The LEGO Batman Movie (2017)

Regie: Chris McKay
Original-Titel: The LEGO Batman Movie
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Animation
IMDB-Link: The LEGO Batman Movie


„The LEGO Movie“ war 2014 eine positive Überraschung. Rotzfrech, ein bisschen anarchisch, gut animiert und mit einer schönen Botschaft am Ende hat mich ein Film mit Figuren aus LEGO-Steinen 1,5 Stunden lang großartig unterhalten. Einer der Helden des Films war Batman, dem nun mit „The LEGO Batman Movie“ ein eigener Film gewidmet wird. Nun, der Einserschmäh mit den LEGO-Bausteinen hat sich mittlerweile etwas abgenutzt, mittlerweile kennt man das ja. Dennoch funktioniert „The LEGO Batman Movie“, weil es einfach das herrlich abgedrehte Setting nimmt, um konsequent die Superheldenfilme der letzten Jahre zu dekonstruieren. Batman, der einsame Rächer, hat massive Bindungsängste, und von Teamwork hält er rein gar nichts. Aber wenn nicht nur alle Superschurken des DC-Universums, sondern auch gleich noch der gesamten Filmgeschichte gegen ihn ins Feld ziehen, gerät auch er an seine Grenzen und muss die Lektion lernen, dass man manche Dinge eben nur mit Unterstützung Anderer schafft. Auch in „The LEGO Batman Movie“ ist der Humor herrlich abgedreht. Ein wenig ist er für mich aber hinter „The LEGO Movie“ zurück, da er im Vergleich zum Vorgänger einen deutlicheren Fokus auf die Action hat, wodurch die Story selbst ein wenig zurückbleibt. Das war in „The LEGO Movie“ noch deutlich vielschichtiger angelegt. Dennoch bietet auch „The LEGO Batman Movie“ einen unterhaltsamen Kinoabend mit vielen Lachern.


7,0
von 10 Kürbissen

Snow White and the Huntsman (2012)

Regie: Rupert Sanders
Original-Titel: Snow White and the Huntsman
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Abenteuerfilm, Action, Fantasy
IMDB-Link: Snow White and the Huntsman


„Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist die beste Schneewittchen-Verfilmung im Land?“. Leider nicht „Snow White and the Huntsman“, das eine alternative Version der Schneewittchen-Geschichte erzählt, obwohl es durchaus interessante Ansätze aufweist. Hier ist Schneewittchen keine singende und mit den Vögeln zwitschernde Märchenprinzessin, sondern ein toughes Mädel, das sich zur Not selbst auch in den Harnisch schmeißt. Die Zwerge haben keine putzigen großen Nasen, sondern sind zynische Ganoven, die auch in der Schlacht um Helms Klamm in „Der Herr der Ringe“ eine gute Figur abgegeben hätten. Und der Jäger bekommt seine eigene, tragische Geschichte und weicht dem wehrhaften Schneewittchen nicht mehr von der Seite. Zwar ist der Versuch, dem angestaubten Märchenstoff ein bisschen Feuer unterm Hintern zu machen, durchaus als ehrenwert zu bezeichnen, und die Schauwerte des Films fallen nicht zuletzt durch die geballte Starpower von Kristen Stewart, Charlize Theron und Chris Hemsworth ganz ordentlich aus, aber das Werk zündet dennoch nicht. Zu bierernst wird das ganze Spektakel abgespult. Ein bisschen mehr Selbstironie hätte dem Film gut getan. Aber so bleibt er halt Hollywood-Blockbuster-Dutzendware. Viel Äktschn. Wenig Hirn. Kann man sich an einem faden Sonntagabend ansehen (so wie ich gestern). Muss man aber nicht.


