Fantasy

Verwünscht (2007)

Regie: Kevin Lima
Original-Titel: Enchanted
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Komödie, Fantasy, Rom-Com
IMDB-Link: Enchanted


Es konnte ja nur eine Frage der Zeit sein, bis Disney einen Meta-Film über Disney-Märchen auf die Leinwand bringen würde. In „Verwünscht“ schlüpft Amy Adams in die Rolle einer naiven Disney-Prinzessin, die von ihrer bösen Schwiegermutter in spe auf eine Reise ohne Wiederkehr geschickt wird – von der zauberhaften Zeichentrickwelt ins heutige New York. Und schon rasch stellt sie fest, dass Drachen, Oger und anderes Getier nicht das größte Übel darstellen, dem man begegnen kann. Nein, der misogyne Großstadtmensch ist es, und dabei trifft sie noch nicht einmal auf Woody Allen, sondern auf einen eigentlich recht charmanten, aber bindungsunwilligen Scheidungsanwalt, gespielt von „McDreamy“ Patrick McDempsey. Dieser bekommt die singende Prinzessin eher unfreiwillig, aber sehr zur Freude seiner kleinen Tochter an die Backe, und ritterlich steht er der verwirrten jungen Dame zur Seite. Das wiederum gefällt seiner Freundin (Idina Menzel) nicht. Die Probleme werden verschärft durch einen debilen Prinzen, der seiner verlorengegangenen Prinzessin wagemutig, aber planlos hinterherspringt, und schließlich der Stiefmutter selbst, die sich nicht auf ihr Personal verlassen kann, sondern am Ende alles selbst in die Hand nehmen muss, um dafür zu sorgen, dass es sich endgültig ausgeträllert hat für die Schöne. Soweit, so traditionell Disney. Was aber „Verwünscht“ hervorragend macht, ist die augenzwinkernde Selbstironie, mit der diese traditionellen Bilder unterlaufen werden. Klar, Shrek macht das derber und konsequenter, aber man muss die unaufgeregte Leichtigkeit loben, mit der Disney seine eigenen Themen durch den Kakao zieht. Und Amy Adams ist zuckersüß. Habe ich schon mal erwähnt, dass die Dame längst überfällig für einen Oscar ist? Wahrscheinlich schon ca. siebzehnmal hier, aber einmal mehr schadet nicht.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Disney, Quelle http://www.imdb.com)

Teuflisch (2000)

Regie: Harold Ramis
Original-Titel: Bedazzled
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Komödie, Fantasy, Rom-Com
IMDB-Link: Bedazzled


„Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft“. So sprach Mephisto in Goethes Faust, und ganz ehrlich: Dass man dieses Zitat nicht in die deutsche Synchronisation von Harold Ramis‘ „Teuflisch“ übernommen hat, ist ein großes Versäumnis. Denn wie passend wäre es gewesen, das der von Liz Hurley gespielten Teufelin in den Mund zu legen, die dem sozial unterentwickelten Elliot Richards (Brendan Fraser) die Seele abluchsen möchte durch die Erfüllung von sieben Wünschen, ein wahrer Teufelspakt eben. Die Wünsche drehen sich um die Eroberung der adretten Arbeitskollegin Alison (Frances O’Connor), doch stets steckt der Teufel, nun ja, im Detail. Da wir uns im trittfesten Genre der romantisch-fantastischen Komödie bewegen und Harold Ramis nicht dafür bekannt war, die Welt brennen sehen zu wollen, kann man sich entspannt zurücklehnen und die Teufelin ihre Arbeit machen lassen – am Ende wird schon alles positiv ausgehen, das Gute eben geschaffen sein. Der Weg dahin ist sehr vergnüglich, und auch wenn der Film schon ein klein wenig angestaubt wirkt und Liz Hurley wirklich nicht gut spielen kann (sie macht das durch ihre Schmolllippen wieder wett), so ist er durch seinen altbackenen Charme und die witzigen Szenen der beinahe geglückten Wunscherfüllungen dennoch jederzeit einen Re-Watch wert.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Thor: Love and Thunder (2022)

