Autor: Filmkürbis

Minari – Wo wir Wurzeln schlagen (2020)

Regie: Lee Isaac Chung
Original-Titel: Minari
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Minari


Der 1. November 2020, die Urania in Wien. Zum letzten Mal für lange Zeit sitzen der Filmkürbis und viele andere in einem Kinosaal. Das hätten wir uns damals alle nicht gedacht, dass der nächste Kinobesuch über ein halbes Jahr auf sich warten lassen würde. Diese Woche war es aber endlich wieder soweit, und mit dem mehrfach oscarnominierten „Minari“ von Lee Isaac Chung fiel der Neustart qualitativ auch gleich sehr befriedigend aus. Stark autobiografisch geprägt erzählt der Film von einer koreanischen Auswandererfamilie, die in Arkansas eine Farm gründet – mit all den Schwierigkeiten, die bei einem solchen Unterfangen zu erwarten sind. Rassismus ist (mit Ausnahme einer eher unschuldigen, der Neugierde entstammenden Szene unter Kindern) überraschenderweise keine davon, und das tut dem Film auch sehr gut. Chung konzentriert sich lieber auf die familiären Herausforderungen, die entstehen, wenn der Familienvater (Steven Yeun), der sein Leben lang als einfacher Arbeiter verbracht hat, endlich auf eigenen Füßen stehen und Erfolg haben möchte. Die Verlorenheit seiner Frau (Han Ye-ri) kann man gut nachvollziehen. Erst der Einzug der Großmutter (Yoon Yeo-jeong, höchst verdient mit einem Oscar für ihre Leistung geadelt) bringt trotz anfänglicher Schwierigkeiten die Familie wieder näher zusammen. „Minari“ hat seine komischen Momente, vor allem, wenn Will Patton als verwirrter, aber fleißiger Paul auf der Leinwand auftaucht, oder wenn Großmutter Soon-ja so ganz und gar nicht großmütterlich die Familie aufmischt, aber es sind die stillen Momente, die „Minari“ definieren. Das Streben nach Glück wird zur Zerreißprobe, und der Film beschönigt in dieser Hinsicht nichts, ohne zu dramatisieren. Gleichzeitig ist auch immer Raum für Hoffnung. Es liegt an uns selbst, was wir aus unserem Leben machen. Ein schöner Film, der sich die große Leinwand redlich verdient hat.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Wolf of Wall Street (2013)

Regie: Martin Scorsese
Original-Titel: The Wolf of Wall Street
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Biopic, Satire, Drama
IMDB-Link: The Wolf of Wall Street


Manche Geschichten sind so irre, dass sie nur vom Leben selbst geschrieben werden können. Die Geschichte von Jordan Belfort, der mit viel Chuzpe, noch mehr Drogen und einer völligen Ignoranz gesellschaftlicher Spielregeln, auch „Gesetze“ genannt, zu unverschämt viel Reichtum gekommen ist. In gewisser Weise ist Jordan Belfort in Leonardo DiCaprios Filmografie die logische Weiterentwicklung des Hochstaplers Frank Abagnale aus Catch Me If You Can. Doch während Abagnale noch ein gewitzter Lausbub mit Gewissen war, ist Jordan Belfort quasi ein Virus unserer Zeit. Geld regiert die Welt, und Geld hat man nie genug. Der FBI-Agent Patrick Denham (Kyle Chandler) als moralischer Gegenentwurf steht da von Anfang an auf verlorenem Posten. Es sind die Schurken, die im Gedächtnis bleiben: Belfort selbst natürlich, aber auch seine Entourage, die von einem entfesselt aufspielenden Jonah Hill als Donnie Azoff angeführt wird. Und ganz ehrlich: Auch wenn DiCaprio eine der besten Leistungen seiner Karriere abliefert, so stiehlt im Matthew McConaughey als Mentor Mark Hanna in nur fünf Minuten die ganze Show. Der ganze Film und all seine Darstellerinnen und Darsteller wirken so, als hätte Scorsese sich selbst und seiner Crew an jedem Drehtag morgens eine ordentliche Dosis Marschierpulver eingeworfen und dann einfach die Kamera eingeschaltet und auf das ganze Chaos draufgehalten, bis die Filmrolle leer ist. Ein Energieanfall des Altmeisters, der berechtigterweise zu den denkwürdigsten Filmen der letzten zehn Jahre zählt. Über Moral und Anstand braucht man da nicht mehr diskutieren. Und genau deshalb ist der Film auch ein so guter Kommentar auf unsere Zeit.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Mary Cybulski – © 2013 Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Lucky Number Slevin (2006)

