Science Fiction

Avengers: Infinity War (2018)

Regie: Anthony und Joe Russo
Original-Titel: Avengers: Infinity War
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Action, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Avengers: Infinity War


Thanos, grimmiger Oberschurke mit dem Fünffachkinn, hat nicht alle Murmeln beisammen. Konkret: Es fehlen ihm noch vier Infinity-Steine, dann kann er tun, was ein Thanos tun muss: Mit der Macht der Steine das halbe Universum auslöschen und über den traurigen Rest regieren. Das ist natürlich nicht ganz im Sinne der Avengers und ihrer mittlerweile über viele Galaxien verstreute Freunde, die fortan versuchen, den Genozid-Fan von seinem Vorhaben abzubringen. Überreden lässt sich der Mann ja nur sehr schwer, also gibt es schlagkräftige Überzeugungsarbeit zu leisten auf diversen Planeten und in diversen Konstellationen, bis es schließlich auf der Erde zum großen Showdown kommt. Und der hat es in sich. „Avengers: Infinity War“ muss eine nahezu unmögliche Aufgabe bewältigen: Ein ganzes Klassentreffen von Superhelden, die noch dazu in kleinen Gruppen im Weltall verstreut sind, publikumswirksam auf den Schurken loslassen, und zwar auf eine Weise, die den Zuseher auch noch folgen lässt und gleichzeitig alle Helden abfeiert und niemanden zum Statisten degradiert. Die Russo-Brüder haben sich dieser Aufgabe gestellt – und sie bravourös gemeistert. Denn auch wenn das Spektakel gelegentlich ein bisschen chaotisch wirkt (was bei der Vielzahl von Schauplätzen und Figuren unvermeidbar ist), so behalten sie dennoch immer den Überblick und die Zügel fest in der Hand. Die über mehrere Filme verstreute Vorgeschichte wird nahtlos fortgesetzt, alle lieb gewonnenen Figuren bekommen ihre Screentime und sind für die Geschichte wichtig, der Schurke ist überraschend charismatisch und interessant, und über die Schauwerte braucht man ohnehin nicht groß sprechen, die sind fantastisch. Was aber trotzdem noch überrascht ist die Konsequenz, die das Drehbuch gerade gegen Ende hin aufweist. Jedes weitere Wort mehr würde an dieser Stelle schon das Risiko eines Spoilers bedeuten, also sage ich lieber nicht mehr dazu, sondern nur das: Die Russo-Brüder denken hier mehr an den Film selbst als an die Zuseher, und das ist gut so. Ich habe selten ein Publikum so heftig diskutierend aus einem Kinosaal kommen gesehen wie nach „Avengers: Infinity War“. Der Film macht zum Ende hin alles richtig. Mir persönlich war es ein bisschen zu sehr Planeten-Hopping, auch die Dynamik der Figuren untereinander blieb bedingt durch die rasante Handlung eher außen vor, und einige genre-üblichen Logiklöcher waren zu beklagen, aber nichtsdestotrotz ist „Avengers: Infinity War“ sehr weit oben unter den Comic-Verfilmungen angesiedelt und macht Lust auf mehr.


8,5
von 10 Kürbissen

Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel (1985)

Regie: George Miller und George Ogilvie
Original-Titel: Mad Max Beyond Thunderdome
Erscheinungsjahr: 1985
Genre: Action, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max Beyond Thunderdome


