Araby (2017)

Regie: João Dumans und Affonso Uchoa
Original-Titel: Arábia
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama
IMDB-Link: Arábia


Der brasilianische Film „Arábia“ erzählt eine recht universelle Geschichte von Außenseitern, hart arbeitenden Menschen und Lebensentscheidungen. Nach einem Unfall in einer Metallfirma in der Nähe von Ouro Preto findet der jugendliche Andre das Notizbuch des verunglückten Arbeiters Cristiano, in dem dieser seine Lebensgeschichte aufgeschrieben hat – von der Kleinkriminalität zur geregelten Arbeit in der Fabrik mit den vielen kleinen Zwischenschritten, die er dafür gehen musste, mit den Begegnungen der Menschen auf diesem Weg, mit den Orten, an denen er war und die er wieder verlassen hat. Dabei bleibt der Blick seltsam distanziert. Es fällt schwer, eine Bindung zu diesem schweigsamen und undurchdringlichen Cristiano aufzubauen. (Ein Unterfangen, an dem nicht nur die Zuseher, sondern auch die Menschen in seinem Leben nach und nach scheitern.) Dadurch, dass der Film ein sehr gemächliches, man könnte fast sagen: schneckenlangsames Tempo an den Tag legt, wird die Sichtung mit der Zeit zur Herausforderung. Wenn einem das Schicksal des Helden eher wurscht ist und dieses Schicksal dann auch noch mit der Ruhe eines Zen-Meisters erzählt wird, kann es mühsam werden, die Augen offen zu halten. Kein Film, den man an einem späten Abend nach einem langen Arbeitstag zuhause gemütlich auf der Couch lungernd ansehen sollte.

Warum der Film „Arábia“ heißt, weiß übrigens niemand – die beiden Filmmacher, die gleichzeitig für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen – saßen am Ende wohl ratlos über ihrem Manuskript zusammen, brüteten Ideen aus, warfen diese an eine Pinnwand, strichen sie wieder durch, und am Ende zuckte einfach einer mit den Achseln und meinte: „Na ja, wenn uns schon nichts Gescheites einfällt, dann geben wir dem Ding halt irgendeinen Fernweh-Namen, der gerade politisch gut reinpasst. Syria zum Beispiel oder Arábia“. Und der Andere: „Das ist Mist.“ Der Erste wieder: „Gut, fällt dir was Besseres ein?“ Der Zweite zuckt mit den Schultern. Der Erste wieder: „Okay, dann nehmen wir Arábia. Ist eh wurscht.“


5,5
von 10 Kürbissen

Ostinato Destino – Hartnäckiges Schicksal (1992)

Regie: Gianfranco Albano
Original-Titel: Ostinato destino
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Komödie
IMDB-Link: Ostinato destino


Wenn dem Zuseher der Film nach bereits zehn Sekunden zum ersten Mal fürchterlich auf die Nerven geht, ist das nicht unbedingt als vielversprechender Beginn zu bezeichnen. Aber gut, man ist ja hartgesotten und vielleicht erfängt sich die italienische Komödie rund um eine reiche Schnepfe und ihre für ihre drei Kinder schwer umzusetzende Testamentsbedingung. Spoiler: Tut sie nicht. „Ostinato Destino“ von Gianfranco Albano ist eine fürchterlich peinliche Schmonzette mit nervigen Darstellern und Darstellerinnen mit der schauspielerischen Bandbreite einer Walnuss, einer völlig unglaubwürdigen Handlung und viel Hysterie. Dabei wäre die Ausgangslage für die Geschichte nicht so übel: Die Kinder der reichen Schnepfe rittern ums Erbe, das nur jener oder jene einstreifen kann, wer für Nachwuchs in der Familie sorgt. Blöd ist, dass sich die Schnepfentochter, die noch mehr Schnepfe ist als ihre Mutter, für die Karriere die Eileiter hat abklemmen lassen, Schnepfensohn Nummer 1 stockschwul ist und Schnepfensohn Nummer 2 ein Playboy, der sich nicht binden möchte. Dabei hat er naturgemäß noch die besten Chancen, sich zu vermählen und Schnepfenenkel zu zeugen. Blöd nur, dass seine Wahl auf die von den eigenen Geschwistern angeheuerte Auftragskillerin (La Grande Bellucci) fällt, die bald ihre eigene Agenda verfolgt. Könnte ja ganz kurzweilig sein, wenn man nicht beschlossen hätte, die Umsetzung mit 180 km/h an die nächste Wand zu fahren. Beinahe jede Szene bietet ausgiebig Gelegenheit zum intensiven Fremdschämen. So gibt es nur einen Wertungspunkt für die wunderschöne, junge Monica Bellucci und einen zweiten für ihre wohlgeformten Brüste. Mehr schaut nicht raus. Klappe zu, Film tot.