Regie: Taika Waititi
Original-Titel: Thor: Love and Thunder
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Fantasy, Action
IMDB-Link: Thor: Love and Thunder


Ich bin ja ein großer Fan von Taika Waititis bisherigem Schaffen. What We Do in the Shadows und JoJo Rabbit sind absurd-komische (und in zweiterem Falle auch teils tragische) Meisterwerke. Und auch sein Einstand im Marvel Cinematic Universe mit „Thor: Tag der Entscheidung“, das immerhin schon dritte Abenteuer rund um den Gott des Donners, hat mir sehr gut gefallen. Ich mag diese schnoddrige, respektlose Art, sich Stoffen zu nähern und diese ad absurdum zu führen. Im nun vierten Thor-Film geht der Schuss aber nun erstmals so richtig nach hinten los. Denn plötzlich geht es nur mehr darum, fetzige Bilder zu zeigen, die dann von ironischen oder selbstironischen Sprüchen unterlaufen werden, während aus den Boxen Guns’n’Roses donnern. Immer und immer wieder. Die Story? Egal. Die Figuren? Werden auf dem Altar der Selbstironie geopfert. Und wenn es dann plötzlich dazu kommt, dass sie Tiefe zeigen müssen, können wir nicht mit ihnen mitleiden, da wir den ganzen Film lang über sie gelacht haben. Autsch! Visuell ist auch der vierte Thor-Film schön anzusehen und gelegentlich sogar spektakulär. Und mit Gorr, dem Götterschlächter, hat man auch einen Schurken an der Hand, der einem das Gruseln lehren kann, was nicht zuletzt daran liegt, dass er von niemand Geringerem als Christian Bale verkörpert wird. Aber Waititi nutzt dieses gewaltige Potential nicht aus, er findet einfach keine Balance zwischen der Komik und der Tragik in den Figuren. Und so ist „Thor: Love and Thunder“ eine uneinheitliche Collage mal mehr, mal weniger gelungener Szenen und muss sich komplett auf seinen Schauwert verlassen, denn etwas anderes hat der Film nicht zu bieten. Schade drum. Man sieht leider überdeutlich, dass sich Waititis Schmäh langsam abnutzt. Die Frische, die er mit dem dritten Thor-Film ins Franchise gebracht hat, ist nun aufgebraucht. Immerhin Guns’n’Roses-Fans werden ihre Freude mit dem Film haben.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Jasin Boland/Jasin Boland – © Marvel Studios 2022, Quelle http://www.imdb.com)

Doctor Strange in the Multiverse of Madness (2022)

Regie: Sam Raimi
Original-Titel: Doctor Strange in the Multiverse of Madness
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Fantasy, Horror, Action
IMDB-Link: Doctor Strange in the Multiverse of Madness