Max Rockatansky hat es in der Endzeit-Wüsten-Welt auch nicht leicht. Eh nur mit Kamelen unterwegs, werden die ihm in der ersten Szene gleich auch noch geklaut. Zu Fuß kommt er also in die Wüstenstadt Bartertown, die von Auntie (Tina Turner, ja: TINA TURNER!) aufgebaut wurde. Leider hat das Tantchen gerade ein Problem: Unter der Stadt wird in einer Fabrik Schweinemist zu Methangas verarbeitet, das wiederum für die Stromversorgung der Stadt genutzt wird. Der Leiter der Fabrik, Masterblaster (diese Namen!), eine Art Zweckgemeinschaft aus dem kleinwüchsigen Master („the Brain“) und dem Hünen Blaster („the Muscle“), die ein bisschen an einen Hai und seinen Putzerfisch erinnert, macht Probleme. Denn eigentlich hält sich Master für … nun ja … den Master der Stadt. Und Tantchen schmeckt das nicht. Also heuert sie Mad Max als Söldner an, um den Blaster von seinem Master zu trennen, also den Körper unter dem Kopf wegzuschlagen. Gut, dass es den „Thunderdome“ gibt – denn in diesem Käfig findet die Rechtssprechung statt, wenn zwei einen Wickel haben. Die Regeln sind leicht verständlich: Zwei gehen rein, einer kommt raus. Also Blaster und Mad Max rein … und dann entwickelt es alles doch ein bisschen anders als gedacht. Es endet damit, dass Max wortwörtlich in die Wüste geschickt wird. Aber alles halb so wild, dort findet er neue Freunde. Irgendwie ist „Jenseits der Donnerkuppel“ ein seltsamer Film, der aus zwei Teilen besteht, die irgendwie nicht so richtig zusammenfinden wollen. Während die eine Hälfte des Films in Bartertown spielt und es um diese Machtgeschichte zwischen Auntie und Masterblaster geht, wechselt der Fokus in der zweiten Hälfte auf eine Gemeinschaft von Kindern und Jugendlichen, die als Nachkommen von Überlebenden eines Flugzeugabsturzes in einer Oase leben. Beide Teile für sich haben ihre Argumente: Die erste Hälfte ist halt wieder staubtrockene Endzeit-Action (in denen die Figuren noch etwas motivationsloser und weniger glaubhaft als in den ersten beiden Mad Max-Filmen sind, aber die Action passt), die zweite Hälfte dann fast schon so eine Art Aussteiger-Öko-Kommunen-Drama, in dem skizziert wird, wie nach der Apokalypse Wissen verloren geht und sich stattdessen Kulte und Riten etablieren. Durchaus interessant – aber die beiden Teile passen nicht zueinander. So ist der dritte Teil der Mad Max-Filmreihe sicherlich der schwächste. Zwar immer noch unterhaltsam, aber nichts, was man danach unbedingt noch einmal sehen muss.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 28 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,0
von 10 Kürbissen

Mad Max 2 – Der Vollstrecker (1981)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max 2: The Road Warrior
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max 2: The Road Warrior


Der zweite Mad Max-Film gehört zu den seltenen Fällen, in denen die Fortsetzung besser als das Original ist. Möglich gemacht hat dies der große Erfolg des ersten Films, dank dem George Miller für die Fortsetzung ein ordentliches Budget zur Verfügung hatte, das er dann gleich mal für richtig gelungene Action-Szenen und der Umsetzung seiner dystopischen Vorstellungen einsetzte. Die Zukunft ist noch abgefuckter als in Teil 1. Das wichtigste Gut der Menschen ist Benzin. Um eine zu einer Festung ausgebauten Raffinerie tobt ein heftiger Kampf zwischen einer Gang von Outlaws unter Lord Humungus und den Menschen, die in der Raffinerie leben und diese betreiben. Max Rockatansky (Mel Gibson), auf der Suche nach Benzin, lässt sich auf einen Deal ein: Er bringt den Leuten einen Sattelschlepper in die Raffinerie, mit dem sie den Benzintank transportieren können, und sie geben ihm dafür Benzin. So weit, so gut. Dass das alles nicht so einfach ist, wenn man in einer Welt lebt, in der es nur noch Verrückte gibt, für die ein Menschenleben nichts wert ist, erschwert die Sache natürlich enorm. Aber Mad Max ist ja auch kein Waldorfschulenabsolvent, und so nimmt der Action-Kracher ordentlich Fahrt auf. Was an „Mad Max 2 – Der Vollstrecker“ überzeugt, ist das reduzierte, aber dennoch sehr wirkungsvoll dystopisch in Szene gesetzte Setting. Das hat schon ein spürbares Endzeitflair. Auch ist der sehr geradlinig inszenierte Film höllisch spannend und weist keine Längen auf. Da ist kein Gramm Fett dran an diesem Mad Max-Film. Trotzdem bleibt der Film unterm Strich natürlich das, was er ist: Ein schnörkelloser Endzeit-Actionfilm, der durch möglichst viele gelungene Explosionen unterhalten will, aber nicht unbedingt eine tiefgründige Botschaft oder besonders ausgeklügelte Motivationen seiner Figuren mit sich bringt. Als Actionfilm funktioniert der Film aber tadellos.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 27 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,0
von 10 Kürbissen