2,0
von 10 Kürbissen

Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)

Regie: Nicolas Roeg
Original-Titel: Don’t Look Now
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Drama, Horror
IMDB-Link: Don’t Look Now


„The Shining“ in Venedig. Trotz einer Vorahnung gelingt es dem Familienvater John (Donald Sutherland) nicht, die kleine Tochter vor dem Ertrinken im Gartenteich zu retten. Wenig später sieht man ihn und seine Frau (Julie Christie) in Venedig, wo er einen Auftrag als Restaurator einer Kirche durchführt. Dort macht das Ehepaar Bekanntschaft mit zwei seltsamen Schwestern, von denen eine blind und mit der Gabe des zweiten Gesichts, also der Vorhersehung, gesegnet ist. Der Mutter tut es gut zu erfahren, dass die Tochter im Jenseits in Sicherheit ist und lächelt, der Vater tut dies als Spinnereien ab. Doch immer wieder sieht und hört er Seltsames zwischen den Kanälen des nächtlichen Venedigs, das mit seinem morbiden, zerfallenden Charme zu einem weiteren Protagonisten der Erzählung wird. Soweit also kurz umrissen der Inhalt des Filmes, der auf einer Erzählung von Daphne du Maurier beruht und auch heute noch gern zitiert wird. Interessant ist, dass er gerne auf die Sexszene zwischen Sutherland und Christie reduziert wird. Haben sie nun? Haben sie nicht? Nach Sichtung des Films: Sie könnten es getan haben. Ist aber wurscht. Denn „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (bzw. „Don’t Look Now“, wie er im Original passenderweise heißt, auch wenn der deutsche Verleihtitel poetischer klingt) ist kein Sexfilmchen der 70er-Jahre, sondern eine interessante Mischung aus Trauerbewältigung und subtilem Horror. Zwar wirkt er heute schon ein wenig angestaubt (v.a. das Overacting an einigen Stellen fällt negativ auf) und er hat auch trotz der ökonomischen Laufzeit von 105 Minuten einige Längen, aber interessant anzusehen ist er dennoch mit seinen vielen Symbolen und Andeutungen und Verschränkungen. Kann man sich mal geben an einem verregneten Nachmittag.


6,5
von 10 Kürbissen

Der Dunkle Turm (2017)

Regie: Nikolaj Arcel
Original-Titel: The Dark Tower
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Fantasy
IMDB-Link: The Dark Tower


Nein! Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein! Aber sowas von Nein!

