Komödie

Harold und Maude (1971)

Regie: Hal Ashby
Original-Titel: Harold and Maude
Erscheinungsjahr: 1971
Genre: Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: Harold and Maude


Harold ist ein unglaublicher reicher junger Mann (Bud Cort), der unter der Fuchtel seiner Mutter steht und vom Tod besessen ist. Bei einem Begräbnis, seiner etwas morbiden liebsten Freizeitbeschäftigung, lernt er die 79jährige Maude (Ruth Gordon, unfassbar gut) kennen, die fortan wie ein Wirbelwind durch sein bislang tristes Leben fegt. Deren unkonventionelle Art, das Leben mit offenen Armen zu umarmen, lässt auch Harold einige Dinge anders sehen. Daraus entspinnt sich eine der ungewöhnlichsten Liebesgeschichten der Filmgeschichte.  Was „Harold und Maude“ so besonders macht, ist der vorurteilsfreie Blick. Man spürt: Beide Figuren haben ihre Geschichten in der Vergangenheit, die sie zu den Menschen gemacht haben, die sie sind, aber diese Entwicklung, die sie genommen haben, muss sich nicht rechtfertigen, wird nicht erklärt oder aufgerollt oder bewertet – der Film stellt die beiden einfach hin und sagt: „Sehet! Zwei Menschen. Und es ist mir als Film völlig egal, ob ihr Zuseher aufgrund gesellschaftlicher Konventionen der Meinung seid, dass die nicht so recht zusammenpassen wollen.  Lasst sie einfach Mensch sein. Lasst sie lachen und tanzen.“ Ein sehr zarter, lebensbejahender Film, musikalisch untermalt mit Songs von Cat Stevens. Zurecht ein Kultfilm. „I love you.“ – „Oh, that’s beautiful! Go and love some more!“


8,5
von 10 Kürbissen

Hard Core Logo (1996)

Regie: Bruce McDonald
Original-Titel: Hard Core Logo
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Drama, Komödie, Musical/Musikfilm, Roadmovie, Satire
IMDB-Link: Hard Core Logo


Hard Core Logo – so heißt die Band von Leadsänger Joe Dick, Gitarrist Billy Tallent, Bassist John Oxenberger und Drummer Pipefitter. In den 80ern hatte die kanadische Punkrockband große Erfolge, dann lösten sie sich auf. Mitte der 90er bringt Joe Dick die Band wieder zusammen, um ein Benefizkonzert zu Ehren des auf seiner Ranch angeschossenen Mentors Bucky Haight zu spielen. Daraus wird eine kleine Tour durch Westkanada. Der Filmemacher Bruce McDonald begleitet die Band auf ihrer Tour und ist live dabei, wenn die zwischenmenschlichen Abgründe, die einst zur Auflösung der Band geführt haben, zwischen Tourbus und Bühne sichtbar werden. Joe Dick, nur auf den ersten Blick geläutert, ist auf einem Egotrip durch die glorreichen Jahre der Vergangenheit, Billy Tallent möchte endlich die große Karriere machen, John Oxenberger ist nur ein buddhistisch angehauchter Literat, solange die Medikamente wirken, und Pipefitter hat keinen Plan. Der Clou an der ganzen Sache: Es handelt sich dabei um eine Mockumentary. Band und Musiker gibt es nicht wirklich. Bruce McDonald gelingt es aber (anders als beim glasklar satirisch aufgezogenen „This Is Spinal Tap“), nie den Bogen zu überspannen und bei allem Augenzwinkern die Musiker und deren Probleme lebensecht und nachvollziehbar darzustellen. „Hard Core Logo“ ist gleichzeitig eine Verbeugung vor dem Spirit des Punkrocks und dessen Abgesang. Ein ernster Spaß.


