Bis dass der Tod sie scheidet (2015)

Regie: Elizabeth Allen Rosenbaum
Original-Titel: Careful What You Wish For
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Thriller
IMDB-Link: Careful What You Wish For


Spätpubertärer Teenager, der keine Erfahrung mit Girls hat, fährt mit seinen Eltern, die ihm so ähnlich sehen wie Sushi und Schweinsbraten ähnlich schmecken, auf Sommerurlaub an die Küste, lernt dort die scharfe Nachbarin und deren erfolgsverwöhnten Macho-Ehemann kennen, der viel auf Reisen ist, bei der ersten Begegnung des hormongeplagten Jünglings mit der magersüchtigen Schönen fallen gleich die Hüllen, der Ehemann ist eifersüchtig, das Frauchen schutzbedürftig, es folgen dramatische Wendungen und all das wird begleitet von melodramatischer Musik. Voilà, hier haben Sie einen Thriller der Marke „Wir haben noch fünf Millionen Dollar Budget übrig, die wir verbraten müssen, damit der Jahresgewinn nicht so hoch ausfällt, der Steuern wegen warat’s“ oder auch „Hirn aus, DVD rein“. Wenn’s wenigstens Tutteln zu sehen gäbe abgesehen von einer völlig überraschenden (*gähn*) Wet T-Shirt-Post-Gewitter-Szene, dann hätte man wenigstens ruhigen Gewissens noch das Label „Erotikthriller“ argumentieren können. Aber nachdem sich der Film diesbezüglich arg züchtig gibt und auch sonst außer ein paar angedeutet heißen Küssen und dem Auffangen einer herunterfallenden Milchflasche mit dem nackten Fuß keinerlei hormonelle Aufregung zu verkraften ist, fällt selbst der voyeuristische Aspekt weg. Wenn die Chemie ausfällt, gibt’s eben auch keine Biologie. So bleibt nur die Erkenntnis, dass mal jemand Isabel Lucas zum Essen ausführen sollte (viele Kohlehydrate, bitte, die Holde fällt sonst noch vom Schemel) und dass es manchmal auch solche Gurken braucht, um uns daran zu erinnern, was einen richtig guten Film ausmacht.


2,5
von 10 Kürbissen

Der Fall Collini (2019)

Regie: Marco Kreuzpaintner
Original-Titel: Der Fall Collini
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi
IMDB-Link: Der Fall Collini


Zugegeben, meine Erwartungshaltung für diesen Film war gedämpft. Ich bin nicht unbedingt ein großer Krimi-Fan, und auch wenn Ferdinand von Schirachs Bücher einen guten Ruf genießen, so war ich angesichts der Verfilmung seines Romans „Der Fall Collini“ im Vorfeld nicht unbedingt euphorisch. Wenn mich der Kollege vom Filmgenuss nicht mitgenommen hätte, wäre dieser Film wohl unbesehen an mir vorbeigegangen. Allerdings hätte ich dann durchaus einen Filmgenuss verpasst. (Hö hö hö, samma wieder witzig heute). „Der Fall Collini“ von Marco Kreuzpaintner ist natürlich vordergründig erst einmal ein klassischer Justiz-Krimi. Der junge Rechtsanwalt Caspar Leinen, gespielt von Elyas M’Barek, bekommt eine Pflichtverteidigung aufs Auge gedrückt, dessen Tragweite er erst nach und nach begreift. Der Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) hat in einem Hotelzimmer den Industriellen Jean-Baptiste Meyer erschossen. Was Leinen zu Beginn nicht mitbekommt: Er selbst kennt diesen Meyer sehr gut, war von Kindheit an freundschaftlich mit ihm verbunden, ja, sogar eine Art Vaterersatz war dieser Meyer für ihn. Allerdings kannte er ihn – wie alle in seinem Umfeld – unter dem Namen Hans Meyer. Dennoch nimmt er die Pflichtverteidigung an. Beggars can’t be choosers. Und außerdem wird er als Verteidiger ohnehin immer wieder Leute verteidigen müssen, die ihm nicht zu Gesicht stehen, wie der Rechtsprofessor Dr. Mattinger (Heiner Lauterbach mit Prinz Eisenherz-Gedächtnisfrisur) einwendet, also warum nicht gleich damit beginnen? In weiterer Folge entspinnt sich ein spannendes, in gedämpften Farben gefilmtes Gerichtsdrama, das sich qualitativ vor Hollywood-Produktionen nicht zu verstecken braucht. Schauspielerisch ist zwar noch Luft nach oben (so spielt Elyas M’Barek sympathisch, aber recht eindimensional, Alexandra Maria Lara als Enkelin des Ermordeten ist bemüht, kommt aber gegen eine unrund geschriebene Figur nicht wirklich an, und Heiner Lauterbach ist in der Rolle als zynischer, aalglatter Rechtsgelehrter eine ziemliche Vorgabe – einzig Franco Nero brilliert wirklich) und auch manche Wendungen sind dann doch recht vorhersehbar, aber der Spannungsbogen wird dennoch ständig hochgehalten und etliche übliche Klischeefallen wie etwa potentielle Love Interests vermeidet der Film gekonnt. Die Auflösung ist berührend und nachvollziehbar. Ich sag’s ja seit Jahren: In Deutschland werden wirklich gute Filme gedreht. Man muss nur wissen, welche.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin)

