Autor: Filmkürbis

Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn (2020)

Regie: Cathy Yan
Original-Titel: Birds of Prey (and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Birds of Prey (and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)


Als Mitglied des Suicides Squads bestach Margot Robbie als völlig durchgeknallte Harley Quinn sowohl im ersten als auch im zweiten Film und war quasi das verbindende Glied zwischen der David Ayer-Gurke und dem James Gunn-Trashfest. In „Birds of Prey“ unter der Regie von Cathy Yan ist sie nun auf Solopfaden unterwegs, nur um im Laufe des Films festzustellen, dass Freundschaften auch für Irre eine Wohltat sein können. Zunächst aber ist erst mal die Trennung vom Joker zu verdauen, und ganz ehrlich, wenn ich mir noch mal den völlig uncharismatischen Jared Leto-Joker aus dem ersten Suicide Squad-Film vor Augen halte, dann wundere ich mich schon ein bisschen, was sie an dem gefunden hat. Die Hyäne, die sie sich stattdessen anschafft, hat jedenfalls mehr gute Szenen als Jared Leto im ersten Film. Aber sei es, wie es sei, so eine Trennung hinterlässt Spuren – im Fall von Harley Quinn sind das Spuren der Verwüstung – und plötzlich befindet sie sich mitten in einer abenteuer- und explosionsreichen Suche nach einem Diamanten und muss sich um eine junge Kleptomanin kümmern, während ihr eine Polizistin, eine geheimnisvolle Armbrust-Jägerin, ein ziemlich verschenkter Ewan McGregor samt seiner Sängerin/Chauffeurin und ein paar rachsüchtige Kerle auf den Fersen sind. Der Rest ist unterhaltsames und gut gelauntes Actionkino mit dem bisschen Extra-Wahnsinn, den Margot Robbie einbringt. Die Formel funktioniert hier ganz passabel, auch wenn sie jetzt nicht sonderlich viele Kreativitätspunkte bringt und die Story selbst mehr eine Ausrede dafür ist, möglichst viele Schlägereien und Schießereien anzuzetteln. Immerhin darf mal geballte Frauenpower der Männerwelt den Arsch versohlen, und das tun die Damen mit viel Verve und coolen Sprüchen, die das auf der Leinwand/dem Bildschirm Gesehene so selbstverständlich macht, wie es in der heutigen Zeit eigentlich auch sein sollte.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat:: Quelle http://www.imdb.com)

Hannah Arendt (2012)

Regie: Margarethe von Trotta
Original-Titel: Hannah Arendt
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Biopic, Historienfilm
IMDB-Link: Hannah Arendt


Hannah Arendt gilt als eine der bedeutendsten Politologinnen und Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. Für eine massive Kontroverse sorgte ihr Bericht für den New Yorker über den Prozess gegen Adolf Eichmann. Dieser war in Argentinien gefasst und für seine NS-Verbrechen in Jerusalem vor Gericht gestellt worden. Während die ganze Welt gebannt auf den Prozess gegen diese Bestie schaute, kam Arendt zu dem Urteil, dass diese Bestie bloß ein Papiertiger war, der gehorsam Befehlen gehorchte, ganz gleich, welch unmenschliche Konsequenzen diese auch hatten. Sie kam damit zum Schluss der „Banalität des Bösen“ und hielt fest, dass die ganze Grausamkeit der Verbrechen des NS-Regimes darin lag, Menschen zu entmenschlichen und damit auch von persönlicher Verantwortung und Moral zu lösen. Harter Tobak? Aber sicher. Das muss auch die von Barbara Sukowa brillant gespielte Hannah Arendt am eigenen Leib erfahren, denn naturgemäß stoßen ihre Überlegungen vor allem in ihrem jüdischen Freundeskreis nicht auf Gegenliebe. Doch sie bleibt sich und ihren Prinzipien treu, auch wenn das zu Lasten langjähriger Freundschaften geht. Auf dieser Beharrlichkeit, auf dieses „Intellekt vs. Gefühl“-Dilemma, liegt Margarethe von Trottas Fokus in diesem sperrigen Biopic. Das ist schon ein Film zum Mitdenken, zum selbst Erarbeiten. Die Einspielungen der tatsächlichen historischen Aufnahmen aus dem Eichmann-Prozess machen die ganze Angelegenheit zu einer semidokumentarischen Abhandlung, was den Zugang einerseits noch mal etwas erschwert, andererseits dem Film eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht. Unterm Strich ist „Hannah Arendt“ Kino für den Kopf, bei dem der Bauch außen vor bleibt.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2013 – Zeitgeist Films, Quelle http://www.imdb.com)

