Die zwei Päpste (2019)

Regie: Fernando Meirelles
Original-Titel: The Two Popes
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Biopic
IMDB-Link: The Two Popes


Auch wenn man mit der katholischen Kirche nicht viel oder gar nichts am Hut hat, so kann man sich kaum der Faszination der Papstwahl entziehen. Milliarden von Menschen starren auf einen Kamin, und wenn es weiß heraus raucht, dann fallen sich alle in die Arme. Habemus Papam! Oder: „Wir sind Papst!“, wie ein deutsches Schundblatt 2005 getitelt hat. Gerade jener (ungeliebte) Papa Ratzi, der als Papst Benedikt XVI. eine strikt konservative Linie fuhr und damit Millionen von weiteren Gläubigen vergraulte, sorgte 2013 für eine handfeste Überraschung, als er als erster Papst seit etwa 800 Jahren freiwillig seinen Sede räumte, um fortan in seinem Exil den Tomaten beim Wachsen zuzusehen. Kurz davor kam es aber noch zu einem geheimen Treffen mit dem argentinischen Kardinal Bergoglio, der in der darauf folgenden Konklave zu seinem Nachfolger gewählt wurde und seitdem als Papst Franziskus durch die Weltgeschichte hüpft. Von diesem Treffen handelt Fernando Meirelles‘ Film. Und überraschenderweise erweist es sich als ungemein spannend, belebend und inspirierend, zwei alten Katholiken beim christlichen Disput zuzusehen über den Glauben, über Reformen, über persönliche und spirituelle Erfahrungen. Selbst als vom Glauben abgefallenes Schaf (so bin ich bereits vor fast zwanzig Jahren aus der Kirche ausgetreten) wird man mit diesem Film bestens unterhalten. Was vor allem an den zwei Schauspielgiganten Jonathan Pryce als Kardinal Bergoglio und Anthony Hopkins als Papst Benedikt XVI. liegt. Die beiden sind der schiere Wahnsinn, wobei Pryce sogar noch mal eine Extraschippe drauflegen kann. Das muss Oscar-Nominierungen geben. Alles Andere wäre nur damit zu erklären, dass die Academy ausschließlich aus Satanisten besteht.


7,5
von 10 Kürbissen

Marriage Story (2019)

Regie: Noah Baumbach
Original-Titel: Marriage Story
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Marriage Story


Adam Driver hat in der letzten Zeit ein bisschen Pech mit seinen Filmbeziehungen. Für Kylo Ren sieht es in Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers nicht so gut aus, und jetzt muss er sich in „Marriage Story“ von Noah Baumbach sogar von Scarlett Johansson scheiden lassen. Armer Teufel. Was die Sache verkompliziert: Nicole und Charlie verbrachten die letzten gemeinsamen Jahre mit ihrem Sohn Henry in New York, wo sie eine Theatergruppe leiteten. Im Zuge der Scheidung zieht Nicole nun mit Henry wieder nach Los Angeles zu ihrer Familie, und aus einer ursprünglich möglichst amikal gehaltenen Scheidung wird – dank gerissener Anwälte (Laura Dern und Ray Liotta) – eine sündteure Schlammschlacht um das Sorgerecht. Und alle Bemühungen des sich trennenden Paares, möglichst würdevoll und im Interesse des gemeinsamen Sohnes auseinanderzugehen, werden durch komplizierte Verwicklungen des Gesetzes unterlaufen. Dabei gelingt es Noah Baumbach immer wieder, trotz der Tragik auch Herz erwärmende Szenen oder gar Schmunzler unterzubringen. „Marriage Story“ kann zwei ganz große Qualitäten abrufen: Ein überragend gut geschriebenes Drehbuch, das nuanciert und subtil zwischenmenschliche Beziehungen auslotet. Und zwei Darsteller in Hochform. Sowohl Scarlett Johansson als auch Adam Driver wurden für ihre Leistungen für viele Preise, darunter den Golden Globe und die SAG-Awards, nominiert, und eine Oscarnominierung scheint der unausweichliche nächste Schritt zu sein. Während sich Adam Driver da wohl übermächtiger Konkurrenz stellen muss, schätze ich Scarlett Johanssons Chancen, den goldigen Glatzkopf mit nach Hause zu nehmen, recht gut ein. Verdient hätten es beide – denn sowohl Johansson als auch Driver spielen ihre Figuren mit Leib und Seele und einem tollen Gespür für die Qualen der zerrissenen Seele, die bei einer solchen Trennung tief drinnen zu spüren sind. Die eine oder andere Nebenfigur gerät zu sehr zur Karikatur – das verhindert eine noch bessere Bewertung des Films – aber insgesamt ist „Marriage Story“ Baumbachs bisheriges Meisterstück und einer der interessantesten und ehrlichsten Filme des Jahres.


8,0
von 10 Kürbissen

Papageno (1935)

Regie: Lotte Reiniger
Original-Titel: Papageno
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Kurzfilm, Animation
IMDB-Link: Papageno


Ich bin ein Fan von Lotte Reinigers Scherenschnitt-Animationen. Wenn unbändige Kreativität auf handwerkliche Begabung trifft, ist das Ergebnis zeitlos. Und so verzaubert ihr Kurzfilm „Papageno“ nach Motiven der Oper „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart auch heute noch. In gerade mal elf Minuten erzählt sie auf ihren Scherenschnitt-Tableaus die Geschichte des Vogelfängers Papageno und dessen Liebe zu Papagena, die er in mutigen Abenteuern für sich erobert. Was mich an Reinigers Filmen immer fasziniert ist, wie sie mit Raum, Tiefe und Perspektive umging. Sie erstellte mit zweidimensionalen Silhouetten räumliche Welten, in denen auch stets im Hintergrund viel passiert. Jedes Detail war für Lotte Reiniger wichtig, jede Randfigur bekam ihre ganze Aufmerksamkeit. Diese Liebe zum Detail und zu ihrem Werk überträgt sich auf die Zuseher. Man vergisst heutzutage in Zeiten von CGI und Effekten, die jegliche nur denkbare Welt auf die Leinwand bringen können, wie viel Arbeit und Fantasie nötig sind, um diese Welten zu erschaffen. Die Filme von Lotte Reiniger führen dem Zuseher dies wieder vor Augen. „Papageno“ aus dem Jahr 1935 ist pure Kino-Magie. Diese elf Minuten sind gut investierte Zeit, eine kurze Flucht aus der Realität in einen schönen Traum, der das Herz öffnet für die kleinen und größeren Wunder, die sonst spurlos an uns vorüberziehen.


7,5
von 10 Kürbissen

The Irishman (2019)

Regie: Martin Scorsese
Original-Titel: The Irishman
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi, Drama, Biopic
IMDB-Link: The Irishman


Unbestritten hat Martin Scorsese einige der besten Mafia-Filme aller Zeiten gedreht. Ob „Goodfellas“, „The Departed“ oder „Casino“ – jeder dieser Filme ist ein Meisterwerk. Umso neugieriger durfte man auf „The Irishman“ sein, ein 3,5-stündiges Epos mit Robert DeNiro, Al Pacino und Joe Pesci in den Hauptrollen, das auf wahren Begebenheiten beruht. Der Film folgt dem Mafia-Killer Frank Sheeran (DeNiro), der in Fachkreisen als „The Irishman“ bekannt ist. Scorsese zeigt den langsamen, aber stetigen Aufstieg Sheerans in der Mafia, protegiert von Mafia-Boss Russell Bufalino (Joe Pesci). Sheeran wird sogar zum engsten Vertrauten von Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa (Al Pacino), der ebenfalls in die Mafia verstrickt ist und für den er die groben Arbeiten erledigt. Allein den drei alten Könnern bei der Arbeit zuzusehen ist das Geld für das Netflix-Abo wert. Dass sie durch geschickten Einsatz von CGI auch noch in ihre jüngere Form gebracht wurden, erlaubt es Scorsese, die Geschichte von Anfang bis Ende über viele Jahrzehnte hinweg aufzudröseln. Für diese erstaunlichen Effekte darf man wohl eine Oscar-Nominierung erwarten – wie auch für das Darsteller-Trio (DeNiro für die Hauptrolle, Pacino und Pesci für die Nebenrollen, wobei vor allem Pesci ein würdiger Oscar-Gewinner wäre). Allerdings hat „The Irishman“ zwei Probleme. Erstens: Scorsese hat eben schon drei legendäre und verdammt gute Mafia-Filme gedreht, sodass vieles in „The Irishman“ zwangsweise vertraut wirken muss oder auch als Zitat auf frühere Mafia-Filme gesehen werden kann. Erfrischend ist vielleicht der verstärkte Fokus auf das Privatleben von Frank Sheeran und die zwischenmenschlichen Beziehungen, aber so richtig viel Neues kann man in „The Irishman“ nicht entdecken. Zweitens: Die Laufzeit von 3,5 Stunden bringt auch die eine oder andere Leerstelle mit sich. Zwar merkt man in jeder Szene und jeder Einstellung die handwerkliche Meisterschaft von Scorsese und seinem Team, aber bei einem dermaßen langen Biopic lassen sich eben redundante Szenen nicht gänzlich vermeiden. Man muss es Scorsese hoch anrechnen, dass sich der Film dennoch kürzer anfühlt, als er ist. Unterm Strich ist „The Irishman“ ein weiterer Beweis für Scorseses Meisterschaft, aber der Film fühlt sich ein bisschen wie ein Best-Of, eine Werkschau, seines Schaffens an und fügt Scorseses Œuvre wenig Neues hinzu.


7,5
von 10 Kürbissen

Jumanji: The Next Level (2019)

Regie: Jake Kasdan
Original-Titel: Jumanji: The Next Level
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Abenteuerfilm, Komödie
IMDB-Link: Jumanji: The Next Level


Dwayne Johnson ist ein hochgradig sympathischer Kerl, der nicht nur über massige Muskeln, sondern auch über massig viel Selbstironie verfügt. Oscar-Preisträger wird er in diesem Leben wohl eher nicht mehr, aber das dürfte auch kaum seine größte Ambition sein. Dwayne Johnson will einfach nur unterhalten. Und das gelingt ihm in den Fortsetzungen des Robin Williams-Klassiker „Jumanji“ gar nicht mal so schlecht. Den ersten Teil der beiden neuen Filme habe ich erst Stunden später nebenbei (beim Vorbereiten des weihnachtlichen Raclette-Essens) gesehen, aber auch ohne Vorwissen kann man sich getrost diesen humorvollen Abenteuerfilm geben. Statt eines Brettspiels werden die armen Spieler nun in eine Computerwelt gezogen und müssen dort mit ihren Avataren, die allesamt jeweils drei Leben besitzen, bis zum Ende durchhalten. Andernfalls war’s das. Und da der Teenie Spencer (Alex Wolff) erneut in die Welt von Jumanji eingestiegen ist, nachdem man im ersten Teil schon nur knapp davonkam, müssen nun seine Freunde (Morgan Turner, Madison Iseman und Ser’Darius Blain) ausrücken, um ihn zurückzuholen. Blöd nur, dass durch einen dummen Zufall auch Spencers Großvater Eddie (Danny DeVito) und dessen alter Partner Milo (Danny Glover) ins Spiel gezogen sind. Und die müssen sich nun in den Gestalten von Dwayne Johnson, Jack Black, Karen Gillan und Kevin Hart durch die gefährliche Welt von Jumanji kämpfen. Das allein ist ja schon schwer genug, aber wenn man zwei vergessliche alte Herren dabei haben, die keinen Plan von irgendwas haben, wird die Mission gleich noch mal anspruchsvoller. Von diesem Witz – die alten Säcke im Körper von Dwayne Johnson und Kevin Hart – lebt „Jumanji: The Next Level“. Das sorgt für ordentlich Situationskomik und viele Möglichkeiten, den glänzend aufgelegten Cast (darunter auch die grandiose Awkwafina und Nick Jonas) sich an Imitiationen anderer Darsteller zu versuchen. Die Story gerät dabei zur Nebensache – und die ist wirklich wurscht. Aber das Ding macht zwei Stunden lang Spaß auf simplem Niveau. Man hat schon Schlechteres von und mit Dwayne Johnson gesehen.


6,0
von 10 Kürbissen

Stirb langsam (1988)

Regie: John McTiernan
Original-Titel: Die Hard
Erscheinungsjahr: 1988
Genre: Action, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Die Hard


Was wäre die besinnliche Zeit des Jahres ohne Weihnachtsfilme? Und der größte Klassiker unter den Weihnachtsfilmen ist „Stirb langsam“. Weihnachten ist dann, wenn Jack Gruber (Alan Rickman) aus dem 30. Stock des Nakatomi Towers fällt. Und wenn ein verschwitzter, verdreckter und blutender John McClane (Bruce Willis in seiner Paraderolle) seine Angetraute Holly (Bonny Bedelia) im Arm hält. Und wenn Sgt. Powell (Reginal VelJohnson) endlich wieder töten kann. Kaum ein anderer Film verkörpert den Geist der Weihnacht so perfekt wie John McTiernans Action-Kracher aus den 80ern. Warum der Film auch heute noch funktioniert? Weil er auf das Wesentlichste reduziert ist. Da gibt es keinen unnötigen Schnickschnack. Gut, die Computerbildschirme sehen definitiv nicht mehr zeitgemäß aus, aber John McClane ist ohnehin mehr der analoge Typ. Das Szenario ist simpel: 12 Terroristen in einem abgeschotteten Hochhaus in L.A. und ein Bulle aus New York, den die bösen Buben bei ihrer Geiselnahme blöderweise übersehen. Und das geht gar nicht gut aus für sie. Denn die mögen zwar schwer bewaffnet und gut organisiert sein, aber dafür haben sie es mit dem größten Sturschädel der westlichen Hemisphäre zu tun. Und der ist mächtig sauer. Den Rest des Films haben die Toten Hosen in ihrem Song „10 kleine Jägermeister“ besungen: Es wird fröhlich heruntergezählt, bis nur noch der Hauptschurke übrig ist. Und das ist es dann auch. Das ist der ganze Film. Aber genau deshalb, weil er kein Statement setzen möchte, weil er nicht mit überraschenden Wendungen und komplexen Handlungen punkten möchte, funktioniert er so gut. Und so hat man zwei Stunden lang ein Grinsen im Gesicht, bis alle bösen Jungs tot sind und die fröhliche Weihnachtsmusik des Abspanns erklingt. Merry Christmas!


9,0
von 10 Kürbissen

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019)

Regie: J.J. Abrams
Original-Titel: Star Wars: The Rise of Skywalker
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: Star Wars: The Rise of Skywalker


Anders als Gulasch schmeckt Kult aufgewärmt in der Regel nicht besser. Dennoch lässt sich mit Kult (anders als mit aufgewärmten Gulasch) eine Menge Geld verdienen. Das weiß auch Mickey Mouse – und so wurde eine neue Star Wars-Trilogie ins Leben gerufen, die mit Episode IX, „The Rise of Skywalker“, nun ihren Abschluss findet. Bei Fans findet dieser Film nur zögerlich Zuspruch, stößt zuweilen auch auf kalte Ablehnung. Wie ein flachsiges Gulasch. Aber das ist eben genau das Problem, wenn man Kult neu aufwärmt. Die Fans haben bestimmte Bilder im Kopf, haben die Geschichte für sich selbst in Gedanken schon fortgeführt und zu Ende gebracht, sie wollen das, was sie kennen und was sie erwarten, bestätigt sehen. Episode IX von J.J. Abrams versucht nun genau diese Erwartungshaltung zu befriedigen. Und das ist die größte Schwäche, die man dem Film vorwerfen muss. Denn man spürt förmlich in jeder Szene den Eiertanz, den das Drehbuch-Team aufführt, um die hartgesottenen Fans zufrieden zu stellen und allen Geschichten, Legenden und Figuren der geliebten Original-Filme ihren Raum zu geben. Hier gerät Crowdpleasing zuweilen zur Anbiederung. Und das ist durchsichtig und wird – wohl zu recht – dann auch bekrittelt. Wenn man aber diesen Aspekt außer Acht lässt und sich einfach nur auf die neue Trilogie und v.a. diesen Film einlässt, wenn man also die Fan-Brille einmal absetzt, dann ist „The Rise of Skywalker“ ein würdiger, gelungener und spannend inszenierter Abschluss der Film-Trilogie, der tatsächlich einen gelungenen Spagat zwischen Nostalgie-Feeling und moderner Inszenierung hinlegt. Die Figuren sind interessant und im Grunde den Figuren der Original-Serie ebenbürtig. Ich wage sogar zu behaupten, dass Rey (Daisy Ridley) der spannendste Charakter des gesamten Star Wars-Universums ist. Was ebenfalls auffällt und gut umgesetzt wurde, ist das alte Thema der Star Wars-Filme der Doppelung oder Spiegelung: Es gibt die helle und die dunkle Seite der Macht. Der Sohn Luke Skywalker muss sich seinem Vater Darth Vader stellen. Der Vater Han Solo muss sich dem Sohn Kylo Ren stellen. (Hier eine Nebenbemerkung: All jene, die an Adam Driver als Schurken gezweifelt haben, sollten nun zu Kreuze kriechen, denn seine Darstellung des Kylo Ren ist großartig, vielschichtig und emotional nachvollziehbar.) Überall Doppelungen, Fäden, die durch die Geschichte gehen, überall die klare Trennlinie zwischen Hell und Dunkel und den Versuchen der Protagonisten, diese Trennlinien aufzubrechen und eigene Geschichten zu schreiben. Dieses Thema zieht sich durch alle Star Wars-Filme. Vielleicht mag das eindimensional erscheinen, aber es ist konsequent und stimmig umgesetzt. Episode IX bringt dies befriedigend und schlüssig zum Ende und setzt damit auch einen Schlussstrich um die Geschichte, die mit Episode I und einem kleinen Jungen in einem Pod-Racer begann. Ein würdiges Ende, dem noch etwas mehr Eigenständigkeit gut getan hätte, aber über 2,5 Stunden sehr gut unterhält und lose Fäden aus den vorigen Filmen zusammenführt.


8,0
von 10 Kürbissen

A Rainy Day in New York (2019)

Regie: Woody Allen
Original-Titel: A Rainy Day in New York
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: A Rainy Day in New York


Zwei Dinge sind mittlerweile einfach fix. Erstens: Woody Allen bringt jedes Jahr einen neuen Film heraus. Zweitens: Mit jedem Film wird wieder aufgerollt, ob man sich Woody Allen-Filme überhaupt noch ansehen darf, da es ja da diese alten Vorwürfe gibt, die nie ganz ausgeräumt wurden etc. Es fällt manchmal schwer, die Grenze zu ziehen zwischen dem eigenen Anspruch, ein moralisch integerer Mensch zu sein, und der Gefahr, an der Klippe der Vorverurteilungen von Sachverhalten, zu denen man eigentlich keine Information hat außer jenen, die die Presse aufköchelt, abzurutschen. Fakt ist jedoch, dass Woody Allen gute Filme dreht. Die können mal besser sein, mal etwas mäßiger, aber wirklich Schlechtes ist da eigentlich nie dabei. „A Rainy Day in New York“ gehört aus meiner Sicht zu jenen gelungenen Filmen, die vielleicht keine großen Spuren hinterlassen werden, die man sich aber dennoch gerne ansieht. Denn mit eindrucksvoller Leichtfüßigkeit lässt Woody Allen seine Figuren durch ein verregnetes Wochenende in New York schlendern. Dabei machen sie neue Bekanntschaften und stellen sich alten Problemen. Auch wenn der Fokus auf Timothée Chalamets Gastby liegt, ein Bourgeois, der aus alten Zeiten gefallen zu sein scheint, so ist es doch dessen Freundin Ashleigh (Elle Fanning), eine naive Studentin und Möchtegern-Reporterin, die den Film interessant macht. Um sie kreisen Liev Schreiber als Regisseur in einer Schaffenskrise, Jude Law als nervöser und gehörnter Drehbuch-Autor und Diego Luna als Zorro für Arme. Elle Fanning dabei zuzusehen, wie sie tapsig und herzig von einer überfordernden Situation in die nächste stolpert, macht den Film allein schon sehenswert. Aber auch Chalamet macht seine Sache gut – er passt mit seiner verpeilten gutbürgerlichen und kultivierten Art einfach in einen Woody Allen-Film, anders als anno dazumals Jesse Eisenberg. Und so sieht man den melancholischen Figuren, die alle Woody Allen selbst reflektieren, gerne zu, wie sie im Regen Facetten ihrer Persönlichkeit herausfinden, die ihnen vielleicht noch nicht so ganz bewusst waren. Mehr ist „A Rainy Day in New York“ nicht. Weniger aber auch nicht.

Eine Sache noch: Auch wenn ich ihn hier poste, weil ich immer die Trailer poste, sei doch vor diesem Trailer gewarnt. Er erzählt nicht weniger als den ganzen Film. Lieber also selbst das Kino eures Vertrauens aufsuchen und die Geschichte mit eigenen Augen entdecken.


6,5
von 10 Kürbissen

The Meyerowitz Stories (New and Selected) (2017)

Regie: Noah Baumbach
Original-Titel: The Meyerowitz Stories (New and Selected)
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Komödie, Drama
IMDB-Link: The Meyerowitz Stories (New and Selected)


Adam Sandler kann schauspielen. Was man seit „Punch Drunk Love“ von Paul Thomas Anderson vielleicht schon ahnte, wurde mit „The Meyerowitz Stories (New and Selected)“ von Noah Baumbach 2017 Gewissheit. Gebt dem Mann einfach eine Rolle, in der er seinen Dackelblick zielbringend einsetzen kann – und das Ding läuft. Wenn auch noch ein fatalistischer Ben Stiller, ein stoisch-komischer Dustin Hoffman, eine überspannte Emma Thompson und eine depressive Elizabeth Marvel zur Seite stehen, ist erstens das Patchwork komplett und zweitens das Ergebnis komischer als es klingt. Eigentlich handelt „The Meyerowitz Stories“ von nicht viel. In einer jüdischen Familie, die vom dominanten Vater (Hoffman), einem Künstler, dem nie die Anerkennung zuteil wurde, die er sich selbst gewünscht hätte, dominiert wird, versuchen die beiden Söhne (Sandler und Stiller) sowie die Tochter (Marvel), ihren eigenen Weg zu finden – was angesichts der langen Schatten, die der Vater wirft, nicht so einfach ist. Eigentlich plätschert der Film so vor sich hin, ohne wirklich zu zünden. Gleichzeitig ist das Geschehen aufgrund der klug geschriebenen und gut gespielten Figuren zu jedem Zeitpunkt interessant. Was irgendwie auch die Quintessenz von Noah Baumbach-Filmen beschreibt. Vielleicht hätte man sich eine stringentere Geschichte gewünscht, eine festere Hand in der Figurenführung – aber ganz ehrlich: Das Leben ist nun mal ein zuweilen zäh fließendes Ding, das hauptsächlich durch unsere Neurosen aufgepeppt wird. Und diese Stimmung fängt Noah Baumbach – mal wieder – sehr gut ein. Fazit: Es lohnt sich definitiv, da mal einen Blick hineinzuwerfen, vor allem, wenn man Sandler bislang nur aus den halblustigen bis gar nicht lustigen überdrehten Komödien kennt, mit denen er hauptsächlich seine Kohle gescheffelt hat.


7,0
von 10 Kürbissen

Wine County (2019)

Regie: Amy Poehler
Original-Titel: Wine County
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie
IMDB-Link: Wine County


Kinder, wie die Zeit vergeht. Da bleibt man mal ein bisschen weg vom seinem Blog – und schwupps lebt man in einer neuen Wohnung, trinkt zu viel Wein und erinnert sich nur noch vage an den letzten auf Netflix gesichteten Film: „Wine County“ von Amy Poehler. Zwei zentrale Elemente aus der Beschreibung der kürbis’schen Wochen treffen auch auf diesen Film zu: die Vergänglichkeit der Zeit und das mit dem Wein und dem vielleicht einen oder anderen Schluck zu viel. Der perfekte Film also für eine Art von Comeback-Rezension. In „Wine County“, dem Regiedebüt von Amy Poehler, einer von Grund auf sehr sympathischen und humorvollen Frau, unternimmt eine Runde reiferer Damen zu Ehren des 50. Geburtstages einer ihrer Freundinnen eine Reise nach Kalifornien, um dort in romantischer Hanglage Wein zu süffeln und die Bande der Freundschaft zu erneuern. Doch in vino veritas. Der Alkohol löst Zungen und Hemmungen, und schon bald steht die Freundschaft des Gespanns auf dem Prüfstand. Das alles ist hochgradig sympathisch und mit Zuneigung für die unterschiedlichen Charaktere und deren Lebensproblemen erzählt, aber so richtig zünden will der Film dennoch nicht. Zu vorhersehbar sind viele Situationen, und auch wenn Amy Poehler, die auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, versucht, manches Klischee aufzubrechen, so unterläuft sie ihr eigenes hehres Unterfangen dann doch immer wieder, indem sie die Frauen unter dem Einfluss des Traubensaftes hysterisch werden lässt. So kann man letztlich doch nicht so sehr mit den Frauen mitfiebern, wie man eigentlich möchte – da jede von ihnen dem geneigten Zuseher an einem bestimmten Punkt einfach mal auf die Nerven geht. Da können sich Amy Poehler, Rachel Dratch, Ana Gasteyer, Maya Rudolph, Paula Pell und Emily Spivey sowie Tina Fey und Jason Schwartzman in komischen Nebenrollen noch so sehr bemühen – am Ende ist das Ergebnis leider nicht von großer Relevanz. „Sideways“ von Alexander Payne bleibt der bessere Wir-saufen-aber-mit-Stil-Film.


5,5
von 10 Kürbissen