2018

Inuyashiki (2018)

Regie: Shinsuke Sato
Original-Titel: Inuyashiki
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Action, Komödie, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Inuyashiki


Herr Inuyashiki ist schon etwas in die Jahre gekommen. Für seine Firma verkauft er recht erfolglos mit Mineralen angereichertes Sportwasser, seine Kinder verachten ihn, ihm läuft ein Hund zu, den seine Frau nicht im Haus haben will, und dann bekommt er noch die Diagnose: Krebs. Drei Monate zu leben. Da kann man es schon nachvollziehen, wenn der gute Mann zum nächtlichen Sinnieren in den Park geht. Dort ist er aber nicht allein. Er bekommt Gesellschaft durch einen High School Schüler – und seltsame Entitäten, die ihn ausknocken. Als Inuyashiki wieder zu sich kommt, ist fortan alles ein bisschen anders. Denn das nächtliche Rendezvous mit den Gästen From Outer Space hat ihm ein paar lässige Zusatz-Features eingebracht. Einen Düsenantrieb zum Beispiel, oder einen Waffe im Arm, und nicht zuletzt die Fähigkeit zu heilen. Damit kann man schon ein paar nette Dinge anstellen. Nur blöd, dass sich an seiner Rolle als gering geschätzter Familienvater erst einmal nichts geändert hat. Und noch blöder, dass der Junge, der in jener Nacht ebenfalls im Park war, die gleichen Special Effects mitbekommen hat, diese schneller zu beherrschen versteht und mit einer Mordswut im Bauch gleich mal ganz Japan den Krieg erklärt. So muss der betagte Bürohengst seine Düsen in die Hand nehmen und hinausziehen ins Gefecht. Die japanische Live-Action-Verfilmung des Animes „Last Hero Inuyashiki“ ist ein durchaus spaßiges und actionreiches Vergnügen mit soliden visuellen Effekten und einem sympathischen Anti-Helden als Hauptfigur. Wenn der völlig überforderte Inuyashiki zum ersten Mal mit seinen neuen Modifikationen konfrontiert wird, sind seine Reaktionen darauf brüllend komisch anzusehen. Was dem Film aber eindeutig fehlt, ist eine nachvollziehbare Handlung. Zwar wird versucht, dem Bösewicht auch eine Geschichte zu geben, aber es bleibt dennoch völlig unschlüssig, warum er dermaßen austickt. Und das ist schade, denn dadurch wird der Film auf ein spaßiges Action-Abenteuer reduziert, das die wirklich tolle Grundprämisse, nämlich den alltägliche Büroangestellten zum Superhelden zu machen, nicht wirklich ausspielen kann. Dennoch hatte ich im Kino meinen Spaß mit dem Film, auch wenn er kaum im Gedächtnis hängenbleiben wird.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 64 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: /slash Filmfestival)

Brothers‘ Nest (2018)

Regie: Clayton Jacobson
Original-Titel: Brothers‘ Nest
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Komödie, Thriller
IMDB-Link: Brothers‘ Nest


Mein erster Besuch des /slash-Festivals führte mich in ein entlegenes Haus in Victoria, Australien. Zwei etwas festere bärtige Herren im schicken Müllmann-Outfit haben offensichtlich sinistere Pläne, als sie in das Haus einsteigen, um auf den dort lebenden älteren Roger zu warten. Man erfährt, dass die beiden Zottelbären Brüder sind, dass ihre alte Mutter an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird und Roger der neue Lebensgefährte der Mutter ist, der laut Testament das alte Familienhaus erben soll. Und das geht den beiden Brüdern gegen den Strich. „Brothers‘ Nest“ beginnt als sehr schwarze Komödie, die ihre Komik aus den beiden charakterlich sehr ungleichen und schrägen Brüdern zieht. Terry ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, und er ist es auch, der Bedenken äußert, dem Stiefvater eben alle Kerzen auszublasen. Jeff ist der Mann mit dem Plan. Und wenn man sich in schwarzen Komödien auf etwas verlassen kann: Dass eher selten alles nach Plan funktioniert. Auch Pinky und der Brain mussten das ein ums andere Mal feststellen – warum also soll es diesem australischen Brüderpaar anders gehen? Als dann tatsächlich Roger auftaucht und die Wartezeit, die man sich mit Putzen, Saugen und Wortgefechten vertrieben hat, endlich ein Ende findet, wird es turbulent. Am Ende blickt man als Zuseher fassungslos auf das Geschehen, die Gefühlslage ist irgendwo zwischen hysterischer Freude angesichts des Adrenalins, das noch einmal eingefahren ist, und blankem Entsetzen in Anbetracht der Wendungen, die die Handlung genommen hat. Und in der hintersten Reihe hört man die Coen-Brüder kichern, die ihr filmisches Vermächtnis in guten Händen wissen. Clayton Jacobson hat mit „Brothers‘ Nest“ einen sehr einfachen, aber wirkungsvollen Film gedreht, der von der ersten bis zur letzten Minute an diebisch Freude macht. Ein großartiger erster /slash-Film!


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: /slash Filmfestival)

Bad Spies (2018)

Regie: Susanna Fogel
Original-Titel: The Spy Who Dumped Me
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Komödie, Action
IMDB-Link: The Spy Who Dumped Me


Filme sind Eskapismus. Wenn man ins Kino geht und sich zwei Stunden lang in einen dunklen Saal setzt, dann oft deshalb, um die Welt da draußen auf der Straße zu vergessen und einfach unterhalten zu werden. Genau das versucht „Bad Spies“ von Susanna Fogel mit Mila Kunis und Kate McKinnon in den Hauptrollen. Die Story dieser Agenten-Action-Komödie kann man getrost in der Pfeife rauchen. Zwei überforderte Mädels werden zufällig in einen Agenten-Hetzjagd quer durch Europa hineingezogen (proudly sponsored by Tripadvisor und Lonely Planet), weil der Ex von einer der beiden blöderweise ein CIA-Agent war. Als McGuffin dient ein USB-Stick mit geheimen Geheiminformationen, die so geheim sind, dass nicht mal der Zuseher erfährt, worum es tatsächlich geht. Hauptsache, die Wörter „Mafia“, „Geheimorganisation“ und „viele Tote“ können untergebracht werden. Man sieht förmlich die Häkchen auf der Checkliste zum Drehbuch. Warum „Bad Spies“ (im Original: „The Spy Who Dumped Me“ als Referenz an den James Bond-Film mit dem ähnlich lautenden Titel) dennoch recht unterhaltsam ist, liegt an einigen wirklich guten Gags und der Action, die solide inszeniert ist und auch vor blutigen Details nicht zurückschreckt. Ein Familienfilm ist „Bad Spies“ nicht. Was die Darstellerinnen betrifft, mit denen das Konzept des Films steht und fällt: Die beiden haben eine gute Chemie, und auch wenn Kate McKinnon insgesamt ein bisschen zu überdreht ist, als hätte ihre Figur ein bisschen zu viel Marschierpulver erwischt (die eine Szene, in der die böse Turnerin sie k.o. schlägt: I feel you, sis‘, I feel you …), und Mila Kunis dagegen überraschend unscheinbar und fad – wenn man die beiden aufaddiert, geht die Rechnung dann doch einigermaßen auf. Über Charakterentwicklungen und nachvollziehbare Handlungen der Charaktere breiten wir wohlwollend den Mantel des Schweigens, aber unterm Strich unterhält der Film über die ganze Laufzeit doch ganz gut, auch wenn er kein großer Wurf ist. Immerhin besser als erwartet.


5,5
von 10 Kürbissen

BlacKkKlansman (2018)

Regie: Spike Lee
Original-Titel: BlacKkKlansman
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Komödie, Krimi
IMDB-Link: BlacKkKlansman


Die Geschichte klingt wirklich irre, aber wie Spike Lee im Vorspann versichert: Dieser Shit ist wirklich passiert. Anfang der 70er greift der Undercover-Polizist Ron Stallworth (Denzels Washingtons Filius John David Washington), der erste schwarze Cop in Colorado Springs, zum Telefonhörer, um auf eine Anzeige des Ku-Klux-Klans zu antworten, der nach neuen Mitgliedern sucht. Die Szene, in der Ron im Großraumbüro seinem Gegenüber am Telefon versichert, wie sehr er Schwarze hasst und sich die Kollegenschaft verwundert zu ihm umdreht, ist brillante Situationskomik. Das Problem bei der ganzen Sache liegt recht bald am Tisch: Ron Stallworth wird sich schwer tun, die KKK-Veranstaltungen zu besuchen, zu denen er eingeladen ist. Also nimmt übernimmt Rons jüdischer Kollege Flip (Adam Driver) diese Rolle, und gemeinsam werden sie zu Ron Stallworth, der Stimme am Telefon und dem Klan-Mitglied bei den Zusammenkünften. Ein gefährliches Spiel, denn wie sich schon bald zeigt, sind die Klan-Mitglieder zwar rassistische Arschlöcher, aber nicht blöd (zumindest nicht alle). Dass Ron nebenbei um die politische Aktivistin Patrice (die entzückende Laura Harrier) buhlt, macht die Sache auch nicht einfacher. „BlacKkKlansman“ ist richtig böses (gutes) Kino. Das Lachen bleibt dem Zuseher oft genug im Hals stecken, wenn die Klan-Mitglieder ihre rassistischen Parolen rausschmettern oder Redneck-Polizisten übergriffig werden. Zudem sind alle Rollen sehr gut besetzt und ausgezeichnet gespielt. Auch setzt der Film das Thema recht down to earth um. Obwohl natürlich im Vergleich zur realen Geschichte dramaturgische Eingriffe vorgenommen wurden, ist die Action nicht überspitzt und das Drama nicht allzu breit getreten. Eine gewisse Lässigkeit liegt über dem Ganzen. Damit bekommt der Film allerdings im Mittelteil dann auch teilweise Timing-Probleme, da sich der Spannungsbogen nicht so recht aufbauen möchte. Die vielen guten Momente, die der Film hat, machen dies aber dann doch wieder wett. Am Ende wird die Brücke zur (erschreckenden) Gegenwart geschlagen, und der lockere 70er-Vibe-Film bekommt ein ernsthaftes (und das kann man kritisieren) plakatives Statement aufgedrückt zur Lage der Nation und dem immer noch allgegenwärtigen Rassismus, der seit diesem Jahr von oberster Stelle vorexerziert wird. In Cannes gab es dafür den Großen Preis der Jury. Und vom Filmkürbis immerhin solide 7 Kürbisse.


7,0
von 10 Kürbissen

Let’s Keep It (2018)

Regie: Burgl Czeitschner
Original-Titel: Let’s Keep It
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Let’s Keep It


Diese Woche im Stadtkino angelaufen ist die Dokumentation „Let’s Keep It“ von Burgl Czeitschner, die sich mit verschiedenen Beispielen der Restitution von Liegenschaften beschäftigt, die zwischen 1938 und 1945 arisiert wurden. Oder vielmehr beschäftigt sich der Film mit der Nicht-Restitution dieser Liegenschaften, denn die Republik Österreich schaffte in bestern Bürokraten-Tradition ein Gesetz, das es den Erben der enteigneten Häuser extrem schwer machte, diese Rückgabe zu beantragen. Bezeichnend ist, dass laut Gesetz eine „extreme Ungerechtigkeit“ bei der damaligen Enteignung vorliegen musste. Dass diese Enteignung ungerecht war, reicht nicht aus. So weit, so erschütternd. Das Thema der Restitution ist nach wie vor ein sehr wichtiges. Denn erst 1991 begann mit der Rede des damaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky vor dem Nationalrat die Abkehr von der „Ersten-Opfer-These“, und die Republik Österreich gestand die Mitschuld an den grauenhaften Verbrechen der NS-Zeit ein. Bis dahin konnte man sich hübsch bedeckt halten, und die netten Häuschen und Grundstücke, die man zwischenzeitlich so eingesackt hatte (zumeist von später ermordeten jüdischen Mitbürgern), eigneten sich ja auch hervorragend als Telekom-Ausbildungsstätte, Büros oder auch Naturparks. Man nimmt, was man kriegen kann. Und nachdem das fast vier Jahrzehnte so wunderbar funktioniert hatte, war die Begeisterung, diese Liegenschaften wieder zurückzugeben, natürlich gering. Man hätte dieses dringliche und noch immer nicht abgeschlossene Thema wirklich spannend aufbereiten können. Aber leider geht die Qualität von „Let’s Keep It“ nicht über jene von Schulfilmen hinaus. Burgl Czeitschner erzählt aus dem Off von der Geschichte der gerade gezeigten Liegenschaft, wer darin wohnte, wer sie letztlich übernahm und ob der Fall dann positiv oder negativ abgeschlossen wurde. (Die meisten waren negativ.) Die Hintergründe für die Entscheidungen der Behörde werden zumeist nur am Rande gestreift. Aber genau das wäre der spannende Aspekt des Themas gewesen: Wie und warum entscheidet die Behörde in vielen Fällen, wie ist das dubiose Gesetz zustande gekommen, das die Rückgaben verhindert, wie stellen sich die Juristen und Beamten, die den Schmarrn ausführen müssen, selbst zum Gesetzestext und der Lage der Betroffenen. Mit einer klugen Auswahl von Interviewpartnern und einem tieferen Bohren (weniger in die Geschichte der enteigneten Liegenschaftsbesitzern, so tragisch ihre Schicksale auch sind, sondern mehr in die Entscheidungsgrundlagen der Behörde) hätte man viel herausholen können. So wird aber ein an sich spannendes Thema leider langweilig und nichtssagend aufgearbeitet anhand von einer Vielzahl von Beispielen, die – jedes für sich – sehr oberflächlich abgehandelt werden. Schade drum.


4,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

303 (2018)

Regie: Hans Weingartner
Original-Titel: 303
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Liebesfilm, Roadmovie
IMDB-Link: 303


Jule ist 24, hat gerade eine Prüfung versemmelt und ist ungeplant schwanger, was noch kaum jemand weiß, vor allem nicht ihr Freund in Portugal. Jan ist ebenfalls 24, wurde gerade für ein Stipendium abgelehnt und möchte seinen leiblichen Vater in Spanien kennenlernen. Der Zufall führt die beiden zusammen, als Jule den Anhalter Jan mitnimmt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten stellen die beiden fest, dass sie sich trotz sehr gegensätzlicher Ansichten doch recht sympathisch sind und die Gesellschaft des jeweils Anderen genießen können. Und so wird aus einer kurzen Strecke die ganze Fahrt quer durch Europa auf die iberische Halbinsel. Und am Ende der Reise stellen sie fest, dass sie sich ineinander verliebt haben. Das ist „303“ von Hans Weingartner, und mehr an Inhalt ist hier tatsächlich nicht zu erzählen. Aber die Story ist nebensächlich. Viel mehr transportiert der Film ein Lebensgefühl, eine Stimmung, wie es sich anfühlt, Mitte 20 zu sein und sich zu verlieben. Die grenzenlose Freiheit wird zwar schon eingeengt durch die ersten Erschwernisse, die das Leben eben so mit sich bringt, aber man macht dennoch das Beste daraus. Das Kluge an dem Film ist, dass er keine kitschige Romanze abspult, sondern den beiden Protagonisten ein ehrliches Bemühen zugesteht, sich eben nicht ineinander zu verlieben. Jule hat einen Freund und ist, wie gesagt, schwanger. Jan hat persönliche Probleme, die er erst aufarbeiten möchten. Und in vielen Diskussionspunkten sind sie sehr unterschiedlicher Ansicht – was den Kapitalismus betrifft, die Liebe, den Sex. Aber setze zwei junge, sich sehr sympathische Menschen ein bis zwei Wochen lang in ein Wohnmobil und schaue, was passiert. Nämlich das, wovon „303“ erzählt. Man muss schon viel Sitzfleisch aufbringen, denn der Film nimmt sich mit 2,5 Stunden wirklich Zeit für seine Geschichte. Und man muss sich darauf einstellen, dass so gut wie nichts passiert, außer dass sich die Landschaft allmählich ändert. Das Herzstück des Films sind die Diskussionen und Gespräche der beiden Figuren und wie sie sich dadurch Schritt für Schritt aneinander annähern. Ein wunderschönes Roadmovie, bei dem die Zeit still steht. Und selten habe ich eine so gute Chemie zweier Darsteller gesehen wie in diesem Film. Mala Emde und Anton Spieker sind fantastisch zusammen. Ein Film, der die Seele streichelt.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Thimfilm)

The Darkest Minds – Die Überlebenden (2018)

Regie: Jennifer Yuh Nelson
Original-Titel: The Darkest Minds
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: The Darkest Minds


Irgendwie blöd für die Welt, wenn plötzlich 90% der Kinder von einer seltsamen Epidemie hinweggerafft werden und die restlichen 10% ungute Fähigkeiten entwickeln, die den Erwachsenen höchst suspekt sind (wie beispielsweise Intelligenz – wie man an den letzten Wahlergebnissen weltweit sieht, wohl der schlimmste Feind der Menschheit). Ruby (Amandla Stenberg) ist eines von den übrigen Kindern. Und ihre Fähigkeit ist besonders gefürchtet – sie kann nämlich in die Köpfe der Menschen schauen und Gedanken manipulieren. Versehentlich löscht sie sich aus den Erinnerungen ihrer Eltern und wird von denen prompt den Behörden übergeben, die alle Kinder mit speziellen Fähigkeiten in eine Art KZ einsperren. So weit, so dystopisch. Aber weil wir hier im beliebten Genre der Jugend-Dystopie sind, muss man um die Protagonistin nicht groß fürchten, die auch wieder frei kommt dank der Hilfe einer Ärztin (Mandy Moore, sichtlich erwachsen geworden), als wäre das Ganze nur ein etwas nerviges Sommercamp gewesen. Auf der Flucht schließt sie sich drei weiteren Jugendlichen an, die auf der Suche nach einem sagenumwobenen Camp der Kinder sind. Und damit nimmt die Geschichte ihren routinierten Lauf. Gleich vorweg: Ich kenne die Buchvorlage zu „The Darkest Minds“ nicht und kann daher keinerlei Angaben zur Werktreue geben. Aber ein Meilenstein an Innovation und Originalität dürfte auch die Vorlage nicht gewesen sein. Denn so gut die Ausgangsidee auch ist, erst mal alle Kinder aus dem Leben rauszufegen und die wenigen Überlebenden zu kasernieren, in weiterer Folge ist genau das relativ bedeutungslos für den Fortgang der Geschichte, die sich lieber in einer platten Romanze zweier Darsteller/innen verzettelt, die keinerlei Chemie miteinander aufweisen, und dem üblichen Wir-gegen-die-Bösen-Schmarren, wobei die Ziele aller Beteiligten höchst diffus bleiben. Ein paar nette Momente hat der Film, und Stenberg als tragende Figur macht ihre Sache gut. Aber trotzdem ist alles so banal und vorhersehbar und unoriginell, dass das Ding einfach keinen Spaß macht. Ob es trotz des offenen Endes Fortsetzungen geben wird? Wenn ja, werde ich mir sie wohl nicht ansehen.


4,0
von 10 Kürbissen

Auf der Suche nach Ingmar Bergman (2018)

Regie: Margarethe von Trotta
Original-Titel: Auf der Suche nach Ingmar Bergman
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Auf der Suche nach Ingmar Bergman


Unbestritten ist Ingmar Bergman einer der bedeutendsten Filmemacher der Geschichte. Und auch ich finde viele seiner Filme grandios – allen voran „Das siebente Siegel“ und „Wilde Erdbeeren“. Gleichzeitig wusste ich bislang wenig von seinem Leben und seiner Herangehensweise an den Filmdreh. So begab ich mich also gern mit Margarethe von Trotta auf die Suche nach Ingmar Bergman. In Interviews mit Zeitgenossen, Familienmitgliedern oder Menschen, die sich zumindest intensiv mit Bergman auseinandergesetzt haben (darunter u.a. die Filmemacher Olivier Assayas, Ruben Östlund und Mia Hansen-Løve) spürt Margarethe von Trotta dem großen schwedischen Regisseur nach. Dabei werden Einblicke gewährt sowohl in seine Arbeitsweise als auch sein Privatleben. Mir war zum Beispiel nicht bekannt, dass Bergman ein ganzes Rudel von Kindern hatte mit unterschiedlichen Frauen – und dass er alles Andere als ein vorzeigbarer Familienvater war. Allerdings krankt von Trottas Dokumentation an zwei Problemen: Zum einen werden immer nur bestimmte Schlaglichter gesetzt, je nachdem, was der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin zu erzählen hat, was dazu führt, dass viele Aspekte, die den Menschen und Filmschaffenden Bergman ausmachen, zwar kurz angerissen werden, es aber nie in die Tiefe geht, man daher Bergman nicht wirklich näher kommt. Ein Problem vieler Dokumentar-Porträts. Zum anderen fällt Margarethe von Trotta selbst in den Interviews immer wieder unangenehm auf, wenn sie die Sätze ihre Interviewpartner unterbricht und deren Sätze beendet – oder ihnen sogar widerspricht. Es scheint so, als würde von Trotta der Welt zeigen wollen, dass eigentlich nur sie selbst die Bergman-Kennerin ist und ihn besser versteht als alle anderen. Und natürlich – sie kann gerne ihre subjektive Sicht einbringen, aber wenn sie dann beispielsweise Bergmans eigenen Söhnen auf diese Weise dazwischen fährt, wirkt das nur noch affektiert und peinlich. Hier hätte es deutlich mehr Zurückhaltung gebraucht.


5,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen Filmverleih)

Ant-Man and the Wasp (2018)

Regie: Peyton Reed
Original-Titel: Ant-Man and the Wasp
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Science Fiction, Action, Komödie, Fantasy
IMDB-Link: Ant-Man and the Wasp


Ant-Man (Paul Rudd) backt kleinere Brötchen. Nicht nur wortwörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne, da er mit Fußfessel und Ausgehverbot nun erst einmal alle Zeit der Welt hat, sich seiner Tochter zu widmen. So weit, so gut. Lange hat er ja nicht mehr hin bis zum Ablauf seines Hausarrests – die letzten Tage wird er schon noch irgendwie hinbekommen. Wäre da nicht dieser seltsame, sich durchaus real anfühlende Traum von der Ehegattin seines Mentors aus dem ersten Film, Hank Pym (Michael Douglas), die vor Jahrzehnten im subatomaren Raum verschollen ist. (Klein zu sein und überall rein zu kommen hat eben nicht ausschließlich Vorteile.) Auftritt Dr. Pym samt Tochter (Evangeline Lilly), die nicht nur über eine Wespentaille verfügt, sondern auch als solche Schurken in die Knie zwingt – denn die beiden vermuten eine Verbindung von Scott zur Mini-Mum (Michelle Pfeiffer), und mit der neuesten Erfindung des genialen Dr. Pym sollte man die vielleicht wieder befreien können aus ihrer misslichen Lage. Dieses Gerät weckt aber die Begierde unterschiedlicher weiterer Figuren, darunter einer sehr gespensterhaft umherzuckenden jungen Frau sowie eines leicht debilen und sich grenzenlos selbst überschätzenden Waffendealers. Es kommt, was kommen muss: Ein Actionfeuerwerk, getragen von amüsanten Kontrasten zwischen Groß und Klein. Überhaupt ist Ant-Man ein Held, den man (glücklicherweise) nicht ganz ernst nehmen muss. Lieber mal ein lockerer Spruch als eine konkrete Problemlösung, Hauptsache, man hat die Lacher auf seiner Seite. Alle Beteiligten haben sichtlich Freude an dem Werkl, und das überträgt sich auch aufs Publikum. Nach dem zweiten Deadpool-Film ist „Ant-Man and the Wasp“ nun der zweite Marvel-Film im heurigen Jahr, der nicht mehr sein möchte, als er ist: Nämlich einfach eine Gaudi. Während Deadpool mit seinem derben, nicht jugendfreien Humor die Erwachsenenvariante ist, bietet Ant-Man nun Unterhaltung für die ganze Familie. Fazit: Kann man sich jedenfalls anschauen – zwei Stunden Unterhaltungskino, das wirklich Spaß macht. Logiklöcher und eine konfuse Story verzeiht man da gerne mal.


7,0
von 10 Kürbissen

Hereditary – Das Vermächtnis (2018)

Regie: Ari Aster
Original-Titel: Hereditary
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Horror
IMDB-Link: Hereditary


Die in der Menschheitsgeschichte am meisten gestellte Frage ist wohl die nach dem Warum. Eine solche Frage stellte ich mir gestern auch wieder: Warum sitze ich Schisser allein im Kino in einem Horrorfilm, der noch dazu als besonders furchteinflößend beschrieben wird? Eine mögliche Antwort: Als Filmliebhaber sollte ich halt für alle Genres offen sein. Jedenfalls saßen ich und mein Popcorn (damit ich nicht ganz so allein war) hinter und neben und vor jungen Pärchen, die ihre Beziehung durch gemeinsame Grenzerfahrungen zu stärken versuchten. Das schien zu funktionieren. Auch meine Beziehung zum Popcorn wurde während der zwei Stunden von „Hereditary“ vertieft. Die Grundprämisse ist eine simple: Mutter (die überragende Toni Collette) von zwei Kindern samt stoischem Ehegatten (Gabriel Byrne, schön, ihn wieder mal gesehen zu haben) trauert um ihre Mutter, zu der sie ein ambivalentes, kaltes Verhältnis hatte, die aber gemeinsam mit der Familie die letzten Jahre unter einem Dach gewohnt hat. Und wie das so ist mit Familienbanden – ganz scheinen die auch nicht zu reißen, wenn Omi schon mit den Englein singen sollte. Offenbar ist es aber im Himmel fad, oder ihr wurde schlicht der Eintritt verwehrt, jedenfalls mehren sich die Zeichen, dass Omi hier im Haus noch was zu tun hat. Auch die Kinder sind irgendwie neben der Spur – der ältere Sohn fühlt sich missverstanden und ungeliebt, die jüngere Tochter scheint ihre Siebensachen nicht ganz beisammen zu haben, wirkt abwesend und macht ständig Klickgeräusche. (In „A Quiet Place“ hätte sie keine zwei Minuten überlebt.) Und wie das so ist bei Horrorfilmen, beginnt alles recht gemächlich, aber nach und nach werden die Daumenschrauben angezogen. Dabei ist „Hereditary“ ein Film, der nicht auf Schockeffekte durch billige Jump-Scares aus ist, sondern dem Zuseher das Gruseln nachhaltig beibringen will – über die gut gezeichneten und herausragend gespielten Figuren. Zeitweise könnte der Film auch eine magisch-realistische Abhandlung über Trauerarbeit sein – aber gegen Ende hin wird klar, dass das viel zu kurz gegriffen wäre und der Film Böses mit einem vor hat. Die letzten zwanzig Minuten konnte ich sehr konzentriert den Bezug des Kinosessels vor mir bewundern. Und mir die eingangs erwähnte Warum-Frage stellen.


7,0
von 10 Kürbissen