2019

Jumanji: The Next Level (2019)

Regie: Jake Kasdan
Original-Titel: Jumanji: The Next Level
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Abenteuerfilm, Komödie
IMDB-Link: Jumanji: The Next Level


Dwayne Johnson ist ein hochgradig sympathischer Kerl, der nicht nur über massige Muskeln, sondern auch über massig viel Selbstironie verfügt. Oscar-Preisträger wird er in diesem Leben wohl eher nicht mehr, aber das dürfte auch kaum seine größte Ambition sein. Dwayne Johnson will einfach nur unterhalten. Und das gelingt ihm in den Fortsetzungen des Robin Williams-Klassiker „Jumanji“ gar nicht mal so schlecht. Den ersten Teil der beiden neuen Filme habe ich erst Stunden später nebenbei (beim Vorbereiten des weihnachtlichen Raclette-Essens) gesehen, aber auch ohne Vorwissen kann man sich getrost diesen humorvollen Abenteuerfilm geben. Statt eines Brettspiels werden die armen Spieler nun in eine Computerwelt gezogen und müssen dort mit ihren Avataren, die allesamt jeweils drei Leben besitzen, bis zum Ende durchhalten. Andernfalls war’s das. Und da der Teenie Spencer (Alex Wolff) erneut in die Welt von Jumanji eingestiegen ist, nachdem man im ersten Teil schon nur knapp davonkam, müssen nun seine Freunde (Morgan Turner, Madison Iseman und Ser’Darius Blain) ausrücken, um ihn zurückzuholen. Blöd nur, dass durch einen dummen Zufall auch Spencers Großvater Eddie (Danny DeVito) und dessen alter Partner Milo (Danny Glover) ins Spiel gezogen sind. Und die müssen sich nun in den Gestalten von Dwayne Johnson, Jack Black, Karen Gillan und Kevin Hart durch die gefährliche Welt von Jumanji kämpfen. Das allein ist ja schon schwer genug, aber wenn man zwei vergessliche alte Herren dabei haben, die keinen Plan von irgendwas haben, wird die Mission gleich noch mal anspruchsvoller. Von diesem Witz – die alten Säcke im Körper von Dwayne Johnson und Kevin Hart – lebt „Jumanji: The Next Level“. Das sorgt für ordentlich Situationskomik und viele Möglichkeiten, den glänzend aufgelegten Cast (darunter auch die grandiose Awkwafina und Nick Jonas) sich an Imitiationen anderer Darsteller zu versuchen. Die Story gerät dabei zur Nebensache – und die ist wirklich wurscht. Aber das Ding macht zwei Stunden lang Spaß auf simplem Niveau. Man hat schon Schlechteres von und mit Dwayne Johnson gesehen.


6,0
von 10 Kürbissen

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019)

Regie: J.J. Abrams
Original-Titel: Star Wars: The Rise of Skywalker
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Star Wars: The Rise of Skywalker