4,5
von 10 Kürbissen

Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen (2016)

Regie: Theodore Melfi
Original-Titel: Hidden Figures
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Biopic
IMDB-Link: Hidden Figures


„Hidden Figures“ erzählt die kaum bekannte Geschichte einer Gruppe von afroamerikanischen Mathematikerinnen, die in den 60ern der NASA mit ihren Berechnungen den Arsch gerettet und so das Rennen auf den Mond mitentschieden haben. Diese Geschichte wird mit viel Schwung und Witz erzählt und lebt vor allem vom guten Spiel der drei Hauptprotagonistinnen (gespielt von Taraji P. Henson, Janelle Monáe und der oscarnominierten Octavia Spencer). Kevin Costner, Kirsten Dunst und Jim Parsons in Nebenrollen spielen routiniert ihren Stiefel runter, fallen also weder besonders positiv noch negativ auf. Was dem Film gut tut, ist ein sehr unaufgeregter Blick auf die Ereignisse und die Heldinnen, ohne aber die Probleme jener Zeit der Segregation, als Schwarze im Bus immer noch hinten sitzen mussten und es eigene Toiletten für sie gab, klein zu reden. Gleichzeitig wird aber durch diese Unaufgeregtheit auch eine kleine Schwäche des Films sichtbar: Er fließt locker dahin. Gut gemacht, kein Zweifel, aber den ganz großen Konflikten geht Theodore Melfi mit seinem Film aus dem Weg. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht. Auch Nebenhandlungen und deren potentielle Konflikte werden bloß kurz angerissen, aber nie wirklich ausgebreitet. So müssen auf die Rassentrennung wütende Ehemänner, durch die langen Arbeitszeiten vernachlässigten Kinder und der alltägliche Umgang mit Rassismus als Kulisse herhalten, vor der das Heldenepos der brillanten Mathematiker erzählt wird. So ist „Hidden Figures“ ein schöner, guter (und auf jeden Fall empfehlenswerter) Feelgood-Film zu einem interessanten Thema, aber leider nicht außergewöhnlich.


7,0
von 10 Kürbissen

Personal Shopper (2016)

Regie: Olivier Assayas
Original-Titel: Personal Shopper
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Horror, Thriller
IMDB-Link: Personal Shopper


Beim Ansehen von Olivier Assayas‘ Film „Clouds of Sils Maria“ habe ich begriffen, dass Kristen Stewart eine Schauspielerin ist, eine großartige noch dazu. Wenn man sie lässt, dann können sich auf ihrem Resting Bitch Face wirklich viele Emotionen abspielen, dann ist da plötzlich eine Verletzlichkeit zu sehen, die ich erstaunen lässt. Also musste ich nach „Clouds of Sils Maria“ Abbitte leisten und war schon gespannt wie ein Gummiringerl auf die neueste Zusammenarbeit mit Assayas. Diese ist leider nicht ganz so geglückt wie der Vorgänger, so viel sei gleich gesagt. „Personal Shopper“ weiß nicht so recht, ob er ein Gruselfilm sein soll, ein Film über die Verarbeitung von Trauer und Verlust, ein Thriller, ein Krimi vielleicht, eine Selbstfindungsgeschichte, irgendwie ist er von allem ein bisschen was und damit etwas unentschlossen. Die Geschichte erzählt von der jungen Maureen (Kristen Stewart), die in Frankreich als Personal Shopper, eine Art Einkaufsassistentin für ein Supermodel (Nora von Waldstätten), arbeitet und gleichzeitig ihrem toten Zwillingsbruder nachspürt, denn sie haben einst einen Pakt geschlossen: Wer zuerst stirbt, gibt dem überlebenden Geschwisterteil ein Zeichen aus dem Jenseits. Maureen, die am gleichen Herzfehler leidet wie ihr toter Bruder, wartet also auf dieses Zeichen. Währenddessen bekommt sie seltsame Nachrichten von einer unbekannten Nummer, die sie dazu einladen, ein seltsames Spiel zu spielen. Das alles ist sehr gut anzusehen, ist stimmungsvoll aufgebaut und gut gespielt, allerdings fehlt mir manchmal der Fokus auf den Aspekt der Geschichte, um den es Assayas tatsächlich geht. Auch wenn sich am Ende irgendwie alles zusammenfügt, so bleibt der Weg dahin dennoch Stückwerk. Das Ende lässt viele Interpretationsmöglichkeiten offen (was ich ja sehr mag), wird aber viele Zuseher unbefriedigt zurücklassen. So ist „Personal Shopper“ zwar ein interessanter Film, aber kein großer Wurf.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Die rote Schildkröte (2016)

