Autor: Filmkürbis

Official Secrets (2019)

Regie: Gavin Hood
Original-Titel: Official Secrets
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Thriller, Krimi, Biopic
IMDB-Link: Official Secrets


Spionagethriller, vor allem, wenn sie auf wahren Begebenheiten beruhen, können eine zähe Angelegenheit sein. Da werden irgendwelche Geheimdokumente, deren Inhalt ohnehin kaum jemand versteht, auf USB-Sticks gespeichert und durch die Weltgeschichte geschickt, man flüstert sich in dunklen Ecken Geheimnisse zu, aber ehrlich: Wer kapiert die schon, wenn man nicht zufälligerweise selbst für einen Geheimdienst arbeitet? Gavin Hoods „Official Secrets“ mit Keira Knightley in der Rolle der realen britischen Whistleblowerin Katherine Gun geht mit der Materie überraschend eingängig um. So komplex der Sachverhalt auch ist, er wird dem Zuseher durchaus nachvollziehbar präsentiert, ohne aber allzu sehr simplifiziert werden so müssen (so jedenfalls mein Eindruck). Unterm Strich ist es eine einfache Geschichte: Haben Großbritannien und die USA die Invasion des Irak 2003 unter Zuhilfenahme illegaler Methoden gegen UNO-Staaten durchgepeitscht, um ihre eigenen Interessen zu wahren? Das Memo, das Katherine Gun der Zeitung The Observer zuspielt, lässt ebendies jedenfalls annehmen. Natürlich möchte man in einem solchen Fall, wenn man es sich mit gleich zwei Weltmächten auf einmal verscherzt, lieber anonym bleiben, aber weil Katherine Gun halt keine Jane Bond ist, sondern nur eine einfache Geheimdienstmitarbeiterin, die noch dazu recht frisch dabei ist, fliegt sie bald auf. Natürlich sind George W. Bush und Tony Blair keine Blofelds, also wird Katherine Gun nicht an einen Stuhl gefesselt, der langsam in ein Haifischbecken abgesenkt wird, während Bush und Blair fies grinsend die letzten Details ihres perfiden Plans verraten, aber auch der Rechtsstaat findet unangenehme Druckmittel, um ein bürgerliches Leben ungemütlich zu gestalten. Da hilft dann nur Rechtsbeistand in Form von Ralph Fiennes. „Official Secrets“ ist ein angenehm gedrosselter, auf das Wesentliche reduzierter Spionagethriller mit echten Figuren und echten Problemen. Er geht nicht tief genug, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben, aber für die Dauer der Sichtung unterhält er spannend und ist handwerklich gut erzählt. Wie wir Österreicher sagen: Passt schon.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Conjuring – Die Heimsuchung (2013)

Regie: James Wan
Original-Titel: The Conjuring
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Horror
IMDB-Link: The Conjuring


Um mich zur Sichtung eines Horrorfilms zu überreden, braucht man gute Argumente. Oder Halloween. Meine Freundin hatte das Datum auf ihrer Seite, und so kam ich zu „The Conjuring“ wie die Jungfrau zum Dämonenbaby. Einen Monat später habe ich das Gesehene so weit verdaut, dass ich darüber schreiben kann. Auch die Rechnungen für die Psychotherapie sind mittlerweile bezahlt. Nur meine Freundin regt sich über unseren Stromverbrauch auf, seit ich in der Nacht alle Lichter brennen lasse und jeden Abend Bubblegumfish von den Harvest Moon Brothers zum Einschlafen brauche. Aber was soll man machen? Alles besser als ein Herzinfarkt. Den erleiden Vera Farmiga und Patrick Wilson als Experten für übernatürliche Phänomene fast im Haus der Familie Perron (Lily Taylor und Ron Livingston plus die obligatorischen Kids). Denn irgendwas Böses passiert hier. Die Familie Perron scheint nicht erwünscht zu sein, doch anstatt einfach freundlich zu bitten und an die menschliche Vernunft zu appellieren, zieht die Präsenz des Hauses gleich mal harte Bandagen auf. Gemein ist ja, dass das Böse immer mit fiesen Tricks spielt, während sich die menschlichen Gegner in der Regel auf Fairplay beschränken. Klar, dass das nicht sonderlich gut ausgeht. Aber irgendwie packt die Figuren in diesen Filmen ja auch immer dieser unnötige Ehrgeiz, den angefangenen Kampf auch zu Ende zu bringen anstatt sich einfach ins nächste Flugzeug zu setzen und so weit wie möglich wegzufliegen. Das hätte jedenfalls ich gemacht. Und wenn die Familie Perron das auch so gehalten hätte, wäre ich jetzt nicht Kunde des Jahres des örtlichen Energieversorgers. Fazit: Auch wenn „The Conjuring“ objektiv der deutlich bessere Film ist – was James Wan betrifft, bleibe ich doch lieber bei Aquaman.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Michael Tackett – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc., Quelle http://www.imdb.com)

