Autor: Filmkürbis

Shrek – Der tollkühne Held (2001)

Regie: Andrew Adamson und Vicky Jenson
Original-Titel: Shrek
Erscheinungsjahr: 2001
Genre: Animation
IMDB-Link: Shrek


Den wohl berühmtesten Oger der Filmgeschichte muss ich an dieser Stelle wohl niemandem mehr vorstellen. Aber erstaunlich, dass Shrek mittlerweile schon zwanzig Lenze zählt. Kinder, wie die Zeit vergeht … Die Frage ist halt: Wie gut sind der Oger, sein Freund, der Esel, und Prinzessin Fiona gealtert? Eines muss man schon vorwegnehmen: Die Animationen, die damals state of the art waren, wirken heute doch etwas ungelenk. Da sieht man, was sich tricktechnisch in den letzten zwei Dekaden getan hat. Dem Filmvergnügen tut dies aber keinen Abbruch. Ja, als geübter Zuseher fallen einem die kleinen Unsauberkeiten vielleicht auf, aber auch heute noch kann „Shrek – Der tollkühne Held“ mit teils brachialen Gags in Verbindung mit einer wirklich entzückenden Geschichte überzeugen, die dann doch im Herzen dem Märchengenre treu bleibt. Der Grundwitz zieht sich aber aus dem Verdrehen der heilen Märchenwelten ins Lächerliche, und diesbezüglich hat „Shrek – Der tollkühne Held“ absolute Pionierarbeit geleistet. Auch wenn dem Film im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte dieses Alleinstellungsmerkmal weggebrochen ist. Nachdem Disney selbst damit begonnen hat, die eigenen zuckersüßen Filme zu veräppeln (siehe beispielsweise das wunderbare „Enchanted“ mit Amy Adams), ist der grimmige Oger nicht mehr der Einzige, der Märchenfiguren gerne mal auf liebevolle Weise in den Hintern tritt. Aber er bleibt das Original, und in den Fortsetzungen, die nach dem erfolgreichen Auftakt folgten, wurde der Humor dann sogar noch mal eine Spur bissiger. Bleibt mir nur zu sagen: Happy Birthday, lieber Oger! Nimm ein schönes Schlammbad und lass es dir gutgehen!


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2011 – Dreamworks/Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Cruella (2021)

Regie: Craig Gillespie
Original-Titel: Cruella
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Komödie, Krimi
IMDB-Link: Cruella


Zugegeben: Der Film war von Anfang an ein riskantes Unterfangen. Ein fiktives Biopic über die Hintergründe einer der fiesesten Disney-Bösewichte ever – das kann auf mehreren Ebenen fürchterlich in die Hose gehen. Zum Einen stellt sich die Frage: Wie kann man eine Figur so anlegen, dass der weitere Weg als Schurkin zwar nachvollziehbar ist, aber für die Dauer des Films dennoch die Figur genügend Sympathien vom Publikum einheimst, um als Hauptfigur interessant zu sein? Zum Anderen: Wie gelingt dieser Spagat, ohne dass tränendrüsenreich auf die Tube gedrückt wird und jene Cruella De Vil, die später so erbittert den herzigen Dalmatinern nachstellt, zur Karikatur wird? Hut ab vor Craig Gillespie und Emma Stone, die sich als kongeniales Duo bei der Umsetzung dieser schwierigen Aufgabe erweisen. Denn Emma Stone ist wohl die Idealbesetzung für diese Rolle, sie bringt die nötige Härte, die für die Rolle notwendig ist, genauso mit wie den Tropfen Unschuld, den es braucht, um eben Sympathien aufbauen zu können. Und Craig Gillespies Inszenierung ist makellos. Schon mit I, Tonya hat er gezeigt, dass er einen sehr erfrischenden Zugang zu konventionellen Biopics hat – und das stellt er in „Cruella“ erneut unter Beweis. Der Film ist temporeich erzählt, ohne aber in den richtigen Momenten vom Gas runterzugehen und den Figuren Raum zu lassen. Die zahlreichen Regieeinfälle unterstreichen das Geschehen auf der Leinwand perfekt, ohne zum Selbstzweck zu verkommen, die Ausstattung ist perfekt, die Kostüme sind es sowieso, wie es für einen Film über eine Modedesignerin auch zu erwarten war. Und als Gegenstück zu Emma Stones Estella, die erst zur Cruella werden muss, spielt Emma Thompson mit viel Freude eine überdrehte und kaltherzigere Version von Meryl Streeps Miranda Priestly aus Der Teufel trägt Prada. Auch Paul Walter Hauser, Joel Fry und Mark Strong sind gut besetzt und haben sichtlich ihren Spaß. Die ganze Energie überträgt sich dabei auf das Publikum, sodass die etwas mehr als zwei Stunden wie im Flug vergehen und man den Film am liebsten gleich noch mal sehen möchte. Ein unerwartetes Highlight meines bisherigen Filmjahres.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2019 – Disney, Quelle http://www.imdb.com)

