Autor: Filmkürbis

Der Musikfreund (1903)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Le mélomane
Erscheinungsjahr: 1903
Genre: Kurzfilm
IMDB-Link: Le mélomane


Um Musik zu schreiben, braucht man Köpfchen. Das wusste auch Georges Méliès und setzte diesen Gedanken wortwörtlich um. In „Der Musikfreund“ von 1903 hängt ein Orchestermeister kurzerhand seinen eigenen Kopf als Noten auf und dirigiert dann sein Orchester nach eben diesen Noten. Diesen Special Effect der losgelösten (und duplizierten) Körperteile setzte Méliès oft und gerne ein. Und es ist erstaunlich, dass auch heute, fast 120 Jahre später, dieser originelle Zaubertrick eine solch gelungene Illusion hervorbringen kann. Inszeniert ist dieser etwa 2,5 Minuten lange Kurzfilm, wie es sich für einen guten Zauberer gehört, mit viel Schwung und Witz. Georges Méliès persönlich hampelt und strampelt sich vor seinem Notenblatt einen Haxen aus, und das ist lustig anzusehen und mitreißend. 2,5 Minuten, die ausreichen, um schlechte Laune verfliegen und ein Lächeln auf dem Gesicht erscheinen zu lassen. Allein dafür, dass er Kino eben nicht nur als dokumentarisches Festhalten von Alltäglichem gesehen hat wie ursprünglich die Brüder Lumière, sondern das Medium genutzt hat, um Leute zum Lachen zu bringen, macht Méliès so unsterblich und zum wahren Vater des Films.


6,0 Kürbisse

Wie angelt man sich einen Millionär? (1953)

Regie: Jean Negulesco
Original-Titel: How to Marry a Millionaire
Erscheinungsjahr: 1953
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: How to Marry a Millionaire


Wie schön, dass es Karriereziele gibt. Die ambitionierte Dame von Welt kann zum Beispiel Staatsanwältin werden. Oder Chirurgin. Oder Pilotin. Vielleicht auch Staatspräsidentin oder CEO eines multinationalen Konzerns. Oder reich heiraten. In den 50ern scheint dies der einfachste Weg zur beruflichen Erfüllung gewesen zu sein, wenn man nach Regisseur Jean Negolesco bzw. Nunnally Johnson, der neben der Filmmusik auch das Drehbuch zu „Wie angelt man sich einen Millionär?“ geschrieben hat, geht. Und so werfen sich die mittellosen Fotomodelle Schatze (Lauren Bacall), Pola (Marilyn Monroe) und Loco (Betty Grable) in Schale, um betuchte Herren zu bezirzen, sie in den Stand der Ehe zu führen. Alter egal, Kontostand aber nicht. Und natürlich führen die amourösen Bemühungen zu reichlich Verwirrung und Slapstick-Komik. Neben einer kühl berechnenden Lauren Bacall gehört die Aufmerksamkeit vor allem Marilyn Monroe. Ihre Pola ist ohne Brille blind wie ein Maulwurf aber gleichzeitig zu eitel, diese in Anwesenheit potentieller Heiratskandidaten aufzusetzen. Monroe spielt dieses eitle Mädchen mit einer entzückenden Naivität und stiehlt ihren renommierten Kolleginnen und Kollegen so gut wie jede Szene. Die Story selbst nimmt ihre erwartbaren Wendungen – wirklich überrascht ist wohl nur Steinzeit Junior, wenn er nach 10.000 Jahren aus dem Eis aufgetaut wird und mit „Wie angelt man sich einen Millionär?“ zum ersten Mal in seinem Leben einen Film sieht. Aber gut, für gelungene Mindfuck-Momente sind andere Filme zuständig. In Negolescos Rom-Com geht es nur um unschuldige Unterhaltung, die kurzweilig und mit Verve vorgetragen wird. Soll nichts Schlimmeres passieren. Immerhin ist das Rollenbild der Frau ein spannendes Zeitdokument. Ob wir heutzutage wirklich entscheidend weiter sind, darüber lässt sich natürlich diskutieren.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Mel Brooks‘ Spaceballs (1987)

Regie: Mel Brooks
Original-Titel: Spaceballs
Erscheinungsjahr: 1987
Genre: Komödie, Satire, Science Fiction
IMDB-Link: Spaceballs