Dante’s Peak (1997)

Regie: Roger Donaldson
Original-Titel: Dante’s Peak
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Thriller, Action, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Dante’s Peak


Die 90er waren eindeutig die Zeit von Pierce Brosnan und Katastrophenfilme. Die ultimative Kombination aus beidem stellt Roger Donaldson Vulkanfilm „Dante’s Peak“ dar. Mehr Brosnan geht nicht. Mehr Katastrophenfilm auch nicht. In diesem Film spielt Brosnan den Vulkanologen Dr. Harry Dalton, der – ein wenig panisch geworden nach einem Vulkanausbruch in Kolumbien, bei dem er seine Frau verloren hat – die Bevölkerung der zweitschönsten Kleinstadt der USA sowie seinen optimistischeren Kollegen vor einer drohenden Katastrophe zu warnen, während er der etwas überforderten Bürgermeisterin (Linda Hamilton, ausnahmsweise mal nicht Bad-Ass mit Pump-Gun in der Hand) schöne Augen macht. Das eine klappt weniger gut, das andere schon. Hätten sie bloß Dr. Ian Malcolm aus Vergessene Welt – Jurassic Park dabei gehabt. Der hätte auch gewusst, was auf die Einwohner von Dante’s Peak wartet: „Oh yeah. That’s how it always starts. Then later there’s running and screaming.“ Die Dinosaurier aus dem im gleichen Jahr erschienenen Film fehlen in „Dante’s Peak“ ein wenig. Menschen vor einer Staubwolke davonlaufen zu sehen ist nun mal nicht so spektakulär wie wenn sie vor einem T-Rex flüchten würden. Aber was soll’s. Mögen die Dialogzeilen noch so cheesy sein, manche Charaktere noch so fetzendeppert, irgendwie zündet der Film auch heute noch – und das noch vor der ersten Explosion. Im Gegensatz zu anderen Katastrophenfilmen Mitte der 90er wie „Twister“ und „Volcano“ hat sich „Dante’s Peak“ – wie auch Brosnan selbst – ganz gut gehalten.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1980)

Regie: Jim Abrahams, David Zucker und Jerry Zucker
Original-Titel: Airplane!
Erscheinungsjahr: 1980
Genre: Komödie
IMDB-Link: Airplane!


Es gibt Filme, aus denen wächst man mit der Zeit ein wenig heraus. So ist das der Fall bei mir mit „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (im Original schlicht: „Airplane!“) von Jim Abrahams, David Zucker und Jerry Zucker. Was habe ich den Film als Kind geliebt! Ich hätte mich bei jedem „Over, Roger!“ und den in der Synchronisation auf Bayrisch parlierenden Schwarzen zerkugeln können. Viele Gags unter der Gürtellinie sind mir da sogar noch entgangen – wie etwa der aufblasbare Autopilot. Aber trotzdem – auch wenn das Buch „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ diesen Film führt, und auch wenn manche Gags auch heute noch zünden – irgendwie ist die Magie futsch. Und gerade im Vergleich zur Nackten Kanone-Trilogie, die das gleiche Konzept aufzieht, nämlich die gnadenlose Parodie auf bestimmte Filmgenres, Inhalt wurscht, Hauptsache Gags, Gags, Gags, fällt die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug doch arg ab. Natürlich war das damals bahnbrechend. Ein komplett neues Filmgenre wurde damit geschaffen (das spätestens mit dem Disaster Movie wieder zu Grabe getragen wurde). Insofern hat der Film eine Aufnahme in die cineastische Hall of Fame redlich verdient. Aber was soll ich machen, wenn ich nicht mehr darüber lachen kann? Vielleicht noch eine wehmütige Träne verdrücken und mir wünschen, ich wäre wieder der Zehnjährige, der ständig vor dem Bildschirm kudert, weil er gerade den lustigsten Film aller Zeiten sieht.


