Wet Woman in the Wind (2016)

Regie: Akihiko Shiota
Original-Titel: Kaze ni nureta onna
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Erotik, Drama, Liebesfilm, Komödie
IMDB-Link: Kaze ni nureta onna


Ganz ehrlich: Wegen solchen Filmen geht man doch auf Film-Festivals. Ich muss zugeben, bei der Ankündigung im Programmheft einer wilden Vögelei bin ich anno dazumal auf der Viennale 2016 mit der Erwartungshaltung in den Film gegangen, beim Viennale-Bingo meine wohlverdienten Kreuzchen bei den Feldern „Mehr als zwei Sexszenen“, „Brüste“ und „Penis“ setzen zu können. Bekommen habe ich „Mehr als zwei Sexszenen“, „Brüste“ und ein fettes Kreuz bei „WTF?“. Murakami im Wald meets Softporno-Parodie (inkl. der obligatorischen Jazzmusik). Ein Schriftsteller und Womanizer hat sich wegen einer nicht näher bezeichneten Frauengeschichte in eine Hütte im Wald zurückgezogen. Dort trifft er auf eine sehr ansehnliche und … ähm … seltsame, okay, nennen wir das Kind beim Namen: völlig durchgeknallte junge Frau, die ihn verführen will. Er weist sie ab, dann will er sie doch, sie weist ihn ab, dann kommt seine Exfreundin dazu samt Entourage (vier Milchbubis und eine verhuschte Sekretärin), und es endet, wie es enden muss: Alle stürzen sich aufeinander und die Ankündigung im Programmheft bewahrheitet sich (ist ja auch nicht immer so). Hunde heulen, ein größeres Tier röhrt im Wald, der Protagonist röhrt auch, das alles ist sehr witzig, aber irgendwie auch pointless. Ich habe das Gefühl, dass man statt der ganzen Vögelei auch einen sinnvolleren Film hätte drehen können. Ist halt nicht passiert. Aber Spaß macht es irgendwie trotzdem.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) Nikkatsu, Quelle imdb.com)

Queen & Slim (2019)

Regie: Melina Matsoukas
Original-Titel: Queen & Slim
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Drama, Roadmovie, Liebesfilm
IMDB-Link: Queen & Slim


Als Mensch mit dunkler Hautfarbe, der in einem Staat, in dem noch die Todesstrafe vollzogen wird, gerade einen Polizisten erschossen hat, kann man sich gleich drei Sekunden nach der Verübung der Tat ausrechnen, welche Chancen man noch hat. Da ist es dann auch egal, dass man den Herrn in Uniform versehentlich und aus Notwehr ins Jenseits befördert hat. Und da ist es dann auch egal, dass das von der Kamera des Polizisten im Auto mitgefilmt wurde. Ab diesem Moment bist du einfach eine arme Sau auf der Flucht. So geht es Ernest (Daniel Kaluuya). Und mit ihm auf der Flucht befindet sich sein Tinder-Date und nunmehrige Komplizin Angela (Jodie Turner-Smith). Ganz grob zusammengefasst ist „Queen & Slim“ von Melina Matsoukas eine Art Mash-Up aus „Thelma & Louise“ und Nächster Halt: Fruitvale Station. Die himmelsschreiende Ungerechtigkeit gegen die schwarze Bevölkerung in den USA wird verpackt in eine Flucht-Roadmovie quer durch die Staaten auf den Weg nach Florida, von wo aus sich das Paar wider Willen Richtung Kuba absetzen möchte. In den besten Momenten ist „Queen & Slim“ tatsächlich aufwühlend und bringt die Hoffnungslosigkeit seiner Figuren glaubhaft rüber. In den weniger guten Momenten – und davon gibt es leider so einige – trägt der Film zu dick auf und hämmert seine Botschaft auf den Zuseher ein, der ein bisschen mehr Subtilität durchaus vertragen würde. In den schlechtesten Momenten rutscht das Geschehen ins moralisch Fragwürdige ab. Definitiv gehört „Queen & Slim“ zu jenen Filmen, die einen Problematiken, die man am eigenen Leib nicht erleben kann (zum Glück), besser nachvollziehen lassen. Aber es wäre schön gewesen, wenn man diese Erfahrung in einen besseren Film verpackt hätte.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) 2019 Universal Pictures, Quelle imdb.com)