Als hätte es Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) nicht gereicht, mit der Zeit herumzuspielen, nein, der arrogante Zauberer, der die Drecksarbeit in der Regel seinem fliegenden Cape überlässt, muss auch noch durch verschiedene Paralleluniversen fliegen. Wie blöd so etwas ausgehen kann, hat er ja schon in Spider-Man: No Way Home gesehen. Fairerweise muss man dazusagen, dass das fröhliche Hüpfen durch unterschiedliche Welten diesmal nicht auf seinem Mist gewachsen ist, sondern er der jungen Dame America Chavez (Xochitl Gomez) diese Spontanurlaube verdankt. Denn die kann nämlich, wenn sie unter Stress ist, die Tore zu anderen Welten öffnen. Wenig überraschend weckt diese Fähigkeit Begehrlichkeiten, und schon bald hat sie jemanden auf ihren Fersen, der sich dieses Talent für eigene Zwecke aneignen möchte. Doctor Strange, sein treues Cape und Sorcerer Supreme-Buddy Wong (Benedict Wong) haben alle Hände voll zu tun, diese finsteren Pläne zu vereiteln und werden dabei blöderweise auch noch über diverse Parallelwelten verteilt, was die Sache nicht einfacher macht. „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ steht ganz im Zeichen des üblichen Marvel’schen Rezepts, das aus Action, Humor und bunten Fantasiewelten besteht. Mit Sam Raimi auf dem Regiestuhl kommt allerdings eine weitere Komponente hinzu, nämlich eine ordentliche Portion Horror, und das tut dem Film sichtlich gut. Überhaupt fühlt sich das zweite Doctor Strange-Soloabenteuer mehr wie ein Sam Raimi-Film als ein weiterer MCU-Film an. Gekonnt verbindet er die bunte Welt seiner Spider-Man-Trilogie (jene mit Tobey Maguire, und ja, es ist kompliziert mit den Spider-Man-Filmen) mit dem absurden Horror seiner Tanz der Teufel-Filme. Und das passt auch ganz gut zusammen, ohne dass der neueste Doctor Strange zu einem klassischen Horrorfilm werden würde. Aber die gelegentlichen Einsprengsel von Grusel und Schauer passen gut ins Konzept und geben den Humoreinlagen ein stabiles Gegengewicht. Das eigentliche Highlight des Films ist aber der Bösewicht, über den an der Stelle nichts verraten sei – das wäre ein massiver Spoiler. Es sei aber gesagt, dass die schurkischen Ambitionen ausnahmsweise einmal gut nachvollziehbar sind und der Figur Tiefe verleihen. Unterm Strich befindet sich „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ vielleicht nicht unter den allerbesten MCU-Filmen, aber er unterhält auf hohem Niveau und ist durchaus etwas Eigenständiges innerhalb des Comicfilmuniversums.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy of Marvel Studios/Courtesy of Marvel Studios – © Marvel Studios 2022, Quelle http://www.imdb.com)

The House (2022)

Regie: Paloma Baeza, Emma De Swaef, Niki Lindroth von Bahr und Marc James Roels
Original-Titel: The House
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Animation, Fantasy, Episodenfilm
IMDB-Link: The House


Die Stop-Motion-Tricktechnik ist etwas für richtige Masochisten. Jedes einzelne Bild muss von Hand gebaut werden. Das ist nichts, was man schnell mal in zwei Wochen mit dem Handy abdrehen kann. Glücklicherweise finden sich auch heute noch genügend Spinner, die sich diese Arbeit antun. Denn die daraus resultierenden Ergebnisse sind oft von erstaunlicher Kreativität und einem ganz eigenen Charme – siehe Wes Andersons Meisterwerk Isle of Dogs oder das komplett irre The Old Man Movie aus Estland. „The House“, ein britischer Episodenfilm mit Beteiligung aus Belgien und Schweden, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass diese Sisyphosarbeit, die mit einem Stop-Motion-Film einhergeht, oft ungeahnte Kreativität freisetzt, als würde die repetitive Arbeit, die Figuren Bild für Bild in minimalsten Bewegungsfortschritten in Szene zu setzen, einen Ausgleich in Originalität brauchen. Allein schon das Hauptperson der drei Episoden rund um ein herrschaftliches Prunkhaus ist so angelegt, wie man es heutzutage nur selten sieht. Hier bewohnen neben einer vierköpfigen Familie in der ersten Episode in weiterer Folge Ratten und Katzen in Menschengestalt das alte Haus. Erinnerungen an Kinderbücher von früher werden wach. Alle drei Episoden vereint, dass sie vom Niedergang erzählen. Niemand wird in dem Haus glücklich, und es ist Einfaches, in den Geschichten eine subtile Kritik am Drang nach Besitztum und Betongold zu sehen. Es wäre aber falsch, den Film nur darauf zu reduzieren. Denn es gibt so viel mehr zu entdecken. Da wären die unterschiedlichen stilistischen Ausrichtungen, die von viktorianischem Schauersetting in der ersten Episode über eine kühl-nüchterne, zeitgemäße Stilistik in Episode zwei bis zu einer dystopischen, am Ende auch an Steampunk erinnernde Ästhetik reicht – alles aber in den Gesamtkontext eingewoben, sodass das Werk wie aus einem Guss wirkt. Es gibt zwar einige Längen zu bemängeln, und nicht alles erschließt sich sofort beim ersten Ansehen – es bleiben Fragen offen, über die sich dann wunderbar diskutieren lässt – aber insgesamt ist „The House“ ein großer, mit viel Liebe für Details umgesetzter Wurf.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2021 Netflix, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse (2022)

Regie: David Yates
Original-Titel: Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Abenteuerfilm, Fantasy
IMDB-Link: Fantastic Beasts: The Secrets of Dumbledore


Albus Dumbledore: Das ist jener großer Zauberer, der in den 1930er-Jahren fesche dreiteilige Anzüge trug und sich einen adretten, gepflegten Bart stehen ließ, ehe er irgendwann beschloss, dass das äußere Erscheinungsbild nachrangig ist – gemütliche Pyjamas, ein verfilzter Hut und ein Bart, der selbst dann noch alles verdeckt, wenn er nackig herumläuft, tun es auch. Im dritten Teil der auf fünf Filme angelegten Fantastic Beasts-Reihe legt er aber noch Wert auf einen schicken Auftritt – immerhin steckt Jude Law in der Rolle, und der würde es wohl im Leben nie zulassen, verlottert herumzulaufen. Aber eigentlich ist Jude Law, auch wenn seine Figur des Albus Dumbledore gleich reißerisch im Titel auftaucht, gar nicht der Star dieses dritten Films. Diese Ehre gebührt Mads Mikkelsen als Gegenspieler Gellert Grindelwald. Nicht, weil er massiv viel mehr Screentime bekommt als Jude Law oder Eddie Redmayne als Newt Scamander, um den die Filmreihe eigentlich aufgebaut ist, sondern weil er die Rolle als Grindelwald dermaßen rockt, dass wohl jeder scharf nachdenken muss, wenn die Frage gestellt wird, wer im zweiten Teil die Rolle des Bösewichts übernommen hat. Ach ja, der Depp war’s. Aber während Depps Grindelwald eher eine milde Karikatur war, bekommt die Rolle unter Mikkelsen deutlich mehr Tiefe. Das hilft dem Film weiter, und das allmählich absackende Interesse nach dem zweiten Film wird wieder neu geweckt und macht Lust auf den vierten Teil der Reihe. Auch positiv ist, dass man sich wieder mehr an die Welt von Harry Potter erinnert fühlt – auch Hogwarts bekommt hier wieder seinen Auftritt. Oft ist es ja langweilig, ausgetretenen Pfaden zu folgen. In diesem Fall sorgt dieser Kniff aber dafür, sich wieder heimeliger zu fühlen, wenn man als Harry Potter-Fan mit dem zweiten Film ein wenig gefremdelt hat. Auch der dritte Teil der Reihe bleibt deutlich hinter dem grandiosen und charmanten Auftakt zurück, ist aber insgesamt ein Schritt in die richtige Richtung.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Cabbage Fairy (1896)

Regie: Alice Guy
Original-Titel: La fée aux choux
Erscheinungsjahr: 1896
Genre: Fantasy, Kurzfilm
IMDB-Link: La fée aux choux


Die Brüder Lumière, D. W. Griffith, Ferdinand Zecca, Edwin S. Porter, der von mir so hochgeschätzte Georges Méliès – man möchte meinen, die Anfänge des Films wären eine reine Herrendomäne gewesen. Dabei kommt der vielleicht weltweit erste Fantasy-Film von einer Frau, nämlich der Filmpionierin Alice Guy (später Alice Guy-Blaché). Und auch viele Kolleginnen schufen frühe Meisterwerke des Kinos, die in Sachen Kreativität, Witz und teils auch handwerklichem Geschick jenen ihrer männlichen Kollegen um nichts nachstanden, sie sogar übertrumpften. Es ist halt leider immer noch unfairer Bestandteil unserer Rezeption, dass die talentierten Damen gerne vergessen werden, während die Werke der Herren im Gedächtnis bleiben. „The Cabbage Fairy“, jener frühe Fantasy-Film von Alice Guy, mag vielleicht auf den ersten Blick nicht sonderlich erinnerungswürdig wirken, aber wenn wir auf das Jahr der Entstehung schauen, nämlich 1896, als die Technik des Films gerade einmal ein gutes Jahr alt war, ist das schon ein erstaunlicher Wurf. In diesem kurzen, einminütigen Film tanzt eine gutgelaunte Fee adrett durch ein Gemüsefeld und erntet dort unerwartete Früchte. Viel mehr passiert zwar nicht, aber es ist fast unmöglich, sich der Faszination dieses frühen Films zu entziehen, wenn man sich bewusst vor Augen hält, mit wie viel spielerischer Leichtigkeit und Witz das Thema schon in diesem frühen Anfangsstadium des Mediums umgesetzt wurde. Dafür gibt’s meine Bewunderung, die sich diesmal nicht in Kürbissen widerspiegelt, aber man muss natürlich festhalten, dass das Werk heute nur noch im Kontext seiner historischen Einordnung funktioniert und nicht mehr gut allein für sich stehen kann.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Matilda (1996)