Regie: Michael Dudok de Wit
Original-Titel: La Tortue Rouge
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Animation
IMDB-Link: La Tortue Rogue


Mein erster Film des Studios Ghibli ist, so meine Ghibli-erfahrenen Freunde, ein sehr untypisches Werk für dieses Studio, das den Niederländer Michael Dudok de Wit eingeladen hat, seine Geschichte, eine Parabel auf das Leben am Beispiel eines Schiffbrüchigen, zu erzählen. „Die rote Schildkröte“ ist voller Symbole, die auf das Leben und den Tod verweisen, und trägt die Geschichte völlig ohne Dialoge und in einem langsamen, meditativen Tempo vor. Erzählt wird von einem Schiffbrüchigen, der auf einer einsamen Insel strandet. All seine Versuche, mit einem selbstgebastelten Floß der Insel zu entkommen, schlagen fehl, denn wieder und wieder wird sein Floß von einer geheimnisvollen, roten Schildkröte beschädigt. Als die Schildkröte eines Tages auf den Strand kriecht, beginnt damit eine neue Geschichte, die vom Leben, vom Tod, von Schuld, von Reue und von Liebe und Geborgenheit erzählt – und davon, wie fragil alles ist, was uns Menschen definiert. Die Animationen sind sehr schlicht gehalten und unterstreichen die Einsamkeit des Schiffbrüchigen und das Gefühl von Verlorenheit. Der Film ist beileibe keine einfache Kost – zu träge mag er vielen erscheinen, zu still auch, zu symbolhaft, und für Kinder ist er meiner Meinung nach kaum geeignet. Wenn der zuvor noch so süße Seelöwe plötzlich tot am Strand liegt, und der Schiffbrüchige öffnet ihm den Bauch, um aus dem Fell Kleidung zu machen, wirft dieses beiläufige Nebeneinander von Leben und Tod viele Fragen auf, mit denen die Kleinsten wohl hoffnungslos überfordert sind. Auch ist der Film äußerst handlungsarm und damit für junge Zuseher wohl auch recht langweilig. „Die rote Schildkröte“ ist das Gegenstück zu einem actiongeladenen „Findet Dorie“ oder einem zuckersüßen „Pets“ – „Die rote Schildkröte“ ist erwachsenes Animationskino, das die ganz großen Themen des Lebens angeht. Der Film findet sicherlich nicht bei jedem Zustimmung, aber er pflanzt Keime für weitere Gedanken und Betrachtungen. Für mich eine verdiente Oscar-Nominierung, auch wenn es mich wundern würde, könnte der Film den Goldmann am Ende tatsächlich einheimsen. Dazu ist er zu anders, zu eigen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

Hacksaw Ridge – Die Entscheidung (2016)

Regie: Mel Gibson
Original-Titel: Hacksaw Ridge
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Kriegsfilm / Anti-Kriegsfilm
IMDB-Link: Hacksaw Ridge