Regie: Paul McGuigan
Original-Titel: Lucky Number Slevin
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Komödie, Action, Krimi, Thriller
IMDB-Link: Lucky Number Slevin


Es ist auch schon wieder eine Weile her, dass Josh Hartnett angesagt war. Aber Anfang der 2000er hatte er einen richtig guten Lauf. Und auch in Paul McGuigans amüsanten Thriller „Lucky Number Slevin“ passt er mit seinem unschuldigen G’schau richtig gut. Der etwas verpeilte Slevin, eben Hartnett, ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Er ist gerade in die Stadt gekommen und will einfach ein paar Tage bei seinem Kumpel Nick übernachten, aber Nick ist nicht da. Dafür zunächst die süße und extrem quirlige Nachbarin Lindsey (Lucy Liu), dann ein paar finstere Schlägertypen – blöderweise von zwei verfeindeten Gangsterbossen (Morgan Freeman und Ben Kinglsey), in dessen Kleinkrieg der sichtlich ratlose Slevin hineingezogen wird. So will der eine die Schulden von Nick beglichen haben und der andere, dass Slevin den Sohn des Rivalen meuchelt. Nichts eben, was man so alltäglich mal macht. Gemeinsam mit Lindsey versucht Slevin, irgendwie den Kopf über Wasser zu halten, um aus der Nummer wieder rauszukommen. Aber da ist dann auch noch Mr. Goodkat (Bruce Willis), der ein undurchschaubares Spiel spielt. „Lucky Number Slevin“ erinnert stark an ähnliche Kracher wie „Kiss Kiss Bang Bang“ oder Gangsterfilme von Guy Ritchie. Man nehme stoische, zwielichtige Hauptfiguren, absurde Plot-Twists, gewitzte Dialoge, Sonnenbrillen, einen Haufen Kanonen und viel Kunstblut, und das Ding läuft. Das Schöne bei diesen Filmen ist, dass sie im besten Fall trotz aller Formelhaftigkeit bis zum Schluss überraschen können, ohne dabei ihren Plot ad absurdum zu führen. Den Twist am Ende habe ich jedenfalls lange nicht kommen gesehen. Die Darstellerriege – und da versammelt sich schon die Crème de la Crème Hollywoods – hat sichtlich Spaß an der Sache und spielt gekonnt auf. Und so kommt am Ende eben ein einfach guter Film heraus, der bei der ersten Sichtung aufgrund der Kapriolen, die die Handlung schlägt, sicherlich noch besser unterhalten kann als beim wiederholten Male, jedenfalls aber große Qualität aufweist.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Love and Monsters (2020)

Regie: Michael Matthews
Original-Titel: Love and Monsters
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Abenteuerfilm, Komödie, Action, Science Fiction
IMDB-Link: Love and Monsters


