Fantasy

Aladdin (2019)

Regie: Guy Ritchie
Original-Titel: Aladdin
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Fantasy, Abenteuerfilm, Musical
IMDB-Link: Aladdin


Eigentlich ist Guy Ritchie ja für den Coolness-Faktor seiner Filme bekannt. In „Aladdin“, der Realverfilmung des Disney-Trickfilmklassikers von 1992, erleben wir mal eine andere Seite von ihm: Jene des Buben, der sich mit leuchtenden Augen an quietschbunter Magie erfreut. Zur Seite steht ihm dabei ein bestens aufgelegter Cast: Mena Massoud ist ein durch und durch sympathischer Aladdin, Naomi Scott eine starke und bezaubernde Prinzessin Jasmin und Will Smith, gegen dessen Besetzung im Vorfeld wohl die lautesten Bedenken zu hören waren, hat in der Rolle des Flaschengeists so viel Spaß wie wohl selten zuvor. Jedenfalls ist seine Performance großartig, und man merkt ihm zu jeder Sekunde die Freude am kindischen Toben an. Allerdings vertraut Guy Ritchie mit seinem Film nicht allein darauf, dass der Cast die Sache im Griff hat – er selbst legt sich auch ordentlich ins Zeug und schafft mit Production Design, den Kostümen und der Kamera eine märchenhafte Welt, wie man sie selten zuvor gesehen hat. Selbst die CGI-Tiere, allen voran Aladdins treuer äffischer Begleiter Abu, sind perfekt ausgearbeitet und ergeben so vollwertige Charaktere, die einem ans Herz wachsen. Natürlich ist „Aladdin“ ein Stück Eskapismus in Reinform, und in keinem Moment muss man sich Sorgen um die Hauptfiguren machen – dazu ist der von Marwan Kenzari gespielte Schurke Jafar auch zu blass und uninteressant. Auch die Musical-Nummern waren nicht so der Brüller und bleiben kaum hängen, zu schematisch sind sie eingesetzt. Aber ein buntes, vergnügliches Spektakel, das zwei Stunden lang gut unterhält, bietet der Film allemal. Durchaus eine positive Überraschung für mich.


7,0
von 10 Kürbissen

Godzilla II: King of the Monsters (2019)

Regie: Michael Dougherty
Original-Titel: Godzilla: King of the Monsters
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Fantasy, Action
IMDB-Link: Godzilla: King of the Monsters