Standing Ovations in Venedig. Das gefeierte Regie-Comeback von Mel Gibson. Ein harter, düsterer Kriegsfilm über einen Soldaten, der zum Helden wurde, ohne einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben. Das ist „Hacksaw Ridge“. Zumindest für viele Zuseher, die unter der zentimeterdicken Schicht Pathos und Religionsfanatismus, die Mel Gibson auf die Filmrollen gekleistert hat, noch etwas erkennen können. Ich konnte es nicht. Im Gegenteil. Viele pathetische Stellen offenbarten für mich eine sehr unfreiwillige Komik, und mir sind beim Ansehen mindestens drei Trinkspiele zu diesem Film eingefallen. Zum Beispiel jedes Mal, wenn Gott erwähnt wird oder der Glaube, einen Kurzen. Oder einen Doppelten für jedes „Just one more!“ von Andrew Garfield (der sich mit zwei Gesichtsausdrücken, grinsend und betroffen, in die Riege der Oscarnominierten gemogelt hat), wenn er einen weiteren blutenden Kollegen vom Schlachtfeld zieht. Wenn man eines dieser Trinkspiele wirklich durchzieht, geht’s einem so wie den meisten Soldaten im blutigen Gemetzel auf Okinawa: Man erlebt das Ende des Films nicht mehr. Was mir ebenfalls missfallen hat, waren die rassistischen Untertöne (irgendwann während des Films hat sich meine Oscar-Gefährtin, die das Leid mit mir durchgestanden hat, zu mir gedreht und gemeint: „Ist dir eigentlich aufgefallen, dass es keinen einzigen schwarzen Soldaten in der Truppe gibt? Nicht mal einen Quoten-Schwarzen, nichts.“), so sind auch die Japaner einfach nur gesichtslose, fanatische Schlächter, und der Film zeigt keine einzige originelle Szene – alles läuft schön nach Klischee ab, als wäre „Hacksaw Ridge“ eine Best-Of-Compilation aller bisher gedrehter Kriegsfilme – von „Full Metal Jacket“ über „Die Akte Jane“ und „Forrest Gump“ bis hin zu „Der Soldat James Ryan“. Alles da. Vom erbarmungslosen Drill Sergeant über das Robben durch Schlamm bis hin zum theatralischen Abtransport des verwundeten Kampfgenossen auf den Schultern. Habe ich alles schon dutzendfach gesehen, muss ich nicht noch mal sehen.


3,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin)

Passengers (2016)

Regie: Morten Tyldum
Original-Titel: Passengers
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Science-Fiction, Thriller
IMDB-Link: Passengers


„Gravity“ meets „2001 – Odyssee im Weltraum“ meets „Moon“ meets „Titanic“ meets „Kramer gegen Kramer“ meets „Shining“. Damit ist das Grundproblem, das Morten Tyldums „Passengers“ aufweist, schon umrissen. Der Film geht kein Risiko ein und den Weg des geringsten Widerstands. Die Ausgangslage hätte Potential für einen weitaus interessanteren, gewagteren Film gehabt: Auf einer 120 Jahre dauernden Reise durchs All zu einem neuen bewohnbaren Planeten kommt es zu einem Defekt, wodurch einer der Passagiere (Chris Pratt) aus dem Tiefschlaf erwacht. Während er die ersten Stunden noch im Glauben verbringt, er nähere sich nun dem neuen Heimatplaneten an, muss er bald zu seinem Entsetzen feststellen, dass ihn noch 90 Jahre von der Ankunft trennen. Heißt: Vor ihm liegt ein ganzes Leben in Einsamkeit auf einem Raumschiff, als einzige Gesellschaft der von Michael Sheen gespielte Bar-Roboter. Natürlich kommt man dann mit der Zeit auf dumme Gedanken. Und der dümmste davon ist sicherlich, eine hübsche Mitpassagierin (Jennifer Lawrence) vorzeitig aus dem Tiefschlaf zu holen. Was also eine Geschichte über die großen moralischen Fragen des Lebens hätte sein können – inwieweit man in das Leben eines anderen Menschen eingreifen darf, wie wir mit Einsamkeit umgehen, was menschliche Kontakte für uns bedeuten – biegt etwa zur Hälfte des Films ab, um konventionellere Sci-Fi-Thriller-Katastrophen-Pfade zu bestreiten. Das Raumschiff spielt verrückt, es muss gegen die Zeit angerannt werden, um das Werkl doch noch irgendwie zusammenzuhalten, und moralische Fragen werden bei all der Rennerei natürlich beiseite geschoben. Aber hier wird aus „Moon“ meets „2001 – Odyssee im Weltraum“ meets „Shining“ meets „Kramer gegen Kramer“ nun leider ein (schlechtes) „Gravity“ meets „Titanic“. Die Action ist leider ziemlich lächerlich und over-the-top und versenkt gegen Ende hin den an sich guten Film in die Durchschnittlichkeit. Für ein passables Kinovergnügen reicht es aus, aber man ärgert sich halt dann doch ein bisschen ob der verschenkten Chancen. So wie im Fußball über den Ausgleich, den der bislang gegen den Titelanwärter führende Underdog in der 90. Minute doch noch hinnehmen muss.