Knives Out – Mord ist Familiensache (2019)

Regie: Rian Johnson
Original-Titel: Knives Out
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Krimi, Komödie
IMDB-Link: Knives Out


Auf den Papst der Filmkritiker, Roger Ebert, geht die Stanton-Walsh-Regel zurück. Diese besagt, dass kein Film, in dem M. Emmet Walsh oder Harry Dean Stanton mitwirken, völlig schlecht sein kann. Nun, Harry Dean Stanton weilt leider nicht mehr unter uns, aber Walsh, der dieses Jahr seinen 85. Geburtstag feiert, ist noch im Geschäft. Zwar muss er sich in Rian Johnsons „Knives Out“ mit einer Minirolle begnügen, aber das reicht aus, um die Gültigkeit von Eberts Regel weiterhin zu untermauern. In diesem Film hat Rian Johnson ein ganzes Star-Ensemble versammelt. Don Johnson. Christopher Plummer. Toni Colette. Jamie Lee Curtis. Chris Evans. Michael Shannon. (An dieser Stelle ein Aufruf an die Academy, der sich jedes Mal, wenn ich den Namen Shannon nenne, automatisch wiederholt: Gebt dem Mann endlich seinen Oscar, verdammt!) Diese bilden eine schrecklich nette (und reiche) Familie. Die leider das unerwartete Ableben des Familienoberhauptes (Plummer) zu betrauern hat. Da dieses Fragen aufwirft und die Suizid-Theorie schon bald ins Wanken gerät, wird Star-Ermittler Benoit Blanc (Daniel Craig als Südstaaten-Poirot für Arme – was hier ausdrücklich als Kompliment zu verstehen ist, da er diese Karikatur von Ermittler zum Schreien komisch anlegt) eingeschaltet. Und der hat schon bald alle im Verdacht – mit Ausnahme der Pflegerin des Patriarchen, die Südamerikanerin Marta (Ana de Armas, die damit endgültig ihren Durchbruch geschafft haben sollte). Diese hat nämlich eine Eigenschaft, die sie über jeden Verdacht erhebt: Wenn sie lügt, muss sie kotzen. Dies nutzt Blanc natürlich für seine Ermittlungen im Haushalt aus. Und die Geschichte, die sich dabei entfaltet, schlägt so wundervolle Kapriolen, wie sie sich Agatha Christie selbst in ihren besten Momenten kaum hätte ausdenken können. Vielleicht ist „Knives Out“ keine komplette Neuerfindung des Whodunit-Genres, aber ein witziger, unterhaltsamer und großartig gespielter Beitrag dazu, der einfach Spaß macht und dem Genre neues Leben einhaucht.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Kung Fu Panda 2 (2011)

Regie: Jennifer Yuh Nelson
Original-Titel: Kung Fu Panda 2
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Kung Fu Panda 2