7,0
von 10 Kürbissen

Der göttliche Mr. Faber (2009)

Regie: John Hindman
Original-Titel: The Answer Man
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Komödie, Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: The Answer Man


2009 drehte John Hindman seinen ersten Langfilm. 2009 drehte John Hindman bislang seinen letzten Langfilm. „The Answer Man“ (Alternativtitel: „Arlen Faber“, der deutsche Verleihtitel: „Der göttliche Mr. Faber“ – der so unglaublich dämlich ist, dass die DVD dann wieder unter dem Originaltitel „The Answer Man“ vertrieben wurde) ist der Versuch, einen gelangweilten Jeff Daniels in einer Art Rolle „Melvin Udall (aus „Besser geht’s nicht“) für Arme“ auf die charmante Lauren Graham loszulassen. Arlen Faber (Jeff Daniels) hat vor 20 Jahren den großen spirituellen Bestseller schlechthin gesprochen. In „Me and God“ zeichnet er den Dialog auf, den er mit Gott persönlich geführt hat. Heute ist er aber ein zynischer Spießer, der sich mit Räucherstäbchen und Yogamusik in seinen vier Wänden verbarrikadiert. Ein kaputter Rücken führt ihn zur Chiropraktikerin Elizabeth (Lauren Graham). Gleichzeitig tritt der junge Buchhändler und Alkoholiker Kris (Lou Taylor Pucci) in sein Leben und verlangt Antworten vom Meister. Das ist zum Teil eh ganz nett anzusehen, hätte Jeff Daniels als Hauptfigur selbst nicht die ganze Zeit ein großes „Ich mache das nur, weil ich gerade die Kohle brauche“ auf seiner Stirn stehen. Ein zusätzliches Problem, das ich mit dieser Art von Feelgood-Rom-Com-Dingern habe, ist die Vorhersehbarkeit und Risikoaversion in Drehbuch und Inszenierung. Der Buchhändler hat ein Alkoholproblem? Dann schaut er einfach ein bisschen traurig, aber am Ende ist eh wieder alles gut. Der Bestseller-Autor ist ein Misanthrop? Kein Ding – ein Lächeln von Lauren Graham reicht aus, und er ist plötzlich ein verliebt grinsender Teenager. (Nicht, dass ich Lauren Grahams Lächeln keine Superkräfte zutrauen würde, aber man hat Derartiges einfach schon viel zu oft gesehen). Insgesamt also ein routiniertes Sonntagsnachmittagsfilmchen. Belanglos, ein bisserl fad, ein bisserl dumm, aber tut nicht weh, und wenn einem gerade nach belanglos, fad und dumm ist, passt das schon. Auch solche Tage gibt es.


3,5
von 10 Kürbissen

Die Blumen von gestern (2016)

Regie: Chris Kraus
Original-Titel: Die Blumen von gestern
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: Die Blumen von gestern


Deutscher Holocaust-Forscher mit Aggressionsbewältigungs- und Erektionsproblemen trifft auf französisch-jüdische Assistentin mit Dachschaden und gelegentlichem Farbtopfentfremdungsaktionismus. Sie mögen sich nicht, sie mögen sich doch, sie haben eine gemeinsame Geschichte, die alles irgendwie schlimm macht, man hat so seine Geheimnisse, manchmal fliegen Hunde aus Autofenstern.

Unentschlossen. Das ist das Wort, das ich am schnellsten mit Chris Kraus‘ Film „Die Blumen von gestern“ in Verbindung bringe. Was will der Film sein? Eine schwarzhumorige Komödie? Ein Drama? Ein Liebesfilm? Ein Roadmovie? Ein Historienfilm? Für eine Komödie ist er nicht lustig genug, sämtliche Charaktere (inklusive der Figur der sonst so wunderbaren Adèle Haenel) bleiben unsympathisch und irgendwie rätselhaft in ihrer Motivation. Für ein Drama ist der Film aber zu leichtgängig, und es bleibt auch bis zum Ende unklar, was er eigentlich erzählen möchte, was das große Drama ist, das sich immer wieder ankündigt. So ist „Die Blumen von gestern“ ein Film voller uneingelöster Versprechen. Immer wieder ganz nett anzusehen, aber unausgegoren und am Ende auch unbefriedigend.


