Asterix erobert Rom (1976)

Regie: René Goscinny, Albert Uderzo und Pierre Watrin
Original-Titel: Le 12 travaux d’Astérix
Erscheinungsjahr: 1976
Genre: Animation
IMDB-Link: Le 12 travaux d’Astérix


Manchmal ist es eine gute Idee, von Vorlagen abzuweichen. „Asterix erobert Rom“ war der erste Zeichentrickfilm rund um die widerspenstigen Gallier, der nicht auf einem Comic beruhte. Und dem Film tut das richtig gut – denn Goscinny und Uderzo konnten ein Drehbuch entwickeln, das dem Storytelling des Films näherkommt als jenem in Comics. So ist aus „Asterix erobert Rom“ wortwörtlich eine runde Geschichte geworden. Und damit der bislang beste Zeichentrickfilm rund um die Abenteuer der Gallier. Zwölf Prüfungen, die ihnen Julius Cäsar auferlegt hat, müssen Asterix und Obelix bestehen – gemäß des Beispiels von Herakles, der zwölf göttliche Aufgaben lösen musste, um in den Olymp aufgenommen zu werden. Der Olymp ist für die Gallier nicht das Ziel, aber etwas, was dem ziemlich nahe kommt: Rom! Denn Cäsar verspricht, sich vor den Galliern zu beugen und ihnen die Herrschaft über Rom zu überlassen, wenn sie die Prüfungen bestehen, denn dann – so seine Schlussfolgerung – müssen sie Götter sein, und gegen Götter kommt man nicht an. Umgekehrt aber, falls sie bei einer Prüfung versagen sollten, werden die Gallier zu Sklaven Roms. Unter den prüfenden Blicken des unbestechlichen Caius Pupus (vielleicht eine der witzigsten Nebenfiguren im Asterix-Universum überhaupt) nehmen die beiden Vorzeigegallier also die witzig adaptierten Prüfungen in Angriff. Der Höhepunkt des Films ist sicherlich, als sie im Haus, das Verrückte macht, den Passierschein A38 besorgen sollen. Diese Szene ist in die Filmgeschichte eingegangen und zu einem geflügelten Wort geworden. Zwar erreicht auch das dritte Filmabenteuer der Gallier nicht ganz die Genialität der Comic-Vorlagen, ist aber dennoch in fast allen Belangen gelungen und büßt auch nach der x-ten Sichtung nichts von seinem Charme ein.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Asterix und Kleopatra (1968)

Regie: René Goscinny, Lee Payant und Albert Uderzo
Original-Titel: Astérix et Cléopâtre
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Animation
IMDB-Link: Astérix et Cléopâtre


Gleich vorweggenommen: Ich bin ein großer Fan der Asterix-Comics. René Goscinny und Albert Uderzo haben mit diesen liebevoll gezeichneten und erzählten, aber gleichzeitig hintersinnigen und intelligenten Comics etwas Zeitloses geschaffen, was ich mir auch als alter Tattergreis in 50 Jahren noch gerne und regelmäßig zur Hand nehmen werde, um in den Abenteuern der furchtlosen Gallier zu schmökern. „Asterix und Kleopatra“, ein relativ früher Band der Reihe, bietet ein Beispiel für diesen großartigen Schmäh, den die Herrschaften hatten: Als der Ägypter Numerobis aus Alexandria um Hilfe suchend ins gallische Dorf kommt und den Druiden Miraculix erleichtert mit den Worten „Ich bin, mein lieber Freund, sehr glücklich, dich zu sehen!“ begrüßt, erklärt dieser mit Blick auf Asterix und Obelix: „Das ist ein Alexandriner!“ Wenn man nun weiß, dass ein Alexandriner auch ein jambisches Versmaß mit sechs Hebungen und einer Zäsur genau in der Mitte ist, bekommt die Begrüßung von Numerobis plötzlich eine völlig andere Bedeutung. „Ich bin, mein lieber Freund / sehr glücklich, dich zu sehen!“ Dieses wunderbare Beispiel zeigt auch gleich mal ein Problem der Asterix-Verfilmungen auf: Denn auch wenn diese mit viel Liebe zu den Figuren inszeniert sind, so richten sich diese dann doch an ein junges Publikum, für das man eine andere Art von Humor braucht. Um diese abzuholen, braucht es lustige Lieder (die gerne von psychedelisch anmutenden Trickfilmsequenzen begleitet werden) und Slapstick. Und auch wenn diese kindliche Ebene inhärent auch in den Comics angelegt ist, so geht doch ein Stück von der Genialität der Vorlage verloren. Zudem muss man sagen, dass sich Goscinny, Uderzo und Payant bei „Asterix und Kleopatra“ vielleicht in der Handlung etwas zu sklavisch an der Vorlage orientiert haben, aber auch hier: Das Medium Comic funktioniert anders als das Medium Film. Und so plätschert im Film die Handlung, die im Comic-Format noch gut unterhält, etwas träge vor sich hin. Die späteren Filme haben das dann besser gemacht, indem sie sich weiter von den Vorlagen entfernt haben, um etwas Neues und Eigenes und dem Bewegtbildformat Angemessenes zu kreieren. Nichtsdestotrotz ist es auch heute noch eine Freude, in die Filme der Kindheit einzutauchen, und wenn es nur das Nostalgieempfinden ist, das hiermit bedient wird.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Mädchen in Uniform (1931)