Anders als Gulasch schmeckt Kult aufgewärmt in der Regel nicht besser. Dennoch lässt sich mit Kult (anders als mit aufgewärmten Gulasch) eine Menge Geld verdienen. Das weiß auch Mickey Mouse – und so wurde eine neue Star Wars-Trilogie ins Leben gerufen, die mit Episode IX, „The Rise of Skywalker“, nun ihren Abschluss findet. Bei Fans findet dieser Film nur zögerlich Zuspruch, stößt zuweilen auch auf kalte Ablehnung. Wie ein flachsiges Gulasch. Aber das ist eben genau das Problem, wenn man Kult neu aufwärmt. Die Fans haben bestimmte Bilder im Kopf, haben die Geschichte für sich selbst in Gedanken schon fortgeführt und zu Ende gebracht, sie wollen das, was sie kennen und was sie erwarten, bestätigt sehen. Episode IX von J.J. Abrams versucht nun genau diese Erwartungshaltung zu befriedigen. Und das ist die größte Schwäche, die man dem Film vorwerfen muss. Denn man spürt förmlich in jeder Szene den Eiertanz, den das Drehbuch-Team aufführt, um die hartgesottenen Fans zufrieden zu stellen und allen Geschichten, Legenden und Figuren der geliebten Original-Filme ihren Raum zu geben. Hier gerät Crowdpleasing zuweilen zur Anbiederung. Und das ist durchsichtig und wird – wohl zu recht – dann auch bekrittelt. Wenn man aber diesen Aspekt außer Acht lässt und sich einfach nur auf die neue Trilogie und v.a. diesen Film einlässt, wenn man also die Fan-Brille einmal absetzt, dann ist „The Rise of Skywalker“ ein würdiger, gelungener und spannend inszenierter Abschluss der Film-Trilogie, der tatsächlich einen gelungenen Spagat zwischen Nostalgie-Feeling und moderner Inszenierung hinlegt. Die Figuren sind interessant und im Grunde den Figuren der Original-Serie ebenbürtig. Ich wage sogar zu behaupten, dass Rey (Daisy Ridley) der spannendste Charakter des gesamten Star Wars-Universums ist. Was ebenfalls auffällt und gut umgesetzt wurde, ist das alte Thema der Star Wars-Filme der Doppelung oder Spiegelung: Es gibt die helle und die dunkle Seite der Macht. Der Sohn Luke Skywalker muss sich seinem Vater Darth Vader stellen. Der Vater Han Solo muss sich dem Sohn Kylo Ren stellen. (Hier eine Nebenbemerkung: All jene, die an Adam Driver als Schurken gezweifelt haben, sollten nun zu Kreuze kriechen, denn seine Darstellung des Kylo Ren ist großartig, vielschichtig und emotional nachvollziehbar.) Überall Doppelungen, Fäden, die durch die Geschichte gehen, überall die klare Trennlinie zwischen Hell und Dunkel und den Versuchen der Protagonisten, diese Trennlinien aufzubrechen und eigene Geschichten zu schreiben. Dieses Thema zieht sich durch alle Star Wars-Filme. Vielleicht mag das eindimensional erscheinen, aber es ist konsequent und stimmig umgesetzt. Episode IX bringt dies befriedigend und schlüssig zum Ende und setzt damit auch einen Schlussstrich um die Geschichte, die mit Episode I und einem kleinen Jungen in einem Pod-Racer begann. Ein würdiges Ende, dem noch etwas mehr Eigenständigkeit gut getan hätte, aber über 2,5 Stunden sehr gut unterhält und lose Fäden aus den vorigen Filmen zusammenführt.


8,0
von 10 Kürbissen

A Rainy Day in New York (2019)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: A Rainy Day in New York
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: A Rainy Day in New York


