Mary Poppins‘ Rückkehr (2018)

Regie: Rob Marshall
Original-Titel: Mary Poppins Returns
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Fantasy, Komödie
IMDB-Link: Mary Poppins Returns


Wer liebt sie nicht, Mary Poppins, die von Julie Andrews verkörperte Super-Nanny mit dem kleinen Extra? Ich sage euch jetzt ein Wort, und wetten, ihr müsst jetzt alle gleich los summen? Also? Eins, zwei drei: Supercalifragilistischexpialigetisch! Dieses Wort klingt durch und durch / furchtbar, weil synthetisch. Wer es laut genug aufsagt / scheint klug und fast prophetisch. Na, was ist? Alle dabei! Jedenfalls war ich mir ziemlich sicher, dass sich das Publikum im Saal, das sich für Rob Marshalls Fortsetzung „Mary Poppins‘ Rückkehr“ eingefunden hat, hier problemlos hätte mitsingen können. Dementsprechend groß war die Vorfreude. Aber wie das halt so ist, mit großer Vorfreude, oft folgt darauf dann eben auch eine Ernüchterung. Und was kann ich sagen? Eigentlich macht Rob Marshall mit seinem Film nicht viel falsch. Emily Blunt ist eine entzückende Mary Poppins, die Julie Andrews fast vergessen lässt. Der stets verpeilt wirkende Ben Whishaw spielt voller Herz und Seele. Lin-Manuel Miranda pfeift als Jack sympathisch von allen Laternenpfählen. Die große Meryl Streep hat einen denkwürdigen Kurzauftritt. Emily Mortimer darf ihre Bruchlandung in „Spectral“ vergessen machen lassen. Julie Walters als Haushälterin spielt wunderbar resolut, und selbst die Kinder sind gut gecastet. Dazu kommen liebevoll gestaltete Ausstattung und Kostüme, es gibt wieder die großen Show- und Tanzeinlagen und eine Zeichentricksequenz. Aber irgendwie hat man ständig das Gefühl, all das im ersten Mary Poppins-Film von 1964 schon mal gesehen zu haben. Zudem bleibt kein Song wirklich im Ohr. Alles ganz sympathisch gemacht und nett anzusehen, aber dem Film fehlt die eigene Note (und das im doppelten, nämlich auch wortwörtlichen Sinn). So ist „Mary Poppins‘ Rückkehr“ eher ein Remake des alten Mary Poppins-Film, nur mit schlechteren Songs. Für zwei Stunden Eskapismus in Zuckerlrosa reicht es aus, aber als Meilenstein wird der Film nicht in die Filmgeschichte eingehen.


5,5
von 10 Kürbissen

Filmreisechallenge 2018 – Alle Reiseziele, alle Filme

Das Jahr 2018 ist vorbei, und auch die Filmreisechallenge. 70 cineastische Destinationen wurden bereist und beschrieben. Hat Spaß gemacht! Gebucht wurde der Abenteuerurlaub, also die etwas anspruchsvollere Reise als der Pauschalurlaub. Meinen ersten Film der Filmreisechallenge habe ich am 8. Jänner gesehen, meinen letzten am 29. Dezember. Und hier sind sie nun, die 70 Destinationen:

Weltreise

1. Ein Film aus Australien oder Neuseeland: Das Piano (Neuseeland)
2. Ein Film aus einem südamerikanischen Land: The Bed (Chile)
3. Ein Film aus Fernost: Girls Always Happy (China)
4. Ein Film aus Südostasien: The Woman Who Left (Philippinen)
5. Ein Film aus dem Orient: Schwein (Iran)
6. Zwei afrikanische Filme (1): Maki’la (DR Kongo)
7. Zwei afrikanische Filme (2): The Wedding Party (Nigeria)
8. Ein Film aus Skandinavien: Gordon und Buffy (Schweden)
9. Ein Film aus Südeuropa: Meine Tochter (Italien)
10. Ein Film aus Osteuropa: November (Estland)