Manchmal ist es bei Filmtitel sehr simpel: You get what you see. „Snakes on a Plane“ ist so ein Beispiel. „Love and Monsters“ von Michael Matthews ein anderes. Es geht um die Liebe. Und um Monster. Und wie man Letztere überwindet, um Ersteres zu bekommen. So einfach ist das. Also geht es im Film nur darum, dass der eher patscherte Joel (Dylan O’Brien) nach der Apokalypse 80 Meilen durch monsterverseuchtes Land latscht, um seine Jugendliebe Aimee (Jessica Henwick) wiederzufinden. Ihm zur Seite stehen dabei ein oscarverdächtig aufspielender Hund und zeitweise der mürrische Survivalexperte Clyde (Michael Rooker) sowie das junge Mädel Minnow (Ariana Greenblatt). Wer da an „Zombieland“ denkt, hat jedenfalls die gleichen Assoziationen wie ich. Überhaupt ist der Film – böse gesagt – ein Rip-Off des saukomischen Zombie-Krachers von Ruben Fleischer. Originelle eigene Ideen sucht man hier vergebens. Am ehesten macht der Film noch eine überraschende Schleife im letzten Drittel, aber auch diese Entwicklungen reißen den routinierten Filmschauer nicht aus dem Sofa. Was aber dann doch für „Love and Monsters“ spricht, ist der Unterhaltungswert. Er ist flott inszeniert, wird von Dylan O’Brien in der Hauptrolle gut getragen und das Monster-Design ist liebevoll und eher zum Schmunzeln als zum Fürchten anregend umgesetzt. Im Vergleich zu „Zombieland“, und ja, wie schon gesagt, diesen Vergleich muss sich „Love und Monsters“ jedenfalls gefallen lassen, kommt der Humor aber etwas zu kurz, und auch die Charaktere sind in „Zombieland“ denkwürdiger. Aber gut, Woody Harrelson ist nun mal Woody Harrelson – ein Michael Rooker kann da beim besten Willen nicht mithalten. Unterm Strich bleibt also „Love and Monsters“ aufgrund fehlender Originalität und nur sparsam eingesetztem Humor doch unter seinen Möglichkeiten, aber für einen unterhaltsamen Filmabend reicht es allemal. (Im Bild oben ist übrigens keines der angesprochenen Monster zu sehen – nur zur Klarstellung.)


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

True Heart Susie (1919)

Regie: D. W. Griffith
Original-Titel: True Heart Susie
Erscheinungsjahr: 1919
Genre: Liebesfilm, Drama
IMDB-Link: True Heart Susie


D. W. Griffith ist eine ambivalente Figur, die man in ihre Zeit einordnen muss. Sein Epos „The Birth of a Nation“ gilt einerseits als cineastisches Meisterwerk, andererseits als offen rassistisch und Glorifizierung des Ku Kux Klans – was Spike Lee gut hundert Jahre später in seinem BlacKkKlansman mit einem bitterbösen und saukomischen Rundumschlag verarbeitet hat. „True Heart Susie“ aus dem Jahr 1919 gilt da als deutlich unproblematischer und zeigt auch recht deutlich auf, wie weit Griffith als Filmmacher seiner Zeit voraus war. Darin geht es um Susie, ein junges Mädchen vom Land (Lillian Gish), die hoffnungslos in den Nachbarjungen William (Robert Harron) verschossen ist. Dieser möchte studieren, hat aber nicht das Geld dafür. In einem Akt, der irgendwo zwischen Altruismus und naiver Selbstaufgabe pendelt, verkauft Susie die einzige Kuh der Familie und schiebt ihrem geliebten William das Geld unter dem Deckmantel eines anonymen Spenders zu. William kann also in die Stadt ziehen und dort die ersten Schritte zu seiner Karriere setzen. Doch die Dinge nehmen nach seiner Rückkehr einen anderen Verlauf, als die immer noch schmachtende Susie gehofft hat, als das selbstsüchtige Partygirl Bettina (Clarine Seymour) in ihr Leben tritt. „True Heart Susie“ nimmt sich durchaus Zeit für die psychologische Entwicklung der Figuren und erzählt eine Geschichte, die heute zwar so keine Relevanz mehr hat, aber als Kind ihrer Zeit in sich stimmig und schlüssig und mit auch heute noch funktionierenden dramatischen Mitteln aufgebaut ist. Zentrum des Films ist Lillian Gish, die dank ihres naturalistischen Schauspiels Susie emotional nachvollziehbar und zugänglich macht. Natürlich liegt mittlerweile sehr viel Patina auf diesem Film, aber wenn man sich auf diese angestaubte Art der Erzählung einlassen kann, ist die Handlung auch heute noch mitreißend und unterhaltsam. Um „The Birth of a Nation“ werde ich wohl weiterhin einen Bogen machen, aber mit „True Heart Susie“ hat mich Griffith definitiv schon mal überzeugt.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Planet der Affen (2001)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 2001
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Action
IMDB-Link: Planet of the Apes