The Woman in the Window (2021)

Regie: Joe Wright
Original-Titel: The Woman in the Window
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Thriller, Drama, Krimi
IMDB-Link: The Woman in the Window


Casting Agent: „Hallo, spreche ich mit Julianne Moore/Gary Oldman/Jennifer Jason Leigh/Brian Tyree Henry/Anthony Mackie?“
Moore/Oldman/Leigh/Henry/Mackie: „Am Apparat. Worum geht’s?“
CA: „Folgendes: Wir haben ja gerade Pandemie. Lockdown und so. Die ganze Filmindustrie ist gerade on hold. Aber der Joe Wright hat sich in den Kopf gesetzt, jetzt doch einen Film zu machen. Alles gedreht in einem einzigen Haus wegen Mindestabstand und so. Und da hätten wir für dich vielleicht eine Rolle.“
M/O/L/H/M: „Klingt interessant. Worum geht’s?“
CA: „Ist so ein Thriller. Ziemliche Standardkost. Aber es bringt ein bisschen Geld rein.“
M/O/L/H/M: „Okay. Wer ist denn noch dabei?“
CA: „Ein Nachwuchsdarsteller namens Fred Hechinger, ein echt netter Junge. Und Wyatt Russell, du kennst ihn vielleicht vom Eishockey. Und aus ‚The Falcon and the Winter Soldier‘, aber da kriegt er gerade echt viel Shit ab und so. Ach ja, die Hauptrolle übernimmt Amy Adams.“
M/O/L/H/M: „Ah, Amy ist toll! Ich bin ein großer Fan von ihr!“
CA: „Ja, der ganze Film dreht sich auch um ihren Charakter. So eine Kinderpsychologin, die selbst nicht alle Tassen im Schrank hat und so und deshalb das Haus nicht verlassen kann. Und dann sieht sie was Merkwürdiges im Nachbarhaus.“
M/O/L/H/M: „Ach, ihr macht ein Remake vom ‚Fenster zum Hof‘?“
CA: „Nein, das nicht. Also irgendwie doch. Aber mit mehr Mindfuck und so.“
M/O/L/H/M: „Hm … das klingt nicht sehr überzeugend.“
CA: „Na ja, ich sagte ja schon: Wird ziemliche Standardkost. Aber dem Joe Wright ist halt fad. Und für dich springt dabei auch eine kleine Rolle raus.“
M/O/L/H/M: „Wie klein?“
CA: „Also … ähm … na ja …“
M/O/L/H/M: „Sag schon!“
CA: „Na ja, man sieht dich vielleicht eine Minute oder so …“
M/O/L/H/M: „Shit. Das ist nicht viel. Und dafür soll ich mir einen Film antun, der nicht mal sonderlich interessant klingt?“
CA: „Aber es bringt Kohle.“
M/O/L/H/M: „Okay. Ich mach’s. Weil Amy Adams eine tolle Kollegin ist und Joe Wright eigentlich auch immer gute Filme macht. So schlimm kann es ja nicht werden.“
CA: „Cool! Ich schick dir dann gleich den Vertrag, danach kriegst du das Drehbuch.“
M/O/L/H/M: „Kann ich das Drehbuch bitte vorab sehen?“
CA: „Ähm … das wollen die Produzenten nicht, sorry.“
M/O/L/H/M: *seufzt* „Egal. Schick mir den Vertrag rüber. Ich bin dabei.“


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Old (2021)

Regie: M. Night Shyamalan
Original-Titel: Old
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Thriller, Horror, Drama, Fantasy
IMDB-Link: Old