Fortsetzungen sind oft ein schwieriges Unterfangen. Einerseits läuft man Gefahr, einfach „more of the same“ zu produzieren, andererseits ist das Risiko groß, die treuen Zuseher zu vergraulen, wenn man sich zu sehr vom ersten Teil entfernt. Die Quadratur des Kreises ist also gefragt. Was also tun, wenn man in Kung Fu Panda schon den Gag des dicken, fetten Pandas, der die Künste des Kung Fu zu meistern lernt, ausgereizt hat? Nun, eine gute Idee ist es zumeist, die Hintergründe zur Hauptfigur zu vertiefen und etwas mehr über die Herkunft und die Background-Story zu erzählen. In diese Schiene bewegt sich auch „Kung Fu Panda 2“. Die Realisierung der Geschichte wurde Jennifer Yuh Nelson anvertraut, die schon am ersten Teil mitwirkte und mit dem zweiten Teil ihr Regie-Debüt geben durfte. Klar ist, dass etwas faul sein dürfte, wenn sich ein Gänserich als Vater eines Pandas bezeichnet. Diese Geschichte rund um Pos Herkunft wird im zweiten Teil nun aufgerollt. Und da sie eng verknüpft ist mit einem stolzen, gekränkten Pfau, der aufgrund einer für ihn ungünstigen Prophezeiung gleich mal Genozid betreibt, gibt es natürlich auch im zweiten Teil wieder viel flauschige Kung Fu-Action zu bewundern. Gut finde ich persönlich den Handlungsrahmen rund um den Bösewicht, der einerseits so böse ist, wie Schurken in Animationsfilmen nur sein können, andererseits auch eine tragische Note aufweist. Eine solche Differenzierung ist schwierig, gelingt aber in „Kung Fu Panda 2“ gut aufgrund einer sorgfältigen Charakterzeichnung. Der Rest ist dann tatsächlich „more of the same“, aber „Kung Fu Panda 2“ ist ein Film, der seinem ersten Teil nicht weit nachsteht – und damit befindet sich der Film definitiv im kleinen, erlauchten Kreis der gelungeneren Fortsetzungen. Mit dem dritten Teil geht es dann abwärts, aber gut, vielleicht ist die Geschichte rund um den Kung Fu kämpfenden Panda einfach irgendwann auch auserzählt.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) 2011 Paramount Pictures, Quelle imdb.com)

Kung Fu Panda (2008)

Regie: Mark Osborne und John Stevenson
Original-Titel: Kung Fu Panda
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Kung Fu Panda


Was braucht man für einen gelungenen Kung Fu-Abend? Also erst mal Kung Fu … äh … Kung Pao Shrimps vom Lieferservice des Vertrauens. Dazu einen Kung Fu Girl Riesling von Charles Smith. Und schließlich einen ordentlichen Kung Fu-Film, also „Kung Fu Panda“. Der sollte mittlerweile ja weitgehend bekannt sein, folgten auf dessen Erfolg ja bereits zwei Kinofilm-Fortsetzungen und eine Serie. Die Grundidee ist dabei watscheneinfach: Man kombiniere den Inbegriff eines dicken, flauschigen, knuffigen Tieres, nämlich einen Panda, mit wildem Martial Arts. Mehr braucht es dann auch nicht für einen gelungenen Film. Es reicht aus, dem süßen Panda Po dabei zuzusehen, wie er dank einer Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich zum auserwählten Drachenkrieger des Kung Fu wird, dessen Erscheinen vor 1.000 Jahren prophezeit wurde – und der allein in der Lage sein soll, den bösen Tiger Tai Lung aufzuhalten. Dabei wollte der flauschige Kung Fu-Fanboy ja nur zusehen, wie seine Helden, die Furiosen Fünf, an der Zeremonie teilnehmen, in der der Drachenkrieger bestimmt werden soll. Das Entsetzen ist auf allen Seiten groß, als Meister Oogway den dicken, fetten Panda auserwählt. Vor allem Meister Shifu, der Ausbilder der Furiosen Fünf, kann es nicht glauben, dass er sich nun mit einem solchen Flauschtier abgeben soll. Der Rest des Films sind entzückende Animationen, viel kindlicher Humor, der aber auch für Erwachsene funktioniert, und gegen Ende hin einige spannende, im großen Finale dann unglaublich witzige Kampfszenen. Denn ein Panda ist nun mal ein Panda, daran gibt es nichts zu rütteln. „Kung Fu Panda“ ist ein Animationsfilm, den ich nach wie vor jederzeit gerne sehe – einfach ein sympathischer und humorvoller Film, der kurz und knackig erzählt wird und Jung wie Alt bestens unterhält.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) 2008 DreamWorks Animation, Quelle imdb.com)