5,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 1980 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Everest (2015)

Regie: Baltasar Kormákur
Original-Titel: Everest
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Abenteuerfilm, Drama, Biopic
IMDB-Link: Everest


Das totale Desaster am Mt. Everest im Mai 1996, das später vom Journalisten Jon Krakauer, der selbst dabei war, aufgearbeitet wurde unter dem Titel „In eisige Höhen“, hat mich immer schon fasziniert, seit ich als Jugendlicher im GEO Magazin einen Bericht über eben jene gescheiterte Expedition gelesen habe. Nicht weniger als 8 Bergsteiger ließen am Gipfel der Welt ihr Leben – aufgrund von katastrophalen Fehlern in der Planung, mörderischen Fehleinschätzungen und Selbstüberschätzung. Baltasar Kormákurs Verfilmung der Ereignisse hält sich dabei recht nah an die Berichte der Überlebenden. Er macht nicht den Fehler, die Ereignisse allzu dramatisch zu überhöhen, um den Zusehern mehr Thrill zu bieten. Das, was damals geschehen ist, war dramatisch genug. Natürlich hilft es, wenn man eine gewisse Faszination fürs Bergsteigen mitbringt. Wenn dem nicht so ist, denkt man sich wohl zwei Stunden lang nur: „Ihr Trotteln! Das habt ihr davon, wenn ihr so deppert seid, auf einen Berg raufzukraxeln, wenn es unten doch viel schöner ist.“ Gut, das denkt man sich in jedem Fall irgendwann im Laufe dieser zwei Stunden – ganz gleich, ob man sich fürs Bergsteigen erwärmen kann oder nicht. Aber genießen kann man den Film mit seinen beeindruckenden Panoramaaufnahmen und dem gelungenen Transfer der Kälte und des Windes auf dem Berg in die Wohnzimmer und Kinosäle noch mehr, wenn man sich eben denkt: „Ja, Trotteln allesamt, aber irgendwie schon arg, was die leisten!“. Das macht den emotionalen Fall nur umso tiefer. Unsympathisch sind sie ja alle nicht, weder der von Jason Clarke gespielte Rob Hall noch der von Jake Gyllenhaal verkörperte Scott Fischer – die beiden Anführer der Expeditionen, auf deren Mist das folgende Chaos entstanden ist. Dazu gibt es noch viel Prominenz in den weiteren Rollen: Josh Brolin, John Hawkes, Emily Watson, Keira Knightley, Sam Worthington, Robin Wright – sie alle machen ihre Sache gut. Und ohne jetzt ein Meilenstein der Filmgeschichte zu sein, funktioniert der Film als Abenteuerdrama in klirrender Kälte auf eine perfide, mitreißende Weise. Vor allem in 3D. Nur Höhenangst sollte man dann keine haben.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2015 – Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Das geheime Leben der Bäume (2020)

Regie: Jörg Adolph
Original-Titel: Das geheime Leben der Bäume
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Das geheime Leben der Bäume