Me, We (2021)

Regie: David Clay Diaz
Original-Titel: Me, We
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Episodenfilm
IMDB-Link: Me, We


Anderen Menschen in Not zu helfen ist eine hehre Sache. Wir Menschen sind gerne füreinander da, und oft nehmen wir auch große persönliche Unannehmlichkeiten in Kauf, um anderen Menschen in Not zu helfen. Doch mit dem Altruismus ist es so eine Sache, wenn der Wille, zu helfen, über die Notwendigkeit, das zu tun, was tatsächlich angebracht wäre, gestellt wird. Wenn man die Hilfe deshalb leistet, weil man sich damit besser fühlt, weil man sich damit besser darstellen kann. Der Ansporn zu helfen kann dennoch einer inneren Überzeugung entstammen, aber als unterschwelliges Ziel schwingt vielleicht mit, sich selbst in einem besseren Licht zu sehen. Diesen psychologischen Grenzgang lotet David Clay Diaz in seinem Episodenfilm „Me, We“ aus. Drei der vier zentralen Figuren seiner Episoden sind sicherlich Altruisten und leisten bewundernswerte Arbeit – sei es der Asylheimleiter Gerald, die NGO-Volontärin Marie, die TV-Redakteurin Petra, die einen asylwerbenden Jugendlichen bei sich aufnimmt, und auch beim Jugendlichen Marcel, der Mädels beim Fortgehen vor Übergriffen schützen möchte, kann man zumindest Motive herauslesen, die über eigene Bedürfnisse hinausgehen – aber irgendwann funkt ihnen ihr Ego dazwischen und die Hilfe, die sie leisten, wird mehr zur Selbstverwirklichung. Am Papier klingt alles immer super, aber die Realität (und die eigene Psyche) ist halt oft komplexer, als man sich das eingestehen möchte. Wie bei den meisten Episodenfilmen sind nicht alle Episoden gleich stark, aber zumindest sind sie durch die Bank grandios besetzt und gespielt. Lukas Miko glänzt in einem starken Ensemble besonders, doch auch Verena Altenberger, Barbara Romaner und vor allem Nachwuchshoffnung Alexander Srtschin als heimattreuer Jugendlicher setzen starke Akzente. Bemängeln kann man allerdings den Schnitt – die Episoden sind hektisch zusammengeschnitten. So braucht es eine Weile, bis man sich zurechtfindet und den roten Faden erkennt. Ist der aber gefunden, gibt der Film inhaltlich genug her, um intensiv diskutiert zu werden – und das ist ja nicht das Schlechteste, was nach einem Kinobesuch passieren kann.


6,5 Kürbisse

(Foto: Filmladen Filmverleih)

Free Guy (2021)

Regie: Shawn Levy
Original-Titel: Free Guy
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Komödie
IMDB-Link: Free Guy