Rebecca (1940)

Regie: Alfred Hitchcock
Original-Titel: Rebecca
Erscheinungsjahr: 1940
Genre: Drama, Thriller, Krimi
IMDB-Link: Rebecca


Es gehört zu den großen Missverständnissen der Filmgeschichte, dass Kobe Bryant einen Oscar hat und Sir Alfred Hitchcock nicht. Dabei sorgte gleich Hitchcocks erste US-Produktion, die Verfilmung von Daphne du Mauriers Welterfolg „Rebecca“, bei den Oscars für Furore. 11 Nominierungen, darunter jene für die beste Regie, letztlich zwei Auszeichnungen, darunter aber auch jene als bester Film – nur ging diese nicht an Hitchcock, sondern an den Produzenten David O. Selznick. Im Nachhinein konnte sich Hitchcock wohl damit trösten, zu wissen, einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte geworden zu sein. Warum das so ist, zeigt das frühe Werk „Rebecca“ schon sehr deutlich: Der atmosphärisch dichte Spannungsaufbau durch Kamerafahrten durch neblige Wälder, ungewöhnliche Perspektive und geschliffen vorgetragenen Dialogen macht ihn zum Meister des Suspense. Als exemplarisch sei jene großartige Szene erwähnt, in der Maxim de Winter, gespielt von Superstar Laurence Olivier, seiner neuen Frau (wunderbar fragil gespielt von Joan Fontaine) von der letzten Begegnung mit seiner verstorbenen Frau Rebecca erzählt und die Kamera der Erinnerung von Rebecca folgt, also auf den leeren Raum hält, in dem sie zum damaligen Zeitpunkt der Begegnung gestanden ist. Und plötzlich manifestiert sich vor dem inneren Auge des Zusehers jene geheimnisvolle Schöne, die wir kein einziges Mal zu Gesicht bekommen. Selten wurde eine Abwesende wirkungsvoller und plastischer inszeniert als in Hitchcocks Film. Natürlich ist der Film trotz allem ein Kind seiner Zeit und weist historisch bedingte Schwächen auf, die einen heute die Stirn runzeln lassen. Sei es das Frauenbild, das hier gezeigt wird, oder das übertriebene Macho-Gehabe von Maxim de Winter, mit dem ich bis zum Schluss nicht warm geworden bin. Diesbezüglich waren andere Filme aus der damaligen Zeit durchaus fortschrittlicher und moderner. Die grandiose Inszenierung lässt aber auch über solche Mängel hinwegsehen, und so ist „Rebecca“ auch heute noch ein spannendes und toll gefilmtes Vergnügen.