Mad Max (1979)

Regie: George Miller
Original-Titel: Mad Max
Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Action, Roadmovie, Science Fiction
IMDB-Link: Mad Max


Wenn man keine Kohle hat, muss man für eine Filmszene auch schon mal seinen eigenen Wohnwagen zerschreddern. Diese cineastische Grenzerfahrung machte George Miller bei seinem Low Budget-Actionfilm „Mad Max“, der zu einem überraschenden Box Office-Hit und Kultfilm geriet (weshalb er dann in weiterer Zukunft seine Wohnwägen behalten durfte). Wenn man den Film in einem Satz beschreiben müsste, würde dieser wohl lauten: Auf dem Highway ist die Hölle los. In einem dystopischen Australien der Zukunft machen Biker-Gangs die Straßen unsicher. Die Polizei stellt sich diesen mit aller Brutalität entgegen und ist dabei um keinen Deut besser. Max (Mel Gibson in der Rolle, die nicht nur George Millers Wohnwagen, sondern auch ihm zum Durchbruch verhalf) ist einer der besten Polizisten. Entspannung nach adrenalinberauschten Verfolgungsjagden findet er zuhause bei Frau und Kind. Doch als er einen berüchtigten Biker, der gerade freiwillig seinen Gefängnisurlaub verkürzt hat, unter die Räder kriegt, legt er sich mit der gefürchtetsten Gang von allen an, die vom sadistischen Toecutter geleitet wird. Klarerweise ist das schon bald eine Belastung für das Familienglück. Doch einen Mad Max macht man besser nicht wütend, denn das geht zulasten der eigenen Gesundheit. Ich kannte bislang nur „Mad Max: Fury Road“ und nutzte die Filmreisechallenge, um die Bildungslücke der fehlenden Original-Trilogie nachzuholen. Im Gegensatz zum schrillen, wüst-trostlosen „Fury Road“ und auch zu den beiden Fortsetzungen ist der erste Mad Max-Film noch erstaunlich gegenwartsnah. Das Dystopie-Feeling der späteren Filme stellt sich noch nicht ein. Dafür sieht man einen schlanken Rache-Action-Reißer, der aus geringen Mitteln viel macht. Dennoch: Wenn man sich aus schnellen Autos und wilden Verfolgungsjagden nicht viel macht, ist „Mad Max“ zwar unterhaltsam, aber nicht so wahnsinnig interessant, da insgesamt doch recht eindimensional.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 26 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Ederlezi Rising (2018)

Regie: Lazar Bodroža
Original-Titel: Ederlezi Rising
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Science Fiction, Erotik, Liebesfilm
IMDB-Link: Ederlezi Rising