Zeitreise

11. Amerikanischer Stummfilm der 20er: The Blot
12. Film des deutschen Expressionismus der 20er: Das Cabinet des Dr. Caligari
13. Propagandafilm der 30er: Triumph des Willens
14. Hollywoodstudio-Großproduktion der 30er: Robin Hood, König der Vagabunden
15. Italienischer Neorealismus der 40er: Paisà
16. Film Noir der 40er: Briefe aus dem Jenseits
17. Deutscher Heimatfilm der 50er: Die Geierwally
18. Low Budget-B-Movie der 50er: Tarantula
19. Italowestern der 60er: Leichen pflastern seinen Weg
20. Film der europäischen „Neuen Welle“ der 60er: Mittwoch zwischen 5 und 7
21. Film des „Neuen Deutschen Films“ der 70er: Unter dem Pflaster ist der Strand
22. Ein Giallo der 70er: Der Killer von Wien

Fantasiereise

23. Zwei Filme, die auf fremden Planeten oder im All spielen (1): Ederlezi Rising
24. Zwei Filme, die auf fremden Planeten oder im All spielen (2): Der Wüstenplanet
25. Ein Film, in dem Träume ein zentrales Thema sind: Körper und Seele
26. Drei Filme, die in einer fernen Zukunft spielen (1): Mad Max
27. Drei Filme, die in einer fernen Zukunft spielen (2): Mad Max II – Der Vollstrecker
28. Drei Filme, die in einer fernen Zukunft spielen (3): Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel
29. Zwei Filme, die in einer Fantasiewelt spielen (1): Die Abenteuer des Prinzen Achmed
30. Zwei Filme, die in einer Fantasiewelt spielen (2): Das wandelnde Schloss

Aktivurlaub

31. Ein Film zum Thema Motorsport: Le Mans
32. Ein Film zum Thema Extremsport: Meru
33. Zwei Filme, in denen es um Teamsportarten geht (1): City of McFarland
34. Zwei Filme, in denen es um Teamsportarten geht (2): Back in the Game
35. Zwei Kampfsportfilme (1): Karate Kid
36. Zwei Kampfsportfilme (2): Ong-Bak
37. Zwei Filme über Einzelsportler/innen (keine Dokus) (1): Rocky
38. Zwei Filme über Einzelsportler/innen (keine Dokus) (2): The Rider
39. Ein Film, in dem hauptsächlich gewandert wird: Saint Jacques … Pilgern auf Französisch
40. Ein Film, in dem es um Wintersport geht: Eddie the Eagle – Alles ist möglich

Konzertreise

41. Oscar-Gewinner aus dem 21. Jh. für  beste Filmmusik: Frida
42. Oscar-Gewinner 1950-1999 für beste Filmmusik: Yentl
43. Oscar-Gewinner 1900-1949 für beste Filmmusik: Ringo
44. Zwei Musikverfilmungen (Musical, Oper) (1): Greatest Showman
45. Zwei Musikverfilmungen (Musical, Oper) (2): Mamma Mia!
46. Zwei Filme, in denen es ums Tanzen geht (1): Dance, Girl, Dance
47. Zwei Filme, in denen es ums Tanzen geht (2): Die roten Schuhe
48. Drei Filme über Musiker/Bands (keine Biopics) (1): Leningrad Cowboys Go America
49. Drei Filme über Musiker/Bands (keine Biopics) (2): A Star is Born
50. Drei Filme über Musiker/Bands (keine Biopics) (3): Vox Lux

Bildungsreise

51. Zwei Filme, in denen es um ein historisches Ereignis geht (1): Die dunkelste Stunde
52. Zwei Filme, in denen es um ein historisches Ereignis geht (2): Selma
53. Zwei Dokumentationsfilme zu zwei Themen (1): Infinite Football
54. Zwei Dokumentationsfilme zu zwei Themen (2): Draußen
55. Zwei Biopics über männliche Personen (1): Don’t worry, weglaufen geht nicht (über John Callahan)
56. Zwei Biopics über männliche Personen (2): Angelo (über Angelo Soliman)
57. Zwei Biopics über weibliche Personen (1): 3 Tage in Quibéron (über Romy Schneider)
58. Zwei Biopics über weibliche Personen (2): I, Tonya (über Tonya Harding)
59. Zwei Filme in einer dir fremden Sprache (1): Teheran Tabu (Persisch)
60. Zwei Filme in einer dir fremden Sprache (2): Hemel (Niederländisch)