Godzilla, die Eidechse mit Hormonproblemen, blickt auf eine lange Filmkarriere zurück. Begonnen hat alles 1954 mit einem Gummikostüm. In den 90ern passierte das, was mit so ziemlich allem in den 90ern passierte. Roland Emmerichs Version war bunt und zeugte von zu vielen schlechten Drogen. Wie bei „Der Berg ruft“ von K2 aus dem gleichen Jahrzehnt wünscht man sich, man hätte es vergessen, aber irgendwie war’s dann doch ein wesentlicher Teil unserer Adoleszenz, da kann man nichts machen. Gareth Edwards schließlich brachte das Monster mit seinem gelungenen Film in unsere Zeit. Fünf Jahre später darf nun Michael Dougherty dieses Erbe fortführen. Und es zeigt sich rasch: Godzillas Fußstapfen sind ihm viel zu groß. Denn „Godzilla II: King of the Monsters“ ist dermaßen verunglückt, dass ich gar nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen soll. In aller Kürze die allergröbsten Probleme des Filmes aufgelistet: Wirklich jeder Charakter, und das ohne Ausnahme, verhält sich so dumm wie nur irgendwie möglich, um sich in unnötige Gefahren zu bringen, die dann eh gut ausgehen. Weil: Egal, wie aussichtslos die Lage ist und egal, wie weit Godzilla vom Geschehen entfernt ist, man kann sich darauf verlassen, dass Deus ex Machina genau in diesem Moment loslegt, wenn der strunzdumme Charakter schon die Augen zum seligen Ableben geschlossen und die letzte Ölung erhalten hat. Wirklich. Jedes. Mal. Dann: Die Action. Mehr soll es sein, spektakulärer, imposanter. Ja, lassen wir doch einfach ein paar Riesenmonster die Erde zerstören und sich dann gegenseitig bekämpfen. An sich eine gute Idee. Aber in dem ganzen CGI-Gewitter fehlt dann schnell der Überblick, es knallt und fetzt und explodiert um die strunzdummen Charaktere herum (die dann mit ihren Helikoptern auch noch immer strunzdumm zwischen den Riesenmonstern herumfliegen müssen anstatt sich in Sicherheit zu bringen), sodass selbst Michael Bay davon einen epileptischen Anfall bekommt. Das hat Gareth Edwards mit seinem Film um ganze Godzilla-Schrittlängen besser hingebracht. Es reicht für eine gelungene Actionszene halt nicht, mehr Schnitte in eine Sekunde zu packen als Blümchens „Herz an Herz“ Beats hat. Nein, man sollte schon noch wissen, was passiert. Und dann wäre als riesengroßes Grundproblem noch die komplett fehlende Logik. Ja, es ist ein Fantasy-Film mit Riesenmonstern. Da muss nicht alles Sinn machen. Aber zumindest sollte der Film in sich geschlossen eine gewisse Grundlogik aufweisen. Dazu gehört zum Beispiel, dass sich Riesenmonster nicht beamen können. Und all das sind wirklich nur die größten Probleme des Films kurz umrissen, da bin ich noch nicht einmal ansatzweise ins Detail gegangen. Was für ein dummer Film. Die 2,5 Punkte gibt’s nur als Bonus für das Mitleid mit dem armseligen G’schau der Echse, das besagt: „Hey, ich habe ja auch keinen Bock auf den Mist und würde stattdessen viel lieber am Meeresgrund chillen, aber ich wurde vertraglich verpflichtet.“ Allein Roland Emmerich freut sich. Sein Film ist nicht mehr die schlechteste Godzilla-Verfilmung.


2,5
von 10 Kürbissen

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu (2019)

Regie: Rob Letterman
Original-Titel: Pokémon: Detective Pikachu
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Komödie, Fantasy
IMDB-Link: Pokémon: Detective Pikachu


Für Pokémon bin ich einfach ein paar Jahre zu alt. So sind mir zwar Pikachu und das Grundprinzip von Pokémon bekannt, aber eine richtige Bindung konnte ich dazu bislang nie aufbauen. In Sachen Werkstreue der Realverfilmung der beliebten Anime-Serie und Computerspiel-Reihe muss ich mich also auf die Expertise meiner Freundin verlassen. Und nachdem sie mit einem begeisterten Grinsen den Kinosaal verließ, gehe ich davon aus, dass Pokémon-Fans hier voll auf ihre Kosten kommen. Das spricht also schon mal sehr für Rob Lettermans Film. Aber haben auch jene Zuseher, die mit Pokémon bislang nicht oder nur wenig in Berührung gekommen sind, auch Spaß? Ein bisschen kindisch wirken sie ja schon, diese knuffigen Anime-Tierchen mit den großen Knopfaugen. Selbst ein Ryan Reynolds als Pikachus Stimme hält sich hier zurück mit Zoten und macht keinen auf Seth MacFarlanes Ted. „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ ist ein Vergnügen auch für Jüngere. Der Film weiß, wen er ansprechen möchte, und er findet auch die richtigen Mittel dazu bzw. den gemeinsamen Nenner zwischen 11jährigen und 31jährigen Pokémon-Fans. Wenig überraschend geht dieses Fan-Pleasing ein wenig zulasten der Story, die die fast schon üblichen Logiklöcher aufweist, die man von einer solchen Produktion erwarten kann – wenn beispielsweise 50 Stockwerke zu Fuß binnen drei Sekunden überwunden werden. Aufs Detail darf man eben nicht schauen. Wenn man solche Grobschnitzereien aber übersehen und Fünf mal gerade sein kann, wird man mit diesem Film überraschend gut unterhalten – auch als Pokémon-Neuling.


