Science Fiction

Inuyashiki (2018)

Regie: Shinsuke Sato
Original-Titel: Inuyashiki
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Action, Komödie, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Inuyashiki


Herr Inuyashiki ist schon etwas in die Jahre gekommen. Für seine Firma verkauft er recht erfolglos mit Mineralen angereichertes Sportwasser, seine Kinder verachten ihn, ihm läuft ein Hund zu, den seine Frau nicht im Haus haben will, und dann bekommt er noch die Diagnose: Krebs. Drei Monate zu leben. Da kann man es schon nachvollziehen, wenn der gute Mann zum nächtlichen Sinnieren in den Park geht. Dort ist er aber nicht allein. Er bekommt Gesellschaft durch einen High School Schüler – und seltsame Entitäten, die ihn ausknocken. Als Inuyashiki wieder zu sich kommt, ist fortan alles ein bisschen anders. Denn das nächtliche Rendezvous mit den Gästen From Outer Space hat ihm ein paar lässige Zusatz-Features eingebracht. Einen Düsenantrieb zum Beispiel, oder einen Waffe im Arm, und nicht zuletzt die Fähigkeit zu heilen. Damit kann man schon ein paar nette Dinge anstellen. Nur blöd, dass sich an seiner Rolle als gering geschätzter Familienvater erst einmal nichts geändert hat. Und noch blöder, dass der Junge, der in jener Nacht ebenfalls im Park war, die gleichen Special Effects mitbekommen hat, diese schneller zu beherrschen versteht und mit einer Mordswut im Bauch gleich mal ganz Japan den Krieg erklärt. So muss der betagte Bürohengst seine Düsen in die Hand nehmen und hinausziehen ins Gefecht. Die japanische Live-Action-Verfilmung des Animes „Last Hero Inuyashiki“ ist ein durchaus spaßiges und actionreiches Vergnügen mit soliden visuellen Effekten und einem sympathischen Anti-Helden als Hauptfigur. Wenn der völlig überforderte Inuyashiki zum ersten Mal mit seinen neuen Modifikationen konfrontiert wird, sind seine Reaktionen darauf brüllend komisch anzusehen. Was dem Film aber eindeutig fehlt, ist eine nachvollziehbare Handlung. Zwar wird versucht, dem Bösewicht auch eine Geschichte zu geben, aber es bleibt dennoch völlig unschlüssig, warum er dermaßen austickt. Und das ist schade, denn dadurch wird der Film auf ein spaßiges Action-Abenteuer reduziert, das die wirklich tolle Grundprämisse, nämlich den alltägliche Büroangestellten zum Superhelden zu machen, nicht wirklich ausspielen kann. Dennoch hatte ich im Kino meinen Spaß mit dem Film, auch wenn er kaum im Gedächtnis hängenbleiben wird.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 64 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: /slash Filmfestival)

The Darkest Minds – Die Überlebenden (2018)

Regie: Jennifer Yuh Nelson
Original-Titel: The Darkest Minds
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: The Darkest Minds


Irgendwie blöd für die Welt, wenn plötzlich 90% der Kinder von einer seltsamen Epidemie hinweggerafft werden und die restlichen 10% ungute Fähigkeiten entwickeln, die den Erwachsenen höchst suspekt sind (wie beispielsweise Intelligenz – wie man an den letzten Wahlergebnissen weltweit sieht, wohl der schlimmste Feind der Menschheit). Ruby (Amandla Stenberg) ist eines von den übrigen Kindern. Und ihre Fähigkeit ist besonders gefürchtet – sie kann nämlich in die Köpfe der Menschen schauen und Gedanken manipulieren. Versehentlich löscht sie sich aus den Erinnerungen ihrer Eltern und wird von denen prompt den Behörden übergeben, die alle Kinder mit speziellen Fähigkeiten in eine Art KZ einsperren. So weit, so dystopisch. Aber weil wir hier im beliebten Genre der Jugend-Dystopie sind, muss man um die Protagonistin nicht groß fürchten, die auch wieder frei kommt dank der Hilfe einer Ärztin (Mandy Moore, sichtlich erwachsen geworden), als wäre das Ganze nur ein etwas nerviges Sommercamp gewesen. Auf der Flucht schließt sie sich drei weiteren Jugendlichen an, die auf der Suche nach einem sagenumwobenen Camp der Kinder sind. Und damit nimmt die Geschichte ihren routinierten Lauf. Gleich vorweg: Ich kenne die Buchvorlage zu „The Darkest Minds“ nicht und kann daher keinerlei Angaben zur Werktreue geben. Aber ein Meilenstein an Innovation und Originalität dürfte auch die Vorlage nicht gewesen sein. Denn so gut die Ausgangsidee auch ist, erst mal alle Kinder aus dem Leben rauszufegen und die wenigen Überlebenden zu kasernieren, in weiterer Folge ist genau das relativ bedeutungslos für den Fortgang der Geschichte, die sich lieber in einer platten Romanze zweier Darsteller/innen verzettelt, die keinerlei Chemie miteinander aufweisen, und dem üblichen Wir-gegen-die-Bösen-Schmarren, wobei die Ziele aller Beteiligten höchst diffus bleiben. Ein paar nette Momente hat der Film, und Stenberg als tragende Figur macht ihre Sache gut. Aber trotzdem ist alles so banal und vorhersehbar und unoriginell, dass das Ding einfach keinen Spaß macht. Ob es trotz des offenen Endes Fortsetzungen geben wird? Wenn ja, werde ich mir sie wohl nicht ansehen.


4,0
von 10 Kürbissen

Der Wüstenplanet (1984)

Regie: David Lynch
Original-Titel: Dune
Erscheinungsjahr: 1984
Genre: Science Fiction, Fantasy
IMDB-Link: Dune


Hm … das ist jetzt schwierig. Ich mag David Lynch und seine seltsamen Filme (so weit ich sie bislang kenne). Ich mag visionäre Science Fiction. Und ich mag Sean Young, die Anfang der 80er einfach heiß war. Also beste Voraussetzungen für den Science Fiction-Klassiker „Dune“ von David Lynch. Das Paket hat aber dann doch nicht gezündet. Denn die bizarre Geschichte rund um den Krieg um eine bewusstseinserweiternde Droge und einen Messias, der den Bösen dann ordentlich was auf die Mütze geben kann (dabei hat er natürlich eine persönliche Agenda), ist inhaltlich dann doch etwas einfach gestrickt und visuell ist das 1984 erschienene Werk uneinheitlich. Geniale Sequenzen, die voller Fantasie und Originalität und auch drastischer Gewalt stecken, wechseln sich ab mit wirklich lachhaften Effekten. Wenn ich mir da die visionären Bilder des zwei Jahre älteren „Blade Runner“ ansehe, dann überkommt mich ein leises Bedauern. Gut, dieser Vergleich ist vielleicht ein bisschen unfair, denn „Blade Runner“ war seiner Zeit weit voraus, und doch haben andere Science Fiction-Klassiker wie die Star Wars-Reihe, „Alien“ oder „Die Klapperschlange“ schon durchaus Eindrucksvolleres gezeigt. Apropos eindrucksvoll: Das ist Kyle MacLachlan in der Hauptrolle leider nicht. Es ist durchaus nachvollziehbar, warum er mit dem Film nicht zum Star seiner Generation aufstieg, sondern sich fortan eher mit kleineren Brötchen (Nebenrollen und Fernsehen) begnügen musste – wo er es dann zu einer respektablen Karriere gebracht hat, keine Frage, aber als erste Rolle überhaupt die Hauptrolle in einem David Lynch’schen Sci-Fi-Spektakel abzustauben sollte eigentlich mehr Türen öffnen können. Ein einziger Gesichtsausdruck ist aber halt ein bisschen wenig, um einen ganzen Film zu tragen. Was bleibt also zu sagen als Fazit? „Dune“ ist leider nicht gut gealtert. Stellenweise ist der Film immer noch großartig (Kenneth McMillan als böser Baron spielt sich die Seele aus dem Leib) und visuell drastisch, auch Patrick Stewart wirkt in seinen jüngeren Jahren mit (das heißt, er sieht wie 60 aus), aber die Teile greifen für mich nicht so ganz ineinander, und die Story ist irgendwie belanglos. Ach ja, Sting ist auch dabei – wobei bis zum Schluss nicht klar wird, warum. (Vielleicht wurde er ja durch sein Mitwirken zu seinem späteren Song „Desert Rose“ inspiriert – dann war die Mühe ja nicht ganz umsonst.)

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 24 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,0
von 10 Kürbissen

Ant-Man and the Wasp (2018)

Regie: Peyton Reed
Original-Titel: Ant-Man and the Wasp
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Science Fiction, Action, Komödie, Fantasy
IMDB-Link: Ant-Man and the Wasp


Ant-Man (Paul Rudd) backt kleinere Brötchen. Nicht nur wortwörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne, da er mit Fußfessel und Ausgehverbot nun erst einmal alle Zeit der Welt hat, sich seiner Tochter zu widmen. So weit, so gut. Lange hat er ja nicht mehr hin bis zum Ablauf seines Hausarrests – die letzten Tage wird er schon noch irgendwie hinbekommen. Wäre da nicht dieser seltsame, sich durchaus real anfühlende Traum von der Ehegattin seines Mentors aus dem ersten Film, Hank Pym (Michael Douglas), die vor Jahrzehnten im subatomaren Raum verschollen ist. (Klein zu sein und überall rein zu kommen hat eben nicht ausschließlich Vorteile.) Auftritt Dr. Pym samt Tochter (Evangeline Lilly), die nicht nur über eine Wespentaille verfügt, sondern auch als solche Schurken in die Knie zwingt – denn die beiden vermuten eine Verbindung von Scott zur Mini-Mum (Michelle Pfeiffer), und mit der neuesten Erfindung des genialen Dr. Pym sollte man die vielleicht wieder befreien können aus ihrer misslichen Lage. Dieses Gerät weckt aber die Begierde unterschiedlicher weiterer Figuren, darunter einer sehr gespensterhaft umherzuckenden jungen Frau sowie eines leicht debilen und sich grenzenlos selbst überschätzenden Waffendealers. Es kommt, was kommen muss: Ein Actionfeuerwerk, getragen von amüsanten Kontrasten zwischen Groß und Klein. Überhaupt ist Ant-Man ein Held, den man (glücklicherweise) nicht ganz ernst nehmen muss. Lieber mal ein lockerer Spruch als eine konkrete Problemlösung, Hauptsache, man hat die Lacher auf seiner Seite. Alle Beteiligten haben sichtlich Freude an dem Werkl, und das überträgt sich auch aufs Publikum. Nach dem zweiten Deadpool-Film ist „Ant-Man and the Wasp“ nun der zweite Marvel-Film im heurigen Jahr, der nicht mehr sein möchte, als er ist: Nämlich einfach eine Gaudi. Während Deadpool mit seinem derben, nicht jugendfreien Humor die Erwachsenenvariante ist, bietet Ant-Man nun Unterhaltung für die ganze Familie. Fazit: Kann man sich jedenfalls anschauen – zwei Stunden Unterhaltungskino, das wirklich Spaß macht. Logiklöcher und eine konfuse Story verzeiht man da gerne mal.


7,0
von 10 Kürbissen

Das fünfte Element (1997)

Regie: Luc Besson
Original-Titel: The Fifth Element
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: The Fifth Element


Wenn Luc Besson im Regiestuhl sitzt, darf man gespannt sein. Die Bandbreite des Outputs geht dann von genial (zB „Léon – Der Profi“) über sehr sehenswert (zB „Nikita“) bis hin zu sehr mäßig (zB „Lucy“ oder „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten„). Beim seinem Sci-Fi-Spektakel „Das fünfte Element“ aus dem Jahr 1997 handelt es sich glücklicherweise um einen Vertreter der ersten Kategorie. Besetzt mit einer ganzen Star-Riege (Bruce Willis, Milla Jovovich, Gary Oldman, Chris Tucker, Ian Holm, Luke Perry) ist der Film einer der kommerziell erfolgreichsten europäischen Filme aller Zeiten. Das muss ja nicht zwangsweise einhergehen mit hoher Qualität, aber „Das fünfte Element“ macht nahezu alles richtig. Erzählt wird eine epische futuristische Weltrettung mit Ingredienzen, die allesamt etwas over the top sind: Humor, Kostüme, Kulissen – hier ist einfach alles bunt und abgedreht. Selbst Gary Oldman als Superschurke Jean-Baptiste Emanuel Zorg hat die Lacher auf seiner Seite. Der Film macht einfach Spaß – von Anfang bis Ende. Die Story ist fast nebensächlich. Es geht darum, dass alle 5.000 Jahre das Böse aus dem All auftaucht und alles Leben (vorzugsweise auf der Erde) verschlingen möchte. Doch das Gute hat eine Superwaffe, nämlich das fünfte Element (eine Milla Jovovich mit knallrot gefärbten Haaren), das zusammen mit den anderen vier Elementsteinen (Wasser, Feuer, Erde, Luft) das Böse besiegen kann. Blöd nur, wenn das fünfte Element beim Versuch, der Polizei zu entkommen, einem grantigen Taxifahrer (Bruce Willis), der auf der Suche nach der perfekten Frau ist, durch das Dach ins Taxi fällt. Und noch blöder, wenn oben genannter Superschurke auf der Seite des ultimativ Bösen steht und die Elementsteine in seinen Besitz bringen möchte. Dann wird das alles plötzlich ein großes Durcheinander. Irgendwie macht das nicht wirklich viel Sinn, aber eben jede Menge Spaß. Schweinsgesichtige Söldner, Kostüme von Jean Paul Gaultier, dämliche Admirale, abenteuerlustige Priester, Oper und Industrial – hier findet zusammen, was nicht zusammen gehört. Und so funktioniert der Film auch über 20 Jahre nach seiner Entstehung ausgezeichnet. Ein Kultfilm.

PS: Ihr Hollywood-Leute, eines sei euch gesagt: Wenn ihr diesen Film in einem Remake verhunzt, dann gibt’s was auf die Mütze!


9,0
von 10 Kürbissen

Blade Runner (1982)

Regie: Ridley Scott
Original-Titel: Blade Runner
Erscheinungsjahr: 1982
Genre: Science Fiction
IMDB-Link: Blade Runner


Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Diese Frage stellte sich einst der Sci-Fi-Visionär Philip K. Dick und lieferte damit die Vorlage für einen der einflussreichsten Filme aller Zeiten. Und dabei floppte Ridley Scotts „Blade Runner“ mit Harrison Ford in der Hauptrolle erst einmal ordentlich an den Kinokassen. Erst in späteren Jahren wurde der Film wiederentdeckt. Heute gilt er als einer der Wegbereiter moderner Science Fiction. Ich selbst kann mich an meine erste Sichtung noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ich war ein Schüler, lag zuhause in meinem Bett und zappte durchs Spätabendprogramm (ja, damals machte man das noch, dieses „zappen“). Und da lief dieser düstere Science Fiction-Streifen, den ich noch nicht kannte. Und weil der Film in der Fernsehzeitschrift gut bewertet war und ich Harrison Ford mochte, blieb ich hängen. Es dauerte ungefähr drei Minuten, und dann war die lebenslange Beziehung von mir und dem Film besiegelt. Wenn ich einen einzigen Film auswählen müsste, den ich bis ans Ende meiner Tage sehen dürfte, dann wäre es mit Sicherheit dieser. Auf das Nacherzählen der Story verzichte ich an dieser Stelle – man kann diese gerne selbst ergoogeln, wenn man den Film noch nicht kennen sollte. Lieber beschäftige ich mich damit, warum mich dieser Film so unglaublich packt – und das jedes Mal, wenn ich ihn sehe. Es ist das unglaublich düstere Film Noir-Setting – ein dystopisches Los Angeles im Dauerregen, auf Fahrrädern huschen vermummte Gestalten durch den Regen, man spricht Englisch und Chinesisch, die Stadt wirkt so, als hätte man längst aufgegeben, an eine Zukunft zu glauben und macht daher einfach weiter, weiter, weiter. Es ist die ambivalente Figur des Rick Deckard (Harrison Ford), der im Dauerregen und durch seinen Job zu einem Zyniker geworden ist, aber man spürt als Zuseher, dass er eine der wenigen Figuren ist, um die es noch nicht hoffnungslos steht. Es ist diese überraschende Liebesgeschichte und die Motivation dahinter – Liebe aus Verzweiflung, vielleicht gibt es auch gar keine stärkere Liebe. Es ist die Tatsache, dass die Bösen zwar Böses tun, aber man mit Fortdauer des Films immer mehr ihre Motivation begreift und ihre Ängste und ihre Verletzlichkeit, und die Grenzen zwischen richtig und falsch zu verschwimmen beginnen. Es ist die episch-trostlose Musik von Vangelis, die sich wie ein eigener Charakter tief einbrennt und, wenn man sie zum ersten Mal gehört hat, den Hörer den Rest seines Lebens im Unterbewussten begleiten wird. Es ist Rutger Hauers unfassbarer Schlussmonolog, der Filmgeschichte geschrieben hat, und am Ende einer trostlosen Tour de Force durch die schleichende Apokalypse wie ein funkelnder Diamant im Dunkeln steht. Und es ist die Tatsache, dass am Ende dieser zwei Stunden die Ambivalenzen nicht aufgelöst werden und man in weiterer Folge gedanklich immer wieder zurückkehrt zu diesem Meisterwerk und den Fragen, die es aufgeworfen hat. Ein Film für die Ewigkeit.


10
von 10 Kürbissen

Jurassic World: Das gefallene Königreich (2018)

Regie: J. A. Bayona
Original-Titel: Jurassic World: Fallen Kingdom
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Abenteuerfilm, Science Fiction, Thriller
IMDB-Link: Jurassic World: Fallen Kingdom


Vor 25 Jahren musste ein nervöser Versicherungsmakler mitten im Unwetter auf einer Freizeitparkinsel dringend aufs Klo. Die Entledigung seines Abendessens war seine letzte Handlung, ehe er selbst als Abendessen im Magen eines Tyrannosaurus Rex landete. The circle of life. Jedenfalls erzitterte in jenem Jahr die Welt zum ersten Mal vor der Urgewalt der Dinosaurier. „Jurassic Park“ war und ist ein Meilenstein der Filmgeschichte, und auch heute noch sehe ich den Film unheimlich gern. Es folgen zwei weitere Jurassic Park-Fortsetzungen, die recht unterhaltsam waren, aber nicht mehr auf dem Niveau des ersten Films. Im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends beschloss Universal etwas Bahnbrechendes und Kreatives und brachte 2015 mit „Jurassic World“ ein Re-Boot heraus. Der Film war im Grunde eine Wiederholung des ersten Jurassic Park-Films, nur mit noch fieseren Dinosauriern, die man nun extra im Labor herangezüchtet hat. Drei Jahre später bekommt die Reihe nun den nächsten Aufguss. Wieder sind Chris Pratt und Bryce Dallas Howard mit dabei, die schon in „Jurassic World“ als Dino-Appetizer durch den Dschungel gerannt sind – mit zum Teil erstaunlichem Schuhwerk. Diesmal haben sie immerhin passende Schuhe an, aber dafür tun sich in „Jurassic World: Fallen Kingdom“ an anderer Stelle Logiklöcher auf, so groß, dass da locker ein Brontosaurus durchstapfen könnte. Insider-Tipp: Auf die Story besser nicht achten. Im Grunde ist die auch rasch erzählt: Dino-Insel droht zu explodieren, Rettungsmission startet, Insel explodiert, ein paar Dinos werden gerettet und toben sich später in ihrem neuen Domizil aus. Und weil das nicht reicht, mischt auch noch eine neue Laborratte mit, die noch fieser und noch tödlicher und noch teurer ist als das Viech, das im ersten Jurassic World-Film die Insel lahmgelegt hat. „Jurassic World: Fallen Kingdom“ ist natürlich Effektkino. Am besten mit Popcorn zu genießen. Und der Film hat seine guten Momente, keine Frage. Die Szene, in der die Dinosaurier panisch vor dem Vulkanausbruch flüchten und trotzdem dem Untergang geweiht sind, ist herzerweichend. Allerdings liegt darin auch das größte Manko des Films: Die Dinosaurier, die in der ursprünglichen Trilogie noch wilde, unberechenbare Reptilien waren, werden hier immer mehr vermenschlicht. Dadurch wird die ohnehin dünne Story-Suppe noch etwas weiter verdünnt, und irgendwie verlieren die mächtigen Urzeit-Tiere dadurch auch ein wenig von ihrer Exotik, die die ersten Filme noch getragen hat. Insgesamt ist „Jurassic World: Fallen Kingdom“ ein unterhaltsamer, spannender Film, hat aber unübersehbare Schwächen, die mir schon das Vergnügen ein bisschen verhagelt haben. Vielleicht sollte man das Mesozoikum auch einfach mal ruhen lassen.


5,0
von 10 Kürbissen

Godzilla (1954)

Regie: Ishirō Honda
Original-Titel: Gojira
Erscheinungsjahr: 1954
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: Gojira


Es ist Zeit für einen Klassiker. Der erste Godzilla-Film von 1954 ist ein durchaus ansehnliches Trash-Vergnügen, jedenfalls was die Special Effects betrifft. Das Gummimonster mit den lustigen Glubsch-Augen stapft über Kartonmodelle und wirft zornig mit Modelleisenbahnwaggons um sich. Blickt man über diese amüsanten, wenngleich fantasievollen Notbehelfe hinweg, sticht jedoch die gut durchdachte, mitreißende Story ins Auge. „Godzilla“ war anno dazumal nicht weniger als ein Versuch der cineastischen Aufarbeitung des japanischen Atombombentraumas. Gleichzeitig ist die Story verknüpft mit der Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft für das Weltgeschehen. Zwar werden dem Zuseher alle Fragen und Erkenntnisse mit dem Holzhammer eingebläut, aber schon der Versuch, sich dieser Themen anzunehmen, ist löblich und stellt den Original-Godzilla schon mal weit über das Emmerich’sche Desaster von 1998 (über das ich lieber keine weiteren Worte verliere, auch wenn ich Jean Reno seit „Léon der Profi“ vergöttere). Dazu kommen durchaus interessante Protagonisten mit eigenen Geschichten und Motivationen, die dem Zuseher Identifikationsmöglichkeiten bieten. Einzige Schwierigkeit: Die japanischen Gesichter auseinanderzuhalten, was durch die körnigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen noch einmal eine besondere Herausforderung darstellt für das die Physiognomie des Ostens betreffend ungeübte Auge. Aber gut, auch wir Europäer sehen schließlich alle gleich aus. Es ist alles eine Frage der Perspektive. Und die japanische Perspektive ist eine durchaus interessante, die nicht nur viele weitere Fortsetzungen mit sich gezogen, sondern auch dazu geführt hat, dass auch der Westen dieses ur-japanischste aller Monster lieben gelernt hat.

 


6,5
von 10 Kürbissen

Solo: A Star Wars Story (2018)

Regie: Ron Howard
Original-Titel: Solo: A Star Wars Story
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Science Fiction, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Solo: A Star Wars Story


Es gibt eigentlich ein paar ikonische Rollen, die untrennbar mit ihrem jeweiligen Schauspieler verbunden sind, dass jede andere Besetzung einem Sakrileg gleich kommen würde. So zum Beispiel Indiana Jones, der immer mit Harrison Ford verbunden sein wird. Oder der Blade Runner Rick Deckard, der von Harrison Ford genial verkörpert wurde. Oder Dr. Richard Kimble, der von Tommy Lee Jones gejagte Arzt in „Auf der Flucht“, der von Harrison Ford gespielt wurde. Und natürlich: Harrison Ford als Han Solo. Kann ein Jungspund wie Alden Ehrenreich in diese großen Fußstapfen treten? Ich hatte so meine Zweifel. Die sind nun nach der Sichtung von „Solo: A Star Wars Story“ vielleicht nicht gänzlich gewichen und in gegenteilige Begeisterung verkehrt, aber zumindest weitestgehend ausgeräumt. Denn Ehrenreich macht die Sache im Rahmen seiner Möglichkeiten gut. Er stellt einen jugendlich rebellischen, unangepassten Han Solo dar, der erst einmal zum gelassenen Sarkasmus der späteren Jahre („Lieber kleine Freunde als keine Freunde“) finden muss, aber das verschmitzte Grinsen schon wie eine Waffe trägt. Verliebt ist er halt, und ein Schiff hat er noch nicht – die Geschichte, wie er Lando Calrissian (Donald Glover) den Falcon abluchst, wird ebenso erzählt, wie es zur Bekanntschaft und Freundschaft mit Chewbacca kam. Erst einmal muss er aber im Dienste des Söldners Tobias Beckett (nicht zu verwechseln mit Samuel Beckett und dessen Godot), routiniert gespielt von Woody Harrelson, für dessen Auftraggeber eine große Menge des Super-Kraftstoffs Coaxium klauen. Und natürlich ist das noch schwieriger, als es ohnehin schon klingt. Nach einem gescheiterten Versuch wird der Söldnertruppe vom Schurken Dryden Vos (Paul Bettany) Hans alte Flamme Qi’ra (weil man nicht einfach Kira schreiben kann) an die Seite gestellt, die dank der unergründlichen Wege des Schicksals in Drydens Dienste geraten ist. Kira auf Außerirdisch ist adrett und hübsch anzusehen, wird sie doch von Emilia Clarke gespielt, die zarte, kleine Schöne, die auch mal kräftig austeilen kann, wenn nötig. Klar, dass die Hormone des Jung-Hans verrückt spielen – würden meine auch, wenn mich Emilia Clarke so schmachtend ansehen würde. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Immerhin wartet „Solo: A Star Wars Story“ – trotz üblicher Vorhersehbarkeit – im letzten Drittel mit einem lässigen Twist auf. Im Grunde ist aber der Film nicht mehr, aber auch nicht weniger ein gut gemachtes und überraschungsfrei erzähltes Weltraumabenteuer, das sich am besten mit Cola/Bier und Popcorn genießen lässt. Ob es der Anspruch der Star Wars-Saga ist, künftig „nur“ noch gute Unterhaltung zu bieten, sei mal dahingestellt, aber zumindest das liefert das neueste Spin-Off so zuverlässig, wie man es von einem Projekt dieser Größe erwarten kann.


7,0
von 10 Kürbissen

Mad Max: Fury Road (2015)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max: Fury Road
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max: Fury Road


„Mad Max: Fury Road“ oder: „Wir fahren eine Stunde lang in die eine Richtung, drehen dann um, und fahren eine Stunde lang wieder in die andere Richtung zurück“. Selten war ein Konzept für einen Film so einfach wie in George Millers Neuauflage der Mad Max-Filmreihe. Diesmal darf der von mir hochgeschätzte Tom Hardy in die Rolle des verrückten Maxl schlüpfen, hat aber, wenn man ehrlich ist, den ganzen Film über lang nicht viel zu melden. Einen Großteil der Action der ersten Stunde verbringt er dekorativ in der ersten Reihe fußfrei als Kühlerfigur, in der zweiten Stunde darf er dann als Sidekick für die furiose Furiosa (Charlize Theron) herhalten. Schönste Szene: Als er mit seinem Gewehr zwei von drei Kugeln verballert, dann kurz mit den Schultern zuckt, die Waffe nach hinten reicht und Furiosa mit der letzten Kugel den heranjagenden Bösewichten wortwörtlich das Licht ausknipst. Frauenpower! Diese gehört auch zu den größten Stärken des Films. Die Damen sehen nicht einfach nur hübsch aus, sondern sie zeigen den Männern, wie ein richtiger Kinnhaken aussieht. Ob das ausreicht, dass man den Film gleich zu einem feministischen Befreiungsschlag hochstilisiert, sei aber mal dahingestellt. Denn abgesehen von den austeilenden Damen hat der Film ansonsten nicht viel übrig für seine Figuren und deren Motivationen. Hier geht’s mal wieder rein um die Action, und die ist natürlich exzellent in Szene gesetzt mit all den technischen Möglichkeiten, die man heute eben so hat (und die George Miller in den 70ern und 80ern noch spürbar gefehlt haben). Aber die Storysuppe ist eben sehr dünn, und irgendwann hat man genug gesehen von völlig durchgeknallten Gitarrensolisten (ja, richtig gelesen) auf explodierenden Fahrzeugen. Wenn man die Schauwerte beiseite lässt, hat der Film nicht wirklich viel zu bieten abgesehen von dem Versuch, sich für drei Filme Macho-Gehabe bei der Frauenwelt zu entschuldigen, indem die Damen nun mal richtig zulangen dürfen. Eh sehr in Ordnung, und auch nach der zweiten Sichtung noch unterhaltsam, aber der Hype, der um ihn entstanden ist, inklusive einer Oscar-Nominierung für George Miller als besten Regisseur sowie eine Nominierung als bester Film neben sechs Oscars in technisch-handwerklichen Kategorien, war vielleicht ein bisschen zu viel des Guten.


6,5
von 10 Kürbissen