Komödie

Downsizing (2017)

Regie: Alexander Payne
Original-Titel: Downsizing
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Komödie, Science Fiction
IMDB-Link: Downsizing


Überbevölkerung ist ein Problem. Ein großes sogar. Das sieht auch Alexander Payne so und bietet in seinem neuesten Film „Downsizing“ eine ungewöhnliche Lösung dafür an: Schrumpfen. So lässt sich der amerikanische Durchschnittsbürger Paul Safranek (Matt Damon) auch schrumpfen – denn nicht nur der Körper der Mutigen, die diesen unumkehrbaren Schritt wagen, schrumpfen, sondern auch die Preise, und so eröffnet sich plötzlich auch für den Bürger mit mäßigem Einkommen die Möglichkeit eines Lebens in Luxus. Blöd nur, wenn sich dann die Dinge doch anders entwickeln als geplant. Aber vielleicht kann der exzentrische und etwas windige Nachbar Dusan (herrlich: Christoph Waltz als Lebemann und Partytiger) helfen. Und als Paul dann noch die Bekanntschaft mit der zwangsgeschrumpften vietnamesischen Aktivistin Ngoc Lan (Hong Chau) macht, zeigt sich allmählich, dass man mit Downsizing zwar einige Probleme verkleinern kann, aber ganz weg bekommt man sie halt auch nicht.

Die Filmidee ist nicht unbedingt neu. „Liebling, wir haben die Kinder geschrumpft“ ist einer meiner liebsten Kindheitsfilme – und die perspektivische Änderung und dieses Nebeneinander von Groß und Klein, auf dem der Humor der 80er-Jahre-Komödie aufbaut, sorgt auch in „Downsizing“ für gelungene Komik-Einlagen. Hier bekommt die Idee aber einen gesellschaftlich relevanten Anstrich, und auch wenn Paynes Film dann eine andere Richtung einschlägt als man es ursprünglich erwartet, nämlich ins Private, so bietet er dennoch an vielen Stellen und über das bloße Betrachten hinaus spannende Gedankenansätze, die man dann gerne weiterverfolgt. „Downsizing“ macht vielleicht nicht alles richtig, so verfolgt er vielleicht gleichzeitig auch zu viele Storylines für einen einzigen Film, aber er ist richtig gut gemachte, intelligente Unterhaltung, die trittsicher zwischen Situationskomik und Anspruch wandelt. Die Idee, wie gesagt, ist großartig und regt zum Weiterdenken an. Auch die Welt im Kleinen, die Alexander Payne zeigt, ist konsequent durchgedacht und irrsinnig gut aufgebaut. Ich wittere – neben der Nominierung für das beste Drehbuch und vielleicht auch bester Film, beste Regie, Christoph Waltz und Hong Chau – eine Oscar-Nominierung für das Bühnenbild. So ist der Film auch über eine Laufzeit von deutlich über zwei Stunden immer interessant und reiht sich nahtlos ein in die Liste toller Filme von Alexander Payne, bei dem man, wie sich auch hier zeigt, jederzeit bedenkenlos zugreifen kann.


 

7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin)

I Am Not Madame Bovary (2016)

Regie: Feng Xiaogang
Original-Titel: Wo Bu Shi Pan Jin Liang
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Drama, Krimi, Satire
IMDB-Link: Wo Bu Shi Pan Jin Liang


Li hat ein Problem: Sie ist rechtskräftig geschieden und möchte nun vor Gericht erwirken, dass die Scheidung aufgehoben wird, da sie und ihr Mann diese Scheidung nur vorgetäuscht haben, um an ein Apartment zu kommen, wovon der Mann nun nichts wissen will, da er mit seiner neuen Frau eigentlich ganz zufrieden lebt, während Li nun durch die Finger schaut. A blede G’schicht halt. Da der Weg durch die Instanzen zunächst nicht fruchtet, sucht sie nach anderen Lösungen für ihr Problem und vergisst dabei nicht auf jene Bürokraten, die ihr Steine in den Weg gelegt haben. Da jedoch aus ihren unorthodoxen Ansätzen auch nichts wird, beginnt sie damit, die Bürokratie mit deren eigenen Waffen zu schlagen und schafft es aus der Provinz bis nach Peking, wo sie nicht nur eine zehn Jahre währende Klage einbringt, sondern gleich die gesamte kommunistische Partei bloßstellt. Allmählich wird also Li zu einem grandiosen Ärgernis für die Bonzen, und mehr als ein mit der störrischen Frau überforderter Bezirksvorsteher hat wegen ihr und der Klage schon seinen Hut nehmen müssen. Während sich anfangs Li noch wie in Kafkas „Prozess“ fühlt, sehen sich die Bürokraten und Richter selbst bald in einem kafkaesken Albtraum gefangen. Das alles ist höchst vergnüglich und wahnsinnig bissig gegenüber der chinesischen Regierung. Allmählich empfindet man wirklich viel Mitleid für die geplagten Regierungsvertreter, im Grunde rechtschaffene Menschen, die einfach nur versuchen, ihren Job zu machen und diesen auch zu behalten, nicht ohne Mitgefühl für Lis Situation, aber aufgrund fehlender Möglichkeiten, die Lage unter Kontrolle zu bringen, schlicht heillos überfordert sind. Und dann kommen wieder Szenen, die das im Film angeprangerte Machtgefälle überdeutlich zeigen – auch jenes des Mannes gegenüber der Frau. Denn interessant ist, dass es nicht nur ein Kampf gegen die Unterdrückung der gewöhnlichen Bevölkerungsschichten durch die herrschende Klasse ist, den Li ausficht, sondern auch jener einer Frau gegen die Männerwelt, die die Frauen zu beherrschen und zu dominieren versucht. So gesehen ein kluger und wichtiger Film, der auch optisch mutige Ansätze wählt: Während die Szenen in der Provinz auf runden Tableaus präsentiert werden, sind die Szenen in Peking in quadratische Bilder eingefasst. Auch das unterstreicht noch einmal die Abgrenzung des Zentrums der Macht von der Bevölkerung am Land, von der sich die Herrschenden zu weit entfernt haben. Allerdings hat „I Am Not Madame Bovary“ bei einer Laufzeit von über zwei Stunden auch teils arge Längen. Nicht alle Szenen sind gleichermaßen geglückt, und manchmal wirkt der Film auch etwas unausgegoren, als wüsste er nicht so recht, ob er nun lieber eine Komödie oder eine Tragödie sein möchte. Für eine Komödie ist er eigentlich zu tragisch, für eine Tragödie zu komisch und zu absurd.


7,0
von 10 Kürbissen

Casting (2017)

Regie: Nicolas Wackerbarth
Original-Titel: Casting
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Komödie
IMDB-Link: Casting


Die Regisseurin Vera möchte eine Neuverfilmung von eines Fassbinder-Films realisieren. Sie kommt aus dem Dokumentarbereich und hat klare Vorstellung, wie für sie die Hauptrolle der Petra von Kleist gespielt werden soll. Das Problem: Die Schauspielerinnen, die sie zum Casting einlädt, entsprechen dieser Vorstellung nicht, sehr zum Missfallen von Produzenten und Castingdirektorin, die den Drehbeginn in wenigen Tagen stark gefährdet sehen. Die Nerven liegen blank im Studio. Nur dem Anspielpartner Gerwin, der bis zum Eintreffen der männlichen Hauptrolle in den Castings die Rolle übernimmt, kann das nur recht sein – denn während er an der Rolle des Karl arbeitet, stellt er fest, wie viel Spaß es ihm macht und dass es ja eigentlich ganz nett wäre, selbst mal wieder vor der Kamera zu stehen.

„Casting“ von Nicolas Wackerbarth ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Film: Zum Einen, weil es nur ein Treatment, aber kein fest vorgegebenes Drehbuch gab. Fast alles war Improvisation. Zum Anderen, weil der Film sehr mit doppelten Böden arbeitet. Immer wieder greifen die gespielten Casting-Szenen und die Realität der Figuren ineinander. Welche Emotion ist echt, welche nur gespielt? Und auch die Tatsache, dass mit Ausnahme des von Andreas Lust gespielten Gerwig (der offen schwul ist) alle Hauptrollen mit Frauen über 40 besetzt sind, hebt den Film wohltuend von vielen anderen Werken ab. Der Film reflektiert über den künstlerischen Schaffensprozess, über die Lücke zwischen Anspruch und Realisierbarkeit und wie diese Lücke zu einer Entscheidungsunwilligkeit führen kann, die den Prozess weiter hemmt, über Träume und Ziele und gleichzeitig über Illusionen. Dabei ist „Casting“ wahnsinnig komisch und hintergründig, was vor allem dem gut aufgelegten Cast zu verdanken ist. Zwar ist der Film nicht ganz frei von Klischees, aber klug genug, diese zu bemerken und mit ihnen zu spielen. Ein gut unterhaltender Meta-Film über das Filmemachen.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

Person to Person (2017)

Regie: Dustin Guy Defa
Original-Titel: Person to Person
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Episodenfilm, Komödie
IMDB-Link: Person to Person


„Person to Person“ von Dustin Guy Defa ist ein Film, der ein wenig aus der Zeit gefallen scheint. Die Art und Weise, wie sich die Charaktere anziehen, mit welchen Dingen sie zu tun haben (analoge Uhren, Schallplatten, uralte Vespas), die Unschuld, die durch ihre Handlungen und Dialoge schimmert, wenn zB der Schallplattensammler den auf einem Fahrrad flüchtenden Typen, der ihn übers Ohr gehaut hat, ebenfalls mit dem Fahrrad verfolgt, die Musik und schließlich die Tatsache, dass auf Filmrolle gedreht wurde, verortet den Film eher in den 70ern als in der heutigen Zeit. Auch wenn das vom Regisseur, wie er im Q&A freimütig zugab, gar nicht geplant war. Und vielleicht unterstreicht das auch die Ursache für das Hauptproblem, das der in New York angesiedelte Episodenfilm hat: Er wirkt etwas unfokussiert. Eh alles ganz nett und erbaulich, sehr sympathisch auch, dieses Understatement in den stilisierten Dialogen, diese teils recht schrulligen Charaktere – ja, dem sieht man gerne zu. Aber man fragt sich am Ende doch: Wozu? Was war jetzt die Geschichte? Da gibt es die schon erwähnte Episode mit dem Schallplattensammler, der geprellt wird. Da gibt es das altkluge, leicht misanthropische Mädchen, das eher auf Mädchen steht und nicht ganz verkraftet, dass ihre beste Freundin mit ihrem neuen Freund herummacht, während sie auf der Couch hockt. Dann den Burschen, der – aus welchen Gründen auch immer – Nacktfotos seiner Freundin ins Internet gestellt hat und das nun bitterlich bereut. Da gibt es die Möchtegernjournalistin an ihrem ersten Tag und ihren seltsamen, nerdigen Boss, die einen Mordfall aufdecken möchten, und die Neue stellt bald fest, wie wenig ihr das Schnüffeln liegt. Und am Ende des Films und damit aller Episoden steht bei jedem so eine kleine positive Erkenntnis. Wie gesagt: So sympathisch der kleine New York-Film auch wirkt, so harmlos und letztendlich belanglos ist er auch.


5,5
von 10 Kürbissen

Mr. Long (2017)

Regie: SABU
Original-Titel: Ryu San
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Komödie, Thriller
IMDB-Link: Ryu San


Manchmal geht auch beim besten Auftragskiller etwas schief – und das bedeutet halt gleich mal Gefahr für Leib und Leben. So kann sich der stoische taiwanesische Killer Mr. Long bei einem missglückten Auftrag in Tokio nur knapp vor der japanischen Yakuza in Sicherheit bringen und landet verletzt in einem verlassenen Haus in einer Kleinstadt. Japanisch sprechen kann er nicht, doch unverhofft kommt oft – und so greift ihm bald ein kleiner Junge, der Sohn einer drogensüchtigen Ex-Prostituierten, unter die Arme. Und dann die ganze Nachbarschaft, als sie entdeckt, dass in Mr. Long ein begnadeter Koch schlummert. So verschiebt sich der Fokus des schweigsamen Helden allmählich von der Aufgabe weg, möglichst schnell genügend Geld zusammenzubekommen, um zurück nach Taiwan zu gelangen, und hin zur Frage, ob man hier nicht ein bisschen Ruhe und Frieden finden kann. Doch der Teufel schläft bekanntlich nicht, und das tun auch nicht die japanische Yakuza oder unerfreuliche Bekanntschaften der Mutter des Jungen aus der Vergangenheit. Die – an sich recht klischeehafte – Geschichte erzählt „Mr. Long“ als Mix diverser Genres, die fließend ineinandergreifen. Da ist am Anfang der blutige Thriller mit schwarzhumorigem Einschlag, der durchaus aus der Feder von Tarantino stammen könnte. Dann ist da die Andeutung eines Buddy-Movies zwischen Mr. Long und dem kleinen Jungen. Die Nachbarn sorgen für Slapstick-Humor. Und schließlich wird noch eine zarte, gefühlvolle Liebesgeschichte reingepackt, bevor es am Ende wieder blutig wird. Und das funktioniert überraschenderweise richtig gut. Denn in allen Aspekten entwickelt „Mr. Long“ einen unglaublichen Sog und teils eine große, emotionale Wucht im Kleinen – in den Gesten, wenn sich der eiskalte Killer Mr. Long beispielsweise über einen gelungenen Home-Run seines jungen Freunds beim Baseballspiel freut, sich dies aber, weil er ja als dieser knallharte, schweigsame Typ wirken will, nicht anmerken möchte. Auch ist der Film konsequent – in dem, was er seinen Figuren antut und auch in dem, was er ihnen vorenthält. Phasenweise wirkt „Mr. Long“ dennoch nicht ganz ausbalanciert, und die Genreklischees, auf die der Film aufbaut, sind manchmal auch ein bisschen gar überstrapaziert. Aber sei’s drum, auch mein zweiter Viennale-Film 2017 kann jedenfalls weiterempfohlen werden.


7,5
von 10 Kürbissen

Lucky (2017)

Regie: John Carroll Lynch
Original-Titel: Lucky
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Lucky


Der Auftakt der diesjährigen Viennale ist ein ganz besonders intimer Film und gleich zu Beginn ein absolutes Highlight. „Lucky“ von John Carroll Lynch ist gleichermaßen eine Hommage an den im September verstorbenen Harry Dean Stanton wie auch dessen letztes großes Werk, mit dem der legendäre Nebendarsteller am Ende noch seinen großen Auftritt hat. Harry Dean Stanton ist Lucky. Lucky ist Harry Dean Stanton. Schwierig, die beiden auseinanderzuhalten, aber das ist auch gar nicht nötig. Eine Geschichte gibt es nicht wirklich. Lucky macht in der Früh seine Yoga-Übungen, bevor er sich eine Zigarette anzündet und durch die Kleinstadt in der Wüste schlendert. Er hat seine Rituale. Am Abend kippt er noch eine Bloody Mary in der Dorfkneipe und lauscht seinen Freunden, wie sie Geschichten erzählen über die Liebe und über Verlust. Es sind kleine existentialistische Schlaglichter, die John Carroll Lynch auf seinen Helden und dessen Umfeld wirft. Doch Lucky, der trotz seiner 90 Jahre und den vielen Zigaretten erstaunlich fit ist und auch im Krieg, obwohl er auf einem Panzerlandungsschiff, einem LST („Landing Ship Tank“, oder wie er es bezeichnet „Large Slow Target“), stationiert war, wie durch ein Wunder nie beschossen wurde, ein echter Glückspilz also, kippt eines Tages einfach um und stellt dabei fest, dass er alt ist. Der stoische Außenseiter, der generell ein wenig der Welt entrückt wirkt, wird plötzlich mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert und entdeckt etwas an sich, das ihm bis dato unbekannt war: Angst. Aber Lucky wäre nicht Lucky, wenn er sich nicht dennoch gleichmütig die nächste Zigarette anzünden und versuchen würde, das Beste aus seiner Situation zu machen. „Lucky“ ist ein warmherziger Film voller liebenswerter Figuren, und dennoch behandelt der Film – ohne Sentimentalität – die dringlichsten Fragen, denen wir uns alle ausgesetzt fühlen: Einsamkeit, Altern, dem Verschwinden. Was bleibt von uns, wenn die Momente, in denen wir existieren, übergehen in das große Nichts? Wie gehen wir damit um, dass letztlich alles bedeutungslos ist? Lucky findet seine Antworten, und wenn am Ende Harry Dean Stanton direkt in die Kamera lächelt, ist das etwas, das überdauern wird. Er dreht sich um und geht, und unsere Herzen gehen mit ihm.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

Logan Lucky (2017)

Regie: Steven Soderbergh
Original-Titel: Logan Lucky
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Komödie, Krimi
IMDB-Link: Logan Lucky


Manchmal hat man einfach ein Pech. So wie die Brüder Clyde und Jimmy Logan (Adam Driver und Channing Tatum), in deren Leben so ziemlich alles schief geht. Was also tun, wenn die Geldsorgen immer größer werden und man gerade mal wieder aus einem Job entlassen wurde? Klar – einfach mal den größten Raub der Geschichte durchziehen, denn was soll denn schon schief gehen? Mit dem legendären Tresorknacker Joe Bank (Daniel Craig in seiner bislang wohl ungewöhnlichsten Rolle), zwei dauerbekifften Dumpfbacken und der Schwester im Team wird es ja wohl kein Problem sein, die Rennstrecke, die das wichtigste NASCAR-Rennen des Jahres veranstaltet, ausgerechnet am Rennwochenende zu beklauen. Dass Joe Bank wegen seines letzten krummen Dings noch ein paar Wochen abzusitzen hat, nämlich genau dann, wenn der Raub stattfinden soll, sind nur unbedeutende Hindernisse auf dem Weg ins Glück. Und so nimmt ein irrwitziger Plan allmählich Formen an.

„Logan Lucky“, der neueste Streich von Steven Soderbergh, ist ein unglaublich gut geschriebener und gespielter Blick auf das untere Drittel der amerikanischen Mittelschicht, ein durchaus wohlwollender Blick eines Regisseurs, der genau hinsieht und sich bemüht, seine Figuren ernst zu nehmen. Die Story ist richtig gut, und stellenweise ist das Ding enorm witzig. Allerdings hat Soderbergh sein ganz eigenes Timing. Und gerade das wird „Logan Lucky“ absurderweise ein wenig zum Verhängnis. Absurderweise nämlich deswegen, weil die realistische Darstellung der witzigen bis aberwitzigen Situationen die für Komödien so wichtige Situationskomik unterlaufen. Die Situationen sind immer noch amüsant, phasenweise zum Brüllen komisch, aber dadurch, dass Soderbergh fast gänzlich auf Tempo bei seinen Pointen und das Mittel der Zuspitzung verzichtet, geht dem Film ziemlich an Drive verloren. Auf der einen Seite kann man nun sagen: Ein toller, realistischer und dennoch witziger Film. Auf der anderen Seite wird dadurch auch das Potential verschenkt, das „Logan Lucky“ zur vielleicht besten Komödie des Jahres hätte machen können.


6,5
von 10 Kürbissen

Kingsman: The Golden Circle (2017)

Regie: Matthew Vaughn
Original-Titel: Kingsman: The Golden Circle
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Komödie
IMDB-Link: Kingsman: The Golden Circle


2014 erschien „Kingsman: The Secret Service“ von Matthew Vaughn gleich einem Feuerwerk (ähnlich dem, das den Film auf so grandios-absurde Weise beenden sollte). Britischer Vorstadt-Prolet trifft auf Gentleman-Agenten und wird selbst ausgebildet zum Gentleman. Manners maketh man. Colin Firth und Taron Egerton waren ein großartiges Team. Und klar, dass schon bald laut nach einer Fortsetzung gerufen wurde. „Kingsman: The Golden Circle“ folgt nun der Geschichte von Eggsy (Egerton), der am Ende von „Kingsman: The Secret Service“ zum Agenten Galahad befördert wurde, in die nächste Runde. Und natürlich wird es zunächst einmal ungemütlich, als die Drogenimperatorin Poppy (Julianne Moore in einer lolly-bunten Popcornwelt mitten im kambodschanischen Dschungel) das Kingsman-Netz hackt und gleich mal die gesamte Infrastruktur samt Kingsman-Agenten kalt stellt. Eggsy und Computer-Wizard Merlin (Mark Strong, dem im Übrigen der emotionalste Moment des Films gehört) sind auf sich allein gestellt. Glücklicherweise tauchen in der dunkelsten Stunde unvermutet Freunde von überm Teich auf. Und wie alles an dieser Filmreihe ist das US-amerikanische Geheimdienst-Pendant zu den britischen Kingsmen gnadenlos und bis zum Höhepunkt der Karikatur überzeichnet, was zu manch herrlichem Clash of Cultures führt. Überhaupt ist die Überzeichnung das gängige Stilmittel, von dem die Kingsman-Filme leben. Ob nun in den Actionszenen, in der Figurenzeichnung, in der Dramaturgie: Die beiden Kingsman-Filme kennen nur eine Devise: Je mehr und je absurder, desto besser! Das kann man nun mögen, muss man aber nicht. Ich gehöre zu jenen, die einfach eine große Freude daran haben, das innere Kind in mir jubelt, wenn elektrische Lassos die Bösewichter in zwei Hälften zersägen oder Bowlingkugeln ganze Betonwände durchschlagen. Hirn ausschalten und Spaß haben – dafür ist „Kingsman: The Golden Circle“ gemacht. Allerdings bleibt zu bekritteln, dass der Film keine Originalitätspreise gewinnen wird. Im Grunde konzentriert er sich auf das Erfolgsrezept von Teil 1 und versucht dieses, zu kopieren und den Wahnsinn noch mal zu steigern. Die eine oder andere Finesse im Drehbuch hätte dem Film gut getan.


7,0
von 10 Kürbissen

(Foto: 20th Century Fox)

Killer’s Bodyguard (2017)

Regie: Patrick Hughes
Original-Titel: The Hitman’s Bodyguard
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Action, Komödie, Roadmovie
IMDB-Link: The Hitman’s Bodyguard


Samuel L. „Motherfucker“ Jackson hat mittlerweile ein Level an Coolness erreicht, an dem er nur noch Samuel L. Jackson spielt, weil cooler als das wird es einfach nicht mehr. Coolness wird heutzutage in Samuel L. Jacksons angegeben. Ein halber Samuel L. Jackson ist schon abartig cool, dreiviertel kaum auszuhalten. In „Killer’s Bodyguard“ (sinnigerweise der deutsche Verleihtitel für „The Hitman’s Bodyguard“) spielt sogar ein ganzer Samuel L. Jackson mit. Und zwar ist er der berühmt-berüchtigte Killer Kincaid, der für seine Taten einsitzt und nun in Den Haag eine Zeugenaussage gegen den weißrussischen Diktator Dukhovich (ein diabolischer Gary Oldman) tätigen soll. Problem: Dukhovich ist davon wenig begeistert, da Kincaids Aussage das Einzige ist, was ihn wirklich hinter Gittern bringen kann. Also muss Kincaid aus dem Weg geräumt werden. Auftritt Ryan Reynolds (als Ryan Reynolds) in der Rolle des hochprofessionellen, aber nach eigenen Maßstäben gescheiterten Bodyguards Michael Bryce, der den Killer sicher von England in die Niederlande bringen soll. Problem 1: Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit, und zwar auf unterschiedlichen Seiten der Gewehrläufe. Problem 2: Eigentlich tut das Bryce nur seiner alten Flamme (Élodie Yung) zuliebe. Problem 3: Kincaid tut garantiert nicht das, was Bryce will. Und so entspinnt sich eine rasante Action-Buddy-Komödie mit flotten Sprüchen, massiven Explosionen, wilden Schießereien durch halb Europa und einem weiteren Versuch Samuel L. Jacksons, einen neuen Rekord für den Gebrauch des Wortes „motherfucker“ aufzustellen. Eigentlich ist „Killer’s Bodyguard“ nichts Anderes als ein feuchter Bubentraum. Hirn ausschalten und wenn möglich einfach alles in die Luft sprengen. Aber ja, das Ding macht Spaß. Es wurde wohl kein einziger origineller Gedanke in diesen Film hineingesteckt und die Handlung kann man auf einer zu einer Origamifigur gefalteten Papierserviette zusammenfassen, aber hey – setzt Samuel L. Jackson, Ryan Reynolds und einen Haufen Knarren in ein Auto, und das Ding läuft. Popcornkino as Popcornkino can.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: 20th Century Fox)

Ostinato Destino – Hartnäckiges Schicksal (1992)

Regie: Gianfranco Albano
Original-Titel: Ostinato destino
Erscheinungsjahr: 1992
Genre: Komödie
IMDB-Link: Ostinato destino


Wenn dem Zuseher der Film nach bereits zehn Sekunden zum ersten Mal fürchterlich auf die Nerven geht, ist das nicht unbedingt als vielversprechender Beginn zu bezeichnen. Aber gut, man ist ja hartgesotten und vielleicht erfängt sich die italienische Komödie rund um eine reiche Schnepfe und ihre für ihre drei Kinder schwer umzusetzende Testamentsbedingung. Spoiler: Tut sie nicht. „Ostinato Destino“ von Gianfranco Albano ist eine fürchterlich peinliche Schmonzette mit nervigen Darstellern und Darstellerinnen mit der schauspielerischen Bandbreite einer Walnuss, einer völlig unglaubwürdigen Handlung und viel Hysterie. Dabei wäre die Ausgangslage für die Geschichte nicht so übel: Die Kinder der reichen Schnepfe rittern ums Erbe, das nur jener oder jene einstreifen kann, wer für Nachwuchs in der Familie sorgt. Blöd ist, dass sich die Schnepfentochter, die noch mehr Schnepfe ist als ihre Mutter, für die Karriere die Eileiter hat abklemmen lassen, Schnepfensohn Nummer 1 stockschwul ist und Schnepfensohn Nummer 2 ein Playboy, der sich nicht binden möchte. Dabei hat er naturgemäß noch die besten Chancen, sich zu vermählen und Schnepfenenkel zu zeugen. Blöd nur, dass seine Wahl auf die von den eigenen Geschwistern angeheuerte Auftragskillerin (La Grande Bellucci) fällt, die bald ihre eigene Agenda verfolgt. Könnte ja ganz kurzweilig sein, wenn man nicht beschlossen hätte, die Umsetzung mit 180 km/h an die nächste Wand zu fahren. Beinahe jede Szene bietet ausgiebig Gelegenheit zum intensiven Fremdschämen. So gibt es nur einen Wertungspunkt für die wunderschöne, junge Monica Bellucci und einen zweiten für ihre wohlgeformten Brüste. Mehr schaut nicht raus. Klappe zu, Film tot.


2,0
von 10 Kürbissen