Filmreisechallenge 2018

City of McFarland (2015)

Regie: Niki Caro
Original-Titel: McFarland, USA
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Sportfilm
IMDB-Link: McFarland, USA


Das Narrativ des Sportfilms ist wohl eines der starrsten überhaupt. Außenseiter (meist aus prekären Verhältnissen), ob Einzeln oder als Team, wächst über sich hinaus und straft die Kritiker Lügen. Am Ende steht der Sieg oder zumindest das ehrenvolle Abschneiden im Wettkampf. „City of McFarland“ von Niki Caro reiht sich nahtlos ein in die Geschichte der Sportfilme. Diesmal geht es um den Football-Coach Jim White (Kevin Costner), dem sein Temperament zum Verhängnis wird. Er wird gefeuert und findet nur noch in der kalifornischen Kleinstadt McFarland eine Anstellung an der dortigen High School. Fast alle Bewohner sind mexikanischer Abstammung, und die weiße Muster-Familie von Jim White tut sich erst einmal schwer, hier ihren Platz zu finden. Zu tief sind Vorurteile verankert. Durch Zufall findet White heraus, dass die örtlichen Burschen, gestählt vom Obstpflücken am Feld, vielleicht keine grandiosen Football-Spieler sind, aber laufen können wie die Hasen. Also gründet er kurzerhand McFarlands erstes Crosscountry-Team, das sich fortan mit Eliteschulen aus Palo Alto & Co. misst. Die klassische Außenseitergeschichte eben der Working Class, die in die elitäre Bourgeoisie einbricht und dort erst einmal Ablehnung widerfährt. Doch Jim White und seine Burschen lassen nicht locker, und die Heldengeschichte spitzt sich zu. „City of McFarland“ ist Wohlfühlkino. Das zeigt sich auch daran, dass die örtlichen Probleme wie beispielsweise eine hohe Kriminalitätsrate und Bandenschlägereien zwar nicht verschwiegen werden, aber im Grunde ihres Herzens sind eh alle gut und haben sich lieb, wenn es die Einstellung auf das jubelnde Publikum am Ende verlangt. Da treten auch ökonomische Zwänge und dergleichen mal in den Hintergrund. Und ja, das ist erbaulich, das will man sehen, aber es wird eben doch ein Stück weit von der Realität entfernt sein, in der sich Probleme nicht immer lockig-flockig in Luft auflösen, wenn man ins letzte Drittel einbiegt. Da hätte dem Film etwas mehr Realismus gut getan. Seine frohe Kunde vom Aufstieg der Außenseiter hätte er dennoch vermitteln können. Dennoch ein Film, den man sich gerne mal anschauen kann.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 33 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Die roten Schuhe (1948)

Regie: Michael Powell und Emeric Pressburger
Original-Titel: The Red Shoes
Erscheinungsjahr: 1948
Genre: Drama, Musikfilm
IMDB-Link: The Red Shoes


Rote Schuhe haben in der Filmgeschichte gerne mal besondere Eigenschaften – siehe zum Beispiel „Der Zauberer von Oz„. Warum rote Schuhe im Gegensatz zu grünen Schuhen oder gelben Schuhen so besonders sein sollen, erschließt sich mir nicht ganz, aber vielleicht ist ja Hans Christian Andersen daran schuld, der im 19. Jahrhundert das Märchen von den roten Schuhen geschrieben hat. Eben jenes Märchen möchte nun der große Ballettmanager Boris Lermontov (der österreichische Schauspieler Adolf Wohlbrück, der im englischen Exil als Anton Walbrook arbeitete) auf die Ballettbühne bringen, und zwar mit der jungen, aufstrebenden Tänzerin Victoria Page (Moira Shearer) in der Hauptrolle. Zwar ist Lermontov ein ziemliches Arschloch, doch genießt er in Kunst- und Societykreisen den besten Ruf und verspricht Victoria, aus ihr die größte Tänzerin aller Zeiten zu machen. Gleichzeitig sichert sich Lermontov die Dienste des talentierten Komponisten Julian Craster (Marius Goring), der die Partituren veredeln soll. Die Aufführung der „Roten Schuhe“ wird ein grandioser Erfolg, und die Entourage bereits die wichtigsten Städte Europas, um dort für Furore zu sorgen. Allerdings verkompliziert sich alles, wenn die Liebe ins Spiel kommt. Und so entspinnt sich eine Geschichte rund um Besessenheit, Ruhm und den Preis, den man für diesen zahlen muss. In vielerlei Hinsicht ist „Die roten Schuhe“ eine Art Blaupause für den späteren Darren Aronofsky-Film „Black Swan“. Die Themen sind ähnlich gelagert, und hier wie dort wird die Besessenheit gegen Ende hin mit den Mitteln der Fantastik verdeutlicht. Erstaunlich ist dabei das grandiose Handwerk des 1948 in Technicolor produzierten Films. Vor allem die Ballettszene, in der die „Roten Schuhe“ aufgeführt werden, ist meisterhaft inszeniert. Da verwundert es nicht, dass es Oscars für das beste Szenenbild und die beste Filmmusik gab sowie weitere Nominierungen für den besten Schnitt, das beste Drehbuch und den besten Film. Zwar hat der Film durchaus seine Längen, und die Geschichte selbst ist – trotz ihres allegorischen Wertes – nicht allzu vielschichtig, aber dennoch funktioniert der Film auch heute noch tadellos.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 47 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen

Ein Sommernachtstraum (1999)

Regie: Michael Hoffman
Original-Titel: A Midsummer Night’s Dream
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Fantasy, Komödie
IMDB-Link: A Midsummer Night’s Dream


Wenn Kevin Kline, Michelle Pfeiffer, Rupert Everett, Christian Bale, Calista Flockhart, Sophie Marceau, Dominic West, Stanley Tucci, David Strathairn, Sam Rockwell und Anna Friel gemeinsam in einem Film mitwirken, dann muss das Drehbuch schon was hergeben. Dazu braucht es schon ein Kaliber wie William Shakespeare. Die Verfilmung von „Ein Sommernachtstraum“ aus dem Jahr 1999 wirkt zunächst wie beste 90er-Jahre-Fernseh-Unterhaltung. Fast meint man, Prinzessin Fantaghirò käme demnächst ums Eck. Die Kulissen sind billig, die Masken und Special Effects auch, aber irgendwie ist das bunte Treiben unglaublich charmant. Die Verwirrung um zwei Noch-Nicht-Liebespaare, nämlich Lysander und Hermia, die sich zwar lieben, aber nicht lieben dürfen, weil Hermia Demetrius versprochen ist, der sich in sie verliebt hat und wiederum selbst unerwidert von Helena geliebt wird, reichte Shakespeare noch nicht aus. Um alle beteiligten Charaktere vollends ins Tohuwabohu zu stürzen, brauchte es auch noch einen Zauberwald mit dem König der Elfen und der Königin der Elfen und eine geheimnisvolle Blume, deren magische Kraft darin liegt, dass man, nachdem man an ihr gerochen hat, sich in die erste Person verliebt, die man nach dem Aufwachen erblickt. Und wenn das zufälligerweise ein Möchtegern-Schauspieler ist, der im Wald mit seinen Kollegen ein Stück zur Hochzeit des Fürsten einproben möchte, der zufälligerweise von einem schalkhaften Kobold (der großartige Stanley Tucci) auch noch in einen Mensch-Esel-Hybrid verwandelt wurde, dann dauert es natürlich eine Weile, bis sich alles wieder in bestem Wohlgefallen aufgelöst, die Liebenden zueinander gefunden und die Schauspieler ihr Stück auf die Bühne gebracht haben. Diese Längen kann man dem Film durchaus ankreiden, aber gut, diesbezügliche Beschwerden wären wohl an den Verfasser der Zeilen zu richten, und den wird es 400 Jahre nach seinem Ableben kaum mehr jucken.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 61 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

The Wedding Party (2016)

Regie: Kemi Adetiba
Original-Titel: The Wedding Party
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: The Wedding Party