Dafür, dass sie für ein funktionierendes Ökosystem so unerlässlich sind, wissen wir noch relativ wenig über das Leben der Bäume. Wie gelingt es ihnen zum Beispiel, viele Jahrhunderte alt zu werden und immer noch so vital auszusehen? Und was genau bringt sie zum Explodieren? Der deutsche Förster Peter Wohlleben geht dem Leben der Bäume seit vielen Jahren auf den Grund und hat seine Erkenntnisse in den Bestseller „Das geheime Leben der Bäume“ verpackt, der nun auch verfilmt wurde. America first, Austria Förster? Von wegen. Wenn es ein Land gibt, in dem sich ein Buch über Bäume millionenfach verkaufen kann, dann Deutschland. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Peter Wohlleben ist ein grundsympathischer Typ, der die doch eher trockene und wenig actiongeladene Materie auf humorvolle Weise rüberbringt und dabei interessante Analogien zum menschlichen Dasein findet. Das fetzt natürlich. Der Film zum Buch verheddert sich hingegen im Unterholz zwischen der Ambition, die Person Peter Wohlleben zu zeigen und greifbar zu machen, und der inhaltlichen Wiedergabe seiner Theorien. Ein Hybridgewächs, das sich nicht entscheiden kann, ob es lieber Porträt oder Lehrfilm sein will und dadurch keines von beidem ist. Dabei sind die Passagen, in denen Peter Wohlleben seine Beobachtungen zu Wäldern und Bäumen teilt, durchaus spannend. Bildungsfernsehen im besten Sinne. Man beginnt sehr rasch zu begreifen, wie wenig man tatsächlich weiß über die Lunge der Erde. Aber immer dann, wenn es interessant wird, kommt schon der nächste Schnitt, und der Film springt zum nächsten Thema, zum nächsten Abschnitt aus Peter Wohllebens Werdegang oder zu einer Talkshow, in der er ein paar Sätze sagen darf, die man zehn Minuten früher ohnehin schon gehört hat. Als Film hat „Das geheime Leben der Bäume“ unübersehbare Schwächen, auch wenn der Inhalt per se faszinierend genug ist, damit man trotzdem dabei bleibt. Man hätte es halt besser machen können.


5,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © CF, Quelle http://www.imdb.com)

REC (2007)

Regie: Jaume Balagueró und Paco Plaza
Original-Titel: REC
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Horror
IMDB-Link: REC


Was Spanier alles gut können: Rotwein machen. Siesta halten. Fußball spielen. Und Basketball. Kirchen bauen (auch wenn sie manchmal die geplante Bauzeit arg überschreiten.) Die Kunstwelt mit dadaistischen und kubistischen Werken verblüffen. Und meinen Puls auf die Flügelschlaggeschwindigkeit von Kolibris hochjagen. Das Konzept von „REC“ ist so watscheneinfach wie wirkungsvoll: Wir folgen einer karrieregeilen Moderatorenschnepfe und ihrem debilen Kameramann, wie sie für das Nachtfernsehen eine Reportage über eine Feuerwehreinheit in Barcelona drehen. Welch Glück für die beiden: Schon bald kommt ein Notruf rein, und die Einheit rückt aus, Schnepfe und Dumpfbacke im Gepäck. In einem Wohnhaus sollen laute Schreie aus der Wohnung einer alten Dame gekommen sein. Die Mitbewohner sind angesichts der nächtlichen Ruhestörung erst mal angepisst und versammeln sich im Stiegenhaus. In dieser Hinsicht ist der Film herrlich Wienerisch – ein halbes Dutzend genervter Leute steht zusammen und regt sich fürchterlich auf, aber niemand weiß was und niemand unternimmt was. Also müssen Feuerwehr und die ebenfalls eingetroffene Polizeieinheit die Wohnung aufbrechen und nachsehen, was da los ist. Und alle Beteiligten – inklusive mir als bekanntem Hosenschisser – wünschen sich bald, sie hätten das nicht getan. „REC“ reiht sich in die Tradition kostengünstig gedrehter „Homemade“-Horrorfilme a la Blair Witch Project oder „Paranormal Activity“ ein. Man braucht dabei nicht viel – eine wackelige Handkamera und eine gute Idee genügen. Diesem Prinzip folgt der Film von Jaume Balagueró und Paco Plaza bis in die letzte Konsequenz, was den Horror vor allem gegen Ende hin umso tiefer unter die Haut gehen lässt. Das Setting ist natürlich fies: Alles spielt sich in einem unscheinbaren Wohnhaus in unscheinbaren Wohnungen ab. Der Grusel ist also nur eine Tür weiter, da muss man gar nicht groß die Fantasie bemühen. Dennoch: Wenn man das Spiel erst mal durchschaut hat, kann man sich auch einigermaßen entspannt darauf einlassen, denn die Story an sich, die sich entfaltet, ist dann wieder recht klassischer Horror und damit recht vorhersehbar.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2007 Castelao Productions, Quelle http://www.imdb.com)

