Komödie

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (2013)

Regie: Ben Stiller
Original-Titel: The Secret Life of Walter Mitty
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Komödie, Drama, Roadmovie
IMDB-Link: The Secret Life of Walter Mitty


Walter Mitty (Ben Stiller) ist der heldenhafte Retter von dreibeinigen Hunden, der abenteuerlustige Aussteiger, der das Herz der angebeteten Cheryl (Kristen Wiig) im Sturm erobert, der faszinierende Fremde, er ist eloquent und schlagfertig und mutig. Doch das ist er nur in seinem Kopf, wenn er Tagträumen nachhängt. Denn eigentlich ist Walter Mitty ein biederer Fotoarchivar für das LIFE-Magazin, der diese Abenteuer nur fantasiert. (In Österreich hat sich seit der  vermeintlichen K2-Besteigung des Extrembergsteigers Christian Stangl der Begriff des „Visualisierens“ durchgesetzt – ich nehme mal an, Stangl kennt den Film …) Auf seinem online-Dating-Profil bekommt Mitty keine Nachrichten, weil sein Profil zu langweilig ist. Die größte Aufregung in seinem Leben ist die geplante Umstrukturierung des Magazins. Da schickt ihm der mysteriöse, eigenbrötlerische Naturfotograf Sean O’Connell sein Meisterwerk als Negativ zu – dieses beste Foto, das er jemals gemacht hat, die Quintessenz des Lebens, soll auf das letzte Titelblatt des LIFE-Magazins, ehe die Printausgabe eingestellt wird und das Magazin nur noch online fortgeführt wird. Das Problem bei der ganzen Geschichte: Unter all den Negativen, die Sean O’Connell an Walter Mitty geschickt hat, ist genau dieses Foto nicht zu finden. So bleibt Walter Mitty nichts Anderes übrig, als selbst auf die Suche nach Sean O’Connell und diesem Foto zu gehen – eine Reise, die ihn via Grönland und Island bis nach Afghanistan führt. Walter Mitty wird gnadenlos aus sämtlichen Komfortzonen hinausgeworfen. „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist ein sympathischer Film mit einer Hauptfigur, mit der ich mich selbst sehr gut identifizieren kann, neige ich doch selbst zu Tagträumen. Das einzige Problem, das der Film hat, ist die Überzeichnung der realen Ebene. Hier kann man schon mal mit einem Skateboard innerhalb von 10 Minuten in eine viele Kilometer entfernte Ortschaft sausen oder mit Fäusten gegen Haie kämpfen. So wird der Film phasenweise zu einer Karikatur seiner selbst. Dennoch: Wenn man über diesen Schwachpunkt wohlwollend hinweg sieht, ist der Film ein mitreißendes Plädoyer dafür, das Leben zu genießen und Risiken zu nehmen. Das Ende ist wundervoll und wieder sehr down to earth.


7,0
von 10 Kürbissen

Jahrhundertfrauen (2016)

Regie: Mike Mills
Original-Titel: 20th Century Women
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: 20th Century Women


Gleich vorweg: „Jahrhundertfrauen“ ist ein dämlicher Titel. Er impliziert einen Film über Emanzipationsheldinnen oder sonstige unerreichbare Idole. „20th Century Women“, der Originaltitel des Films von Mike Mills, passt um Längen besser. Denn es geht ganz einfach um das sich verändernde Bild von Frauen und Familie Ende der 70er. Dorothea (die wunderbare Annette Bening, längst überreif für einen Oscar) ist die alleinstehende Mutter des pubertierenden Teenagers Jamieund Mitte Fünfzig. Weil ihr Haus sehr groß ist und ihr Herz auch, wohnen bei ihr noch die gerade vom Krebs genesene, ziellose Mittzwanzigerin Abby (Greta Gerwig in einer Greta Gerwig-Rolle) und der handwerklich geschickte Einzelgänger William (Billy Crudup, der gefälligst niemals wieder Rollen ohne Schnauzbart spielen soll). Außerdem schleicht sich in der Nacht Julie (Elle Fanning), eine gute Freundin von Jamie, ins Haus, um mit ihm über Gott und die Welt zu philosophieren. Anhand dieses Patchwork-Gefüges zeigt Mike Mills die gesellschaftlichen Veränderungen Mitte der 70er, Anfang der 80er auf, als das klassische Familienbild in einer Spätfolge der Hippie-Bewegung und der neuen Freiheit ins Wanken gerät. Das wird allerdings herrlich unprätentiös und so beiläufig abgehandelt, dass man erst beim Abspann über das Gesehene nachzudenken beginnt und die Implikationen der Veränderungen anhand der eigenen Familie und der Erfahrungen darin nachzuzeichnen beginnt. Der Fokus liegt bei „20th Century Women“ im Grunde immer bei seinen fünf Figuren und deren Beziehungen untereinander. Es geht um Liebe, um Zugehörigkeit, um Sex, um Familie, um das Erwachsenwerden, um Generationsgräben, um Krankheit und die Angst vor dem Tod. Das allerdings wird nie dick aufgetragen, sondern mit dem augenzwinkernden Humor der liebevoll gezeichneten Figuren abgehandelt. Schräge Montagen und gelegentliche Verfremdungseffekte zeichnen das Bild der ausgehenden 70er Jahre bunt, ohne diese zu verklären. Ein großer Wurf, der durch das durch die Bank überragende Spiel seiner Darstellerinnen und Darsteller noch zusätzlich an Hirn und Herz hinzugewinnt.