Zwei Dinge sind mittlerweile einfach fix. Erstens: Woody Allen bringt jedes Jahr einen neuen Film heraus. Zweitens: Mit jedem Film wird wieder aufgerollt, ob man sich Woody Allen-Filme überhaupt noch ansehen darf, da es ja da diese alten Vorwürfe gibt, die nie ganz ausgeräumt wurden etc. Es fällt manchmal schwer, die Grenze zu ziehen zwischen dem eigenen Anspruch, ein moralisch integerer Mensch zu sein, und der Gefahr, an der Klippe der Vorverurteilungen von Sachverhalten, zu denen man eigentlich keine Information hat außer jenen, die die Presse aufköchelt, abzurutschen. Fakt ist jedoch, dass Woody Allen gute Filme dreht. Die können mal besser sein, mal etwas mäßiger, aber wirklich Schlechtes ist da eigentlich nie dabei. „A Rainy Day in New York“ gehört aus meiner Sicht zu jenen gelungenen Filmen, die vielleicht keine großen Spuren hinterlassen werden, die man sich aber dennoch gerne ansieht. Denn mit eindrucksvoller Leichtfüßigkeit lässt Woody Allen seine Figuren durch ein verregnetes Wochenende in New York schlendern. Dabei machen sie neue Bekanntschaften und stellen sich alten Problemen. Auch wenn der Fokus auf Timothée Chalamets Gastby liegt, ein Bourgeois, der aus alten Zeiten gefallen zu sein scheint, so ist es doch dessen Freundin Ashleigh (Elle Fanning), eine naive Studentin und Möchtegern-Reporterin, die den Film interessant macht. Um sie kreisen Liev Schreiber als Regisseur in einer Schaffenskrise, Jude Law als nervöser und gehörnter Drehbuch-Autor und Diego Luna als Zorro für Arme. Elle Fanning dabei zuzusehen, wie sie tapsig und herzig von einer überfordernden Situation in die nächste stolpert, macht den Film allein schon sehenswert. Aber auch Chalamet macht seine Sache gut – er passt mit seiner verpeilten gutbürgerlichen und kultivierten Art einfach in einen Woody Allen-Film, anders als anno dazumals Jesse Eisenberg. Und so sieht man den melancholischen Figuren, die alle Woody Allen selbst reflektieren, gerne zu, wie sie im Regen Facetten ihrer Persönlichkeit herausfinden, die ihnen vielleicht noch nicht so ganz bewusst waren. Mehr ist „A Rainy Day in New York“ nicht. Weniger aber auch nicht.

Eine Sache noch: Auch wenn ich ihn hier poste, weil ich immer die Trailer poste, sei doch vor diesem Trailer gewarnt. Er erzählt nicht weniger als den ganzen Film. Lieber also selbst das Kino eures Vertrauens aufsuchen und die Geschichte mit eigenen Augen entdecken.


6,5
von 10 Kürbissen

Wine County (2019)

Regie: Amy Poehler
Original-Titel: Wine County
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie
IMDB-Link: Wine County


Kinder, wie die Zeit vergeht. Da bleibt man mal ein bisschen weg vom seinem Blog – und schwupps lebt man in einer neuen Wohnung, trinkt zu viel Wein und erinnert sich nur noch vage an den letzten auf Netflix gesichteten Film: „Wine County“ von Amy Poehler. Zwei zentrale Elemente aus der Beschreibung der kürbis’schen Wochen treffen auch auf diesen Film zu: die Vergänglichkeit der Zeit und das mit dem Wein und dem vielleicht einen oder anderen Schluck zu viel. Der perfekte Film also für eine Art von Comeback-Rezension. In „Wine County“, dem Regiedebüt von Amy Poehler, einer von Grund auf sehr sympathischen und humorvollen Frau, unternimmt eine Runde reiferer Damen zu Ehren des 50. Geburtstages einer ihrer Freundinnen eine Reise nach Kalifornien, um dort in romantischer Hanglage Wein zu süffeln und die Bande der Freundschaft zu erneuern. Doch in vino veritas. Der Alkohol löst Zungen und Hemmungen, und schon bald steht die Freundschaft des Gespanns auf dem Prüfstand. Das alles ist hochgradig sympathisch und mit Zuneigung für die unterschiedlichen Charaktere und deren Lebensproblemen erzählt, aber so richtig zünden will der Film dennoch nicht. Zu vorhersehbar sind viele Situationen, und auch wenn Amy Poehler, die auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, versucht, manches Klischee aufzubrechen, so unterläuft sie ihr eigenes hehres Unterfangen dann doch immer wieder, indem sie die Frauen unter dem Einfluss des Traubensaftes hysterisch werden lässt. So kann man letztlich doch nicht so sehr mit den Frauen mitfiebern, wie man eigentlich möchte – da jede von ihnen dem geneigten Zuseher an einem bestimmten Punkt einfach mal auf die Nerven geht. Da können sich Amy Poehler, Rachel Dratch, Ana Gasteyer, Maya Rudolph, Paula Pell und Emily Spivey sowie Tina Fey und Jason Schwartzman in komischen Nebenrollen noch so sehr bemühen – am Ende ist das Ergebnis leider nicht von großer Relevanz. „Sideways“ von Alexander Payne bleibt der bessere Wir-saufen-aber-mit-Stil-Film.


