Autor: Filmkürbis

Big Fish (2003)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Big Fish
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Drama, Fantasy, Abenteuerfilm, Liebesfilm
IMDB-Link: Big Fish


Für meine tausendste Filmreview hier darf es schon etwas Besonderes sein. Also stelle ich euch einen weiteren meiner absoluten Lieblingsfilme vor. 10 Kürbisse mit Sternderl und Herzchen. Und eine Beichte gibt’s dazu. Denn ich verrate euch hier exklusiv und anlässlich dieses Review-Jubiläums, dass ich wirklich jedes Mal beim Ende von „Big Fish“ wie ein Schlosshund heule. Jedes einzelne Mal. Diesen Effekt hat sonst kein anderer Film auf mich. Aber in dem Ende dieses zauberhaften Märchens liegt so viel Kraft und auch so viel Weisheit und Lebensbejahung bei aller Bitterkeit des Lebens selbst, dass es mich einfach packt. Am Ende ist alles, was zählt, der Glaube an sich selbst, und die Liebe, die man gibt und die man erfährt. Auf diese Erkenntnis steuert der Film, der von den wundersamen Abenteuern des Edward Bloom (jung: Ewan McGregor, alt: Albert Finney, in beiden Fällen perfekt besetzt) und seiner Liebe zu seiner Frau Sandra (Alison Lohman / Jessica Lange) erzählt, während gleichzeitig sein Sohn (Billy Crudup) versucht, seinem Vater näherzukommen und hinter die Geschichten und Märchen und Legenden zu tauchen, die dieser sein Leben lang erzählt hat. Der Film ist ein Manifest der Fantasie, ein Plädoyer für das Erzählen von Geschichten – nicht nur der Unterhaltung willen, sondern weil diese Geschichten unser Leben bereichern und erfüllen und unser Leben über die bloße Existenz emporheben. Niemandem gelingt es, diese Botschaft besser zu vermitteln als Tim Burton, dem vielleicht fantasievollsten aller zeitgenössischen Hollywood-Regisseure. Aber nun muss ich zu einem Ende kommen – sonst fange ich wieder zu heulen an.


10 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

1000 Filmreviews

Wenn ich richtig mitgezählt habe, müsste meine nächste Review die 1.000ste auf diesem Blog sein. An dieser Stelle möchte ich euch, meinen treuen Leserinnen und Lesern, ein herzliches Dankeschön aussprechen. Ich freue mich über jedes Like und jeden Kommentar und noch mehr, wenn ich in den Dialog mit euch treten kann. Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen, so wie ich Spaß daran habe, meinen Senf zu den Filmen abzugeben. Denn das ist hier die Hauptsache. Es ging mir nie um große Reichweiten und tiefe Fußabdrücke, sondern einfach um die gute Unterhaltung, um vielleicht mal witzige, mal überraschende, mal polemische und manchmal auch einfach ehrfürchtige Filmkritiken, die von euch gern gelesen werden. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden.

Und nun auf zu den nächsten 1000 Reviews.

Der Grinch (2000)

Regie: Ron Howard
Original-Titel: How the Grinch Stole Christmas
Erscheinungsjahr: 2000
Genre: Weihnachtsfilm, Fantasy, Komödie
IMDB-Link: How the Grinch Stole Christmas


Mit seinen 21 Jahren auf dem Buckel zählt „Der Grinch“ von Ron Howard mittlerweile schon zu den Weihnachtsfilmklassikern, auch wenn Jim Carrey hier arg grün hinter den Ohren scheint. Aber ja, man sehe sich nur an, in welchen Outfits Taylor Momsen als Frontfrau von The Pretty Reckless mittlerweile umherrennt – mit den seltsamen Hochsteckfrisuren des braven Mädchens Cindy Lou Who hat das nichts mehr zu tun. Kinder, wie die Zeit vergeht! Aber gut, wir waren bei diesem kunterbunten und von Anthony Hopkins stoisch gereimten Weihnachtsmärchen. Der Grinch ist natürlich eine dankbare Rolle für Jim Carrey, denn er ist dank seines Gummigesichts vermutlich der einzige Mensch weltweit, der unter dieser eindrucksvollen Maske überhaupt noch Grimassen schneiden kann. Und das tut er mit Leib und Seele. Der Grinch ist eine Ganzkörperperformance. Und da sind wir auch schon an dem Punkt angekommen, wo man sagen muss: So etwas mag man, oder man kann damit gar nichts anfangen. Wer Jim Carreys Grimassen lustig findet, der bekommt mit „Der Grinch“ so etwas wie das Sahnehäubchen auf dem Kirschkuchen serviert. Alle anderen müssen eineinhalb Stunden lang ihre innere Mitte finden, um den Film ertragen zu können. Dabei hat er seine wirklich guten Momente. Die Episode, wie der Grinch zum weihnachtshassenden Außenseiter wurde, ist hübsch erzählt. Und auch sein nächtlicher Feldzug gegen Weihnachten hat Witz und Tempo. Dazu kommen ein im Schauspiel hochbegabter Hund und die schon genannte Taylor Momsen, die einfach zuckersüß spielt. Das allein reicht aber nicht aus, um Nicht-Jim-Carrey-Fans restlos vom Film zu überzeugen. Ich persönlich sehe mich da ziemlich in der Mitte. Ich bin zwar auch kein Fan übertriebener Grimassen, zumal Jim Carrey in vielen anderen Filmen schon bewiesen hat, welch feiner Schauspieler er eigentlich ist, wenn er das Grimassenschneiden mal sein lässt, aber für eine einmalige Sichtung vor Weihnachten passt das schon. Man muss das ja nicht jedes Jahr wiederholen.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat:Foto von Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)