8,5
von 10 Kürbissen

Oh Boy (2012)

Regie: Jan-Ole Gerster
Original-Titel: Oh Boy
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Oh Boy


Berlin. Ich bin gern dort. Ich bin aber auch genauso gern wieder raus aus Berlin. Irgendwie ist die Stadt nie richtig fertig. Irgendwie ist man nie richtig angekommen. Irgendwie treibt alles so ziellos dahin. Und das führt mich zu Niko, toll gespielt von Tom Schilling. Der treibt auch so dahin. Er hat mal studiert, hat aber sein Studium abgebrochen. Beziehungen bricht er auch ab, bevor es ernst wird. Er muss dringend weg. Woanders hin. Er weiß nicht, wohin, aber erst einmal weg. Einen Kaffee trinken vielleicht. Doch das gestaltet sich komplizierter als man es erwarten würde. (Auch so ein Berlin-Ding: Die Stadt ist kompliziert.) Niko braucht Geld, also redet er mit seinem Vater. Niko braucht Ablenkung, also zieht er mit einem Kumpel durch die Gegend und lässt sich von der Bekannten aus der Jugendzeit, die er einst verspottet hat, beflirten. Niko ist passiv – ihm passiert alles, und gleichzeitig passiert ihm auch nichts. Das ist meistens recht komisch anzusehen, wobei das Lächeln auf den Lippen des Zusehers immer auch als verkniffene Bitternis verstanden werden kann, manchmal ist es auch einfach nur tragisch. Und damit ist „Oh Boy“ – trotz aller Überzeichnung – auch ein Porträt der heutigen Zeit, in der man vor lauter Möglichkeiten zu keinen Entscheidungen mehr findet. Ein schönes Sinnbild, gemalt in schwarz-weißen Bildern und auf dem Gesicht des stoischen Tom Schilling. Am Ende fehlt vielleicht ein bisschen die Substanz, die finale Botschaft, die noch zum Weiterdenken anregen könnte, und so wirkt der Film eben auch ein bisschen wie Berlin selbst nach: Nicht ganz fertig, mit Baustellen, so ein bisschen ziellos eben. Aber dennoch immer wieder einen Besuch bzw. eine Sichtung wert.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Last Action Hero (1993)

Regie: John McTiernan
Original-Titel: Last Action Hero
Erscheinungsjahr: 1993
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Last Action Hero


Happy Birthday, Arnie! Der Mann feiert einen 70. Geburtstag und der Kürbis seine 100. Rezension. Und die sieht so aus:

The Last Action Hero ist durchaus besser als sein Ruf. Er hat seine Momente und wechselt geschickt zwischen knallharter Action und selbstironischer Komik. Oscars gibt es keine, aber herrliche One-Liner, die staubtrocken mit steirischem Akzent herausgehauen werden. Ein Grund für die Popularität von Arnie ist sicherlich, dass er sich selbst nicht allzu ernst nimmt und versteht, dass man sich gelegentlich auch mal zum Affen machen muss, um das zahlende Publikum gut unterhalten zu können. Nichts ist so befriedigend wie ein gelungener, völlig überhöhter Filmtod, der von Arnies stoischer Miene und einem trockenen Spruch eingeleitet wird. Das hat er verstanden wie kein Zweiter. Einen Action Hero wie Arnie wird es wohl kaum mehr geben.

Übrigens: Der Film ist auch sehr unterhaltsam.