Kunst- und Kulturreise

61. Verfilmung eines Stücks von Shakespeare: Ein Sommernachtstraum
62. Verfilmung eines internationalen postmodernen Dramas: Das Mörderspiel
63. Comic-Verfilmung: Black Panther
64. Manga-Verfilmung: Inuyashiki
65. Verfilmung eines britischen viktorianischen Romans: Wuthering Heights – Emily Brontës Sturmhöhe
66. Verfilmung eines Werks der deutschen Klassik/Romantik: Faust – Eine deutsche Volkssage
67. Ein Film, in dem es ums Essen/Kochen geht: Julie & Julia
68. Ein Film, in dem es um einen Film geht: The Disaster Artist
69. Ein Film, in dem es um bildende Kunst/Künstler geht: Loving Vincent
70. Ein Experimentalfilm: Manifesto

Projekt 50/50 – mein Fazit

Vielleicht erinnert ihr euch noch daran. Mein Neujahrsvorsatz für 2018 war mein „Projekt 50/50„, also die Sichtung gleich vieler Filme, die von Frauen gedreht wurden, wie Filme, bei denen Männer im Regiestuhl saßen. Ich habe das für mich selbst im Laufe des Jahres noch spezifiziert auf „mir neue Filme“, habe also Re-Watches ausgeschlossen (auch wenn 2018 nur 12 Re-Watches dabei waren).

Und so ist es ausgegangen:

Von 283 Filmen, die ich neu gesehen habe, sind 144 von Frauen gedreht worden und 139 von Männern. Die 50/50-Quote ist also geschafft.

Ich habe dabei viele spannende Schätze gehoben, die sonst völlig an mir vorbeigegangen wären, und ich habe auch viele Filme gesehen, auf die ich sonst bewusst verzichtet hätte, da sie mich thematisch nicht wirklich angesprochen haben, die aber dann doch mein Sichtfeld wieder erweitert haben. Ganz einfach war es nicht – manchmal fühlte ich mich tatsächlich wie ein Perlentaucher auf der Suche nach Filmen, die von Frauen gedreht wurden, denn meistens hängt ihnen ja kein Fähnchen an, das auf die weibliche Urheberschaft hinweist. Ich kenne nun die tiefsten Tiefen von Amazon, Netflix und Moviepilot.

Interessant (und bedenklich) ist, dass mir ausgerechnet die Viennale fast die Quote verhagelt hat und das trotz neuer weiblicher Festival-Direktorin. Damit hätte ich nicht gerechnet, denn sowohl auf der Berlinale als auch am Crossing Europe Festival in Linz war es deutlich einfacher, interessante Filme, die von Frauen gedreht wurden, zu finden. Auf diesen Punkt in einem Interview mal angesprochen, antwortete Eva Sangiorgi, die Viennale-Direktorin, übrigens sinngemäß, dass sie die Filme nach Qualität und nicht nach Quote aussuchen wolle. Fair enough. Allerdings erklärt mir das dennoch nicht das Fehlen vieler großartiger Filme von Frauen, die auf der Berlinale oder in Linz mit großem Zuspruch gelaufen sind, den Weg nach Wien aber nicht gefunden haben. Hier darf in den nächsten Jahren gerne noch nachgezogen werden.

Wie geht es nun weiter? Auch 2019 möchte ich mein Projekt 50/50 fortführen. Auch deshalb habe ich bei meinem neuen Projekt „1001 Filme“ die Messlatte mit 30 Filmen pro Jahr etwas weiter unten angesetzt, da erschreckenderweise Filme von Frauen in diesem Buch so gut wie nicht vorkommen, sich also alle Filme, die ich für dieses neue Projekt ansehe, negativ auf die Quote auswirken werden. Mal schauen, ob ich diese beiden Anforderungen unter einen Hut bringen kann. In einem Jahr werdet ihr mehr wissen. Bis dahin: Viel Spaß mit meinen Reviews 2019 und natürlich noch viel mehr beim Filmschauen!

Danke für ein grandioses Jahr 2018!

