Autor: Filmkürbis

Fuchs im Bau (2020)

Regie: Arman T. Riahi
Original-Titel: Fuchs im Bau
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Drama
IMDB-Link: Fuchs im Bau


Will man erklären, worum es in Arman T. Riahis neuem Film geht, kann man sich so behelfen: Man stelle sich „Dangerous Minds“ vor, ergänze das durch „Club der toten Dichter“, würze das mit einer Prise österreichischem Filmpessimismus und versetze die Geschichte in einen Jugendknast. Dann hat man einen ganz guten Eindruck, was einen in „Fuchs im Bau“ erwartet. Spannend ist jedenfalls, dass der Film in der Tonalität so gänzlich anders als Riahis voriger Film Die Migrantigen wirkt, obwohl er sich mit diesem sogar den Hauptdarsteller Aleksandar Petrovic teilt – der ebenfalls ganz andere Töne anschlägt als in der satirischen Migrantenkomödie. Als neuer Gefängnislehrer Hannes Fuchs schleppt er jede Menge eigener Probleme in den schon ohnehin problembehafteten Gefängnisunterricht. Er soll die alteingesessene Lehrerin Berger (Maria Hofstätter, wie gewohnt souverän) ablösen, doch ehe er daran überhaupt denken kann, muss er erst mal lernen, sich durchzusetzen in einer Klasse voller Jugendlicher mit Gewaltproblemen und ohne Zukunftsperspektiven. Über die burschikose Samira (mitreißend: Luna Jordan), die zusätzlich zu ihrer Gefängnisstrafe noch tiefer liegende Probleme mit sich herum trägt, findet der aus einem Ereignis in der jüngeren Vergangenheit selbst traumatisierte Fuchs allerdings allmählich Zugang zu diesem Milieu. Man merkt es an meiner Wortwahl: Probleme, Probleme, Probleme. Die ziehen sich als rote Linie durch den Film. Kaum jemand, der nicht mindestens ein paar Jahr guter Gesprächstherapie notwendig hätte. Ausgenommen vielleicht Tara Ketabi (Sibel Kekilli) von der Jugendgerichtshilfe, die aber nicht nur deswegen wie ein Fremdkörper wirkt – Sibel Kekilli spielt erstaunlich konsequent an allen Anderen vorbei, als wäre sie wortwörtlich im falschen Film. Außerdem macht es sich Riahi zur Aufgabe, möglich nichts direkt zu erzählen, sondern alle Hintergründe, die vielleicht für ein tieferes Verständnis der Figuren hilfreich (und manchmal auch notwendig) wären, anzudeuten. Viele Fragen bleiben offen. An sich mag ich dieses indirekte Erzählen ja sehr, aber hier gerät es zum Manierismus. Dass „Fuchs im Bau“ dennoch über die ganze Handlung hinweg interessant bleibt, spricht dann wiederum für seine Qualitäten als Filmmacher.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Oben (2009)

Regie: Pete Docter
Original-Titel: Up
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Animation
IMDB-Link: Up