6,0
von 10 Kürbissen

Avengers: Endgame (2019)

Regie: Anthony und Joe Russo
Original-Titel: Avengers: Endgame
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Action, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Avengers: Endgame


Thanos hat es nicht leicht. Da arbeitet er sein Leben lang hin auf die Erfüllung seines Lebenssinns, dann kann er sich endlich in die wohlverdiente Pension begeben und  sich an hübschen Pflanzen erfreuen – doch was geschieht? Kaum hat er sich zur Ruhe gesetzt, stehen diese Avengers-Grätzen von der Erde wieder auf der Matte. So wird aus dem Ruhestand ein Unruhestand, und drei Stunden lang dürfen wir nun zusehen, wie sich Gut und Böse oder das, was wir dafür halten, in einem Endspiel um die Goldene Ananas verhauen. Denn dass man mit einem Fingerschnippen einfach die Hälfte aller Lebewesen ausradiert und danach Radieschen züchtet, das kann nicht sein, das darf nicht sein. „Avengers: Endgame“ ist das große, epische Finale von nicht weniger als 22 Filmen des Marvel Cinematic Universe. Dass man einem solch hohen Anspruch, den das sich hysterisch um Kinokarten prügelnde Publikum stellt, gerecht wird, ist schon eine schwierige Aufgabe. Für viele, darunter auch mich, hat diese Reise vor über 10 Jahren begonnen. Und nun geht man den letzten Weg mit den Heldinnen und Helden, die einem im Laufe der Jahre unweigerlich ans Herz gewachsen ist. Es ist so wie damals auf den letzten Metern, ehe ein verdammter Goldring in einen Feuerschlund im Schicksalsberg geworfen wurde. Nur dass man dieses Mal nicht nach drei Filmen an diesen Punkt gekommen ist, sondern nach fast zwei Dutzend. Das Involvement ist also bei dem Einen oder Anderen noch höher. Und wie viel hätte man hier falsch machen können. Wenn sich Filmemacher hinsetzen und am Reißbrett etwas entwerfen, das noch epischer, noch großartiger, noch actionreicher, noch erhabener werden soll als alles bisher Gedrehte, dann kommt dabei oft ein grandioser Murks heraus. Denn größer ist nicht immer besser. Doch genau das muss man nun den Machern der letzten beiden Avengers-Filme anrechnen: Natürlich wussten sie um die übergroße Erwartungshaltung. Und natürlich bedienen sie in ihrem Film die Gelüste des nach einer letzten großen Schlacht gierenden Publikums. Aber sie verlieren dabei nie die Charaktere und die Entwicklung, die diese über die besagten 22 Filme hinweg nehmen, aus den Augen. Und sie entfernen sich manches Mal ein gutes Stück von dem Erwartbaren. Man kann sich nie sicher sein, was in „Avengers: Endgame“ passiert. Und das tut dem Film sehr gut. Diese drei Stunden sind gewinnbringend investiert. Diese große Fantasy-Saga unserer Zeit findet mit diesem Film einen würdigen, kurzweiligen und spannenden Abschluss. Am Ende darf Zeit für Wehmut und die eine oder andere Träne sein. Denn eine lange Reise geht hier wirklich zu Ende.


8,5
von 10 Kürbissen

Shazam! (2019)

Regie: David F. Sandberg
Original-Titel: Shazam!
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Action, Abenteuerfilm, Fantasy, Komödie
IMDB-Link: Shazam!


Wenn man David Sandberg heißt, dreht man offenkundig gerne amüsante Actionfilme. Um Verwechslungen mit dem schwedischen Kollegen, der für den viralen Kickstarter-Hit Kung Fury verantwortlich zeichnete, zu vermeiden, packte sich der Regisseur der DC-Comicverfilmung „Shazam!“ noch die Initiale F. in seinen Namen. Trotzdem ein wenig verwirrend, diese ganze Sandbergerei. Allerdings hat DC gut getan, den bislang hauptsächlich durch Kurzfilme aufgefallenen David F. Sandberg in den Regiestuhl zu hieven. Im ewigen Beef DC gegen Marvel hat ja in den letzten Jahren DC deutlich den Kürzeren gezogen. Vor allem die martialistisch durchstilisierten Filme von Zack Snyder konnten sich gegen das verspielt Lockere von Marvel nicht durchsetzen. Comics leben eben auch vom Humor. (Außer man heißt Christopher Nolan, dann kann man auch die humorlosesten Filme aller Zeiten drehen – und trotzdem Großartiges und Stilbildendes leisten.) Jedenfalls wirft DC nun mit „Shazam!“ einen Kollegen ins Rennen, der ausschließlich mit Humor punktet. Der 14jährige Billy Batson wird zum Superhelden Shazam, wenn er diesen magischen Namen ausspricht. Er ist damit kugelsicher, kann Energieblitze abfeuern, und das mit dem Fliegen kriegt er auch noch hin. Und damit ist alles über den Film gesagt. „Shazam!“ ist quasi „Big“ (man beachte die kleine Verneigung vor dem Tom Hanks-Klassiker in der Szene mit dem Fußpiano) mit Superheldenkräften. Ein Junge im Körper eines Erwachsenen, nur mit ein paar Extra-Features ausgestattet. Und das führt zu saukomischen und herrlich überdrehten Szenen. Auch sind die Sidekicks (in diesem Fall: einige sehr nerdige Kinder, die von Pflegeeltern aufgenommen wurden) wunderbar sympathisch. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt. Einzig Mark Strong als Superbösewicht wirkt im Vergleich zu den anderen Comic-Schurken der letzten Jahre eher blass. Aber das ist fast egal, denn „Shazam!“ braucht keine breit angelegte Story-Line oder das Gefühl einer allumfassenden Weltenbedrohung. „Shazam!“ ist ein einfach konstruierter, aber effektiver Crowdpleaser. Vielleicht bleibt der Film nicht ewig im Gedächtnis haften, und vielleicht ist er auch ein wenig zu sympathisch-jugendlich angelegt (auch bei den Gags), aber für zwei kurzweilige Kinostunden taugt er allemal.


6,5
von 10 Kürbissen

Der Erlkönig (1930)

Regie: Marie-Louise Iribe
Original-Titel: Le Roi des Aulnes
Erscheinungsjahr: 1930
Genre: Drama, Fantasy
IMDB-Link: Le Roi des Aulnes


Die Erlkönig-Ballade von Johann Wolfgang von Goethe dürfte noch den meisten aus der Schule bekannt sein. Weniger bekannt ist Marie-Louise Iribes Verfilmung aus den 30er Jahren. Diese galt es auf der DVD-Anthologie „Early Women Filmmakers“ zu entdecken – wie auch schon so manch andere Perle, die sich darauf befindet. (Und ja, das ist jetzt schamlose, aber leider unbezahlte Werbung.) Aber zurück zu Goethes Fiebertraum und dessen filmische Umsetzung durch eine der Pionierinnen der Filmgeschichte. Die Handlung überrascht wohl niemanden, der damals im Deutsch-Unterricht nicht weggedämmert ist, als die Ballade durchgenommen wurde: Ein Mann reitet mit seinem kranken Kind durch die Nacht und den Wald („Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“) und wird dabei vom „Erlkönig“ (dem König der Elfen) verfolgt, der seine Hand nach dem Jungen ausstreckt. Der Vater schenkt den Ängsten seines Sohnes, der die Verfolgung spürt, keinen Glauben. Doch am Morgen, als der Mann erschöpft das Dorf erreicht, ist das Kind tot, der Erlkönig hat es sich geholt. Die Stimmung, die Marie-Louise Iribe in ihrem Film anlegt, ist dementsprechend düster und geheimnisvoll mit Anklängen des frühen Horrorfilms. Der Wald wird hier zu einem weiteren Protagonisten der Handlung. Allein die Bilder sorgen schon dafür, dass man den Film gerne und interessiert sieht. Handwerklich ist das mehr als solide gemacht. Ein Problem hat der Film nur dabei, dass er sich etwas zu sklavisch an die literarische Vorlage hält. Und diese erzählt halt eben nur in acht knappen Strophen davon, dass der Kerl mit seinem Sohn durch den Wald reitet und von dem Erlkönig mit seinen Geistern und Dämonen verfolgt wird. Das bedeutet dann in diesem Fall, dass der Film genau das zeigt. Einen Ritt durch den Wald. Und das eine Stunde lang. Entweder eine weitere Ebene (vielleicht in Form von Marie-Louise Iribes eigener Interpretation) oder eine straffe Kürzung zu einem Kurzfilm hätte dem Film wirklich gut getan. So ist „Le Roi des Aulnes“, wie der französische Originaltitel heißt, zwar für Cineasten von Interesse, aber nicht unbedingt der Film, der einem einfällt, wenn man sich im Freundeskreis am Sonntag mal einen lustigen Filmabend machen möchte.


6,0
von 10 Kürbissen

Captain Marvel (2019)

Regie: Anna Boden und Ryan Fleck
Original-Titel: Captain Marvel
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Action, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Captain Marvel


Was gibt es Passenderes, als am Weltfrauentag einer starken Frau wie Brie Larsen dabei zuzusehen, wie sie mit Hilfe von Superkräften böse Jungs aufmischt? Und man weiß ja seit der End Credits-Szene von Avengers: Infinity War, dass im zweiten Teil „Avengers: Endgame“ höchstwahrscheinlich die junge Dame den Karren aus dem Dreck ziehen muss, wenn die alte Macho-Garde, bestehend aus Iron Man, Captain America, Hulk & Co. es versemmelt hat, den Oberbösewicht Thanos von seinem Schmuck zu befreien. Dabei ist aber Captain Marvel zu Beginn noch gar nicht so übermächtig. Der Zuseher wird gleich mitten hineingeworfen in den Film, und die Konfusion, die auch die junge Vers, eben später Captain Marvel, in Anbetracht seltsamer Träume verspürt, überträgt sich auch auf das Publikum. Was ist da los, was wird da gespielt? Auch Jude Laws Grinsen trägt nicht zur Erhellung bei. Dass die beiden Regieführenden Anna Boden und Ryan Fleck („Captain Marvel“ ist im Übrigen der erste MCU-Film, bei dem eine Frau beteiligt ist an der Regie) die Zügel dennoch fest in der Hand haben, zeigt sich mit Fortdauer des Films. Denn die Konfusion weicht schon bald dem Sehvergnügen. Man darf sich von „Captain Marvel“ keine Revolution des Superhelden-Genres erwarten – im Gegenteil: Der Film arbeitet recht brav die stereotypischen Handlungsverläufe ab. Aber das gelingt ihm dafür sehr gut, kurzweilig und mit dem für Marvel üblichen Augenzwinkern zwischendurch. Man merkt, dass Brie Larsen selbst Spaß an der Sache hatte. Und da sie eine Batzen Schauspielerin ist, hält sie auch das Publikum bei Laune. Sie passt einfach für diese Rolle, auch wenn ihr dabei nicht ihr ganzes Können abverlangt wird. Samuel L. Motherfucking Jackson ist mal wieder die coole Sau, die er immer ist, allerdings diesmal mit Haaren und einem CGI-Peeling und einem Herz für Katzen, das sein Macho-Image ein bisschen auflockert. Es steckt dann doch in jedem von uns ein Freund der Fellnasen. Jedenfalls unterhält „Captain Marvel“ zwei Stunden lang sehr gut, bietet starke Frauenrollen und saubere Action, und wenn am Ende die Superheldin mal wirklich zeigt, was in ihr steckt, bekommt man fast ein bisschen Mitleid mit Thanos, der noch nicht weiß, was ihm blüht. Oh Captain, my Captain …


7,5
von 10 Kürbissen

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt (2019)

Regie: Dean DeBlois
Original-Titel: How to Train Your Dragon: The Hidden World
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Animation, Fantasy
IMDB-Link: How to Train Your Dragon: The Hidden World


Mit der Liebe ist es so eine Sache. Da glaubt man, der letzte seiner Art zu sein und bis zum Sankt Nimmerleinstag übrig zu bleiben, und plötzlich blickt man tief in die Augen einer holden Schönen und weiß nicht, wie einem geschieht. Kein Wunder, dass man sich da nicht so gut auf andere Dinge konzentrieren kann. Diese allzu menschliche Erfahrung macht im dritten Teil der „Drachenzähmen leicht gemacht“-Reihe der putzige Drache Toothless (dt. Ohnezahn), der immer noch mehr an eine Katze erinnert als an einen Drachen. Er stolpert über ein weißes Weibchen, das deutlich besser in der Luft zurecht kommt als er selbst und sich zudem überaus unbeeindruckt zeigt von seinen patscherten Balzversuchen. Da kann auch Hiccup, sein menschlicher Freund, nur bedingt weiterhelfen. Der hat schließlich auch eigene Sorgen: Mit dem finsteren Drachentöter Grimmel an seinen Fersen stellt sich schon die Frage, ob man nicht die alte Heimat aufgeben sollte, um nach der sagenumwobenen geheimen Welt zu suchen, von der die Drachen stammen. Denn dort könnten Menschen und Drachen in friedlicher Eintracht zusammenleben. Dem Dorf schmeckt das Ansinnen des jungen Häuptlings weniger, aber wenn es denn sein muss, schwingt man sich halt auf den Rücken der Drachen in die Lüfte und zieht los. Doch Grimmel ist ihnen auf den Fersen. „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ ist more of the same. Wieder ist Hiccup unentschlossen und zögerlich, wächst aber über sich hinaus. Wieder ist das Wikingerdorf in Gefahr. Wieder sind die liebevoll animierten Drachen die klaren Stars des Ensembles. Aber auch beim dritten Aufguss macht die familientaugliche Geschichte noch viel Spaß, und was die Qualität der Animation betrifft, so ist das neue Abenteuer auf einem noch höheren Level als die beiden Teile davor. So sieht man dann auch gerne über gröbere Storyschwächen und die Tatsache, dass man all das schon mal gesehen hat, hinweg. Immerhin das Ende ist konsequent und kann überzeugen – hier findet die Reihe einen  würdigen Abschluss.


6,5
von 10 Kürbissen

Die Kinder der Toten (2018)

Regie: Kelly Copper und Pavol Liska
Original-Titel: Die Kinder der Toten
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Satire, Horror, Experimentalfilm, Fantasy, Heimatfilm
IMDB-Link: Die Kinder der Toten


Es ist schon ein paar Donnerstage her, dass ich Elfriede Jelineks Roman „Die Kinder der Toten“ gelesen habe. Woran ich mich noch erinnere: Dass mir das Buch außerordentlich gut gefallen hat, so sperrig es auch war. Woran ich mich nicht mehr erinnere: Den allergrößten Teil des Inhalts. Insofern erspare ich mir an dieser Stelle die Einschätzung, ob die filmische Adaption nah dran ist an der Buchvorlage. Ein paar augenfällige Freiheiten hat sich das Regieduo Kelly Copper und Pavol Liska schon genommen, wenn beispielsweise eine Gruppe syrischer Poeten vor dem Kirchenportal verhungert. Und damit wären wir auch schon mitten drin in der Besprechung von „Die Kinder der Toten“. Denn Subtilität gehört nicht zu den Stärken dieser Heimatgroteske. Dafür hat der Film ganz andere Stärken. Jene der Überzeichnung beispielsweise. Gefilmt auf körnigem Super 8 als Farb-Stummfilm mit völlig überzogener Geräuschkulisse (ich ziehe meinen Hut vor den Foley Artists und Sounddesignern, die einen grandiosen Job hingelegt haben) erzählt der Film, wie nach einem Autounfall die Heldin Karin (Andrea Maier) durch die Wälder rund um ein steirisches Dorf irrt, halb im Diesseits, halb im Jenseits. Währenddessen geht man im Dorf den üblichen Beschäftigungen nach: Saufen, fressen, schmusen. Irgendwann stolpert Karin in eine cineastische Séance, in der in einer Filmvorführung Bilder von Verstorbenen gezeigt und betrauert werden. Die Veranstalterin bittet Karin, die Zugang zu beiden Welten hat, ihren geliebten Mann zurückzubringen, der sich selbst das Leben genommen hat. Damit öffnet Karin aber das Tor zur Unterwelt, und schon marschieren sie in einer fröhlichen Parade auf, die Untoten, und bald schon tanzen Nazis mit Juden beschwingt im Dorfgasthaus, vögeln die Lebenden mit ihren verblichenen Geliebten auf dem Tisch und kochen verhungerte Syrer in der Küche Halal-Gerichte. Subtil ist das nicht, aber dieser bissig-zynische Kommentar auf die Nazis, die wir noch immer im Keller haben, und die typisch österreichische Ignoranz macht einen Riesenspaß – sofern man einen Zugang zu diesem derben Humor findet und sich an der filmischen Umsetzung der Ideen mit (sichtbar) geringsten Mitteln anfreunden kann. Ich konnte es. Insgesamt aber mit Sicherheit ein Film, der polarisiert. Ob man eineinhalb Stunden fröhlich vor sich hin gluckst oder so intensiv den Kopf schüttelt, dass man ein Schleudertrauma davon trägt, liegt in diesem Fall ganz klar am eigenen Humorempfinden. Insofern eine Empfehlung mit Vorwarnung. Nur eines kann ich sagen: Nazis werden mit dem Film fix keine Freude haben.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Ulrich Seidl Filmproduktion)

Kung Fury (2015)

Regie: David Sandberg
Original-Titel: Kung Fury
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Kurzfilm, Action, Fantasy, Komödie
IMDB-Link: Kung Fury


Ich bin der festen Überzeugung, dass es genau zwei Arten von Reaktionen auf die Sichtung von „Kung Fury“ gibt: Begeisterung, begleitet von hysterischem Lachen, oder völlige Ratlosigkeit. Ich oute mich als Zugehöriger zur ersten Gruppe. Schon als damals der Teaser-Trailer herauskam, mit dem David Sandberg via Kickstarter um die Finanzierung seines feucht gewordenen Bubentraums warb, war es um mich geschehen. 2015 konnte dann dank 600.000 US-Dollar Kickstarter-Spenden der ganze Film vorgestellt werden. Mit einer halben Stunde Laufzeit fiel das Werk dann doch etwas kürzer aus als ein normaler Spielfilm, aber andererseits: Wer in 30 Minuten so viel Irrsinn (und David Hasselhoff) hineinpacken kann, der braucht auch nicht mehr Zeit. Und das ist „Kung Fury“: Eine halbe Stunde völliger Wahnsinn. Sowohl Hommage als gleichzeitig Persiflage auf das Trash-Kino der 80er inklusive Störungen im Bild und einer Handlung, die diesen Namen nicht verdient. Aber das ist egal. Wenn ein von einer Kobra gebissener und vom Blitz getroffener Kung Fu-Supercop, nachdem er einen Amok laufenden Spielautomaten in seine Einzelteile zerlegt hat, in die Vergangenheit reist, um Adolf Hitler, den „Kung Führer“, zu töten, aber dabei versehentlich in die Zeit der Wikinger katapultiert wird, wo er zunächst von Laser-Raptoren beschossen wird, ehe ihn eine Walküre mit einer gezielten Salve aus ihrem Maschinengewehr rettet, und es dann doch zum Showdown in Nazi-Deutschland kommt, wo er Unterstützung von Thor, seinem Partner Triceracop, der Maschinengewehr-Wikingerbraut und einem sprechenden T-Rex bekommt, braucht man sich über kongruente Handlung wirklich keine Gedanken mehr machen. Aber damit ist auch alles über den Film gesagt, den man kostenlos auf Youtube bestaunen kann. Ein Trash-Fest, das absolut nichts ernst nimmt und eigentlich nur ein einziges Ziel hat: Immer dann, wenn der Zuseher glaubt, es geht nicht mehr absurder, noch mal einen Gang höher zu schalten.


8,0
von 10 Kürbissen