Regie: Leontine Sagan und Carl Froelich
Original-Titel: Mädchen in Uniform
Erscheinungsjahr: 1931
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Mädchen in Uniform


Man wäre ja geneigt, in eine Rezension wie diese mit Schlagwörtern wie „Love is Love“ einzusteigen oder auf die medial gerade hochgekochte Diskussion einzugehen, ob nur Menschen, die menstruieren, Frauen sein können. „Mädchen in Uniform“ von Leontine Sagan mit künstlerischer Beteiligung von Carl Froelich sieht fast wie ein Statement zu Diskussionen aus, die wir fast 90 Jahre später immer noch (zurecht) führen müssen. Auch wenn die Grenzen heutzutage schon etwas weiter weg verlaufen als im Deutschland der Weimarer Republik, als ein Leinwandkuss zwischen zwei jungen Damen etwas Ungebührliches war. Jedenfalls ist es schon erstaunlich, dass ein Film aus den 30ern auch heute noch relevant und in vielerlei Hinsicht frisch wirkt. Allein deshalb lohnt sich schon die Sichtung. Allerdings ist die inhaltliche Brisanz der angedeuteten gleichgeschlechtlichen Liebe zwischen einer Internatslehrerin (Dorothea Wieck) und einer Schülerin (Hertha Thiele) nicht der einzige Grund, der für den Film spricht. Tatsächlich ist gerade das Spannungsfeld zwischen strengem Mädcheninternat in Potsdam Ende der 20er-Jahre und der progressiven Love-is-Love-Attitüde enorm interessant anzusehen. Inklusive einem bitteren Foreshadowing, wenn die gestrenge Oberin (Emilia Unda) über die Mädchen meint: „Soldatenkinder. Und, so Gott will, werden sie auch Soldatenmütter!“, eine gruselig prophetische Stelle. Auch was den Spannungsaufbau und technische Elemente wie die Kameraführung und Schnitte betrifft, hat sich der Film gut ins Heute gerettet. Die darstellerischen Leistungen sind zwar vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu exaltiert, aber auch nicht wirklich störend. Auch ist zu erwähnen, dass „Mädchen in Uniform“ ausschließlich weiblich besetzt ist. Kein Wunder also, dass der Film als frühes feministisches Werk gefeiert wird und auch heute noch in der LBGT-Gemeinschaft hohes Ansehen genießt. Es wäre aber schade, würde der Film dieser Gemeinschaft vorenthalten bleiben – also mein Rat an alle Film-Aficionados da draußen: Tut euch den Gefallen und werft mal einen Blick hinein. Gibt es zur Gänze auf Youtube zu sehen, aber pssst – das habt ihr nicht von mir …


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Verblendung (2011)

Regie: David Fincher
Original-Titel: The Girl with the Dragon Tattoo
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Krimi, Thriller
IMDB-Link: The Girl with the Dragon Tattoo


