gesprochen. In „Me and God“ zeichnet er den Dialog auf, den er mit Gott persönlich geführt hat. Heute ist er aber ein zynischer Spießer, der sich mit Räucherstäbchen und Yogamusik in seinen vier Wänden verbarrikadiert. Ein kaputter Rücken führt ihn zur Chiropraktikerin Elizabeth (Lauren Graham). Gleichzeitig tritt der junge Buchhändler und Alkoholiker Kris (Lou Taylor Pucci) in sein Leben und verlangt Antworten vom Meister. Das ist zum Teil eh ganz nett anzusehen, hätte Jeff Daniels als Hauptfigur selbst nicht die ganze Zeit ein großes „Ich mache das nur, weil ich gerade die Kohle brauche“ auf seiner Stirn stehen. Ein zusätzliches Problem, das ich mit dieser Art von Feelgood-Rom-Com-Dingern habe, ist die Vorhersehbarkeit und Risikoaversion in Drehbuch und Inszenierung. Der Buchhändler hat ein Alkoholproblem? Dann schaut er einfach ein bisschen traurig, aber am Ende ist eh wieder alles gut. Der Bestseller-Autor ist ein Misanthrop? Kein Ding – ein Lächeln von Lauren Graham reicht aus, und er ist plötzlich ein verliebt grinsender Teenager. (Nicht, dass ich Lauren Grahams Lächeln keine Superkräfte zutrauen würde, aber man hat Derartiges einfach schon viel zu oft gesehen). Insgesamt also ein routiniertes Sonntagsnachmittagsfilmchen. Belanglos, ein bisserl fad, ein bisserl dumm, aber tut nicht weh, und wenn einem gerade nach belanglos, fad und dumm ist, passt das schon. Auch solche Tage gibt es.


3,5
von 10 Kürbissen

Dead Flowers (1992)

Regie: Peter Ily Huemer
Original-Titel: Dead Flowers
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Drama, Fantasy, Krimi, Liebesfilm, Thriller
IMDB-Link: Dead Flowers


Der große Hype des österreichischen Kinos begann Ende der 90er. „Nordrand“ von Barbara Albert wird hierbei immer wieder als Initialzündung genannt. Seitdem erhält der österreichische Film auch international viel Beachtung, und Filmschaffende wie Michael Haneke, Ulrich Seidl, Götz Spielmann, Jessica Hausner, die schon genannte Barbara Albert oder der kürzlich verstorbene Michael Glawogger heimsen wichtige Preise ein bis hin zu den Oscars. „Dead Flowers“ von Peter Ily Huemer kam da vielleicht ein paar Jahre zu früh. Denn an sich hätte der Film alles gehabt, um in dieser Runde reüssieren zu können. Alex, die Hauptfigur, hätte durchaus einem Jim Jarmusch-Film entsprungen sein. Der stoische Kammerjäger lebt friedlich vor sich hin, bis er eines Tages die mysteriöse Alice am Straßenrand aufgabelt. Die ist verdreckt, ein bisschen verwirrt und offenbar auf der Flucht. Aber vor wem? Auch seine resolute Großmutter kann ihm da nicht weiterhelfen. Aber eigentlich will er ja nur seine Ruhe haben. Und Alice. Aber erstaunlich, wie viel Elan dieser Dandy der Raststättencafés entwickeln kann, wenn ihm mal die Liebe in die Knochen einschießt und ihm die Begehrte entrissen wird. Dann steigt er wie Orpheus in die Unterwelt, um seine geliebte Alice wieder zurückzuholen. Und diese Unterwelt sieht aus wie ein Industrieviertel in Wien. Fad. Ein bisschen versifft. Man schweigt sich vielsagend beim Bier an. Aber damit kennt sich Alex ja aus.

