Snowpiercer (2013)

Regie: Bong Joon-ho
Original-Titel: Snowpiercer
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Snowpiercer


Mit Parasite gelang dem Südkoreaner Bong Joon-ho bei der Oscarverleihung 2020 der ganz große Durchmarsch. Der erste fremdsprachige Film, der je den Oscar als bester Film gewinnen konnte. Oscars für Bong Joon-ho selbst für die beste Regie, das beste Drehbuch und als Draufgabe noch für den besten internationalen Film. Auch seine früheren Filme wurden von Kritik und Publikum gefeiert, so auch „Snowpiercer“ aus dem Jahr 2013. Darin versammelte er einen beachtlichen Cast von Hollywoodgrößen (u.a. Chris Evans, William Hurt, Octavia Spencer, Ed Harris, Jamie Bell, Tilda Swinton), ergänzte diesen durch seinen Lieblingsdarsteller Song Kang-ho und jagte die Truppe durch eine knallharte, actionlastige Dystopie, die die für Bong Joon-ho so typische Verschränkung von Genrekino und Gesellschaftskritik aufweist. Die Ausgangslage ist simpel, birgt aber jede Menge Zündstoff: Die Welt liegt unter einer Eisschicht begraben, die letzten überlebenden Menschen sausen in einem riesigen Zug um die Erdscheibe. Der Zug ist nach Klassen aufgeteilt: Ganz hinten sind die Armen, die zusammengepfercht unter widrigsten Umständen hausen und grausige Proteinriegel zu essen bekommen, während in den vorderen Abteilen Milch und Honig fließen. Klar, dass sich da irgendwann eine Wut im Bauch anstaut, die durch eine von Curtis Everett (Chris Evans) angeführte Rebellion entladen wird. Je weiter die von ihm angeführten Rebellen in die vorderen Abteile vordringen, desto absurder wird das Geschehen. Der Twist am Ende ist böse und jener Faktor, der den Film über den Status eines gelungenen Actionkrachers hinaushebt. Man kann gar nicht anders, als nach dem Abspann des Films in herzhafte Diskussionen über Moral und Ordnung in unserem Gesellschaftssystem einzusteigen. In dieser Hinsicht ähnelt der Film sehr der kürzlich auf Netflix veröffentlichten Dystopie „Der Schacht“, der seine Gesellschaftskritik noch deutlicher zum Ausdruck bringt, während „Snowpiercer“ insgesamt subtiler vorgeht, dabei aber auch noch die besseren Schauwerte bietet. Sehenswert sind beide Filme gleichermaßen – mit leichten Vorteilen für „Snowpiercer“.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Der Schacht (2019)

Regie: Galder Gaztelu-Urrutia
Original-Titel: El hoyo
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Satire, Drama, Horror
IMDB-Link: El hoyo


Für einen guten Film braucht es nicht mehr als eine gute Idee. Dann reicht es auch, wenn man beispielsweise Tom Hardy in ein Auto setzt und telefonieren lässt (wie in No Turning Back) oder ein paar Nasen durch ein Labyrinth aus Würfeln laufen lässt (wie in „Cube“). Mit letzterem Film hat „Der Schacht“ des jungen spanischen Regisseurs Galder Gaztelu-Urrutia einiges gemein. Denn auch hier ist die Kulisse auf das Allernötigste zusammengedampft und gerade in seiner Repetition äußerst interessant. Es beginnt damit, dass Goreng (Iván Massagué), der sich freiwillig dafür gemeldet hat, auf der Plattform 48 des Schachtes erwacht. Der Schacht ist ein Konstrukt aus einer unbekannten Anzahl von Ebenen, auf der jeweils zwei Menschen zusammen eingesperrt sind. Die haben je einen persönlichen Gegenstand bei sich sowie die Kleidung, die sie am Körper tragen. In der Mitte dieser Ebenen befindet sich ein rechteckiges Loch. Dadurch fährt einmal pro Tag ein Tisch voller Essen herab. Das Perfide: Je weiter der Tisch nach unten kommt, desto weniger befindet sich logischerweise darauf. Wer also auf einer der oberen Ebenen sitzt, kann sich satt essen. Auf den unteren Ebenen hingegen sieht es hingegen trist aus. Noch perfider: Einmal im Monat werden alle Insassen betäubt und wachen auf einer neuen Ebene auf. Wer vorhin oben war, kann sich nun unten wiederfinden – und umgekehrt. Ebene 48 scheint dabei kein schlechter Start zu sein, wie Gorengs Mitbewohner, der zynische und opportunistische Trimagasi (Zorion Eguileor) versichert. Der ist schon seit zehn Monaten im Schacht und sitzt seine letzten beiden Ebenen ab. Als im nächsten Monat Goreng und Trimagasi auf Ebene 171 erwachen, geht der Spaß los – denn Essen kommt da unten keines mehr an. „Der Schacht“ ist eine düstere Parabel und unverhohlene Kapitalismus-Kritik. Als solche ist sie vielleicht ein wenig plump geraten, aber dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – äußerst wirkungsvoll. Diese Netflix-Eigenproduktion entwickelt sich gerade zum viralen Renner, und das zurecht. Denn durch die Umsetzung mit minimalen Mitteln konzentriert sich der Film komplett auf seinen Inhalt, der politisch, religiös und vor allem natürlich gesellschaftskritisch interpretiert werden kann. Die von Gaztelu-Urrutia vorgeschlagene Lösung ist vielleicht zu einfach und naiv gestrickt, doch legt er unzweifelhaft den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft, dass es nämlich schwierig bis unmöglich ist, das bestehende System von innen, also jenen, die Teil davon sind, zu ändern. In dieser Hinsicht ist die Dystopie keine mehr, sondern ein bitterer Realitäts-Check.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

King Kong (2005)

Regie: Peter Jackson
Original-Titel: King Kong
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: King Kong


Das Leben hält manche Herausforderung parat. Da hast du gerade einen Film hingelegt, der mit 11 Oscars prämiert wurde (dafür gleich drei für dich persönlich) und eine der größten Trilogien der Filmgeschichte beendet, und es ist klar, dass Filmkritiker und Kinogeher weltweit mit Argusaugen auf dein nächstes Werk schauen. Was soll da noch kommen? Peter Jackson hat nach dem Erfolg seiner Herr der Ringe-Trilogie keine künstlerische Schaffenspause eingelegt, sondern sich mit einer Neuverfilmung von „King Kong“ gleich an das nächste große Ding gewagt. Denn der große Affe, der auf dem Empire State Building herumklettert, ist so etwas wie ein Heiligtum der amerikanischen Filmgeschichte. Und einen solchen Film künstlerisch zu versenken, käme einer Katastrophe gleich, die einem nie verziehen werden kann. Das weiß jemand wie Peter Jackson natürlich, und so gibt er sich besonders Mühe. „King Kong“ fasziniert vor allem durch bombastische Schauwerte. Geheimnisvolle Kulissen, die man zuletzt so schön in den Indiana Jones-Filmen bewundern durfte, ein dampfiger Dschungel, eine epische Liebesgeschichte zwischen der Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) und dem Schriftsteller Jack Driscoll (Adrian Brody), der angesichts seines übermächtigen Nebenbuhlers über sich hinauswachsen muss, und am Ende ein actiongeladener Showdown, der den Zuseher in den Sessel klebt – all das bietet schon mal gute Unterhaltung. Der Herzstück des Films ist allerdings Andy Serkis‘ brillante Motion Capturing-Darstellung von King Kong. Serkis ist es zu verdanken, dass der Affe eine Seele hat. Und so sind die besten Momente des Films auch die leisen, jene, wenn King Kong einen Sonnenuntergang genießt oder wenn er im Central Park zum ersten Mal auf einer Eisfläche steht und nach anfänglichen Gleichgewichtsproblemen wie ein Kind die Faszination des Rutschens genießt. In solchen Momenten lebt der Film tatsächlich, der andernfalls ab und zu ein bisschen von seinen eigenen Schauwerten erschlagen wird. Ob Peter Jacksons Film auch in 90 Jahren noch relevant sein wird, wie es dem Original gelungen ist, sei dahingestellt, aber gesehen sollte man den Film trotzdem haben.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © Universal Pictures, Quelle: imdb.com)

Psycho (1960)

Regie: Alfred Hitchcock
Original-Titel: Psycho
Erscheinungsjahr: 1960
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: Psycho


Junger Motel-Besitzer mit guten Manieren stoppt eiskalte Verbrecherin auf der Flucht. Doch leider erfährt dieser nicht die verdiente Anerkennung, sondern wird aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände in einen Strudel sich gegenseitig misstrauender Hobby-Ermittlungen hineingezogen und verliert dabei nicht nur seine geliebte Mama, sondern auch den Verstand. Klar, Alfred Hitchcocks Thriller-Klassiker „Psycho“ ist inhaltlich gut bekannt. Und so ziemlich jeder Mensch auf dieser Erde, ganz gleich, ob er den Film jemals gesehen hat oder nicht, kennt die berühmte Dusch-Szene, in der Janet Leigh den bislang von Fay Wray in „King Kong und die weiße Frau“ gehaltenen Dezibel-Rekord für Filmschreie eindrucksvoll pulverisiert. Aber kann der Film darüber hinaus auch heute noch spannende Unterhaltung bieten? Die klare Antwort lautet: Ja! Es ist wenig verwunderlich, dass Hitchcock als Meister des Suspense gefeiert wurde, denn auf diesem Gebiet war er seiner Zeit ganz einfach weit voraus. Mit seinem Gespür für Spannungsbögen und Dramaturgie und seinem Auge für interessante Settings (das Herrenhaus hinter dem Bates-Motel gehört zu den gruseligsten Häusern der Filmgeschichte) und von inneren Dämonen gequälten Charakteren hat er zeitlose Meisterwerke geschaffen, die auch heute noch für kurzweilige Filmabende sorgen. Für mich kommt „Psycho“ nicht ganz an andere seiner Meisterwerke, allen voran „Das Fenster zum Hof“, heran, dazu ist mir die Hauptfigur Marion Crane schlicht zu unsympathisch, und ich gebe der im Biopic „Hitchcock“ von Helen Mirren gespielten Ehefrau Alma Recht, als sie Hitchcocks Zweifel, ob er seine Hauptfigur nach der Hälfte des Films einfach sterben lassen könne, mit einem trockenen „Kill the bitch earlier“ ausräumte. Aber sei’s drum, der Rest – und vor allem Anthony Perkins‘ grandiose Darstellung als Norman Bates – ist gemacht für die Ewigkeit.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Trance – Gefährliche Erinnerung (2013)

Regie: Danny Boyle
Original-Titel: Trance
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Krimi, Thriller
IMDB-Link: Trance


Ich mag Filme von Danny Boyle. Er pflegt einen vibrierenden, energiegeladenen, optisch sehr einzigartigen Stil. Dieser kann manchen Zuseher auch schnell mal nerven, das ist klar. Ultrarealistische Bilder sind nicht so das Ding des Briten, der für „Slumdog Millionär“ 2009 mit einem Oscar prämiert wurde. Aber dafür erkennt man Boyles Filme an fast jeder einzelnen Kameraeinstellung. „Trance“ aus dem Jahr 2013 ist einer seiner unbekannteren Filme. Qualitativ braucht sich dieser aber nicht zu verstecken. Gleich die Eingangssequenz weiß zu packen: Simon Newton (James McAvoy), ein Auktionator für ein großes Kunstauktionshaus, erklärt die Sicherheitsmaßnahmen, die bei solch großen Auktionen gelten, um die teuren Kunstwerke vor Raub und Diebstahl zu schützen. Auftritt Franck (Vincent Cassel), der mit seinem Team genau die gerade vorgestellten Maßnahmen genüsslich zunichte macht und in einem dreisten Coup ein Gemälde von Goya inmitten der Versteigerung klaut. Nur blöd, dass sich der Koffer, in dem sich das teure Bild befinden soll, als leer herausstellt. Und noch blöder, dass Franck Simon vor der Flucht noch eins übergebraten hat, sodass sich dieser nicht daran erinnert, wohin er das Gemälde in Sicherheit gebracht hat. Aber vielleicht kann die hübsche Hypnotiseurin Elizabeth Lamb (Rosario Dawson) ja die Erinnerung auffrischen. An sich ist in dem Plot schon genug Zündstoff für einen packenden Thriller enthalten. Aber damit gibt sich das Drehbuch nicht zufrieden. Es werden nicht nur doppelte Böden gelegt, sondern gleich drei- bis vierfache. Das Katz-und-Maus-Spiel aller Beteiligten sorgt für Kurzweil, aber mitunter, wenn man nicht aufpasst, auch für Konfusion. Das alles ist enorm stylish in Szene gesetzt. „Trance“ weiß von der ersten bis zur letzten Minute zu packen, und auch wenn dann manchmal die Handlung etwas arg unrealistisch und teils auch wirr wird, so kann man sich dennoch darauf verlassen, von den WTF-Momenten, die einander die Klinke in die Hand geben, über die ganze Laufzeit bei Laune gehalten zu werden.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2013 – Fox Searchlight Pictures, Quelle: imdb.com)

Predator (1987)

Regie: John McTiernan
Original-Titel: Predator
Erscheinungsjahr: 1987
Genre: Action, Horror, Science Fiction
IMDB-Link: Predator


„If it bleeds, we can kill it.“ Arnie im Dschungel, zuerst noch mit einer Armee von Söldnern, um einen zweifelhaften Auftrag auszuführen, dann am Ende allein gegen eine außerirdische Kreatur, den „Predator“. Der sieht im Dunkeln, kann von Baum zu Baum springen, hat fancy Laserwaffen und eine Aversion gegen menschliche Haut – die wird den Opfern einfach abgezogen. Und so mordet sich dieses finstere Wesen fröhlich durch die zunehmend planloseren Soldaten. Bis er schließlich dem ultimativen Endgegner aller Actionfilme der 80er gegenübersteht: Der steirischen Eiche. „Predator“ von John McTiernan, der ein Jahr nach diesem Film mit Stirb Langsam unendlichen Ruhm unter Action-Afficionados einfahren sollte, ist ein schnörkelloser Kracher mit viel Blut, Gedärmen und trockenen One-Linern. Ein Beispiel gefällig? Als Arnie bei einem Überfall auf ein russisches Camp, das heimliche Ziel der Mission im Dschungel, einen gegnerischen Soldaten mit einem Buschmesser an eine Wand nagelt, gibt er diesem noch folgende letzte Empfehlung mit: „Stick around!“ Ja, der Film ist einer der Sorte „Hirn aus, Popcorn rein“, und auch wenn er schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, unterhält er auch heute noch sehr gut. Der dampfige Dschungel, die schweren Waffen, dieses aus allen Poren tropfende Testosteron, der fast bis zum Schluss unsichtbare, übermächtige Gegner, dessen ekliges Creature Design etwas Zeitloses hat – all das hat sich erstaunlich gut bis in die heutige Zeit gehalten. Klar, einen solchen Film würde man heute nicht mehr drehen, dafür ist er a) zu geradlinig und b) zu sehr Macho-Huldigung, aber das heißt nicht, dass er nicht mehr unterhaltsam ist.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1987 Twentieth Century Fox, Quelle: imdb.com)

Die Unglaublichen (2004)

Regie: Brad Bird
Original-Titel: The Incredibles
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Animationsfilm, Action, Komödie
IMDB-Link: The Incredibles


Nach einem schiefgegangenem Einsatz muss sich der Superheld Mr. Incredible ins Privatleben zurückziehen. Sein Glück ist, dass er mit der Superheldin Elastigirl sein privates Glück schon gefunden hat und mit ihr ganz friedlich eine Familie gründen kann. Doch wie es halt so ist, wenn man die beste Zeit gefühlt hinter sich hat, kommt irgendwann das Bedauern und die Sehnsucht. Ja, so ein Familienleben ist schon ganz nett, aber der Job in der Versicherung ist langweilig, der Chef cholerisch, die Kinder, die genetisch bedingt ihre ganz eigenen Fähigkeiten haben, anstrengend, und der Bauch wird immer dicker. Einmal noch so jung und knackig und dynamisch wie früher sein! Kurz: Mr. Incredible findet sich schon bald in einer veritablen Midlife Crisis wieder. Das Angebot einer mysteriösen Schönen, geheime Superhelden-Aufgaben auf einer entlegenen Insel zu erledigen, kommt da wie gerufen. Und während die Ehefrau zuhause glaubt, dass sich der Göttergatte auf einem Business Trip befindet, prügelt sich dieser in der Wildnis mit Amok laufenden Kampfrobotern – und stellt fest, dass man die Vergangenheit aus mehreren Gründen nicht immer abschütteln kann. Und: Dass nichts stärker ist als der Zusammenhalt der Familie. „Die Unglaublichen“ ist ein ganz großer Animationsspaß für Jung und Alt. Der Film ist actiongeladen, temporeich und mit viel Witz inszeniert. An manchen Stellen erinnert er an ein völlig aus dem Ruder gelaufenes Jump’n’Run-Abenteuer, aber so explosiv das alles auch inszeniert ist, vergessen die Macher nicht auf Atempausen, in denen der Fokus ganz auf die Beziehungen innerhalb der Familie rückt, die am Ende gestärkt aus diesem Film hervorgehen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Maria Magdalena (2018)

Regie: Garth Davis
Original-Titel: Mary Magdalene
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Historienfilm, Biopic
IMDB-Link: Mary Magdalene


Da regen sie sich auf, die rechten Socken: Der Simon Petrus ist ein Neger, das gibt’s ja gar nicht, ab da war der Film mein absoluter Hassfilm, ganz schlimm, so was sollte verboten werden! Dabei könnte man bei Garth Davis‘ Bibelfilm/Biopic „Maria Magdalena“ tatsächlich so einiges kritisieren. Nämlich den zähen Erzählfluss zum Beispiel. Die Geschichte schleppt sich dahin wie Moses durch die Wüste. Oder auch die arg idealisierte Darstellung der Maria Magdalena (Rooney Mara), die einfach so makellos ist, dass selbst Jesus neben ihr wie der ärgste Strizzi wirkt. Oder Jesus selbst, von Joaquin Phoenix arg weinerlich dargestellt. (Das erste Mal, dass ich einer Leistung von Joaquin Phoenix nichts abgewinnen kann, der ist ansonsten für mich eine sichere Bank für Bombenleistungen.) Irgendwie stolpert der Film durch seine zweistündige Laufzeit wie eine angeschossene Milchkuh (Zitat des Biathleten Christoph Sumann nach seinem von Krämpfen geplagten Zieleinlauf beim Olympia-Rennen 2010 in Vancouver). Pflichtbewusst werden die wichtigsten Ereignisses des Neuen Testaments abgeklappert, und man glaubt, es wäre interessant und subversiv, wenn man die Figur der Maria Magdalena als moralisches Gewissen des Fischervereins aufbauen, Judas als Sympathieträger positionieren und Petrus als unsympathischen Nörgler und Zweifler darstellen würde. Nein, es macht einen Film nicht interessant, wenn man Figuren ein klein wenig gegen die bekannten Rollen bürstet, aber ansonsten einfach wie bei Malen nach Zahlen von einem Pflichtfeld zum nächsten hatscht – und das noch in einem wirklich langsamen Tempo. Dafür, dass der schwarze Petrus bei den ganzen FPÖ- und AfD-Jüngern Schnappatmung hervorruft, würde ich dem Film ja gerne noch einen Extrapunkt geben, aber dafür ist er dann doch zu simpel, zäh und schlecht geraten.


4,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Das Ding aus einer anderen Welt (1982)

Regie: John Carpenter
Original-Titel: The Thing
Erscheinungsjahr: 1982
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: The Thing


Zefix, ihr Nasen – habt ihr das noch immer nicht begriffen? Man lässt gefälligst die Griffel von seltsamen Zeug aus dem All. Oder hat etwa die Crew auf der Forschungsstation in der Antarktis den Film Das Ding aus einer anderen Welt nicht gesehen? Jedenfalls steht diese, angeführt vom Helikopter-Piloten MacReady (Kurt Russell) bald vor einem gewaltigen Problem. Die Kollegen von der norwegischen Forschungsstation sind offenbar durchgeknallt und ballern aus einem Hubschrauber heraus auf einen armen Huskey. Beim Versuch, diesem bei der Station der Amerikaner endgültig den Garaus zu machen, geht der Hubschrauber in Flammen auf, und alle Norweger sterben. Die Amis sind da erst einmal verwirrt, was ihnen keiner verübeln kann. Und ohne es zu bemerken, holen sie sich bei der Durchsuchung der norwegischen Station einen ungebetenen Gast ins Haus. Dieser hat die dumme Angewohnheit, formzuwandeln, sprich: jedes Lebewesen imitieren zu können (nachdem es dieses getötet hat), und sich wie ein Virus zu verbreiten in der unheiligen Mission, die Menschheit auszurotten – beginnend mit der Antarktis (man muss sich ja bei solchen großen Projekten Schritt für Schritt vorwagen und erst mal ein geeignetes Testfeld finden). Der Transformationsprozess dieses Dings aus dem All sieht spektakulär aus. Die Effekte sind zum Staunen, wunderschön eklig und gewitzt inszeniert. Der dumpf-bedrohliche Soundtrack von Meister Ennio Morricone verstärkt das Gruseln und schafft mit den eisigen Bildern eine Stimmung permanenter, aber nicht greifbarer Bedrohung. In diesem Film muss nicht hinter jeder Ecke ein Monster hervorspringen – im Gegenteil: Die Stärke des Films ist, dass das Monster eben nicht so leicht zu finden ist. Ein Muss für jeden Filmfan! Aber eine Warnung sei dennoch ausgesprochen: Man sollte keinen allzu empfindlichen Magen haben, denn sonst wird’s mühsam.


8,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)

Das Ding aus einer anderen Welt (1951)

Regie: Christian Nyby
Original-Titel: The Thing From Another World
Erscheinungsjahr: 1951
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: The Thing From Another World


Man sollte seltsame Aliens, die eingefroren im Eis liegen, nicht auftauen. Leute, merkt euch das endlich mal! Dabei kommt einfach nichts Gutes raus. Aber im Fall von „Das Ding aus einer anderen Welt“ von 1951 kann man als Entschuldigung für blöde Entscheidungen anführen, dass dieser Sci-Fi-Klassiker einer der ersten war, der sich mit solch seltsamen feindseligen Wesen aus dem All herumplagen musste. Die Helden späterer Filme haben diese Ausrede nicht mehr. Jedenfalls stellen im Film von 1951, den der legendäre Howard Hawks produziert hat und bei dem er auch Co-Regie geführt hat, einige in der Arktis stationierte Wissenschaftler fest, dass wir nicht allein sind im All und dass die Karotte, die in Menschengestalt schon bald durch die Forschungsstation läuft, Lust auf menschliches Blut hat. Das führt zu allerlei Scharmützel, die aber handzahm bleiben – wie auch das Creature Design. Die Fünfziger halt. Technisch war man eben noch nicht so weit, die wirklich gruseligen Ideen von John W. Campbell Jr., der die dem Film zugrunde liegende Kurzgeschichte geschrieben hat, 1:1 umzusetzen. Das ist keine Schande. Der Film punktet stattdessen mit einer lässigen Frauenfigur (Margaret Sheridan als Nikki), einigen sehr sehenswerten Szenen im Eis und einer angenehmen Laufzeit, dank der der Film nur wenige Leerstellen aufweist. Damit sicherte sich „Das Ding aus einer anderen Welt“ von 1951 den Status eines wegbereitenden Werks der Science Fiction. Und auch wenn er heute schon arg angestaubt ist und der Gruselfaktor nun gegen Null tendiert, kann man durchaus mal eine Sichtung wagen.

Demnächst gibt es dann übrigens noch den ultimativen Vergleich mit John Carpenters Verfilmung dieser Geschichte, die noch mehr als die Originalversion von 1951 Kult-Status genießt.


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle: imdb.com)