Willkommen in meiner Kindheit! Was habe ich mich zerkugelt über die Abenteuer von Lone Starr (Bill Pullman) mit seinem getreuen Möter, halb Mensch, halb Köter Waldi (John Candy) bei dem Versuch, die eingebildete Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) aus den Klauen der bösen Spaceballs (Rick Moranis als Lord Helmchen und Mel Brooks himself als Präsident Skroob) zu befreien. Ich hätte damals wohl einen ganzen Tag nur mit Spaceballs-Zitaten bestreiten können. „Durchkämmt die Wüste!“, „Möge der Saft mit dir sein!“, „Ich wusste es. Ich bin von Arschlöchern umgeben.“ und so weiter. Für mich war diese Parodie auf die Star Wars-Filme, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal kannte, der witzigste Film aller Zeiten. Nun, im aktuellen Alter wiedergesehen muss ich sagen, dass entweder der Zahn der Zeit entweder dem Film oder mir nicht allzu gut getan hat. Die Gags bringen mich auch heute noch zum Schmunzeln, doch ist da mittlerweile viel Sentimentalität dabei. Würde ich den Film heute zum ersten Mal sehen, müsste ich wohl zu einer niedrigeren Bewertung greifen. Denn objektiv betrachtet, ist die Gagdichte zwar hoch, aber leider gehen viele dieser Witze auch daneben, da sie zu albern, zu klamaukig, zu weit unter der Gürtellinie sind und sich zum Teil auch wiederholen. Echte Schmankerl sind immer noch die Instant-Videokassetten („Wann ist jetzt?“ – „Jetzt ist jetzt!“), die zunehmend verzweifelten Versuche des Pfarrers, Prinzessin Vespa unter die Haube zu bringen, oder der von Michael Winslow gespielte Radartechniker und seine Geräusche. Der Rest der 7-Kürbis-Bewertung speist sich aus den Lachanfällen, die ich in meiner Kindheit hatte. So wird der Film für mich auch die nächsten drei Jahrzehnte funktionieren, und zu dieser Bewertung kann ich mit ruhigem Gewissen stehen – aber würde ich den Film jemanden, der ihn noch nicht kennt, uneingeschränkt empfehlen? Das wäre ernsthaft zu hinterfragen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis (2007)

Regie: Edgar Wright
Original-Titel: Hot Fuzz
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Hot Fuzz


Weil der Londoner Supercop Nicholas Angel, gespielt von Simon Pegg, zu erfolgreich ist und zu viele böse Burschen hinter Gitter bringt, was seine weniger erfolgreichen Kollegen schlecht aussehen lässt, wird er zur Strafe aufs Land befördert. An der Seite des enthusiastischen, aber nicht allzu hellen Danny Butterman (Nick Frost) geht es fortan auf Gänsejagd statt auf Verbrecherjagd. Immerhin rühmt sich das Örtchen Sandfort in Gloucestershire, das schönste Dorf Großbritanniens zu sein. Die Nachbarn sind herzlich, aber sehr auf das Ansehen des Dorfes bedacht. Bei Jugendlichen, die Stress machen, wird schnell mal die Nase gerümpft. Also der perfekte Ort, um in Ruhe den Lebensabend zu verbringen. Blöd nur, dass Nicholas Angel noch sehr viel Zeit bis zu diesem Lebensabend vor sich hat und auch keinen Bock hat, komplett untätig zu bleiben. Also wittert er überall Verbrechen, sehr zum Missfallen der Dorfbewohner, die so einen eifrigen Polizisten gar nicht nötig hätten. Aber es kommt, wie es kommen muss: Das Verbrechen hält Einzug in das verschlafene Sandfort, und schon bald haben Angel und Butterman mehr zu tun, als ihnen lieb ist. „Hot Fuzz“ ist der zweite Teil der Blood-and-Ice-Cream-Trilogie von Simon Pegg und Edgar Wright, drei nicht zusammenhängende Filme aus verschiedenen Genres (Zombiehorror, Cop Movie, Invasion aus dem Weltall), die alle ein absurder, makabrer fast wahnwitziger Humor auszeichnet. Dieser Humor ist in „Hot Fuzz“ auf die Spitze getrieben. Nicht nur deshalb ist er der beste Film der Trilogie. Der Film ist eine Verbeugung vor allen Cop-Buddy-Movies und funktioniert als solcher hervorragend. Simon Pegg und Nick Frost haben eine tolle Chemie zusammen, und sowohl die Gags als auch die Action sitzen. Das große Finale ist dann an Absurdität nicht mehr zu überbieten – ich weiß noch, dass ich bei der ersten Sichtung schallend durchgelacht habe. Ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann, und der dabei nie fad wird.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Liebe in der Stadt (1953)