„Dead Flowers“ ist ein interessantes, in Vergessenheit geratenes Kapitel in der österreichischen Kinogeschichte. Laut Peter Ily Huemer hatte der Film, der auch auf der Berlinale lief und dort gut aufgenommen wurde, das Problem, dass zu jener Zeit der Erfolg oder Misserfolg von den zwei wesentlichsten österreichischen Kinokritikern bestimmt wurde. Einer der beiden mochte den Film. Der Andere nicht. Und damit waren die Blumen tot, ehe sie eine echte Chance hatten, auf ihr Publikum einwirken zu können. Vielleicht ist dieser Erklärungsansatz etwas zu kurz gegriffen, denn frei von Schwächen ist der Film definitiv nicht. Er sitzt zwischen den Stühlen mehrerer Genres, er ist sehr simpel und einfach gehalten, verzichtet weitgehend trotz des fantastischen Themas darauf, den Zuseher staunen zu lassen, und manche Handlungsstränge oder Gefühle entwickeln sich etwas zu schnell, als dass sie von jedem im Publikum nachvollzogen werden könnten. Dennoch ist „Dead Flowers“ auch heute noch gut anzusehen und zeigt auf, dass der österreichische Film schon länger diese Qualität aufweist, für die er seit zwei Jahrzehnten bekannt ist, und nicht erst seit Barbara Albert & Co.


6,0
von 10 Kürbissen

Die Schöne und das Biest (2017)

Regie: Bill Condon
Original-Titel: Beauty and the Beast
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Fantasy, Liebesfilm, Musikfilm / Musical
IMDB-Link: Beauty and the Beast


Ladies Night im Artis Cinema. „Die Schöne und das Biest“. Und ich, männlich, den Altersschnitt deutlich anhebend, mitten drin. Weil: Kindheitserinnerungen. Und: Emma Watson. Plus ein Cast, der sich bis in den kleinsten Nebenrollen gewaschen hat: Ewan McGregor. Ian McKellen. Emma Thompson. Kevin Kline (den ich bis zum Schluss nicht erkannt habe). Stanley Tucci. Luke Evans (ein stimmlich und schauspielerisch herausragender Fiesling Gaston). Doch wie ist „Die Schöne und das Biest“ nun? Kommt die Realverfilmung von Bill Condon an den Trickfilmklassiker der 90er Jahre heran? Eines gleich mal vorweg: Wer den Zeichentrickfilm liebt, muss sich vor der Realverfilmung keineswegs fürchten. Im Gegenteil: Alle Zeichentrickfans, die mit mir im Kino waren, waren begeistert von diesem prunkvoll inszenierten Spektakel. „Die Schöne und das Biest“ ist kein Film der leisen Töne – hier wird so richtig protzig aufgetragen, man singt sich die Seele aus dem Leib. Dass diese dennoch nicht in der Luft verschwindet, sondern an einem Faden festgehalten wird, ist eben dem gewaltigen Cast zu verdanken, der (in den meisten Fällen ausschließlich als Sprechrollen und mit Gesang) jeder Figur Leben einhaucht und für den einen oder anderen lockeren Moment sorgt. Das Herzstück des Films ist aber Emma Watson als Belle. Ich muss gestehen, dass ich die erste Gesangsnummer gebraucht habe, bis ich mich an sie an Belle gewöhnt hatte, denn Emma Watson spielt sie nicht als unschuldiges, naives Liebchen, sondern verleiht der Figur eine Stärke und Unabhängigkeit, die ich erst mit den Erinnerungen an die Figur aus dem Zeichentrickfilm zusammenbringen musste, aber dann durchwegs genießen konnte. Belle ist durch Watsons Darstellung eine emanzipierte und moderne Frau geworden. Der neue Anstrich steht dem Disney-Klassiker sehr gut. Natürlich ist der Film nicht frei von Schwächen. Die CGI sieht manchmal ein bisschen daneben aus. Die Wölfe zum Beispiel. (Offenbar gehören Wölfe generell zu den größten Herausforderungen der Visual Effects Departments, an denen man regelmäßig scheitert.) Und oft wurde mir persönlich bei den Gesangs- und Tanznummern ein bisschen zu dick aufgetragen. Dass ich da nicht immer 100%ig mitgehen konnte, liegt aber auch daran, dass ich nicht unbedingt die passgenaue Zielgruppe für diesen Film bin. Dennoch habe ich mich gerne mitreißen lassen von dieser bunten, melodramatischen Fantasy-Welt. Und bin wieder ein bisschen Kind geworden.


6,5
von 10 Kürbissen