Manche Rezepte sind wirklich einfach. Zum Beispiel jenes für Shawn Levys Komödie „Free Guy“: Man mixe Ready Player One mit „Stranger Than Fiction“, würze das mit ein wenig „The Truman Show“ und füge viel Ryan Reynolds (pur, nicht verwässert oder mit anderen Ingredienzen gestreckt) hinzu, und schon schmeckt die Suppe. Ein Level-Up für besondere Kreativität gibt es nicht, aber immerhin prächtige Unterhaltung mit einem grundsympathischen und beherzt aufspielenden Cast (darunter der aus „Stranger Things“ bekannte Joe Keery, ein überdrehter Taika Waititi oder Jodie Comer als Namen, den man sich merken muss – und wenn die Prognosen Recht behalten, dürfen wir sie dank ihrer Rolle im kommenden „The Last Duel“ auch in einigen Monaten während der Award-Season öfter mal unter den Nominierten sehen). Worum geht’s? Ganz einfach um einen NPC (Non Playing Character) eines Open World-Computerspiels, der eines Tages ein Eigenleben entwickelt und feststellt, dass er mehr sein möchte als nur eine sich stetig wiederholende Randfigur. Dass er zu dieser Einsicht kommt, verdankt er dem attraktiven MolotovGirl, das seine Codes ordentlich durcheinanderbringt. Diese ist in der Spielewelt Free City in eigener Mission unterwegs, und schon bald überschlagen sich die Ereignisse, und es geht um nichts Anderes als das digitale Überleben. Wie gesagt, die Idee – so witzig sie auch ist – erinnert schon sehr an die vorhin genannten Filme. Dennoch ist das alles so charmant und unterhaltsam umgesetzt, dass das nicht weiter stört. Im Gegenteil – in seinen stärksten Momenten entwickelt der Film die Ideen der Vorlagen weiter und ist da noch mal ein Stück weit konsequenter. Alles steht und fällt aber natürlich mit der Hauptfigur Guy, die bei Ryan Reynolds in den besten Händen ist. Der Mann wurde einfach geboren für solche Rollen: ein bisschen verpeilt, mit naivem Hundeblick und einem unschuldigen Lächeln auf den Lippen, während die Welt um ihn herum explodiert. Etwas anderes wollen wir eigentlich auch gar nicht von ihm sehen. Womit wir wieder bei den eingangs erwähnten einfachen, aber schmackhaften Rezepten wären.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat:: Photo by Alan Markfield/Photo by Alan Markfield – © 2020 Twentieth Century Fox Film Corporation, Quelle http://www.imdb.com)

The Suicide Squad (2021)

Regie: James Gunn
Original-Titel: The Suicide Squad
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Action, Fantasy, Komödie
IMDB-Link: The Suicide Squad


Die erste Selbstmordmission war ja nur dahingehend erfreulich, als dass Margot Robbie als Harley Quinn mal richtig die Sau rauslassen konnte. James Gunn, der schon das Anarcho-Team von The Guardians of the Galaxy von der Leine ließ, dachte sich wohl: So etwas will ich auch! Der Rest ist sozusagen (Film-)Geschichte. Denn was James Gunn und sein Team im neuen „Suicide Squad“-Film aufführen, ist der vielleicht blutigste, anarchischste und albernste Spaß seit Jahren. Wie vergessen ist der erste Film von David Ayer und alles, was er falsch gemacht hat. Dieses Suicide Squad ist das, was wir alle sehen wollten: Ein herrlich verschrobenes Team von Außenseitern, das auf alle Konventionen und Regeln pfeift, einfach sein Ding durchzieht und gerade dadurch die einzige Chance der Menschheit aufs Überleben darstellt. Da werden auch schon mal Kollateralschäden erzeugt, und ja, vielleicht hat man ein bisschen ein schlechtes Gewissen dabei, aber diese Typen sind nun mal nicht durch eine Schule von Loyalität und Ehre gegangen, die sterben nicht aufrecht und dabei die amerikanische Hymne singend, sondern mit einem dreckigen Witz auf den Lippen und dem Versuch, noch einen möglichst großen Schaden anzurichten, wenn man schon selbst ins Gras beißen muss. James Gunn scheißt sich hier nichts im allerbesten Sinne. Da werden Sehgewohnheiten durcheinandergebracht, und die dämlichsten Figuren in die Schlacht geschickt, die man sich vorstellen kann – aber er kommt damit durch, weil sich diese unbändige Freude, die er mit dem Film hat, weil sich all die Energie, die alle Beteiligten einbringen, direkt aufs Publikum überträgt. Am Ende kann jeder ein Superheld sein, und nach all dem Marvel-Heroismus (so fein der auch war), ist das Suicide Squad wohl das Team, das es jetzt zur Abwechslung braucht.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat:: Quelle http://www.imdb.com)