7,0
von 10 Kürbissen

 

Clerks – Die Ladenhüter (1994)

Regie: Kevin Smith
Original-Titel: Clerks
Erscheinungsjahr: 1994
Genre: Komödie, Satire
IMDB-Link: Clerks


Kevin Smith ist eine sehr sympathische Figur im Hollywood-Betrieb. Er macht einfach sein Ding. Ob es nun eine bissige Abrechnung mit Religion und Fanatismus („Dogma“) ist oder eine romantische Beziehungskomödie rund um Pornos („Zack and Miri Make a Porno“) – bei Kevin Smith darf man sich immer auf ein bisschen Anarchie einstellen. Bei seinem Debütfilm „Clerks“ war er gerade mal 24 Jahre alt. Um den Film zu drehen und das Budget von 27.000 Dollar zu stemmen, verkaufte er sogar seine Comic-Sammlung. Und was macht man nun, wenn man einen Langfilm mit einem absurd geringen Budget von 27.000 Dollar drehen möchte? Genau – man reduziert die Handlungsorte auf ein absolutes Minimum und verzichtet auf rasante Action, sondern lässt lieber mal die liebevoll-verpeilten Figuren frei nach Schnauze reden. Und das sind in erster Linie mal die beiden Freunde Dante und Randal. Dante arbeitet in einem Convenience Store, plagt sich gerade mit seiner Gefühlswelt herum, die ihn zwischen seiner aktuellen Freundin Veronica und seiner Verflossenen Caitlin, die, wie er aus einer Zeitung erfahren hat, heiraten wird, hin und her schießt und eigentlich lieber mit seinen Freunden Hockey spielen möchte als eine zusätzliche ungeplante Schicht im Shop herunterzureißen. Randal, ein Slacker, wie er im Buche steht, ist … nun ja … anwesend (aber auch nicht immer) in der Videothek nebenan. Eigentlich sollte er dort arbeiten, aber lieber hängt er im Store von Dante herum und gibt seine Lebensweisheiten zum Besten, die nicht immer hilfreich sind. Und das ist es dann auch. Das ist der Film. Gedreht in körnigem Schwarz-Weiß mit viel Improvisation, absurden Dialogen und teils noch absurderen Handlungen (ich sage nur: Sex auf dem Klo und die ungeahnten Konsequenzen daraus) ist „Clerks“ ein wirklich unterhaltsamer Film ohne Handlung. Manche Stellen sind dadurch vielleicht auch ein bisschen zäh – aber keine Sorge: Der nächste zum Brüllen komische Dialog, vorgetragen mit einer entwaffnenden schulterzuckenden Gleichgültigkeit, ist keine Minute entfernt. Durchaus nachvollziehbar, wie es „Clerks“ zum Kultfilm bringen konnte, der das Hundertfache seines Budgets eingespielt hat. Was jetzt in Anbetracht des Budgets auch dramatischer klingt, als es ist.


7,0
von 10 Kürbissen

Spider-Man: Homecoming (2017)

Regie: Jon Watts
Original-Titel: Spider-Man: Homecoming
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Fantasy, Komödie, Science Fiction
IMDB-Link: Spider-Man: Homecoming


Tobey Maguire war Spider-Man. Andrew Garfield war Spider-Man (und diese Filme habe ich schon gar nicht mehr gesehen, weil mich dieser Aufguss – ob berechtigter- oder unberechtigerweise – nicht interessiert hat. Und nun ist Tom Holland Spider-Man. Schon in „The First Avenger: Civil War“ wurde diese Figur wieder neu ins aktuelle Marvel Cinematic Universe eingeführt, und da dachte ich mir schon: Jep, das könnte tatsächlich funktionieren. Und so gab ich auch dem neuen, neuen Spider-Man eine Chance und wurde nicht enttäuscht. Denn eigentlich ist „Spider-Man: Homecoming“ gar kein Action-Kracher. Vielmehr ist es eine wirklich witzige und von Tom Holland sehr gut getragene Teenager-Komödie, die ihren Schwerpunkt auf das Biotop „High School“ legt. Peter Parker muss sich zunächst einmal den üblichen Kämpfen eines Teenagers stellen. Er ist ein bisschen ein Außenseiter in der Schule, nicht unbeliebt, aber von Manchen doch gemobbt, er hat sich in das hübscheste Mädchen der Schule verknallt und hadert nun mit dem Zwiespalt, ihr imponieren zu wollen und sich gleichzeitig nicht trauen, sie anzusprechen, er hat schulische Verpflichtungen, die ein bisschen gegen seinen eigenen Zeitplan gehen (denn hey, er ist ja Spider-Man und als freundliche Spinne aus der Nachbarschaft wird er eben auch dort gebraucht), und er will endlich etwas bewegen, ernst genommen werden, erwachsen werden. Er will nicht mehr als Kind behandelt werden. Gerade dieser Wunsch bringt ihn auf Konfrontationskurs mit dem Schurken Vulture (Michael Keaton in einer selbstironischen Adaption seiner selbstironischen Rolle in „Birdman“). Was schön ist an dem Film: Bei aller Situationskomik nimmt er seine Figuren ernst. Die Probleme eines Teenagers werden greifbar dargestellt, und der Schurke ist nicht einfach ein Oberbösewicht mit einer oberschurkischen Agenda, sondern einfach ein Mann, der seine Familie ernähren will und dafür recht unkonventionelle Wege findet und natürlich angepisst ist, wenn ihm so eine kleine, rotzfreche Spinne in die Suppe spucken möchte. (Ganz groß ist hierbei die erste End-Credit-Szene – hier sieht man noch einmal sehr deutlich, dass sich die Autoren und Macher sehr wohl intensiv Gedanken über ihre Figuren gemacht haben.) Im Grunde geht es aber nicht um den Kampf Gut gegen Böse, den man so oft schon gesehen hat, sondern eben um die Frage: Wer bin ich, wer kann ich sein, wer will ich sein, und wie erreiche ich, dass mich meine Umwelt auch so wahrnimmt, auch wenn ich das, was ich sein will, aktuell noch nicht nach außen darstellen kann? Dabei werden keine dramatischen Verrenkungen der Figuren in Kauf genommen, es gibt keine Epiphanie, keine große Erleuchtung – alles wirkt sehr organisch und aus den Figuren selbst herauskommend. Hier macht „Spider-Man: Homecoming“ fast alles richtig, ist jedenfalls besser und glaubwürdiger als der erste Spider-Man-Film mit Tobey Maguire. Ein bisschen Probleme hat der Film vielleicht mit der Story selbst, die zuweilen etwas gar beiläufig erzählt wird. Aber das ist okay – der Fokus lag bei diesem Spider-Man eben woanders. Und so sehe ich den Film auch als Coming-of-Age-Komödie, bei dem der Held halt zufälligerweise auch Superkräfte besitzt. Seine Probleme kann er damit aber auch nicht lösen, was „Spider-Man: Homecoming“ sehr sympathisch macht.


7,5
von 10 Kürbissen

The Diary of a Teenage Girl (2015)

Regie: Marielle Heller
Original-Titel: The Diary of a Teenage Girl
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: The Diary of a Teenage Girl


Es sind die 70er. Die koksende, ständig Party machende Hippie-Mutter (Kristen Wiig) hat einen etwas jüngeren Lover in seinen Dreißigern (Alexander Skarsgaard), die 15jährige Tochter Minnie (herausragend und mit vollem Einsatz gespielt von Bel Powley) zeichnet Comics, versucht, die Welt zu verstehen und noch mehr das postpubertäre Gefühlschaos in ihr selbst. Der Lover der Mutter sieht ja eigentlich recht schnuckelig aus und plötzlich hat sie bei einem gemeinsamen Barbesuch seinen Finger im Mund und feuert laszive Blicke auf ihn ab, was ihn (und andere Teile seines Körpers) sichtlich … aufschreckt. Und da der junge Mann selbst irgendwie verloren wirkt, als wäre er noch ein Teenager, dem einfach zu schnell der Bart gewachsen ist, landen die beiden in der Kiste. Minnie erlebt ihr erstes Mal also mit dem Freund ihrer Mutter. Und ihr zweites Mal. Und drittes Mal. Und so weiter. Mit dem sexuellen Erwachen folgen interessante Experimente in den interdisziplinär verschränkten Fächern „Party machen“ und „Drogen konsumieren“, aber allmählich kippt das alles. Der Teenager ist mit der Situation zusehends überfordert (der Lover ist es schon längst), und dass es nicht ganz risikofrei ist, mit dem Freund der Mutter zu schlafen, sollte eigentlich auch klar sein. Die leichte Independent-Komödie kippt allmählich ins Dramatische, zwinkert aber auch da immer noch fröhlich mit den Augen – man ist ja schließlich in den 70ern, und da waren die Menschen lebenslustiger, gell? Und das ist auch mein Hauptkritikpunkt am Film. Zwar transportiert der Film ein bestimmtes Lebensgefühl sehr überzeugend und wirkt (dank großartiger Kameraarbeit, tollen Kostümen und einer bis ins kleinste Detail durchdachten Deko) tatsächlich aus der Zeit gefallen, aber die 70er werden mir dennoch zu stark auf Sex, Party und Drogen reduziert. Ich glaube, der einzige Protagonist, der kein mittelschweres Drogenproblem hatte, war die Katze. Und selbst die war wahrscheinlich massiv auf Katzenminze. Auch das Thema selbst, das hemmungslose Verhältnis einer 15jährigen mit einem 35jährigen, war für mich teils zu fröhlich dargestellt. Eigentlich hätte ich erwartet, dass die Protagonistin von der ganzen Geschichte einen massiven Knacks bekommt. Großartig hingegen das Spiel und die für Hollywood rotzfreche Umsetzung mit viel nackter Haut. Ja, es geht um Sex, also wird auch Sex gezeigt. Und da sind die Menschen nun mal nicht stets züchtig in weiße Bettlaken eingewickelt. Ich hätte dem Film gern eine höhere Wertung gegeben, aber unterm Strich blieb er für mich – trotz großartiger Umsetzung – zu leichtgewichtig, zu naiv. Aber gut, im Vergleich zu den Menschen in den 70ern sind wir heute wahrscheinlich ziemliche Spießer. Und als solcher Spießer bewerte ich eben auch den Film.


6,5
von 10 Kürbissen

Die Migrantigen (2017)

Regie: Arman T. Riahi
Original-Titel: Die Migrantigen
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Komödie
IMDB-Link: Die Migrantigen


Benny und Marko sind gute Freunde. Sie leben in einem typisch Wienerischen Grätzl, Benny versucht sich als Schauspieler, Marko betreibt eine kleine Werbeagentur. Beiden geht es finanziell nicht so gut. Benny wird immer nur für sehr stereotype Rollen gecastet, Markos Werbekonzepte werden von den Kunden nicht gut angenommen. Wie gut, dass eine Fernsehredakteurin auf der Suche nach brisantem Stoff über die beiden stolpert, als sie gemütlich auf einer Parkbank chillen. Denn: Die beiden haben Migrationshintergrund und sind daher ja bestens geeignet, die Hauptfiguren einer neuen Dokumentation über den sozialen Brennpunkt des Grätzels zu sein und um zu zeigen, wie es sich als kleinkrimineller Ausländer lebt. Blöd nur, dass die beiden keine Ahnung von diesem Milieu haben und der TV-Redakteurin das alles nur vorspielen. Aber das schnelle Geld lockt. Dass damit die Probleme erst anfangen, ist dem geübten Cineasten aber klar.

„Die Migrantigen“ bezieht seinen Humor aus der Karikierung der Migrationssituation. Benny und Marko sind bestens integriert und so weit entfernt von dem Milieu, das sie fürs Fernsehen repräsentieren sollen, wie ein 40jähriger Bankangestellter mit dem Namen Hubert Maier. Der Film nimmt dabei augenzwinkernd Vorurteile und Klischees aufs Korn, und es ist lustig, dass ausgerechnet die beiden vermeintlichen „Ausländer“ in diese Klischeefallen tappen. Gleichzeitig kann man aber hier auch den größten Kritikpunkt ansetzen: Die tatsächlichen Problemen und Ängste der Menschen mit Migrationshintergrund werden nur am Rande gestreift. Zwar wird versucht, am Ende noch eine Message mitzugeben, dass es eben reale Probleme und Existenzkämpfe gibt, aber das kommt alles viel zu kurz und oberflächlich. So bleibt „Die Migrantigen“ am Ende ein netter, kleiner Film, der niemandem weh tut.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Luna Film)

Der Name der Leute (2010)

Regie: Michel Leclerc
Original-Titel: Le Nom de Gens
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Komödie, Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: Le Nom des Gens


Französische Komödien – meistens folgen sie diesem Muster: Schöne Menschen beschäftigen sich mit Themen der aktuellen Political Correctness, sind ein bisschen nackt und fast immer hysterisch. Mitten im Film kommt dann ein großes Drama, das kein vernünftiger Mensch nachvollziehen kann (weil kein vernünftiger Mensch ist jemals so hysterisch wie französische Filmfiguren), am Ende kommt die Katharsis und das politisch inkorrekte Thema wird mit einem Augenzwinkern abgeschlossen. Bei „Ziemlich beste Freunde“ hat das gut funktioniert – wohl auch, weil die Hauptfiguren nur ein bisschen hysterisch statt komplett gaga waren. Beim gefeierten Film „Der Name der Leute“ (zwei Césars – fürs Drehbuch und für Sara Forestier als beste Hauptdarstellerin) funktioniert das mal wieder nicht. Die Story: Junge algerisch-stämmige Links-Aktivistin (ihr Aktivismus: sie schläft mit Rechten und Konservativen, um sie zu bekehren) trifft auf langweiligen Durchschnittsfranzosen, der Vogelkrankheiten untersucht und dabei Wildgänse und Stockenten seziert, mit verleugneter jüdischer Vergangenheit. Er ist fad und latent unsympathisch, sie dafür hysterisch genug für beide. Der Film behandelt dabei die Themen Herkunft und ethnische Durchmischung. An sich ein löbliches Vorhaben. Nur ist das alles so plump und auch ärgerlich dargestellt, dass ich einfach keine Freude daran habe. Beispiel: Die Hauptprotagonistin wurde als Kind vom Klavierlehrer sexuell missbraucht. Dieses heftige Thema wird allerdings so nebenher und auf eine zynische Weise abgehandelt, dass man nur den Kopf schütteln kann. Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Film seine Figuren wirklich ernst nimmt. Lieber einen schlüpfrigen Gag einbauen und nackte Brüste zeigen, als die Figur auch mal verletzlich darzustellen und ihr zugestehen, dass das Leben auch mal bitter sein kann. Den Kritikern weltweit hat der Film ganz gut gefallen, ich hingegen bin allerdings kein Filmkritiker.


3,0
von 10 Kürbissen

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017)

Regie: James Gunn
Original-Titel: Guardians of the Galaxy Vol. 2
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action, Komödie
IMDB-Link: Guardians of the Galaxy Vol. 2


Nach dem gefeierten „Guardians of the Galaxy“ aus dem Jahr 2014 folgt nun der zweite Streich, und wie immer bei Fortsetzungen darf man gespannt, aber auch ein wenig skeptisch sein. Wird nur noch die Cashcow gemolken oder tatsächlich wieder ein feines Filetsteak serviert? Nach der Sichtung von „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ kann ich nun sagen: Es hat wieder geschmeckt. Der zweite Film, wieder mitgeschrieben und inszeniert von James Gunn, bietet feinstes Popcornkino. „Guardians of the Galaxy“ ist die Packung Smarties, das fröhlich zwischen all den Lindt-Schokoladetafeln der anderen Marvel-Filme hervorgrinst. Und meiner Meinung nach hat der zweite Teil der Filmreihe von vielen entscheidenden Dingen noch etwas mehr als Teil 1: Mehr (liebevoll nerdiger) Humor, mehr Figurentiefe, mehr Emotion. Vor allem das Ende ist ein echter Tränendrücker. Bis man dahin kommt, ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ wieder ein sehr buntes Abenteuerkino, ein fast schon psychedelischer Trip – man sieht Farben, die man eigentlich gar nicht sehen kann. Und was den schon angesprochenen Humor betrifft: Ja, am Humor scheiden sich oft die Geister. Vielen wird die kindlich-ausgelassene Art von Humor, die hier zelebriert wird, wohl auf den Zeiger gehen, aber mein inneres Kind hat sich dabei wunderbar amüsiert, ohne dass meine Intelligenz beleidigt worden wäre. Denn diesen Spagat schafft „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ wirklich gut: Auch wenn das alles ein augenzwinkernder Spaß ist, so steckt doch Niveau und Anspruch dahinter. Die Themen, die den Film zusammenhalten, wie Zugehörigkeit, Familie, Verbundenheit, werden durchaus ernst genommen und bieten den emotional aufgeladenen Grundanstrich des Films. In all diesen Belangen halte ich „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ sogar für noch einen Tick besser als den gefeierten Erstling (und ich weiß, dass ich mit dieser Ansicht eher einer Minderheit angehöre, auch wenn der Film grundsätzlich viel Zustimmung erfährt). Nur die Story selbst ist schon eine recht dünne Suppe. Diesen von vielen Fans und Kritikern geäußerte Kritikpunkt kann ich nachvollziehen, dem muss ich zustimmen. Aber egal: Wie Teil 1 bietet auch der zweite Teil allerbeste und kurzweilige Abendunterhaltung mit sehr hohem Spaßfaktor und einer Achterbahnfahrt durch alle Emotionen.


8,0
von 10 Kürbissen