7,5
von 10 Kürbissen

Stan & Ollie (2018)

Regie: Jon S. Baird
Original-Titel: Stan & Ollie
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Biopic, Komödie, Drama
IMDB-Link: Stan & Ollie


Wir schreiben das Jahr 1953. Die legendären Komiker Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) sind schon etwas in die Jahre gekommen, ihre Filme gelten bereits als Klassiker, doch statt große Hallen zu füllen, spielen sie vor einem kleinen Publikum in englischen Industriestädten und wohnen in heruntergekommenen Hotels. Der Zahn der Zeit. Diese England-Tournee soll den Weg bereiten für einen neuen Film der beiden, die Adaption des Robin Hood-Stoffs, an dem Stan Laurel arbeitet. Doch es ist alles nicht so einfach. Der Produzent ist telefonisch nicht erreichbar, der Tournee-Veranstalter Bernard Delfont hat im Vorfeld kaum Werbung gemacht und dann plagen Oliver Hardy auch noch gesundheitliche Probleme. Die Ankunft der Ehefrauen (Shirley Henderson und Nina Arianda) bringt eine zusätzliche Dynamik in das Geschehen. Am Ende ist „Stan & Ollie“ ein recht konventionelles Biopic über eine langjährige Freundschaft und die Zeit nach dem Ruhm und die Suche nach dem Erfolg der Vergangenheit, das den Zuseher in alter Tradition zufrieden aus dem Kinosaal gehen lässt. Allerdings hat der Film zwei, eigentlich drei große Trümpfe in der Hand, die er gekonnt ausspielt: Steve Coogan, John C. Reilly und Nina Arianda. Die beiden Ersteren sind genial in ihren Rollen als Laurel & Hardy. Die beiden gehen vollends auf in den Rollen der beiden Komiker, die so großartig darin waren, die Komik im Körperlichen zu finden. Sie haben alle Nuancen drauf und verschwinden als Schauspieler völlig in ihren Rollen. Vor allem Steve Coogan spielt unglaublich charismatisch, aber auch John C. Reilly ist toll. Zwei wahnsinnig unterschätzte Schauspieler, auch wenn beide bereits für einen Oscar nominiert waren. Es ist schön, sie dabei zu sehen, wie sie ihr ganzes Können ausspielen. Der dritte kleine Trumpf ist die schon erwähnte Nina Arianda, die mir vorher kein Begriff war. Sie spielt ihre Ida, die russische Frau von Stan Laurel, zum Niederknien mit einem trockenen Humor und gleichzeitig einem solch liebevollen Stolz auf ihren berühmten Mann, dass sie wirklich allen die Szenen stiehlt, wenn sie zu sehen ist. „Stan & Ollie“ ist also großes Schauspielkino, das Spaß macht und dem man dann gerne auch die eine oder andere kleine Schwäche im Drehbuch verzeiht.


7,0
von 10 Kürbissen

Nur eine Frau (2019)

Regie: Sherry Hormann
Original-Titel: Nur eine Frau
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama
IMDB-Link: Nur eine Frau