Pixar mal wieder. Wer diesem Blog regelmäßig folgt, wird vielleicht schon festgestellt haben, dass ich Faible für diese Animationsschmiede habe, die vor allem in den letzten 15 Jahren etliche kreative Meisterwerke auf die Leinwand gebracht haben, die nicht nur die Marschrichtung im gesamten Animationsgenre vorgegeben haben, sondern auch oft zu den besten Filmen des Jahres gezählt haben „Oben“ aus dem Jahr 2009 fügt sich da nahtlos ein. Mastermind dahinter ist mal wieder Pete Docter, der für etliche der allerbesten Pixar-Filme verantwortlich zeichnet. In „Oben“ lässt er ein sehr ungleiches Heldenduo zusammenfinden: Den übergewichtigen Pfadfinder Russell und den grantigen Witwer Carl Fredericksen. Eigentlich will Carl nur ein letztes Abenteuer erleben, das er seiner zu früh verstorbenen Frau versprochen hat – ein Versprechen, das er nie einlösen konnte. Russell kommt da eher zufällig dazu, aber mit Fortdauer des Films finden die beiden allmählich zueinander. Und sie brauchen einander auch, da im Dschungel unerwartete Gefahren lauern. So vieles an „Oben“ ist außergewöhnlich: Das geriatrisch-naive Buddyduo, die Wahl des Fortbewegungsmittels (auf das der Film mit seinem Titel verweist), der Antagonist und vor allem, dass es dem Team gelungen ist, in die ersten Minuten des Films ein ganzes Leben zu packen mit all den Glücksgefühlen und den Schicksalsschlägen, die dazugehören. Ganz ehrlich: Die Eingangssequenz von „Oben“ ist neben den ersten zwanzig Minuten von Wall-E das Beste, was jemals in einem Animationsfilm gezeigt wurde. Leider verflacht der Film mit Fortdauer der Spielzeit ein wenig, und die bittersüße Tonalität weicht einem kindlichen Abenteuer. Doch auch der Rest des Films bietet gute Unterhaltung für Groß und Klein. Somit ist „Oben“ ein weiterer gelungener Beitrag in Pixars Schaffen und zurecht ein Fan-Liebling, auch wenn er nicht ganz die Brillanz der allerbesten Filme erreicht.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Disney/Pixar, Quelle http://www.imdb.com)

A Quiet Place 2 (2020)

Regie: John Krasinski
Original-Titel: A Quiet Place: Part II
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Horror, Thriller, Science Fiction
IMDB-Link: A Quiet Place: Part II


Wenn man in Deutschland jemand auffordern möchte, leise zu sein, tut man das in der Regel mit einem „Pssst!“. Das funktioniert in Österreich auch, aber wir Wiener haben da mal wieder kreativere Wörter und Ausdrucksweisen gefunden, die man stattdessen verwenden kann. Ein herzhaftes „Gusch, du Heisl!“ böte sich da an. Auch ein grantiges „Sei stad!“ erfüllt den Zweck. Nicht zu verwechseln übrigens mit dem Wort „hocknstad“ als Synonym für „arbeitslos“. Ja, Sprache schlägt manchmal wunderliche Kapriolen. Jedenfalls kann man das „Gusch!“ nur allen Protagonist:innen von „A Quiet Place 2“ mitgeben, aber man muss das nicht unbedingt tun, denn der Film setzt nahtlos den ersten Teil fort, und insofern wissen Emily Blunt & Co. schon Bescheid. Selbst das leiseste Geräusch kann das letzte sein, was du in dieser Welt machst. Denn die ist ziemlich entvölkert bzw. bevölkert von fiesen Außerirdischen, die zwar blind wie Maulwürfe sind, aber dafür ein besseres Gehör als meine Katzen haben, wenn ich die Lade öffne, in der sich die Leckerlis befinden. „A Quiet Place 2“ fügt der (interessanten) Ausgangsbasis des ersten Teil nicht viel Neues hinzu. Das macht aber nichts. Denn der Film funktioniert über den nervenzerfetzenden Spannungsbogen und die geniale unterlegte Geräuschkulisse. Jedes Knirschen eines Fußes auf dem Kies kann zur Todesfalle werden. Schön ist, dass die gehörlose Tochter Regan (großartig gespielt von der tatsächlich gehörlosen Millicent Simmonds) hier die Hauptlast des Handlungsstranges wuchtet, denn gerade mit ihrem Charakter fiebert man aufgrund ihres Defizits besonders mit. Dafür hätten den nervigen Sohn (Noah Jupe) gerne gleich zu Beginn die Monster holen können. Aber gut. Ein fetzendeppertes Kind braucht jeder Horrorfilm. Und natürlich ist auch dieser Film nicht frei von (teils auch gröberen) Logiklöchern – auch etwas, was fast alle Horrorfilme vereint. Ist „A Quiet Place 2′“ nun besser oder schlechter als der Vorgänger? Ich würde sagen, die beiden Filme bewegen sich auf einem sehr ähnlichen Niveau. Während der erste Teil noch mehr die Schrecken der Welt erkundet hat, handelt der zweite Film mehr von einem Zurückerobern des verlorengegangenen Lebensraums und erzählt damit die Geschichte konsequent weiter. Sauspannend sind beide Filme, also gibt es für beide auch die gleiche Wertung.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Photo Credit: Jonny Cournoyer – © 2019 Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Mulan (2020)