Happy-Go-Lucky (2008)

Regie: Mike Leigh
Original-Titel: Happy-Go-Lucky
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Komödie
IMDB-Link: Happy-Go-Lucky


Wozu braucht man eine Geschichte, eine sich aufbauende Handlung, wenn man eine Sally Hawkins hat? Das dachte sich wohl Mike Leigh, als er sie für die Hauptrolle von „Happy-Go-Lucky“ besetzte. Und wisst ihr was? Er hatte absolut recht! Denn Sally Hawkins spielt nicht nur die stets gut gelaunte, vielleicht etwas naive, aber unglaublich großherzige Lehrerin Poppy – sie ist Poppy. Und das reicht aus für einen warmherzigen Film, der einfach jedem gute Laune bringt, ohne dass die Schwierigkeiten des Lebens negiert werden. Im Gegenteil. Gerade dadurch, dass Poppy so ein positiver, glücklicher Mensch ist, werden die Nöte der Menschen in ihrem Umfeld noch mal deutlich sichtbarer. Da gibt es den griesgrämigen Fahrlehrer Scott (ein großartiger Eddie Marsan), der komplett missverstanden wird, da gibt es die Flamenco-Lehrerin, die mitten in der Stunde einen emotionalen Meltdown erleidet, da gibt es Poppys Schwester Helen, die alles unter Kontrolle haben möchte, und viele mehr. Diese Begegnungen mit der fröhlichen Poppy machen den Film aus. Und Mike Leigh erreicht damit viel mehr als er es wohl mit jedem schwermütigem, episch angelegten Drama könnte: Er lässt uns über unseren eigenen Zugang zu den kleinen und größeren Tragödien in unserem Leben nachdenken – ohne uns allerdings mehr mitzugeben als eben diesen einen Satz „Denk mal darüber nach, wie relevant dein Problem gerade wirklich ist.“ Schlüsselstelle des Films ist für mich die Begegnung Poppys mit dem der Realität entrückten Obdachlosen. Das ist wirklich großes Kino. Poppy tänzelt mit einem breiten Lächeln völlig unverkrampft in unser Gedächtnis, wo sie auch lange bleiben wird.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2008 – Miramax, Quelle http://www.imdb.com)

Nightmare Before Christmas (1993)

Regie: Henry Selick
Original-Titel: The Nightmare Before Christmas
Erscheinungsjahr: 1993
Genre: Animation, Weihnachtsfilm, Musical
IMDB-Link: The Nightmare Before Christmas


