Autor: Filmkürbis

Rot (2022)

Regie: Domee Shi
Original-Titel: Turning Red
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Animation
IMDB-Link: Turning Red


Pixar sieht Rot. Irgendwie scheint seit Soul ein wenig das Mojo verlorengegangen zu sein. Nicht, dass der neueste Streich aus der Animationsschmiede, das bunt-knallige „Rot“, ein schlechter Film wäre, aber das, was Pixar von anderen Animationsstudios bislang unterschieden hat, nämlich das Gleichgewicht von komplexen Inhalten, die auch Erwachsene zum Nachdenken bringen, neben einer fantasievollen Animation, die auch die Kleinen mitreißt, scheint aus der Balance geraten zu sein. „Rot“ ist ein Film, der Kindern im zielgruppengerechten Alter sicherlich großen Spaß macht, und ja, auch Erwachsene können sich an der Geschichte der Migrantentochter Meilin, die in der Pubertät lernen muss, ihren inneren Panda zu zähmen, durchaus erfreuen, aber Pixar richtet sich hier eben ganz ausdrücklich an Kinder und darunter vor allem Mädels im Alter von 8-12 Jahren. Der Film bereitet sie gut auf die Wirrnisse der Pubertät vor, durch die jede/r von uns einmal gehen muss. Pädagogisch wertvoll, nennt man das. Aber warum beschleicht mich dennoch das Gefühl, dass „Rot“ irgendwie nur eine Art Zwischenfilm ist, um die Lücken zwischen komplexer konzipierten Meisterwerken zu füllen? Vielleicht liegt es auch nur an der Art der Animation, die sich an japanischen Anime a la „Heidi“ oder „Mila Superstar“ mit ihren Pausbäckchen und riesengroßen Mündern orientiert, die es mir schwermacht, in diesen Film hineinzufinden. Das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau, denn, wie gesagt, der Film unterhält ja, ist kurzweilig und bringt eben auch noch eine wichtige Botschaft zu Selbstakzeptanz mit ein. Aber verglichen mit früheren Meisterwerken wirkt der Film ein wenig klobig, und die Rasanz und Lautstärke scheinen über kleinere inhaltliche Schwächen hinwegtäuschen zu wollen. Pixar, das geht besser.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Walt Disney Studios, Quelle http://www.imdb.com)

Der Tinder-Schwindler (2022)

Regie: Felicity Morris
Original-Titel: The Tinder Swindler
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: The Tinder Swindler


In Schillers „Lied von der Glocke“ heißt es: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet / Ob sich das Herz zum Herzen findet“. Eine bekannte Abwandlung des Spruchs lautet: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet / Ob sich nicht was Bess’res findet.“ Pernilla, Cecilie und Ayleen können die inhaltliche Wahrheit dieses Spruches durchaus bestätigen. Ein kurzer Swipe nach rechts, und schon kann das Leben eine unerwartete Wendung nehmen, und das nicht immer zum Positiven. Was, wenn sich der Traummann, ein smarter, charismatischer Millionärssohn, der in seinem Privatjet quer über den Globus düst, als Schwindler herausstellt? Simon Leviev nennt sich dieser Herzensbube, und seine Masche ist so ausgefeilt wie abgefeimt, dass einem die Spucke wegbleibt. Die porträtierten Frauen wirken durchaus geerdet und mit Hausverstand gesegnet – und dennoch konnte sie besagter Simon Leviev um den Finger wickeln. Felicity Morris geht in ihrer Netflix-Dokumentation den Machenschaften dieses Oberschurken nach, erzählt durch seine Opfer, nachgezeichnet anhand von Text- und Sprachnachrichten und einer akribischen Recherche quer durch Europa. Was sich als Bild herauskristallisiert, ist, als wäre Frank Abagnale Jr. aus Catch Me If You Can auf die unsägliche, manipulative Pick-Up-Szene gestoßen und mit dieser zu einem widerlichen Schleimbatzen verschmolzen, der die tiefsten, menschlichen Gefühle missbraucht, um zu Reichtum zu kommen. Insgesamt eine sehr lehrreiche Dokumentation, wenngleich das Ende auch recht unbefriedigend wirkt – aber auch das gehört wohl zur Lektion, die man daraus lernen kann, dazu.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: 2021 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Das Pech eines Fotografen (1908)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Les malheurs d’un photographe
Erscheinungsjahr: 1908
Genre: Kurzfilm
IMDB-Link: Les malheurs d’un photographe