5,5
von 10 Kürbissen

Booksmart (2019)

Regie: Olivia Wilde
Original-Titel: Booksmart
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie
IMDB-Link: Booksmart


Zwei Streberinnen beschließen am Abend vor dem Abschluss, Versäumtes nachzuholen und noch auf eine fette Party zu gehen, um die Sau rauszulassen. Gähn. Willkommen in der Welt der Highschool-/College-Komödien. Plumper Partyhumor, Exzesse, ein bisserl Läuterung am Ende – eh schon wissen. Doch hoppla – irgendwas läuft hier anders als sonst. Die Story selbst nicht, denn die wird routiniert und vorhersehbar streng nach Klischee abgespult. Aber was Olivia Wilde mit ihrem Regiedebüt anstellt, ist schlicht und ergreifend genial. Denn so dünn die Storysuppe auch sein mag, so übertrieben nach Schablone die Charaktere auch gezeichnet sind, irgendwie wirkt jede Szene, jede Einstellung von „Booksmart“ erfrischend neu, originell und sympathisch. Die größte Stärke des Films ist es, unter dem Klischeeguss echte Menschen sichtbar zu machen und deren Unsicherheiten, die sich in Überkompensation manifestiert, deren Träume und Irrwege und das Stolpern des verfluchten Herzens, wenn der heimliche Schwarm den Raum betritt. Die Dialoge sind herrlich geschrieben und scharfzüngig, und auch wenn es um Oberflächlichkeiten geht, sind diese zumindest witzig und mit einem großen Gespür für unsere menschlichen Schwächen vorgetragen. Hier sind zwei herzensgute Jugendliche auf Abwegen – und sie wissen das auch. Aber was sein muss, muss sein, denn das Leben muss man schließlich spüren. Es reicht nicht aus, davon zu lesen. So geraten die von Beanie Feldstein und Kaitlyn Denver gespielten Streberinnen Molly und Amy zu wahrhaft denkwürdigen Charakteren – natürlich überzeichnet, aber in der Grundanlage zutiefst menschlich und nachvollziehbar. Was man bemängeln könnte, ist das Fehlen echter Konflikte. Aber „Booksmart“ möchte gar nicht die Lebenswelt amerikanischer Teenager zeigen. Es geht einfach nur darum, Spaß zu haben und ein Zeichen für Selbstbewusstsein und Empowerment setzen. Das gelingt dem Film hervorragend. Und Olivia Wilde als Regisseurin sollte man sich unbedingt fett auf einen Zettel schreiben. Das Debüt ist schon mal sehr gut gelungen.


8,5
von 10 Kürbissen

Zombieland: Doppelt hält besser (2019)

Regie: Ruben Fleischer
Original-Titel: Zombieland: Double Tap
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie, Roadmovie
IMDB-Link: Zombieland: Double Tap


Vor 10 Jahren mussten sich Jesse Eisenberg („Columbus“), Woody Harrelson („Tallahassee“), Emma Stone („Wichita“) und Abigail Breslin („Little Rock“) mit dem Ausbruch einer Zombie-Apokalypse abfinden. Nachdem man sich auf amüsante Weise durchgeschlagen hatte bis zum finalen Showdown, wurde es still um den Film. Und das schien auch besser so. Denn einen Aufguss mit der gleichen Story noch einmal (nerdige Typen rennen vor Zombies davon) möchte ja wirklich niemand sehen. „Zombieland: Double Tap“ von Ruben Fleischer, die Fortsetzung 10 Jahre nach dem Überraschungserfolg, gehört aber zu den seltenen Fällen jener Filme, bei denen die Fortsetzung besser ist als der erste Teil. Denn die Macher scheinen sich gedacht zu haben: Fuck it. Jetzt geben wir einfach Gas. Und das setzen sie bei „Zombieland: Double Tap“ von der ersten Minute an konsequent um. Die Story? Geschenkt. Braucht es nicht. Der Weg ist das Ziel. Und der Weg besteht darin, die vier Heldinnen und Helden, die extrem witzige Verstärkung bekommen (Zoey Deutch als Madison ist zum Niederknien, so überdrüberlustig muss man die unbedarfte rosarote Gucci-Tussi erst mal spielen können!), von einer absurden Situation in die nächste zu jagen. Da ist nichts heilig. So fußt eine der vielleicht witzigsten Szenen des ganzen Kinojahres auf einem No-Go. Das No-Go heißt: Doppelgänger sind einfach nicht mehr witzig. Doch. Sind sie. Wenn es mit der richtigen Scheiß-Drauf-Attitüde umgesetzt wird. Der Film nimmt sich keine Sekunde lang ernst – ohne aber das Publikum zu verschaukeln. Denn „Zombieland: Double Tap“ will nur eines, und zwar gut unterhalten und den Leuten, die viel Geld für Kinotickets und Popcorn und sonstigen Schnickschnack ausgegeben haben (hmmmm … kennt ihr schon diese Creamy-Kekse von Prinzen mit dem Nutella drinnen?), so viel Spaß wie möglich zu bieten. Die Actionteile sind auch gut umgesetzt. Wenn Zombies in Slow Motion gemetzelt werden, dann sieht das richtig gut aus. Ruben Fleischer macht in Sachen Timing, Humor und Action einfach alles richtig. Und damit gehört „Zombieland: Double Tap“ für mich zu den besten und witzigsten Komödien der letzten Jahre. Ein Tipp: Bleibt am Ende noch sitzen. Es lohnt sich.


8,5
von 10 Kürbissen

Terminator: Dark Fate (2019)

Regie: Tim Miller
Original-Titel: Terminator: Dark Fate
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Action, Science Fiction
IMDB-Link: Terminator: Dark Fate


„Terminator 2“ von James Cameron gehört zu den besten Actionfilmen aller Zeiten, ist vielleicht der beste Actionfilm aller Zeiten. Alles, was danach kam, musste zwangsläufig enttäuschen, und so verlor sich mit der Zeit auch mein Interesse an den weiteren Aufgüssen. Interessant, dass das die Macher von „Terminator: Dark Fate“ wohl ähnlich sahen, denn kurzerhand wird alles nach „Terminator 2“ ausradiert, und der neue Film „Terminator: Dark Fate“ setzt auf der Story des zweiten Films auf. Auftritt der alten Garde: Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton, die Mackenzie Davis und Natalia Reyes in den Hauptrollen supporten dürfen. Zwei Dinge fallen dabei auf: Eine Parallelität zu „Terminator 2“ in der Handlung, die dann zwar aufgelöst werden möchte, was aber nicht befriedigend gelingt, und ein Bekenntnis zur Frauenpower. Hier teilen die Damen ein paar g’sunde Watschen aus. Arnies Zutun beschränkt sich im Grunde darauf, seinen massiven Körper zur rechten Zeit zwischen Bösewichter und die Guten zu quetschen, damit Zweitere eine kleine Verschnaufpause haben, um die Wunden zu lecken und ihr Waffenarsenal aufzumotzen. Am Ende geht doch nichts über gelebtes Teamwork. Allerdings hat der neue Terminator-Film ein massives Problem: Die Story. Zum Einen bedient sie sich über eine lange Zeit längst bekannter Themen, um sich am Ende an einem Twist zu versuchen, den der geübte Kinogeher schon beim Vorspann hat kommen sehen, zum Anderen ist sie echt dumm und voller Logiklöcher – ganz anders als die ersten beiden Filme, die natürlich auch ihre Probleme mit der Logik von Zeitreisen hatten, aber die ganze Chose irgendwie noch inhärent stimmig zusammengehalten haben. Bei „Terminator: Dark Fate“ dachten sich die Drehbuchautoren hingegen offenbar schon gleich zu Beginn: ‚Fuck it, Hauptsache, es rummst!‘. Und das tut es. Sogar ein bisschen zu viel. Erholung vom Actiongewitter bietet der Film nicht viel. Immerhin wird er dadurch trotz seiner Laufzeit von deutlich über zwei Stunden nie langweilig. Das muss man ihm zugute halten. Ansonsten: Ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss.