Regie: Niki Caro
Original-Titel: Mulan
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Action, Abenteuerfilm, Eastern
IMDB-Link: Mulan


Die Gelddruckmaschine funktioniert. Nachdem man schon bei „Die Schöne und das Biest“, „König der Löwen“ und Aladdin gesehen hat, dass man mit der Realverfilmung beliebter Disney-Zeichentrick-Klassiker noch mal den großen Reibach machen kann, wurde nun Mulan mit realen Darstellerinnen und Darstellern verfilmt. Nur kam dann so eine blöde Pandemie dazwischen, und der Film konnte nicht im Kino erscheinen. Der Mäusekonzern – findig wie immer – fand aber dann gleich mal eine pragmatische Lösung für das Problem: Die schon monatlich zahlenden Disney-Abonnenten dürfen noch mal 29 Euro löhnen, um das Spektakel zuhause auf ihren Fernsehern bewundern zu dürfen. Das war der Moment, als der Kürbis eures Vertrauens voller Inbrunst gemeint hat: „Geht’s noch? Mein Geld sehen die niemals.“ Ein paar Monate später hat genau dieser Kürbis seinen Disney Plus-Account und wirft der gierigen Maus monatlich seine Scheine in den Rachen. So viel zur Konsequenz. Wenigstens die 29 Euro habe ich nicht extra zahlen müssen – mittlerweile ist der Film auch für den Pöbel (Zitat Thomas Schmied) regulär auf Disney Plus zu sehen. Und ganz ehrlich: Diese 29 Euro wären eine Fehlinvestition gewesen. Denn auch wenn die Neuverfilmung von „Mulan“ unter der Regie von Niki Caro mit schön choreografierten Kampfeinlagen und schönen Bildern punkten kann, so gelingt es dem Film einfach nicht, den Charme der Zeichentrickvorlage einzufangen. Die neue Mulan (Liu Yifei) ist eine Art Supergirl, die von Anfang an richtig badass ist und einfach alles kann. Und das ist unterm Strich halt dann fad, denn der Witz beim Zeichentrickfilm war eben, dass Mulan erst mal ein paar Basics lernen musste, ehe sie die bösen Buben verdreschen konnte. Und auch während des Showdowns waren nicht einfach nur die Physik sprengende Flugeinlagen mit Schwert der Weg zu Ziel, sondern auch List und Köpfchen. Genau das fehlt der neuen Mulan. Die kann einfach nur verdammt gut an unsichtbaren Schnüren hängend durch die Gegend schweben. Aber das ist am Ende eben ziemlich eindimensional. Als Fazit sei gesagt: Man sollte die Stärken und das Erfolgsrezept der Vorlage verstehen, will man eine gelungene Kopie abliefern. Das gelingt Disney hier mit dem eigenen Film keinesfalls. Aber das ausgeblendet, kann man immerhin ein paar schöne Schwertgemetzel mit ansehen – Unterhaltung ist es, wenn auch keine hochklassige.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone (2018)

Regie: Wes Ball
Original-Titel: Maze Runner: The Death Cure
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Science Fiction, Action, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Maze Runner: The Death Cure