Gutes Personal ist schwer zu finden. Diese Erfahrung muss auch der Fotograf machen, der eine Gesellschaft in lustiger Gewandung fotografieren möchte. Alle sind gut drauf, die Vorbereitungen und Kostümproben laufen, doch dem Gehilfen im Hintergrund sieht man schon an: Der ist auf Schabernack aus. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Für einen kurzen Moment beschäftigt sich der gewissenhafte Fotograf zu sehr mit seinen Gästen und lässt die Kamera aus den Augen, und schon hat sich der Gehilfe mit dem eigenartigen Sinn für Humor daran zu schaffen gemacht. Diese Kurzrezension des Films von Georges Méliès kommt ein wenig zu spät – die wäre am 1. April angebrachter gewesen. Aber sei’s drum, trauern wir nicht verpassten Gelegenheiten nach, sondern lieber, dass so wenige die Filme von Georges Méliès kennen. Das zu ändern ist auch ein wenig meine Mission hier auf diesem Blog. Zwar ist „Das Pech eines Fotografen“ nicht unbedingt zu Méliès‘ Meisterwerken zu zählen, sondern eher ein eher lauer Sketch, der nicht einmal sonderlich gut andeutet, wie viel Witz und Genie Méliès in seine Filme gesteckt hat, aber nicht jeder Gag kann zünden, nicht jeder Film kann unterhalten. Wir sind hier immer noch in den Pionierjahren des Kinos unterwegs, und natürlich muss man solche Filme auch mit den Augen jener Zeit betrachten, um zu einem fairen Urteil zu kommen. (Aber fair enough: Der Film ist dennoch einer der schlechteren von Méliès.).


5,0 Kürbisse

The Batman (2022)

Regie: Matt Reeves
Original-Titel: The Batman
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Action, Thriller
IMDB-Link: The Batman