An dieser Stelle möchte ich mich bei euch allen, meinen Lesern, für euer reges Interesses, Kommentieren und Liken bedanken. Ihr seid der Wahnsinn! Vielen Dank also an die 4.500 Besucher in diesem Jahr, für die über 11.000 Seitenaufrufe, die über 1.000 Likes und fast 350 Kommentare. Der Filmkürbis wächst und gedeiht dank euch prächtig – und ich hoffe, wir können das nächstes Jahr gemeinsam so fortführen.

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Jetzt aber einen guten Rutsch euch allen. Wir lesen uns 2019.

Meine Filme des Jahres 2018

Ich war fleißig im Jahr 2018. Mit aktuell 292 gesichteten Filmen (davon 280 neuen und 12 Re-Watches) – und der eine oder andere Film wird heute Abend noch dazukommen – habe ich einen neuen Rekord aufgestellt. Der Dank gebührt den Filmfestivals Berlinale, Crossing Europe und /slash, die so freundlich waren, mir Presseakkreditierungen zu erteilen und damit den Wahnsinn zu befeuern. Für mein Best of 2018 habe ich mich nun auf jene Filme beschränkt, die ich 2018 neu in einem Kino gesehen habe (ihr wisst um meine Vorliebe für die große Leinwand) und die nicht im Rahmen einer Retrospektive gelaufen sind – immerhin eine stattliche Zahl von 143 Filmen. Es handelt sich dabei also nur um aktuelle Kinofilme, die 2018 regulär im Kino oder auf einem Festival liefen. (Einer meiner Lieblingsfilme des Jahres, Larisa Shepitkos „Aufstieg“ aus dem Jahr 1977, gesichtet im Gartenbaukino auf der Viennale, fällt damit durch den Rost, aber irgendwo muss man ja ansetzen). Wie letztes Jahr werde ich über meine Top10 etwas ausführlicher schreiben und bis zu den Top30 auflisten.

Und hier sind sie nun, die Top30 2018:

    1. Isle of Dogs – Ataris Reise (von Wes Anderson)
      Was soll ich sagen? Es ist Liebe. Hundeliebe. Der vielleicht Wes Anderson’schste Film, den Wes Anderson jemals gedreht hat. Wunderschöne, symmetrische Stop Motion-Bilder, die für Anderson typische Lakonie, die hier bis ins Extreme geführt wird, dazu eine herzergreifende Story und ein wundervoller Soundtrack. Es stimmt einfach alles bei diesem Film.
    2. Tito and the Birds (von Gabriel Bitar, André Catoto und Gustavo Steinberg)
      Eine absolute Überraschung des diesjährigen /slash-Festivals und erstaunlicherweise gleich der nächste Animationsfilm an der Spitze meiner Jahrescharts. Ein unglaublich vielschichtiger, kluger, relevanter und warmherziger Film. Ich hoffe, der ist auch außerhalb von Festivals irgendwann mal bei uns zu sehen.
    3. November (von Rainer Sarnet)
      Herausragend schöne Schwarz-Weiß-Bilder, dazu die interessante, befremdlich und doch vertraut wirkende baltische Mythologie und immer wieder recht lakonischer, schwarzer Humor. „November“ ist ein cineastisches Fest für die Augen, dessen Bilder noch lange präsent bleiben.
    4. A Woman Captured (von Bernadett Tuza-Ritter)
      Der eindrücklichste und am längsten nachhallende Dokumentarfilm, den ich dieses Jahr – und vielleicht sogar seit langem – gesehen habe. Ein absoluter Pflichtfilm in meinen Augen über ein tragisches Einzelschicksal, das stellvertretend für eine erschreckend hohe Zahl ähnlicher Schicksale steht, die mitten unter uns im Schatten verborgen sind.
    5. Leave No Trace (von Debra Granik)
      Ein wundervoller und zutiefst humanistischer Film über Familie, soziale Eingliederung und die Traumata, die wir mit uns schleppen. Großartig geschrieben und gespielt – und ich hoffe, das wird bei der kommenden Oscarverleihung auch honoriert.
    6. Der seidene Faden (von Paul Thomas Anderson)
      Handwerklich vielleicht das Beste, was ich dieses Jahr gesehen habe. Bilder, Ausstattung, Kostüme und vor allem der Sound ergeben ein wahres Kunstwerk von Film, das von exzellenten Schauspielerinnen und Schauspielern getragen wird. Der große Daniel Day-Lewis in seiner letzten Rolle haut noch einmal alles raus, was er kann.
    7. Glücklich wie Lazzaro (von Alice Rohrwacher)
      Der diesjährige Viennale-Eröffnungsfilm war gleichzeitig eines der ganz großen Highlights des Festivals. Eine wirklich ungewöhnliche und auch ungewöhnlich erzählte Geschichte, die lange nachwirkt und über die man anschließend noch stundenlang diskutieren kann aufgrund der vielen Ebenen und Deutungsmöglichkeiten.
    8. The Woman Who Left (von Lav Diaz)
      Mein erster Lav Diaz-Film, und wenn alle so gut sind, möchte ich seine ganze Filmografie nachholen ungeachtet der vielen Stunden, die es dafür benötigt. Eine Geschichte über Schuld, Rache und Vergebung – wunderbar unspektakulär und zutiefst humanistisch erzählt.
    9. Lady Bird (von Greta Gerwig)
      Der beste Coming of Age-Film seit Jahren, denn alle Figuren wirken durch und durch glaubhaft und werden unprätentiös gespielt. In diesem Film steckt viel Herzblut und großes Verständnis für die menschliche Seele und die kleinen und großen Probleme, die diese belasten.
    10. Avengers: Infinity War (von Anthony und Joe Russo)
      Schlicht und ergreifend DER Blockbuster des Jahres. Herausragend inszenierte Action, trotz des ganzen Figurengewusels immer mit Überblick, mit einem der interessantesten Schurken des Blockbuster-Kinos überhaupt, klug inszeniert und mit einem Ende, das auch heute noch wild diskutiert wird.
    11. The Killing of a Sacred Deer (von Giorgos Lanthimos)
    12. A Beautiful Day (von Lynne Ramsay)
    13. Augenblicke: Gesichter einer Reise (von Agnès Varda und JR)
    14. 303 (von Hans Weingartner)
    15. The Rider (von Chloé Zhao)
    16. Bohemian Rhapsody (von Bryan Singer)
    17. Duty (von Annemarie Jacir)
    18. Gegen den Strom (von Benedikt Erlingsson)
    19. Waldheims Walzer (von Ruth Beckermann)
    20. Zama (von Lucrecia Martel)
    21. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (von Martin McDonagh)
    22. Foxtrot (von Samuel Maoz)
    23. The Sisters Brothers (von Jacques Audiard)
    24. Our Time (von Carlos Reygadas)
    25. Brothers‘ Nest (von Clayton Jacobson)
    26. Teheran Tabu (von Ali Soozandeh)
    27. Matangi / Maya / M.I.A. (von Steve Loveridge)
    28. Don’t worry, weglaufen geht nicht (von Gus van Sant)
    29. I, Tonya (von Craig Gillespie)
    30. The Man Who Killed Don Quixote (von Terry Gilliam)

Ehrenvolle Erwähnungen (mit einer Bewertung von 7,5 Punkten) gibt es für diese Filme, die es knapp nicht in die Top30 geschafft haben, die aber dennoch rundum zu empfehlen sind: Loving Vincent, Die dunkelste Stunde, Der Buchladen der Florence Green, Die defekte Katze, Draußen, Schwein, L’Animale, Ready Player One, Das Mädchen aus dem Norden, Something Useful, Cobain, Double Date, Good Favour, Deadpool 2, Tully, Am Strand, Nico, 1988, Border, Bad Times at the El Royale, Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen, Alles ist gut.