So ein Traumurlaub kann schnell mal in einen Albtraum umschlagen. Man kennt das. Mieses Hotelessen. Schlechtes Wetter. Nervige Zimmernachbarn, die bis drei Uhr in der Früh laut Andreas Gabalier hören. Seeigeln. Diese verdammten Seeigeln! Oder aber, dass man auf einem traumhaften Strand binnen kürzester Zeit altert. Das ist natürlich blöd, denn auch wenn man sich oft wünscht, dass ein Urlaub ewig dauern möge – so ist das mit Sicherheit nicht gemeint. In M. Night Shyamalans neuem Film geht es aber genau darum. Das geschieht mit der Familie rund um Guy (Gabriel García Bernal) und Prisca (Vicky Krieps) sowie weiteren Leidensgenossen, die eigentlich nur eine nette Zeit unter karibischer Sonne verbringen wollten. Und mehr sei an dieser Stelle gar nicht verraten. Wollen wir uns auf den restlichen Zeilen lieber mit M. Night Shyamalan und seinem Zugang zu Filmen beschäftigen. Denn bei kaum einem anderen Regisseur streut die Qualität des Outputs dermaßen wie bei ihm. Einem Meisterwerk wie „The Sixth Sense“ stehen Gurken wie „The Lady in the Water“ gegenüber. „Old“ reiht sich tatsächlich irgendwo dazwischen ein. Das Rätselhafte, wofür Shyamalan steht und das er stets genüsslich zelebriert, ist durchaus interessant genug, um den Zuseher bei der Stange halten zu können. Schauspielerisch ist auch nicht viel Negatives zu sagen, Vicky Krieps ist ohnehin eine unverwechselbare Darstellerin, die in ihren Rollen sehr glaubhaft rüberkommt – ihr fehlt das Glatte, was vielen routinierten Hollywoodschauspieler:innen oft anhaftet. Auch Gabriel García Bernal sowie in weiteren Nebenrollen Rufus Sewell, Alex Wolff, Ken Leung, Nikki Amuka-Bird und vor allem Thomasin McKenzie (ich sag‘ euch ja schon seit Leave No Trace, dass ihr die im Auge behaltet sollt) machen ihre Sache gut. Die filmische Umsetzung ist auch nicht übel geraten – die Kamera mäandert oft recht ziellos am Strand daher und begleitet somit die Konfusion, die unter den überforderten Figuren immer mehr um sich greift. Natürlich wirkt das recht aufgesetzt, verfehlt aber nicht die Wirkung. Allein das Drehbuch hält da nicht Schritt. Logiklöcher, wohin das Auge reicht, teilweise sehr hölzerne, befremdlich wirkende Dialoge – all das hätte man eleganter lösen können. Unterm Strich ist „Old“ ein durchaus sehenswerter Thriller mit einer schönen Metaebene über das Altern, wenn man in Sachen Logik alle Augen inklusive Hühneraugen zudrücken kann.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Phobymo/Universal Pictures – © 2021 Universal Studios, Quelle http://www.imdb.com)

Shirins Hochzeit (1976)

Regie: Helma Sanders-Brahms
Original-Titel: Shirins Hochzeit
Erscheinungsjahr: 1976
Genre: Drama
IMDB-Link: Shirins Hochzeit


Helma Sanders-Brahms macht es ihren Zusehern mit ihrem nüchternen, distanzierten Zugang nicht einfach. Die Geschichte aber, die sie in „Shirins Hochzeit“ erzählt, weist viel emotionalen Sprengstoff auf – und hatte für die Beteiligten an dem Film ein überraschendes Nachspiel, nachdem türkische Nationalisten gegen den Film protestierten und sich das türkische Parlament persönlich mit dem Film auseinandersetzen musste. Wenn man einer nationalistischen Regierung dermaßen ans Bein pisst, dass es zu debattieren beginnt, muss man fast zwangsläufig etwas richtig gemacht haben. Helma Sanders-Brahms‘ Film ist jedenfalls einer der ersten, der sich aus türkischer Sicht mit dem Schicksal von Gastarbeiterinnen im Deutschland der 70er Jahre auseinandersetzte. Im Zentrum steht die junge Shirin (Ayten Erden) aus Anatolien, die dem in Deutschland lebenden Mahmud versprochen ist, aber an den Dorfverwalter verhökert wird. Kurzerhand ergreift sie die Flucht nach Köln, um dort nach Mahmud zu suchen. Doch der Weg ins vermeintliche Glück erweist sich als Sackgasse in den Abgrund. Helma Sanders-Brahms erzählt vom harten Los derjenigen, die ohne viele Perspektiven und mit geringen Sprachkenntnissen nach Europa kommen und dort feststellen müssen, dass Träume nur Träume sind und die Realität überall ihre Fallen aufgestellt hat. Wird sie in Anatolien von der männlichen Gesellschaft unterdrückt, ist es in Deutschland das kapitalistische System und der Zwang, sich darin zu behaupten, um zumindest genug Geld fürs Leben zu erwerben. In beiden Systemen ist Shirin als junge Frau ohne große Chancen. Diese Parallelität wirkt bedrückend und ist auch das Herzstück des Films. Erschreckend ist, dass fast fünf Jahrzehnte nach Erscheinen von „Shirins Hochzeit“ die Welt keine vollkommen andere ist. Und so entfaltet der Film auch heute noch seine Wirkung. Sichten kann man den Film übrigens auf DVD – er ist in der Edition Zweitausendeins Deutscher Film erschienen.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat:: Quelle http://www.imdb.com)