Da ich vor einiger Zeit die originale Planet der Affen-Filmreihe hier rezensiert habe und die neue Origin-Trilogie ohnehin schon vor einiger Zeit auf diesem Blog besprochen wurde (sehr wohlwollend im Übrigen), heißt es nun, die Hosen runterzulassen und zu zeigen, wie weit die Affenliebe geht. Denn Tim Burtons Versuch zu Beginn des neuen Jahrtausends, die Filmreihe wiederzubeleben, ist cineastisch harte Kost. Ein im Grunde ziemlich sinnloser Film mit sinnloser Handlung, der lediglich mit den für damaligen Verhältnissen sehenswerten Costume Designs und Masken punkten kann. Aber diesem zeitlichen Zwischending zwischen alter Filmreihe und neuer Trilogie fehlt der Charme und der gesellschaftssatirische Ansatz der ersten Filme wie auch das kohärente Storytelling und die Ernsthaftigkeit der neuen Trilogie. Man könnte sagen: Tim Burtons Film vereint von beiden Welten das Schlechteste. Dass dann auch noch Mark Wahlberg, der in seiner Karriere mit „The Departed“ nur einen wirklich herausragenden Moment hatte, die Last der Hauptrolle stemmen muss, ist der letzte Gnadenschuss, den der Film noch braucht, um endgültig in der Versenkung zu verschwinden. Als Gegenspieler macht Tim Roth seine Sache gut, an seiner eiskalt-dämonischen Darstellung liegt es nicht, dass der Film so missglückt ist, wie er ist, aber ein Affe allein macht eben auch noch keine Herde. Und so bleiben am Ende ein paar gelungene Schauwerte in Sachen äffischer Mimik, stellenweise recht gelungene Action und eben Tim Roth, die dafür sorgen, dass man – wenn man konsequent für zwei Stunden das Hirn ausschalten kann – dann doch bis zum Ende durchhält. Klappe zu, Affe tot.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Soul (2020)

Regie: Pete Docter
Original-Titel: Soul
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Animation
IMDB-Link: Soul


Am Ende kriegen sie einen doch. Monatelange habe ich das Disney+ Abo verweigert, da ich nicht eingesehen habe, warum ich neben Netflix und Amazon Prime noch für einen dritten Streaming-Anbieter zahlen soll. Das mit den unterschiedlichen Streamingdiensten franst allmählich aus wie meine Figur nach den Weihnachtsfeiertagen. Aber dann möchte man sich einfach wieder mal gepflegt alle Star Wars-Filme reinziehen, rechnet das durch und kommt zähneknirschend zu dem Schluss, dass es jedenfalls sinnvoller ist, einen Monat lang seinen Obolus an den Konzern mit der Maus abzutreten als Amazon das Geld für jeden Film einzeln nachzuwerfen. Und wenn man schon seine Seele an Micky Maus verkauft hat, kann man auch gleich nachholen, was man zuletzt aus der Disney-Schmiede verpasst hat. So etwa den aktuellen Oscar-Gewinner für den besten Animationsfilm. Gleich vorweg: Die Animationen von „Soul“ sind über jeden Zweifel erhaben. Pixar zeigt, wie lebensnah Animationskunst heute sein kann. Und mit Pete Docter sitzt jemand im Regiestuhl, der für einige der größten Meisterwerke der Animationsfilmgeschichte (und vielleicht der Filmgeschichte generell) verantwortlich zeichnet. So gesehen ist alles angerichtet für ein seelenvolles Abenteuer für Jung und Alt. Und der Film liefert. Die Geschichte des Musiklehrers Joe, der ausgerechnet an dem Tag, an dem er die Chance seines Lebens erhält, am Abend in einem angesagten Jazzclub mit einem Superstar der Szene zu musizieren, durch eine Unachtsamkeit das Zeitliche segnet und nun als Seelen-Mentor für die unvermittelbare Seele Nr. 22 auf die Erde zurückzukehren versucht, bietet einiges an Gedankenfutter, ohne dabei auf den Unterhaltungswert zu vergessen. Pete Docter geht dabei der Frage nach, was denn unser innerer Funke ist, der unser Leben erst lebenswert macht – und wie man diesen findet. Da das nicht der einfachste Stoff ist, den man mit filmischen Mitteln verarbeiten kann, gilt „Soul“ wohl zurecht als bisher „erwachsenster“ Film der Pixar Studios. Auch wirkt der Humor diesmal etwas reduziert. Zwar gibt es genug zu schmunzeln und zu lachen – vor allem im Mittelteil des Films, als Joe und Seele 22 wieder auf der Erde landen, aber nicht so, wie sie sich das ausgemalt haben – doch geht es in „Soul“ eindeutig mehr um die Botschaft als den reinen Unterhaltungswert, und das passt schon so. Hier trifft der Film die richtigen Töne. Und apropos Töne: Die treffen auch Atticus Ross und Trent Reznor mit der Filmmusik, für die sie verdient ihren zweiten Oscar einheimsen durften (einfach mal nach „Just Us“ googeln – trust me!). Und doch – nach all diesem berechtigtem Lob für den Film muss ich festhalten, dass er mich wider Erwarten nicht so sehr berühren konnte wie andere Filme von Pixar. Ich kann nicht mal genau festhalten, woran es liegt – vielleicht wirkt das alles auf mich zu gewollt und zu konstruiert – aber irgendwie fehlt mir hier die Frische und ja, auch Originalität, für die ich Pixar-Filme so liebe. Unterm Strich ist für mich „Soul“ vielleicht keine Kopie, aber doch eine Fortführung der Ideen, die in Inside Out schon so genial umgesetzt wurden. „Soul“ ist ein toller Film, aber meine Favoriten bleiben dann doch andere.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Pixar/PIXAR – © 2020 Disney/Pixar, Quelle http://www.imdb.com)