Hochzeiten bieten Gelegenheiten zu hysterischen Auszuckern. Wenn etwas schief geht am größten und bedeutendsten Tag des Lebens, kann man schon mal die Nerven wegschmeißen. Filmemacher auf der ganzen Welt wissen das natürlich und schlachten auf halblustige bis lustige Weise diesen Topos gerne in romantischen Komödien aus. So verwundert es kaum, dass ausgerechnet „The Wedding Party“ der finanziell erfolgreichste Film in Nigeria aller Zeiten wurde – bis er von „The Wedding Party 2“ abgelöst wurde. Jedem Land sein „Hinterholz 8“. Was ich persönlich spannend fand, war die Sicht auf Nigeria, ein Land, zu dem ich persönlich so gut wie keinen Bezug habe. Vor zwei Jahren habe ich mal einen nigerianischen Film gesehen, „Green-White-Green“, aber das war’s mit meinen Nigeria-Erfahrungen dann auch schon wieder. Die Geschichte in „The Wedding Party“ ist allerdings universell. Sie funktioniert mit Ausnahme von ein paar folkloristischen Details und der babylonischen Sprachverwirrung zwischen Englisch und Yoruba und dem damit einhergehenden Status-Unterschied der beiden Familien, die hier zusammenfinden, im Grunde überall gleichermaßen. Hysterische Braut, überforderter Bräutigam mit Vorgeschichte, zickige High Society-Mutter, nerviges und übertrieben mütterlich dargestelltes Land-Ei als zweite Mutter, zwei Väter, die zu schlichten versuchen – man kann nicht sagen, dass die Geschichte auch nur irgendwo mit Originalität glänzt oder auch nur ein Statement abgeben möchte. Die lustigen Szenen sind leider im besten Fall halblustig, und dafür, dass es sich um eine Komödie handeln soll, blieb mir das Schmunzeln leider immer knapp unterhalb des faden Auges hängen. Dazu kommt, dass ca. 99% der engagierten Schauspieler leider überhaupt nicht schauspielern können. Da werden dramatisch Augen aufgerissen, Hände in die Hüften gestemmt – jede Telenovela bietet dagegen Oscar-reifes Schauspiel. So ist „The Wedding Party“ leider ein recht verunglückter Film aus meiner Sicht. Ich freue mich, dass so viele Nigerianer ihren Spaß damit hatten – und wahrscheinlich spielt auch der kulturelle Unterschied da mit rein, sodass mir als europäischem Rezipient wohl viele Details, die ein Nigerianer saukomisch findet, aus Unwissenheit schlicht entgangen sind – aber empfehlenswert ist der Film leider nicht.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 7 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


3,0
von 10 Kürbissen

Meru (2015)

Regie: Jimmy Chin und Elizabeth Chai Vasarhelyi
Original-Titel: Meru
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Meru


Im Himalaya gibt es bekanntermaßen hohe Berge. Und immer wieder findet man dort Verrückte, die versuchen, da hinaufzukraxeln. Der Dokumentarfilm „Meru“ erzählt die Geschichte dreier Verrückter. Conrad Anker, Jimmy Chin und Renan Ozturk wollen etwas schaffen, was noch keinem gelungen ist: Die „Haifischflosse“ des 6.600 Meter hohen Meru über den Nordwestrand besteigen. Das heißt, dass die drei Wahnsinnigen über eine Woche oder länger eine fast senkrechte, babypopoglatte Wand hinaufhirschen inklusive Biwakierung in eben jener Wand. Das Zelt wird quasi in der Wand aufgehängt und man baumelt dann fröhlich über tausende Meter tiefe Abgründe. Ja, wer’s mag … Der erste Versuch endet nicht so fröhlich, denn knapp unterm Gipfel ist Schluss mit Proviant, Kräften und Möglichkeiten. Aber wie wir aus ähnlich gelagerten Filmen wissen: Das ist nicht das Ende der Geschichte. Und in der Zwischenzeit muss noch Dramatisches passieren, ehe sich die drei wagemutigen Freunde noch einmal an der Wand versuchen können. In Interviews (unter anderem mit Jon Krakauer) wird die Motivation der drei Freunde, sich dieser fast unmöglichen Herausforderung zu stellen, beleuchtet. Richtig gut ist der Film aber vor allem dann, wenn man hautnah am Geschehen dabei ist. Zu verdanken ist das Jimmy Chin, der den Aufstieg stets mitgefilmt hat. Und hier wird klar, welch übermenschlichen Anstrengungen hinter einer solchen Unternehmung stecken. Leider wird zwar immer wieder die Motivation der drei angeschnitten, aber nicht wirklich durchleuchtet. Zu sehr mag der Film seine drei Helden, und die Begründung für das Risiko, das sie eingehen, fällt vielleicht aus neutraler Sicht, wenn man da unten in der Tiefe des Wiener Beckens hockt, etwas zu lapidar aus. Aber verstehen kann man diese Typen vielleicht ohnehin nie.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 32 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,5
von 10 Kürbissen

Mamma Mia! (2008)

Regie: Phyllida Lloyd
Original-Titel: Mamma Mia!
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Musical, Komödie
IMDB-Link: Mamma Mia!