Science Fiction und ich. Das funktioniert. Blade Runner. Her. Ex Machina. 2001 – A Space Odyssee. Alles wunderbare Filme, die ich sehr liebe. Eigentlich sollte also ein serbisches Mashup dieser Filme, das trotz des geringen Budget große Ambitionen aufweist und sich kräftig in diese Richtungen verbeugt, ganz nach meinem Gusto sein. Es bleibt leider beim Konjunktiv. Denn Lazar Bodrožas Sci-Fi-Fiebertraum krankt nicht nur an der Umsetzung wie beispielsweise einem sehr hölzernen Schauspiel und dem Budget geschuldeten Weltraumpixeleien, sondern vor allem am Inhalt. Dabei wäre die Synopsis gar vielversprechend gewesen: Einsamer Astronaut auf einer Mission wird von einem weiblichen Cyborg begleitet, und allmählich entwickeln sich zwischen dem Mensch und dem künstlichen Wesen echte Gefühle. Dass der gut aussehende Cyborg (Pornodarstellerin Stoya in ihrem ersten Nicht-Porno, wobei: das ist Ansichtssache, dazu komme ich gleich noch mal) zunächst mal frei programmierbar ist – von unterwürfig bis aufmüpfig je nach Stimmungslage des grummelig-graumelierten Grenzgängers – ist wohl ein feuchter Bubentraum, mit dessen Verwirklichung sich der Regisseur selbst beschenkt hat. In weiterer Folge dreht der fadisierte Don Juan aber die Sicherheitsregler nach unten, weil irgendwie ist so eine überraschungsfreie Beziehung auf Knopfdruck doch nicht das Wahre. Und damit beginnen die Probleme erst. Lass der Frau ihren Willen, und du bist im Arsch. Das könnte eine Message des Regisseurs sein, so könnte man seinen Film auslegen. Und damit sind wir beim inhaltlichen Problem Nummer 1. Ein besonders ausgewogenes Geschlechterbild zeichnet der Film nicht – im Gegenteil. Problem Nummer 2: Der Regisseur dachte sich wohl: „Hurra, wir haben einen Pornostar am Set, das nutzen wir doch gleich mal aus!“ Ja, okay, Cyborgs ist auch im Weltall nicht kalt, das kann ich ja verstehen, aber muss die Dame trotzdem fast die ganze Zeit über nackig herumlaufen, auch wenn sie noch so gut aussieht? Für die Story ist es nämlich wurscht. So entsteht der Eindruck, als hätten die Macher einfach die Gunst der Stunde genutzt, dass ihre Hauptdarstellerin ohnehin textilfreies Werken gewöhnt ist. Natürlich kann man das Ganze auch völlig konträr sehen – vielleicht ist „Elderlezi Rising“ ein feministisches Meisterwerk und ein satirischer Kommentar auf männlichen Macho-Kult. Vielleicht. Ich weiß es halt nicht. Und damit hat der Film – bei mir jedenfalls – seine Intention verfehlt, wenn sie denn so gedacht war, und nur der unangenehme Nachgeschmack bleibt zurück. Schade drum.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 23 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


3,5
von 10 Kürbissen

(Foto: LET’S CEE Film Festival)

Ready Player One (2018)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Ready Player One
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Abenteuerfilm, Action, Science Fiction, Fantasy
IMDB-Link: Ready Player One


Natürlich, ich war in meiner wilden Jugend auch voll der Zocker. Stunden habe ich darüber gegrübelt, ob ich den Ticketpreis für einen Zweite-Klasse-Flug von Bogotá nach Miami um 10% erhöhen sollte, oder ob ich mir damit die gute Auslastung meiner Boeing 737 versaue. Und kann ich es riskieren, die alte Embraer noch 10.000 Meilen länger in der Luft zu lassen, ehe ich sie ersetze, oder fällt mir das Ding vom Himmel? Ich bin also mit der Welt der Computerspiele gut vertraut. Jedenfalls mit der Wirtschaftssimulation Airlines. Und mit Fußballmanagern. Anstoß 3 – bäm, Oida! Kein allzu großer Spoiler: Weder Airlines noch Anstoß kommen in „Ready Player One“ von Steven Spielberg vor. Aber wer mit den beliebtesten Spielen der 80er und 90er aufgewachsen ist, wird mit diesem knallbunten Ding voller Popkultur-Referenzen seine Freude haben. Irgendwie ist es ja der feuchte Fiebertraum eines jeden Gamers, selbst in ein Spiel einsteigen zu können. Und das kann Wade Watts (Tye Sheridan), dem es so geht wie allen, die im Jahr 2045 in Columbus, Ohio leben: Die Realität ist irgendwie scheiße. Lieber tummelt sich das Volk in der virtuellen OASIS, denn dort kann man sein, wer und wie man will. Erschaffen hat diese Welt der geniale Ober-Nerd James Halliday (Mark Rylance, herrlich verpeilt). Und der hat, bevor er den Joystick für immer abgegeben hat, noch etwas hinterlassen in der OASIS: Drei gut versteckte und unlösbar schwer erscheinende Prüfungen. Und wer sie besteht, bekommt das hinterlassene Vermögen und die alleinige Herrschaft über die OASIS. Das klingt natürlich so verlockend, dass sich nicht nur enthusiastische Jugendliche, sondern auch gar finstere kapitalistische Mächte ans Werk machen, diese Prüfungen zu bestehen. Sehr zu meinem persönlichen Gaudium verbeugt sich Spielberg dabei auch einmal vor seinem alten Freund und Weggefährten Stanley Kubrick in einer der lustigsten Szenen des Films – eine der wenigen Anspielungen, die ich auch uneingeschränkt verstanden habe. Doch ist der Film auch genießbar, wenn man nicht mit leuchtenden Augen und alle drei Sekunden mit einem „Oh Gott, DAS haben sie auch noch eingebaut!“ in höhere Nerd-Himmelsphären aufsteigt? Die Antwort darauf lautet: Ja, auf jeden Fall. Zwar ist die Story selbst eine arg dünne Suppe (v.a. der arg vorhersehbare Showdown nervt), aber allein schon die Schauwerte des Films haben viel zu bieten. Die virtuelle OASIS sieht fantastisch aus und macht richtig Spaß. Weniger gelungen (weil in vielen Belangen auch unlogisch und nicht konsequent durchdacht) ist die reale Welt, aber, wie schon gesagt, die ist sowieso irgendwie scheiße. Da ist es nur konsequent, wenn auch das Publikum des Films damit unzufrieden ist. Voll meta, ey! Aber da der Großteil des Films ohnehin in der OASIS spielt, fällt das nur wenig ins Gewicht. Arg anspruchsvoll ist das alles natürlich nicht, aber für einen bunten Popcornkinoabend ist der Film genau das Richtige. Zu guter Letzt: Falls „Erebos“ von Ursula Poznanski nun doch einmal verfilmt werden sollte, setzt bitte die Macher von „Ready Player One“ darauf an, denn visuell haben es die wirklich drauf.


7,5
von 10 Kürbissen

Auslöschung (2018)

Regie: Alex Garland
Original-Titel: Annihilation
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Science Fiction, Horror
IMDB-Link: Annihilation


Oft tritt Überraschendes zutage beim Sichten von Filmen. So zum Beispiel, dass Thomas Bernhard ein echt leiwander Science Fiction-Autor war. Alex Garland hat seinen Roman „Auslöschung“ zwar ein bisschen gar frei interpretiert, aber hey – das ist das Recht eines jeden Künstlers. So wird aus dem fünfzigjährigen Professor Franz-Josef Murau die junge Biologin und Ex-Soldatin Lena (Natalie Portman). Diese plagt sich damit herum, dass ihr Angetrauter Kane (Oscar Isaac), ein Soldat, seit einem Jahr verschollen ist. Nun steht er plötzlich wieder vor der Tür, ein bisschen schweigsam vielleicht, aber doch in einem Stück. Blöd nur, dass er gleich darauf beginnt, Blut zu spucken, und auf dem Weg ins Krankenhaus wird man gleich mal eingesackelt und unter Quarantäne gestellt. Dabei stellt sich heraus, dass Kane in einer geheimen Mission unterwegs war, die eine seltsame Anomalie, einen „Schimmer“, im Sumpfgebiet von WeißderGeierwoesisthaltwieüblichirgendwoinAmerika, untersuchen sollte. Bislang ist er das einzige Lebewesen, das lebend aus diesem Gebiet zurückgekehrt ist. Und weil’s dem Holden gesundheitlich ja eh nicht so gut geht, dass man groß Hoffnung hegen könnte, und weil Lena gerade ein bisschen fad ist, schließt sie sich kurzerhand der nächsten Mission an, die aus vier Frauen besteht, weil den Männern kann man ja nicht mehr trauen, die kommen nicht zurück und wenn schon, spucken sie Blut und sehen nicht so aus, als würden sie es noch lange machen. Was dann in diesem Sumpfgebiet innerhalb des Schimmers passiert, kann man nicht erzählen, ohne massiv zu spoilern. Nur so viel: Oft fühlt man sich an Tarkowskis „Stalker“ erinnert, manchmal auch an „Jurassic Park“, stimmungsmäßig werden gelegentlich Erinnerungen an „Under the Skin“ wach, und wenn man sich in cineastischer Euphorie etwas zu sehr mitreißen lässt, könnte man auch noch Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ referenzieren, aber das wäre wohl zu viel des Guten. Was „Auslöschung“ aber definitiv bietet, ist gute und spannende Unterhaltung, die sich intellektuell nicht nur auf Höhe der Grasnarbe aufhält, aber letztlich vielleicht einen kleinen Tick zu viel verspricht als der Film letztlich halten kann.

 


7,0
von 10 Kürbissen

Black Panther (2018)

Regie: Ryan Coogler
Original-Titel: Black Panther
Erscheinungsjahr: 2018
Genre:  Abenteuerfilm, Action, Fantasy, Science Fiction
IMDB-Link: Black Panther


Ich habe eine schwarze Miezekatze zuhause. Sie hört (nicht) auf den Namen Clarisse, und ich halte es durchaus für möglich, dass sie sich nächtens aus der Wohnung schleicht, um im Königreich Wakanda die Bösen aufzumischen. Das Gegenteil beweisen kann ich nicht. So muss ich Ryan Coogler vertrauen. Und der sagt mir: Black Panther, das ist Wakandas neuer König T’Challa (Chadwick Boseman). Und der hat erst einmal ein paar Probleme. Sein Vater hat im letzten Captain America-Film den Löffel abgegeben, und nun muss eben der Sohnemann zwangsläufig das Szepter schwingen. Zuerst aber muss er sich in einem archaischen Gedresche gegen einen Widersacher behaupten. Kaum hat er das erledigt, gibt’s innerwakandische Konflikte zu lösen, da sich ein Usurpator (Michael B. Jordan, das B. ist in diesem Fall aufgrund von Verwechslungsgefahr nicht wegzulassen) in Abwesenheit der Samtpfote aufschwingt, um das technologisch weit entwickelte, aber von der Außenwelt freiwillig abgeschottete Königreich zu übernehmen und auf die Landkarten dieser Welt zu bringen. Befreiung der Schwarzen, das klingt ja erst einmal nach einem hehren Ziel. Nur über die Mittel, die dem Bösewicht im Sinne stehen, lässt sich trefflich diskutieren, denn alle Weißen wegballern mag zielführend sein, aber moralische Diskurse gewinnt man damit nicht. So sieht das auch T’Challa, der mit Hilfe einiger sehr starker Mädels in seinen Reihen dem entgegentritt. Oder sagen wir so: Während T’Challa ein Schläfchen macht, machen sich die Damen auf den Weg, den Tag zu retten. Da wären wir auch schon bei einem der Aspekte, die ich an diesem Film sehr feiere: Starke Frauenfiguren, und zwar uneingeschränkt und ohne, dass man ständig darauf hinweisen müsste. Sie sind einfach tough, und das passt schon so. Auch schön ist natürlich, dass es mal einen ethnisch diversen Superhelden gibt, der auch in Afrika verwurzelt ist und sich dort behaupten darf/muss. Gleichzeitig aber knüpft daran einer meiner beiden hauptsächlichen Kritikpunkte an, weshalb der Film – bei mir – dann doch nicht so ganz gezündet hat: Mir ist klar, dass hier auf das kulturelle Erbe des Kontinents verwiesen werden soll, das als Säule für den spannend dargestellten Afrofuturismus dient. Ich habe aber das Gefühl, dass sich die Darstellung von Tradition und afrikanischem Erbe auf eine Ansammlung von Klischees beschränkt. Was verwundert, denn mit Ryan Coogler sitzt einer der spannendsten schwarzen Regisseure der Gegenwart auf dem Regiestuhl. Der zweite Kritikpunkt betrifft die Story selbst, die dem üblichen Superheldenmuster folgt und kaum bis gar keine Überraschungen für jene bereit hält, die mehr als zwei Marvel- bzw. Superheldenfilme kennen. Da hätte man mehr daraus machen können. Es ist gut, dass es den Film gibt, und wichtig, dass er einen solchen Erfolg feiert, aber dennoch wurden – in manchen Aspekten – ein paar Chancen liegengelassen. So ist „Black Panther“ für mich ein guter, aber kein großartiger Film.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 63 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

Life Guidance (2017)

Regie: Ruth Mader
Original-Titel: Life Guidance
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Satire, Science Fiction
IMDB-Link: Life Guidance


„Das ist nicht optimal“, lautet ein Zitat in Ruth Maders dystopischer Satire „Life Guidance“. Und ja, das könnte man als Motto über den ganzen Film schreiben. Nicht optimal ist beispielsweise, dass ein Film, der in der (nicht allzu fernen) Zukunft spielen soll, sich nicht im Geringsten nach Zukunft anfühlt, nicht in Kleidung, Kulissen oder anderen Details, die man kostengünstig auf Zukunft hätte bürsten können. Nicht optimal ist auch, dass das Schauspiel der meisten Beteiligten arg hölzern wirkt und die Dialoge am Rande der Belanglosigkeit kratzen. Nicht optimal ist schließlich, dass die Kapitalismuskritik, um die es letztlich geht, auf das Publikum mit einem Vorschlaghammer eingehämmert werden, damit auch die Dümmsten es begreifen. Dass der Film zudem extrem langsam, handlungsarm und emotionslos erzählt wird und man nebenher sehr gut Einkaufslisten, Einrichtungsideen oder die nächsten Banküberweisungen planen kann, kann man auch nicht wirklich als optimal bezeichnen, obwohl ich gegen langsam erzählte Filme ja in der Regel nichts habe (siehe Satanstango). Die Story an sich ist rasch erzählt: Der Familienvater Alexander (Fritz Karl, der, falls es jemals zu einer Verfilmung von Colin Firths Leben kommen sollte, die Hauptrolle übernehmen muss) funktioniert in einem kalten, auf Optimierung ausgelegten System nicht ganz optimal, da er Gefühle zeigt, und bekommt daher eine Art „Coach“ von der Agentur Life Guidance zur Seite gestellt. Das schmeckt dem Möchtegern-Emo natürlich nicht sonderlich, und er versucht, den ungeliebten Schatten loszuwerden, wodurch er noch alles schlimmer macht (eh klar). Nach und nach versucht Alexander, sich aus dem System freizustrampeln. Seine Handlungen dabei ergeben aber nicht immer Sinn. Manches muss auch einfach nur sein, damit plakativ der Zeigefinger erhoben werden kann. Und das nervt. Sehr sogar. Leider kann man „Life Guidance“ nur als komplett misslungen bezeichnen. Die Grundidee wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, aber die Umsetzung tut stellenweise wirklich weh.


2,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

Star Wars: Die letzten Jedi (2017)

Regie: Rian Johnson
Original-Titel: Star Wars: The Last Jedi
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Abenteuer, Action, Science Fiction
IMDB-Link: Star Wars: The Last Jedi


Dass der achte Film der Star Wars-Saga (wenn man von dem Intermezzo „Rogue One“ absieht) neue Wege zu gehen versucht, zeigt sich bereits am Titel. Offiziell wird nämlich auf die übliche Nummerierung verzichtet, auch wenn der Film unter Fans natürlich als „Episode VIII“ bekannt ist. Man ist sich allgemein nicht ganz einig, was man von Rian Johnsons Einstieg in die Welt von Star Wars halten soll. Und es überwiegen tatsächlich die eher kritischen Stimmen, denen das typische „Star Wars-Feeling“ abgeht und in dem neuen Film einen beliebigen Weltraum-Kracher mit aufgesetzten, unpassenden Humoreinlagen sehen. Allerdings wird hier meiner Meinung nach eines gern übersehen: Die ersten Star Wars-Filme, beginnend mit Episode IV im Jahr 1978, sind der Inbegriff und Ursprung aller Weltraum-Kracher. „Krieg der Sterne“ hat damals das Science Fiction-Genre neu gedacht und den Standard gesetzt, der jetzt an „Star Wars: Die letzten Jedi“ angelegt wird. Und wenn man sich damit abfindet, dass die Kostüme fast 40 Jahre später eben nicht mehr wie Pyjamas aussehen, also der ganze „Retro-Charme“ durch eine zeitgemäße Optik ersetzt wurde, kann man sich – finde ich – auch mit dem neuen Beitrag zu Star Wars-Universum sehr gut anfreunden. Denn Rian Johnson macht sehr viel richtig. Die Figur des Kylo Ren, der im Vorgängerfilm noch wie ein verunsichertes Kind gewirkt hat, macht eine extrem spannende Entwicklung durch. Kylo Ren wirkt immer noch unsicher (und natürlich, er ist noch immer blutjung), aber ist getragen von einer finsteren Ambivalenz und Unberechenbarkeit. Für diese Figur ist alles offen – er kann zum Superschurken a la Darth Vader reifen, er kann aber auch einen gänzlich eigenen Weg einschlagen. Adam Driver, ohnehin einer meiner Lieblingsdarsteller, legt diese Figur so vielschichtig und interessant an wie kaum eine zweite Figur im ganzen Star Wars-Universum. Aber auch der große Held in „Die letzten Jedi“, Luke Skywalker, ist interessant wie noch nie und bis zum Ende kaum einzuschätzen. In diesen Belangen hebt Rian Johnson den neuen Star Wars-Film über die meisten seiner Vorgänger hinaus. Denn eines muss man schon sagen: So genial und unterhaltsam und wunderbar die alten Star Wars-Filme waren: die Einteilung in Gut und Böse war – vielleicht mit Ausnahme von Lando Calrissian – immer sehr schnell getroffen und klar durchgezogen. Hier die Helden, dort die Schurken. Dem fügt „Die letzten Jedi“ eine neue Dimension hinzu. Und auch die Action ist ausgezeichnet gemacht, der Film ist zudem sehr spannend erzählt. Carrie Fisher, unsere Prinzessin, hat noch einmal richtig viel Screentime. Klar, manche Kritikpunkte wie zum Beispiel, dass sie in einer Szene durchs All fliegen kann, als wäre sie Supermans Kusine, oder dass die Hintergründe vieler Figuren im Unklaren bleiben (Snoke, ein dadurch etwas unmotivierter Bösewicht) oder auch die Kritik am teilweise etwas unvermittelt platzierten Humor kann ich durchaus nachvollziehen und auch teilen, aber für mich sind das kleine Nebensächlichkeiten, die mir nicht gleich den ganzen Film vermiesen. So ist für mich „Die letzten Jedi“ ein gelungener Beitrag zum Star Wars-Universum – kein perfekter Film, das nicht, aber unterhaltsam, spannend und vielschichtig.


8,0
von 10 Kürbissen