Collateral (2004)

Regie: Michael Mann
Original-Titel: Collateral
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Thriller, Action
IMDB-Link: Collateral


Taxifahren kann ganz schön gefährlich sein, wie Max (Jamie Foxx) feststellen muss. Kaum hat er die charmante Staatsanwältin (Jada Pinkett Smith) abgeladen, steigen mit dem neuen Fahrgast Vincent (Tom Cruise) jede Menge Probleme ein. Zwar zahlt der graumelierte Herr im Anzug sehr gut für die fünf Zwischenstationen, zu denen ihn Max kutschieren soll, doch bereits beim ersten Halt landet eine Leiche auf dem Taxi, und Max dämmert, dass sein spendabler Fahrgast vielleicht eine etwas unethische Agenda hat. Aber: Mitgefangen, mitgehangen, vor allem, wenn man plötzlich eine Knarre an der Schläfe hat. Da bleiben nicht mehr viele Handlungsoptionen. Und so geht es für die beiden durch die Nacht, und überall, wo man hält, hinterlässt man ein Blutbad. „Collateral“ ist zunächst mal ein typischer Michael Mann-Film. Finstere, aber irgendwie auch hoffnungslose Gestalten bewegen sich für einer nüchternen, kalten Atmosphäre und steuern unentwegt ihrem Schicksal entgegen. Das ist ein Thema, das Mann schon des Öfteren beschäftigt hat. Und wie so oft findet man als Zuseher sehr schnell Zugang zu seinen Figuren, selbst zum eiskalten Profikiller Vincent, den Tom Cruise vielschichtig und mysteriös anlegt: Auf der einen Seite ist Vincent in seiner gefühllosen, kontrollierten Art fast schon eine Art Blaupause für einen Profikiller, auf der anderen Seite schimmert immer wieder überraschend Tiefgang und Empathie durch. Sein Vincent ist eine ambivalente Figur und vielleicht eine der besten Karriereleistungen von Tom Cruise. Der Anker in dem Film ist allerdings Jamie Foxx als Max. Auch für Jamie Foxx kann man nur den Hut ziehen, hier stolpert eine in jeder Hinsicht glaubwürdige und überforderte Figur durch das Geschehen. „Collateral“ macht also sehr viel richtig. Allerdings verhindern die Längen zwischendurch, die den Film zuweilen recht zäh werden lassen, am Ende dann doch noch eine noch bessere Bewertung.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2003 Dreamworks Productions, LLC, Quelle http://www.imdb.com)

Leslie Nielsen ist sehr verdächtig (1998)

Regie: Pat Proft
Original-Titel: Wrongfully Accused
Erscheinungsjahr: 1998
Genre: Komödie
IMDB-Link: Wrongfully Accused