6,0
von 10 Kürbissen

Open Windows (2014)

Regie: Nacho Vigalondo
Original-Titel: Open Windows
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Thriller
IMDB-Link: Open Windows


Was für eine wunderbar absurde Ausgangslage: Ein Hobbit und ein Pornostar spielen in einem spanischen High-Tech-Thriller, der das Geschehen ausschließlich auf dem Bildschirm eines Laptops zeigt. „You had me at Hello!“ Die Geschichte ist rasch erzählt: Nick (gespielt von Elijah Wood), ein Nerd und Betreiber der Fanseite einer berühmten Hollywoodschauspielerin, wird zu einer Convention eingeladen, auf der seine Angebetete Jill (Sasha Grey) ihren neuen Film vorstellt. Er sitzt im Hotelzimmer, streamt die Veranstaltung und soll anschließend ein Interview mit ihr führen, als er einen mysteriösen Anruf bekommt. Der Anrufer erklärt ihm, dass Jill das Interview abgesagt hätte, dass sie dafür bestraft gehört, und er installiert lauter interessante Apps auf Nicks Computer, mit denen er beispielsweise ihre Telefonate abhören kann, die sich in Überwachungskameras hacken können und ähnliche nützliche Dinge, die der Stalker von Welt so braucht. Und Nick muss feststellen, dass er in einem perfiden Spiel als Marionette eingespannt ist, denn der Anrufer hat Böses im Sinn. Gut, dass da drei konfuse französische Hacker in der anderen Leitung hängen. Vielleicht können die ihm ja aus der Patsche helfen und auch seine heißgeliebte Jill retten?

„Open Windows“ ist so ein Fall von „gut gemeint, aber schlecht ausgeführt“. Die Grundidee, dass sich nämlich alles ausschließlich auf dem Bildschirm von Nicks Laptop abspielt – via Überwachungskamera-Videos, Video-Chats und dergleichen – ist reizvoll und interessant. Allerdings ist die Thrillerhandlung selbst so öde und so voller Klischees und Logikbrüche, dass man sich irgendwann nur noch auf den Kopf greift und dem Drehbuchautor sämtliche Viren und Trojaner, die im Internet je kursiert sind, auf den Hals wünscht.


3,0
von 10 Kürbissen

Jackie – Die First Lady (2016)

Regie: Pablo Larraín
Original-Titel: Jackie
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Biopic, Historienfilm, Politfilm
IMDB-Link: Jackie