5,0
von 10 Kürbissen

 

Motherless Brooklyn (2019)

Regie: Edward Norton
Original-Titel: Motherless Brooklyn
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi
IMDB-Link: Motherless Brooklyn


Vorhang auf für den Überraschungsfilm der Viennale 2019. Gut, für 735 Personen im ausverkauften Gartenbaukino war der Film tatsächlich eine Überraschung, für eine jedoch nicht. Verneigt euch vor Frau V., langjährige cineastische Begleiterin des Kürbis eures Vertrauens, die mal wieder all ihre dubiosen Quellen angezapft hatte, um in detektivischer Präzisionsarbeit das Geheimnis um den diesjährigen Überraschungsfilm zu lüften. Der Ausruf der Freude, der durch das Kino schallte, als das Warner Bros-Logo zu sehen war, war genuin und durchaus angebracht. Aber wenn wir schon von detektivischer Arbeit sprechen, dann sind wir genau richtig und schon in Edward Nortons Regiearbeit „Motherless Brooklyn“ drin. Darin spielt Edward Norton himself (und ja, es ist verdammt schön, ihn wieder auf der großen Leinwand zu sehen) den vom Tourette-Syndrom geplagten Detektei-Angestellten Lionel Essrog, dessen Boss und Ziehvater Frank Minna (Bruce Willis, der offensichtlich nur noch Rollen spielt, die Frank oder John heißen) seine Nase in die Angelegenheit mächtiger Männer gesteckt hat. Kleiner Spoiler: Bruce Willis muss in diesem Film nicht lange arbeiten. Während sich Bruce nach dem Ende der Dreharbeiten also wieder dem Golfspiel widmen kann, hat Edward Nortons Lionel Essrog alle Hände voll zu tun, um herauszufinden, was zur Hölle sein Boss sich eingebrockt hat. In weiteren Nebenrollen: Unter anderem Alec Baldwin, der einen so markanten Hinterkopf hat, dass man ihn erkennt, bevor man zum ersten Mal sein Gesicht sieht, und Willem Dafoe, der derzeit echt gut im Geschäft ist. Was sich dann entspinnt, ist ein von vielen tourette’schen „If“s durchzogener Film Noir, der richtig gut aussieht, aber im Mittelteil zu langatmig erzählt wird und dann mit klischeehaften Wendungen aufweist, die man schon von Weitem kommen hat sehen. Das hätte besser sein können. Edward Nortons tolle, sympathische Performance, das gute Setting mit dem Film Noir-Flair und Thom Yorkes hinreißendes Gesäusel auf dem Soundtrack reißen den Film aber dann doch noch raus.


6,5
von 10 Kürbissen

Ich war zuhause, aber … (2019)

Regie: Angela Schanelec
Original-Titel: Ich war zuhause, aber …
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama
IMDB-Link: Ich war zuhause, aber …


Der silberne Bär in Berlin für die beste Regie. Die Kritiker überschlagen sich mit Lob. Es ist nur Gutes über Angela Schanelecs „Ich war zuhause, aber …“ zu lesen. Dementsprechend gespannt war ich auf die Sichtung dieses Films, zumal ich ja schon einige Filme von Schanelec gesehen habe – mal mit mehr Interesse, mal mit weniger. Leider funktioniert aber ausgerechnet nun das hochgelobte neue Werk für mich überhaupt, nicht, auch wenn ich seine unbestrittenen Qualitäten erkennen kann. Schanelec perfektioniert hierin ihre sehr eigentümliche Weise, sich filmisch mit der Welt auseinanderzusetzen. Da treffen autobiographische Bezüge auf die Form des Essays, da vermischen sich die Theatralik der Sprache mit der Alltagswelt. All das ist hier stringent und durchdacht – und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen war „Ich war zuhause, aber …“ ein Film, den ich am liebsten vorzeitig verlassen hätte. Und ja, es liegt an mir, nicht am Film. Aber ich gehöre zu jenen Film-Aficionados, die ein Mindestmaß an Geschichte brauchen und eine Entwicklung, wie subtil auch immer, spüren möchten, um sich in einen Film hineinfallen zu lassen. Das verwehrt mir Angela Schanelec in ihrem neuesten Film komplett. So haben mich andere Werke wie Orly oder Marseille noch interessiert, da gab es Figuren, mit denen ich mitfühlen konnte, da gab es Figuren, bei denen ich unter der abweisenden Oberfläche so etwas wie ein inneres Verlangen nach Leben gespürt habe – in „Ich war zuhause, aber …“ jedoch sind die Figuren fast ausschließlich reduziert auf ihre Funktion als Projektionsflächen für Ideen rund um Sprache, Theater, Verlust und Verlustangst. Das ist mir persönlich zu wenig. Und so kann ich mich (leider) nicht in den allgemeinen Lobgesang einfügen. Ich war zuhause, aber hätte der Postbote geläutet mit der DVD von Schanelecs Film, ich hätte ihm nicht aufgemacht.


3,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)

Fire Will Come (2019)

Regie: Oliver Laxe
Original-Titel: O Que Arde
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama
IMDB-Link: O Que Arde


Ein verurteilter Pyromane tritt nach seinem Gefängnisaufenthalt die Heimreise in sein galizisches Dorf an. Dort wird er zwar nicht mit offenen Armen empfangen, aber es ist okay, dass er wieder da ist. Langsam nähert er sich seiner alten Mutter wieder an, und auch die Nachbarn sind bemüht, ihn nicht links liegen zu lassen. Normalität kehrt ein, und in Oliver Laxes „O Que Arde“ folgen wir dieser Normalität, die unspektakulär ist und damit auch ein wenig banal und langatmig. Aber gut, so ist die Wirklichkeit nun mal. Doch dann bricht ein Feuer aus. Oliver Laxe hat mich mit seiner letzten Regiearbeit Mimosas schon sehr überzeugen können, also war ich gespannt auf sein neuestes Werk, das diesmal in seiner spanischen Heimat angesiedelt ist. Kameramann Mauro Herce fängt die wilde Landschaft Galiziens auch in eindrucksvollen Bildern ein. Was schon für „Mimosas“ gegolten hat, gilt auch hier: Filme von Oliver Laxe sehen eindrucksvoll aus. Die Substanz hinter den Bildern ist freilich ausbaufähig, zumindest in „O Que Arde“. Wenn man nicht konzentriert dabei bleibt, führt die Subtilität des Films vielleicht auch mal zu einem ungewollten Nickerchen. „O Que Arde“ ist ein Film, der die Mitarbeit der Zuseher erfordert. Denn die Geschichte entwickelt sich nur dann, wenn man sie in den sparsamen Bewegungen erkennen kann und die Leerstellen für sich selbst ausfüllt. Das kann manchmal durchaus animierend sein. „O Que Arde“ ist aber vielleicht den Tick zu subtil, zu langsam, um mich für diese Art von Mitarbeit begeistern zu können. Gut gespielt ist das Drama aber jedenfalls. Amador Arìas Mon als stoischer Pyromane Amador und Benedicta Sánchez als dessen Mutter machen ihre Sache sehr gut. Oliver Laxe hat in der Besetzung auf Laiendarsteller gesetzt – und das macht sich bezahlt. Denn ihre kargen Gesichter verkörpern das raue Leben am galizischen Land so gut, wie es kein professioneller Schauspieler könnte. Dennoch ist „O Que Arde“ im Vergleich zu „Mimosas“ eher eine Enttäuschung, wenngleich beileibe kein schlechter Film.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)