Irgendwie hat’s Leslie Nielsen mit den Rothaarigen. Nachdem ihn schon Priscilla Presley in der Nackten-Kanone-Reihe anschmachten durfte, hat er in „Leslie Nielsen ist sehr verdächtig“ gleich zwei feurige Haserl an seiner Seite, die ihm mal Gutes, mal Böses wollen: Kelly LeBrock, die in den 80ern wohl in einigen Spinden hing, in den 90ern aber schon wieder am absteigenden Ast war, und Melinda McGraw, deren Filmographie zwar quantitativ deutlich mehr hergibt, die aber dann doch eher in Richtung Fernsehen marschierte und den ganz großen Sprung nicht schaffte. Apropos großer Sprung: Der gelingt eher unfreiwillig den fälschlicherweise des Mordes verdächtigen Teufelsgeiger Ryan Harrison (eben Leslie Nielsen), und zwar von einem Abflussrohr in einen Wasserfall – eine hübsche Referenz an einen der 90er-Jahre-Blockbuster, die in diesem Klamaukfilm verwurstelt werden, nämlich „Auf der Flucht“. Dass Nielsens Figur hier Harrison heißt, kann man als Zufall abtun, sollte man aber nicht. Und auch sonst wird alles durch den Kakao gezogen, was in den zwanzig Jahren vor Erscheinen von „Wrongfully Accused“, wie der Film im Original heißt, die Leute ins Kino gelockt hat. Das ist, wie so oft bei solchen Filmen, mal mehr und mal weniger lustig. Der große Bonus ist Leslie Nielsen selbst, ein Stoiker vor dem Herrn. Ich sehe ihm einfach gerne zu. Und auch wenn nicht alle Gags zünden, so reicht das Dargebotene dann doch für einen unterhaltsamen Filmabend ohne große Ansprüche. Ist schon in Ordnung so.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Mein Lehrer, der Krake (2020)

Regie: Pippa Ehrlich und James Reed
Original-Titel: My Octopus Teacher
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: My Octopus Teacher


Manchmal ist es so einfach. Du schnorchelst einfach jeden Tag im Meer zu deinem neuen besten Freund, der zeigt dir spannende Dinge und wie vielfältig und bunt das Leben ist, und du findest zu dir, zu deiner inneren Mitte, zu einer tiefen Ruhe. Und nebenbei erkennst du, dass du vielleicht nicht das cleverste Kerlchen in diesem Ozean bist. So ist es dem südafrikanischen Tierfilmer Craig Foster ergangen. Eigentlich wollte er beim Tauchen einfach nur ein bisschen abschalten, aber dann macht er die Bekanntschaft eines neugierigen Oktopus-Weibchens. Und zwischen dem Taucher, der jeden Tag wiederkommt, und dem Tier entsteht tatsächlich mit der Zeit eine Art Bindung, die Foster komplett neue Dinge über das Unterwasserlebewesen lernen lässt. Und nebenbei auch über sich selbst und sein Selbstverständnis als Filmemacher. „My Octopus Teacher“ (auf Deutsch übersetzt als „Mein Lehrer, der Krake“, was eher nach einem 70er-Jahre Lehrvideo aus dem Biologieunterricht klingt) mag vielleicht nicht das größte Schwergewicht unter den Dokumentationen der letzten Jahre sein, dennoch räumt der Film so ziemlich alle Preise ab, die man gewinnen kann, und geht auch in die diesjährige Oscarverleihung als Frontrunner. Und ich versteh’s. Denn der Film ist einerseits lehrreich und andererseits hochemotional und sensibel erzählt. Es ist so ein kleines, sympathisches Ding, das plötzlich und unerwartet groß geworden ist – und man vergönnt dem Film sämtliche Preise dieser Welt. Denn irgendwie brauchen wir das gerade in dieser seltsamen Zeit der Pandemie, der Isolation, der hysterischen Verschwörungstheoretiker und politischen Skandale – die Rückbesinnung auf das, was uns Menschen eigentlich ausmacht bzw. ausmachen sollte: ein Leben im Einklang mit der Natur, fernab esoterischer Spinnereien, einfach nur Mensch und Fauna und Flora, und irgendwie finden auf dieser seltsamen, immer noch so unergründlichen blauen Kugel alle ihren Platz für eine friedliche Koexistenz. Manchmal ist es so einfach.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)