„Mamma Mia!“ ist: Ein totaler ABBA-Overload. Eine eineinhalbstündige Griechenland-Werbung. Eine hauchdünne Story. Amanda Seyfrieds Lächeln. Ein erbarmungswürdiger, aber bemüht singender Pierce Brosnan. Ein Colin Firth, der direkt vom Bridget Jones-Set nach Griechenland gekommen ist. Ein Stellan Skarsgaard gegen den Strich besetzt, was ihm zeitweise wohl auch gegen den Strich geht. Eine der wenigen Rollen, für die Meryl Streep keine Oscar-Nominierung erhalten hat. Amanda Seyfrieds strahlendes Lächeln. Die Demonstration dessen, was die Menschheit mal machen wird, wenn jemand endlich das Beamen erfunden hat – nämlich plötzlich hunderte tanzende Menschen auf einem bis dato menschenleeren Strand auftauchen lassen. Ein wirklich eindrucksvolles blaues Meer. Sex on the Beach (auch wenn darüber nur geredet wird). Singen. Tanzen. Lachen. Ein Feelgood-Movie also, in dem Probleme einfach weggesungen werden. Amanda Seyfrieds unbeschreibliches Lächeln, in das man sich sofort verliebt. Die Erfindung des Flossenmarschiertanzes (allein dafür muss der Film ins National Film Registry zur Bewahrung für Nachwelten aufgenommen werden). Dancing Queens. Malerische Kapellen auf Klippen. Verwirrte Pfarrer. Griechische Fischer. Ein Mitgrund für die Verschuldung Griechenlands, denn diese Werbeeinschaltung hat richtig Geld gekostet. Und erwähnte ich schon Amanda Seyfried, die man vom Fleck weg heiraten möchte? Singen kann sie auch noch wie keine zweite und rettet damit sogar selbst einen Pierce Brosnan aus manch aussichtsloser Lage. In Summe: Wer ABBA-Songs mag und einfach mal eineinhalb Stunden schöne Bilder und nette Songs genießen möchte, macht mit „Mamma Mia!“ nichts falsch. Manchmal habe ich auch solche Tage – und so funktioniert für mich der Film richtig gut.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 45 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel (1985)

Regie: George Miller und George Ogilvie
Original-Titel: Mad Max Beyond Thunderdome
Erscheinungsjahr: 1985
Genre: Action, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max Beyond Thunderdome


Max Rockatansky hat es in der Endzeit-Wüsten-Welt auch nicht leicht. Eh nur mit Kamelen unterwegs, werden die ihm in der ersten Szene gleich auch noch geklaut. Zu Fuß kommt er also in die Wüstenstadt Bartertown, die von Auntie (Tina Turner, ja: TINA TURNER!) aufgebaut wurde. Leider hat das Tantchen gerade ein Problem: Unter der Stadt wird in einer Fabrik Schweinemist zu Methangas verarbeitet, das wiederum für die Stromversorgung der Stadt genutzt wird. Der Leiter der Fabrik, Masterblaster (diese Namen!), eine Art Zweckgemeinschaft aus dem kleinwüchsigen Master („the Brain“) und dem Hünen Blaster („the Muscle“), die ein bisschen an einen Hai und seinen Putzerfisch erinnert, macht Probleme. Denn eigentlich hält sich Master für … nun ja … den Master der Stadt. Und Tantchen schmeckt das nicht. Also heuert sie Mad Max als Söldner an, um den Blaster von seinem Master zu trennen, also den Körper unter dem Kopf wegzuschlagen. Gut, dass es den „Thunderdome“ gibt – denn in diesem Käfig findet die Rechtssprechung statt, wenn zwei einen Wickel haben. Die Regeln sind leicht verständlich: Zwei gehen rein, einer kommt raus. Also Blaster und Mad Max rein … und dann entwickelt es alles doch ein bisschen anders als gedacht. Es endet damit, dass Max wortwörtlich in die Wüste geschickt wird. Aber alles halb so wild, dort findet er neue Freunde. Irgendwie ist „Jenseits der Donnerkuppel“ ein seltsamer Film, der aus zwei Teilen besteht, die irgendwie nicht so richtig zusammenfinden wollen. Während die eine Hälfte des Films in Bartertown spielt und es um diese Machtgeschichte zwischen Auntie und Masterblaster geht, wechselt der Fokus in der zweiten Hälfte auf eine Gemeinschaft von Kindern und Jugendlichen, die als Nachkommen von Überlebenden eines Flugzeugabsturzes in einer Oase leben. Beide Teile für sich haben ihre Argumente: Die erste Hälfte ist halt wieder staubtrockene Endzeit-Action (in denen die Figuren noch etwas motivationsloser und weniger glaubhaft als in den ersten beiden Mad Max-Filmen sind, aber die Action passt), die zweite Hälfte dann fast schon so eine Art Aussteiger-Öko-Kommunen-Drama, in dem skizziert wird, wie nach der Apokalypse Wissen verloren geht und sich stattdessen Kulte und Riten etablieren. Durchaus interessant – aber die beiden Teile passen nicht zueinander. So ist der dritte Teil der Mad Max-Filmreihe sicherlich der schwächste. Zwar immer noch unterhaltsam, aber nichts, was man danach unbedingt noch einmal sehen muss.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 28 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,0
von 10 Kürbissen