Regie: Michelangelo Antonioni, Federico Fellini, Alberto Lattuada, Carlo Lizzani, Francesco Maselli, Dino Risi und Cesare Zavattini
Original-Titel: L’amore in città
Erscheinungsjahr: 1953
Genre: Episodenfilm, Drama
IMDB-Link: L’amore in città


Anfang der 50er taten sich einige renommierte italienische Regisseure, darunter Michelangelo Antonioni und Federico Fellini, zusammen, um in einem dokumentarisch angehauchten Episodenfilm mit Laiendarsteller:innen jene Aspekte der Liebe zu zeigen, die im klassischen Kino zu kurz kommen. Da gibt es die käufliche Liebe wie im ersten Teil des Films, der einige Prostituierte interviewt zu ihren Lebensumständen. Da gibt es die dramatisch gescheiterte Liebe, die bis zum Suizid führen kann, was Antonioni im zweiten Film dokumentarisch aufarbeitet. Dann die flüchtige, spaßige Liebe, die junge Menschen fühlen, wenn sie tanzen. Die arrangierte Liebe, die im besten Kurzfilm der Reihe, gedreht von Federico Fellini, dargestellt wird durch einen Journalisten, der eine Reportage über eine Heiratsvermittlungsagentur schreiben möchte und sich für die Recherche in eben diese begibt und schließlich auch ein Mädchen kennenlernt, das keinen anderen Ausweg für sich findet, als zu heiraten und sich vom Mann aushalten zu lassen. Weiters gibt es die Liebe einer mittellosen Mutter geht, die für das Wohl ihres Sohnes bis zum Äußersten geht. Und schließlich wird die verführerische Liebe gezeigt, wenn auf der Straße Herren (zumeist ältere) den gut gekleideten und frisierten Damen hinterherschauen und -pfeifen. Nicht jede Episode zündet, doch im Gesamten ergeben sie ein interessantes Panoptikum ihrer Zeit und Moralvorstellung. Für die damalige Zeit war es schon eine Hausnummer, Sexarbeiterinnen mit Empathie und Verständnis zu begegnen, oder die Nöte der einfachen und oft mittellosen Frauen in den Fokus zu rücken. Überhaupt ist der Film stark auf Frauen am Rande der Gesellschaft fokussiert und allein daher schon sehenswert. Den einen oder anderen Leerlauf kann man dafür in Kauf nehmen.


6,5 Kürbisse

Glen or Glenda (1953)

Regie: Ed Wood
Original-Titel: Glen or Glenda
Erscheinungsjahr: 1953
Genre: Drama
IMDB-Link: Glen or Glenda


Ed Wood, der sich mit Tommy Wiseau um den Titel „Schlechtester Regisseur aller Zeiten“ streitet, hat immerhin cojones bewiesen (pun intended), als er 1953 das halb-dokumentarische Drama „Glen or Glenda“ über einen Transvestiten und seinen Beziehungsproblemen vorgelegt hat. Das Projekt war eine Herzensangelegenheit von Wood, der sich selbst gern in Schale, sprich: in Frauenkleider geschmissen hat. Und für einen Film aus den 50ern ist das Werk durchaus als mutig zu bezeichnen. Leider (oder zum Glück: je nach cineastischen Präferenzen) ist Ed Wood aber Ed Wood, und so wurde aus „Glen or Glenda“ ein stellenweise zum Schreien komisches Durcheinander mit einem komplett unnötigen Bela Lugosi, der in wüsten Schnittmontagen auf fahrende Autos hinunterblickt und bedeutungsschwere Texte rezitiert, die wirklich überhaupt nichts mit der Handlung zu tun haben. Als wäre das Ganze nicht schon schlimm genug, entschloss sich der Produzent des Streifens aufgrund der kurzen Laufzeit, die Ed Wood vorgelegt hatte, einfach mal willkürlich Softporno-Szenen hineinzuschneiden und die Reaktionen von Lugosi und Wood auf diese Szenen zu zeigen. Das alles kann man nicht anders als surreal bezeichnen – kein Wunder, dass sich David Lynch vom Film begeistert zeigte. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: „Glen or Glenda“ ist ein wirklich schlechter Film. Aber durch diese surrealen Elemente weist er dennoch einen gewissen Unterhaltungswert auf, wenn man sich darauf einlassen möchte. Und damit ist der Film fast sehenswerter als andere cineastische Unfälle des Regisseurs wie Plan 9 From Outer Space oder Bride of the Monster.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Franck Spadone (1999)