Und für alle, die es noch interessiert und die wissen wollen, wo auch nächstes Jahr die Wahrscheinlichkeit am größten ist, mir zu begegnen, hier noch die Auflistung, auf welche Kinos ich meine Kino-Liebe aufgeteilt habe (beschränkt auf Wien, aber inklusive der Wiener Filmfestivals):

Gartenbaukino: 18 Besuche
Filmmuseum: 12 Besuche
Haydn Kino: 11 Besuche
Filmcasino: 11 Besuche
Artis International: 10 Besuche
Metro Kinokulturhaus: 10 Besuche
Stadtkino im Künstlerhaus: 8 Besuche
Village W3: 8 Besuche
Burg Kino: 7 Besuche
Urania: 6 Besuche
Votivkino: 5 Besuche
Apollo: 4 Besuche
Admiral: 3 Besuche
Topkino: 3 Besuche
Actor’s Studio: 2 Besuche
DeFrance: 2 Besuche
Filmhaus am Spittelberg: 2 Besuche
Gasometer: 1 Besuch
Lugner Kino: 1 Besuch
UCI Millenium City: 1 Besuch
Kino wie noch nie / Augarten: 1 Besuch

Eines ist klar: 2019 werde ich etwas kürzer treten – immerhin steht auch noch der Re-Watch von Game of Thrones vor der finalen 8. Staffel an. ;-)

Leichen pflastern seinen Weg (1968)

Regie: Sergio Corbucci
Original-Titel: Il grande silenzio
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Western, Drama
IMDB-Link: Il grande silenzio


Vergesst Simmering gegen Kapfenberg. Kinski gegen Trintignant – das ist Brutalität! Inszeniert von Sergio Corbucci prallen die beiden schauspielerischen Schwergewichte in der eisigen Winterlandschaft in Utah aufeinander. Es sind harte Zeiten im Wilden Westen. Viele haben keine Arbeit und müssen sich daher als Banditen durchschlagen. Das wiederum bringt ruchlose Kopfgeldjäger auf den Plan, die armen Kerle wie räudige Hunde niederzuschießen. Vor allem Loco (Klaus Kinski) ist einer, dem nichts heilig ist. Überall im Schnee hat er Leichen konserviert, die er mit der Postkutsche ins nächste Örtchen Snow Hill bringt. Das schmeckt dem dortigen Sheriff zwar nicht, aber Gesetz ist Gesetz. Doch wenn schon dem Gesetz die Hände gebunden sind, muss halt einer eingreifen, der schnell ziehen kann. Und das ist der stumme Silence (Jean-Louis Trintignant), Rächer der ungerecht Behandelten. Sein Clou: Die bösen Jungs provozieren, bis sie ziehen, und sie dann über den Haufen knallen. Denn das ist vor dem Gesetz Notwehr. Das weiß auch Loco, und so entspinnt sich ein Psychospiel, als die Witwe eines durch Locos Hand Verblichenen Silence um Hilfe bittet. Und die Dinge werden allmählich persönlich. Lange Zeit war „Leichen pflastern seinen Weg“ für mich auf dem Weg zu einem durchschnittlichen, soliden Western-Beitrag mit manchmal etwas unbeholfenen Dialogen, aber insgesamt eben ganz gut gemacht. Dann kam das Ende. Und das Verständnis dafür, warum „Leichen pflastern seinen Weg“ heute zu den ganz großen Klassikern des Italo-Western, vielleicht sogar des Western-Genres insgesamt zählt. Der Weg dahin ist mitunter ein bisschen mühsam, aber er lohnt sich – denn am Ende sieht man etwas, was man selten sieht. Und mehr möchte ich eigentlich gar nicht verraten, denn jedes Wort mehr würde dem Film seine Kraft nehmen.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 19 Teil meiner Filmreisechallenge 2018 – und insgesamt auch der letzte Film meiner Reise. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen

Aquaman (2018)

Regie: James Wan
Original-Titel: Aquaman
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Fantasy, Action, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Aquaman