Im Februar 2005 wurde in Berlin die 23jährige Türkin Hatun Aynur Sürücü von ihrem Bruder erschossen. Der Grund dafür: Ein Ehrenmord. Mit ihrem selbstbestimmten Leben hatte Hatun Sürücü die Ehre ihrer Familie beleidigt. Dieses Thema griff schon Feo Aladag 2010 in ihrem Film Die Fremde auf. Doch während Aladag die Geschichte abgewandelt erzählte und sich nur von dem realen Mord an Sürücü inspirieren ließ, bringt Sherry Hormann nun die wahre Geschichte der jungen Frau auf die Leinwand – so wahr Filmbiographien halt sein können. Der Kunstgriff, Hatun Sürücü, die von allen Aynur genannt wird, nach ihrem Tod selbst aus dem Off erzählen zu lassen, erweist sich allerdings als wenig hilfreich. Denn von Beginn an fühlt sich der Film dadurch artifiziell an. Ja, Sam Mendes hat das in „American Beauty“ auch gemacht, und er ist damit durchgekommen, aber dort war die Stimme aus dem Off organischer eingearbeitet. Sherry Hormanns Aynur hingegen klingt beliebig und kommentiert in einer Nüchternheit, die Distanz schafft. Auch die Entscheidung, die Geschichte immer wieder durch Fotos zu erzählen statt durch Bewegtbilder, wirft den Zuseher raus. Am fatalsten ist es aber aus meiner Sicht, immer wieder Aufnahmen (Fotos und Videoaufzeichnungen) der realen Aynur Sürücü und deren Umfeld einzuflechten. Es wirkt so, als müsse uns Sherry Hormann immer wieder darauf hinweisen: „Seht nur, das ist tatsächlich alles passiert!“ Nur leider lenkt dieser Kniff von der Geschichte ab. Auch handwerklich ist das alles eher mau geraten. Echte Schnitzer wie beispielsweise moderne Autos aus unserem Jahrzehnt, die durch das Berlin des Jahres 1998 fahren, oder Plakate, die Veranstaltungen im Jahr 2018 ankündigen, während die Geschichte gerade im Jahr 2002 angelangt ist, dürfen auf einem solchen Niveau einfach nicht passieren. Und so ist „Nur eine Frau“ trotz des wichtigen Themas leider eine dröge Nacherzählung mit stilistisch unzureichenden Mitteln. Wer sich wirklich mit dem Thema und den Hintergründen dazu beschäftigen möchte, sollte sich lieber Feo Aladags Films ansehen.


3,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

M.A.S.H. (1970)

Regie: Robert Altman
Original-Titel: M.A.S.H.
Erscheinungsjahr: 1970
Genre: Satire, Anti-Kriegsfilm
IMDB-Link: M.A.S.H.


Die Abkürzung M.A.S.H. steht für Mobile Army Surgical Hospital, also ein mobiles Armee-Lazarett, in dem die im Kampf Verwundeten notdürftig zusammengeflickt werden. Chirurgen, die sich so einen Dienst antun, müssen einen an der Waffel haben. Das zeigt Robert Altmans oscar-prämierter Film „M.A.S.H.“ aus dem Jahr 1970 mit Donald Sutherland und Elliott Gould in den Hauptrollen als zynische, opportunistische Chirurgen, deren Hauptbeschäftigungen neben den ziemlich blutigen Metzgerarbeiten das Verführen von Krankenschwester, das Golfspielen auf Helikopter-Landeplätzen und das Trinken extratrockener Martinis sind. Die dann doch vorhandene altruistische Ader zeigt sich, wenn man dem Kollegen, einem gut ausgestatteten Zahnarzt mit Erektionsproblemen, dabei hilft, seinem Leben mit Hilfe der „schwarzen Pille“ und einem Abschiedsgeleit a la letztem Abendmahl ein Ende zu setzen, nur um ihn dann dank tatkräftiger Unterstützung der attraktiven Krankenschwester wieder von den Toten aufzuerwecken. Zugegeben, diese Szene ist brillant und saukomisch. Allerdings hakt es bei „M.A.S.H.“ aus meiner Sicht an dem losen Aneinanderreihen komischer und absurder Szenen, die völlig beliebig nebeneinanderstehen und keinerlei Charakterentwicklung sichtbar machen lassen. Abgesehen von der Entwicklung der von Sally Kellerman gespielten Oberschwester, die zunächst höchst moralische und christliche Vorstellungen in den Ring wirft gegen das Sodom und Gomorrha, das sie vorfindet, und dann am Ende zum unterwürfigen Anhängsel wird, das beim finalen Football-Spiel hysterisch auszuckt. Gags. Gags. Gags. Eh ganz nett anzusehen, allerdings für mich ob der offenkundigen Mängel bei weitem nicht das Meisterwerk, als das der Film gerne rezipiert wird.