Ich weißt nicht, was ich da gesehen habe, irgendeinen kruden, leicht dämlichen Fantasy-Action-Film mit wenig Fantasy und wenig Action, aber „Der Dunkle Turm“ war es nicht. Und das, obwohl ich mich im Vorfeld schon von der Erwartungshaltung, dass der Film der epischen Roman-Reihe von Stephen King bzw. zumindest deren Auftakt gerecht werden könnte, verabschiedet habe. Kings dunkler Turm ist für mich nicht weniger als das größte Fantasy-Epos unserer Zeit (sorry, George R. R. Martin, du bist auch ein Wunderwuzzi, keine Frage, aber das Universum von King mit seinen Querverweisen in zwanzig, dreißig weiteren Romanen neben den sieben Hauptromanen steht da noch ein kleines Stück drüber). Aber selbst wenn man akzeptiert, dass „Der Dunkle Turm“ des dänischen Regisseurs Nikolaj Arcel nicht das Geringste mit Kings Geschichte zu tun hat außer ein paar Figuren und dem titelgebendem Turm, so funktioniert er auch als eigenständiger Film nicht. Die Story ist arg verdünnt und bleibt trotzdem konfus (die Motivation der Guten wie der Bösen wird kaum beleuchtet), die Action ist mau und unbefriedigend (vor allem der Showdown ist einfach irgendwas), es entwickelt sich kaum Dynamik zwischen den Figuren, da diese auch kaum Zeit für Entwicklungen haben, da die Story sie recht beliebig durch die Landschaft hetzt. So gut wie nichts wird erklärt, man hat einfach zu akzeptieren, dass es halt da den Turm gibt und dass die Bösen versuchen, ihn einzureißen, um das Universum zu zerstören, und der Gute, na ja, der will eigentlich nur den Bösen killen, weil der seinen Vater gemeuchelt hat, aber das ist es dann auch schon. Dabei hätten die Figuren so viel Potential, wenn man die Vorlage nur ein bisschen genauer gelesen hätte – die dort verankerte Besessenheit von Roland für den Dunklen Turm, die ihn über Leichen gehen lässt (und er macht da keinen Unterschied zwischen Freund oder Feind), die eigentliche Motivation von Jake Chambers, in Rolands Welt zu flüchten, die Figur des Walter O’Dim als treuer Diener des Scharlachroten Königs – was hätte man da noch rausholen können! Geht halt nicht, wenn man die Geschichte als beliebiges Durchschnittsactionhollywooddings konzipiert. Einzig erfreulich waren die Besetzungen von Idris Elba als Roland (ja, der hätte das Zeug zu gehabt, die komplexe Psychologie Rolands darzustellen) und von Matthew McConaughey als Walter, der zwar auch schon bessere Leistungen abgeliefert hat, aber zumindest eine recht unheimliche Präsenz mit sich bringt, die gut zur Figur passt. Der Rest ist Schweigen.

„All things serve the beam.“ Dieser Film leider nicht.


 

3,5
von 10 Kürbissen

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (2017)

Regie: Luc Besson
Original-Titel: Valerian and the City of a Thousand Planets
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Valerian and the City of a Thousand Planets


Avatar: „Wir müssen reden.“
Das fünfte Element: „Ja? Was gibt es denn, Schatz?“
Avatar: „Nun … ja … da ist jetzt nicht so einfach …“
Das fünfte Element: „Nur zu. Du weißt, dass ich dich liebe.“
Avatar: „Ich glaube … ich bin schwanger.“
Das fünfte Element: „Oh!“
Avatar: „Bist du wirklich überrascht?“
Das fünfte Element: „Eigentlich nicht.“
Avatar: „Es wird bestimmt ein schönes Kind werden. Es wird meine Augen haben und deine Coolness.“
Das fünfte Element: „Wie wollen wir es nennen?“
Avatar: „Ich mag den Namen Valerian. ‚Valerian – Die Stadt der tausend Planeten‘. Das hat doch einen guten Klang, nicht wahr?“
Das fünfte Element: „Das klingt scheiße. Viel zu pathetisch. Ich will nicht, dass unser Kind so heißt.“
Avatar: „Gut, gut, das können wir uns ja noch in Ruhe überlegen …“

Luc Besson hat es also getan. Mit „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ legt er einen kindlich-bunten CGI-Orgasmus und nebenbei die teuerste europäische Filmproduktion der Geschichte vor. Die Story passt auf eine Serviette (eine von den kleinen, die man im Wiener Kaffeehaus zur Melange gereicht bekommt): Die Agenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) müssen im Auftrag der Regierung einen Gegenstand stehlen, der sich als kleine, putzige Kreatur entpuppt und entscheidend ist für den Fortbestand eines Naturvolkes, das beinahe bei einem versehentlichen Genozid draufgegangen wäre. Der Rest ist Action, Geflirte und eben ein quietschbuntes Durcheinander von Kreaturen, Raumschiffen und Welten. In dieser Hinsicht ist „Valerian“ die konsequente Weiterentwicklung von Bessons „Das fünfte Element“ mit heutiger State-of-the-Art-CGI-Technik. Visuell macht das Spektakel richtig Spaß. Allerdings hat der Film auch zwei große Probleme, die das Vergnügen trüben: Einerseits eben die quasi nicht vorhandene Story mit sehr stereotypen Charakteren (das war zwar auch schon eine Schwachstelle bei „Das fünfte Element“, nur konnte Besson beim „Element“ diese noch durch viel Charme und augenzwinkerndem Humor ausgleichen), und andererseits zwei mir eher unsympathische Hauptfiguren, mit denen ich nur schwer mitfiebern kann. Zudem halte ich Dane DeHaan für eine Fehlbesetzung für den selbstverliebten, draufgängerischen Major. Wenn man allerdings für 2,5 Stunden das Hirn ausschaltet und sich einfach dieser vergnügten Bilderflut hingibt, wird man gut unterhalten.


6,0
von 10 Kürbissen

Planet der Affen: Survival (2017)

Regie: Matt Reeves
Original-Titel: War for the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Science Fiction, Action, Drama
IMDB-Link: War for the Planet of the Apes


Der Krieg zwischen den letzten überlebenden Menschen und den Affen tobt. Caesar, der Anführer der Affen, wollte diesen nicht, aber immer wieder attackieren die Truppen des Colonels (Woody Harrelson, in einer seiner üblichen Nicht-mehr-ganz-frisch-in-der-Marille-Rollen) das Rudel der Affen, und als auch die Frau und der Sohn von Caesar dran glauben müssen, wird es persönlich. Also macht sich Caesar mit ein paar haarigen Freunden auf die Suche nach dem Colonel und seinen Soldaten. Dass während seiner Abwesenheit dann gleich das ganze Rudel einkassiert wird und zu Zwangsarbeit, die an die Zustände eines KZs im Dritten Reich erinnert, verdonnert wird, passt irgendwie ins Bild. Längst sind die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwommen, Grausamkeiten sind der Alltag auf beiden Seiten, Angst und Wut sind die vorherrschenden Gefühle aller Beteiligten. Es gibt nichts Gutes mehr. Auch Caesar wird von Rachegefühlen und Wut geleitet. Die psychologische Entwicklung, die der Oberaffe in diesen insgesamt drei Teilen durchläuft, ist spannend und die ganz große Stärke der Trilogie. Gleichzeitig schafft es die Filmreihe, Werte der Menschlichkeit aus einer völlig anderen Perspektive neu zu verhandeln. „Planet der Affen: Survival“ bildet den mehr als gelungenen Abschluss einer sehr guten Trilogie, die zum Einen als Gesamtwerk mit dank eines gut erzählen Spannungsbogens zu überzeugen weiß, und gleichzeitig als Einzelfilm extrem unangenehme, aber in heutigen Zeiten dringliche Fragen zu stellen weiß. So kann man „Survival“ auch als Kommentar zum in den vergangenen Jahren immer stärker auftretenden Nationalismus verstehen, als eine allegorische Warnung an uns alle, uns nicht von Ängsten, Neid und Wut leiten zu lassen. Neben „Logan“ das zweite überraschend tiefgründige Science-Fiction-Epos in diesem Jahr, das Fragen nach Menschlichkeit und menschlichen Werten in knallharte, spannende Action verpackt und damit über den Schauwert hinaus wirkt.


8,0
von 10 Kürbissen

Planet der Affen: Revolution (2014)

Regie: Matt Reeves
Original-Titel: Dawn of the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Science Fiction, Action, Drama
IMDB-Link: Dawn of the Planet of the Apes


Tja, da haben wir den Salat. Die Menschheit hat sich mittels eines Virus ordentlich dezimiert, die Natur erobert die Städte zurück, und in den Wäldern vor der Stadt herrschen die Affen, smarte Kerlchen, die nun lesen und schreiben lernen. Einige Menschen haben überlebt, aber deren Infrastruktur ist zusammengebrochen und es sieht nicht gut aus für sie. Blöd, sich wenn das Wasserkraftwerk, das dringend wieder in Betrieb genommen werden muss, genau im Affenterritorium befindet. Mit Caesar, dem hochintelligenten Anführer der Affenbande, gäbe es ja keinen Stress, aber manch Anderer trägt die Erinnerung an jahrelange Misshandlung und Wut auf die Menschheit tief in sich drinnen und will am liebsten jeden Menschen tot sehen. Das bedingt natürlich Konflikte. Und entspinnt sich ein Durcheinander aus Intrigen und Gegenintrigen und gegenseitigem Misstrauen, das nur eine einzige Konsequenz möglich scheinen lässt: Ein für alle Mal muss geklärt werden, wer denn nun die dominante Spezies auf diesem Planeten ist.

War „Planet der Affen: Prevolution“ noch die langsam erzählte Vorgeschichte, die erst nach und nach die Daumenschrauben angesetzt hat, geht es in „Revolution“ ordentlich zur Sache. Der Fokus liegt auf dem Konflikt Mensch-Affe, auf deren Unterschiede und der Angst voreinander, und auch auf Affe-Affe, denn die Affen wittern nun, dass die Zeit ihrer Dominanz gekommen ist, dass sie zum ersten Mal in der Geschichte auf dem längeren Hebel sitzen. Und Caesar, der sich zu einer psychologisch interessanten Figur entwickelt, sitzt zwischen den Stühlen. Denn er ist primär Primat, allerdings hat er auch viel Gutes durch die Menschen erfahren, und seine höhere Intelligenz sagt ihm, dass es keine gute Idee ist, eine ganze Spezies auszurotten. Er kennt Mitleid und Erbarmen. Was also tun, wenn man sich rundherum an die Gurgel geht?

„Revolution“ ist eine gelungene Fortsetzung der Trilogie, hat aber das Problem, das viele Mittelteile von Trilogien haben: Die Vorgeschichte ist erzählt, das Ende ist noch weit weg – jetzt muss es also erst einmal krachen. Und so ist „Revolution“ deutlich actiongeladener als sein Vorgänger und weniger subtil, ohne dass aber ein Ziel abzusehen ist. So gesehen etwas schwächer als Teil 1, aber eine gelungene Brücke zwischen „Prevolution“ und „Survival“, dem Abschluss der Trilogie.


6,5
von 10 Kürbissen

Planet der Affen: Prevolution (2011)

Regie: Rupert Wyatt
Original-Titel: Rise of the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Science Fiction, Action, Drama
IMDB-Link: Rise of the Planet of the Apes


Der Schrecken über Tim Burtons affiges Remake des Sci-Fi-Klassikers „Planet der Affen“ steckte zehn Jahre später noch allen Zusehern in den Gliedern. Dennoch setzte Hollywood auf die Fähigkeit der Verdrängung des Blockbuster-erprobten Publikums und fügte der Filmreihe mit „Planet der Affen: Prevolution“ (im Original: „Rise of the Planet of the Apes“) einen Prolog hinzu, der als Beginn einer Trilogie erzählen soll, wie es denn dazu kommen konnte, dass Charlton Heston am Ende des Originalfilms von 1968 vor der halb im Sand versunkenen Freiheitsstatue in die Knie geht und fassungslos die denkwürdigen Worte brüllt: „Ihr Wahnsinnigen! Ich verfluche euch! Ich verfluche euch, euch alle!“ Irgendwo und irgendwann in der Geschichte scheint also etwas schiefgegangen zu sein. Und wie so oft sind es ambitionierte, glücklose Wissenschaftler, die uns in die Scheiße reiten. Dabei wollte Will (James Franco) ja nur ein Alzheimer-Medikament entwickeln, um seinen erkrankten Vater zu heilen. Das Mittelchen zeigt nun ungeahnte Nebenwirkungen, wie sich an Versuchen mit Primaten herausstellt. So kommt Caesar ins Spiel, das Neugeborene eines solchen Versuchsaffen, das als Special Feature ungeahnte Intelligenz mitbekommen hat. Da aber die Mutter einen Riesenradau verursacht und kurzerhand weggepustet wird, kommt das Affenbaby zu Will, der es fortan aufzieht und schon bald erkennt, was für ein intelligentes Kerlchen da in seinem Haus wohnt. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen, denn auch wenn Will und Caesar ein gutherziges Gespann sind, manche Wissenschaftler kommen halt nicht ohne Gott-Komplex aus, und damit beginnt die Kacke zu dampfen. Dass nämlich das Medikament, an dem in der Zwischenzeit weitergearbeitet wurde, etwas ungute Wirkungen zeigt für die Menschheit, hat sich eben diese selbst eingebrockt.

„Planet der Affen: Prevolution“ geht ein recht gemächliches Tempo, bleibt dabei aber spannend. Der Film kann sich dabei auf ein gutes, intelligentes Storytelling verlassen, auf sympathische Hauptdarsteller und eine unfassbar gute CGI, die wiederum getragen wird von Andy Serkis, der den Affen Caesar verkörpert. Nichts ist menschlicher in diesem Film als Caesar. Die eine oder andere kleinere Länge hat der Film, und manche Nebenfigur ist etwas schablonenhaft gezeichnet, aber insgesamt ist „Planet der Affen: Prevolution“ hochintelligentes Science-Fiction-Kino, das das Burton’sche Desaster (möge es in Frieden ruhen) dann doch sehr schnell vergessen lässt.


7,5
von 10 Kürbissen

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (2013)

Regie: Ben Stiller
Original-Titel: The Secret Life of Walter Mitty
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Komödie, Drama, Roadmovie
IMDB-Link: The Secret Life of Walter Mitty