Teil 2 der „Maze Runner“-Trilogie war eine ziemliche Zumutung, und man sollte meinen, dass es danach nur bergauf gehen könne. Aber falsch gedacht. Das Chaos, das Wes Ball im zweiten Teil im Kopf der Zuseher gestiftet hat, findet in Teil 3 seine konsequente Fortsetzung, und schnell wird klar, dass die eigentlich interessante Eingangsprämisse aus Teil 1 vollends gekübelt wird zu Gunsten eines Actionfeuerwerks, das wirklich niemand gebraucht hat. Beim Zusehen beschleicht einen das Gefühl: Die Produzenten haben das Ding zu Ende gebracht, weil es immer noch ein bisschen Geld einspielt und der harte Kern der Fanbase, der tatsächlich bis zum Schluss durchgehalten ist, sonst nervös wird. Story? Brauchen wir nicht. Es reicht, wenn es fetzt und kracht und am Ende Häuser einstürzen und die hölzernen Protagonistinnen und Protagonisten bedeutungsvoll ins Leere blicken können. Emotionen hätten dem Film wohl gut getan, doch soweit kommt es an keiner Stelle, wurscht, wer gerade ins Gras beißt. Selbst das dramatische Finale löst bestenfalls Schulterzucken aus – zu egal ist einem das ganze Tschimmbumm geworden. Da kann sich das Drehbuch noch so sehr bemühen, Kapriolen zu drehen und Twists wie Maschinengewehrsalven rauszuschießen – man ist dessen irgendwo zwischen Teil 1 und Teil 2 einfach müde geworden. Und ganz ehrlich: Ein Drehbuch, das versucht, nur über möglichst unvorhersehbare Twists zu punkten, die sich auch noch gegenseitig ständig übertrumpfen müssen, kaschiert damit mehr schlecht als recht nur die eigene Leere. Wes Ball hat mich mit seiner Trilogie jedenfalls nur von einem überzeugen können: Keinen Wes Ball-Film mehr in absehbarer Zukunft sehen zu wollen. Operation gelungen, Patient tot.


3,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Photo Credit: Courtesy Twentieth – © TM & © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation. Quelle http://www.imdb.com)

Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)

Regie: Wes Ball
Original-Titel: Maze Runner: The Scorch Trials
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Science Fiction, Action, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Maze Runner: The Scorch Trials


Während der erste Teil der Maze Runner-Trilogie noch ganz gut vom Mysterium, das das Labyrinth, in dem Thomas (Dylan O’Brien) und seine Gefährten eingesperrt waren, lebte, versinkt die Geschichte ab Teil 2 in völliger Konfusion. Science Fiction-Dystopie meets Zombie-Horror meets Rebellensaga meets Action-Film mit Möchtegern-Mad Max-Ambiente meets Kriegsfilm meets was weiß ich noch was. Den Inhalt auch nur ansatzweise nachzuerzählen, sprengt jeglichen Rahmen. Die Autoren auf Wikipedia brauchten nicht weniger als 1.300 Wörter, um das alles zusammenzufassen. Ich habe schon Erzählungen geschrieben, die kürzer waren, und ich neige prinzipiell zum Schwafeln. Aber grob zusammengefasst: Alles rennet, rettet, flüchtet. Wer wem nachläuft oder vor wem davonläuft, ist ab einem bestimmten Punkt des Films eh schon egal, da gefühlt nicht einmal die Drehbuchautoren selbst den Überblick behalten konnten. Die Wendungen, die überraschen und Spannung aufbauen sollen, geraten ins Lächerliche. Der Film hat alle Probleme, die Filme haben, die ganz einfach zu viel wollen. Das olympische Motto „Höher. Schneller. Weiter.“ ist halt nicht auf alles gleichermaßen anzuwenden. Und so stellt sich bald gepflegte Langeweile ein. Für die einzigen Unterhaltungsmomente sorgen absurde und unfreiwillig komische Handlungsstränge oder Szenen, die einfach keinen Sinn machen oder völlig over the top sind. Der zweite Teil der Trilogie ist der beste Beweis, wie man möglichst schnell eine an sich interessante Ausgangsidee komplett gegen die Wand fahren kann. Und Spoiler: Der dritte Teil kriegt die Kurve dann auch nicht mehr – im Gegenteil.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)

Regie: Wes Ball
Original-Titel: The Maze Runner
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Science Fiction, Action, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Maze Runner