David Fincher und Thriller, das passt wie Sachertorte und Schlagobers, wie Birkenstock-Schlapfen und Duftkerzen, wie blaue Spitzenpolitiker und Ibiza. A Match Made in Heaven. Und auch wenn der Meister der gepflegten Spannungsunterhaltung mal nicht auf der absoluten Höhe seiner Kunst ist, beweist der Mann zumindest eine solche Handfertigkeit, dass das Resultat seiner Bemühungen jedenfalls als gelungen zu bezeichnen ist. So auch bei dem Remake der Verfilmung des ersten Teils der Millennium-Thriller-Reihe des schwedischen Bestseller-Autors Stieg Larsson. Und nein, dafür gibt es keine Kreativitätspunkte, wenn man das Recycling vom Recycling in die Welt wirft, aber unter der wie immer konzentrierten Regie von David Fincher kann man sich auch so einen Film einmal gönnen, zumal er mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer und Stellan Skarsgård eine illustre Besetzung aufweisen kann, die sich auch ordentlich ins Zeug legt. Wenn man dann, so wie ich, weder die Buchvorlagen noch die erste schwedische Verfilmung kennt, ist ohnehin alles wunderbar frisch und damit noch besser genießbar. Für alle Anderen ist der neuerliche Aufguss, der mit einer Laufzeit von über 2,5 Stunden auch recht viel Sitzfleisch abverlangt, zugegebenermaßen vielleicht irrelevant, aber die können dann immerhin nach Sichtung des Films trefflich darüber streiten, ob nun Rooney Mara oder Noomi Rapace die bessere Lisbeth Salander abgibt. Da ich nur Mara in der Rolle kenne, klinke ich mich aus dieser Diskussion aus und halte einfach fest: Die extrem wandelbare Rooney Mara ist auch in dieser Rolle gut aufgehoben. Ansonsten bleibt zu sagen: Der Film ist solide Thriller-Kost, die jetzt nicht unbedingt mit großen Überraschungen glänzt, aber mit einem klaren Fokus auf die Figuren (was ja sehr positiv hervorzuheben ist) inszeniert ist, was den Zuseher auch über einige Leerstellen in der Handlung gut hinweg hebt. Wie gesagt, Fincher und Thriller – da kann prinzipiell nicht viel schiefgehen.

 


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Mulan (1998)

Regie: Tony Bancroft und Barry Cook
Original-Titel: Mulan
Erscheinungsjahr: 1998
Genre: Animation
IMDB-Link: Mulan


Der neueste Schmäh von Disney ist es ja, alte Zeichentrick-Klassiker im Realverfilmungs-Gewand zu recyclen. Das kann man durchaus kritisch betrachten, denn in punkto Kreativität ist das kein Ruhmesblatt. Man kann aber auch das Positive daran hervorheben und sich der zumeist gelungenen Tricktechnik erfreuen, wie sie zuletzt Der König der Löwen zelebriert hat. Für die Neuverfilmung von „Mulan“ geht man hingegen einen neuen Weg, wie es der Trailer vermuten lässt, und erzählt die Geschichte nicht mit dem gleichen Niedlichkeitsfaktor 1:1 nach, sondern wechselt gleich das ganze Genre – zum asiatischen Martial Arts-Film. Und das könnte ganz gut passen. Ein Urteil darüber dann später, wenn der Film bei uns in den Kinos angelaufen ist. Einstweilen ist aber noch genug Zeit, die Vorlage aus dem Jahr 1998 zu sichten. Denn die passt sehr gut in die heutige Zeit, war Mulan doch eine sehr emanzipierte Disney-Heldin. Anstelle des gebrechlichen Vaters zieht sie in den Krieg gegen die Hunnen – verkleidet als Mann und wissend, dass das ihren Tod bedeutet, wenn sie auffliegt. Nicht allzu gut beraten vom Familiendrachen Mushu, der eine Möglichkeit sieht, wieder aufgenommen zu werden in die Hall of Fame der Dynastie, wenn er Mulan beschützt, mischt sie sich unter die Soldaten und macht sich dort gleich einmal so richtig unbeliebt. Denn männliche Verhaltensweisen sind oft erratisch, infantil und schwer zu imitieren. Dass sie am Ende dann doch zur großen Heldin wird, ist angesichts der Produktionsfirma und der Bekanntheit des Films nun kein großer Spoiler. Der Weg dahin ist aber amüsant und mit Tempo erzählt. Und seltener hat man finstere Bösewichte in einem Disney-Zeichentrickfilm gesehen als die Hunnen. Da muss sich sogar Schneewittchens Schwiegermutter hinten anstellen. Braucht es nun eine Realverfilmung dieses Klassikers? Wahrscheinlich nicht, denn das Original ist auch heute noch sehenswert – auch wenn sich die Gags eher an ein jüngeres Zielpublikum richten, da bin ich persönlich schon ein bisschen herausgewachsen. Aber spannend wird es dennoch zu sehen sein, wie man die Brücke vom kindlichen Animations-Abenteuer zum spektakulären Martial Arts-Film schlagen möchte.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1998 – Walt Disney Studios., Quelle: imdb.com)