Alle Zutaten für einen Filmkürbis-Lieblingsfilm sind angerichtet: Natalie Portman, Jugend-Crush und immer noch hochgeschätzte Schauspielerin, spielt Jackie, die Ehefrau bzw. Witwe von JFK in einem Film von Pablo Larraín, der mich vor kurzem erst mit „Neruda“ begeistert hat. Der Trailer verspricht menschliche Abgründe, tolle Dialoge und große Schauspielkunst. Aber hält er diese Versprechen auch? Leider nur zum Teil. „Jackie“ ist großartig gespielt, keine Frage. Ob nun Natalie Portman mit einer Leistung, für die sie ihren zweiten Oscar bekommen müsste (wäre da nicht Emma Stone im Weg), oder Peter Sarsgaard als Bobby Kennedy, der selige John Hurt als zweifelnder, gedankenvoller Priester oder Billy Crudup als charismatischer Journalist – jede Rolle ist toll besetzt und gespielt. Und ja, die Dialoge sind (zumeist) intelligent und abgründig. Aber etwas Entscheidendes fehlt dem Film, um so richtig zu zünden: Und das ist bedauerlicherweise die Tiefe der Figuren. Man sieht eine verzweifelte Jackie, eine tapfere Jackie, eine ratlose Jackie, der Film kreist um sie und ihre Gefühlsausbrüche und auch die Versuche, eben jene zu kontrollieren, aber trotzdem bleibt Larraín mit seinem Film an der Oberfläche. Die Geschichte, die „Jackie“ erzählt, handelt von Verlust (vom privaten Verlust eines geliebten Menschen wie auch von einem Verlust von Anerkennung, von Bedeutung, von Lebenssinn), behandelt aber dieses Thema dermaßen zentral und ausführlich, dass kein Raum bleibt für die Figuren, andere Facetten von sich zu zeigen. Der Film wird somit bedrückend und wirkt teilweise langatmig. Absolut kein schlechter Film, aber nach dem Ansehen hatte ich das Gefühl, dass der Film mehr eine theoretische Abhandlung über Trauer ist als ein Stück Leben, das im Gleichklang mit seinen Protagonisten atmet. „Jackie“ ist gut gemachtes, aber trotz der Intimität seines Porträts ein wenig distanziertes Kino.


6,0
von 10 Kürbissen

Ich, Daniel Blake (2016)

Regie: Ken Loach
Original-Titel: I, Daniel Blake
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: I, Daniel Blake


Der Gewinner der Goldenen Palme 2016 in Cannes. Jener Film, der u.a. den hochgelobten „Toni Erdmann“ hinter sich gelassen hat. Ein britisches Sozialdrama, das den Spuren eines einfachen Mannes in Newcastle auf dem Weg durch den Behördendschungel folgt, soll besser sein als die pompöse Neuerfindung des deutschen Films? Ja, sind die denn alle wahnsinnig dort unten in Cannes? Zu lange auf den Yachten unter der Sonne gebrutzelt? Zu viel Kokain geschnupft?

Nein.

„I, Daniel Blake“ von Altmeister Ken Loach ist der menschlichste, ehrlichste, wahrhaftigste Film, den ich seit langem gesehen habe. Er ist komisch und abgrundtief traurig, er ist zynisch und mitfühlend, er schnappt sich einfach das Leben, stopft es in die Kamera, wirft es auf die Zuseher hin und sagt: „Da. Hier habt ihr es. So ist es.“ Und man muss lachen und weinen, manchmal gleichzeitig. Daniel Blake, auf so wunderbar warmherzige Weise verkörpert von Dave Johns, ist der größte Held der jüngeren Filmgeschichte. Da können keine Superhelden mithalten mit so viel Herzenswärme und Courage. Ein Mann kämpft um seine Würde, um sein Recht in einem unerbittlichen, zynisch-kalten System, in dem jene am Rand einfach runterfallen und sich nicht dagegen wehren können. Das Wunderbare an dem Film ist, dass Daniel Blake auch für Andere kämpft, dass ihm Freundschaft wichtiger ist als das eigene Befinden, dass er treu und gut ist. Daniel Blake ist ein Mensch. Darum geht es in diesem Film. Um uns Menschen und um das, was uns definiert, und wie wir unsere Menschlichkeit bewahren in einem System, in dem diese unterdrückt zu werden droht. Schon jetzt ein absolutes Highlight des neuen Kinojahres, und es wird schwer werden, diesen Film noch zu toppen.


9,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Luna)