„The Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ von Wes Ball, Auftakt zu einer dystopischen Trilogie, hat eine sehr interessante Prämisse: Verwirrter Jugendlicher (und ausnahmsweise sind’s mal nicht die Hormone) wacht in einer Art Park auf, der von einem gewaltigen Labyrinth umschlossen ist. In diesem Park lebt eine Gemeinschaft von Jungs, die natürlich gleich mal wissen möchte, wie der Neuankömmling heißt. Und da haben wir schon das erste Problem: Der Bursche (gespielt von Dylan O’Brien) weiß erst einmal gar nichts, nicht einmal seinen Namen. Und warum er hier ist und was das alles überhaupt soll, das weiß er noch weniger. Aber zumindest gibt es ein paar erfahrene Survival-Experten hier (u.a. Thomas Brodie-Sangster und Will Poulter), die dem Neuling mal die ersten Tipps mitgeben. Warum das Labyrinth existiert, versteht hier keiner – außer, dass es gefährlich ist und noch nie jemand lebend den Ausgang gefunden hat. Als dann schließlich noch Teresa (Kaya Scodelario) in die Menge der Burschen geworfen wird, ist die Verwirrung komplett. So weit, so gut. Das Problem des Films ist nur: Je mehr man von den Hintergründen erfährt, desto fader wird die Geschichte. Auch sind die Darsteller/innen nicht charismatisch genug, um die Schwächen der Story zu übertünchen. Und so ist „The Maze Runner“ eine x-beliebige Jugend-Dystopie ohne besonderen Reiz. Zwar gut gemacht und durch die Ausgangslage interessant genug, sodass man bis zum Schluss dabei bleibt und dabei unterhalten wird, aber eben nichts Außergewöhnliches. Immerhin allerdings mit Abstand der stärkste Film der Trilogie – und das will was heißen. Also – prepare yourself. Die nächsten Beiträge dieses Blogs werden schirch.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2014 – Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)

Regie: Harold Ramis
Original-Titel: Groundhog Day
Erscheinungsjahr: 1993
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: Groundhog Day


Okay. Wer kennt tatsächlich „Und täglich grüßt das Murmeltier“ von Harold Ramis nicht bzw. hat noch nicht einmal etwas von dessen Inhalt gehört? Das das kaum vorstellbar geworden ist – immerhin ist der Filmtitel sogar in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen – lasse ich diesmal die Inhaltsangabe beiseite. Wer tatsächlich nicht weiß, wovon ich ihr schreibe, sollte einfach so schnell wie möglich die Sichtung des Films nachholen, denn das ist ein gottverdammter Kult-Klassiker! Die Frage, die man sich natürlich stellen kann, ist jene nach dem Warum. Warum ist das ein heute noch verehrter Kultfilm? Zum einen natürlich, weil die Handlung selbst wohl unsere innersten Sehnsüchte anspricht. Unsterblich sein. Alles tun können, ohne Konsequenzen zu befürchten. Alles lernen können. Ein Nachteil ist es halt, wenn man eingeschneit in einem Kaff wie Punxsutawney abhängen muss. Aber trotzdem: Auch in Punxsutawney kann man Banken ausrauben, Französisch und Piano lernen und die hübsche Vorgesetzte (Andie MacDowell) anbaggern. Zum anderen trägt Bill Murray himself vermutlich sehr zum Kultfaktor bei. Der zynische, selbstverliebte Wetterfrosch ist bei ihm einfach in besten Händen. Diese Mischung aus Stoik und verbalen Spitzen, von denen selbst ein Al Bundy noch was hätte lernen können, kriegt sonst kein anderer hin. Und so ist der Film auch heute noch rasend komisch, unterhaltsam und Pflicht für jeden Filminteressierten. Und es wäre keine Strafe, müsste man sich diesen Film bis ans Ende der Zeiten jeden Tag ansehen.


9,0 Kürbisse

(Bildzitat: © Sony Pictures Home Entertainment, Quelle http://www.imdb.com)

Jurassic World (2015)

Regie: Colin Trevorrow
Original-Titel: Jurassic World
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Abenteuerfilm, Thriller
IMDB-Link: Jurassic World