Abbitte (2007)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: Atonement
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Historienfilm, Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Atonement


Ein falscher Satz, und ein ganzes Leben kann auf den Kopf gestellt werden. Diese Erfahrung machen Cecilia (Keira Knightley) und Robbie (James McAvoy). Cecilias Schwester Briony (eine blutjunge Saoirse Ronan, die gleich ihre erste von mittlerweile vier Oscar-Nominierungen einfahren konnte) vermeint Robbie in einer verfänglichen Situation erwischt zu haben und setzt damit Verkettung unglücklicher Umstände in Gang, die mit bedeutungsvoller Musik und langen Shots auf traurige Gesichter untermalt werden können. Grundsätzlich balanciert „Abbitte“ verfänglich nah am Kitsch entlang. Dass diese Grenze allerdings nie überschritten wird, liegt an den herausragenden inszenatorischen Fähigkeiten von Joe Wright sowie den glanzvollen Darstellerleistungen. Das Drehbuch nach dem Roman von Ian McEwan steuert konsequent auf das Titel gebende Thema zu und scheut sich auch nicht davor, den Zuseher vor unangenehme Situationen zu stellen. Gleichzeitig schwingt allerdings vor allem im ersten Teil des Films eine humorvolle Leichtigkeit mit, die den anschließenden Fall nur umso tiefer macht. Zwar nimmt Joe Wright dadurch einige Längen in Kauf, um eben diese Fallhöhe zu konstruieren, und man hätte die Geschichte durchaus ökonomischer erzählen können, aber das stört in diesem Fall kaum. Man muss sich einfach bewusst sein, dass „Abbitte“ kein Film ist, den man nach einem langen Arbeitstag mal nebenher konsumieren kann. Für „Abbitte“ braucht es am besten einen verregneten Sonntagnachmittag, an dem kein Ungemach durch spontan störenden Besuch droht – und der Film schreit gerade danach,  gemeinsam mit Schokolade und heißem Schwarztee genossen zu werden. Der Tee passt zum Setting, die Schokolade braucht man, um die Melancholie, in die einen der Film hüllt, wieder abschütteln zu können.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

The Nice Guys (2016)

Regie: Shane Black
Original-Titel: The Nice Guys
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Krimi, Komödie
IMDB-Link: The Nice Guys


Das sind richtig nette Kerle: Ryan Gosling als leicht vertrottelter Privatdetektiv mit Alkoholproblem und einem Pornoschnauzer, der Burt Reynolds neidisch blicken lässt, und Russell Crowe als Schläger ohne Gewissen, aber mit zumindest ein paar grauen Gehirnzellen übrig. Ein seltsamer Fall einer toten Pornodarstellerin und einer verschwundenen Politikertochter führt die beiden zusammen. Wie es halt so ist: Jeder hat ein paar Teile des Puzzles, zusammensetzen müssen sie das Bild aber gemeinsam. Was nicht einfach ist, denn die Gegner stellen sich als äußerst mächtig heraus. Noch dazu kann man von den beiden Nice Guys nicht unbedingt sagen, dass sie sich sofort verstehen. „The Nice Guys“ ist ein lakonischer Spaß, der irgendwo zwischen Coen-Brüder-Filmen und „Inherent Vice“ angesiedelt ist, aus meiner Sicht aber aus beiden Ansätzen das Beste vereint. Klar, diese Lakonie, die Melancholie, die in den Figuren angelegt ist und immer wieder von Situationskomik durchbrochen wird, muss man mögen. Wenn man aber einen Draht für solche Filme hat, wird man hier bestens unterhalten mit einigen denkwürdigen Szenen, die auch nach Jahren noch frisch im Gedächtnis hängen. Russell Crowe und Ryan Gosling funktionieren wunderbar zusammen, allerdings hat der gesamte Cast eine unheimlich gute Chemie. Den Trailer habe ich übrigens eingebettet, weil ich das immer tue, aber ich würde euch empfehlen, diesen nicht anzusehen, wenn ihr den Film nicht schon kennt. Wie leider heutzutage fast schon üblich, sind die besten Stellen, Gags und auch Wendungen darin fein säuberlich eingearbeitet, sodass man sich nach dem Trailer den Film eigentlich sparen könnte. Also, tut es nicht, wenn ihr unvoreingenommen mit dieser Achterbahn fahren möchtet.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Daniel McFadden – © 2014 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle: imdb.com)