Luca (2021)

Regie: Enrico Casarosa
Original-Titel: Luca
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Animation
IMDB-Link: Luca


„My name is Luca. I live on the second floor … of the sea.“ Okay, wer hat jetzt noch einen Ohrwurm? Den jetzt mal schnell vergessen, denn es geht nicht um Suzanne Vega, sondern um das junge Meerungeheuer Luca, das von zuhause ausbüxt und mit Alberto einen neuen Freund findet – der ihm das Leben an der Oberfläche zeigt. Der größte Wunsch der beiden Jungs: Eine Vespa, die die Welt und Freiheit für die beiden bedeutet. (Gaaaanz unaufdringliches Product Placement, aber immerhin charmant in Szene gesetzt.) Um ihren Traum zu verwirklichen, schließen sie sich der quirligen Außenseiterin Giulia an, die beim alljährlichen Triathlon in der kleinen italienischen Küstenstadt ihren Erzrivalen Ercole besiegen möchte. Die Disziplinen: Schwimmen, Spaghetti essen und Radfahren. Der Preis: Genug Geld, um sich eine Vespa zu kaufen. Natürlich ist das alles nicht so einfach, vor allem für zwei junge Seemonster, die noch nicht viel von der Welt gesehen haben. Und dann gibt’s da noch Spannungen zwischen den beiden Jungs und Giulia. Freundschaften müssen neu verhandelt werden. „Luca“ ist ein leichtgewichtiger Pixar-Film, vor allem, wenn man ihn mit Meisterwerken wie Inside Out vergleicht. Man täte ihm aber Unrecht, ihn als Kinderfilm abzutun. Denn „Luca“ ist zwar eher als spaßiges Familienabenteuer gestrickt, hat aber dennoch genug Tiefgang (pun intended), um auch ein erwachsenes Publikum mitzureißen. Dazu ist der Film unfassbar schön anzusehen – bunt, lebendig, man meint, das salzige Meerwasser und die Fische riechen zu können, und durch und durch italienisch. „Luca“ bringt den Sommer ins Wohnzimmer. Und erzählt fast schon beiläufig eine stimmige Geschichte über Freundschaften und wie sich diese weiterentwickeln.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Chappie (2015)

Regie: Neill Blomkamp
Original-Titel: Chappie
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Science Fiction, Action
IMDB-Link: Chappie


Mit dem oscarnominierten „District 9“ hat Neill Blomkamp einen der besten Science Fiction-Filme der letzten 15 Jahre vorgelegt. Meine Erwartungshaltung an „Chappie“ war dementsprechend positiv. Darin geht es um einen Polizeiroboter, der ein Eigenleben, eine Seele entwickelt und lernen muss, sich in einer harten, unbarmherzigen Welt zu behaupten. Ihm dabei zur Seite steht ein Verbrecherduo (Yolandi und Ninja von der südafrikanischen Elektro-Band Die Antwoord) und der Wissenschaftler Deon Wilson (Dev Patel). Die Gegenseite besteht aus Hugh Jackman, der sichtlich Freude daran hat, mal böse sein zu dürfen, und Sigourney Weaver. Das Herzstück des Films ist aber der Roboter Chappie, der tatsächlich als Projektionsfläche für allerlei Emotionen funktioniert. So geht der Film in seinen besten Momenten auch sehr an die Nieren und reißt den Zuseher mit. Allerdings hat „Chappie“ drei gewaltige Probleme: Erstens: Man hat das alles schon in den 80ern Jahren in „Nummer fünf lebt“ gesehen. „Chappie“ wirkt fast schon wie ein Remake des Kultklassikers und hat wenig eigene Ideen. Zweitens: Die beiden Nasen von Die Antwoord können einfach nicht spielen, so lustig sie auch aussehen. Aber neben ihren oscarnominierten Kollegen Weaver, Jackman und Patel (auch wenn die in diesem Film keine Glanzrollen hinlegen) gehen sie nicht nur komplett unter, vielmehr stören sie oft auch das Filmgeschehen mit ihrem unbeholfenen Spiel. Und drittens: „Chappie“ weiß nicht, ob er ein Plädoyer für Diversität und Selbstbestimmung sein möchte, oder ein harter Actionkracher. Der Versuch, beides zu sein, geht daneben, denn dadurch wird der Film unrund und anstrengend. So bleibt es bei vielen guten Ansätzen, die aber insgesamt keinen sonderlich guten Film ergeben. Sehenswert ist „Chappie“ dennoch, aber er verschenkt eben viel Potential und kommt nie auch nur ansatzweise in die Situation, am Stuhl von „District 9“ als Blomkamps Meisterwerk zu sägen.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 2015 CTMG, Inc. All rights reserved. Courtesy of Columbia Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Eine bretonische Liebe (2017)

Regie: Carine Tardieu
Original-Titel: Ôtez-moi d’un doute
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Liebesfilm, Rom-Com
IMDB-Link: Ôtez-moi d’un doute


Und der Rosamunde-Pilcher-Award für den schnulzigsten Filmtitel 2017 geht an … *trommelwirbel* … „Eine bretonische Liebe“ von Carine Tardieu – der im Original natürlich anders heißt, aber der deutsche Filmverleih hat mal wieder ganze Arbeit geleistet, um das Heer von 60jährigen frankophilen Kaffeekranztanten ins Kino zu locken. Der Kürbis eures Vertrauens musste den Film zuhause auf der Couch nachholen. Und ich darf gleich mal Entwarnung geben: Der Film ist nicht mal halb so schnulzig, wie es der Titel suggeriert. Denn eigentlich geht es weniger um die Liebe, auch wenn die eine Rolle spielt, sondern mehr um Familie mit und ohne Blutsverwandtschaft. Denn der stoische Bombenentschärfer Erwan (François Damiens), der kurz davor steht, Großvater zu werden, erfährt, dass sein Vater gar nicht sein leiblicher Vater ist. Also macht er sich auf die Suche. Und wie so oft findet man auf der Suche selten das, wonach man eigentlich gesucht hat, sondern alles Mögliche. „Eine bretonische Liebe“ ist ein leichtfüßiger, durch und durch französischer Film, der von guten Darstellerinnern (wie Cécile de France und Alice de Lencquesaing) und Darstellern (allen voran André Wilms und Guy Marchand als Väter) getragen wird, und der vielleicht an manchen Stellen ein bisschen gar vorhersehbar ist, aber dennoch in sich stimmig wirkt. Allein Comic Relief Didier (Estéban), der vertrottelte Assistent von Erwan, passt nicht so ganz ins Bild und verhagelt einem einige Szenen, ehe er zum Ende hin dann doch ein bisschen ernster genommen wird. Insgesamt macht der Film mehr richtig als falsch, und die schöne bretonische Landschaft als Kulisse ist auch nie verkehrt. Lange hängenbleiben wird „Eine bretonische Liebe“ aber eher nicht, dazu ist er dann doch zu leichtgewichtig.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der Name der Rose (1986)

Regie: Jean-Jacques Annaud
Original-Titel: The Name of the Rose
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Drama, Historienfilm, Krimi
IMDB-Link: The Name of the Rose


Lasst uns mal über Europa reden. „Der Name der Rose“ ist eine hauptsächlich deutsche Produktion in englischer Sprache unter der Regie eines Franzosen mit einem Schotten in der Hauptrolle, basierend auf einem italienischen Roman. Ach ja, in Nebenrollen sind unter unter anderem ein Österreicher, ein Russe, ein Brite, einige Deutsche und US-Amerikaner zu sehen, und den Love Interest spielt eine Chilenin. Kann so ein Mash-Up gutgehen, vor allem, wenn der Roman, ein historischer satirischer Wälzer mit über 600 Seiten, ein literarischer Welterfolg war, der die Messlatte schon verdammt hoch angelegt hat? Ja, das geht. Denn Annaud und Produzent Bernd Eichinger machen alles richtig, indem sie nicht versuchen, das Buch mit dem Medium Film zu kopieren. Vielmehr verändern sie den Fokus auf die düstere Kriminalhandlung in der Benediktinerabtei, die der zu einem Disput angereiste Franziskaner William von Baskerville (perfekt besetzt mit Sean Connery) mit seinem Adlatus Adson von Melk (Christian Slater) zu lösen versucht. Die Mönche sterben wie die Fliegen in diesem ehrwürdigen Kloster, doch der Abt ist wenig begeistert davon, dass der logisch denkende Franziskanermönch der Wahrheit auf den Grund gehen möchte. Bald schon sind William und Adson selbst im Fokus des Killers. Und ein spannender Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wie gesagt, die Verfilmung von Annaud fühlt sich gänzlich anders an als die Romanvorlage von Umberto Eco. Diese ist ein satirisches Meisterwerk, in dem der große Philosoph und Intellektuelle Eco gegen religiöse Verbohrtheit und naive Gutgläubigkeit ins Feld zieht und diese auch ins Lächerliche zieht. In Annauds Film sind diese Spitzen schon noch vereinzelt zu erahnen, doch ist die Stimmung des Films weitaus düsterer, und die Handlung konzentriert sich eben auf eben den Hauptstrang der Mordserie, die es aufzuklären gilt. So gesehen verfolgen Film und Buch zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Puristen mag das vielleicht sauer aufstoßen, doch in meinen Augen hat man beim Film alles richtig gemacht, denn das Buch 1:1 zu verfilmen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit geworden. So aber ist „Der Name der Rose“ der vielleicht beste Mittelalterkrimi aller Zeiten.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Archive Photos/Getty Images – © 2012 Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)

Black Widow (2021)

Regie: Cate Shortland
Original-Titel: Black Widow
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Action, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Black Widow


Erst mal eine wichtige Einordnung: „Black Widow“ spielt im MCU unmittelbar nach „Captain America: Civil War“. Wer sich also auf das Solo-Abenteuer der russischen Superspionin Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) einlassen möchte, sollte im MCU-Universum zumindest bis dahin gekommen sein, denn sonst ist am Anfang alles ein wenig unklar. Aber wenn man mal die Anfangshürde übersprungen hat (oder einfach das bisschen Vorgeplänkel ignoriert, weil’s für die Story eh wurscht ist), findet man sich in einem actionreichen Abenteuer wieder, das vielleicht nicht unbedingt den Frontallappen des Großhirns anspricht, aber das limbische System auf eine Reise schickt. „Black Widow“ ist im MCU ein Zwischenteil, den man nicht haben muss, der auch nicht wirklich was zur großen Storyline beiträgt, aber für den sich die Kinokarte dennoch auszahlt, weil auf einer großen Leinwand in 3D mit einem Kübel Popcorn oder Nachos vor sich, fetzt Cate Shortlands Actionfilm auf jeden Fall. Dabei bleibt die Regisseurin, die hiermit ihr Blockbuster-Debüt gibt, in den Actionsequenzen sehr fokussiert und begeht nicht den Fehler, einfach nur ein großes Durcheinander zu produzieren. Auch liegt der Fokus stark auf den mit Florence Pugh, Rachel Weisz und David Harbour exzellent besetzten Nebenfiguren und ihrer Chemie mit dem Lack-und-Leder-Girl der Avengers. Einzig Ray Winstone als fieser Gegenspieler bleibt blass und austauschbar. Aber das Hauptaugenmerk liegen eben woanders: Zwischen dem Geknüppel wird darüber sinniert, was Familie bedeutet (und nein, das ist kein weiterer Beitrag zur aktuellen Fast & Furious-Meme-Flut im Internet). Als Thema vielleicht etwas beliebig, aber immerhin gut erzählt und vor allem von Florence Pugh auch glaubwürdig getragen. Auf die Logik muss man in einem solchen Film natürlich nicht schauen und physikalische Gesetze gelten hier bloß als Empfehlungen, auf die man nicht viel geben muss. Aber der Film unterhält, macht Spaß und gibt der geheimnisvollen Agentin, die lange Zeit als Sidekick von Tony Stark herhalten musste, endlich die Screentime, die sie verdient.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Jay Maidment/Jay Maidment – © Marvel Studios 2021, Quelle http://www.imdb.com)