4,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Die andere Seite der Hoffnung (2017)

Regie: Aki Kaurismäki
Original-Titel: Toivon tuolla puolen
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: Toivon tuolla puolen


„Die andere Seite der Hoffnung“, mein erster Kaurismäki überhaupt, erzählt zwei Geschichten, die beide von Flucht und Neuanfang handeln, parallel: Jene des syrischen Flüchtlings Khaled, den das Schicksal nach Finnland verschlägt und der dort um Asyl ansucht, und jene des Geschäftsmannes Wikström, der eines Tages seine Frau verlässt, um als Restaurantbesitzer neu anzufangen. Die beiden Wege, die unterschiedlicher nicht sein könnten, kreuzen sich irgendwann auch. Untermalt werden die beiden Lebensgeschichten von einem unglaublich trockenen, sehr lakonischen Humor, der sicherlich nicht Jedermanns Sache ist. Meine ist sie schon. Die an sich sehr tragischen Geschichten bekommen dadurch herrlich absurde Untertöne, und selbst wenn die Nazis der Finnischen Befreiungsarmee auftauchen und man eigentlich um das Leben des sympathischen Khaled fürchten muss und sich gleichzeitig stellvertretend schämt für all das rechte Gesöcks, das unsere westlichen Wohlstandsgesellschaften zu Orten der Barbarei macht, so darf dennoch auch immer ein wenig geschmunzelt werden, denn Kaurismäki schafft es, selbst den ernsten Szenen einen Anflug von Leichtigkeit zu verleihen, die diese erträglicher macht. Allerdings bleibt der Film in seiner Botschaft für mich dennoch ein wenig unentschlossen. Ja, er erzählt von der Würde des Menschen und von Solidarität, aber bei all der Leichtigkeit des Tonfalls scheint der Film an manchen Stellen, v.a. am Ende, auf die Schwere seines Themas zu vergessen bzw. diese wegwischen zu wollen. Dadurch ist der Film zwar durchgängig sehr sehenswert und unterhaltsam, aber ein bisschen mehr Konsequenz hätte ich mir schon gewünscht. Trotzdem: Ein guter und meistens positiver und auf eine lakonische Weise sehr menschlicher Film ist „Die andere Seite der Hoffnung“ allemal.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino)

Frühling für Hitler (1968)

Regie: Mel Brooks
Original-Titel: The Producers
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Komödie, Musikfilm / Musical, Satire
IMDB-Link: The Producers


Der ehemals so erfolgreiche Broadway-Produzent Max Bialystock (Zero Mostel, herrlich überdreht) hat ein Problem: Er ist nicht mehr erfolgreich. Im Gegenteil – um sich irgendwie über Wasser zu halten, bandelt er mit alten Witwen an, um ihnen ein paar Dollars für fiktive Theaterproduktionen abzuluchsen. Auftritt des Buchhalters Leo Bloom (Gene Wilder, hysterisch und Oscar-nominiert). Der überkorrekte und völlig neurotische Angsthase spinnt ein theoretisches, buchhalterisches Konstrukt, das Bialystock aufhorchen lässt: Wenn es einem gelänge, einen geplanten Flop zu produzieren, könnte man damit eine Menge Geld machen. Und zwar ist der Plan ganz simpel: Man bringt eine hohe Summe von Sponsoren auf, verwendet nur einen Bruchteil davon für die Produktion des Stücks und kassiert den Rest selbst ein. Je weiter man weg ist von der Gewinnzone, desto höher ist der Betrag, der den Produzenten bleibt, da die Sponsoren nur mitknabbern, wenn das Stück Geld abwirft. Diese Idee greift Bialystock sofort auf. Es gilt also, das schlechteste Broadway-Stück aller Zeiten zu produzieren. Und was wäre dafür vielversprechender, als das Theaterstück „Frühling für Hitler“ des Alt-Nazis Franz Liebkind (Kenneth Mars, nie ohne Stahlhelm) zu nehmen, der damit dem Führer Gerechtigkeit widerfahren lassen möchte, und darauf den schlechtesten Regisseur aller Zeiten anzusetzen, der daraus eine Revue-Musical-Nummer macht? Ein todsicherer Plan …

Allein schon wegen der Musicalnummer am Ende weiß man, warum „The Producers“ regelmäßig zu den besten Komödien der Filmgeschichte gezählt wird. Mel Brooks, selbst Jude, zieht den Erzfeind Hitler dermaßen konsequent ins Lächerliche, dass einem beim Ansehen auch heute noch die Spucke wegbleibt. Wenn die SS im Stechschritt eine Hakenkreuz-Formation tanzt, dann wird klar: Mel Brooks hatte wirklich Eier. „The Producers“ ist eine hinreißend hysterische, völlig durchgeknallte und wirklich vor nichts und niemanden Halt machende, bitterböse Satire auf die Geldgier, auf das Hitler-Regime, auf windige Broadway-Produktionen und die seltsamen Blüten des Kapitalismus. Das Nummernschild des Schlachtschiffs in „Spaceballs“, einer weiteren grandiosen Mel Brooks-Komödie, fällt einem in diesem Zusammenhang ein: „We break for nobody!“

Allein die Tonalität des Films ist gewöhnungsbedürftig. Hier wird geschrien, gefuchtelt, getanzt, gebrüllt, geschwitzt und hysterisch gelacht. Da ist kein leiser Ton dabei, alles ist bis zum Exzess überdreht. Das war mir persönlich an manchen Stellen sogar ein bisschen too much, aber saukomisch ist und bleibt der Film dennoch.


7,5
von 10 Kürbissen

Disaster Movie (2008)

Regie: Jason Friedberg und Aaron Seltzer
Original-Titel: Disaster Movie
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: „Komödie“, „Satire“
IMDB-Link: Disaster Movie


Ich darf an dieser Stelle auf meine Bewertungsskala verweisen. 0,5 Punkte vergebe ich für den „beschissensten, sexistischsten, rassistischsten, dümmsten Film, der jemals gedreht wurde. Jeder Einzelne, der daran beteiligt ist, sollte dafür lebenslanges Berufsverbot bekommen.“ Herzlichen Glückwunsch, Mr. Friedberg, Mr. Seltzer, Sie haben mit „Disaster Movie“ die  Benchmark gelegt. Kurz war ich in Versuchung, diesem Film sogar glatte 0 Punkte zu geben und damit gegen meine Bewertungsprinzipien zu verstoßen, aber ich konnte es mir gerade noch so verkneifen. An sich finde ich ja durchaus einen Zugang zu Filmparodien. Filme wie „Hot Shots“, „Hot Shots – der zweite Versuch“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, die diverse Genres und Filmklassiker aufs Korn nehmen, haben mich als Kind schon extrem amüsiert und tun es heute auch noch. Umso schlimmer ist für mich das „Disaster Movie“ (welch passender Name übrigens). Wenn man wirklich jede Szene aus derben Zoten, sexuellen Anspielungen auf vorpubertärem Teenager-Niveau und Fäkalien aufbaut und das Ganze auch noch dermaßen stupide wiederholt, bis selbst der letzte Anflug eines Gags totgetreten ist, hat das für mich nichts mehr mit einer Parodie zu tun. Wie kann es sein, dass das gesamte Team, das an diesem Film beteiligt war, nicht nur dermaßen humorbefreit ist, sondern über so viel geballten schlechten und den IQ und die Empathie einer Stubenfliege beleidigenden Geschmack verfügt, dass niemand am zweiten, spätestens dritten Drehtag dazwischengegangen ist und die Leute nach Hause geschickt hat? Und was zum Geier hatten die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Aaron Seltzer und Jason Friedberg gegen den ganzen Cast in der Hand?

Platz 5 der 100 schlechtesten Filme auf IMDB ist so etwas von verdient! Ich kann nur eindringlich warnen vor diesem Film – er tötet gnadenlos Gehirnzellen und man gibt beim Ansehen ein bisschen was von seiner Menschenwürde ab, als würde man seine Seele an den Satan des Kinos verkaufen.

Und damit steht die Benchmark. Wer dieses Niveau noch unterbieten kann, gehört an die Wand gestellt.


0,5
von 10 Kürbissen

Ziemlich beste Freunde (2011)

Regie: Olivier Nakache und Éric Toledano
Original-Titel: Intouchables
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Komödie
IMDB-Link: Intouchables


Mit französischen Feelgood-Movies habe ich manchmal ein wenig zu kämpfen. Dieses leicht Überdrehte und das „Wir können ja auch mal politisch nicht ganz korrekt sein und verdecken damit, dass wir eigentlich einen ziemlich rassistischen / sexistischen Film gemacht haben hö hö“ trifft seltener meinen Humor als dass es daran meilenweit vorbeischießt. So bin ich auch mit einer Portion Skeptizismus an „Ziemlich beste Freunde“, den Sensationserfolg aus 2011, herangegangen. Ich wurde eines Besseren belehrt. Denn „Ziemlich beste Freunde“ ist vor allen Dingen eines: Unaufgeregt und unsentimental. Und damit ganz stark. Es wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt, der sozial schwächere Schwarze muss nicht aus dem Ghetto gerettet werden, der querschnittsgelähmte reiche Schnösel muss nicht ins Leben zurückgeführt werden. Beide kommen eigentlich ganz gut zurecht mit den Karten, die ihnen das Schicksal ausgeteilt hat – mal mehr, mal weniger, aber sie haben immer den Kopf oben und versuchen, das jeweils Beste aus ihrer Situation zu machen. So entsteht die Freundschaft nicht aus sentimentalen Rührgeschichten heraus, sondern aus echter Zuneigung und Chemie und Verständnis für den Anderen, so verschieden man auch ist. Und das ist eine verdammt gute Botschaft, finde ich. Endlich mal ein Feelgood-Movie, nach dem ich mich tatsächlich gut fühlte.


8,0
von 10 Kürbissen

Wilde Maus (2017)

Regie: Josef Hader
Original-Titel: Wilde Maus
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Wilde Maus


Manchmal läuft es einfach g’schissen. Davon kann Georg (Josef Hader) ein Lied singen. Den Job als Musikkritiker bei einer renommierten Zeitung ist er aus Kosteneinspargründen los. Die junge Kollegin (Nora von Waldstätten), die von klassischer Musik keine Ahnung hat, kupfert still und heimlich ab, während sie die Betroffene spielt. Der eheliche Beischlaf verkommt aufgrund des Kinderwunsches seiner Ehefrau (Pia Hierzegger) zu einer Turnübung, die aber nicht die gewünschten Resultate zeigt. Die kleinen Rachefeldzüge gegen den ehemaligen Vorgesetzten (Jörg Hartmann) ufern irgendwie ein wenig aus. Und dass er seiner Frau nichts von seinem plötzlichen Freizeitüberfluss erzählt, macht die Geschichte auch nicht einfacher. Allein der ehemalige Schulkollege (Georg Friedrich), den er zufälligerweise im Wiener Prater wieder trifft und mit dem er eine Achterbahn, eben jene „Wilde Maus“ pachtet, bietet so etwas wie eine Rückzugsmöglichkeit für den gestressten Intellektuellen. Aber irgendwann bricht halt jedes Kartenhaus zusammen. Und nicht Georg fährt die Achterbahn, sondern das Leben fährt Achterbahn mit ihm.

„Wilde Maus“, das Regiedebüt von Josef Hader, der zudem auch das Drehbuch dafür verfasst hat, ist ein herrlich lakonischer Film über die kleinen und großen Schwierigkeiten des Lebens, über Rachegelüste, über den Versuch, Haltung zu bewahren und wie man zuweilen daran scheitert. Mit gewohnt stoischem Blick legt Josef Hader seinen Georg an, dem das Leben in den Händen zerbröselt. Großartig ist Georg Friedrich in seiner Paraderolle als Wiener Original – ich könnte ihm stundenlang zuschauen. Vielleicht mag der Film insgesamt ein wenig unentschlossen in seinen Nebenhandlungssträngen sein, die Lakonie liegt sicherlich auch nicht jedem, aber er ist ein sehr ehrlicher, unaufgeregter Film über die Probleme gewöhnlicher Menschen. Er dramatisiert nichts, spielt aber die Entscheidungen, die wie die Spiralen einer Achterbahn in den Abgrund führen, nicht hinunter. Nichts an diesem Film ist spektakulär, aber insgesamt ist er eine runde Angelegenheit und zeigt das Leben, wie es eben manchmal so ist. Eine Achterbahnfahrt mit offenem Ausgang, ob man während der Fahrt aus dem Wagen speibt oder trotz grünlicher Gesichtsfarbe bis zum Ende durchhält.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Weihnachtsmann gesucht (2002)

Regie: Uwe Janson
Original-Titel: Weihnachtsmann gesucht
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Komödie, Rom-Com, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Weihnachtsmann gesucht


Christoph Waltz. Er war (nicht mehr ganz so) jung und brauchte das Geld. Klinkenputzen vor den Oscars. In diesem Fall haben ihn die Nöte des Alltags dazu gebracht, die Rolle des griesgrämigen, verhuschten, seine Exfrau krankhaft stalkenden Johannes anzunehmen in einer romantischen deutschen Weihnachtskomödie. (Nuff said.) 1,5 Stunden lang durchläuft nun der große Waltz und mit ihm sein Publikum sämtliche Kreise der Hölle. Der Film ist eine Mischung aus Fegefeuer und chinesischer Tröpfchenfolter, und es zerreißt einem fast das Herz, zu sehen, wie sehr sich Waltz bemüht, zumindest ein bisschen Klasse in die ganze Chose zu bringen, und wie er daran scheitert. Denn wenn das Drehbuch Dialoge vorgibt, gegen die die Teletubbies plötzlich wie avantgardistische Kunst wirken, gibt’s einfach keine Rettung mehr. Die Handlung: Der Zoofachhändler Johannes lebt in der Wohnung neben seiner Ex-Frau Marion (von Barbara Auer als Lady in Red getarnte nervtötende Zickentussi gespielt) und hängt immer noch an ihr. Blöd, dass eine (rissige) Mauer die beiden Wohnungen voneinander trennt. Nun ja, Zoofachhändler stellt Aushilfe ein, ein Psychologe, der nebenberuflich als Weihnachtsmann arbeitet, Aushilfe verletzt sich durch Schuld des Zoofachhändlers den Fuß, weihnachtshassender Zoofachhändler muss als Weihnachtsmann aushelfen, trifft auf Kind (Oscar für das nervigste Arschlochkind der Filmgeschichte – bitte posthum verleihen), das traurig ist, weil sich die Eltern so furchtbar viel streiten tun, Zoofachhändlerweihnachtsmann gibt genervtes Versprechen, dass sich Eltern wieder vertragen werden, stellt immer noch der Tussi in Red nach, Kind wird noch trauriger und noch nerviger, es kommt zur Katastrophe (Spoiler: die Katastrophe ist, dass das Kind überlebt), Zoofachhändlerweihnachtsmann besinnt sich nun doch menschlicher Werte, Kind und Familie erleben Happy End (leider), Zoofachhändler erlebt Happy End, Klappe zu, Zuseher tot. Alle Klischees, die irgendwie denkbar sind, haben sich in diesem Machwerk versammelt. Kein Problem – man muss ja nur aufs DVD-Cover schreiben, dass es sich dabei um eine „augenzwinkernde Liebeskomödie“ handelt, dann kann man auch den ärgsten Scheiß verkaufen. Armer Waltz. Ich glaube, jedes Mal, wenn der Film irgendwo im Fernsehen angekündigt wird, wirft er einen Blick auf das Regal mit den beiden Oscars und fängt bitterlich an zu weinen. Aber zumindest lässt sich aus dem Film für die nächsten Jahre ein super Trinkspiel zu Weihnachten ableiten. Jedes Mal, wenn Barbara Auer überrascht die Augen aufreißt, einen Kurzen, und einen Doppelten jedes Mal, wenn das nervige Kind im Bild ist. Frohe Weihnachten. Und nicht vergessen: Vorab die Rettung verständigen, das kann dann sehr schnell gehen …


1,5
von 10 Kürbissen