Regie: Richard Bean
Original-Titel: Franck Spadone
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Thriller
IMDB-Link: Franck Spadone


Woran erkennt man einen miesen Film? Nun, es gibt dafür viele Anzeichen. Eines wäre zum Beispiel, dass die Protagonisten die meiste Zeit nur herumsitzen oder -stehen und sich anschweigen und selbst auf Fragen nicht reagieren. Das ist in „Franck Spadone“, einem viertklassigen Thriller aus Frankreich, der Fall. Ich glaube, niemand von den Darsteller:innen musste mehr als zehn Zeilen Text lernen. Ein anderes Anzeichen für einen richtig schlechten Film: Dümmliche Dialoge. Auch hier können wir bei Franck Spadone unser Häkchen setzen. Wenn die Charaktere mal den Mund aufkriegen, kommt meistens nichts besonders Intelligentes dabei heraus. Ein drittes Charakteristikum wäre dann noch ein komplett misslungener Spannungsaufbau. Und auch hierfür kann man „Franck Spadone“ getrost als Musterbeispiel nehmen. Der größte Thrill des Thrillers zieht sich aus der Frage, wer als erster das kollektive Schweigen durchbricht. Aber mitfiebern mit der von Stanislas Merhar gespielten, nein, herumstehenden Hauptfigur eines Taschendiebs, der sich in Unterwelt-Angelegenheiten hineinziehen lässt? Fehlanzeige. Selbst Monica Bellucci kann da nichts rausreißen, die steht genauso sinnlos in der Gegend herum wie der restliche Cast, nur dass sie dabei meistens leichter bekleidet ist. Dabei war die Dame kurz nach der Jahrtausendwende richtig gut im Geschäft – mit „Der Zauber von Malèna“, „Pakt der Wölfe“ und „Irreversibel“ hat sie drei ihrer allerbesten Filme in den zwei Jahren nach „Franck Spadone“ herausgebracht. Vielleicht ihr Glück, dass kaum jemand diesen komplett verkorksten Film vor den Castingentscheidungen der folgenden Filme gesehen hat. Die sich damals anbahnende Weltkarriere wäre sich sonst wohl eher nicht ausgegangen.


2,5 Kürbisse

Drachenzähmen leicht gemacht 2 (2014)

Regie: Dean DeBlois
Original-Titel: How to Train Your Dragon 2
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Animation
IMDB-Link: How to Train Your Dragon 2


Nach den Ereignissen aus Drachenzähmen leicht gemacht leben nun Wikinger und Drachen friedvoll zusammen und haben sogar Quidditch aus Harry Potter abgekupfert, nur dass in der Wikingerversion Schafe als Spielbälle herhalten müssen. Hiccup und Toothless sind nach wie vor ein gutes Gespann, und alles scheint wunderbar zu laufen, bis die Helden eines Tages auf Drachenfänger stoßen, die im Auftrag eines geheimnisvollen Schurken handeln. Allein schon die Erwähnung von Drago löst bei Hiccups Vater, dem Häuptling, Panikreaktionen aus. Hiccup, immer noch nicht viel weiser geworden, aber mit dem Herz am rechten Fleck, rückt also aus, um die Vergangenheit geradezurücken und dem Schurken ins Gebet zu reden. Dass das vielleicht nicht die beste Idee der Filmgeschichte ist, wird jedem versierten Filmliebhaber recht schnell klar, und bald haben der junge Häuptlingssohn und sein Lieblingsdrache echte Probleme. Da geraten alte Familiengeschichten, die unverhofft wieder aufgetaut werden, fast schon zum Beiwerk, auch wenn sie das emotionale Zentrum des Films darstellen sollen. „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ ist eine sehr solide und kurzweilige Fortsetzung, die vielleicht nicht an die liebevolle Kreativität des ersten Teils heranreicht, aber die Abenteuer von Hiccup und Toothless auf die nächste Ebene hieven. War Teil 1 eher noch eine recht klassische Coming of Age-Geschichte, wird es in Teil 2 nun epischer und abenteuerlicher. Das kann man mögen, und der Film ist auch sehr gut gemacht, aber für mich versprüht er nicht ganz den Zauber des ersten Teils. Dazu ist er doch etwas zu actionlastig geraten. Trotzdem: Eine gelungene Fortsetzung, die bei jeder Sichtung Spaß macht.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Kulinarische Hexerei (1904)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Sorcellerie culinaire
Erscheinungsjahr: 1904
Genre: Kurzfilm, Fantasy
IMDB-Link: Sorcellerie culinaire