Aquaman – das ist doch der Typ, der im Aquarium gehalten wird, von einer Putzfrau mit Eiern gefüttert wird, sich in sie verknallt und dann die Katze frisst, oder? Diese Frage stellte ich mir gerade, als plötzlich Jason Momoa auf dem Bildschirm auftauchte und in einem U-Boot böse Jungs verprügelte. Und ganz ehrlich: Von so einem Typen wie Jason Momoa möchte man nicht verprügelt werden, denn die Gefahr ist groß, dass man danach nicht mehr aufsteht. Gegen ihn wirkt unser Arnie wie ein Spargeltarzan. Dadurch, dass bei all der Muskelmasse auch noch genug Platz ist für augenzwinkernde Selbstironie, kann man dem Typen sein Aussehen aber nicht einmal übel nehmen. Man muss einfach zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass der menschliche Körper in unterschiedlichen Größen und Formen kommt – eben auch in dieser. Aber Ladies, es sei euch eines gesagt: Wenn ihr neben Jason Momoa schlaft und der träumend versehentlich mal den Arm zur Seite schmeißt, dann seid ihr Matsch. Wenn ihr neben mir liegt, kriegt ihr dadurch höchstens einen zärtlichen Nasenstüber. Also, überlegt es euch! Aber zurück zum Lachs im Zweifel. Wenn er gerade nicht mal Selfies mit Fan-Boys schießen muss (die eine wirklich zum Schreien komische Szene des Films), versucht er widerwillig, eine goldene Gabel zu finden, mit der er dem größenwahnsinnigen Halbbruder und Atlantis-König Orm (Patrick Wilson als echter Ormleuchter) mal Tischmanieren beibringen und nebenbei den Thron von Atlantis für sich beanspruchen kann. Orm will genau dieses verhindern, da er schon eifrig am Krieg bastelt gegen die Oberwelt, die Menschen, die ihm sein schönes Meer mit Plastik versauen. Und eigentlich will Aquaman gar kein König sein, sieht sich selbst nicht als königlich an. Damit wiederum macht er Mera (Amber Heard) schöne Augen, die ihm fortan hilfreich zur Seite steht. Und irgendwie macht das alles keinen Sinn und dient nur dazu als Vehikel, Jason Momoa von einer Prügelei in die nächste zu schicken. Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an, sagt man, und hier beginnt es beim Drehbuch. Die Dialoge sind strunzdumm, und die Figuren handeln völlig planlos. Darüber hinaus ist zwar die Action gut inszeniert, aber fantasielos, und irgendwie sieht das alles so aus, als hätte jemand, der sich davor entschieden zu viel LSD hineingepfiffen hat, aus Avatar, Star Wars Episode II, Jurassic Park und den schlechteren der Marvel-Verfilmungen einen fröhlichen Zusammenschnitt gebastelt. Immerhin weiß ich nun, dass Amber Heard mit feuerroten Haaren ein echter Eyecatcher und Jason Momoa ein cooler Hund ist. Aber aufgrund des wirren Drehbuchs geht dieser Film baden.


4,0
von 10 Kürbissen

Projekt „1001 Filme“ – ab 2019

Vor einiger Zeit habe ich das Buch „1001 Filme, die Sie sehen sollte, bevor das Leben vorbei ist“ geschenkt bekommen (in der 12. Neuausgabe von 2017). Für einen cineastisch Interessierten wie mich natürlich eine Goldgrube – und die bittere Konfrontation mit einer erbarmungslosen Realität, wenn man nämlich feststellt, dass man im fortgeschrittenen Alter von 36 Jahren erst 248 der dort gelisteten Filme gesehen hat. Zum Glück habe ich ja noch ein bisschen Zeit (hoffe ich). Und die Rechnung ist einfach: Wenn ich nun jedes Jahr 30 Filme sehe, die in diesem Buch aufgelistet sind, bin ich in genau einem Vierteljahrhundert damit fertig und kann mich dann rechtzeitig zur Pension auf Wichtigeres konzentrieren. Oder so ähnlich.

Also, ab nun rufe ich das Projekt „1001 Filme“ aus. Jedes Jahr versuche ich, mindestens 30 davon zu sehen, und die sind hier dann auch in ein einer eigenen Kategorie festgehalten. Jene Filme, die auf der Liste der 1001 Filme stehen und die ich schon gesehen habe, werden dort auch hinzugefügt. Jetzt muss ich nur noch hoffen, dass ich 25 Jahre lang durchhalte.