Durchgeknallt (1999)

Regie: James Mangold
Original-Titel: Girl, Interrupted
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Drama, Biopic
IMDB-Link: Girl, Interrupted


Es ist schon eine Weile her, dass Angelina Jolie den Oscar als beste Nebendarstellerin in Empfang nehmen durfte. Durch besondere schauspielerische Leistungen ist sie seither eher selten aufgefallen, wenngleich ihre Karriere natürlich als stattlich bezeichnet werden muss und sie für viele volle Kinosäle gesorgt hat im Laufe der letzten zwanzig Jahre. Eine solch unverbrauchte, frische, im besten Sinne dreckige Leistung wie die Rolle der Psychiatrie-Insassin und Soziopathin Lisa lässt sich aber auch nur schwer wiederholen. Dagegen wirkt Winona Ryder, obwohl auch mit einer der besten Leistungen ihrer Karriere, in der Hauptrolle der junge Susanna, die nach einem Selbstmordversuch/Unfall eingewiesen wird, fast schon blass. Unterm Strich ist „Durchgeknallt“ von James Mangold eine Two-Women-Show – ein Kampf der Gegensätze, die sich dann doch wieder voneinander angezogen fühlen. Wie es der menschlichen Psyche geht, wird eben auch oder vielleicht zur Gänze bestimmt von den zwischenmenschlichen Begegnungen. Was „Durchgeknallt“ auch ist: Ein Akt der Befreiung – von inneren Dämonen, schlechten äußeren Einflüssen und den starren Konventionen einer Gesellschaft, die noch nicht bereit ist für das Andersartige, aus der Norm Fallende. Einige Kritiken zu diesem Film monieren eine Richtungslosigkeit des Drehbuchs, eine Meinung, der ich mich nicht anschließen kann. Denn was das Drehbuch immer im Blick behält, ist dieser Kampf um Akzeptanz, und dieser rote Faden zieht sich bis zum Ende durch. Dass der Film dadurch manche Länge aufweist und vielleicht das eine oder andere Klischee bedient – geschenkt. Ein sehenswerter Film, nicht nur für Fans von Angelina Jolie und/oder Winona Ryder, die diese beiden am Höhepunkt ihrer Kunst sehen möchten.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1999 – Columbia Pictures, Inc., Quelle: imdb.com)

The King (2019)

Regie: David Michôd
Original-Titel: The King
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Historienfilm, Biopic
IMDB-Link: The King