5,5
von 10 Kürbissen

Harlekin (1931)

Regie: Lotte Reiniger
Original-Titel: Harlekin
Erscheinungsjahr: 1931
Genre: Animation, Kurzfilm
IMDB-Link: Harlekin


In der Filmkunst Lotte Reinigers liegt eine besondere Magie. Mit einfachen Scherenschnitten erweckte sie fantastische Helden und Orte zum Leben. Sie gilt als Pionierin des Trickfilms und war, was Kreativität und liebevolle Detailgestaltung betrifft, ihrer Zeit wohl deutlich voraus. Ihr Kurzfilm „Harlekin“ von 1931 ist ein Meisterwerk, das nur übertroffen wird von ihrem fünf Jahre zuvor erschienenen Langfilm Die Abenteuer des Prinzen Ahmed. In „Harlekin“ erzählt sie die Geschichte eines gefallenen Narren, der zunächst durch die Gegend streicht und Unsinn anstellt, sich dann aber in eine Zofe verliebt, während deren Herrin selbst ein Auge auf den Harlekin geworfen hat. Das führt natürlich zu unangenehmen Verwicklungen. Großartig ist neben der vielschichtig aufgebauten Story auch die Umsetzung mit Landschaften, die aufgrund von mehreren Schichten eine außergewöhnliche Tiefenwirkung bekommen. Aber auch Details wie beispielsweise eine Nacktszene überraschen und unterstreichen das Visionäre in Reinigers Werk. Ich hätte kaum geglaubt, dass man dermaßen mit Papierfiguren, die noch dazu als Schatten auf dem Bildschirm tanzen, so mitfiebern kann. Aber dank ihrer Besessenheit und Detailverliebtheit gelang es Reiniger, diesen Papierschatten eine Seele einzuhauchen. Wer Filme liebt und Kreativität zu schätzen weiß, kommt an Lotte Reinigers Scherenschnitt-Filmen, die ausgezeichnet gealtert sind, nicht vorbei. Noch dazu ist ihr Werk größtenteils frei zugänglich über Plattformen wie Youtube und Co. Ausreden gibt es also nicht.


8,0
von 10 Kürbissen

Die Hexe und der Zauberer (1963)

Regie: Wolfgang Reitherman
Original-Titel: The Sword in the Stone
Erscheinungsjahr: 1963
Genre: Animation
IMDB-Link: The Sword in the Stone


Eintauchen in Kindheitserinnerungen. Ein Disney-Klassiker, den ich immer wieder sehen konnte, ist „Die Hexe und der Zauberer“, auch bekannt als „Merlin und Mim“. Über den kauzigen Kauz Archimedes konnte ich mich jedes Mal wegschießen. Der kleine Floh, der später zum großen König Arthur werden sollte, bot eine spannende Identifikationsfigur, Merlin war einfach der coole Onkel oder Opa, den jeder gerne gehabt hätte, und der hungrige Wolf stahl allen die Show. Doch oft entpuppen sich die Lieblinge der Kindheit zwanzig (na gut, dreißig) Jahre später als lahme Enten. Eines wird bei der Sichtung von „Die Hexe und der Zauberer“ drei Jahrzehnte später deutlich: Der Aufbau der Geschichte, die Szenenfolge, der Humor richten sich ganz klar an ein sehr junges Publikum. Allzu viele zusätzliche Ebenen, auf denen auch Erwachsene etwas aus der Story für sich herausziehen können, gibt es nicht. Dennoch gelingt es dem Film, auch mich als Erwachsenen mitzunehmen und königlich zu unterhalten. Wenn Archimedes seinen Lachflash bekommt und fast aus dem Turm fällt, kann ich auch heute noch von Herzen mitlachen. Merlins Zaubereien, die vielleicht nicht immer so glücklich enden, wie er sich das erhofft, sind auch jetzt noch liebevoll gestaltet und unterhaltsam anzusehen. Und was die Artus-Sage betrifft: Der Stoff geht bei mir immer, auch wenn am Ende ein kleiner Junge namens Floh, der zuvor ein Fisch, ein Eichhörnchen und ein Vogel gewesen ist, am Thron sitzt und von einem weißbärtigen Zauberer in Bermuda-Shorts beraten wird. Manch ein Zauber hält auch lange nach der Kindheit an.