Walter Mitty (Ben Stiller) ist der heldenhafte Retter von dreibeinigen Hunden, der abenteuerlustige Aussteiger, der das Herz der angebeteten Cheryl (Kristen Wiig) im Sturm erobert, der faszinierende Fremde, er ist eloquent und schlagfertig und mutig. Doch das ist er nur in seinem Kopf, wenn er Tagträumen nachhängt. Denn eigentlich ist Walter Mitty ein biederer Fotoarchivar für das LIFE-Magazin, der diese Abenteuer nur fantasiert. (In Österreich hat sich seit der  vermeintlichen K2-Besteigung des Extrembergsteigers Christian Stangl der Begriff des „Visualisierens“ durchgesetzt – ich nehme mal an, Stangl kennt den Film …) Auf seinem online-Dating-Profil bekommt Mitty keine Nachrichten, weil sein Profil zu langweilig ist. Die größte Aufregung in seinem Leben ist die geplante Umstrukturierung des Magazins. Da schickt ihm der mysteriöse, eigenbrötlerische Naturfotograf Sean O’Connell sein Meisterwerk als Negativ zu – dieses beste Foto, das er jemals gemacht hat, die Quintessenz des Lebens, soll auf das letzte Titelblatt des LIFE-Magazins, ehe die Printausgabe eingestellt wird und das Magazin nur noch online fortgeführt wird. Das Problem bei der ganzen Geschichte: Unter all den Negativen, die Sean O’Connell an Walter Mitty geschickt hat, ist genau dieses Foto nicht zu finden. So bleibt Walter Mitty nichts Anderes übrig, als selbst auf die Suche nach Sean O’Connell und diesem Foto zu gehen – eine Reise, die ihn via Grönland und Island bis nach Afghanistan führt. Walter Mitty wird gnadenlos aus sämtlichen Komfortzonen hinausgeworfen. „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist ein sympathischer Film mit einer Hauptfigur, mit der ich mich selbst sehr gut identifizieren kann, neige ich doch selbst zu Tagträumen. Das einzige Problem, das der Film hat, ist die Überzeichnung der realen Ebene. Hier kann man schon mal mit einem Skateboard innerhalb von 10 Minuten in eine viele Kilometer entfernte Ortschaft sausen oder mit Fäusten gegen Haie kämpfen. So wird der Film phasenweise zu einer Karikatur seiner selbst. Dennoch: Wenn man über diesen Schwachpunkt wohlwollend hinweg sieht, ist der Film ein mitreißendes Plädoyer dafür, das Leben zu genießen und Risiken zu nehmen. Das Ende ist wundervoll und wieder sehr down to earth.


7,0
von 10 Kürbissen

Zwölf Uhr mittags (1952)

Regie: Fred Zinnemann
Original-Titel: High Noon
Erscheinungsjahr: 1952
Genre: Western
IMDB-Link: High Noon


Schon blöd: Da küsst man gerade noch die frisch Angetraute (Grace Kelly), mit der man Minuten zuvor den Bund der Ehe geschlossen hat, und legt seinen Sheriff-Stern ab, da am nächsten Tag der neue Sheriff erwartet wird, und dann erfährt man, dass der alte Erzfeind mit dem Zwölf-Uhr-Zug in die Stadt kommt. Und wer den Typen kennt, weiß: Der kommt nicht zum Shoppen. Was macht also der scheidende Sheriff (Gary Cooper)? Als aufrechter Mann stellt er sich natürlich der Gefahr. Er hat sich damals mit der Verhaftung des Schurken die Suppe eingebrockt, er löffelt sie nun auch wieder aus. Selbst die flammendsten Apelle seiner Freunde und tränenreichen Umarmungen seiner Frau, die Füße in die Hand zu nehmen und aus der Stadt zu flüchten, ehe es zu spät ist, fruchten nichts. Westernhelden können verdammt sture Böcke sein. Also marschiert er durch die Stadt auf der Suche nach Freiwilligen, die sich zusammen mit ihm über den Haufen schießen lassen. Doch niemand will sich den kurzen Ruhm als Deputy antun, während nebenan der Zimmermann schon eifrig Särge bastelt. Und beständig tickt die Uhr. Die Angetraute fährt zum Bahnhof, um die Stadt zu verlassen, denn sie kann nicht mitansehen, wie ihr Göttergatte ins Verderben rennt. Die ehemalige Liebschaft des Sheriffs hat ähnliche Ideen. Denn mit Frank Miller, dem Bösewicht, ist nicht gut Kirschen zu essen, das weiß man in der Stadt. Wie die Schafe verharren die restlichen Stadtbewohner in der Kirche und im Saloon. Der Herrgott oder König Alkohol werden es schon richten. Und so entspinnt sich ein knochentrockener Western, der seine Spannung vom gnadenlosen Herunterticken der Uhr bezieht. Gleichzeitig ist der Film ein Statement zum allgemeinen Zustand der Zivilcourage. Zwar angestaubt wie die Hauptstraße des Wildweststädtchens ist der Film mittlerweile, aber er funktioniert auch heute noch. Ein Klassiker.


7,5
von 10 Kürbissen