Sieben Jahre in Tibet (1997)

Regie: Jean-Jacques Annaud
Original-Titel: Seven Years in Tibet
Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Drama, Abenteuerfilm, Biopic
IMDB-Link: Seven Years in Tibet


Das Wandern ist des Harrers Lust … Und weil das so ist und weil die Nazis ein paar Erfolgsmeldungen brauchen können, wird eben jener (Brad Pitt) zusammen mit einigen anderen erfahrenen Bergsteigern, darunter Peter Aufschnaiter (David Thewlis), zum Nanga Parbat geschickt, um den „Schicksalsberg“ der Deutschen ein für alle Mal in die Knie zu zwingen. Nun kommt ihnen eine Kleinigkeit dazwischen, ein Weltkrieg nämlich. Und die Briten, die ebenfalls gerade in der Gegend der Welt herumturnen, sacken die deutsch-österreichische Expedition gleich mal fröhlich ein und kerkern sie in Britisch-Indien ein. Nach Jahren können Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter flüchten und schlagen sich über den Himalaya bis ins ferne Tibet durch. Dort wurde gerade ein junges Bürschli (Jamyang Jamtsho Wangchuk) zum neuen Dalai Lama erkoren – eben jener, dessen Lebensweisheiten heute auf allen Zitate-Kalendern zu finden sind. Und weil das Leben manchmal die besten Geschichten schreibt, erfährt der arrogante Pimpf Harrer dort am Dach der Welt seine Läuterung, die in einer tiefen Freundschaft zum Dalai Lama mündet, die bis ans Lebensende von Harrer gehalten hat. Doch das Leben ist eben nicht nur bunter Fernsehkitsch, und die Spannungen zwischen China und dem friedliebenden, buddhistischen Tibet nehmen zu. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt, und die zeigt Jean-Jacques Annaud in seinem Monumentalepos auch in aller Brutalität. Insgesamt kann man am Film durchaus seine Einseitigkeit und Parteinahme kritisieren, auch seine Verkürzung der komplexen Historie, aber wirkungsvoll ist er, keine Frage. Etwas schmerzhafter ist wohl eher der österreichische Akzent, um den sich Brad Pitt und David Thewlis bemühen. Ab dem Zeitpunkt, an dem sie nicht mehr versuchen, auf „Deutsch“ zu parlieren, wird’s besser. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass mit Harrers opportunistischer Einstellung zum NS-Regime etwas zu salopp umgegangen bzw. diese schlicht negiert wird. Und natürlich trieft zeitweise der Kitsch in diesem Film von den Bergwänden herunter. Aber gut, das waren halt die 90er, und damit ist Annaud ausreichend entschuldigt. Unterm Strich bleibt ein Film, der sein zentrales Thema, Freundschaft und Kameradschaft, mit eindrucksvollen Bildern zu untermalen weiß.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Archive Photos/Getty Images – © 2012 Getty Images, Quelle http://www.imdb.com)

Marie Curie – Elemente des Lebens (2019)

Regie: Marjane Satrapi
Original-Titel: Radioactive
Erscheinungsjahr: 2019
Genre: Biopic, Drama, Historienfilm
IMDB-Link: Radioactive