Suicide Squad (2016)

Regie: David Ayer
Original-Titel: Suicide Squad
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Action, Fantasy
IMDB-Link: Suicide Squad


Bislang ist ja das Suicide Squad immer fröhlich an mir vorbeigegangen, aber in Vorbereitung für den neuen Film von James Gunn, der meinen Kollegen vom Filmgenuss so begeistert hat, habe ich mir das Spektakel von David Ayer aus dem Jahr 2016 doch noch reingezogen. Gleich vorweg: Das hätte ich mir durchaus sparen können. Nicht nur, dass die Sichtung des Films aus 2016 unnötig ist für ein Verständnis des neuen Films, der eher als Reboot denn als Fortsetzung platziert ist, aber die investierte Lebenszeit hat auch schon mal einen besseren Ertrag gebracht als hier. Denn abgesehen von einem wie immer sympathischen Will Smith, der nicht mal als Böser böse sein kann, und einer herrlich überdrehten Margot Robbie, funktioniert wenig in diesem Film. Die Geschichte ist nicht nur dünn, sondern auch relativ deppert, aber das könnte man ja noch verzeihen, wenn die Action stimmen würde. Tut sie aber nicht. Stattdessen ist gerade der finale Showdown eine inszenatorische Gurke der Extraklasse. Die 90er haben angerufen, sie wollen ihre Spezialeffekte zurück. Und dann noch ein komplett verschenkter Jared Leto als Joker. Erstens spielt er für den Film eine erstaunlich geringe Rolle – es ist wirklich wurscht, ob er von der Leinwand herabgrinst oder nicht. Und zweitens ist er einfach kein guter Joker, das muss man, so hart es angesichts eines Kalibers wie Jared Leto auch ist, ganz klar sagen. Sein Joker ist weder furchteinflößend noch unberechenbar oder verstörend, er ist einfach nur ein Freak mit grünen Haaren und hohen Zahnarztrechnungen. Und so lautet die einfache Antwort, ob man den ersten Suicide Squad-Film gesehen haben muss, um den aktuellen Film, der gerade im Kino läuft, genießen zu können: Nein, muss man definitiv nicht.


4,0 Kürbisse

(Bildzitat:: Quelle http://www.imdb.com)

Django Unchained (2012)

Regie: Quentin Tarantino
Original-Titel: Django Unchained
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Western
IMDB-Link: Django Unchained


Es gibt viele Regisseure, auf die ich große Stücke halte. Aber neben Wes Anderson und vielleicht noch Christopher Nolan und Paul Thomas Anderson fällt mir keiner ein, der ausschließlich großartige Filme gedreht hat. Außer Quentin Tarantino. Und ja, ich weiß, dass da vor allem bei seinen jüngeren Filmen die Meinungen manchmal etwas auseinandergehen, aber für mich gehören die alle zum cineastischen Kanon des 20./21. Jahrhunderts. „Django Unchained“ aus dem Jahr 2012 reiht sich da selbstverständlich ein. Es ist dieser unfassbare Zitate-Schatz bei einer gleichzeitig komplett eigenen Erzählweise und filmischen Herangehensweise, der Tarantino-Filme so auszeichnet. Man hat das Gefühl, dass Tarantino jeden Film gesehen hat, der jemals gedreht wurde, und bei den meisten davon auch noch auswendig mitreden kann. In „Django Unchained“ feiert Tarantino das Western-Genre mit all seinen Elementen, Topoi und auch Klischees. Dennoch ist der Film weit mehr als eine Hommage. Dafür sorgen allein schon mal die schauspielerischen Kapazunder, die wie immer in Tarantino-Filmen perfekt besetzt sind: Jamie Foxx als Django Freeman, Christoph Waltz in einer Variation seiner Rolle aus „Inglorious Basterds“, die aber dennoch eigenständig genug ist, um den zweiten Oscar-Gewinn jedenfalls zu legitimieren, Leonardo DiCaprio als finsteren Sklavenhalter mit Temperament, und mein persönliches Highlight: Samuel L. Jackson mit einer der besten Darstellungen seiner gesamten Karriere. Wenn also der ehemalige Sklave Django und der deutsche Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (nicht zu vergessen: sein Pferd Fritz) ausziehen, um die Angetraute von Django zu befreien, dann hat das in allen Belangen die höchste Qualität, die man filmisch erreichen kann. Zwar fällt dann der Teil vor dem großen Finale ein wenig ab, aber die vielen wundervollen und denkwürdigen Momente auf dem Weg dahin sprechen für sich. Das ist ganz großes Kino, wie es nur von Quentin Tarantino kommen kann.