Mad Max 2 – Der Vollstrecker (1981)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max 2: The Road Warrior
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max 2: The Road Warrior


Der zweite Mad Max-Film gehört zu den seltenen Fällen, in denen die Fortsetzung besser als das Original ist. Möglich gemacht hat dies der große Erfolg des ersten Films, dank dem George Miller für die Fortsetzung ein ordentliches Budget zur Verfügung hatte, das er dann gleich mal für richtig gelungene Action-Szenen und der Umsetzung seiner dystopischen Vorstellungen einsetzte. Die Zukunft ist noch abgefuckter als in Teil 1. Das wichtigste Gut der Menschen ist Benzin. Um eine zu einer Festung ausgebauten Raffinerie tobt ein heftiger Kampf zwischen einer Gang von Outlaws unter Lord Humungus und den Menschen, die in der Raffinerie leben und diese betreiben. Max Rockatansky (Mel Gibson), auf der Suche nach Benzin, lässt sich auf einen Deal ein: Er bringt den Leuten einen Sattelschlepper in die Raffinerie, mit dem sie den Benzintank transportieren können, und sie geben ihm dafür Benzin. So weit, so gut. Dass das alles nicht so einfach ist, wenn man in einer Welt lebt, in der es nur noch Verrückte gibt, für die ein Menschenleben nichts wert ist, erschwert die Sache natürlich enorm. Aber Mad Max ist ja auch kein Waldorfschulenabsolvent, und so nimmt der Action-Kracher ordentlich Fahrt auf. Was an „Mad Max 2 – Der Vollstrecker“ überzeugt, ist das reduzierte, aber dennoch sehr wirkungsvoll dystopisch in Szene gesetzte Setting. Das hat schon ein spürbares Endzeitflair. Auch ist der sehr geradlinig inszenierte Film höllisch spannend und weist keine Längen auf. Da ist kein Gramm Fett dran an diesem Mad Max-Film. Trotzdem bleibt der Film unterm Strich natürlich das, was er ist: Ein schnörkelloser Endzeit-Actionfilm, der durch möglichst viele gelungene Explosionen unterhalten will, aber nicht unbedingt eine tiefgründige Botschaft oder besonders ausgeklügelte Motivationen seiner Figuren mit sich bringt. Als Actionfilm funktioniert der Film aber tadellos.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 27 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,0
von 10 Kürbissen

Mad Max (1979)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max
Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max