7,5
von 10 Kürbissen

Der große Eisenbahnraub (1903)

Regie: Edwin S. Porter
Original-Titel: The Great Train Robbery
Erscheinungsjahr: 1903
Genre: Kurzfilm, Western, Action
IMDB-Link: The Great Train Robbery


Was soll der Scheiß? „Der große Eisenbahnraub“ wird angekündigt als Actionfilm und Western mit wilden Schießereien und spannenden Szenen und Verfolgungsritten, und dann das! Lahmarschige 12 Minuten (Avengers: Endgame dauerte 182 Minuten, das ist mal value for money!) sehen wir ein paar Nasen zu, wie sie durch die Landschaft hirschen und versuchen, einen Zug auszurauben. Die Actionszenen sind lahm, die Special Effects lachhaft (ganz miese CGI!), das Bild ist pixelig und von Method Acting haben die Schauspieler wohl auch noch nie etwas gehört. Und so ein Blödsinn gehört zu den „1001 Filmen, die man sehen sollte, bevor das Leben vorbei ist“. Geht’s noch? Das Beste: In einer Einstellung sieht man, wie eine Puppe vom Zug geworfen wird! Haben die keine Stunt-Leute gehabt? Man sieht dem Film einfach in allen Belangen an, wie billig er produziert wurde. Aber für ein gutes B-Movie fehlt ihm der selbstironische Humor. Die haben das tatsächlich ernst gemeint, als sie diesen Film gedreht haben! Und was soll diese lächerliche Szene am Schluss, als der Eisenbahnräuber in Richtung Kamera ballert? Durchbrechung der vierten Wand – moi, was für eine ungewöhnliche Idee, auf die ist ja noch nie jemand gekommen! (Schnarch.) Eine herbe Enttäuschung. Aber zum Glück kommt bald „John Wick 3“ ins Kino. Da kann man dann sehen, wie Actionkino richtig geht.


6,0
von 10 Kürbissen

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu (2019)

Regie: Rob Letterman
Original-Titel: Pokémon: Detective Pikachu
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie, Fantasy
IMDB-Link: Pokémon: Detective Pikachu


Für Pokémon bin ich einfach ein paar Jahre zu alt. So sind mir zwar Pikachu und das Grundprinzip von Pokémon bekannt, aber eine richtige Bindung konnte ich dazu bislang nie aufbauen. In Sachen Werkstreue der Realverfilmung der beliebten Anime-Serie und Computerspiel-Reihe muss ich mich also auf die Expertise meiner Freundin verlassen. Und nachdem sie mit einem begeisterten Grinsen den Kinosaal verließ, gehe ich davon aus, dass Pokémon-Fans hier voll auf ihre Kosten kommen. Das spricht also schon mal sehr für Rob Lettermans Film. Aber haben auch jene Zuseher, die mit Pokémon bislang nicht oder nur wenig in Berührung gekommen sind, auch Spaß? Ein bisschen kindisch wirken sie ja schon, diese knuffigen Anime-Tierchen mit den großen Knopfaugen. Selbst ein Ryan Reynolds als Pikachus Stimme hält sich hier zurück mit Zoten und macht keinen auf Seth MacFarlanes Ted. „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ ist ein Vergnügen auch für Jüngere. Der Film weiß, wen er ansprechen möchte, und er findet auch die richtigen Mittel dazu bzw. den gemeinsamen Nenner zwischen 11jährigen und 31jährigen Pokémon-Fans. Wenig überraschend geht dieses Fan-Pleasing ein wenig zulasten der Story, die die fast schon üblichen Logiklöcher aufweist, die man von einer solchen Produktion erwarten kann – wenn beispielsweise 50 Stockwerke zu Fuß binnen drei Sekunden überwunden werden. Aufs Detail darf man eben nicht schauen. Wenn man solche Grobschnitzereien aber übersehen und Fünf mal gerade sein kann, wird man mit diesem Film überraschend gut unterhalten – auch als Pokémon-Neuling.


6,0
von 10 Kürbissen