Die Farbe des Geldes (1986)

Regie: Martin Scorsese
Original-Titel: The Color of Money
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Drama, Sportfilm
IMDB-Link: The Color of Money


Den Auftakt in meine Viennale 2016 (was auch schon wieder ein paar Donnerstage her ist, Mannomann, wie die Zeit vergeht – das muss sich im Übrigen auch Tom Cruise beim Rewatch dieses Films denken …) machte „The Color of Money“ von Martin Scorsese im Rahmen der Retrospektive im Filmmuseum. Bevor es losging, verkündete der Vorführer: „Sie sehen eine analoge Vorführung in 35 mm“ und sah dabei so traurig aus, dass ich kurz versucht war, nach vorne zu laufen und ihn in die Arme zu nehmen. Glücklicherweise war der Film dann besser, als es die Ankündigung erwarten ließ. Paul Newman (Oscar für diese Leistung) ist großartig als alternder Billard-Fuzzi, der eine zweite Chance wittert, Mary Elizabeth Mastrantonio ist eine Augenweide (und mittlerweile auch schon über 60 Lenze alt – Herrschaftszeiten!) und Tom Cruise gefühlt 14 Jahre alt und spielt sich mit hinreißendem Overacting die Seele aus dem Leib. Man sieht dem Film seine 30 Jahre schon an (es fehlte eigentlich nur noch die Jukebox, aus der ein alter Joe Cocker-Hadern dudelt), aber die Story ist immer noch interessant genug, um den geneigten Zuseher bei der Stange zu halten, wenngleich sie auch ihre Längen hat, die Charaktere sind vielschichtig, die Dialoge geschliffen, und irgendwann hüpft auch noch ein junger Forest Whitaker durchs Bild und stiehlt allen die Show. Gemessen am weiteren Output von Scorsese vielleicht nicht der ganz große Wurf, aber man kann ihn sich auch heute noch gut ansehen. In die Filmgeschichtsbücher hat sich der Altmeister eh schon längst mit anderen Werken geschrieben, da kann man diesen von vielen vergessenen Klassiker dann auch mal wieder ausbuddeln.

 


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Die Geister, die ich rief … (1988)

Regie: Richard Donner
Original-Titel: Scrooged
Erscheinungsjahr: 1988
Genre: Komödie
IMDB-Link: Scrooged


Jo, is denn scho Weihnochtn? Den Kaiser, äh, die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los. Das ist wie bei „Last Christmas“ von Wham. Irgendeine Radiostation hat angefangen, den Song schon im November zu spielen. Dann dachte sich die nächste Station: ‚Hey, wir müssen früher dran sein‘ und spielten den Song schon im Oktober. Daraufhin der nächste Sender: ‚Das geht ja gar nicht, dass die vor uns mit dem Lied draußen sind!‘, also ging es für sie im September los. Und so weiter. Sieger ist, wer „Last Christmas“ am 27. Dezember spielt – für das nächste Jahr. Und so ähnlich ist es hier wohl mit den Weihnachtsfilmen. Gut, wir sind immerhin schon im Jänner, aber das nächste Weihnachten kommt bestimmt! Und ganz ehrlich: Bill Murray geht ohnehin das ganze Jahr. Für den braucht es keinen Anlass. Vor allem, wenn man ihn in seiner Paraderolle als zynisches Ekel sehen kann (in diesem Fall: der Produzent eines Fernsehsenders mit einer ausgeprägten Allergie auf Weihnachten), der mit seiner Umgebung den Boden aufwischt. Natürlich – Dickens hat’s geschrieben – erfährt dieser Misanthrop Läuterung, denn es ist Weihnachten, und Weihnachten versuchen wir ja alle, ein besserer Mensch zu sein (mit Ausnahme von Kevin). Be the person your dog thinks you are. Oder so ähnlich. Dazu gibt es in Richard Donners Verfilmung einer Neuinterpretation von Dickens Weihnachtsklassiker „A Christmas Carol“ jede Menge 80er-Flair bei Frisuren und Soundtrack sowie Gags, die auch heute noch zünden. Ja, der Film und seine Figuren sind heillos überspitzt, und den Zuckerguss am Ende kriegst du wirklich nur zu den Festtagen runter nach vier Wochen intensivem Training durch die Aufnahme von Vanillekipferl und Linzer Augen, aber hey, was soll’s! Weihnachten ist eh nur einmal im Jahr. Manchmal beginnt es halt schon im Jänner. In diesem Sinne: Merry Christmas, ihr Beidln!