„The Nightmare Before Christmas“ ist der Tim Burton-Film, der nicht von Tim Burton ist. Gut, ganz korrekt ist das nicht, denn immerhin hat Tim Burton die Geschichte dazu geschrieben und die Produktion übernommen, aber auf dem Regiestuhl nahm Henry Selick Platz, was aber nichts daran ändert, dass das makaber-lustige Stop-Motion-Weihnachtsmusical so burtonesque wirkt, dass sich das bei den meisten so in die Hirnrinde gebrannt hat. Und ja, mehr Tim Burton bringt selbst Tim Burton nicht zustande. „The Nightmare Before Christmas“ ist liebevoll verrückt gestaltet, mit einer großen Liebe zum Schaurigen und für die Außenseiter, die im Schatten leben, und passt damit ganz ausgezeichnet in die Filmografie des Meisterregisseurs, dessen Stil man wohl entweder mag oder komplett ablehnt. Die Story ist dabei fast schon fröhlich und kindlich: Der König von Halloween Town, das Skelett Jack, stößt durch Zufall auf Weihnachten und beschließt, sich das zu Eigen zu machen und an Santa Claus‘ statt die Kinder zu beschenken. Dass das vielleicht nicht die glanzvollste Idee in der Geschichte der Ideen ist, liegt auf der Hand. Doch wird Weihnachten tatsächlich ins Chaos gestürzt, oder gibt es ein Happy End? Es sei an der Stelle nicht zu viel verraten, wenn ich sage, dass „The Nightmare Before Christmas“ trotz seines originellen, makabren Ansatzes im Grunde seines Herzens ein recht traditioneller Weihnachtsfilm ist und somit keine Grenzen überschreiten mag, sondern sich damit zufriedengibt, an diesen Grenzen schaurig-lustige Tänzchen aufzuführen. Aber das ist auch gut so, das Subversive bietet nicht immer Mehrwert. Vor allem, wenn wir alle im Grunde kleine Kinder geblieben sind, die sich jedes Jahr zu einer bestimmten Zeit über glanzvoll geschmückte Christbäume und leuchtende Lichterketten freuen und das bisschen Magie in unserem Leben einfach brauchen wie einen Bissen Brot. (Bis wir das 50. Mal „Last Christmas“ im Radio gehört haben und uns vom Glühwein schlecht ist.)


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Getty Images/Getty Images – © 1993 Disney Enterprises, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Arthur Weihnachtsmann (2011)

Regie: Barry Cook und Sarah Smith
Original-Titel: Arthur Christmas
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Animation, Weihnachtsfilm, Komödie
IMDB-Link: Arthur Christmas


Ho Ho Ho. Nächste Woche ist der erste Advent, und allmählich muss man sich vorbereiten auf das große Fest. Sprich: Ab sofort wird jede Woche mindestens ein Weihnachtsfilm geschaut, besser noch zwei oder drei. Nicht, dass dann Weihnachten vor der Tür steht und vor lauter Lockdowns hat man es gar verpasst, in die richtige Stimmung zu kommen. Hier nun also ein Blick auf den vor zehn Jahre erschienenen Animationsfilm „Arthur Christmas“. Die Grundidee ist wunderbar simpel, sodass auch die Kleinsten mitkommen: In all der Hektik der fast schon generalstabsmäßig durchgeplanten Geschenkeauslieferung in der Weihnachtsnacht ist dem Weihnachtsmann doch glatt ein Fauxpas unterlaufen: Ein Geschenk ist zurückgeblieben, ein Kind wird also in wenigen Stunden erwachen und nichts unter dem Christbaum finden. Das geht Arthur, dem tollpatschigen Sohn von Santa Claus, gehörig gegen den Strich, und weil sich weder Paps noch sein Bruder Steve, der die Operation Weihnachten leitet, um das Problem kümmern wollen, rückt er mit Großvater Santa aus, um rechtzeitig vor dem Morgengrauen das fehlende Geschenk auszuliefern. Dass dabei alles schief geht, was schief gehen kann, versteht sich von selbst. „Arthur Christmas“ ist ein kindlicher Animationsfilm, nicht zu vergleichen mit der Vielschichtigkeit und auch Ernsthaftigkeit der Pixar-Filme oder des vielleicht besten Weihnachts-Animationsfilms überhaupt, der grandiose Klaus, aber das heißt nicht, dass Erwachsene keinen Spaß dabei haben können. Im Gegenteil. Der Film ist herrlich überdreht, fast alle Gags zünden, und das Tempo stimmt. „Arthur Christmas“ ist Weihnachten auf Speed. Und das ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes, denn er ist genau der richtige Film, um einfach mal 1,5 Stunden abzuschalten und Spaß zu haben.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2011 CTMG, Inc, Quelle http://www.imdb.com)

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (2021)

Regie: Destin Daniel Cretton
Original-Titel: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Fantasy, Action, Eastern
IMDB-Link: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings


Man sollte gefälligst die Griffel von dubiosen Ringen lassen, das wissen wir seit „Herr der Ringe“. Xu Wenwu (Tony Leung) ist das aber schnurzpiepegal, und er schnallt sich gleich zehn Schmuckstücke über seine Arme, die ihm fortan übermenschliche Kräfte verleihen. Die nutzt er dafür, um das zu tun, was wohl jeder von uns in der Situation tun würde: Er baut ein Imperium des Bösen auf. Doch dann kommt ihm die Liebe in die Quere. Cut – wir gehen in die Gegenwart, nach San Francisco, wo Xu Wenwus Spross Shang-Chi (ein hochgradig sympathischer Simu Liu) seine Brötchen als Parkwächter verdient, was man halt so macht, wenn man der Sohn eines mächtigen Unterwelt-Bosses ist. Seine Kollegin und platonische Freundin Katy (Awkwafina) weiß davon nichts, denn Shang-Chi lässt die Vergangenheit lieber ruhen. Doch die ist quicklebendig und klopft schon bald in Form einer Postkarte an seine Tür. So nimmt das Abenteuer seinen vorhersehbaren und erwarteten Verlauf. So weit, so Standard. Und doch ist „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ nicht nur aufgrund seines asiatischen Settings ein kurzweiliger und origineller Beitrag zum Marvel-Universum. Denn endlich gibt es einmal einen Bösewicht, dessen Motivation man gut nachempfinden kann. Zudem wird geschickt fernöstliche Mythologie in die Marvel-Welt integriert. Zwar unterscheidet sich „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ damit nicht mehr groß von anderen fernöstlichen Martial Arts-Filmen, die ihre Wurzeln im Mystischen haben, aber das ist nicht unbedingt ein Qualitätskriterium per se. Denn der Film unterhält gut und verbindet Ost und West auf eine sehr unprätentiöse Weise. Viel mehr als gute Unterhaltung möchte der Film auch gar nicht sein – es fehlt ihm vielleicht ein bisschen das Epische der besten Marvel-Filme, aber als kurzweiliges Abenteuer für zwischendurch macht er sich wirklich gut.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Jasin Boland/Jasin Boland – © Marvel Studios 2021. Quelle http://www.imdb.com)

The French Dispatch (2021)

Regie: Wes Anderson
Original-Titel: The French Dispatch
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: The French Dispatch


Es kommt sehr selten vor, dass mein hochgeschätzter Kollege vom Filmgenuss und ich nicht einer Meinung sind, aber bei Wes Andersons neuestem Werk „The French Dispatch“ haben wir tatsächlich unterschiedliche Auffassungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich einer der größten Wes Anderson-Fanboys unter dieser Sonne bin und ich einfach ein besonderes Faible für seine liebevoll arrangierten und absurden Tableaus habe. Seine Filme weisen immer eine ganz eigene Magie auf, die im weltweiten Kino wohl ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. In „The French Dispatch“ treibt er seinen Stil noch mal auf die Spitze, und so scheiden sich daran wohl auch die Geister, denn die eigentliche Geschichte rund um den exzentrischen Verlagsleiter eines französischen Ablegers einer amerikanischen Zeitschrift (Bill Murray) rückt hier in den Hintergrund. Vielmehr ist „The French Dispatch“ wie eine Magazinausgabe konstruiert, mit einer kleineren und drei größeren Geschichten aus dem Magazin, die von Geschichte, Kunst, Politik und einem Kriminalfall erzählen. Die Qualität der drei Hauptgeschichten ist dabei uneinheitlich. Während die erste Geschichte rund um einen verurteilten Mörder und Maler vielleicht einer der ganz großen Höhepunkte in Wes Andersons Œuvre ist, fällt die zweite Geschichte zu einer Studentenrevolte doch deutlich ab, wohingegen die finale Story rund um einen Polizeikommissariatskoch und einem überraschenden Entführungsfall wieder mehr Schwung aufnimmt. Doch sind diese Geschichten eben fast schon nebensächlich. Denn im Kern geht es Wes Anderson um das geschriebene Wort. „The French Dispatch“ ist eine Liebeserklärung an Printmedien und beschwört einmal mehr eine Vergangenheit herauf, die in unserer schnelllebigen, technokratischen Zeit nicht mehr reproduzierbar scheint. In diesem Sinne sind Wes Andersons Filme fast schon als museal zu bezeichnen. Auch wenn „The French Dispatch“ nicht der Höhepunkt in Andersons Schaffen darstellt, so ist er für Liebhaber seines melancholisch-absurden Stils ein weiterer Augenschmaus, den man nicht verpassen sollte. Für all jene, die nicht ganz so leicht in seine durchkomponierten Welten hineinfinden, bedeutet der Film hingegen wohl eine Überdosis dieses Stils.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Eternals (2021)

Regie: Chloé Zhao
Original-Titel: Eternals
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Fantasy, Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Eternals


Was für ein großartiger Anfang: Mit Pink Floyds Meisterwerk „Time“ und dessen grandiosem Intro beginnt Chloé Zhaos Reise durch die Zeit und das Marvel-Universum. Ganz ehrlich: Besser kann man einen Film nicht eröffnen. Die Oscarpreisträgerin zeigt hier gleich einmal, dass sie mit ihrem ersten Blockbuster „Eternals“ die ausgetretenen Marvel-Pfade verlassen und ein bisschen mehr Anspruch reinbringen möchte. Und ja, „Eternals“ fühlt sich definitiv anders an als alle anderen Filme des Marvel-Universums, die auf Konstanten setzen wie epische Superhelden mit einem ganz persönlichen Klescher, humorvolle Action und actionreichem Humor sowie einem gut dosierten Wohlgefühl beim Publikum (man kann sich darauf verlassen, dass das Böse unter Einsatz von ausreichend Hieben und lockeren Sprüchen in die Schranken gewiesen wird). „Eternals“ hingegen legt die Geschichte noch weitaus größer und bedrohlicher an. Hier geht’s gleich ins Göttliche. Allerdings wirkt die Geschichte nicht ganz rund, und selbst die Laufzeit von über 2,5 Stunden reicht nicht ganz aus, um die Figuren, die Geschichte und das Setting vertraut zu machen. Man fremdelt ein wenig mit allem. Sei es mit den zehn mit recht banalen Superkräften ausgestatteten Eternals, mit den gefräßigen Widersachern, den Deviants, oder mit der ganzen göttlichen Schöpfungsgeschichte. Alles scheint groß aufgeblasen und episch zu sein, entpuppt sich aber im Kern dann als doch recht einfach, fast schon banal. Großartig ist immerhin die unaufgeregte Diversität, die schon in vielen Kritiken wohlwollend angesprochen wurde. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Es ist schön, dass es Filme gibt, die Diversität aufgreifen und umsetzen, ohne dass das groß zum Thema gemacht wird. So können auch mal talentierte Schauspieler:innen aus der zweiten Reihe glänzen, und die nominellen Superstars wie Angelina Jolie oder Salma Hayek haben kein Problem damit, sich als Nebenfiguren einzugliedern. Der Cast macht seine Sache gut, auch wenn es dann vielleicht doch etwas an Tiefgang fehlt. Das Thema der unsterblichen Held:innen hätte man durchaus noch differenzierter betrachten können. Sehr schön hingegen sind die Sprünge durch die Zeit, der Aufbau der Zivilisation, die Reise durch die Menschheitsgeschichte. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass sich der Stoff als Serie besser gemacht hätte, denn gerade diesen Aspekt, das vorsichtige Leiten der Menschheitsgeschichte durch die Eternals, hat mich persönlich fast am meisten interessiert. Insgesamt ist „Eternals“ ein sehenswerter Film, der sich deutlich vom üblichen Marvel-Universum abhebt (was man nun je nach persönlichen Präferenzen gut oder eher nicht so gut finden kann), der aber leider dann in vielen Belangen doch eher Stückwerk bleibt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Aladdin (1992)

Regie: Ron Clements und John Musker
Original-Titel: Aladdin
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Animation
IMDB-Link: Aladdin


Man muss es sagen: In den 90ern hatte Disney echt einen Lauf. „Aladdin“ war da nur eine von vielen Erfolgsproduktionen in jenem Jahrzehnt, die allesamt als moderne Klassiker in die Filmgeschichte eingingen. Tatsächlich gehört der Film allerdings für mich persönlich nicht zu den stärksten Disney-Produktionen, obwohl er alle Ingredienzen eines Disney-Klassikers vereint: Eine fremdartige, spannende Welt, einen Außenseiter, der sich zu behaupten weiß, Songs, die sofort ins Ohr gehen, witzige Sidekicks mit dem Äffchen und dem fliegenden Teppich, mit Dschafar einen denkwürdigen Bösewicht und mit Jasmina auch mal eine Prinzessin, die sich nicht damit begnügt, mit Tieren zu singen, während sie auf ihren Prinzen wartet. Und dazu kommt der legendäre Flaschengeist, im Original von Robin Williams gesprochen. Dennoch finde ich das Remake von Guy Ritchie einen Tick stärker – es ist noch mehr Abenteuerfilm, noch mehr Mystik, und (das bleibt jetzt aber unter uns, sonst werde ich selbst von Disney-Fans in eine Flasche verbannt) Will Smith war der bessere Dschinni. Im Vergleich zu seiner Interpretation wirkt die animierte Originalvorlage fast ein wenig schaumgebremst. Natürlich ist das Original kindgerechter, es ist ein unschuldiger Spaß, den man sich jederzeit an einem verregneten Wochenende gerne wieder ansieht. Aber an die emotionale Wucht eines „König der Löwen“ oder die verträumte Grandezza von „Die Schöne und das Biest“ kommt „Aladdin“ nicht heran.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1992 Walt Disney Productions, Quelle http://www.imdb.com)