Kochen ist wahre Hexerei. Jedenfalls für mich. Gut, etwas Gemüse und einen Fisch in der Pfanne anbraten, kriege ich noch hin, auch meine Thunfisch-Spaghetti würde ich mal als genießbar bezeichnen, und bei Palatschinken bin ich auch gut dabei. Aber die hohe Kunst des Kochens, wie man sie in den Haubenrestaurants dieser Welt erfahren kann? Das erscheint mir immer wie eine Mischung aus chemischer Wissenschaft, Besessenheit und einem Stück Alchemie. Georges Méliès hat sich das wohl auch gedacht, jedenfalls den Teil mit der Hexerei, und so schickt er seinen armen Koch in eine Tour de force, als drei Teufelchen in seiner Küche auftauchen und ihm mit ihren Streichen gehörig das Essen versalzen. Wild springen diese Teufel umher, sind nicht zu fassen, schlagen Purzelbäume – und wer sich eingehender mit dem Werk von Georges Méliès beschäftigt, merkt rasch, dass diese Teufelchen einen ganz besonderen Platz in seinem Schaffen finden. Teufel, die mit Purzelbäumen in oder aus Kesseln oder Kisten springen, gibt es bei ihm oft zu bewundern. Und irgendwie unterhält diese lustige Hüpferei auch heute noch. Es ist ein fröhlich unschuldiger Spaß, den sich Georges Méliès hier erlaubt, garniert mit der damals bahnbrechenden Tricktechnik, die auch heute noch zum Staunen einlädt.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Match Point (2005)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: Match Point
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Krimi, Thriller, Liebesfilm
IMDB-Link: Match Point


Fragt man eine Reihe von Filmliebhabern nach Woody Allens besten Film, wird man oft „Der Stadtneurotiker“ als Antwort bekommen. Bei allem Respekt vor diesem wunderbaren Film, so muss meine Antwort aber anders ausfallen. Für mich ist „Match Point“ der beste Film seiner langen Karriere und einer der besten Filme der letzten zwanzig Jahre. Und nein, zu dieser Einschätzung komme ich nicht nur aufgrund von Scarlett Johanssons Beteiligung, auch wenn ihre Darstellung der amerikanischen Möchtegernschauspielerin Nola Rice, die vom gesellschaftlichen Aufsteiger Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers) umgarnt wird, durchaus denkwürdig ist. Es ist dieser tiefe Zynismus, von dem der Film erzählt und den er auch selbst zelebriert, der die Geschichte von einem jungen, mittellosen Mann, der es bis in die obersten Schichten der Gesellschaft schafft und dann über die Liebe stolpert, so besonders und mitreißend macht. In hell ausgeleuchteten Settings taucht Woody Allen tief in die dunkelsten Ecken der Menschen hinein. Jonathan Rhys Meyers als Hauptfigur ist dabei ein Glücksgriff – er spielt den tragischen Helden, der beinahe zum Ikarus wird, mit einer grandiosen Ambivalenz. Man weiß die meiste Zeit über gar nicht, was man sich für diesen smarten Draufgänger wünschen möchte – dass er mit seinem doppelten Spiel durchkommt oder fürchterlich auf die Pappn fällt. Bis zum Schluss bleibt der Film spannend, und er überrascht mit seinen Wendungen, die aber in sich nur konsequent sind. Bis zu seinem bitteren Ende stimmt wirklich alles bei diesem Film – ein Meisterwerk.


9,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)