Teheran Tabu (2017)

Regie: Ali Soozandeh
Original-Titel: Tehran Taboo
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Animation
IMDB-Link: Tehran Taboo


Es ist schon eine Weile her, dass ich „Teheran Tabu“ gesehen habe. Trotzdem ist er noch sehr präsent, und immer wieder denke ich über den Film nach. Das ist schon mal ein untrügliches Qualitätsmerkmal, und so wird es auch Zeit, dem Film auch hier ein paar Zeilen zu widmen. „Teheran Tabu“ ist tatsächlich eine außergewöhnliche Erfahrung. So wurde er in einer Mischung aus Motion Capture und Rotoskopie gedreht. Rotoskopie ist das Nachzeichen/Nach-Animieren von real gedrehten Filmszenen. Auf diese Weise wird ein hoher Grad an Realismus erzielt bei gleichzeitiger Verfremdung durch die Animation. Aber das allein macht den Film nicht aus. Denn die interessanteste technische Umsetzung allein trägt einen Film nicht, wenn der Inhalt nicht überzeugen kann. Doch gerade damit kann „Teheran Tabu“ punkten. Ali Soozandeh zeigt auf, wie das repressive politisch-gesellschaftliche Leben im modernen Teheran ganze Leben zerstört. In lose miteinander verwobenen Episoden werden einzelne Schicksale aufgezeigt – sei es jenes der allein erziehenden Mutter, die mit Prostitution über die Runden kommen muss, sei es das Schicksal der jungen Frau, die sich scheiden lassen möchte, das aber nicht tun kann, weil der Mann, der im Gefängnis sitzt, nicht zustimmt, sei es die Erzählung vom überforderten Jugendlichen, der mit einem Mädchen geschlafen hat, das verheiratet werden soll, und der nun Geld zusammentreiben muss für eine Rückoperation des Jungfernhäutchens. Vor allem das bittere Los und die geringe Stellung der Frauen werden erbarmungslos aufgezeigt. „Teheran Tabu“ ist ein Film, den man sich nur mit einer gefestigten Psyche geben sollte, der aber auch lange nachhallt.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 59 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

Julie & Julia (2009)

Regie: Nora Ephron
Original-Titel: Julie & Julia
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Biopic, Drama, Komödie
IMDB-Link: Julie & Julia


Gleich vorweg: Es gibt zwei gute Gründe, „Julie & Julia“ anzusehen. Der eine Grund ist Meryl Streep. Und der andere Amy Adams. Wenn die mitspielen, kann man eigentlich nichts falsch machen, zwei herausragende Größen ihrer Zunft (und auf Amy Adams habe ich zudem einen kleinen Crush, also, Amy, falls du meinen Blog lesen solltest: Darf ich dich zum Essen einladen?) Und schon wären wir beim Film selbst, denn in diesem geht es um kulinarische Kostbarkeiten, deren Zubereitungen und wie sie ein Leben (oder zwei) ändern können. Denn Julia Child (Meryl Streep) ist eine gelangweilte Amerikanerin in Paris, die als Zeitvertreib das Kochen für sich entdeckt, und gegen alle Widerstände und nur getragen vom Glauben an sich selbst und der Unterstützung ihres liebevollen Ehemanns (wunderbar warmherzig: Stanley Tucci) zu einer erfolgreichen Kochbuch-Autorin wird. Und Julie Powell (Amy Adams) ist eine etwas frustrierte Callcenter-Mitarbeiterin, die an ihrem Vorhaben, einen Roman zu schreiben, gescheitert ist, irgendwann aber die Idee hat, alle Rezepte aus Julia Childs Kochbuch innerhalb eines Jahres nachzukochen und darüber zu bloggen. So finden beide Frauen zu sich selbst. „Julie & Julia“ ist ein wirklich netter, leichtfüßiger Film, der den komödiantischen Anteil nicht übertreibt und das Drama nur subtil mitschwingen lässt. Eine ausgewogene Sache also, nicht unbedingt spektakulär, aber kurzweilig anzusehen. Ein Film, den man an einem verregneten Sonntagnachmittag auf der Couch gerne mal einlegen kann. Allerdings sollte das Telefon für die Bestellung beim Lieferservice griffbereit liegen, denn der Film macht tatsächlich Hunger. Und wenn es dann beim Abspann nicht gleich klingelt und keine dampfende Köstlichkeit in die Wohnung gebracht wird, schlägt sich das durchaus negativ aufs Gemüt. Man lädt den Ärger dann vielleicht sogar noch beim Film ab mit einer schlechten Bewertung – und das hat er sicher nicht verdient.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 67 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen