Deadpool 2 (2018)

Regie: David Leitch
Original-Titel: Deadpool 2
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Action, Fantasy, Komödie, Satire
IMDB-Link: Deadpool 2


Deadpool ist wieder da. Ganz klar: Wenn der mal stirbt, muss man das Mundwerk extra erschlagen. Nur ist das mit dem Sterben nicht so einfach. Nicht, dass er es nicht versuchen würde, aber irgendetwas hält ihn bzw. die nach Explosionen herumfliegenden Teile von ihm am Leben. Vielleicht hat das Schandmaul ohne Skrupel, das auf Verbrecherjagd geht, weil es cool ist, die Schurken zur Strecke zu bringen, ja doch noch eine höhere Aufgabe zu bewältigen. Gegenspieler Cable (der omnipräsente Josh Brolin) jedenfalls erweist sich als harte Nuss, und die Mission, einen 14jährigen Jungen vor diesem schwer bewaffneten Zeitreisenden aus der Zukunft zu beschützen, kostet Blut, Schweiß, Tränen und Gliedmaßen. Das alles ist aber nicht umsonst vergossen, denn wie der geschwätzige Rächer aus der Nachbarschaft schon im Prolog angekündigt hat, ist „Deadpool 2“ ein Familienfilm, und so lernt der Held eben auch, was eine Familie ausmacht. Kino mit pädagogischem Wert also. Die Methoden, dieses Wissen zu vermitteln, mögen vielleicht etwas ungewöhnlich erscheinen, denn es wird gemetzelt, was die Schaschlik-Spieße, die der großmäulige Superheld dekorativ am Rücken trägt, hergeben, aber ungewöhnliche Schüler erfordern eben auch ungewöhnliche Erziehungsmaßnahmen. Kurz gesagt lebt der Film von zwei elementaren Dingen: Vom subversiven und anarchischen Humor seines Titelhelden (brillant verkörpert von Ryan Reynolds, der sich diese Rolle dermaßen angeeignet hat, dass er wohl nie wieder etwas Anderes spielen kann) sowie von der brutalen, schnell geschnittenen Action, die keine Rücksicht nimmt auf Befindlichkeiten oder schwache Mägen. So gesehen führt „Deadpool 2“ den Weg des Vorgängers nahtlos fort. Da der Humor noch absurder ist und noch viel mehr Anspielungen zu entdecken sind, die der Held, der sich bewusst ist, nur eine Filmfigur zu sein, immer wieder einstreut, funktioniert der Film für mich noch besser als der erste Teil. Als Komödie ist „Deadpool 2“ eine echte Perle. Die Story selbst ist ein bisschen dünn und vorhersehbar („That’s just lazy writing“, wie Deadpool alias Ryan Reynolds, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, mal selbst zugibt), aber Spaß macht das Ding von der ersten bis zur letzten Minute.


7,5
von 10 Kürbissen

Uzala der Kirgise (1975)

Regie: Akira Kurosawa
Original-Titel: Dersu Uzala
Erscheinungsjahr: 1975
Genre: Drama, Abenteuerfilm, Biopic, Historienfilm
IMDB-Link: Dersu Uzala


Das Medium Film ist international. So saß ich heute im Gartenbaukino in Österreich, um einen russischen Film eines japanischen Regisseurs mit schwedischen Untertiteln zu sehen, in dem es um einen Kirgisen geht, der eigentlich ein indigener Nanaier ist. Alles klar? „Dersu Uzala“ (wie der Film von Meisterregisseur Akira Kurosawa heißt, „der Kirgise“ im Deutschen ist schlicht ein Fehler) erzählt die Geschichte einer Freundschaft in der unwirtlichen Taiga. Der russische Entdecker Wladimir Arsenjew macht 1902 zufällig die Bekanntschaft mit eben jenem Dersu Uzala, einem älteren Nanai, der durch die Pocken Frau und Kinder verloren hat, und sich allein als Jäger durchschlägt. Arsenjew und Dersu Uzala sind sich sofort sympathisch, und so begleitet Dersu Uzala die russische Expedition als Führer. Auf dieser Expedition, bei der schon der kleinste Fehler den Tod durch die unbarmherzige Natur bedeuten kann, freunden sich die beiden sehr unterschiedlichen Männer an, doch mit dem Ende der Expedition trennen sich auch ihre Wege wieder. Als Arsenjew Jahre später wieder in die Gegend kommt, trifft er erneut auf Uzala, und wieder begleitet Dersu Uzala seinen alten Freund und die Männer, die er anführt, durch die Wildnis. Doch Uzala ist nicht mehr der Jüngste. Seine Augen werden schwächer, und Arsenjew erkennt, dass das Leben da draußen für ihn kaum mehr zu bewältigen ist, wenn er nicht gut sieht. „Dersu Uzala“ erzählt über 2,5 Stunden eine sehr reduzierte, fast schon unspektakuläre Geschichte. Es gibt keinen Feind zu bekämpfen außer der grausamen Natur selbst. Die meiste Zeit über sieht man Männer, die sich durch Schnee und Eis und dichte Wälder kämpfen. Und dennoch steckt sehr viel in diesem Film. Diese fast schon meditative Ruhe, die der Film in seinen grandiosen Naturaufnahmen ausstrahlt, bildet die Fläche, auf der sich die Freundschaft der beiden unterschiedlichen Charaktere aufbauen kann. Und dennoch spürt man, dass sich die beiden Männer trotz aller Nähe, trotz der Gefahren, die sie gemeinsam durchstehen, fremd bleiben – zu fremd nämlich sind sich die Welten, aus denen sie kommen. Dieser Clash of Culture wird von Akira Kurosawa ohne Wertung erzählt. Jeder behält seine Würde in diesem Aufeinandertreffen bei. Das Ende ist konsequent, lakonisch und hinterlässt dennoch (oder gerade deswegen) einen bleibenden Eindruck. Nur hier erlaubt sich Kurosawa so etwas wie einen zynischen Zwischenruf. Doch auch der ist im Grunde nicht sein eigener – denn die Geschichte von Dersu Uzala hat sich tatsächlich so abgespielt. Zynisch war hier das Schicksal selbst.


7,5
von 10 Kürbissen

Das Mädchen aus der Streichholzfabrik (1990)

Regie: Aki Kaurismäki
Original-Titel: Tulitikkutehtaan Tyttö
Erscheinungsjahr: 1990
Genre: Drama, Komödie, Krimi
IMDB-Link: Tulitikkutehtaan Tyttö


Einmal mehr steht in „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ Aki Kaurismäkis Lieblingsdarstellerin Kati Outinen im Mittelpunkt. Sie spielt eine graue Maus, die am Fließband einer Streichholzfabrik arbeitet, zuhause bei den despotischen Eltern lebt und davon träumt, ein unbeschwertes Leben zu führen und einen Mann, der sie begehrt, kennenzulernen. Ihre Träume führen sie bis in ein Tanzlokal, in dem sie tatsächlich die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes erregt, der sie auch prompt zu sich nach Hause einlädt. Doch was wie eine zarte Liebesgeschichte beginnt, entpuppt sich schon bald als Albtraum, denn der Herr ist keineswegs interessiert an einer langfristigen Liaison. Und so muss Iris, das Mädchen aus der Streichholzfabrik, schon bald wieder ihre Träume begraben. Doch dann wendet sich das Schicksal auf dramatische Weise. Viel passiert nicht in Kaurismäkis Film, mit dem er sich noch einmal der Arbeiterklasse zuwendet. Selbst für einen Kaurismäki-Film ist die Handlung sehr reduziert, und auch die Dialoge werden nur sehr spärlich eingesetzt. Viel passiert über Blicke, über Bewegungen, die Monotonie in Iris‘ Leben wird durch repetitive Aufnahmen (zB gleich zu Beginn, als der gesamte Prozess der Streichholzerzeugung gezeigt wird) unterstrichen. Und doch entwickelt man beim Ansehen ein tiefes Verständnis für die Figuren, für ihre Ängste und Sorgen und Hoffnungen. Das ist eine der ganz großen Stärken Kaurismäkis – diese Empathie für die Figuren, die sich auf die Zuseher überträgt. Allerdings ist „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ sicherlich einer der trostloseren Arbeiten des finnischen Filmemachers. Der lakonische Humor blitzt zwar immer wieder durch, doch diesmal liegt der Fokus voll auf den großen Nöten der Hauptfigur. Von daher ist „Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ ein weiterer sehr gelungener Film, steht für mich mit seiner Tristesse ein wenig zurück hinter meinen persönlichen Lieblingsfilmen des Meisters der Lakonie und Reduktion.


7,0
von 10 Kürbissen

Mad Max: Fury Road (2015)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max: Fury Road
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max: Fury Road


„Mad Max: Fury Road“ oder: „Wir fahren eine Stunde lang in die eine Richtung, drehen dann um, und fahren eine Stunde lang wieder in die andere Richtung zurück“. Selten war ein Konzept für einen Film so einfach wie in George Millers Neuauflage der Mad Max-Filmreihe. Diesmal darf der von mir hochgeschätzte Tom Hardy in die Rolle des verrückten Maxl schlüpfen, hat aber, wenn man ehrlich ist, den ganzen Film über lang nicht viel zu melden. Einen Großteil der Action der ersten Stunde verbringt er dekorativ in der ersten Reihe fußfrei als Kühlerfigur, in der zweiten Stunde darf er dann als Sidekick für die furiose Furiosa (Charlize Theron) herhalten. Schönste Szene: Als er mit seinem Gewehr zwei von drei Kugeln verballert, dann kurz mit den Schultern zuckt, die Waffe nach hinten reicht und Furiosa mit der letzten Kugel den heranjagenden Bösewichten wortwörtlich das Licht ausknipst. Frauenpower! Diese gehört auch zu den größten Stärken des Films. Die Damen sehen nicht einfach nur hübsch aus, sondern sie zeigen den Männern, wie ein richtiger Kinnhaken aussieht. Ob das ausreicht, dass man den Film gleich zu einem feministischen Befreiungsschlag hochstilisiert, sei aber mal dahingestellt. Denn abgesehen von den austeilenden Damen hat der Film ansonsten nicht viel übrig für seine Figuren und deren Motivationen. Hier geht’s mal wieder rein um die Action, und die ist natürlich exzellent in Szene gesetzt mit all den technischen Möglichkeiten, die man heute eben so hat (und die George Miller in den 70ern und 80ern noch spürbar gefehlt haben). Aber die Storysuppe ist eben sehr dünn, und irgendwann hat man genug gesehen von völlig durchgeknallten Gitarrensolisten (ja, richtig gelesen) auf explodierenden Fahrzeugen. Wenn man die Schauwerte beiseite lässt, hat der Film nicht wirklich viel zu bieten abgesehen von dem Versuch, sich für drei Filme Macho-Gehabe bei der Frauenwelt zu entschuldigen, indem die Damen nun mal richtig zulangen dürfen. Eh sehr in Ordnung, und auch nach der zweiten Sichtung noch unterhaltsam, aber der Hype, der um ihn entstanden ist, inklusive einer Oscar-Nominierung für George Miller als besten Regisseur sowie eine Nominierung als bester Film neben sechs Oscars in technisch-handwerklichen Kategorien, war vielleicht ein bisschen zu viel des Guten.


6,5
von 10 Kürbissen

Avengers: Infinity War (2018)

Regie: Anthony und Joe Russo
Original-Titel: Avengers: Infinity War
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Action, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Avengers: Infinity War


Thanos, grimmiger Oberschurke mit dem Fünffachkinn, hat nicht alle Murmeln beisammen. Konkret: Es fehlen ihm noch vier Infinity-Steine, dann kann er tun, was ein Thanos tun muss: Mit der Macht der Steine das halbe Universum auslöschen und über den traurigen Rest regieren. Das ist natürlich nicht ganz im Sinne der Avengers und ihrer mittlerweile über viele Galaxien verstreute Freunde, die fortan versuchen, den Genozid-Fan von seinem Vorhaben abzubringen. Überreden lässt sich der Mann ja nur sehr schwer, also gibt es schlagkräftige Überzeugungsarbeit zu leisten auf diversen Planeten und in diversen Konstellationen, bis es schließlich auf der Erde zum großen Showdown kommt. Und der hat es in sich. „Avengers: Infinity War“ muss eine nahezu unmögliche Aufgabe bewältigen: Ein ganzes Klassentreffen von Superhelden, die noch dazu in kleinen Gruppen im Weltall verstreut sind, publikumswirksam auf den Schurken loslassen, und zwar auf eine Weise, die den Zuseher auch noch folgen lässt und gleichzeitig alle Helden abfeiert und niemanden zum Statisten degradiert. Die Russo-Brüder haben sich dieser Aufgabe gestellt – und sie bravourös gemeistert. Denn auch wenn das Spektakel gelegentlich ein bisschen chaotisch wirkt (was bei der Vielzahl von Schauplätzen und Figuren unvermeidbar ist), so behalten sie dennoch immer den Überblick und die Zügel fest in der Hand. Die über mehrere Filme verstreute Vorgeschichte wird nahtlos fortgesetzt, alle lieb gewonnenen Figuren bekommen ihre Screentime und sind für die Geschichte wichtig, der Schurke ist überraschend charismatisch und interessant, und über die Schauwerte braucht man ohnehin nicht groß sprechen, die sind fantastisch. Was aber trotzdem noch überrascht ist die Konsequenz, die das Drehbuch gerade gegen Ende hin aufweist. Jedes weitere Wort mehr würde an dieser Stelle schon das Risiko eines Spoilers bedeuten, also sage ich lieber nicht mehr dazu, sondern nur das: Die Russo-Brüder denken hier mehr an den Film selbst als an die Zuseher, und das ist gut so. Ich habe selten ein Publikum so heftig diskutierend aus einem Kinosaal kommen gesehen wie nach „Avengers: Infinity War“. Der Film macht zum Ende hin alles richtig. Mir persönlich war es ein bisschen zu sehr Planeten-Hopping, auch die Dynamik der Figuren untereinander blieb bedingt durch die rasante Handlung eher außen vor, und einige genre-üblichen Logiklöcher waren zu beklagen, aber nichtsdestotrotz ist „Avengers: Infinity War“ sehr weit oben unter den Comic-Verfilmungen angesiedelt und macht Lust auf mehr.


8,5
von 10 Kürbissen

Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel (1985)

Regie: George Miller und George Ogilvie
Original-Titel: Mad Max Beyond Thunderdome
Erscheinungsjahr: 1985
Genre: Action, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max Beyond Thunderdome


Max Rockatansky hat es in der Endzeit-Wüsten-Welt auch nicht leicht. Eh nur mit Kamelen unterwegs, werden die ihm in der ersten Szene gleich auch noch geklaut. Zu Fuß kommt er also in die Wüstenstadt Bartertown, die von Auntie (Tina Turner, ja: TINA TURNER!) aufgebaut wurde. Leider hat das Tantchen gerade ein Problem: Unter der Stadt wird in einer Fabrik Schweinemist zu Methangas verarbeitet, das wiederum für die Stromversorgung der Stadt genutzt wird. Der Leiter der Fabrik, Masterblaster (diese Namen!), eine Art Zweckgemeinschaft aus dem kleinwüchsigen Master („the Brain“) und dem Hünen Blaster („the Muscle“), die ein bisschen an einen Hai und seinen Putzerfisch erinnert, macht Probleme. Denn eigentlich hält sich Master für … nun ja … den Master der Stadt. Und Tantchen schmeckt das nicht. Also heuert sie Mad Max als Söldner an, um den Blaster von seinem Master zu trennen, also den Körper unter dem Kopf wegzuschlagen. Gut, dass es den „Thunderdome“ gibt – denn in diesem Käfig findet die Rechtssprechung statt, wenn zwei einen Wickel haben. Die Regeln sind leicht verständlich: Zwei gehen rein, einer kommt raus. Also Blaster und Mad Max rein … und dann entwickelt es alles doch ein bisschen anders als gedacht. Es endet damit, dass Max wortwörtlich in die Wüste geschickt wird. Aber alles halb so wild, dort findet er neue Freunde. Irgendwie ist „Jenseits der Donnerkuppel“ ein seltsamer Film, der aus zwei Teilen besteht, die irgendwie nicht so richtig zusammenfinden wollen. Während die eine Hälfte des Films in Bartertown spielt und es um diese Machtgeschichte zwischen Auntie und Masterblaster geht, wechselt der Fokus in der zweiten Hälfte auf eine Gemeinschaft von Kindern und Jugendlichen, die als Nachkommen von Überlebenden eines Flugzeugabsturzes in einer Oase leben. Beide Teile für sich haben ihre Argumente: Die erste Hälfte ist halt wieder staubtrockene Endzeit-Action (in denen die Figuren noch etwas motivationsloser und weniger glaubhaft als in den ersten beiden Mad Max-Filmen sind, aber die Action passt), die zweite Hälfte dann fast schon so eine Art Aussteiger-Öko-Kommunen-Drama, in dem skizziert wird, wie nach der Apokalypse Wissen verloren geht und sich stattdessen Kulte und Riten etablieren. Durchaus interessant – aber die beiden Teile passen nicht zueinander. So ist der dritte Teil der Mad Max-Filmreihe sicherlich der schwächste. Zwar immer noch unterhaltsam, aber nichts, was man danach unbedingt noch einmal sehen muss.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 28 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,0
von 10 Kürbissen

Mad Max 2 – Der Vollstrecker (1981)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max 2: The Road Warrior
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max 2: The Road Warrior


Der zweite Mad Max-Film gehört zu den seltenen Fällen, in denen die Fortsetzung besser als das Original ist. Möglich gemacht hat dies der große Erfolg des ersten Films, dank dem George Miller für die Fortsetzung ein ordentliches Budget zur Verfügung hatte, das er dann gleich mal für richtig gelungene Action-Szenen und der Umsetzung seiner dystopischen Vorstellungen einsetzte. Die Zukunft ist noch abgefuckter als in Teil 1. Das wichtigste Gut der Menschen ist Benzin. Um eine zu einer Festung ausgebauten Raffinerie tobt ein heftiger Kampf zwischen einer Gang von Outlaws unter Lord Humungus und den Menschen, die in der Raffinerie leben und diese betreiben. Max Rockatansky (Mel Gibson), auf der Suche nach Benzin, lässt sich auf einen Deal ein: Er bringt den Leuten einen Sattelschlepper in die Raffinerie, mit dem sie den Benzintank transportieren können, und sie geben ihm dafür Benzin. So weit, so gut. Dass das alles nicht so einfach ist, wenn man in einer Welt lebt, in der es nur noch Verrückte gibt, für die ein Menschenleben nichts wert ist, erschwert die Sache natürlich enorm. Aber Mad Max ist ja auch kein Waldorfschulenabsolvent, und so nimmt der Action-Kracher ordentlich Fahrt auf. Was an „Mad Max 2 – Der Vollstrecker“ überzeugt, ist das reduzierte, aber dennoch sehr wirkungsvoll dystopisch in Szene gesetzte Setting. Das hat schon ein spürbares Endzeitflair. Auch ist der sehr geradlinig inszenierte Film höllisch spannend und weist keine Längen auf. Da ist kein Gramm Fett dran an diesem Mad Max-Film. Trotzdem bleibt der Film unterm Strich natürlich das, was er ist: Ein schnörkelloser Endzeit-Actionfilm, der durch möglichst viele gelungene Explosionen unterhalten will, aber nicht unbedingt eine tiefgründige Botschaft oder besonders ausgeklügelte Motivationen seiner Figuren mit sich bringt. Als Actionfilm funktioniert der Film aber tadellos.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 27 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,0
von 10 Kürbissen

Mad Max (1979)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max
Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max


Wenn man keine Kohle hat, muss man für eine Filmszene auch schon mal seinen eigenen Wohnwagen zerschreddern. Diese cineastische Grenzerfahrung machte George Miller bei seinem Low Budget-Actionfilm „Mad Max“, der zu einem überraschenden Box Office-Hit und Kultfilm geriet (weshalb er dann in weiterer Zukunft seine Wohnwägen behalten durfte). Wenn man den Film in einem Satz beschreiben müsste, würde dieser wohl lauten: Auf dem Highway ist die Hölle los. In einem dystopischen Australien der Zukunft machen Biker-Gangs die Straßen unsicher. Die Polizei stellt sich diesen mit aller Brutalität entgegen und ist dabei um keinen Deut besser. Max (Mel Gibson in der Rolle, die nicht nur George Millers Wohnwagen, sondern auch ihm zum Durchbruch verhalf) ist einer der besten Polizisten. Entspannung nach adrenalinberauschten Verfolgungsjagden findet er zuhause bei Frau und Kind. Doch als er einen berüchtigten Biker, der gerade freiwillig seinen Gefängnisurlaub verkürzt hat, unter die Räder kriegt, legt er sich mit der gefürchtetsten Gang von allen an, die vom sadistischen Toecutter geleitet wird. Klarerweise ist das schon bald eine Belastung für das Familienglück. Doch einen Mad Max macht man besser nicht wütend, denn das geht zulasten der eigenen Gesundheit. Ich kannte bislang nur „Mad Max: Fury Road“ und nutzte die Filmreisechallenge, um die Bildungslücke der fehlenden Original-Trilogie nachzuholen. Im Gegensatz zum schrillen, wüst-trostlosen „Fury Road“ und auch zu den beiden Fortsetzungen ist der erste Mad Max-Film noch erstaunlich gegenwartsnah. Das Dystopie-Feeling der späteren Filme stellt sich noch nicht ein. Dafür sieht man einen schlanken Rache-Action-Reißer, der aus geringen Mitteln viel macht. Dennoch: Wenn man sich aus schnellen Autos und wilden Verfolgungsjagden nicht viel macht, ist „Mad Max“ zwar unterhaltsam, aber nicht so wahnsinnig interessant, da insgesamt doch recht eindimensional.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 26 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Robin Hood, König der Vagabunden (1938)

Regie: Michael Curtiz und William Keighley
Original-Titel: The Adventures of Robin Hood
Erscheinungsjahr: 1938
Genre: Abenteuerfilm, Action
IMDB-Link: The Adventures of Robin Hood


„Robin Hood, König der Vagabunden“ (auch vermarktet als „Die Abenteuer des Robin Hood“) ist quasi der Urknall des Strumpfhosenfilms. Enger saßen die Strumpfhosen erst 40 Jahre später im ersten Superman-Film. Außerdem war das bunte Technicolor-Abenteuer stilbildend für die kommenden Robin Hood-Filme, darunter das Zeichentrickabenteuer von Disney (wird wohl für den Rest meines Lebens meine Lieblingsverfilmung des Robin Hood-Themas bleiben) oder die wunderbare Parodie „Helden in Strumpfhosen“, womit wir wieder beim wichtigsten Ausstattungsmerkmal des Klassikers wären. Generationen von Menschen sind dank des Films in der festen Überzeugung aufgewachsen, dass Bogenschützen lustige Federhüte tragen müssen, in Grün und Rot gekleidet sind und im Idealfall auch noch wie Errol Flynn aussehen. Ich denke, damit sind auch viele schlechte Bewertungen der Ridley Scott-Gurke aus dem Jahr 2010 erklärt. Robin Hood als grimmiger Muskelprotz, der auch blutet, schwitzt und Dreck im Gesicht hat? Sakrileg! Denn wenn man sich auf etwas in „Robin Hood, König der Vagabunden“ verlassen kann, dann darauf, dass niemand blutet, schwitzt oder Dreck im Gesicht hat. Fröhlich grinsend und scherzend hüpfen die Schauspieler bei den Schlachtenszenen im Kreis herum – gerade, dass sie sich nicht alle, ob Freund oder Feind, an den Händen fassen und einen Ringeltanz aufführen. Wenn nur alle körperlichen Auseinandersetzungen so herzerfrischend wären, unser Planet wäre friedlicher als ein Sonntagsbrunch in einem buddhistischen Kloster. Jedenfalls ist „Robin Hood, König der Vagabunden“ eine herrlich naive und unschuldige Angelegenheit, beim Lachen wirft man den Kopf zurück (und da man sehr viel lacht in diesem Film, frage ich mich, ob sich Errol Flynn nicht irgendwann mal während der Dreharbeiten eine Genickstarre eingefangen hat) und gegessen wird natürlich schmatzend und lachend von zehn Kilo schweren Keulen (Ursprungstier: Brontosaurier). Und das alles macht schon auch richtig Spaß. Ernst nehmen kann man den Film nicht, aber als quietschbuntes Sonntagsvergnügen taugt er auch heute noch.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 14 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Saint Jacques … Pilgern auf Französisch (2005)

Regie: Coline Serreau
Original-Titel: Saint Jacques … La Mecque
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Komödie
IMDB-Link: Saint Jacques … La Mecque


Es gibt sie – die wirklich witzigen und herzerwärmenden französischen Komödien. Wie zum Beispiel „Saint Jacques … Pilgern auf Französisch“ definitiv nicht eine davon ist. Die Durchschnittsbewertung auf IMDB ist mit 6,4 gar nicht mal so übel. Ich aber unterstelle einfach mal ganz böse, dass 90% der Stimmen von Franzosen kommen, die den Schnitt so hochtreiben. Franzosen haben offensichtlich einen ganz anderen Humor als ich. Falls ich in diesem Leben echt mieses Karma angesammelt haben sollte, werde ich im nächsten Leben als französischer Komiker wiedergeboren – mit dem Humor aus dem Vorleben. Hungertod mit 22. Fix. Jedenfalls geht es in „Saint Jacques … Pilgern auf Französisch“ um drei sehr unterschiedliche und völlig zerstrittene Geschwister (der egomanische Firmenboss, die frustrierte Gymnasiallehrerin, der verpeilte Alkoholiker und Langzeitarbeitslose), die, damit das Erbe der Mutter nicht an karitative Zwecke geht, sondern an diese drei Arschlöcher, gemeinsam den Jakobsweg gehen müssen – selbstverständlich, ohne sich dabei umzubringen oder sonst irgendwelche Weltkriege auszulösen. Dann gehört die Million ihnen. Also schließen sie sich einer Pilgergruppe an, die quasi ein Best Of sämtlicher Klischees, die man in einem solchen Film erwarten kann, zusammenbringt: Die ehemalige Krebskranke mit dem Kopftuch, die zwei arabischen, fürchterlich dämlich dargestellten Jugendlichen, die glauben, nach Mekka zu pilgern (ha ha, wie lustig), die zwei reichen Schnepfen-Mädels und der Reiseführer mit Migrationshintergrund und goldenem Herzen. Und nun wird gewandert und gestritten, und das soll alles ganz lustig sein, aber irgendwie habe ich vergessen, zu lachen. Vielleicht lag es daran, dass schon die Einführung der drei Geschwister sie so unsympathisch macht, dass sie bei mir von Anfang an einfach unten durch waren. Oder vielleicht lag es daran, dass ich kein Fan davon bin, wenn wandelnde Klischees für Gags herhalten müssen. Vielleicht war es die völlig unglaubwürdige Entwicklung der Geschichte, die von völligem Desinteresse an den Motivationen der Figuren zeugt, die mir das Vergnügen verhagelt hat. Wahrscheinlich war es all das zusammen. Und so verbuche ich „Saint Jacques … Pilgern auf Französisch“ als weiteren missglückten Versuch, französische Komödien lustig zu finden. Filme wie „Ziemlich beste Freunde“ sind tatsächlich seltene Perlen.

Übrigens gehört der Film zu den wenigen, von denen es tatsächlich weder einen deutschsprachigen noch einen englischsprachigen Trailer auf Youtube gibt. Spanisch kann ich anbieten. Hasta la vista!

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 39 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


3,0
von 10 Kürbissen