8,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Andrew Cooper, SMPSP – © 2012 – The Weinstein Company, Quelle http://www.imdb.com)

101 Dalmatiner (1961)

Regie: Clyde Geronimi, Hamilton Luske und Wolfgang Reitherman
Original-Titel: One Hundred and One Dalmatians
Erscheinungsjahr: 1961
Genre: Animation
IMDB-Link: One Hundred and One Dalmatians


Wer Cruella sagt, muss auch „101 Dalmatiner“ sagen. Sechs Jahrzehnte, bevor Emma Stone den Werdegang der dämonischen Modedesignerin nachzeichnen durfte, schickte Disney die beiden entzückenden Dalmatiner Pongo und Perdita auf eine abenteuerliche Reise, um ihren Nachwuchs und ein paar unverhoffte Freunde aus den Klauen eben jener Cruella de Vil zu retten. Technisch probierte man hier Neues aus, nämlich ein Fotokopie-Verfahren, das den Produktionsprozess beschleunigen konnte, jedoch im Ergebnis zu starke Kompromisse erforderte, um sich wirklich auf Dauer durchzusetzen. Und ja, die Animationen selbst sind wohl aus heutiger Sicht die größte Schwäche des Films, denn diese wirken flach und irgendwie leblos, was eben dem Verfahren geschuldet ist. Allerdings ist Disney eben Disney, und so kann der Klassiker mit einer süßen und gleichermaßen aufregenden Geschichte sowie liebevoll skizzierten Figuren … nun ja … punkten. Vor allem ab dem Zeitpunkt, wenn Pongo und Perdita ausrücken, um ihre Kleinen zu suchen, und Unterstützung erfahren durch den alten Wachhund Colonel, der Katzen Sergeant Tibs und dem Captain, ein trittsicheres Arbeitspferd, nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf und kann auch heute noch bestens unterhalten. Da fällt es auch weniger ins Gewicht, wenn Cruella de Vil zwar eine der bösesten Schurkinnen des ganzen Disney-Universums ist, aber ihre Motivation und Hintergründe komplett im Dunkeln bleiben und sie damit kaum greifbar wird – das hat Disney in vielen anderen Filmen deutlich besser gelöst. Dennoch ist und bleibt „101 Dalmatiner“ bei allen kleineren Schwächen ein Spaß für die ganze Familie, der von Generation zu Generation weitergereicht werden sollte.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die Herzogin (2008)

Regie: Saul Dibb
Original-Titel: The Duchess
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Historienfilm, Biopic, Drama
IMDB-Link: The Duchess