Wenn man keine Kohle hat, muss man für eine Filmszene auch schon mal seinen eigenen Wohnwagen zerschreddern. Diese cineastische Grenzerfahrung machte George Miller bei seinem Low Budget-Actionfilm „Mad Max“, der zu einem überraschenden Box Office-Hit und Kultfilm geriet (weshalb er dann in weiterer Zukunft seine Wohnwägen behalten durfte). Wenn man den Film in einem Satz beschreiben müsste, würde dieser wohl lauten: Auf dem Highway ist die Hölle los. In einem dystopischen Australien der Zukunft machen Biker-Gangs die Straßen unsicher. Die Polizei stellt sich diesen mit aller Brutalität entgegen und ist dabei um keinen Deut besser. Max (Mel Gibson in der Rolle, die nicht nur George Millers Wohnwagen, sondern auch ihm zum Durchbruch verhalf) ist einer der besten Polizisten. Entspannung nach adrenalinberauschten Verfolgungsjagden findet er zuhause bei Frau und Kind. Doch als er einen berüchtigten Biker, der gerade freiwillig seinen Gefängnisurlaub verkürzt hat, unter die Räder kriegt, legt er sich mit der gefürchtetsten Gang von allen an, die vom sadistischen Toecutter geleitet wird. Klarerweise ist das schon bald eine Belastung für das Familienglück. Doch einen Mad Max macht man besser nicht wütend, denn das geht zulasten der eigenen Gesundheit. Ich kannte bislang nur „Mad Max: Fury Road“ und nutzte die Filmreisechallenge, um die Bildungslücke der fehlenden Original-Trilogie nachzuholen. Im Gegensatz zum schrillen, wüst-trostlosen „Fury Road“ und auch zu den beiden Fortsetzungen ist der erste Mad Max-Film noch erstaunlich gegenwartsnah. Das Dystopie-Feeling der späteren Filme stellt sich noch nicht ein. Dafür sieht man einen schlanken Rache-Action-Reißer, der aus geringen Mitteln viel macht. Dennoch: Wenn man sich aus schnellen Autos und wilden Verfolgungsjagden nicht viel macht, ist „Mad Max“ zwar unterhaltsam, aber nicht so wahnsinnig interessant, da insgesamt doch recht eindimensional.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 26 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Robin Hood, König der Vagabunden (1938)

Regie: Michael Curtiz und William Keighley
Original-Titel: The Adventures of Robin Hood
Erscheinungsjahr: 1938
Genre: Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: The Adventures of Robin Hood


„Robin Hood, König der Vagabunden“ (auch vermarktet als „Die Abenteuer des Robin Hood“) ist quasi der Urknall des Strumpfhosenfilms. Enger saßen die Strumpfhosen erst 40 Jahre später im ersten Superman-Film. Außerdem war das bunte Technicolor-Abenteuer stilbildend für die kommenden Robin Hood-Filme, darunter das Zeichentrickabenteuer von Disney (wird wohl für den Rest meines Lebens meine Lieblingsverfilmung des Robin Hood-Themas bleiben) oder die wunderbare Parodie „Helden in Strumpfhosen“, womit wir wieder beim wichtigsten Ausstattungsmerkmal des Klassikers wären. Generationen von Menschen sind dank des Films in der festen Überzeugung aufgewachsen, dass Bogenschützen lustige Federhüte tragen müssen, in Grün und Rot gekleidet sind und im Idealfall auch noch wie Errol Flynn aussehen. Ich denke, damit sind auch viele schlechte Bewertungen der Ridley Scott-Gurke aus dem Jahr 2010 erklärt. Robin Hood als grimmiger Muskelprotz, der auch blutet, schwitzt und Dreck im Gesicht hat? Sakrileg! Denn wenn man sich auf etwas in „Robin Hood, König der Vagabunden“ verlassen kann, dann darauf, dass niemand blutet, schwitzt oder Dreck im Gesicht hat. Fröhlich grinsend und scherzend hüpfen die Schauspieler bei den Schlachtenszenen im Kreis herum – gerade, dass sie sich nicht alle, ob Freund oder Feind, an den Händen fassen und einen Ringeltanz aufführen. Wenn nur alle körperlichen Auseinandersetzungen so herzerfrischend wären, unser Planet wäre friedlicher als ein Sonntagsbrunch in einem buddhistischen Kloster. Jedenfalls ist „Robin Hood, König der Vagabunden“ eine herrlich naive und unschuldige Angelegenheit, beim Lachen wirft man den Kopf zurück (und da man sehr viel lacht in diesem Film, frage ich mich, ob sich Errol Flynn nicht irgendwann mal während der Dreharbeiten eine Genickstarre eingefangen hat) und gegessen wird natürlich schmatzend und lachend von zehn Kilo schweren Keulen (Ursprungstier: Brontosaurier). Und das alles macht schon auch richtig Spaß. Ernst nehmen kann man den Film nicht, aber als quietschbuntes Sonntagsvergnügen taugt er auch heute noch.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 14 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen