Autor: Filmkürbis

Die Schlacht um den Planet der Affen (1973)

Regie: J. Lee Thompson
Original-Titel: Battle for the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 1973
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Battle for the Planet of the Apes


Nach dem vierzigsten Messerstich röchelte Caesar mit letzter Kraft: „Mein letzter Wille – benennt einen Salat nach mir!“ Und so ward es geschehen. Der Caesar Salad steht heute für zwei Dinge: Ein schmackhaftes Salatgericht mit einem eigens kreierten Dressing, Croutons und Parmesan einerseits, und für den unglaublichen Salat, den der Hauptaffe in der Planet der Affen-Reihe durch seine unmotivierte Expedition in die verbotene Stadt, die Welt der Menschen angerichtet hat. Wäre er hübsch zuhause geblieben, aber nein, der angeblich so kluge Primat möchte sich ein paar Home Videos seiner Eltern Zira und Cornelius ansehen – als hätte er nicht genug damit zu tun, seine Affenbande zusammenzuhalten und sie davon abzuhalten, den Menschen, die seit der Eroberung vom Planet des Affen versklavt wurden, den Knüppel zu geben. Dazu macht der eigene Sohn gerade eine pubertäre Phase durch. Wie gesagt: Wäre er einfach zuhause geblieben, dann wären die Menschen nicht in ihren Schulbussen ausgerückt, um den Affen den Garaus zu machen. Und dann hätten wir alle nicht diese fürchterlich lahmen Kampfszenen sehen müssen, die jene aus dem Vorgängerfilm noch mal dramatisch unterbieten. Wer hier konzentriert bei der Stange bleibt, ist cineastisch hartgesotten. Mir ist es nicht gelungen. Zu fad, zu banal, zu vorhersehbar und zu lahm ist das Geschehen auf dem Schirm. Und wirklich alle Charaktere sind so eindimensional und langweilig und ja, auch unsympathisch, dass man am Ende einfach hofft, dass dann doch irgendeiner noch einen auf Charlton Heston macht, auf einen roten Knopf drückt und Primaten wie Homo Sapiens gleichermaßen in die ewige Verdammnis schießt. Es ist nämlich wirklich wurscht, wer die Keilerei gewinnt. Hauptsache, der Film ist aus.


2,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Eroberung vom Planet der Affen (1972)

Regie: J. Lee Thompson
Original-Titel: Conquest of the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 1972
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Conquest of the Planet of the Apes


Natürlich ist die Frage naheliegend: Wie konnten Affen die Herrschaft über die Menschen übernehmen? Diese Frage zu beantworten versucht „Eroberung vom Planet der Affen“ von J. Lee Thompson, der vierte Film der Filmreihe. Wir haben in den ersten beiden Filmen gesehen, wie Menschen in die Zukunft reisten, um festzustellen, dass dort die Affen das Sagen haben, wir haben im qualitativ erfreulichen dritten Teil gesehen, wie Affen aus der Zukunft auf die Erde der Jetztzeit kommen und welch Schicksal sie dort erfahren, nachdem die Menschen erst einmal herausgefunden haben, wie das in der Zukunft für sie so laufen wird, und nun versucht man, diese beiden Elemente der Reise in die Zukunft und die Reise in die Vergangenheit zu verbinden und in den Teilen 4 und 5 die Geschichte rund um den intelligenten Revoluzzer Caesar (Roddy McDowall), dem Sohn von Zira und Cornelius, fertig zu erzählen. Das hätte ja auch alles sehr gut ausgehen können, nur sollte man dann nicht die gut gemeinte Sozialkritik in dummen Plattitüden verpuffen lassen und die Action so inszenieren dürfen, dass man die Szenen besser in die Hände eine Schülertheatergruppe gelegt hätte. „Eroberung vom Planet der Affen“ ist ein klarer Fall von „hat sich stets bemüht“ im Dienstzeugnis. Die gesellschaftskritische Komponente ist zu gewollt und zu plump geraten, die Revolution dann zu schnell abgehandelt und schlampig erzählt, und die Action zu langatmig und fad. Der Stoff in anderen Händen hätte durchaus Potential gehabt (allerdings auf zwei Filme aufgeteilt), so aber sollte man Teil 4 und 5 gedanklich lieber zu den Akten legen und sich noch einmal die neue Trilogie mit Andy Serkis als Caesar zur Gemüte ziehen, die eine weitaus intelligentere und spannendere Origin-Story erzählt.


4,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1972 Twentieth Century Fox, Quelle http://www.imdb.com)

Flucht vom Planet der Affen (1971)

Regie: Don Taylor
Original-Titel: Escape from the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 1971
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Escape from the Planet of the Apes


Nach zwei Teilen, in denen Menschen in die Zukunft auf den Planet der Affen reisten, drehten die Macher im dritten Teil den Spieß mal um und schickten die Affen in die menschliche Vergangenheit. Was prinzipiell nach einem billigen Taschenspielertrick klingt, rettete der Filmreihe noch mal kurzfristig den Allerwertesten, ehe dann Teile 4 und 5 die ursprünglich bittere Satire ins Lächerliche verzerrten. Aber soweit sind wir noch nicht – erst mal schauen wir uns an, was die Filmreihe zur Halbzeit abliefert, als das aus den ersten beiden Teilen bekannte Wissenschaftlerpärchen Dr. Zira und Cornelius samt einem dritten Kumpanen, der allerdings bald dem alten Konflikt zwischen Schimpansen und Gorillas zum Opfer fällt, wortwörtlich auf die Erde unserer Zeit fällt. Anfängliche Skepsis über das Eintreffen dieser seltsamen Gäste aus dem All weicht allmählich so etwas wie Euphorie, und es ist sehr witzig und gleichermaßen entlarvend zu sehen, wie die beiden Affen von den Menschen vereinnahmt werden und schon bald in der hohen Gesellschaft herumgereicht werden wie Celebrities. Da macht der Film vieles richtig und zieht bissig über die Sensationslust der Menschen vom Leder. Doch dass diese Idylle nicht lange währen kann, ist keine große Überraschung. Denn spätestens, als sie vom Heimatplaneten und dessen Schicksal erzählen, klingeln bei einigen militärisch gut vernetzten Menschen die Alarmglocken. Die Geschichte nimmt ihren befürchteten Verlauf, und schon bald müssen Zira und Cornelius feststellen, dass wir Menschen halt schon recht wankelmütige Gfraster sind. Es kommt, wie es kommen muss – und das Ende überzeugt durch eine bittere Konsequenz, die in ihrer Kompromisslosigkeit an Teil 2 erinnert, hier jedoch organischer eingearbeitet und damit weniger aufgesetzt wirkt. So kommt der dritte Teil der Affen-Saga qualitativ annähernd an den ersten Film heran und hält alle weiteren Filme der Reihe deutlich auf Distanz. Es wäre besser gewesen, man hätte es nach diesem Film sein lassen, aber Hollywood schmiedet eben seine Eisen, solange sie heiß sind, und so müssen wir uns hier in diesem Blog in den nächsten Tagen mit den Teilen 4 und 5 herumplagen. Aber wir stehen das gemeinsam durch!


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Rückkehr zum Planet der Affen (1970)

Regie: Ted Post
Original-Titel: Beneath the Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 1970
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Beneath the Planet of the Apes


Tja, da hatten sie den Salat. Mit Planet der Affen einen von Publikum und Kritikern wohlwollend aufgenommenen Erfolg, den Druck, möglichst rasch eine Fortsetzung rauszuheizen, doch keine Ideen dafür. Also taten die Produzenten von „Rückkehr zum Planet der Affen“ das, was fantasielose Produzenten seit Anbeginn der Filmrolle zu tun pflegen: Sie drehten einfach die gleiche Geschichte mit minimalen Variationen noch mal. In diesem Fall streut es den Astronauten Brent (James Franciscus, nicht verwandt mit dem aktuellen Papst) mit seinem Schiff auf den fremden Planeten, er hat keinen Schimmer, wo er sich befindet, ist aber gewillt, den Astronauten Taylor (Charlton Heston) zu finden, der hier irgendwo sein muss, entdeckt, dass der Planet von Affen regiert wird, wird von den Affen gefangengenommen, stößt auf die Wissenschaftlerin Dr. Zira (Kim Hunter), bandelt mit der hübschen, aber schweigsamen Nova (Linda Harrison) an und so weiter und so fort. Im letzten Drittel des Films kommt immerhin die minimale Variation in Form einer weiteren Zivilisation ins Spiel. Das Ende ist grimmig und konsequent und gleichzeitig lächerlich und antiklimatisch – das muss man auch erst mal so hinbekommen … Immerhin hat das Ende sämtliche Türen, die Geschichte zum dritten Mal auf ähnliche Weise zu erzählen, mit Nachdruck zugeschlagen, sodass es für die restlichen Filme dann nur mehr eine übrige Richtung gab und die tatsächlich etwas Neues bieten mussten – was mit dem dritten Teil der Filmreihe auch gut gelungen ist, bevor die Reihe vollends den Bach hinunterging. Aber davon später mehr.


5,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Planet der Affen (1968)

Regie: Franklin J. Schaffner
Original-Titel: Planet of the Apes
Erscheinungsjahr: 1968
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Planet of the Apes


Charlton Heston war unzufrieden. Er warf sich auf die Knie, trommelte mit den Fäusten in den Sand und verfluchte die Menschheit. Anschließend fuhr er nach Hause, kaufte sich ein Gewehr und wurde Präsident der National Rifle Association, um sich die Mitbürger, die unseren Planeten so in den Ruin getrieben haben, dauerhaft vom Leib zu halten. Man müsse ihm die Puffen schon aus den „cold, dead hands“ reißen, so Jahrzehnte später ein immer noch grantiger Heston. Ich versteh’s ja. Da kommst du als Astronaut auf einen recht hübschen Planeten und wirst von Affen (!) gefangengenommen, die hier das Sagen haben. Deine Kollegen werden lobotomiert oder gleich erschossen, das hübsche Mädel aus dem Nachbarkäfig (Linda Harrison) spricht kein Wort, und am Ende stellst du fest, dass die Menschheit, diese Krone der Schöpfung, selbst dieses Schicksal herausgefordert hat. Ich wäre da auch schlecht gelaunt, keine Frage. Da hilft auch kein haariges Affenbussi von der gebildeten Schimpansin Dr. Zira (Kim Hunter) am Ende. Das ist alles einfach echt blöd gelaufen. „Planet der Affen“ ist heute noch ein Lehrstück satirischen Darwinismus, und die Grundanlage des Films ist so simpel wie effektiv und dient dazu, mal kräftig über religiösem Fanatismus, soziale Strukturen und die Selbstverständlichkeit des Menschen, sich die Erde untertan zu machen, herzuziehen. Wenn man bedenkt, dass der Film nun schon über 50 Jahre alt ist, können auch noch die Kostüme und Masken überzeugen. Lediglich bei den Effekten, dem Macho-Gehabe, das Charlton Heston an den Tag legt, und vor allem den lachhaften Dialogen muss man Abstriche machen. Die haben den Test der Zeit nicht gut bestanden. Dennoch ist „Planet der Affen“ ein Sci-Fi-Klassiker, den man als Filminteressierter kennen sollte bzw. der einen solch tiefen popkulturellen Fußabdruck hinterlassen hat, dass man eigentlich ohnehin fast nicht um ihn herumkommt. Über Charlton Hestons Karriere in der NRA hingegen breiten wir lieber den Mantel des Schweigens.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (2008)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull


Altersmilde oder gar Altersweisheit stehen Indiana Jones nicht sonderlich gut. Da hilft es auch nicht, wenn plötzlich so ein pomadisierter Teenager (Shia LaBeouf) vor der Tür steht und sich als Abenteurer Jr. vorstellt. Zieht man halt gemeinsam ins nächste Abenteuer, wobei der Junior vom Senior so einiges lernen kann. Klar, wer sich mit Nazis um die Bundeslade und den Heiligen Gral gestritten hat und im indischen Todestempel beinahe sein Herz verloren hat (wortwörtlich), der ist mit allen Wassern gewaschen. Wenn’s ums Überleben geht, kann man nicht genug Erfahrung aufweisen. Und all seine Erfahrung braucht Indiana Jones in seinem neuen Abenteuer. Denn in diesem Fall darf er sich mit russischem Militär angeführt von einer eisigen Cate Blanchett herumprügeln und muss dabei zeitgleich noch eine Verflossene und einen alten Freund befreien. Keine Zeit für Ruhestand, auch wenn die Knochen manchmal schon weh tun. Und so muss ein Indiana Jones eben tun, was ein Indiana Jones so tun muss. Das vierte Abenteuer rund um den rastlosen Archäologen mit den unkonventionellen Problemlösungen bietet more of the same. Dschungel. Lianen, wilde Prügeleien und Verfolgungsjagden und übernatürliche McGuffins. Das alles hat man in den ersten drei Teilen schon zur Genüge und auch in Perfektion gesehen. Das Rad neu zu erfinden, das traut sich in diesem Falle eines weltweiten Kulturgutes nicht einmal Steven Spielberg selbst. Was nun tatsächlich nach all den Jahren zu einer gewissen Ermüdung führt. Andererseits spielt Spielberg routiniert seine Stärken aus, da muss er gar nicht erst groß ins Risiko gehen. Hat die Welt diese Fortsetzung gebraucht? Das wahrscheinlich nicht. Aber unterhaltsam ist der Film dennoch.


6,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Indiana Jones and the Last Crusade
Erscheinungsjahr: 1989
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: Indiana Jones and the Last Crusade


Reden wir mal über Perfektion. Denn „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ ist ein perfekter Film. Rasante und spannungsgeladene Action, perfekt eingesetzte Situationskomik, eine grandiose Besetzung, aus der vor allem Sir Sean Connery als Indiana Jones‘ Vater hervorsticht, eine mystische Geschichte und am Ende die Suche nach dem, was wirklich zählt im Leben. Steven Spielberg hat mit diesem Film (anders als mancher Tiroler Landesrat während der Corona-Pandemie) tatsächlich alles richtig gemacht. Hätte er nicht so viele andere geniale Filme in seinem Repertoire, wäre „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ so etwas wie ein monumentales Lifetime Achievement. Aber wir reden von dem Mann, der uns „Der weiße Hai“, „E.T.“, „Schindlers Liste“, „Der Soldat James Ryan“ oder Jurassic Park beschert hat – jeder einzelne ein Meilenstein der Filmgeschichte. „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ hat dennoch einen besonderen Platz in meinem Herzen, denn so unterhaltsam und dabei handwerklich so perfekt ist bislang kaum ein anderer Film gewesen. Die Mischung aus Humor und Spannung sucht ihresgleichen. Bei den meisten anderen Filmen überwiegt ein Aspekt – da geht der Humor zulasten der Spannung oder umgekehrt. Der dritte Indiana Jones-Film ist hingegen ideal abgemischt und damit der Inbegriff eines zeitlosen Films, der auch noch in 50 Jahren begeistern wird. Besser kann Unterhaltungskino nicht sein. „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ ist nicht nur der Höhepunkt der Indiana Jones-Filmreihe, sondern auch ein Höhepunkt der Filmgeschichte, und warum er nicht in dem Buch „1001 Filme, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ gelistet ist, gehört zu den unerklärlichen Mysterien des Universums. Wer darauf eine Antwort kennt oder zumindest vermutet, darf mir gerne schreiben.


9,5 Kürbisse

(Bildzitat: © 1989 Paramount HE, Quelle http://www.imdb.com)

Indiana Jones und der Tempel des Todes (1984)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Indiana Jones and the Temple of Doom
Erscheinungsjahr: 1984
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: Indiana Jones and the Temple of Doom


Der Film hat seine Fangemeinde, aber allgemein wird „Indiana Jones und der Tempel des Todes“, der zweite Teil der Indiana Jones-Filmreihe, etwas schwächer bewertet als der erste und der dritte Film. Und auch ich bin kein großer Fan des zweiten Abenteuers rund um den wagemutigen Archäologen (Harrison Ford), wenngleich mich der Film nach wie vor sehr gut unterhält. Aber woran liegt es, dass der düstere Mittelteil der Trilogie, die später um einen vierten Film ergänzt wurde, trotz etlicher legendärer Szenen (Das Dinner! Der Käfig! Die wilde Verfolgungsjagd in den Stollen!) auf hohem Niveau etwas zurückbleibt? Nun, zum Einen ist der Film deutlich düsterer als die anderen Teile der Reihe, was angeblich darauf zurückgeht, dass sowohl Steven Spielberg als auch George Lucas während der Arbeiten an dem Film privat etwas gebeutelt waren, was sich in der Grundstimmung des Films spiegelte. Zum Anderen funktioniert Kate Capshaw als Sängerin Willie, die unverhofft in das neueste Abenteuer von Indiana Jones hineingezogen wird, leider überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die meiste Zeit über ist ihre Rolle überaus nervig. Immerhin führte ihre Beteiligung an dem Film zu einer Ehe mit Steven Spielberg – also wird sie selbst wohl ihren Frieden gefunden haben mit dem kläglichen Auftritt in diesem Film. Und auch der witzige Sidekick Short Round (Jonathan Ke Quan) bringt zwar eine nette Dynamik in das Geschehen, es wird aber nur unzureichend erklärt, warum er überhaupt an Indys Seite klebt. All diese Charaktere wirken wie notdürftig in den Film geflickt, und es liegt am Ende mal wieder an Harrison Fords Charme, um den Film zusammenzuhalten. Immerhin darf er als Indiana Jones diesmal aktiv etwas zu der Story beitragen. Und diese ist auch runder gebaut als noch im ersten Film – da sammelt der zweite Teil also Pluspunkte ein. Trotzdem: „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ ist der Film, den man sich ansieht, weil man demnächst Teil 3 sehen möchte. Was natürlich unfair ist, da der Film per se wirklich gut gelungen ist, aber gemessen an dem, was vor ihm kam, und vor allem an dem, was danach kam, fehlt halt doch das gewisse Etwas.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: © Lucasfilm Ltd. & TM, Quelle http://www.imdb.com)

Jäger des verlorenen Schatzes (1981)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Raiders of the Lost Ark
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Abenteuerfilm
IMDB-Link: Raiders of the Lost Ark


Es kann so simpel sein: Man dreht einen Film über einen eigentlich ziemlich unsympathischen Macho, der selbst Null zur Story beiträgt, und dann wird das solch ein Erfolg, dass dieser unsympathische Macho zur popkulturellen Ikone aufsteigt, drei Fortsetzungen folgen und eine Zeit lang jedes Kind Schatzsucher von Beruf werden wollte. Dabei könnte „Jäger des verlorenen Schatzes“, der erste Teil der Indiana Jones-Filmreihe, gut und gerne auf Indiana Jones verzichten – die Geschichte würde deshalb nicht groß anders ablaufen. Der Hauptbeitrag von Indy besteht aus trockenen Sprüchen, während auf ihn geschossen oder er von grimmigen Gestalten gejagt wird. Die eigentliche Arbeit bei der Suche nach der verschollenen Bundeslade erledigen andere. Trotzdem funktioniert der Film, was nicht zuletzt an Harrison Ford liegt, der nach Han Solo als Indiana Jones die zweite Lebensrolle ausfüllte. Andere Schauspieler würden sich alle Finger danach ablecken, nur einmal in die Nähe einer solchen Kultrolle zu kommen, und Harrison Ford schüttelt die der Reihe nach aus dem Ärmel, als wäre er der einzige Schauspieler auf der Welt. Aber er ist halt auch eine coole Socke, und wirklich niemand hätte den verwegenen Archäologen mit der lockeren Moral so stimmig verkörpern können wie er. Da wird dann auch jede Story zur Nebensache. Im Grunde geht es bei allen Indiana Jones-Filmen nur darum, dabei zuzusehen, wie sich Harrison Ford aus brenzligen Situationen befreit, während er Rätsel löst, die ihn zu einem verwunschenen Schatz führen. „Jäger des verlorenen Schatzes“ als erster Teil der Reihe spricht das Kind in uns allen an, das davon geträumt hat, irgendwann einmal aufzubrechen, um nach dem roten X auf einer Schatzkarte zu suchen. Mehr will der Film nicht sein, mehr muss er auch nicht sein, mehr dürfte er eigentlich auch gar nicht sein. In seinem kindlichen Vergnügen liegt seine große Stärke.


8,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1981 – Lucasfilm, Ltd., Quelle http://www.imdb.com)

Neues aus der Welt (2020)

Regie: Paul Greengrass
Original-Titel: News of the World
Erscheinungsjahr: 2020
Genre: Western, Drama
IMDB-Link: News of the World


Als alter Queen-Fan (die Band, nicht das Königshaus) ist man beim Titel „News of the World“ natürlich erst mal getriggert – heißt doch das grandiose sechste Studioalbum aus dem Jahr 1977 mit Hits wie „We Will Rock You“, „We Are the Champions“ oder „Spread Your Wings“ so. Für mich das große Highlight des Albums war aber immer das melancholisch-rockige „It’s Late“, und hier finden wir nun auch die Brücke zum neuesten Film von Paul Greengrass, nach der du, liebe Leserin, lieber Leser, wohl schon skeptisch gesucht hast. Denn sein karger Western erzählt vom alternden Soldaten Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks), der nun als Vorgänger von Armin Wolf (der, falls er mal wortwörtlich umsatteln möchte, ebenfalls einen herausragenden Western-Helden abgeben würde), nämlich als früher Nachrichtensprecher, seine Brötchen verdient. Gegen Eintrittsgeld liest er aus den Zeitungen vor und untermalt diese dramatisch, sodass daraus fast schon Bühnenstücke werden. Aber: It’s late für den Mann, der so viel gesehen hat und keinerlei Ambitionen mehr hat. Daran scheint zunächst auch nicht einmal die junge Johanna (Helena Zengel, die nach ihrem gloriosen Auftritt in Systemsprenger nun Hollywood erobert) zu ändern – ein verlorenes Mädchen mit deutschen Wurzeln, das aber bei Kiowa aufgewachsen ist und nun – nach ihren deutschen Eltern – auch ihre Kiowa-Eltern verloren hat. Was tun mit einem Kind, das nirgendwo dazugehört? Kidd nimmt eher widerwillig die Aufgabe an, das Kind quer durch den Westen zu Verwandten zu bringen. Auf dem Weg – und das wird jetzt kein großer Spoiler sein – finden die beiden unfreiwillig Aneinandergeketteten dann aber doch einen Zugang zueinander. „News of the World“ ist eher ein stilles Beziehungsdrama, das halt zufälligerweise im Wilden Westen spielt, als ein typischer Western, auch wenn Greengrass das Western-Topos ideal bedient. Genau darin liegt aber die Stärke des Films. Es gibt auch grimmige Burschen, es gibt gefährliche Situationen und Begegnungen, es gibt Staub, Schlamm und Dreck, aber im Zentrum steht immer nur die langsam aufkeimende Beziehung zwischen  zwei verlorenen Seelen. Der Film ist sensibel erzählt und von Hanks und Zengel glaubwürdig gespielt. Und wahrscheinlich hätte Queens „It’s Late“ auch gut zum Abspann gepasst.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Photo by Bruce Talamon – © 2020 UNIVERSAL STUDIOS, Quelle http://www.imdb.com)