Unverantwortliche Park-Besitzer, die Gott spielen, lassen aufgrund Fehler im Sicherheitssystem die Attraktionen das eigene Publikum verspeisen, doch (Spoiler!) die nervigen Kinder werden nicht gesnackt. Kommt euch das bekannt vor? Und da wären wir gleich bei meinem Hauptkritikpunkt an „Jurassic World“, dem Reboot der Dinosaurier-Filmreihe unter Colin Trevorrow. Denn originelle Ideen sucht man vergeblich. Gut, die in den ersten drei Teilen noch so fiesen Raptoren sind ausnahmsweise mal nicht das größte Problem dank Clicker-Trainings durch ihren Pfleger (Chris Pratt), aber ansonsten kann man die Drehbücher zu Jurassic Park und „Jurassic World“ übereinander legen und wird nicht viele Unterschiede finden. Die beiden größten Abweichungen (neben den Katzen-Raptoren): Es gibt mehr Futter für die Dinos, da der Park im Vollbetrieb läuft, und mit dem genetisch designten Indominus Rex einen Wechsel an der Spitze der Nahrungskette. Da muss sich dann selbst ein T-Rex hinten anstellen. Ansonsten: Der unverantwortliche Parkbetreiber sieht nun aus wie eine 20jährige Betriebswirtschafts-Studentin, die das College abgebrochen hat um in Daddys Firma gleich in der Chef-Etage anzufangen (Bryce Dallas Howard) – aber immerhin ist sie fit genug, um den hungrigen Dinosauriern in Stöckelschuhen davonzulaufen. Ein John Hammond hätte das nicht geschafft. Zumindest auf dieser Ebene verbucht „Jurassic World“ einen Punktsieg. Aber ansonsten ist der Film ein müder Abklatsch des Meisterwerks von 1993, der alles größer, spektakulärer und gefräßiger machen möchte, aber dabei vergisst, wie man Suspense erzeugt. Immerhin gibt es coole Dinos, einen sympathischen Chris Pratt und ein hübsches Park-Design, das man auf der Playstation nachbauen kann.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Chuck Zlotnick – © 2015 – Universal Picturessney Studios., Quelle http://www.imdb.com)

Austin Powers – Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat (1997)

Regie: Jay Roach
Original-Titel: Austin Powers – International Man of Mystery
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Komödie
IMDB-Link: Austin Powers – International Man of Mystery


Zugegeben, an diesem Film scheiden sich die Geister. Für die einen ist die Austin Powers-Filmreihe der größte Schrott, der jemals unter britischer Flagge auf das Festland losgelassen wurde, für die anderen eine gelungene und urkomische Persiflage auf biedere Agentenfilme der Marke James Bond. Der Humor ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn sich Mike Myers als schärfster Geheimagent, den die 60er Jahre je gesehen haben, mit Penisverlängerungspumpe, falschen Zähnen, einem Brusttoupet, auf das jeder Grizzly stolz wäre, und debilem Dauergrinsen den politisch korrekten 90ern annähern muss. Dabei hat er noch Glück gehabt – man wage sich kaum auszumalen, was für einen Shitstorm er heute unter der Generation Instagram hervorgerufen hätte. Da wäre ihm als Berufswahl wohl nur noch Politiker in Österreich geblieben, denn als solcher kann man sich tatsächlich alles erlauben. Aber er wird ja zu seiner Erleichterung schon in den 90ern wieder aufgetaut, um seiner alten Nemesis Dr. Evil (ebenfalls Myers) ein für alle Mal den Garaus zu machen. Der findet sich in der neuen Welt zunächst auch nicht so leicht zurecht, entdeckt aber bald, dass gewisse Grundmechaniken des Geldverdienens die gesamte Menschheitsgeschichte überdauern. Erpressung ist und bleibt einfach ein gewinnbringendes Geschäftsmodell. Also haben Austin Powers und seine scharfe Kollegin Vanessa Kensington (Liz Hurley) alle Hände voll zu tun, um dem Oberschurken das Handwerk zu legen und Austin die grundlegenden Hygienemaßnahmen der 90er beizubringen. Noch mal zurück zu dem Eingangsstatement: Ich gehöre zur zweiten Gruppe, die ihren Spaß an der manchmal derben, aber augenzwinkernd umgesetzten Klamotte hat. Könnte der Film heute noch so in die Kinos kommen? Wohl kaum Zumindest nicht, ohne eine Heerschar entrüsteter Meinungsäußerungen in diversen Social Media-Kanälen hervorzurufen. Aber das heißt nicht, dass der Film nicht lustig ist.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by New Line Cinemas – © 1997 New Line Cinema, Quelle http://www.imdb.com)