Biopics gehen immer. Man kennt die Namen, vielleicht die grundlegenden Errungenschaften der Person, aber in der Regel nicht den Hintergrund, nicht die private Seite, nicht die Niederlagen und Tiefschläge, die diese Person auf dem Weg zum ewigen Ruhm einstecken musste. Gleichzeitig sind Biopics oft sehr formelhaft angelegt. Junge Jahre, erste Erfolge, gröbere Misserfolge und dann schließlich der Durchbruch, der Sieg, die Anerkennung – das Ganze vielleicht vom Ausgangspunkt des Lebensendes aus erzählt als Reflexion über das gelebte Leben. „Radioactive“, so der eingängigere Originaltitel, von Marjane Satrapi (ein Film, der übrigens auf einer Graphic Novel beruht) ist diesbezüglich keine Ausnahme. Die Formelhaftigkeit des Films über die bedeutende Wissenschaftlerin Marie Curie, die zusammen mit ihrem Mann Pierre unter Anderem die Radioaktivität entdeckte, kann man diesem durchaus anlasten. Gleichzeitig kann Marjane Satrapi auf die Fähigkeiten ihrer beiden Hauptdarsteller vertrauen. Rosamund Pike und Sam Riley spielen das Ehepaar Curie mit Verve und vielschichtig angelegt. Auch zündet (bei mir zumindest) der Regieeinfall, die Konsequenzen der Forschung der Curies, die Errungenschaften, die daraus entstanden sind, in einer Art Vorblende in den Film einzubauen. So verweist das Biopic über das Leben der Hauptfigur hinaus – etwas, was die Formelhaftigkeit des Films dann auch wieder ein wenig durchbricht. Das muss man nicht mögen, und ich kann jegliche Kritik daran nachvollziehen. Aber für mich hat diese Idee gut gepasst und (neben den Leistungen von Pike und Riley) dabei geholfen, den Film über den üblichen Durchschnitt hinwegzuheben. Und liebe Schüler der Zukunft, die diesen Film mit Sicherheit im Unterricht sehen müsst: Ja, der Film ist lang und ja, es gibt hier herzlich wenige Explosionen und blutige Aliens zu sehen, aber das ist doch immer noch besser, als Formeln von der Tafel abzuschreiben, oder?


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Asterix bei den Briten (1986)

Regie: Pino Van Lamsweerde
Original-Titel: Astérix chez les Bretons
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Animation, Komödie
IMDB-Link: Astérix chez les Bretons


Die spinnen, die Briten! Diese Aussage hat sich zweitausend Jahre lang gehalten. Und wer hat’s von Anfang an gewusst? Obelix natürlich! Der fünfte Zeichentrickfilm führt Asterix und Obelix jedenfalls auf die Insel, wo sie Erfahrungen gemischter Art mit englischer Küche, englischen Manieren und englischem Sport machen. Liebevoll überzeichnet und gezeichnet bietet dieses Abenteuer auch heute noch gute Unterhaltung. Vor allem die Eigenheiten der Briten sind witzig und charmant dargestellt. Auch ist der Film – anders als viele andere Asterix-Verfilmungen – tatsächlich sehr eng an die Comic-Vorlage angelehnt. Mit den daraus entstehenden altbekannten Problemen, dass die Dynamiken von Comic und Film halt einfach nicht zueinander passen, aber dafür mit viel Fan-Pleasing der Comicleser. Natürlich fehlt es auch diesem Film an der für die Comics typischen Hintersinnigkeit und den gesellschaftspolitischen Anspielungen. Die Comics bleiben in dieser Hinsicht einfach unerreicht, und es ist kein Wunder, dass sich Asterix auch heute noch einer solchen Beliebtheit erfreut. Aber wenn man diese Unfähigkeit, die sprachliche und sozialkritisch geniale zweite Ebene in den Filmen zu reproduzieren, beiseite lässt, dann kommt unterm Strich dennoch ein vergnüglicher Sonntagnachmittagsfilm raus, der die ganze Familie vor dem Fernseher vereint. Und immerhin wissen wir nun alle, wie der Tee nach England gekommen ist.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)