Comicverfilmungen waren mal bunt, schräg, durchgeknallt und unglaublich trashig. Spätestens seit der Dark Knight-Trilogie von Christopher Nolan weiß man, dass es auch anders geht, dass Comics auch düster und erwachsen und brutal sein können. Aber „The Batman“ von Matt Reeves, der schon am Regiestuhl der neuen Planet der Affen-Trilogie geglänzt hat, ist Grunge pur. Da ist es nur konsequent, wenn Nirvana den Soundtrack begleiten. Den ganzen Dreck, die auf Emo geschminkte Augenpartie von Robert Pattinson, die dunklen, verregneten Ecken der Stadt (man fühlt sich zeitweise an Blade Runner erinnert) beiseitegelassen, bietet dieser Batman allerdings keine überraschenden neuen Erkenntnisse. Batman ist immer noch der einsame Rächer in der Nacht, die Gefährten und Gegner (The Riddler, der Pinguin, Catwoman, Lieutenant Gordon) immer noch das gleiche Personal – hier zollt man der Comicvorlage sichtlich Tribut. Es ist halt alles nur ein wenig dreckiger und realistischer. Dazu passt auch, dass es zwar ein hochfrisiertes Auto als Batmobil gibt, das aber zuweilen etwas Startschwierigkeiten hat und außer ordentlich Wumms unter der Motorhaube ansonsten nicht viel bietet. Wenn es mal abhebt, dann nicht aufgrund einer supermodernen Flugtechnologie, sondern einfach, weil es manchmal chaotisch auf den Straßen hergeht, vor allem, wenn ein Massenauffahrunfall mit LKWs eben diese blockiert und einer der schleudernden LKWs eine eher zufällige Rampe anbietet. Was man auch sagen kann: Trotz seiner Laufzeit von 3 Stunden wirkt „The Batman“ nie langatmig oder gar langweilig. Die Geschichte ist gut aufgebaut und spannend erzählt, und Matt Reeves gibt seinem Batman auch Raum abseits von Prügeleien den dunklen Machenschaften, die sich sein sinisterer Gegenspieler so ausgedacht hat. Die ruhigen Stellen sind die Momente, in denen Robert Pattinson besonders glänzen kann. Und ja, wir müssen über ihn reden. Denn als Grunge-Batman ist er schlicht großartig. Sehr ernst, sehr traumatisiert, die schwierige Kindheit muss gar nicht erzählt werden, die merkt man seinem Batman jeder Bewegung an. Als Alter Ego Bruce Wayne hat Pattinson zu wenig Spielzeit für eine seriöse Bewertung, aber als finstere Fledermaus ist er eine Idealbesetzung. Noch kommt er bei mir nicht ganz an Christian Bale heran, der einfach auch ein fantastischer Bruce Wayne war, aber besetzungstechnisch macht „The Batman“ alles richtig. Und apropos Besetzung: Versucht mal, ohne zu googeln, herauszufinden, wen Colin Farrell spielt. Ich wittere eine Oscar-Nominierung für die beste Maske.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: Courtesy of Warner Bros. Picture – © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

The Adam Project (2022)

Regie: Shawn Levy
Original-Titel: The Adam Project
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: The Adam Project


Shawn Levy und Ryan Reynolds – das funktioniert. In Free Guy haben der Regisseur und der unerwartete Superstar schon auf höchst unterhaltsame Weise kollaboriert, und „The Adam Project“, ihr nächstes gemeinsames Baby, stürmt via Netflix die Streaming-Charts weltweit. Inhalt und Cast lesen sich auch vielversprechend: Cooler Typ (Ryan Reynolds wie immer als Ryan Reynolds) aus der Zukunft trifft via Zeitreise auf sein 12jähriges Ich (Jungdarsteller Walker Scobell spielt gekonnt einen jungen Ryan Reynolds, der mal Ryan Reynolds spielen wird), und gemeinsam müssen die zukünftige Katastrophen abwenden. Mit dabei: Hollywoodgrößen wie Jennifer Garner, Mark Ruffalo, Zoe Saldana und Catherine Keener. Klingt nach einem gemütlichen Popcorn-Abend. Und ja, auf dieser Ebene funktioniert der Film auch. Kopf ausschalten, Popcorn reinschieben und entspannen. Konzentriert bei der Sache bleiben muss man nicht, denn man kann sich darauf verlassen, dass die Handlung bei jeder Kreuzung genau dort abbiegt, wo man es auch erwartet. Aber okay, das muss noch kein Qualitätskriterium sein. Wirklich ärgerlich ist, dass der Film sein Zeitreisethema komplett verschenkt. Dass der alte Ryan Reynolds aus der Zukunft kommt, ist tatsächlich für die Handlung des Films irrelevant. Der Film könnte exakt genauso funktionieren, wenn Reynolds Adam einfach nur ein Geheimagent wäre, der irgendwas in die Luft sprengen muss und von einer bösen Macht gejagt wird. Ein Bewerbungsschreiben für den nächsten James Bond ist das aber dennoch nicht – dafür ist Reynolds eben zu sehr Reynolds. Der Film verlässt sich zu sehr auf seinen Charme und seine derzeitige Strahlkraft, um das Publikum vor den Fernseher zu bekommen. Ein vernünftiges Drehbuch hätte dem Film aber gutgetan. So ist „The Adam Project“ einfach nur Netflix-Durchschnittskost, die schon bald wieder vergessen sein wird – Platz 1 in den Streaming-Charts hin oder her.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Unterwasserbesuch der Maine (1898)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Visit sous-marine du „Maine“
Erscheinungsjahr: 1898
Genre: Kurzfilm
IMDB-Link: Visit sous-marine du „Maine“


Wieder einmal Georges Méliès. Ihr wisst ja mittlerweile, ich mag diesen französischen Pionier der Filmkunst sehr gerne. Er fand für viele filmische Probleme, die allesamt neu waren in einer Zeit, als das Medium erst gerade erfunden worden war, kreative Lösungen. Im Fall des etwa einminütigen Films „Unterwasserbesuch der Maine“, in dem drei Taucher zu einem Schiffswrack abtauchen und von dort einen Leichnam bergen, galt es die Frage zu beantworten, wie man eine Unterwasserwelt darstellen kann. Von wasserdichten Kameras war man ja logischerweise noch ein paar Jahrzehnte entfernt. Méliès löste das Problem, in dem er einfach ein Aquarium zwischen Set und Kamera aufstellte. Der Film ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Méliès die Anfangszeit des Kinos geprägt hat, indem er auch vor „unfilmbaren“ Ideen nicht zurückschreckte, sondern diese Ideen mit etwas Hirnschmalz doch auf die Leinwand bringen konnte. Der Film selbst ist nur mäßig spannend, um es höflich zu formulieren. Aber die Kreativität bleibt.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

The Social Network (2010)

Regie: David Fincher
Original-Titel: The Social Network
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama, Biopic
IMDB-Link: The Social Network


Der heißeste Scheiß im Internet altert nicht unbedingt gut. 2003 hatte David Zuckerberg die Idee zu Facebook, im Jahr 2010 zeichnete niemand Geringerer als David Fincher nach einem Drehbuch von Aaron Sorkin den rasanten Aufstieg dieses sozialen Mediums im Kino nach und jetzt, 2022, sind die undankbaren Gfraster von werberelevanten Kids schon längst in anderen Netzwerken wie TikTok und Snapchat (wobei auch das schon wieder ein alter Hut ist) unterwegs. Nur knapp 40jährige Filmkritiker und deren Elterngeneration schauen gelegentlich noch bei Facebook vorbei, um Videos von singenden Katzen zu verbreiten … *hüstel*. Mark Zuckerberg wird’s wurscht sein. Er gehört immer noch zu den zehn reichsten Menschen der Welt, und wir reden hier von einem Vermögen von etwa 70 Milliarden Dollar. Anders gesagt: 70.000 Millionen Dollar. In Zahlen: Fucking 70.000.000.000 US-Dollar. Nicht schlecht für etwas, was als besoffene Geschichte begann, weil ihn die Freundin (zu Recht) abschoss. Da wird es der reale Zuckerberg auch verkraften, dass es Jesse Eisenberg in der Hauptrolle und das Gespann Sorkin/Fincher es nicht darauf anlegen, ihn sonderlich sympathisch darzustellen. Nein, der fiktive Zuckerberg in „The Social Network“ ist ein Arschloch, der nur seinen Erfolg im Kopf hat, während das eigentlich relevante soziale Netzwerk, nämlich seine Freundschaften, auf der Strecke bleibt. Wobei: Nach einigen Klagen und Vergleichsangeboten sind selbst die von Zuckerberg Geschassten heute Milliardäre. So lässt es sich wohl verkraften, dass man nicht mehr auf ein gemeinsames Feierabendbier geht. David Fincher jedenfalls fokussiert sich in seinem Film auf diese Ellbogenmentalität, die Zuckerberg auf dem Weg nach oben gezeigt hat. „Erfolg um jeden Preis“ ist der Aspekt, der ihn am meisten interessiert, das Private bleibt hier auch in Finchers Blick im Hintergrund. Das alles ist ungemein dynamisch inszeniert und hervorragend gespielt. Dazu muss man den treibenden, oscarnominierten Soundtrack von Atticus Ross und Trent Reznor erwähnen, der den Puls des Films vorgibt. „The Social Network“ ist vielleicht nicht Finchers bester Film, dazu ist er nicht zeitlos genug, aber ein cleveres, hintergründiges Stück Kino, das die Mechanismen des schnellen Silicon Valley-Erfolgs klug durchleuchtet.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Merrick Morton – © 2010 Columbia TriStar Marketing Group, Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Bad Teacher (2011)

Regie: Jake Kasdan
Original-Titel: Bad Teacher
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Komödie
IMDB-Link: Bad Teacher


Joan Jett hat es schon vorgesungen: „I don’t give a damn ‚bout my reputation / Living in the past, it’s a new generation / A girl can do what she wants to do and that’s what I’m gonna do.“ Die Lehrerin Elizabeth Halsey (Cameron Diaz) hat das vielleicht ein bisschen zu wörtlich genommen. Hauptsache ausreichend Blingbling in ihrem Leben, und schon kann man auf alles scheißen. Blöd nur, wenn das Blingbling unerwartet wegfällt – konkret: wenn der reiche Verlobte die monatlichen Rechnungen in Höhe von 16.000 Dollar nicht mehr zahlen möchte und das Luxus Girl auf die Straße setzt. Also doch wieder zurück an das Lehrerpult. Doch Lust hat Elizabeth auf den Job überhaupt keine. Sie kennt nur noch ein Ziel: Genügend Geld sammeln, um sich die Möpse auffrisieren zu lassen und sich so wieder in eine Pole Position auf der Jagd nach betuchten Herren zu bringen. Ob das dem leicht dämlichen Millionärssohn Scott (Justin Timberlake in einer für ihn maßgeschneiderten Rolle), der als idealistischer Aushilfslehrer arbeitet, gefallen wird? „Bad Teacher“ ist ein Film, den man gut und gerne als guilty pleasure einordnen darf. Er ist weder außergewöhnlich originell noch sonderlich gut gemacht, aber er hat eine rotzfreche Scheißdrauf-Attitüde, die stellenweise unglaublich viel Spaß macht. Cameron Diaz ist eine gute Besetzung für die Rolle der Lehrerin wider Willen – sie bringt viel Energie und die richtige Einstellung mit ein. Der Rest des Casts fungiert da eher als Stichwortgeber und sticht selbst nicht groß heraus. Im Grunde ist Bad Teacher eine One-Women-Show. Im Gegensatz zum leider verhunzten Fack ju Göhte, das sich sichtlich an diesem Film bedient, macht „Bad Teacher“ nicht den Fehler, seine Heldin auf eine Läuterungsreise zu schicken, sondern erfreut sich einfach nur an dem bisschen fröhlicher Anarchie. Fazit: Passt schon!


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Photo Credit: Gemma LaMana – © 2011 Columbia TriStar Marketing Group, Inc.. All Rights Reserved, Quelle http://www.imdb.com)

Rapunzel – Neu verföhnt (2010)

Regie: Nathan Greno und Byron Howard
Original-Titel: Tangled
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Animation
IMDB-Link: Tangled