Die zehn Gebote sind soweit allgemein bekannt. Weniger bekannt ist das elfte Gebot für Filmschaffende: „Du sollst Keira Knightley in historischen Kostümdramen besetzen.“ Und da Gebote ernst zu nehmen sind, spielt Keira Knightley in Saul Dibbs Historiendrama die titelgebende Herzogin Georgina Cavendish of Devonshire, Mode-Ikone ihrer Zeit und Gebärmaschine für den Duke (Ralph Fiennes, der in Historienfilmen auch nie fehlplatziert wirkt), der sich nichts sehnlicher wünscht als einen männlichen Erben – und den Beischlaf mit allen Damen in seinem Einflussbereich, die bei drei nicht auf den Bäumen sind. Letzteres hat er ja selbst in der Hand, für Ersteres ist das Mitwirken der Angetrauten hingegen unerlässlich. Und so sehr sich diese auch abmüht mit der Aufgabe, es kommen halt nur Mädels aus ihr heraus, was der Göttergatte mit der Zeit persönlich nimmt. „Die Herzogin“ ist ein langsam aufgebautes, eher subtil gespieltes Drama rund um familiäre Probleme, Erwartungshaltungen, Eifersucht und Leidenschaft, das hintersinnig aber die Rolle der Frau zur damaligen Zeit auf eine Weise beleuchtet, dass man ohne große Anstrengung diese in die heutige Zeit transferieren kann. Auch wenn sich natürlich seit damals viel geändert hat, diese patriarchalischen Strukturen, die der Film offenlegt, kann man auch heutzutage vielerorts noch nachzeichnen. So behandelt der Film (leider) immer noch recht aktuelle Themen, ohne diese aber dem Publikum direkt ins Gesicht zu watschen. Allerdings schlägt das gemäßigte Tempo an manchen Stellen in Langeweile um. Man muss schon konzentriert bei der Sache bleiben, um dem Film die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er verdient.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2008 Paramount, Quelle http://www.imdb.com)

The Ides of March – Tage des Verrats (2011)

Regie: George Clooney
Original-Titel: The Ides of March
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Thriller, Politfilm, Drama
IMDB-Link: The Ides of March


Es gibt ein paar Berufe, die wären nichts für den Filmkürbis eures Vertrauens. Lobbyist zum Beispiel. Oder Strafverteidiger. Oder auch Wahlkampfmanager. Alles Berufe, für die man zumindest eine dehnbare Ausprägung an Moralvorstellungen mitbringen muss, ansonsten zerfrisst einem das eigene Tun die Seele. Der junge Stephen Meyers (Ryan Gosling) erfährt dies so nach und nach in George Clooneys „The Ides of March – Tage des Verrats“. Darin spielt er einen Wahlkampfmanager für den von Clooney selbst gespielten demokratischen Präsidentschaftskandidaten Mike Morris. Und auch wenn es sich erst noch um die Vorwahlen der Demokraten handelt, so muss Meyers bald feststellen, dass auch hier schon mit allen Mitteln, auch schmutzigen, gespielt wird. So wird er vom Wahlkampfmanager (Paul Giamatti) des ersten Herausforderers kontaktiert, der das junge politische Talent kurzerhand abwerben möchte. Das gefällt Meyers Boss Paul Zara (der selige Philip Seymour Hoffman einmal mehr mit einer überzeugenden Darstellung) nicht sonderlich, und die Kaskade der Ereignisse führt zu einem politischen Katz-und-Maus-Spiel, bei dem am Ende keiner mehr weiß, an welcher Stufe der Nahrungskette er steht. „The Ides of March – Tage des Verrats“ ist ein spannender Beitrag zur Perversion politischer Wahlen und deren Beeinflussbarkeit durch die Steuerung der Medienlandschaft. Dass die Realität die Fiktion mal mit Karacho rechts überholen würde durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, hätte damals, als „The Ides of March“ gedreht wurde, wohl auch niemand gedacht. Insofern ist das Bild, das George Clooney in seinem Film vermittelt, erschreckend akkurat. Dieser Film wird in den kommenden Jahren wohl nichts von seiner Relevanz einbüßen. Leider.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Saeed Adyani – © 2011 IDES FILM HOLDINGS, LLC., Quelle http://www.imdb.com)