Zugegeben, ich war verwirrt. Da dauert ein Film über The King fast zweieinhalb Stunden, und kein einziger Hit wird gesungen. Kein Jailhouse Rock, kein In the Ghetto, kein Always on My Mind, kein Viva Las Vegas. Dabei brächte Timothée Chalamet die nötige verschlapfte Coolness mit, um den Hüften schwingenden Halbgott in Leder und Nieten glaubhaft zu porträtieren. Die Locken hätten halt noch schmalziger gehört, aber vielleicht ist den Friseuren am Set auch einfach die Pomade ausgegangen. Aber gut, Biopics sind ja nicht dafür bekannt, bis ins kleinste Detail akkurat zu sein. Irgendwann klingelte es aber auch bei mir. In „The King“ geht es ja gar nicht um „The King“, sondern um Heinrich V., seinerzeit König von England und dankbare Figur in Good Ole Will Shakespeares Dramen. Der trat die Erbschaft seines Vaters Heinrich IV. an und prügelte sich wirkungsvoll im Verlauf des Hundertjährigen Krieges mit den Franzosen bei Azincourt, denen er eine vernichtende Schlappe zufügen konnte, seinen Bogenschützen war Dank. Ganz genau so wie im Film dargestellt hat sich die Schlacht tatsächlich nicht, wie ich kurioserweise aus intensivem Wikipedia-Studium zufälligerweise gerade mal zwei Wochen vor Sichtung des Films erfahren habe (und Wikipedia ist ja, wie wir alle wissen, die verlässlichste Quelle ever), aber wenn man bedenkt, dass es sich bei David Michôds Film um eine fiktionalisierte Verfilmung eines fiktionalisierten Dramas über einen König, dessen Biographie sowieso immer von dessen Biographen beschönigt (oder von der Nachwelt verrissen) wird, muss man ja schon froh sein, dass im Film die Schlacht von Azincourt nicht mit Laserpistolen ausgefochten wurde. Bis es zu diesem Scharmützel kommt, vergehen allerdings eineinhalb teils sehr lange Stunden, die sich der Film für die Charakterentwicklung des jungen Königs Zeit nimmt. So weit, so gut – ich mag ja gut geschriebene Charaktere. Aber wenn man die nicht sieht, weil’s durchwegs dunkel ist (ja ja, das finstere Mittelalter), ist es auch nur halb so spannend. Timothée Chalamet macht seine Sache (mal wieder) sehr gut, Robert Pattinson gibt einen wundervollen Franzosen ab, aber Joel Edgerton, der den Film auch mitproduziert hat, stiehlt allen die Show. Frauen sind schmuckvolle Begleitung, was schade ist, aber in die Zeit passt (wobei es auch wehrhafte Damen gab, die ihre Heere in die Schlacht führten wie beispielsweise die Schwiegertochter von Heinrich V. – aber das ist eine eigene Geschichte, die man später mal verfilmen könnte). Unterm Strich ist „The King“ gelungen und sehenswert, aber nichts Weltbewegendes und historisch auch nicht allzu genau.

 


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit (2018)

Regie: Mimi Leder
Original-Titel: On the Basis of Sex
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Biopic, Drama, Politfilm
IMDB-Link: On the Basis of Sex


Vor Ruth Bader Ginsburg, die mit hartnäckiger Arbeit das ganze System ausgehebelt hat, das gesetzlich Frauen in den USA benachteiligt hat, und die es später sogar bis an den Supreme Court geschafft hat, ist fraglos eine eindrucksvolle Frau. Wer sich davon in Live-Bildern überzeugen möchte, dem lege ich sehr die Dokumentation RBG ans Herz. Fast zeitgleich mit dem dokumentarischen Porträt dieser außergewöhnlichen Dame erschien 2018 das Biopic „On the Basis of Sex“ von Mimi Leder mit Felicity Jones in der Hauptrolle. Darin geht es um den bedeutenden Fall aus den 70ern, als Bader Ginsburg einen Mann vor Gericht vertrat, der aufgrund seiner Geschlechtszugehörigkeit diskriminiert wurde – als es um den steuerlichen Abzug von Pflegegeld ging. So unscheinbar dieser Fall auch scheint, er war letztlich jener Stein, der die Abschaffung von Diskriminierung nach Geschlechtern ins Rollen gebracht hat. Und natürlich ist ein solcher Stoff ein dankbares Sujet, um ein flammendes Plädoyer für Gleichberechtigung zu halten, das in unserer heutigen Zeit immer noch notwendig erscheint. Insofern kann man dem Film nicht abstreiten, relevant zu sein. Leider ist die Umsetzung nur mäßig gelungen. Zu sehr folgt Mimi Leder den ausgetretenen Pfaden des Biopics und arbeitet brav Kapitel für Kapitel bis zum entscheidenden Punkt, nämlich der Urteilsverkündung, ab und folgt der Blaupause für biographische Filme bis auf den kleinsten Punkt. Das heißt nicht, dass der Film nicht unterhaltsam sein kann – eine mit Herz spielende Felicity Jones, ein gut aufgelegter Armie Hammer als Ehemann und Staranwalt im Steuerrecht sowie die inhaltliche Brisanz des Films an sich reichen aus, um über die volle Spielzeit von 2 Stunden gern dabei zu bleiben, aber leider gehört „On the Basis of Sex“ auch zu jenen Filmen, die man sofort nach dem Ansehen auch wieder vergisst. Dann lieber gleich die Doku ansehen, denn sowohl jener Film auch die echte Ruth Bader Ginsburg geben viel mehr her, als es Mimi Leders Film vermag.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)