Disney bedient sich ja gerne an klassischen Märchen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das Märchen von Rapunzel, dem Mädchen mit der unfassbar aufwendigen Haarpflege, auch mal unter den wachsamen Augen des Mäuserichs auf die Leinwand gebracht wurde. Und apropos unfassbar: Das war auch der Aufwand, der für den Film betrieben wurde mit einer Mischung aus CGI und handgezeichneten Animationen. Hättet ihr gewusst, dass „Rapunzel – Neu verföhnt“ immer noch einen Platz unter den Top10 der teuersten Filme aller Zeiten belegt? Ich nicht, aber Tante Google weiß so etwas. Und ihr wisst es jetzt auch. Aber hat sich der Aufwand gelohnt? Klare Antwort: Jein. Einerseits ist „Rapunzel – Neu verföhnt“ eine extrem gelungene, charmante Neuauflage des wundersamen Märchens, das dem angestaubten Inhalt einen modernen und emanzipierten Anstrich gibt. Andererseits ist der Film zwar gut gemacht, aber den Aufwand in der Produktion sieht man ihm nicht unbedingt an – auch wenn die Optik hübsch ist, keine Frage. Der technische Aspekt ist aber klar nicht der entscheidende. Wichtiger ist der Unterhaltungswert, und der passt ganz eindeutig. Die Situationskomik, die selbstironischen Gesangseinlagen, die tierischen Sidekicks, die wie üblich für Disney den Hauptcharakteren die Show stehlen, das Tempo, mit dem die Geschichte erzählt wird, all das sorgt für Spaß bei Groß und Klein. Und für alle Sparfüchse, die dennoch ihr Eigenheim gut abgesichert wissen wollen, noch ein Tipp, direkt dem Film entnommen: Eine stabile, möglichst gusseiserne Bratpfanne sollte in keiner Küche fehlen.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 2010 – WALT DISNEY PICTURES, Quelle http://www.imdb.com)

Nightmare Alley (2021)

Regie: Guillermo del Toro
Original-Titel: Nightmare Alley
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama, Krimi, Thriller
IMDB-Link: Nightmare Alley


Wer diesen Blog in den vergangenen Monaten etwas intensiver verfolgt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass ich einige Film Noirs aus den 40ern besprochen habe. „Nightmare Alley“, der neueste Film von Guillermo del Toro, würde gut in diese Reihe passen – wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass es bereits eine Verfilmung aus dem Jahr 1947 gibt unter dem Titel „Der Scharlatan“, ein Film Noir, der auf dem gleichnamigen Roman von William Lindsay Gresham beruht. Nun, ich kenne weder den Roman noch die Originalverfilmung, aber ich kann mir die Vibes des Films aus den 40ern sehr gut vorstellen, denn del Toros „Nightmare Alley“ ist eine Zeitreise in die Blütezeit des Film Noirs. Und wenn wir schon bei Zeitreisen sein: Cate Blanchett stammt ebenfalls eindeutig aus dieser Zeit. Ihre Femme Fatale, die das selbsternannte Medium Stanton Carlisle straucheln lässt, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Überhaupt gibt sich del Toro jede Mühe, einen Film zu machen, der nicht nur Hommage an eine frühere Dekade des Kinos ist, sondern diese Zeit wieder auferstehen lässt. Die Detailversessenheit, an der man bei wohl jeder Einstellung die Handschrift des Regisseurs erkennt, zeitigt zwar ein visuell eindrucksvolles Ergebnis, führt aber auch zu erzählerischen Längen. Vielleicht ist del Toro selbst ein bisschen zu verliebt in seinen Film. Und so geht man die Reise zwar gerne mit, aber am Ende macht sich schon das Steißbein bemerkbar und ohne Proviant, sprich: einer großen Portion Popcorn, kommt man kaum gut durch. Dabei stimmt schon jedes Detail – die Darsteller:innen, allen voran Bradley Cooper, machen ihre Sache ausgezeichnet (da fällt mir ein: warum zum Teufel hat David Strathairn noch keinen Oscar?), Kostüme, Ausstattung und Score sind exzellent, die Geschichte diabolisch und spannend – aber für einen richtig großen Film ist von allem halt ein bisschen zu viel da. Klotzen, nicht kleckern, kann gut gehen, aber führt nicht immer zum bestmöglichen Ergebnis. So ist „Nightmare Alley“ ein unbestritten guter Film, aber nicht das Ereignis, das er selbst gerne wäre.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Kerry Hayes, Quelle http://www.imdb.com)