Regie: Danny DeVito
Original-Titel: Matilda
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Komödie, Fantasy
IMDB-Link: Matilda


Kinderfilme, die man als Kind nie gesehen hat, später zum ersten Mal als Erwachsener zu sichten, kann zuweilen eine etwas schwierige Angelegenheit sein. Das liegt vorrangig daran, dass das Kind über andere Dinge lacht als der zynische bis misanthropische Erwachsene, dem es peinlich ist, wenn mal bei einem infantilen Witz der Mundwinkel leicht nach oben zuckt. Darauf gleich einen kräftigen Schluck Chateau Haut-Brion 1988 und eine sarkastische Bemerkung in der Hoffnung, niemand hätte diesen kurzfristigen Verlust der Impulskontrolle mitbekommen. Aber irgendwie sträubt sich das innere Kind dann doch recht vehement gegen die zur Schau gestellte, fadisierende Noblesse, und plötzlich bricht man in ein Kichern aus, wenn die misshandelte Schülerin, die von der bösartigen Direktorin Knüppelkuh per Hammerwurftechnik aus dem Fenster geschleudert wird, von Matildas Zauberkräften gerettet wird und eine astreine Landung im Blumenfeld hinlegt. „Matilda“ nach einem Kinderbuch des in diesem Genres omnipräsenten Roald Dahl unter der Regie von Danny DeVito (der sich nicht das Vergnügen nehmen ließ, selbst in die Rolle des ungustiösen Vaters mit dem Hang zur Kleinkriminalität zu schlüpfen) mag sich vielleicht an ein sehr junges Publikum wenden, ist aber mit genug Charme, Fantasie und Esprit umgesetzt, um auch ältere Semester zu unterhalten. Die Geschichte um ein junges, von den Eltern vernachlässigtes Mädchen, das eines Tages magische Kräfte an sich entdeckt, bietet genügend Gelegenheiten für absurd-komische Momente, die DeVito auch genüsslich zelebriert. Mara Wilson in der Hauptrolle der jungen Matilda macht ihre Sache sehr sympathisch, und es ist schade, dass ihre Karriere nie über den Status des Kinderstars hinauskam. Danny DeVito und seine Frau (auch im echten Leben) Rhea Perlman haben sichtlich Spaß an ihren Rollen, Embeth Davitz fällt der etwas undankbare Part zu, einfach nur entzückend zu sein, ohne allzu viel Tiefgang aufbauen zu können, und Pam Ferris in der Rolle der sadistischen Schuldirektorin hat körperlich einiges zu leisten. Meine Frau hat schon angekündigt: Wenn wir mal Kinder haben, wird „Matilda“ fest ins Filmprogramm aufgenommen. Ganz ehrlich: Ich habe nichts dagegen.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Columbia TriStar – © 1996 TriStar Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Aschenputtel oder der wundersame Pantoffel (1912)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Cendrillon ou la pantoufle merveilleuse
Erscheinungsjahr: 1912
Genre: Kurzfilm, Fantasy
IMDB-Link: Cendrillon ou la pantoufle merveilleuse


Warum das Märchen von Aschenputtel zu Ostern passt: Zu Ostern kommt der Osterhase und bringt den braven Kindern bunte Eier und Schokolade. Bei Aschenputtel kommt die gute Fee und bringt dem braven Mädel ein Paar neue Schuhe und den Märchenprinzen. Man kann also festhalten: Die gute Fee und der Osterhase sind im Grunde das gleiche Konzept. Die Existenz von beiden darf im Übrigen bezweifelt werden. Aber das nur als einleitende Gedanken, die einem kommen, wenn einem fad im Schädel ist. Jetzt zum eigentlichen Film, den wir hier besprechen wollen. 1912, nach nur etwas mehr als einer Dekade, in der das Filmschaffen maßgeblich geprägt hatte, war der Stern von Georges Méliès bereits am Sinken. Die Welt verlangte nach realistischeren Darstellungen, nach fiktionalem Erzählen, das sich nur schwer mit dem theatralischen Stil von Méliès vereinbaren ließ. Seine Neuauflage des Märchens Aschenputtel stieß daher nicht mehr auf allzu großes Interesse. Filmhistorisch gesehen ist das höchst unfair, denn diese Neuverfilmung ist ausgereifter und in sich runder und stimmiger als die erste Verfilmung. Ein Jahrzehnt mehr an Erfahrung macht sich klar bemerkbar. Mit einer Laufzeit von 23 Minuten ist dieser Film auch einer der längeren von Méliés. Aber es zahlt sich aus, diese 23 Minuten zu investieren. Das dauert auch nicht länger als die jährliche Suche nach Ostereiern. Womit wir wieder die Brücke zurück zur Einleitung gespannt hätten, auch wenn das, ehrlich gesagt, nicht notwendig war. Aber egal, irgendwie will man eine solche Rezension ja auch mal zu Ende bringen. Und jetzt klickt’s auf den Youtube-Link da unten, ihr Gfraster. Frohe Ostern!


8,0 Kürbisse

Aschenputtel (1899)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Cendrillon
Erscheinungsjahr: 1899
Genre: Kurzfilm, Fantasy
IMDB-Link: Cendrillon


Macht euch doch mal den Spaß, und zählt auf IMDB die Filme mit „Cinderella“ als Titel. Man könnte damit ein ganzes Filmfestival-Programm füllen, ohne auch nur einen einzigen Film mit anderem Titel aufnehmen zu müssen. Kaum ein anderes Märchen hat die Fantasie von Kunst- und Filmschaffenden so sehr befeuert wie jenes des armen Waisenmädchens, das von einer gutherzigen Fee die einmalige Chance bekommt, aus dem Elend auszubrechen. Oder wie es die EAV zusammenfasste: „Es lebte einst ein armes Mädel / Cinderella war sein Nam‘ / und es wartete vergebens / auf den Prinz‘, der niemals kam. / Sie schlief im Kohlenkeller / trotzdem war sie bettelarm / weil sie von der vielen Kohle / die da lag, zu wenig nahm.“ Ob Klaus Eberhartinger jemals den ersten Cinderella-Film überhaupt, eben jenen aus 1899 von Georges Méliès, sichtete, ist nicht überliefert. Man kann es nur vermuten. Was allerdings überliefert ist, ist der Ideenreichtum dieser allerersten Verfilmung. Und dieser Ideenreichtum beschränkt sich nicht ausschließlich auf die für Méliès üblichen gewitzten Spezialeffekte, sondern auch auf die Ausstattung und die Fantasie, mit der er die Szenerie gestaltet und das Märchen erzählt. Wenn sich um Mitternacht die Gehilfinnen der Feen in Uhren verwandeln, die daraufhin zu tanzen beginnen, dann geht das weit über die praktische Anwendung von Spezialeffekten hinaus. Hier erzählen die Effekte selbst die Geschichte. Ein frühes Meisterwerk – und witzigerweise übertraf Méliès einige Jahre später mit einem Remake noch einmal selbst die Qualität dieser ersten Aschenputtel-Verfilmung. Der Mann stand eben nie still.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von A7A09064_005.JPG – © Archives du 7e Art/DR, Quelle http://www.imdb.com)