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Kevin – Allein in New York (1992)

Regie: Chris Columbus
Original-Titel: Home Alone 2: Lost in New York
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Komödie, Weihnachtsfilm
IMDB-Link: Home Alone 2: Lost in New York


Okay, vielleicht habe ich eine sadistische Ader. Denn nach einem Re-Watch von „Kevin – Allein in New York“, der Fortsetzung der Erfolgskomödie „Kevin – Allein zu Haus“, musste ich meine ursprünglich magere Bewertung ordentlich auffetten. Die Szenen, in denen der Satansbraten Kevin (Macaulay Culkin), der aufgrund eines Missverständnisses nicht mit seiner Familie in den Weihnachtsurlaub nach Florida fliegt, sondern mit Papas Kreditkarte versorgt allein in New York landet, den beiden Bösewichtern (Joe Pesci und Daniel Stern) ordentlich was auf die Mütze gibt, bringen mich auch heute noch zum Lachen. Wie gesagt, da schlummert vielleicht ein kleiner Sadist in mir, der sich daran erfreut, wenn der Obertrottel Marv Ziegelsteine auf den Kopf bekommt oder die Frisur von Harry wortwörtlich gesprengt wird. Die lustigste Szene ist aber jene im Hotel, als sich Kevin des aufdringlichen Hotelpersonals (u.a. Tim Curry) mit Hilfe des Fernsehers entledigt. Das ist pfiffig geschrieben und amüsant umgesetzt. Zwar kommt man im Laufe des Films unweigerlich an den Punkt, an dem einen die malträtierten Häfenbrüder leid tun und man ihnen wünscht, dem blonden ADHS-Kind endlich mal ordentlich was zurückzugeben, aber natürlich passiert das nie – wir sind schließlich in einem Familienfilm, in dem nur die Bösen gefoltert, gesprengt, erschlagen und verbrannt werden. Dazu gibt es noch eine weihnachtliche Feelgood-Botschaft durch die Begegnung mit einer obdachlosen Taubenfrau, und am Ende ist die glückliche Familie wieder vereint und darf Geschenke auspacken. Eigentlich ist das alles ziemlich kitschiger Mist. Aber Sadisten wie ich lachen trotzdem herzlich mit.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle imdb.com)

Frühstück bei Tiffany (1961)

Regie: Blake Edwards
Original-Titel: Breakfast at Tiffany’s
Erscheinungsjahr: 1961
Genre: Drama, Komödie, Liebesfilm
IMDB-Link: Breakfast at Tiffany’s


„Breakfast at Tiffany’s“ von Blake Edwards nach einem Roman von Truman Capote ist die herzzerreißende Geschichte eines hübschen Katers (Orangey), der nach wilden Party-Exzessen von seinem Lebensmenschen bei strömendem Regen in der Gosse ausgesetzt wird. Kein Wunder, dass dieser Film auch heute noch als Klassiker gilt. Für Katzenfreunde ist diese tragische Geschichte schwer zu packen, aber – Spoiler! – anders als in Truman Capotes Buch gibt es im Film dann doch ein Happy End. Der Kater wird doch noch gefunden, erhält viel Liebe und schaut grimmig, aber doch mit Hoffnung in den Augen in die Zukunft. Das ist aber auch gleichzeitig der größte Kritikpunkt am Film. Auch Capote selbst war nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie sein Stoff massentauglich bearbeitet wurde. Für den Kinozuseher der 60er-Jahre war aber eine größere Tragik, wie sie im Roman vorgesehen war, scheinbar nicht zumutbar. Trotzdem funktioniert der Film auch heute noch, was nicht zuletzt an der Besetzung liegt. Orangey spielt grandios und erhielt völlig zurecht für seine Rolle seinen insgesamt zweiten PATSY Award. Auch in den noch so kleinsten Nebenrollen findet sich Prominenz: George Peppard als mittelloser Schriftsteller Paul Varjak. Die damals gar nicht so unbekannte Audrey Hepburn als Partygirl Holly Golightly. Patricia Neal als Geliebte von Paul Varjak. Sie alle spielen dem Kater mit Leib und Seele zu, der so unterstützt sein ganzes Talent zur Entfaltung bringen kann. Allein über Mickey Rooney als Mr. Yunioshi müssen wir reden. Seine Darstellung ist grauenhaft und versaut fast den ganzen Film. Lieber also auf den Kater konzentrieren. Dann passt alles.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: (c) Paramount 1961, Quelle imdb.com)

Parasite (2019)

Regie: Bong Joon-ho
Original-Titel: Gisaengchung
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Drama, Komödie, Thriller
IMDB-Link: Gisaengchung


Der erste südkoreanische Film, der in Cannes die Goldene Palme für den besten Film gewinnen konnte. Begeisterte Kritiken. Golden Globe-Nominierungen. „Parasite“ von Bong Joon-ho, der schon mit früheren Werken wie „Snowpiercer“ und „Okja“ für Furore gesorgt hat, ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Gekonnt setzt sich Bong Joon-ho zwischen alle Stühle. Ohne zu viel von der Handlung verraten zu wollen, geht es um eine Familie (Vater, Mutter, Sohn, Tochter, beide schon erwachsen) in ärmlichen Verhältnissen, deren Schicksal sich zu wenden beginnt, als der Sohn eine Stelle als Nachhilfelehrer für ein Mädchen aus einer reichen Familie findet. Beziehungsweise fällt ihm diese Stelle eher in den Schoß. Aber schon bald zeigt sich, dass Chuzpe, ein bisschen Frechheit und Mut die eigenen Karten, die man vom Leben zugeteilt bekommen hat, deutlich verbessern können. Doch dann wendet sich das Blatt erneut – auf eine völlig überraschende Weise, die man so nicht kommen sieht. Bong Joon-ho gelingt mit dem Film Erstaunliches: Er schafft beinahe mühelos den Spagat zwischen Komödie, Sozialdrama und Thriller, ohne dass einer der Aspekte zu kurz kommt oder sich fehl am Platz anfühlt. „Parasite“ ist das pure Leben selbst: Mal witzig, mal tragisch, mal aufregend und immer voller Überraschungen. „Mein Plan ist der Nicht-Plan. Denn das ist der einzige Plan, der immer funktioniert. Bei allen anderen Plänen, die man macht, passieren dann doch unvorhergesehene Dinge, die den Plan vereiteln. Nur wenn man keinen Plan hat, kann man auch nicht überrascht werden“. So sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert eine der Schlüsselstellen des Films. Hier zeigt sich der Fatalismus, der einen befallen kann, wenn man nicht zu den wenigen Privilegierten gehört. Gleichzeitig liegt darin auch die ganze Komik des Films. „Parasite“ ist unterhaltsam, konsequent, voller schwarzem Humor und klug geschrieben. Zurecht einer der am meisten gefeierten Filme des Jahres 2019.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen Filmverleih)